Auslande war, dem wurde eb, namentlich an Badeorten internationalen Rufes, offenbar, daß die Neider und Widersacher Deutschlands dcffen „Kolonial- affären" mit Behagen ausschlachten und in die Welt hinaustragen. War doch Schreiber dieser Zeilen Zeuge, wie selbst in einem kleineren böhmischen Badeort die Angelegenheit de§ Majors Fischer den tschechischen Gästen Anlaß zu spöttischen Bemerkungen gab. „Einer der ältesten deutschen Kolonialoffiziere, ein Mitkämpfer Wißmann's: man spreche in Deutschland nicht über tschechische, polnische, russische Wirtschaft!" Der seit Jahrhunderten unerschütterte, beispiellos glänzende Ruf deutscher Verwaltungsbeamten ist bedroht, und das eben hätte man im Auslande nicht für- möglich gehalten.
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Zu einem Vertreter des FachblatteS „Deutsche Schuh- rmo Lederwelt" hat sich Abg. Erzberger dahin geäußert: Man fmm den: neu gegründeten Verbände der Militärstiefel- Fabrikanten nur angclcgcntlichst empfehlen, ungesäumt mit Offerten an die Kolonialverwaltüng heranzutreten. Die Untersuchung gegen Major Fischer hat, wie ich positiv weiß, ergeben, daß Best e ch n n g e n v o r g c k o m m e n sind. Die Lieferungsverträge mit der Firma Tippelskirch, die demnach gegen Treu und Glauben verstoßen, muffen fallen.
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Vor dem Kaisermanöver.
Aus Schlesien wird uns geschrieben:
Das Herannahcn des Kaisermanövers macht sich bemerkbar. Den Beamten des Eisenbahndirektionsbezirks Breslau konnte vorderhand nur zum Teil und für kurze Zeit Sommerurlaub bewilligt werden, weil zu den Anforderungen des Reiseverkehrs mit den schlesischen Bädern die Inanspruchnahme des gesamten Personals aus Anlaß der Manöver- transporte sich gesellt. Wie stets beim Kaisermanöoer, so ist auch diesmal mit einem starken Fremdenbesuch zu rechnen. In Hotels von Breslau und Liegnitz sind bereits Vorbestellungen eingetroffen. Es wird eine goldene Ernte auch für die Geschäftsleute des Ostens geben, denn der internationale Verkehr auf der Linie Paris-Konstantinopel geht in der Regel durch ihn hindurch und läßt ihm nur geringen wirtschaftlichen Nutzen. Da Truppenteile des sächsischen Kontingents mit dem schlesischen Armeekorps vereinigt werden, ist lebhafter Besuch auch aus dem Königreich Sachsen zu erwarten, deffen Geschäftsverkehr mit Schlesien auf Grund der verbefferten Eisenbahnverbindungen kräftig aufblüht.
Der Herzog von Connaught und der englische Kriegs Minister Halda ne werden an den Manövern teilnehmen.
Die Wahlen znr hessischen Landwirtschastökammcr.
Diese Wahlen stehen nun bevor, wahrscheinlich finden sie in der ersten Hälfte des September statt. Wir wollen deshalb nicht versäumen, unseren Lesern das Notwendige hierüber mitzutcilen und die in Betracht kommenden Fragen zu beantworten: Wer ist wahlberechtigt? Wer ist wählbar? Wie und wo wird gewählt?
Vorausschicken wollen wir, daß die Landwirtschastskarnrner aus 45 Mitgliedern besteht, je 15 aus jeder Provinz. Es ist deshalb jede Provinz cingeteilt in 15 Wahl(Vertrauens»)männerkreise. Jeder Wahlmännerkreis wählt einen Vertrauensmann, die iünfzehn Vertrauensmänner wählen ein Mitglied der Landwirtschaftskammer. Ein Wahlmännerkreis kann je nach Umständen mehrere Gemeinden umfassen, oder es kann eine Gemeinde in mehrere Vertrauens- niännerkreise eingekeilt sein. So z. B. bilden Mainz, Zahlbach, Kastel und Kostheim zusammen einen Kreis, während Hechtsheim in zwei, Gonsenheim in drei Kreise zerfällt.
Ucber aktives und passives Wahlrecht handeln die Art. 18—23 des Gesetzes, die L.-K. betreffend. Wir bringen deshalb dieselben zum Abdruck, indem wir besonders wichtige Bestimmungen hervorheben :
Art. 18. Zur persönlichen Teilnahme au der Wahl der Vertrauensmänner sind nur solche Verbandsangehörige (b. h. Eigentümer, Nutznießer und Pächter landwirtschastlich genutzter Grundstücke mit einem im Großherzogtum gelegenen eigenem Vermögen an landwirtschastlich genutztem Grundbesitz ober an landwirtschait- liebem Betriebskapital im Werte von mindestens 3000 Mk. ohne £>oireite unb Walb) berechtigt, bie zur Zeit ber Wahl beutsche Reichsangehörige, männlichen Geschlechts, volljährig unb in bas für vollziehbar erklärte Umlageverzeichnis eingetragen sinb. Werden feine Umlagen (b. h. Gemeinde-Umlagen) erhoben, so ist bas be= sonbers ausgestellte Verzeichnis ber an sich Umlagepflichtigen maß- gebenb. Ein persönlich Wahlberechtigter kann sich bei ber Stimmabgabe bureb einen Bevollmächtigten vertreten kaffen.
Das Wahlrecht von Verbanbsangehörigen, bie unter Dormund- schaft ober Pflegeschaft stehen ober nicht natürliche (fonbern juristische, z. V. Genoffenschasten) Personen sinb, wirb von ihren gesetzlichen Vertretern, bas Wahlrecht van weiblichen Verbanbsangehörigen burch Bevollmächtigte ausgeübt. Gesetzliche Vertreter können sich bei ber Stimmabgabe burch Bevollmächtigte vertreten lassen.
Ein Bevollmächtigter muß benselben Ertorbernffsen entsprechen, wie ein persönlicher Wahlberechtigter, braucht jeboch nicht 23er- banbsangehöriger zu fein. Er bars nicht mehr als eine Vollmacht übernehmen. Tie Vollmacht bebarf ber schriftlichen Form unb ist van ber Bürgermeisterei bes Betriebsbesihes bes Verbanbsangehörigen kosten- unb stempelfrei zu beurfunben.
Art. 19. Das Wahlrecht ruht für benjenigen Wahlberechtigten
1. ber sich nicht im Besitz ber bürgerlichen Ehrenrechte be= finbet, 2. über besten Vermögen ber Konkurs eröffnet ist, 3. in besten Grunbstücke die Zwangsversteigerung ober bie Zwangsverwaltung eingeleitet ist.
Die Vorschriften bes Abs. 1 finben auf Bevollmächtigte (Art. 18) entsprechende Anwendung. <Es kann also derjenige nicht Bevollmächtigter werden, dem bie bürgerlichen Ehrenrechte abgesprochen sinb.)
Art. 20. Für bie Ausübung bes Wahlrechts ist ber Sih bes Betriebs maßgebenb. Wirb ber Besitz eines Verbanbsangehörigen van mehreren Betrieben aus bewirtschaftet, so ist zunächst ber Sitz des voni Verbandsangehörigen selbst bewirtschafteten unb sobann ber Besitz bes größeren Betriebs maßgebenb.
In Zweifelsfällen entscheibet ber Vorstanb ber LanbwirtschaftS- kammer.
Art. 21. Wählbar zu Vertrauensmännern, sowie in bie Ausschüsse unb in bie Lanbwirtschaftskammer sinb bie persönlich wahlberechtigten Verbanbsangehörigen, bie zur Zeit ber Wahl 25 Jahre alt sinb unb bereu Wahlrecht nicht ruht.
So weit die Wählenben nicht ausübenbe Lanbwirte sinb, muß der Wert bes ihre Verbanbsangehörigkeit bebingenben Vermögens minbestens zehntausenb Mark betragen.
Art. 22. Bei Wegfall einer Voraussetzung ber Wählbarkeit erlischt bas Amt bes Gewählten, so baß Ergänzungswahl statt- finben muß.
Art. 23. Die Wahl bet Vertrauensmänner wie ber Mit- glieber zur Lanbwirtschaftskammer finben aus ben Zeitraum von 5 Jahren statt.
Findet im Laus der Wahlperiode der Abgang eines Vertranens- manns ober Mitgliebs zur Laudwirtschastskammer statt, so ist für ben Rest ber Wahlperiobe Ersatzwahl vorzunehmen.
In Bezug aus die Vorwahle merke man sich nach folgendes: Tie Listen ber Verbanbsangehörigen werben eine Wache lang aufgelegt, sodaß man Einsicht darin nehmen kann. In jedem Wahlmännerkreis wird ein besonderes Wahllokal unb eine befonbere Wahlkommission gebilbet, also in Gonsenheim z. B. brei. Silben mehrere Gemeinben zusammen einen Kreis, so wird in jeher Ge-
meinbe besonberS gewählt, unb bie Akten werben an ben Vorort geschickt.
Jeber Wählenbe gibt im Lokal seinen Namen an, resp. et zeigt seine Vollmacht vor unb gibt seinen Stimm-Zettel znsammen- gefalten bem Wahlvorsteher ober besten Vertreter, ber ihn ungeöffnet in bie Urne wirft. Tie Stimmzettel müssen von weißem Papier und ohne besonbere'Kennzeichen (ein unb bürfen nur einen Namen, geschrieben ober gebrückt, enthalten, ber bie betr. Person in unzweideutiger Weise bezeichnet. Im Wahllokal selbst bürfen keine Stimmzettel aufliegen unb ebensowenig ausgeteilt ober her- gestellt werben. Diese Bestimmung ist ganz neu.
Die Wahlhanblnng geschieht in allen Wahllokalen zu gleicher Zeit, sie beginnt vormittags 10 Uhr unb schließt abeubs um 7 Uhr.
Gewählt ist, wer bie meisten Stimmen hat, bei Stimmengleichheit entscheidet das Los des Wahlvorstehers.
Heber die Hauptwahlen werden wir zur gegebener Zeit bas Nötige berichten. Es ist nun an ber Zeit, daß man in ben Inub- wirtschastlichen Vereinen mit ben Vorbereitungen zu ben Wahlen, insbesondere mit ber Ausstellung ber Vertrauensleute unb Kanbi- baten beginnt. Es versäume auch fein Lanbwirt, frühzeitig nachzusehen, ob er in ber Liste eingetragen ist.
Tie Landleute mögen nur christlich, charakter-volle, unabhängige Vertrauensmänner wählen, bie wissen, wo ihren Stanb ber Schuh drückt, unb bie wahres Interesse für bas Wohl ber Lanbwirtschast haben.
Aus Stadt uns ttanOe
Gießen, den 14. August.
** Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Büdingen Georg Freiinann, Wilhelm Gall, Wilhelm Scheib, Ludwig Hemming, Johs. Lampmann, Karl Harnisch, Wilhilm Schulz und Wilhelm Weber.
** „Untrüglicher Gebirgs weiter Prophet", so nennt sich ein neu erfundener Barometer, den uns ein Freund unseres Blattes aus der Sommerfrische mitbrachte, aus ber er soeben, mit neuen Kräften und neuen Scherzen versehen, heiinkehrte. Diese kühne Ersinbung ist dazu berufen, eine vollständige Umwälzung auf bem Gebiete der Meteorologie hervorzurufen, ja diese ganze, noch gar sehr in den Windeln steckende unb Irrtümern fortwährend ausgesetzte Wissenschaft völlig überflüssig zu machen. Der kleine Apparat drückt mühelos alle zweibeinigen superklugen unb überempfindlichen Wetter- vorhersager an die Wand. Im wesentlichen besteht er nur aus einem kurzen, auf eine Holzplatte gehefteten Strick. Die Ankündigungen aber besagen folgendes:
Schon: wenn ber Strick trocken ist.
Regen: wenn ber Strick naß ist.
Veränberlich: wenn der Strick balb einmal naß ober trocken ist. Winb: wenn ber Strick unruhig ist.
Sturm: wenn ber Strick lebhaft hin unb her baumelt.
Schnee: wenn ber Strick beschneit ist.
Frost: wenn ber Strick gefroren ist.
Erdbeben: wenn der Strick heruntergesallen ist.
So sinb denn auf bie einfachste Weise, ohne jede Schwierigkeit die Rätsel der Meteorologie gelöst und man hat nicht nötig, diesen Wetteransagen gar so mißtrauisch gegenüber zu stehen, wozu man sonst gemeiniglich nur allzuviel Grund hat. Ja, bie beutsche Wiffenschaft bringt es von Tag zu Tag weiter, unb aus ber Maßen glänzend sind ihre täglich neu erstehenden Errungenschaften. Wahrlich, es ist auch heute, in dem Zeitalter der genialen Erfindungen, eine Lust zu leben, wie einst in den Tagen Ulrichs von Hutten.
p. Der Westerwaldklub hat beschloffen, auf bem Salzburger Kopf einen Aussichtsturm aus bem bort befindlichen Gestein zu errichten. Um bem Bau, besten Plan von Architekt Hofmann zu Herborn entworfen wirb, ein altes charakteristisches Gevräge zu geben, bleibt beispielsweise baS graugrüne Moos an demselben haften. Fabrikant Döring aus Sinn deckt die Auslagekosten für eine Treppe und Fabrikant Neuenborf aus Herborn liefert gratis einige Ruhebänke.
— Kinzenbach, 12. Aug. Der Kaninchenzucht- verein hielt heute in der Restauration Duill in Abendstern eine Versammlung mit Preisschießen ab. Eine Ausstellung ist für den 14. Oktober bei Gastwirt Wilh. Bender zu Nobheim in Aussicht genommen.
s. Nobheim a. b. Bieber, 13. Aug. Die am 1. Juni b. I. für unser Dorf ins Leben gerufene freiwillig e Feuerwehr wirb am nächsten Sonntag Morgen ihre erste praktische Hebung abhalten. Die junge Wehr zählt bereits 54 Mitglieder. In diesen Tagen werden bie in Offenbach in Auftrag gegebenen Uniformen eintreffen. Der Kommandant Bäckermeister H. Bender und dessen Stellvertreter H. Gerlach sind von der Nassauischen Brandversicherung vom 16. bis 18. August zur Ausbildung zu dem zu Idstein vorgesehenen Fachkursus berufen worden.
Bad-Nauheim, 13. Aug. Heute nachmittag trafen hier 41 Aerzte, Professoren und Krankenhaus-Direktoren von der Internationalen Medizinischen Exkursion ein. Sie wurden am Bahnhofe durch Baurat Dr. Eser im Namen des Festkomitees begrüßt. Nach einer Rundfahrt durch das Bad und den Park hielten Dr. med. Hänel und Professor Dr. Schott wissenschaftliche Vorträge im BadehauS 5. Hieraus besichtigten die Gäste die neuen Badehäuser. Auf dem Diner im Kurhause hielt Geh. Obersinanzrat Dr. Fllchs vom Darmstädter Ministerium die Festrede auf die französischen Gäste. Diese erwiderten mit mehrfachen Dankesäußerungen und Toasten auf das Bad Nauheim. Die Musik spielte die deutsche und die französische Nationalhymne. Der Abend schloß mit Konzert und Illumination des Kurparks.
w. Nidda, 13. Slug. Seit gestern wurden hier die ersten reifen Traub en gefunden; leider hat die Laubfallkrankheit großen Schaden angerichtet. Die Obstaussichten sind, was Birnen und Zwetschen betrifft, gute; Aepfel dagegen gibt es nur ein geringes Quantum, dazu sinb sie burch den vielen Regen rissig und fleckig. Die Frühkartoffeln faulen ehr.
Hirzenhain, 13. Aug. Gestern feierte der Niddaer Zweigverein der Gullav-Adolf-Stiftung sein Jahres- est hier. Der Gottesdienst war sehr gut besucht. Die Predigt hielt Pfarrer Ka lbhenn von Ober-Mockstadt, dessen Posaunenchor auch die Lieder der Gemeinde begleitete. An Stelle des erkrankten Vorsitzenden begrüßte Pfarrer Werner von Nidda die Gemeinde und trug den Rechenschaftsbericht vor, wonach die Einnahmen des Vereins nebst Kollekten gegen 770 Mk. betragen. In der Nachversammlung sprach Pfarrer Wolf von Ranstadt über die Evangelisation Spaniens und Pfarrer Schrimpf-Hirzenhain über Gustav Adolf. Die Kollekte betrug im ganzen gegen 40 Mk. In der Nachver
sammlung trug auch der Gesangverein von Steinberg bet Hirzenhain zur Hebung der Feier bei.
Darmstadt, 13. Aug. S. K. H. der Großherzog hat sich heute vormittag mittels Automobil von Wolfsgarten nach Bai reu th begeben. Im Gefolge befindet sich Flügeladjutant Rittmeister Frhr. v. Massenbach. — S. K. H. der Groß Herzog hat am 11. August den von dem König von Württemberg zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Großh. Hose ernannten Herrn Moser von Filseck behufs Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens in besonderer Audienz empfangen.
Mainz, 13. Aug. Die hiesige Lehrerschaft hat in einer an bie Stadtverordnetenversammlung gerichteten Petition eine Neuregulierung ihrer Gehaltsbezüge nach dem Muster der Städte Mannheini, Wiesbaden, Würzburg usw. beantragt. Die Landlehrer dagegen erstreben eine Neuregulierung der Gehalte derart, daß das Anfangsgehalt 1500 Mk., das Höchstgehalt 3300 Mk. betrage. — Im Warenhause Tietz wurde dieser Tage eine fein gekleidete Dame beim Spitzendiebstahl überrascht. Im Privatkontor des Prinzipals gestand sie nach anfänglichem Leugnen den Diebstahl ein unb bezahlte bie Spitzen, worauf man sie leiber laufen ließ.
Wiesbaben, 13. Aug. Im kommunalpolitischen Leben unserer Weltkurstabt hat sich ein Fall ereignet, der es verdient, weiteren Kreisen bekannt zu werden. Der sozialdemokratische Stadtverordnete Martin Kroll hat, nachdem er in sozialdemokratischen Versammlungen ein Mißtrauensvotum erhalten und persönlich beleidigt war, sein Mandat niedergelegt und begründet das mit nachstehender Erklärung:
Ich habe mein Mandat so ausgefaßt, daß, menn ich auch von einer bestimmten Partei ausgestellt und vielleicht zum großen Teil auch dort den betreffenden Parteimitgliedern gewählt, doch nicht allein Parteiinteressen, sondern die I n t e r e s s e n ber 9111 g e in e i n bett zu vertreten habe. Wenn ich auch in erster Linie die Wünsche und berechtigten Forderungen ber 9(rbeiter vertreten habe, so bin ich auch, wenn notroenbig, für bie kleinen Beamtet und Geschäftsleute eingetreten. Stets habe ich mich aber bemüht zu unterscheiben, inwieweit alles mit ben allgemeinen städtischen Interessen im Einklang gestanben hat. Ab gelehnt habe ich es aber, Angriffe zu machen oder Behauptungen auf= zustellen, von deren Richtigkeit ich nicht vorher übe r- z e u g t war. Ich habe mir aber auch erlaubt und mich auch bemüht, in allen städtischen 9lngelegenheiten mir ein eigenes Urteil zu bilden. Damit scheine ich aber in gewissen Kreisen mißliebig geworden zu sein . . .
Kroll ist also als Stadtverordneter das Opfer seiner Ueberzeugungstreue und Willensfreiheit geworden. Für die Moralbegriffe sozialdemokratischer Kommunalpolitik ist das ein Armutszeugnis, wie es schlimmer nicht gedacht werden kann.
Frankfurt a. M., 13. Aug. Der etwa 50jährige Bäckergeselle Raible, der vor kurzem 45000 Mark gewonnen hatte, schnitt sich mit einem Rasiermesser den Hals ab. Krankheit sowie Reue über das rasch durch - gebrachte Geld sollen die Ursache des Selbstmordes sein. — In der Altegaffe machte ein 33jähriger Schuhmacher wahrscheinlich in Geistesgestörtheit seinem Leben ein Ende, indem er sich gleichfalls den Hals mit einem Rasiermesser durchschnitt. — Den Wirten, welche beim Einkassieren am SamZtag noch den alten Bierpreis zahlten, ging seitens der Brauerei die Mitteilung zu, daß sie bei weiterer Weigerung de§ erhöhten Preises weder Eis noch Bier geliefert bekämen.
Frankfurt, 13. Aug. Eine erbitterte Fehde ist zwischen der Verwaltung eines hiesigen Aktien-Cafes und dem Verbände der Frankfurter Zigarrenhändler aus- gebrochen. Der Verband hat beim Gericht darüber Klage geführt, daß in dem Cafebetriebe des Sonntags überhaupt und an Werktagen nach 9 Uhr Zigarren in größerer Stückzahl verkauft würden. Die Zigarrenhändler, die durch die völlige Sonntagsruhe sowieso einen Geschäftsrückgang zu verzeichnen hätten, sähen darin eine schwere Schädigung ihrer Interessen. Der Verband wies auch nach, daß Besucher des CafHhauseS dort überhaupt nichts verzehrten, sondern nur ihren Zigarrenbedarf deckten. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt der Zigarrenhändler und verbot dem Cafä- haus den Verkauf von Zigarren nach 9 Uhr und des Sonntags. Das 9(ftiencaf6 antwortete mit einer Anzeige beim Staatsanwalt, in der der Nachweis geführt werden sollte, daß mehrere Zigarrenhändler, zwei dem Caföhaus benachbarte, selbst nach 9 Uhr-Ladenschluß noch Ware verkauft hätten. Gegen den daraufhin ergangenen Strafbefehl ist Berufung seitens der Beklagten ergangen. UebrigenS soll das 9lftiencaf6 nach wie vor bis zu fünf Zigarren deS Sonntags verkaufen.
Hanau, 13. Aug. Infolge des vor ungefähr fünf Wochen bei der Firma Kehl und Gust ine ausgebrochenen Streiks sind jetzt noch verschiedene Zigarrenmacher ohne Arbeit. Sie sind frei organisiert, bekommen aber schon seit 14 Tagen keine Streikunterstützung mehr. Es wird ihnen gesagt, sie sollten in die Genoffenschaftsfabrik gehen. Nun weiß aber feder Zigarrenmacher, daß er, wenn er in der Genossenschaftsfabrik war, bei keinem anderen Fabrikant aufgenommen wird. Da sie aber zu jeder Zeit frei sein wollen, haben sie dieses Anerbieten nicht angenommen und können nun verhungern.
** Kleine M itteilun g en aus Hessen unb den Nachbar st aaten. Der Bürgermeisterei zu Mainz ist ber Plan unterbreitet worben, einen Teil bes alten Winterhafens zu- zufchütten unb so ein Terrain von 50 000 qm zu gewinnen, um die Eisenbahn-Werkstätten, von bereu Verlegung bie Rebe mar, in Mainz zu erhalten.
Handel und Verkehr, Volkswirtschaft.
Märkte.
Gießen, 14.9lug. Marktbericht. 9luf heutigem Wochenmarkte kosteten: Butter pr. Psb. 1.20—1.30 Mk., Hühnereier 1 St. 7-8 Vfg., 2 Sick. 00—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Vfg., Enteneier 0 Pfg., Käse pr. Stck. 6—8 Pf., Kasematte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen p.Piund 22Pfg., Linsen p. Pfund 32Pfg.,Tanbenpr.PaarO,80—l,00Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Psb. 00-00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfg. 78—86 Pfg., Kuh- unb Rinbfleisch pr. Pfund 70—72 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 80—94 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 80—84 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 60—80 Pfg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,00—8,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,00—8,00 Alk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Pfund 15 bis 20 Pfg., in Körben 00 Pld., Nüsse 100 Stück 00 - 00 Pfg., Birnen per Pfd. Mk. 0.00—0.00, Kirschen per Pfd. 00—00 Pfg., Weißkraut per Stück 15—30 Pfg., per Zentner Mk. 0.00—0.00. -- Marktzeil 7—1 Uhr.


