Ausgabe 
13.8.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 188

scheint WgfiC mit Ausnahme des Sonntags.

Dieölefoener Zamllienblätter- werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Äffisch« CaHbwtrt** erfcheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Vrübl'sche« Universitätsdruckeret. R. Lange. Nietze».

Redaktion. Expedition u.Druckerei: Schulstr 3.

Tel. IXu 6L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieße«.

Zweites Blatt 186. Jahrgang Montag 13. August 1906

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe».

politische Tagesschau.

Herr von Podbielski.

Die Auseinandersetzungen über den Fall Tippelskirch hat He Aufmerksamkeit auf die Monopolisierung bestimmter Firmen für Staatslieferungen gerichtet. Hierher gehört auch eine bisher nicht erwähnte ausschließliche Berücksichtigung einer einzigen Firma, die, wenigstens für ihren Beginn, jm das AmtSgelsiet des Herrn v. Podbielski fallt, zu der Zeit, als dieser noch Staatssekretär des Reichspostamts war. Wir meinen die Vergebung der Lieferung von Fahrrädern für das Reichspostamt. Seit nahezu 10 Jahren, und zwar von der Zeit des Amtsantritts Pod- Lielskis an, hat die Firma Seidel u. Naumann in Dresden das Monopol der Fahrrad Lieferung für dasReichspostamt, und alle Versuche anderer Firmen, bei der Lieferung in Konkurrenz treten zu dürfen, wurden vft in nicht sehr höflicher Form zurückgewiesen. Dabei war es bekannt geivorden, daß Herr v. Podbielski zu dem nun- jmehr verstorbenen Geh. Kommerzienrat Bruno Naumann, dem alleinigen Leiter der Firma Seidel u. Naumann, in einem engen Freundschaftsverhältnis stand. Mlgemeine Mißstimmung erregte es indes erst, daß statt Zulassung jder freien LLonkurrenz die eine Firma tatsächlich monopoli­siert wurde. Selbst amtliche Gegenäußerungen fanden keine Berücksichtigung. So wandte sich z. B. die Oberpostdirektion Breslau eindringlich und mit erschöpfender Motivierung an das Reichspostamt ,in Berlin, man möge ihr gestatten, die notwendigen Fahrräder am Platze selbst zu besorgen, um die stets notwendigen Ersatz- und Reparaturstücke gleich Kur Hand zu haben, da der Bezug über Berlin-Dresden große Schwierigkeiten bereite. Das Reichspostamt lehnte glatt ab. Auch die leistungsfähigsten anderen Firmen, deren Fabrikate bei anderen Behörden bewährt waren, blieben mit ihren Bewerbungen unberücksichtigt. Ganz unverständ­lich ist es, daß man z. B. die Oberpostdirektionen in den Reichslanden, in Oldenburg, Ostpreußen usw. zwingt, ihre Fahrräder von Dresden zu beziehen und damit eine Organi­sation schafft, die an Schwerfälligkeit der Lieferung, so­wohl des ganzen Rades, als dessen Zubehörteile und später notwendig werdender Ersatzstücke, wohl auf der ganzen Welt ihres Gleichen sucht.

Auch die Firma v. Tippelskirch unterhält zu der Reichs- Postverwaltung Beziehungen. Die Postbeamten, die nach Afrika dienstlich gehen, müssen eine vorschriftsmäßige Tropemmiform haben, und sie können diese nur bei der Firma v. Tippelskirch, kaufen. Die Beamten haben diese Uniform aus eigenen Mitteln zu beschaffen, doch bekommen sie von der Reichsposwerwaltung einen Vorschuß für ihre Ausrüstung.

So ist denn aus dem Fall Fischeo-Tippelskirch im Hand­umdrehen eine Affäre Podbielski geworden. Herr von Podbielski hat bisher das unbedingte Vertrauen deI Kaisers besessen und sich noch in den letzten Tagen darauf gestützt. Wird der Mann das Vertrauen des Kaisers behalten, wird er in Zukunst als Regierungsvcrtreter vor ein Parlament treten? Es sind nicht die Oppositionsblätter, die also fragen, sondern bis weit hinein in die konservativsten Kreise geht das Staunen über diesen Mann mit dem schönen Jargon, mit den junkerlichen Gepflogenheiten und dem stets heiteren Temperament. Herr v. Podbielski freilich hat einem Ausfrager gegenüber betont, er habe sich doch durchaus korrekt benommen die Ansichten über den Begriff der Kirrektheit gehen aber leider auseinander.

Deutsches Reich.

Wilhelms höhe, 12. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin nahmen heute am Gottesdienst in der Schloß­kapelle teil und unternahinen später einen längeren Spazier­gang. Zur Frühstückstafel bei dem Kaiserpaare waren ge­laden der amerikanische Präsiden t Butler und der amerikanische Professor Bürgest

Berlin, 12. Aug. Zur Begegnung des Kaisers mit König Eduard wird noch gemeldet: Der Kaiser wird keinen Gast am Bahnhofe Cronberg empfangen und ihn nach Friedrichshof geleiten. Dort wird ein Frühstück und dann eine Besprechung ftattsinden. Für nachmittag ist eine Automobilsahrt vorgesehen nad» der Saalburg. Am 16. Aug. vorm. reist König Eduard nach Marienbad ab. Der Kaiser begibt sich hier,aus 'im Automobil nach Homburg, wo um 11 Uhr die Enthüllung des Landgrafendenkmals stattfindet. Nach Beendigung des feierlichen Mes fährt der Kaiser nach Schloß Wllhelmshöhe zurück. Ter englische Botschafter in Berlin, Laseelles, und der Gesandte Rücker-Jenisch werden der Zusammenkunft beiwohnen. So wird denn der Besuch nicht diplomatisch bedeutungs­los sein.

Wie im Reichstage, so nimmt auch im preuß. lbgeordnetenhause die Landwirtschaft von allen Berufen der Abgeordneten die erste Stelle ein. Son den 433 Mitgliedern des Hauses sind 185 Landwirte (Majoratsherren, Gutsbesitzer, Rittergutsbesitzer und Päch­ter); davon gehören 108 der deutsch konservativen, 33 der fteikonservativen, 17 der nationalliberalen, 23 der Zen- trumsfraktion, einer der fress. Vereinigung, einer der Frak­tion der Polen und zwei keiner Fraktion an.

lieber ein der Verwirklichung entgegensehendes Wahlbündnis zwischen den Konservativen und den Deutschsozialen in Kurhessen schreibt der Abg. Liebermann von Sonnenberg:

Mit besonderer Genugtuung erfüllt es mich, daß ein seit einem Jahrzehnt von mir verfolgter Plan endlich der Verwirk­lichung entgegengeht, nämlich ein Wahlbündnis zwischen den konservativen und den Demschsozialen in Hessen zur Wahrung k.c3 gegenseitigen Besitzstandes im Landtage und Reichstage. Der steichstagswahlkreis Marburg fällt dabei uns zu. In Zu­kunft wird bei allgemeinen Wahlen ein größerer Teil unserer Arbeitskraft zur Bekämpfung der Sozialdemokratie und gegebenen Falles zur Unterstützung von Kandidaturen verwandter Richt­ungen verfügbar sein."

Bochum, 12. Aug. Der alte Bergarb eiter- ,Ver- 6 a n b hatte heute nach mehreren Orten Versammlungen rnberusen, in denenDas Urteil im Borussia-Pro­zeß" nnbWo find die wirklich Schuldigen" behandelt wurde. Die in Essen (West) stattgehabte Versammlung, in der der Reichs tagslBg. Hue referierte, nahm eine Resolution an, die dagegen protestiert, daß die Arbeiter als eigentliche Schuldige oder Mitschuldige an dem Tode der umgekom- menen 32 Bergleute bezeichnet wurden. Um. volle Klarheit

auf der Borussia zu schaffen, forderte die Bersanrmlung über die Zustände auf der Borussia zu schaffen, forderte Bergarb.-Ztg." oder gegen den Abg Hub weaen der An- klagerede Klage zu erheben. Dann könnten die Borussia-Ge- heimnisse vollkommen aufgedeckt werden._________________

Iie Oärung in Rußland.

Der Zar hat dieser Tage in Peterhos das Semenowsche Garderegiment besichtigt und dabei folgende Ansprache gehalten:

Acht Monate sind verflossen, seit das Semenowsche Regiment mir zuletzt in Zarskoje Sselo vorgestcllt wurde. Ich sagte Euch damals, daß ich überzeugt sei, daß daS Regiment unter allen Umständen seiner Vergangenheit würdig und als treuer und er­gebener Diener des Zaren und des Vaterlandes sich beweisen würde. Schwere Umstände sind einige Tage hindurch eingetreten und Dank dem Mut, der Festigkeit und der Treue des Semenowschen Regiments wurde der Aufruhr in Moskau niedergeworsen. Rußland und ich danken Euch aufrichtig für Euren Dienst. Ich freue mich, das teure Regiment dieser Tage bei mir zu sehen und in meiner Familie begrüßen zu können. Ich gebiete meinem Sohne, dem Rcgimente dieselbe Liebe zu wahren, wie ich sie für Euch heiß empfinde und dem Rcgimente so zu vertrauen, wie ich Euch, meine Teuren, vertraue. Von ganzer Seele drücke ich Euch meine heiße Dankbarkeit für Euren Dienst aus. Meine Herren Offiziere! Was ich zu Eurem Regi­ment sagte, bezieht sich auch auf Euch, da die Angehörigen des Semenowschen Regiments eine einzige feste, unbezwing­bare starke Familie vorstellen, die für alle Zeiten so bleiben wird.

Die Partei der friedlichen Erneuerung ver­sandte an ihre Wähler nachfolgenden Aufruf:

Bei den Mitgliedern der Reichsduma, welche sich der von der Partei der Vollssteiheit verfolgten Richtung nicht angeschlossen haben, erwachte das Bewußtsein, sich auf der Grundlage eines allgemeinen Programmes zu vereinigen, um gemeinsam in der Duma ihre Anschauungen durckzuführen, wobei das Hauptziel ist, einen konstitutionell-monarchischen Staat zu schaffen. Eine starke monarchische Gewalt, eine Volksvertretung, die auf dem Rechte K Freiheit und die Gleichheit aller vor dem Gesetz bilden

>ingung der Erneuerung Rußlands. Alle Nationalitäten müssen gleiche politische Bürgerrechte genießen. Die höchste Gewall muß eine starke gesetzmäßige Regierung schaffen, die ohne Willkür, aber unbeugsam, die landverderbliche alte Ordnung brechend, die am 17. Oktober 1905 verkündeten Frei­heiten verwirklichen must Verantwortliche Minister bilden die Bürgschaft für eine einheitliche Gesetzgebung und ausübende Ge­walt. Hinsichtlich der Agrarfrage findet es die Gruppe not­wendig, nicht vor der Zlvangsexpropriation der erforderlichen Menge von Privatbesitz stehen zu bleiben, um dauerndes Bauern- land zu schaffen. Die Reichsdumagruppe nennt sich Erneuerung, sie ist ein Feind von Gewalttätigkeit und Willkür, einerlei von wem sie ausgehen. Nur durch Gesetz und im Gesetz können die Volksbedürfnisse gerechte Genugtuung erhalten.

Den Aufruf haben unterzeichnet Graf Heyden, Fürst Lwow und Stakhowitsch.

Ein hervorragender russischer Politiker, der als Kandidat für einen Ministerposten genannt wurde, erklärte: Für alle in Ausahmezustand erklärten und noch zu erklärenden Pro­vinzen will man eine besondere oberste Stelle schaffen, eine Art Ministerium der besonderen Landesvertei­digung, welches das Wahlrecht, aktives wie passives, in jenen Provinzen aufzuheben das Recht haben und überhaupt nach Bedarf selbst gegen die Meinung der Gouverneure schalten und walten soll. Man sucht einen geeigneten Chef für diesen wichtigen Posten, der möglicherweise die Geschicke der Hälfte des europäischen Rußlands leiten wird. Findet man den rechten Mann nicht, so wird die Idee, die einfluß­reiche Männer für sich hat, fallen gelassen.

Die Agrarunruhen dauern fort und greifen auf weitere Gouvernements über. Sie nahmen während der letzten Woche besondere schwere Formen im Gebiet Poltawa an. Raubanfälle bewaffneter Banden mit häufigem Blut­vergießen, die meist von Revolutionären ausgehen, erfolgen täglich.

Das Gut der Gräfin Uwarom im Kreise Muron wurde von Bauern zerstört. In Libau wurde ein Postb eamter, der den Geldtransport besorgte, beim Ver- laffen des Postamtes von drei Banditen ermordet, die ihm 28000 Rubel raubten und mit der Beute ent­kamen. Jm Badeort Majorenhof bei Riga hob die Polizei eine Versammlung revolutionärer Führer aus und verhaftete vier von ihnen, wobei sie wichtige Schriftstücke fand. Das Mitauer Kriegsgericht verurteilte zwei lettische Revolutionäre zum Tode durch den Strang. In Voldera bei Riga förderte eine bei Revolutionären vor­genommene Haussuchung belastendes Material über Vor­bereitungen zu einer neuen Militärrevolte in Dwinsk zu Tage. Die Fäden der Verschwörung zogen sich bis Peters­burg. Die Auffindung von Bombenfabriken in Petersburg und Moskau hat große Beunruhigung in Regierungskreisen hervorgernfen. Man befürchtet ein Attentat auf den Zaren. Einige wollen dagegen wissen, daß sich die Vor­bereitungen der Revolutionäre gegen Stolypin richten.

In Helsingfors begannen am 10. August die Sitzungen de§ Kriegsgerichts zur Aburteilung der Meuterer in Sveaborg. Die in Sveaborg und Skatouden verhafteten Zivilpersonen sind dem Zivilgericht überwiesen worden.

Das Kriegsgericht hat die Leutnants Emeljanow und Kochanowsky sowie fünf Soldaten zum Tode verurteilt. Das Todesurteil ist bereits vollstreckt. Der dritte Führer, Kapitän Zyon, wurde zur sofortigen Dienstentlaffung ver- "^Priester Gapon soll nicht clls Opfer der Revolution ums Leben gekommen, sondern von einem Freunde aus Eifersucht umgebracht worden sein, indem dieser ihn meuchlings erdrosselte und dann ausknichfte, damit der Anschein erweckt wurde, als wenn der Priester Selbstmord begangen habe. Der Mörder flüchtete dann nach London, wo er sich jetzt verborgen hält. Die ruifische Rc- aierunq will den Mörder, auf dessen Spur sie gekommen fft verhaften, um die SNeinung aus der Wett zu schaffen, daß Gapon ein Opftp dex Reaktion geworden seu

Wie über Kopenhagen gemeldet wird, hat ein xuff. Regierungsdekret verboten, daß Schisse und Heine Fahrzeuge zwischen dem Kriegshafen und dem Handelshafen von Helsingfors verkehren. Es wird befürchtet, daß Revolutio­näre sich Kenntnis von wichtigen militärischen Geheim­nissen verschaffen. Ein Fischerboot, das trotz dieses Ver­bots von einem Hafen zum andern fahren wollte, wurde in den Grund geschossen. Als das Fahrzeug sank, sprangen einige von der Besatzung freiwillig ins Wasser und er­tranken. Es wird vermutet, daß die Verschwundenen Revolutionäre gewesen sind.

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Zu einer Meldung derGermania", der soeben nach Berlin zurückgekehrte, dem deutschen Kaiser attachierte Generalmajor Ta titsch sch ew sei von Kaiser Niko­laus mit einer besonderen Mission betraut worden, schreibt dieSüdd. Reichs-Korr." offiziös:

Man hat sich abermals einen Bären aufbindcn lassen. Die besondere Mission ist gar nicht in Erscheinung getreten. Sie bildet nur ein neues Glied in der Kette von Erfindungen, durch die der falsche Schein einer Beteiligung Kaiser Wilhelms an inner- russischen Angelegenheiten begründet werden soll. Die Leute, die es juckt, sich an diesen Angelegenheiten die Finger zu ver­brennen, sitzen ganz wo anders, als imoffiziellen Deutschland".

Einige Wrener Blätter veröffentllchen eine Meldung des polnischen BlattesGazeta Narodowna", in der ein angebliches Telegramm des österreichisch-ungarischen Bot­schafters in Petersburg an das Ministerium des Auswärti­gen in Wien über innere Verhältnisse Rußlands wieder- gegeben ist. Das K. K. ö.-u. Tel.-Korresp.-Bureau ist von zuständiger Seite ermächtigt, zu erklären, daß ein solches oder ähnliches Telegramm von selten des Botschafters an das Ministerium des Auswärtigen gar nicht abgesandt wor­den und somit die Meldung gänzlich aus der Luft ge­griffen ist.

Eine Milchverteurer-Versammlrrrrg.

fe. Frankfurt a. M., 12. Aug.

Heute nachmittag fand hier eine Hauptversammlung der Vereinigten Landwirte von Frankfurt a. M. und Um­gegend statt. Als einziger Punkt auf der Tagesordnung stand:Die Erhöhung des Milch Preises und Bestimmung des Termins zum Aufschlag".

V i e h m a n n - Rumpenheim eröffnete die von 400 Landwirten besuchte Versammlung und stellte fest, daß 87 Ortsgruppen, die sich auf die Kreise: Landkreis Frankfurt a. M., Wiesbaden, Ober- und Unter» taunus, Höchst, Usingen, Stanau, Gelnhausen, Schlüchtern, Gießen, Friedberg, Büdingen und Offenbach verteilen, vertreten waren. Außerdem hatten der Wiesbadener und der Mainzer Milchpcoduzenten-Verem, sowie die Molkerei Büdingen Vertreter gesandt.

Landtagsabg. Hirsche! warf einen Rückblick auf die Milchpreisbewegung und kam zu dem Resümee, daß heuer die Situation für die Milchproduzenten besser wie im Vorjahre fet; vor allem käme die Milchknappheit zur­zeit dem Aufschlag zu statten. Die Milchhändler härten einen anderen Standpunkt den Landwirten gegenüber jetzt eingenommen. Heute heiße es nicht, ob ein Ausschlag statt-- finben solle oder könne, sondern wann der Aufschlag er­folgen solle.

Wolfs-Friedberg sprach von den seit längerer Zeit mit der hiesigen Firma Heinrich Kleinbühl gepflogenen ^Ver­handlungen, um Kleinböhl zum Mitgehen in der Milch­preisbewegung zu veranlassen. Diese Verhandlungen ver­liefen resultatlos.

Landwirt Heusel-Dortelweil berichtete über die Kom­missionssitzung der Vereinigten Landrvirte mit den Milch­händlern und hält den 20. August für den geeignetsten Termin für den Aufschlag. Hensel wünscht, mit den Händ­lern Hand in Hand zu gehen, forderte die Anwesenden aber auf, acht auf die Land milchhändler zu geben. Nicht ganz mit Unrecht fürchteten viele Milchhändler in der Stadt, daß jene im Drüben fischen möchten. Wer nicht offen den Preisaufschlag mitmache, dürfe keinen Tropfen Milch mehr erhalten

An der Debatte beteiligten sich weiter v. Kraatz-Kosch- lau, Schoacke, Wittmer-Dottenfelderhof, Koch-Baumwiefe r- hos, Engel-Oberliederbach, Ehriftian-Unterliederbach, Puth- Bergen, Dettweiler-Mainz und Fischer-Erbenheim, die für die Erhöhung des Milchpreises von 15 auf 16 Pfennige pro Liter ein traten und für die Preiserhöhung teils den 20. August, teils den 1. Sept, bezeichneten.

Schließlich wurde einstimmig eine Resolution ange­nommen, die eine Erhöhun g d es Milchpreises v0n 15 auf 16 Psg. pro Liter aus den 1. September d. I. sestsetzte.

Aus £>taM und

Gieß en, den 13. Aug. 1906.

** Direktor Dr. Hensell. Der mit Wirkung vom 1. Sept. d. I. zum Direktor des hiesigen Gymnasiums er­nannte Professor Dr. WM>elm Hensell, der bisherige D^rrekwr des Gymnasiums zu Ofsenback), ist geboren zu Rinteln, in der in Westfalen liegenden früheren kurhessischeu Enklave; er steht im 52. Lebensjahre. Er studierte in Marburg klassische Philologie und Geschichte. Nachdem er als Gym­nasiallehrer zu Worms und Darmstadt (am Neuen Gymnasium) gewirkt hatte, wurde er Ostern 1897 an das Gymnasium Friderieianum zu Laubach versetzt, wo er als Direktor bis Herbst 1899 tätig war. Von hier wurde er am 31. Juli 1899, mit Wirkung vorn 6. August, zum Direktor des Gymnasiums und der Realschule zu Ossenbach ernannt Es geht ihm der Rus eines tresslichen Philologen und bewährten Pädagogen voraus. In :vifsensck^'.ftlichen Kreisen ist er durch seine vorzüglichen Modelte zur Veranschaulichung antiken Lebens wohlbekannt (des trojanischen Streitwagens, des griechischen Websttlhles, griechischer und römischer Gewandung usw. usw.).

T Gefaßter Fahrrad dieb. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde in Langgöns vom Nacht Wächter ein ausländischer Arbeiter angehalten, der in der Richtung nach Frankfurt a. M. auf einem Rade fuhr. Bei näherer Besichtigung stellte es sich heraus, daß das Rad als