Nr. 61 Zweites Blatt
156. Jahrgang
Dienstag 13. März 1806
Erscheint «Glich mir Ausnahme des Sonntags,
®le „tlefieuer LavMendlätter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich btigelegt Der erscheint monatlich etnmoL
Giehener Anzeiger
Rotationsdruck nrtb Verlag der Brü dl'sche» UnwersttälSdruckeret. R. Lange, «ttfeee.
Redaktion, Expedition u- Druckerei: Schulslr.K,
Tel. Sir. 6L Leiegr..Aür. j Anzeiger Gietz«,
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Zweite yesftsche Kammer.
L. 8. D a r m st a d t, 12. März.
Am Ministertisch : Mimsterialpräfident B r a n n , Ministerial- täte Dr. Becker, Weber, Usinger, Süifert.
Präsident Haas eröffnet die Sitzung. Die Etatsberatung wird bei Kap. 30, Gendarmerie, Ausgabe 543800 Mk. fort* ^bfl. Bähr bringt in Anregung, statt der jetzigen Mäntel für die Gendarmerie Um hänge zur Einführung zu bringen, die praktischer im Gebrauch leien.
Abg. Senstfelder ist der Meinung, dan die berittenen Gendarmen sehr viel Zeit für die Pflege ihrer Pferde verwenden müssten. Er schlägt vor, die Abschaffung der Pferde für die Gen- darmen überhaupt in Erwägung zu ziehen.
DaS Kapitel wird hierauf bewilligt, ebenso Kapitel Polizei. Ausgabe 97 300 Mk., P o l i z e i k a s s e u, Ausgabe 138 860 Mk., Arbeitshaus Dieburg, Einnahme 31470 Mk., Ausgabe 63 855 Mk., Kircken 483 721 Mk.
Bei Kapitel
Landesunivcrsität
Einnahme 380 950 Mk., Ausgabe 1 249 875 Mk.
Abg.Bähr bespricht die völlig unzulänglichen Verhältnisse au der Ohrenklinik der Gießener Universität, deren Räume auch für die aller-notwendigsten Operationen und die Unterbringung der Patienten nicht ausreichen. Er ersuche die Regierung dringend, hier schleunigste Abhilfe zu schassen.
Ministerialrat Weber bestätigt die vom Vorredner vorgebrachte filnge betreffs der Zustande an der Ohrenklinik. Diese seien tatsächlich ganz unhaltbar und die Negierung habe deshalb auch bereits Erwägung behufs der Errichtung eines Erweitern n g § b a n e s angestellt, er hoffe, daß sich zwecks finanzieller Regelung der Sache auch Stadt und Kreis Gießeii ent- gegenkommend zeigen werden.
Abg. Tr. Gutfleisch bemerkt, er habe sich schon im Ausschuß eingehend über diesen Uebelstand ausgesprochen und man sei sich darin einig gewesen, für die Erweiterung der Ohrenklinil angemessene Beiträge zu bewilligen, bamit dem zehigen unhaltbaren Zustand ein Ende gemacht werde. Die Klinik werde besonders stark von der ländlichen Bevölkerung in Anspruch genommen, die Herstellung einer ordentlichen Klinik liege also vor allem im Interesse der hilfesuchenden leidenden Menschheit. Er fei kein besonderer Befürworter der Gewohnheit, Staats- ausgabcn auf Andere abzuwälzen, aber er wolle in diesem Falle doch dafür Mitwirken, daß auch die Stadt und der Kreis, r e s p. d i e Pr o o i n z z u einem Teil an diesem notwendigen Ausbau der Gießener Ohrenklinik beitragen.
Das Kapitel wird darauf bewilligt. Ohne Debatte genehmigt das Haus das Kapitel Technische Hochschule, Einnahme 444 548 Mk., Ausgabe 666 203 Mk.
Bei Kapitel 88,
Ghmuasierr, Realghmrrafieu, Realschule« :c., wird auf Vorschlag des Berichterstatters, Abg. M o l t h a n, be- schloffen, in die allgemeine Debatte über dies Kapitel einzutreten, dagegen die Frage der von der Regierung geforderten höheren Gemeindezuschüffe für die siebenklassigen Realschulen unb ben bies- bezüglicken Antrag Pennrich auszuschließen, ba hierüber noch im Ausschuß nähere Verhanblungen eingeleitet worden seien.
Abg. N o a ck beklagt, baß in einem ihm bekannten Fall ein Vater, ber gleichzeitig brei Mädchen unb einen Knaben auf bic höhere Schule fanbte, keinen Preisnachlaß beim Schulgeldzahlen erhielt.
Abg. Dr. David legt bar, es herrschten an unseren hessischen Schulen noch große Verschiebenheiien über die Rechte unb Pflichten zwischen beit Direktoren und den Oberlehrern vor, was zu vielen R e i b u ti g e n und Mißstimmungen Veranlaffung gebe. Es sei ja vor nicht langer Zeit eine Art G e - s ch ä f t § o r b n u n g über b i e D i e n st f ü h r u n g erlassen worden, ober diese sei ungenügend und stelle zu viel dem Ermessen des Direktors anheim; ihm bleibe es ganz überlassen, ob er dem Lehrerkollegium einen Gegenstand vorlegen wolle oder nicht. Der Direktor solle mehr e i n K o l l e g e, als ein Vorgesetzter ber Oberlehrer fein. Auch die Art, wie jetzt die Revisionen vollzogen würden, könne er nicht billigen. Die Tätigkeit des Lehrers werde vielfach falsch ober ungerecht beurteilt. Man sollte nach ber Revision mit bem Lehrer sprechen unb ihm mitteilen, welches Urteil man über ihn falle. Es müßte eine Aussprache mit ben Revisoren stattfinben, wie bies auch bei den Volksschullehrer-Revisionen vorgeschrieben fei. Ferner m üßte b e m L e h r e r auch ein E i u b l i ck in seine Personalakten ermöglicht fein. Das seien Wünsche, deren unbefangene Prüfung er der Regierung empfehle. Tie besonderen Wünsche seiner Partei bezüglich ber Schulreform habe sie in ihren biesbezüglichen Anträgen niedergelegt.
Mnüsierialrat Dr. E i s e n h u t h (mit leiser Stimme): Es fei z. Zt. bestimmt, daß für Mädchen, welche eine h o h e r e S ch u l e für Knaben mit besuchen, eine Schulgeldermäßigung nicht gewährt werde. Tie Zulassung ber Mäbchen sei ja zunächst nur noch ein Versuch, derselbe scheine aber nach seiner Meinung ein solches Ergebnis zu zeitigen, baß man bie Zulassung auch weiterhin gewähren und ausgestalten könne. Gegen bie Ausführungen bes Abg. Tavib legt Redner Verwahrung ein. Er bitte die Kammer, daraus nicht zu entnehmen, als ob in den Kreisen der Oberlehrer eine tiefgehende Mißstimmung gegen die Schulleitung obwalte. Trotz unangenelnnerVorkommniffe im vorigen Jahre habe er nicht den Eindruck, daß Mißtrauen herrsche. Er habe das Vertrauen zu der Lehrersämft, daß sie ihre W ü n s ch e und Beschwerden stets direkt'bei ber oberen Schulde h ö r b e anbringen werde. Wenn das damals in Gießen nicht der Fall war, so lag wohl ber Grund darin, daß die Lehrer dachten, bie Behörde habe bereits Kenntnis von ben 'Vorgängen gehabt. Die Dienstaufsicht werde von der Schulbehörde genau in derselben Weise geführt, wie in den übrigen Ressorts. Warum sollten wir auch hier eine Ausnahme machen? Tie Behauptung, daß die Revisoren stets die Lehrer verließen, ohne ihnen zu sagen, was sie von dem Ausgang ber Revision bächten, fei ein schwerer, ungerechtfertigter unb bnrch nichts b e- tv i e i e n e r Vorwurf. Es feien währenb feiner langen Jnspektionszeit kaum sechs Fälle vorgekommen, in benen er kein Urteil abgab; er habe im Gegenteil nicht nur ben betreffenden Lehrer gefabelt, fonbern auch anerkannt und gelobt, wo es am Platze war. Ter Vorwurf sei so schwer, daß Redner, wenn er wahr wäre, sofort die Minister ersuchen müßte, ihn von seinem Amte zu entbinden. Wenn man jetzt seinen fast 8 monatlichen Urlaub, ben er leibet nehmen mußte — seine erste längere Erkrank u n g in seiner 34jährigen Tieustzeit — dazu benutze, und sage, die Kräfte in ber Schulverwaltung seien unzureichend, es müßten Veränderungen eintreten, so fei das nicht schön, und die 9)leinung werde auch jedenfalls von der großen Mehrheit der Oberlehrer nicht geteilt. Eine gewisse Ursache zur Mißstimmung liege wohl in ber geringen Möglichkeit, auszurücken ; es kämen auf ca. 15 Oberlehrer nur ein Direktor. 'Aber da sollte man direkt mit solchen Sachen hervortreten und int Interesse des Standes eine Aendemng anregen. Errare humanum est, das gelte auch hier. Tie Verhältnisse in Gießen seien ja in der Tat nicht so gewesen, wie er sie bas erste Mal angegeben habe, aber bie Schulvoowattung würde der Sache uxchrjchemlich
eine andere Richtung gegeben haben, wenn Abg. Dr. David nicht die Behauptung aufgestellt hätte, baß er feine Informationen nicht aus Lehrerkreisen bezogen habe. Rebner geht noch auf verschiebene Einzelpunkte näher ein unb tritt auch der Anschauung Dr. Davids bezüglich des Verhältniffes zwischen Direktor unb Oberlehrer entgegen. Der Direktor sei nicht nur Primus inter paves, fonbern auch Vorgesetzter unb Vertrauensmann, auf ben sich bie Regierung verlassen müsse. Der Direktor führe in bereu Namen bie bi rette D i e n st a u f s i ch t. (Zustimmung.) Ergebe zu, daß während seiner durch Krankheit bedingten 8monat° liehen Abwesenheit bic D i e n st g e s ch ä f t e etwas gelitten haben mögen, aber es habe ihn boch schmerzlich berührt, vom Vorredner derartige Anschuldigungen zu vernehmen. (Beifall.)
Ministerialpräsident Braun: Auch er müsse mit Nachdruck Verwahrung dagegen einlegen, als ob etwa die Lehrerschaft an den höheren Lehranstalten gewissermaßen unter einem Zwange ständen oder derartige Mißstände v-orhanden wären, wie sie Dr. David geschildert. Personalakten existierten überall da, wo der öffentliche Dienst es erfordert. Es werde auch in den übrigen RessortS der inneren Verwaltung genau ebenso verfahren, wie bei der Schulverwaltung.
Abg. Dr. David erklärt, es habe ihm absolut fern gelegen, Derrn Ministerialrat Eisen Huth irgend einen persönlichen Vorwurf zu machen. Er habe nur ganz allgemeine Ausrührungen vorgebracht, ein Angriff habe nicht darin gelegen. Redner geht dann auf einige Einzellfeiten näher ein, auf die
Ministerialrat Eisenhuth kurz erwidert.
Damit erklärt Präsident Haas die Debatte für geschlossen.
Ä'aV. 39, höhere Bürgerschulen, wird von der Tagesordnung abgesetzt, ebenso Kap. 41, Volksschulen, während Kap. 40, 42 und 43 angenommen werden. Bei Kap. 44, Taubstummen- unb Blindenanstalten, ersucht Abg. Damm, den Schulzwang auch für Blinde und Taubstumme einzuführen unb einen Neubau ber Anstalt zu Friedberg in Erwägung zu ziehen.
Ministerialrat Eis en Huth verspricht, dtese Wunsche näher prüfen zu wollen.
Beim Titel Landesmus cum fragt Abg. Bahr, ob da«- selbe wohl iwch in diesem Jahrhundert eröffnet werden würde. (Heiterkeit.) _
Ministerialrat Becker erwidert, daß die Eröffnung am 17. September b. I. erfolgen werde.
Beim Kapitel Denkmalspflege bringt Abg. Reinhart einen Antrag ein, bie Regierung möge nähere Mitteilungen über ihre Pläne bezügl. ber weiteren Renovierung de§ Wormser Domes vorlegen unb Vorschläge über bie weitere Aufbringung ber erforderlichen Mittel machen.
Das Haus nimmt den Antrag unb das Kapitel an, nachdem Ministerialrat Frhr. v. Biegeleben eine Vorlage im Sinne des Antrags Reinhart zugesagt hat.
Bei Kapitel Aerztlicher Dienst wünscht Aba. Dr. F r e n a v bie Einführung der Anzeigepflicht für Tuberku.osekranke.
Ministerialpräsident Braun sagt zu, bie Sache in Erwägung zu nehmen.
Auf eine Klage des Abg. Breimer bezüglich ber Verzögerung ber Genehmigung von Baugesu chen erwidert
Ministerialrat Frhr. v. Biegeleben, baß bic Erledigung prompt erfolgen müsse, daß er aber gegen den Borwurf ber Ehikane Verwahrung cinlegen müsse. Tie Regierung wolle nicht bei Einführung einer bestimmten modernen Richtung, sondern ber heimatlichen Bauweise bas Wort reben.
Nachdem ber Regierunosvertreter mehreren Klagen bes Abg. Joutz bezüglich einiger unter Denkmalsschutz gestellten alten Bauwerke unb eines Stadtmauerrestes in Butzbach die Maßnahmen des Tenkmalspslegers in Schutz genommen, genehmigt bas Haus noch die Kapitel 53 bis 61 ohne Debatte.
Nack'ste Sit'-uug morgen früh.
Witterurigsuwlchläak n Algeciras.
Tie Presse jenseits des Kanals und der Vogesen ist verschnupft wegen des Witterungsumschlages in Algeciras. Vor ungefähr 8 Tagen stimmte die deutschfeindliche englische und französische Presse Freudengeheul über die Isolation Deutschlands in Algeciras an, weil es in einer Geschäftsordnungsfrage von ben anderen Mächten, darunter das uns verbündete Italien, überstimmt wurde. Die „Nordd. Allg. Ztg." wies schon damals diese „Isolierung" als ein Hirngespinst zurück. Unb wie recht sie hatte, beweist die Tatsache, daß nunmehr sich in Betreff des deutschen Vorschlages zur Regelung der Bank- und Polizeifrage sämtliche Mächte, vor allem Rußland, Italien, Amerika und, was besonders bedeutungsvoll ist, auch England auf s e i t e n d e s „i s o l i e r t e n" D e u t s ch l a n d stellten! Jetzt wäre die Reihe an uns, vom „isolierten Frankreich" zu sprechen. Wir erblicken aber in der Stellungnahme der führenden Mächte nichts weiter als die Sympathie mit den deutschen Vorschlägen zur Erledigung der strittigen Punkte und die Abneigung gegen die französischen. Ob Frankreich aber diesen Wink mit dem Scheunentor- der Neutralen und der Verbündeten verstehen und ihm Folge leisten wird, muß noch dahingestellt bleiben, besonders im Hinblick auf das durch die Kabinettskrise leer gewordenen Portefeuille des Ministers des Auswärtigen. Wenn die Neutralen, Rußland und England besonders, ihre jetzige Haltung nicht ändern, was ja kaum zu erwarten steht, so ist jedoch ein Nachgeben Frankreichs nicht ausgeschlossen.
Die Montag-Sitzung der Redaktionskommission in Algeciras beschäftigte sich mit der Bankfrage. Die Polizeifrage wurde nicht berührt. Es ist in allen Pun kt en eine Einigung erzielt worden bis auf die Frage, w e lch e Anz a h l v ou Gr ün d er an t e ilen bei der Bank dem französischen Anleihekonsortium für den Verzicht auf sein vertragsmäßiges Vorzugsrecht überlassen werden sollen und die Regelung ber Zensorenanstellung. Die Franzosen fordern zwer Bankanteile für die 2lb- tretung der Vorzugsrechte aus Artikel 32 und 33 des Anleihevertrages von 1904 und einen dritten Anteil für bie Übertragung des Anleihedienstes und der Kontrollrechte aus Artikel 15 und 16 dieses Vertrages. Deutschland will bisher dem französischen Konsortium nur zwei Anteile einräumen. In der Zensorenfrage besteht die Meinungsverschiedenheit darin, daß die französischen Vertreter die Wahl je eines Zensors ben vier zentralen Notenbanken von Deutschland, England, Frankreich und Spanien, bie deutschen Vertreter den betr. Regierungen zuweisen wollen. Auch nach dem deutschen Vorschläge sollen die Zensoren aus dem Personal der 4 Banken ernannt werden. Endlich wünschen die Franzosen, daß bic Berichte der Zensoren den Banken mitgeteilt werden sollen, während von deutscher Seite vorgeschlagen wird, daß die Sianatarmüchte Abschriften der Berichte der Zensoren er- tzauerr.
In den südlichen Provinzen von Marokko ist die vorjährige Ernte derartig schlecht ausgefallen, daß kein Getreide vorhanden ist und großeHungersnot herrscht-. Tie Leiden des Volkes steigern sich bo'.i Tag zu Tag.
Deutsches Neich.
Wilhelmshaven, 12. März. Der kaiserliche Sonderzug traf heute morgen hier ein unb fuhr ohne Aufenthalt sofort nach der Werft. — Der Kaiser begab sich zu Wagen nach dem Linienschiff „fiat)er Wilhelm II/. Um 12 Uhr fuhr er bei Negenwetter zur Vereidigung, die im Exerzierschuppen stattfand. Es erfolgte die Ansprache der beiden Oberpfarrer sowie die Vereidigung. Darauf hielt der Kaiser eine kurze kernige Ansprache an die Rekruten, in der er Folgendes ausführte:
Tie Rekrttten sollten der großen Taten des beutfeben Volkes einaebenf bleiben, aber auch ans ben selbstverschuldeten Schicksals- schlägen desselben lernen. Er erinnerte an bie Schlacht bei Jena 1806 unb ermahnte, Glauben unb Vertrauen auf Gott zu behalten; der Armee vor Jena habe das gefehlt. Deshalb fei bie Schlacht verloren worben.
Nach der Vereidigung begab sich der Kaiser zum OfsizierSkasino. Dort fand ein Frühstück statt. Der Kaiser verließ nach 3 Uhr das Kasino und begab sich an Bord des Linienschiffes „Kaiser Wilhelm II.". Heute abend fand an Bord dieses Schiffes eine Abendtafel von 20 Gedecken statt.
Berlin, 12. März. Nach den bisherigen Dispositionen begibt sich der Kaiser am 31. b. M. mittels Sonderzuges nach Wernigerode zu einem Jagdbesuche bei dem Fürsten zu Stolberg-Wernigerode; von dort fährt der Monarch nach Krefeld.
— Das Programm für den Einzug deS Kaisers in Krefeld wurde, nachdem eS S. M. zur Genehmigung vorgelegt wurde, durch das Hosinarschallamt bestätigt. Der Kaiser wird am 2. April gegen 11*/, Uhr an der Eisfabrik von Schroers, wo eine besondere Halle gebaut wird, den Zug verlassen und dann sich an die Spitze deL 11. Husaren- Regiments setzen. Am Ostwall sindet die Begrüßung durch ben Oberbürgermeister statt; dort sind Tribünen für bte Ehren- Jungfrauen errichtet. Der Zug geht dann über Rheinstraße, Friedrichstraße, Nordwall, Lessingstraße zur Kaserne, wo einige 1000 Schulkinder singen werden. Dann ist Parade, Besichtigung der Kaserne und Frühstück im OfsizierSkasino. Dort kleidet sich der Kaiser um und fährt um 5% Uhr zum Theater, wo zuerst der Earl Wilhelm-Bund singen wird, dann roirit MoserS »Stiftungsfest* aufgeführt. Um 7 Uhr fährt der fiaifer zur Bahn.
— Die .Berk, fiorrefp/ schreibt:
Im Verfolg ber im Oktober oes Vorjahres durch ben Kaiser angeregten Zurückziehung ber internationalen Besä tz u n g S l r u p p e u aus ber Provinz Tschili in China ist nunmehr bie Zurücksührung ber ostasjatischen Besatzungsbrigado unter Zurücklassung eines Detachements in Tschili nach Deutschland befohlen.
Detmold, 12. März. Auf Wunsch des Landtags hat Fürst Leopold die Zusammenstellung seiner Einnahmen unb Ausgaben gestattet und sie dem Landtage zugehen lassen. Die Einnahmen auS dem Domanium beziffern sich danach auf rund 800 000 Mk. jährlich, denen Ausgaben in Höhe von 680 000 bis 715 000 Mk. gegenüberstehen, nicht gerechnet die auf 20—30 000 Mk. sich belaufenden Aufwendungen für wohltätige Zwecke. Ausgegeben wurden für bie Hofhaltung 236 000 Mk., Marstall und Gestüt 58 000 Mark, Wittum und Kompetenzen 92 000 Mk., Lasten und Ausgaben (an die Landkaffe usw.) 177 000 Mk., Baukosten 50 000 Mk., Verwaltung 53 000 Mk., Zinsen 14 000 Mk.
Ausland.
London, 12. März. (Unterhaus.) 'Hc-S
daß das Volk bei ber ar^b^.en Wahl sein unzweideutiges t r e u e s F e st h a 11 e n au ben Prinzip len des Freihandels zum Ausdruck gebracht hat unb hält an feinem Entschluß fest, jedem Vorschläge, betreffend die Schaffung eines Schutzzollsystems entgegenzutreten. Balfour erklärt die Resolution für ein Tadelsvotum gegen die Opposition, beschwert sich über hie Zweideutigkeit der Ausdrücke der Resolution und verlangt Aufklärung über verschiedene Punkte. Eampbell-Ban- nerman erklärt die Fragen Balfours für unnütz, irre- leitend und sinnlos. Unter Proteftrusen der Opposition imb lauten Beifallsrusen der Ministeriellen ruft Bannerman aus4 Genug von diesen Narrenpossen ,laßt uns zu unserer Arbeit gehen!
Paris, 12. März. Der sozialistische Generalrat nahm eine Resolution an, in der der Ausschluß Br Lands als Mitglied aus der Partei verlangt wird, weil er in das Mini- fterium Sarnen emzutwten bereit sei.
— Während seines Aufenthaltes in Paris hat, wie verlautet, ber König von England dem Fürsten Radolin mit« teilen lassen, daß er sehr erfreut wäre, ihn 'zu sehen.^ um ihm dadurch einen Beweis seiner Sympathie zu geben. Der König, ber währenb ber letzten Zeit bemüht gewesen war, eine Verständigung über bie marokkanische Frage herbeizuführen, hat auf seine Absicht, ben beutschcn Botschafter zu fthen, aus Grünben ber Etiketteverzichten müffett»
Rußland.
Am Todestage des Zaren Alexander II., am 14. dS., wird eine Amnestie erwartet, die, wie verlautet, fast sämtliche politischen Verbrechen umfassen soll. (?) Man spricht von 98 von 100 aller Inhaftierten, die frei- gelaßen werden sollen. — Aus Otjchakow wird gemeldet, daß Leutnant Schmidt, sowie die übrigen Verurteilten vom ,Poternkin" ein Gnadengesuch einreichten.
In Strykow bei Lodz (Polen) kam es zu einer Schlagerei religiösfanatischen Charakters, wobei Anhänger der Sekte der Mariaviten fünf ihrer katholischen Gegner töteten. — DaS Bezirksgerichts in Bobroisk urteilte 28 Soldaten des Strafbataillons ab, die sich des Versuchs der Meuterei schuldig gemacht haben. 13 wuaden zum Tode, die übrigen zu 20, 15 oder 3 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. — In Ber- Iditschenr nmrde bei dem Advokaten Fuchs eine Bombens


