Erstes Blatt
L SS. Jahrgang
Freitag 13. Juli 1906
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Nebenhaupt der Christlich-Sozialen, dazu beigetragen hat, daß der Wahlkreis Altena-Iserlohn der Sozialdemokratie ausgeliefert wurde. Daß im übrigen in vielen Fragen, namentlich in solchen der Bekämpfung der freier! Kunst und in Schulfragen, die Christlich-Sozialen nut dem Zentrum Arm in Arnc wandeln, und in manchen Wahlkämpfen einander briiderlich unterstützt haben, ist eine altbekannte Tatsache, sodaß die Vermutung, auch hier hatte Stöcker selber dem Zentrum Vorspanndienste geleistet, nahe lag.
Hier wird also zwischen den Zeilen zugestanden, daß zwar nicht Stöcker, so doch „ein anderer", C...
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Verantwortlich für den polit und allgern. Teil: P. 93111 f o • füt ,Stadt und Saab* und »Gerichtssaal": Ernst Heb; für den An« zeigenteil: Hans Beck,
Kor 40 Jahren!
(Original-Artikel des „Gießener Anzeigers")
In der Geschichte unseres engeren Heimatlandes haben wir als einen der traurigsten Erinnerungstage den 13. Juli zu verzeichnen. Heute sind 40 Jahre verflossen, seit dem Tage, an dem der deutsche Bruderkrieg von 1866 bei dem unterfränkischen Orte L a u f a ch zu jenem blutigen Zusammenstoß zwischen den Truppen des hessischen Bundeskontingcnts und der preußischen Mainarmee führte, der Hessen einen Verlust von etwa zehn Prozent seiner gesamten Hecresmacht znfügte, denn von den 8000 bis 9000 hessischen Soldaten blieben 780 Mann und 32 Ossizicre als Tote oder Verlvundetc aus dem Platze. Nachdem die Entscheidung in dein gewaltigen Ringen zwischen Preußen und Oesterreich auf den böhmischen Schlachtfeldern gefallen Ivar, wollte — zehn Tage nach Königgrätz — auch das 8. Bnndes- korps einen großen Schlag ausführen und machte bei Laufach den Versuch, der preußischen Mainarmee unter Führung Vogels von Falkenstem den Weg von Aschaffenburg nach Frankfurt zu verlegen. Dabei war aber die hessische Division ohne jede Deckung den Feuerschlünden der Brigade Wrangel ausgesetzt und in furchtbarer Weise dezimiert worden; unter den gefallenen Offizieren auf hessischer Seite befanden sich, wie Erbgroßherzogin Alice damals in einem Briefe an ihre Mutter berichtete, gerade die, die mit den Preußen ' auf besonders gutem Fuße standen und die Einheit Deutschlands unter Preußens Führung erstrebten. Zwar hat der 18. August 1870 bei den blutigen Gefechten von St. Privat der hessischen Division noch mehr Opfer an Toten nnd Verwundeten gelüftet (1200) aber besonders an der Waldlisi-^re des Bois de la Cusse haben diese Hessensöhne einen Helbentod gefunden, der mit entscheidend für den Ausgang der Schlacht einwirkte und mit glänzenden Lettern in der deutschen Kriegsgeschichte von 1870/71 verzeichnet hleiben wird. An der -traurigen Katastrophe von Laufach, Frolmhofen und Aschaffenburg, nach der ganz Hessen in zwei Tagen von preußischen Truppen besetzt wurde, haben aber die hessischen Soldaten teilte Schuld^ .Vielmehr bezeugt teilt Geringerer, alZ Heinrich von
der Verlust der 800 wackeren Hessen zu beklagen war. In Baden hatte sich die Regierung, trotzdem die Ständekammern die Mobil- machungskosten bewilligten, bei der Abstimmung am 14. Juni kluger Weise der Stimme enthalten und der badische Truppen- führer, Prinz Wilhelm, hatte sich auch, da ja der Kampf der Mainarmee gegen die süddeutschen Truppen erst nach der Entscheidungsschlacht von Küniggrätz begann, nicht sonderlich nach dem Zusammentreffen mit den Preußen gedrängt. Und schon am 22. Juli richtete die badische Kammer das Ersuchen an den Großherzog, den Krieg aufzugeben und den Anschluß von Baden an Preußen herbeizuführen. Auch Herr v. Dalwigk mußte sehr bald zu seiner großen Betrübnis erfahren, daß er von aller Welt verlassen und sein schöner Traum von einem deutschen Reich unter Oesterreichs Führung grausam vernichtet war; sein ganzes Jntriguenspiel — er hatte sogar die französische Intervention Napoleons angerufen — erwies sich als vergeblich. Datwigk sah sich genötigt, nach langem Harren und Bangen am 3. September mit Preußen einen Friedensvcrtrag zum Abschluß zu bringen, und Ivenn dieser noch verhältnismäßig glimpflich für Hessen ausfiel, so war das wahrhaftig nicht Dalwigks Verdienst. Unter dem Druck der allgemeinen Verhältnisse und da er sich mit großer Zähigkeit an seinem Posten festUammerte, sah sich T. sogar geznmngen, zuguterletzt aus dem Saul noch ein Paulus zu werden und im April 1867 mit dem so sehr gehaßten Preußen eine Militärkonvenlion und ein Schutz- und Trutzbündnis zum Abschluß zu bringen. In steter Uneinigkeit mit dem Gros der deutsch-patriotischen Bevölkerung hat er dann itotf) einige Jahre weiter das Steuerruder des Staates in der Hand behalten, bis ihn die nationalen Ereignisse des Jahres 1870 zum Rücktritt zwangen: er schied, nachdem er auch noch den Vertrag über Hessens Eintritt in das Deutsche Reich unterzeichnet, auf dringendes Anraten aus Berlin von feinem Posten und, mit feinem Ausschcidcit trat auch in der inneren Politik unseres Hessenlandes eine erfreuliche Wendung zum Besseren ein, die seither treulich angehalten und zum Segen des Landes gedient hat. z •
Nr. 162
Erscheint täglich außer Sonntag-.
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Shbel, ausdrücklich deren Schlagfertigkeit in seiner Geschichte der Begründung des deutschen Reiches mit den Worten:.„Noch übler, als bei dem siebenten, sah es bei dem achten Bundeskorps aus. Fertig war unter seineii Kontingenten nur das Hesseir- Darmslüdter, eine stets alstüchtig anerkannte Truppe usw. nsw. , . L
Es muß auch heute noch jeben Heuen mit Betrübnis erfüllen, wenn er auf die damaligen Zustände in Deutschland znrück- blickt. Staatsminister v. Dalwigk unseligen Angedenkens hatte in seiner 20 jährigen Tätigkeit an der Spitze Hessens stets in ostentativer Weise seine Preußenfeindlichkeit bekundet. Er war auch einer der ersten, der in der Bundesversammlung am 14. Juni 1866 dem Antrag auf Mobilmachung der Bundesarmee gegen Preußen zustimmte, trotzdem beide Kammern den angeforderten Kriegskredit von 4105 000 Gulden verweigert hatten. Noch wenig Tage zuvor hatte der Finanzausschuß der 2. Kammer in eindringlichster Weise vor dem folgenschweren Anschluß an Oesterreich gewarnt und ausgefuhrt: „Die Mobilmachung ist nur geeignet, verderbliche Konflikte für unser Großherzogtum heraufzubeschwören, die Provinzen Oberhessen und Rheinhessen schutzlos der Besetzung und Schtapfung durch ntchthessische Truppen auszusetzen und für unsere Mitbürger tn der von preußischen oder östreichischen Soldaten gleichzeitig besetzten Stadt Mainz die furchtbarsten Folgen horbeizusuhren, während unsere kleine militärische Macht dem engeren oder weiteren Vaterlande keinerlei klaren und erweislichen Vorteil zu schaffen vermag!" Doch Dalwigks tiefer Haß gegen das protestantische Hohenzollernhuus blieb unerschütterlich: Verlangen eie da, wo zwischen Recht und Unrecht zu wählen ist, keine '.'Neutralität!" so rief er, aus und erging sich bann m langen Klagen gegen den Ausschuß, der so tue als ob die Regierung etwas verlangte, „was m ihrem partikularen Interesse läge und nicht für das große gencinianie Vaterland gefordert würde." ~
Nun der damalige Kaminerauslchutz und die höllischen Gegner des Anschlusses an Oesterreich haben recht behalten. Das eigenwillige, verfassungswidrige Vorgehen hat die Mversten Folgert für unser Großherzogtum gezeitigt, als deren surchtbarlte
Deutsches Reich.
Berlin, 12. Juli. Die Jacht „.Jamburg' mit dem Kaiser an Bord ist heute mittag von Tromfoe nach Hamm er fest gegangen.
— Eine Zusainme nkunft Kaiser Wilhelms m ist König Eduard für diesen Sommer steht nach der offiziösen Münchener „Allg. Ztg." fest. Es sei bisher nichts eingetreten, was eine Aenderung in diesen Entschlüssen hätte herbeiführen können. Von Einzelheiten ist aber noch nichts bekannt.
— Im Anschluß an die K ab inetts ordre des Kaisers, wonach der Yacht Hohenzollern anläßlich der Geburt eines Thronerben ein Präsentiermarsch verliehen worden ist, bringt die „Rat.-Ztg." einen bemerkenswerten Artikel, in welchem das Bedauern ausgesprochen wird, daß die erhoffte Amnestie unterblieb und worin es ii. a. heißt:
Wir können uns der Gewißheit immer weniger entziehen, daß ein kleiner exklusiver Kreis sich von Tag zu Tag enger um den Herrscher schließt, daß das starke Menschentiim Wilhelms II. in eine Wolke hösischer Liebedienerei gebannt, dem Blick der breiten Masse entzogen und in seinen freien Valenzen durch Einflüsse gebunden wird, die nichts von der Volksseele und ihrer werbenden Liebe zu unserem Hohenzoltern-Kaiser wisse n. Es mehren sich die Zeichen, daß Kaiser Wilhelm geradezu bedenklich einseitig informiert und über Vieles im Unklaren gelassen wird, was er w i s s e n müßte.
— Die Nachricht eines hiesigen Blattes, wonach dem Reichstage bereits im nächsten Winter das neue Zivil-
Siehener Anzeiger
General-Anzeiger w
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Ein Gießener angesehenes Mitglied der christlich-sozialen Partei ist mit der Bemerkung in unserem gestrigen Mena-Jserlohu-Artikel nicht einverstanden, daß durch die dortige christl.-soz. Sonderkandidatur „Stöcker dem Zentrum die Wege zu ebnen gedachte". Stöcker selbst, so schreibt uns der Herr, habe mit dieser Kandidatur nichts zu tun gehabt. Das ist überraschend, denn er ist doch Gründer und unumschränktes Haupt der Partei. Aber wir hören es, daß „die Kandidatur von anderer christlich-sozialer Seite ausgegangen ist".
„Stöcker selbst", so führt die Zuschrift fort, „ist gegen einen Zentrumsmann, den inzwischen verstorbenen Stützet, gleich im ersten Wahlgange gewählt. Er hat sich auch nur wenig an der Agitation int Wahlkreise beteiligt, hat aber ausdrücklich versprochen, für den Fall, daß der nationalliberale Kandidat in die Stichwahl komme, dafür ciuzutreten, daß seine Freunde diesen unterstützen. Fenier tyat die Stichwahlparolc gelautet „gegen die Sozialdemokratie", und zwar zu einer Zeit, wo noch nicht sicher fest stand, wer der dadurch Begünstigte fein würde; und so wirds allewege sein, da wir Christlich-soziaten bei aller Anerkennung von vielen sozialen Forderungen der Sozialdemokratie doch in ihr schon wegen ihrer tatsächlichen Stellung zur Religion einen schlimmen Feind des deutschen Volkes erkennen müssen, .ganj abgesehen von ihrer politischen Stellung. (Wie anders ist letztere doch in England und Frankreich.) Sie nennen die christlich-soziale Kandidatur eine aussichtslose. Gewiß, große Erfolge hat sie ja nicht gehabt, nicht solche, wie auch Schreiber dieses gehofft hatte, aber vorwärts gekommen sind wir doch, und auch die Sozialdemokratie hat klein angefangeii im Wahlkreise — leider habe ich die Zahlen hier nicht zur Hand — weshalb soll das für uns nicht auch möglich sein, besonders bei der sozialen Stellung mancher Führer der rhein.-westf. National- liberalen?"
Pensionsgesetz vorgelegt werden soll, bestätigt sich, wie die „Voss. Ztg." erfährt, nicht.
— Der Kronprinz hat den städtischen Behörden Potsdams für die Glückwünsche zur Geburt eines Sohnes in folgender Form gedankt:
„Tleine Vaterstadt Potsdam hat zil dem großen Glück, welches der Kronprinzessin und mir durch Gottes Gnade beschieden wurde, in herzlicher Weise ihre Teilnahme befunbet. Wir danken dem Magistrat, den Stadtverordneten und der gesamten Bürgerschaft für alle die Beweise treuer Liebe und Anhänglichkeit, die uns in diesen Tagen entgegengebracht ivorden sind. Um unserem Danke und unserer Freude einen besonderen Ausdruck zu geben, habe ich 8 um Besten bedürftiger Kinder Potsdams 1000 Mark aus meiner Schatulle zur Verfügung gestellt."
— Nach einer Verfügung des Kultusministers soll die preuß. Regierung einer Erhöhung der Lehrergehälter in denStadtgemeinden entgegenwirken, wenn dadurch die Gleichmäßigkeit der Besoldung in Stadt und Land gefährdet wird.
— Der „StaatSanz." veröffentlicht die Gesetze betreffend die Vermehrung der Mitglieder des Hauses der Abgeordneten und die Aenderungen der Landtagswahlbezirke und Wahlorte, sowie betreffend die 9(bänberung der Vorschriften über das Verfahren bei den Wahlen zum Abgeordnetenhause, beide vom 28. Juni 1906, sowie betreffend die Ergänzung des Gesetzes vom 1. Juni 1882 betreffend die Einsetzung von Bezirkseisenbahn räten und eines Landeseisenbahnrates für die Staatseisenbahnverwaltung vom 15. Juni 1906.
. Äolonialpost.
— Dem Londoner „Dailtz) G^apyic" wird aus Berlin gemeldet, daß die Verhandlungen über die Grenzregu-- 1 ierung zwischen dem deutschen und dem brit. Gebiet östlich und westlich vom Viktoria Nyanza-See befriedigend und in der freundschaftlichsten Weise vorwärts schreiten. Man erwarte ihre Beendigung nächste Woche. Die Hauptpunkte des llebereinkomiwens feien schon nach London geschickt worden._______________________
Ausland.
London, 12. Juli. Im U u t e r h a u s e verweist der Kriegs- minister Haldane auf die in der jetzigen Heeresorganisation bestehende Verwirrung und führt weiter aus, wenn der Dienst bei Munitionskolonnen, beim Transport- und Verpflegungswesen, der jetzt der regulären Armee obliege, von der Miliz geleistet werde, so würde einerseits die Zahl der für Kampszwecke verfügbaren Truppen in großem Maße vermehrt werden, während sich andererseits wesentliche Ersparnisse ergeben würden. Der Generalstab habe unter Zugrundelegung dieser Grundsätze einen Plan für die Kriegsorganiiation ausgearbeitet. Wenn die Vorschläge der Regierung verwirklicht ivürden, werde sie in der Lage fein, für den überseeischen Dienst schleunigst vier Kavalleriebrigaden, sechs Divisionen, jede zu drei Brigaden, also rund 150 000 Mann zu mobilisieren. Tie so organisierte Streitmacht werde um 50 pCl. stärker sein als irgend ein Expeditionskorps, das bis jetzt von England zu organisieren versucht worden sei. Es sei möglich, eine solche Streitmacht mit reduziertem Jriedensstande zu organisieren, aber nur unter der Bedingung, daß die Miliz sich für den Auslandsdienst zu Kriegsdiensten verflichte. Die Regierung schlage vor, daß die Armee 20 000 Reguläre weniger haben solle als jetzt. Die Reduktion würbe erreicht durch Abschaffung, von 10 Infanterie* bataillonen, einschl. zweier Gardebataillone und durch Benutzung der Miliz für Hilfsdienste. Die Kavallerie solle unverändert bleiben, ivähreiid Vorkehrungen getroffen würden zur Mobilisation von 63 Batterien zur Vervollständigung der Expeditionsstreitmacht, die bestehen würde aus 50 000 Alami aktiven Regulären, 70 000 iWann regulärer Reserve und 30 000 Mann Miliz. Die indischen Trlippen sollten unverändert bleiben. Die Mehrzahl der abzuschaffenden Bataillone sei in den Kolonien stationiert. Für die Verteidigung des Mutterlandes gegen feindliche Angriffe und für Verstärkungen für die Expeditionsstreitmacht müsse hauptsächlich auf die Poomanry und die Freiwilligen gerechnet werden. Für bessere Organisation der beiden letzteren Streitkräfte werde jetzt vom Geiieralstabe ein Plan ausgearbeitet. Bei der Organisation des Expeditionskorps habe sich die Regierung von der Möglichkeit leiten lassen, daß eine lange Friedenszeit fomme oder daß alle Nationen
Are heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.
Zentrums-Vergeltung.
Das Depeschenbureau Herold verbreitet h-eute folgende Meldung:
Die Wählleitung der Zentrumspartei im Reichstags-Wahlkreise Hagen-Schwelm beschloß infolge deS Ausganges der Stichwahl in Altena-Iserlohn zu Gunsten des sozialdemokratischen Kandidaten, für welches Resultat sie die Nationalliberalen und die Freisinnigen verantwortlich macht, bei einer eventuellen Stichwahl in Hagen-Schwelm zwisckien Sozialdemokraten und Freisinnigen die Zentrumswähler nicht aufzufordern, für ben freifinnigen Kandidaten zustimmen.
So ist denn der Wahlkreis des verstorbenen Abg. Engen Richter in der Tat einer ernsten Gefahr ausgesetzt. Gestern noch schrieben Zentrumsorgane, es bleibe erst die Klärung der Situation abzuwarten, bevor aus dem Ausfall der Stichwahl in Altena-Iserlohn die Konsequenzen gezogen würden. Daß heute bereits von einem Beschluß der ZcntrnmswahUeitung verlautet, die Freisinnigen für die Unterstützung des Sozialdemokraten in Altena-Iserlohn entgelten zu lassen, beweist eine ungemein starke Erbitterung in den führenden Zentrums kreisen. Sehr bedrückt ist die „N. Allg. Ztg." von der Möglichkeit einer „verwerflichen Rache- Politik. Das Blatt der Regierung schreibt: Es sei zwar nicht ausgeschlossen, daß die beiden liberalen Parteien allein, aus eigener Kraft, bei Entfaltung entsprechender Werbekraft sich das Mandat sichern, die Gefahr der Auslieferung des Wahlkreises (Hagen) an die Sozialdemokratie, falls das Zentrum seine seitherige Wahltaktik ändere, sei unverkennbar groß.
Der Regierung ist begreiflicherweise diese Aussicht besonders unangenehm. Ist es doch ein Hauptziel der Politik des Fürsten Bülow, die bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie zusammenzuschließen. Wer das Zentrum, so geneigt es sonst ist, dem Kanzler gefällig zu sein, scheint diesmal derart verletzt in seinen Gefühlen, daß cs auf „der Rache Wonnen" kaum verzichten wird.
Das Traurigste aber ist, wie die Uneinigkeit des Liberalismus ihm' immer neue Verluste zufügt. Darmstadt-Groß-Gerau. hätte bei Einmütigkeit der Liberalen gewonnen werden können, ebenso Altena-Iserlohn, wo die beiden liberalen Parteien schon in der Hauptwahl zusammen über 14 000 Stimmen verfügten; auch in Hagen- Schwelm haben sie (Nationalliberale nnd Freisinnige) seit 1893 stets mehr Stimmen aufgebracht, als Eie Sozialdemokraten ; auch hier könnte durch Einmütigkeit ein Erfolg gesichert werden. Wer es scheint, als ob alle Lehren und bitteren Erfahrungen vergeblich würen; auch jetzt erschöpft man sich in gegenseitigen Vorwürfen, ohne dem Hebel der liberalen Uneinigkeit an die Wurzel zu gehen. Es muß wohl noch schlimmer kommen, ehe der deutsche Liberalismus sich auf sich selbst besinnt.
Ter Sieg der Bürgerlichen in Hagen wäre nur herbeizuführen durch den sofortigen Rücktritt des natio- nalliberalen Kandidaten und die Vereinigung aller liberalen Stimmen auf den Freisinnigen. Daran ist aber leider nicht zu denken, zumal der dort allmächtige Milliardär Funke in Hagen und seine nationallib. Freunde bittere Gegner des Freisinns sind und ihren Kopf nun einmal für sich haben ohne Rücksicht auf die unausbleiblichen Folgen. Tatsächlich also werden für den Verlust Hagens wie für den Altenas die Nationalliberalen in erster Linie die Schuld tragen, denn an ihnen war es, zu gunsten des Freisinns, zu dessen festem Besitz beide Wahlkreise stets gehört haben und der da wie dort über die Mehrheit der Stimmen verfügt, auf Souderkandidaturen zu verzichten, die die beklagenswerte Zersplitterung der liberalen Stimmen und dann den Sieg des Umsturzes zur Folge haben müssen.
Und zweitens hat die christlich-soziale Partei die Schuld auf sich zu nehmen, die aus kleinlich eigensüchtigen Gründen dort ihre Agitation entfaltet hat, ohne an den tatsächlichen Ausgang zu denken.
Ünqust ober früher juche Meiratung des jchgen iges, iaubereS Dienst- mit guten Zeugnissen.
S in der Geschäftsstelle euer Aitzeigers. 14141
Verheiratung meines s suche für September tj Mädchen c und Haus. 14104 oi. snomme, Sleidntr.20.
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