Ausgabe 
12.2.1906 Zweites Blatt
 
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Ein schwerer Schlag

** Zur Frage der Anstellung voir Schulder- walten: schreibt uns Herr Stad LV. Krumm:

Um Mißverständnissen vorzubeugen, bemerke ich, daß vor: den Gießener Schulverwaltern wcderjemandmitmir gesprochen bat, noch kenne ich die Herren. Die Mahnung; des .Herrn Kirch, das; Beamte nicht einzelne Stadtverordnete sondern den .zuständigen ..Behörden" Wünsche vortragen möchten, war bei dieser Gelegenheit deplaziert.

= Heuchelheim, 11. Fcbr.

Ans Stadt und Land.

Gießen, den 12. Februar 1906.

** Personalien. S K. H. der Großherzoa haben den Steueramtskontrolleur bei dem Steueramt Friedberg, Gg. Lang, zu Friedberg zürn RevisionSkontrolleur bei dein Hauptsteueramt Offenbach und den Steuereinnehmer des Steueramts Groß-Gerau, Ioh. Fernges zu Groß-Gerau, zum Rendanten bei dem Salzsteueramt Wimpfen ernannt. Der Militäranwärter Jak. Helbach in Mainz wurde zum Kanzlcigehilfen bei dem Landgericht der Provinz Rheinhesien ernannt.

Po st Personalien. Bestanden haben die Post- asststentenprüfung die Postgehilfcn Amend in Bad-Nauheim, Klaes und Reinhardt in Gießen. Freiwillig aus­geschieden ist Telegraphengehilstn Schäfer in Alsfeld.

Hessische Vereinigung für Volkskunde. Der 4. Mitgliederabend der hiesigen Ortsgruppe findet am kommenden D o n n e rs t a g, den 15. d. M., abends 8 Uhr, im unteren Saale des (W Ebel statt. Herr Professor Tr. Bartholomae wird einen Vortrag halten über das Thema: Häusliche undTotenbräuche bei den alten Ariern. Die Mitglieder der Vereinigung werden sich den interessanten Vortrag nicht entgehen lassen, auch Gäste sind stets will- kommen.

Der 1. Volksunterhaltungsabend, den der Gießener Ausschuß für Volksoorlesungen am Sonntag in der Turnhalle des Turnvereins veranstaltet l>atte, war sehr zahlreich besucht und verlief in bester Weise. Die gebotenen Ausführungen waren Werken von Wilhelm Busch und HanS Sachs entnommen und wurden von Mitgliedern der hiesigen aka- deruischen Ortsgruppe des DürerbundeS in schönster Weise zur Anschauung gebracht. Oberlehrer Dr. Strecker eröffnete den ersten Teil mit einer kurzen Schilderung des Leben? des Dichters und Künstlers Busch, der seine Stoffe den klein­städtischen Kreisen seiner Umgebung entnahm und das Leben pessimistisch und doch mit drastischer Komik schilderte. Der letzten Schaffensperiode des jetzt 74 Jahre alten Künstlers waren die beiden vorgeführten Werke BuschsDer Haar- beutcP undPlisch und Plum* entnommen, die durch Lichtbilder nach den Originalzeichnungen illustriert wurden und die Zuschauer bestens amüsierten. Auch den Hans Sachs gewidmeten Teil deS Abends leitete Dr. Strecker mit einer Würdigung des Nürnberger Volkssängers ein, die namentlich auch seiner Bedeutung für die Ausbreitung der Reformation gerecht wurde und zum fleißigen Studium seiner Werke auf- wrderte. Die beiden dargebotenen Fastnachtsspiele -Der fahrende Schüler im Paradies" undDer Noß- dieb zu Fünsing" wurden von den Darstellern mit reali­stischer Konuk gespielt und fanden ein äußerst dankbares Publikuni und lebhaften Beifall.

* * Aus dem Bureau des Stadttheaters. Als 13. Abonnementsvorstellung geht am DienstagFlachs- mann als Erzieher" in Szene. Die Hauptrollen sind mit den Herren Reimer, Luttjohann und Wittmann und Irl. Schellenberg besetzt.

Der Freund. Ein hier beschäftigter Schriftsetzer hatte in der Nacht auf Samstag durchgekneipt und dabei Freundschaft mit einem angeblich fremden 51 olle gen geschlossen. Nachdem er für diesen tüchtig bezahlt hatte, schlief er in einer Wirtschaft ein und als er erwachte, war der neue Freund und mit diesem auch sein Portemonnaie mit 13 Mark Inhalt verschwunden. Der Täter wurde festgenommen und das ge- üohlene Portemonnaie sand sich mit 1,40 Mark Inhalt noch bei ihm vor, während das übrige Geld verschwunden war.

Selbstmord. Am Sonntag erhängte sich in seiner Schlafstube der 70jährige Rentner V. dahier. Er litt seit zwei Jahren an einem Blasenleiden, hatte sich mehreren Ope­rationen unterzogen und hatte in letzter Zeit die schrecklichsten Schmerzen auszustehen, was wohl den alten Mann zu der Tat getrieben haben »nag.

Deutscher ^andwirtschastsrat. I v.

y (Unberechtigter Nachdruck verboten.)

? S. u. H. Berlin, 11. Februar-,

Die" Verhandlungen'deS LandwirtschastSrats wirrden heute zu Eiwe geführt. Zunächst erstatteten Prof. Dr. Sermg-Berlin und Kammerherr Frhr. v. Hormann-Schorn Bericht über die la n d' wirt sch. Verhältnisse im Auslande, eit wiesen auf das Bedürfnis hin, daß filltc für die Land- und ForitNnrtschast wichtigen Materialen bt5 In- und Auslandes an einer Zentral­stelle wie eS im Ackerbauamt der Vereinigten Staaten von Ame­rika geschieht, gesammelt werden. In der Abstimmung wird ein den Ausführungen der Redner entsprechender Antrag an- acnommm. Die Vereinigung mit der biologischen Anstalt.wird jedoch abgelehnt. Angenommen wird noch ein Antrag deZ Prinzen Schönaick^Carvlath, die Reichsregierung möge Schritte zur Er­richtung einer internationalen Preisberichtsstelle unternehmen, wobei 'die Preisberichtsstrlle des Deutschen Landwirtschastsrates Berücksichtigung finden soll. .

Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf eine vom Ritt­meister v. Arnim-Güterberg begründete weitere Hcrab 1 etz- ung derZ uckersteuer. Die Hoffnungen, der deutscheu Zucker- industrie den englischen Markt zu erhalten, hätten sich nicht erfüllt. Vielmehr sei sett Inkrafttreten der Brüsseler Konvention und des geltenden Zuckerstcncrgesetzes die Ailssiihr von Zucker erheblich zurückgegangen. Industrie und Landwirtsckiast sinn des­halb immer mehr auf den Jnlandsverbrauch angewiesen, der sich auch nur gering gehoben habe: von 13V2 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung im letzten Jahre vor Inkrafttreten der Konvention aus nur 16,07 Kilogramm. Um den Jnlandsverbrauch weiter zu heben, sei die Herabsetzung der Zuckerverbrauchssteuer auf mindestens 10 Mar? notwendig. Der zur Marmeladeherstell­ung verwendete Zucker müsse (feuerfrei bleiben. Nach kurzer Debatte wurde der Antrag angenommen.

Den Abschluß der diesfährigen Tagung bildete ein vom Oeko- nomierat Steinmeper-Danzig befürworteter Antrag, es möchten in der gegenwärttg in Vorbereitung begriffenen Novelle zum Rcicksviehscuchengeset-, Bestimmungen getroffen werden, nach welchen das auf Anordnung der Behörde getötete Vieh sowie die durch etwaige Impfung, durch Einrichtung von Bcobacht- nngsbezirken während des Herrschens der Maul- und Klauen- seiiche und durch Anordnung von Tesinfektionsmatznahmen nach Etteschen dieser Seuche den Landwirten entstandenen llntoften ersetzt werden Geh. Negierungsrat Krause: Die Novelle ziim Viehseuchengesetz sei bereits fertig gestellt. Dem Reichstag sei sie in dieser Session nur deshalb nicht zugegangen, weil bet der ohnehin schon überladenen Session an eine gründliche Beratung dieser wichtigen Vorlage nicht gedacht werden könne. Im Auftrage der Regierung müsse er den vorliegenden Antrag Stetnmeher bekämpfen. Die Negierung könne unmöglich alle aus der -Leuche entstehenden Unkofteu übernehmen. In der Abstimniung ge­langte der Antrag Steinmeper zur Annahme.

Hessischer Haudelskanuncrtag.

(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)

d. Mainz, 11. Febr.

Zmn Vorständen des heute hier tagenden fyeff- Hcmdcls- «kammertages wurde Geh. Kommerzienrat Michel be- Ttimrnt, als Urkundspersonen wurden die Kommerzienrate i Baruch-Worms und He ichelheim-Gießen ins Bureau , -berufen. Ms Vertreter der Regierung waren ersclsienen ; Ministerialrat Becker und Ministerialsekretär Mathres. Mi- 1 .nister Braun hatte sich telegraphisch entschuldigt, er wünschte | den Verhandlungen besten Erfolg. Der Vorsitzende gedachte des Ablebens des C-tastSministerS Dr. Rothe, zu dessen « Ehren sich die Anwesenden von. ihren Sitzen erhoben. Kvm- merzienrat St roh-Offenbach wendete sich vvr Eintritt tn , die Tagesordnung gegen eine Aeußerung des Freiherrn v Hehl bei Beratung der Steuervorlage in der Stände- . kammer. Dieser habe behauptet, drei Handelskammern 1 hätten bei Fassung eines Beschlusses bei der Hess. Steuer­reform im Handelskammertag unter dem Einfluß be5 Geh. Kommerzienrats Michel gestanden. Dagegen müsse man sich verwahren, wenn auch niemand Herrn Michel unterschätze, so sei man aber doch Manns genug, die Beschlüsse als eigene Ueberzeugung fassen zu könnet:. Kommerzienrat Baruch gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß Sperr b1. Hehl in seiner Aeußerung nicht verstanden worden sei. Uebrigens wolle er sich zur Sache nicht weiter äußern, da der Gegen­stand in die Debatte hereinqezogen worden sei, ohne daß seine Kammer Stellung hierzu hätte nehmen können. Svn- dikus Meesmann-Mainz referierte eingehend über die neuen Steuervorlagen und den Standpunkt der hiesigen Kammer. Gegen jede der vor geschlagenen Steuern könne man eine Reihe von Einwänden erheben, allein man könne sich gegenüber der Steuerreform nicht auf einen ablehnenden Standpunkt stellen, da mm: anderen Objekten schwer neue Steuern auferlegen könne. An die Einführung einer Reichseinkommenstcuer fet nicht zu denken. Koelsch- Worms sprach entschieden gegen die Erhöhung der Brau­steuer, da man damit die Breiten Schichten der Bevölkerung unnötig belaste. Die Handelskammer Worms sei entschieden gegen die Brausteuer und die vvrgeschlagene Staffelung. Er hoffe, daß an der Uebergangssteuer die ganze Brausteuer zerschellen werde. Syndikus Dr. Hum a n n - Darmstadt ist der gleichen Einsicht, ebenso Syndikus Dr. Kipper-Gießen, her befürchtet, daß, wenn der Antrag Speck im Reichstag an­genommen würde, die lleinen und mittleren Brauereien am schwersten getroffen wurden, noch mehr als durch die Regierungsvorlage. Kommerzienrat C ob le u z-Bingen er­klärte, daß seine Kammer ebenfalls gegen die Brausteuer sei. Es werde den Rheinhessen der Vorwurf gemacht werden, daß sie für die Biersteuer gestimmt, dagegen wollten sie den Wein nicht belastet haben. (Sehr richtig!) Er lege Verwahrung dagegen ein, daß man nur den KausmannSstand und einzelne Industrien mit den neuen Steuern belasten 'tooKe. (Sehr richtig N D-er Vorsitzende erwiderte, daß eine Weinsteuer hauptsächlich die Winzer und die einzelnen Ge­biete treffen werde, deshalb sei eine solche Steuer ungerecht, anders dagegen sei es mit einer Biersteuer, die treffe das ganze Vaterland. Auch treffe diese Steuer nicht die einzelnen Industrien, sondern die Konsumenten. Von den Brauereien könne die Steuer nicht getragen werben, das sei ausge­schlossen. Es mache auch nichts aus, wenn für das Bier lein Pfennig mehr gezahlt werde. Tas Reich bedürfe der ;nenen Steuern, mit der Schuldenwirtschaft könne es nicht mehr weiter gehen. Die Einführung einer Einkommensteuer sei unmöglich, da die Einzelstaaten ihre Fincmzwirtsckast darauf aufbauen. Er halte die Biersteuer für einen sehr gesunden Gedanken. Es sprach noch für die Biersteuer Kom­merzienrat Melchers -Mainz, dagegen Dr. Stahl-Fried- herg, Schloßmacher-Offenbach, May-Bingen und Trier-Tarmstadt. Ministerialrat Becker fuhrt aus, daß das Reich unmöglich so weiter wirtschaften könne. Das Reich könne doch nicht dem Bankerott entgegenaeführL werden. Für dieBrausteuer stimmte schließlich nur die Mainzer Handelskammer, alle sechs anderen da­gegen. Einstimmig würbe dagegen das Surrogat ver­bot angenommen. Schloßmacher-Offenbach sprach hierauf eingehend gegen die Regierungsvorlage der Ta­baksteuer und gegen Zollschutz des deutschen Fabrikats. Schm all-Gießen findet es sehr unrecht, daß immer der Tabak bluten soll. Tie Steuererhöhung habe allenthalben ^große Beunruhigung bervargerusen, nur die Handelskam- mern Nürnberg, Wesel und Mainz hätten sich für sie er­klärt. Im Gießener Bezirk würde damit einer blühenden Industrie großen Schaben zugefügt. Tr ier-Darmstabt, Coblenz-Dingen, Dr. Stahl-Friedberg und Eber­hardt-Worms sprach sich gegen jede Erhöhung der Tabak­steuer aus. Gegen die .Kammer Mainz wurde beschlossen, gegen jede Erhöhung der Tabaksteuer und gegen erhöhten Schutzzoll des deutschen Tabaks Protest zu erheben. Schl 0 ß- m ach er referierte über die Zigart Lenst euer. Die Kammern von Worms und Mainz sind für diese Steuern, pie übrigen fünf Kammern dagegen. Einstimmia sprach isich der Handelskammertag sirr die Erbschaftssteuer, phne Bevorzugung einzelner Stände, aus. Für die Per- sonen-Fahrqeldsteuer waren fünf Kammern, dagegen zwei. ^Nach unserer Auffassung ist es sehr merk­würdig, daß sich Handelskammern für eine solche Verkehrs- hemmungssteuer aussprechen. Red.) Die Frachtbrief­stempel- und Quittungssteuer wurde einstim­mig verworfen, auch sprach sich der Handelskammertag für eine Steuerbelastung der gewerblichen'Kraftfahrzeube aus. In der Personentarifreform sprach srch bet Handelskammertag einstimmig für die Mainzer Reso­lution aus. Wegen der preußischen Gerichtsvoll­zieherordnung wurde gewünscht, daß die frühere freie jGerichtsvollzieherwahl wieder her gestellt werde. Die Offenbacher Handelskammer beantragte eine Aenderung über das Vorbehaltungsrecht für Maschinen herbei­zuführen, nachdem gerichtliche Urteile gefällt wurden, daß auf Grund des' § 93 des V. G.-B. mit der Aufstellung der Maschinen in einem Gebäude der betreffende Eigentümer werde, auch wenn gegenteilige Verträge vorlägen. Der Re­gierung soll das gesamte Material überwiesen werden, damit bei einer Abänderung des B. G.-B. diese Bestimmung aus dem Gesetz entfernt wird. Auf Wunsch der Regierung rourde die Durchführung der Staatsaufsicht über die jprivaten Handelslehranstalten auf die Tagesord­nung gesetzt. Ministerialsekretär Mathias wünsiht, daß bie Handelskammern zur Aussicht dieser Anstalten die geeigneten Personen Vorschlägen möchten. Sämtliche Han­delskammern waren mit einer scharfer: Staatsaufsicht ein­verstanden, da hier schwere Mißstände herrschten. Zum Sck)luß des Handelskammertages wurde Mainz wieder als Borort gewählt. Slvmmerzienrat Baruch beantragte noch, sich den S Y m p a t h i e ku n d g e b u n g e'n zwischen Deutschland und England curäuschließeu, was geschah. '

traf die hiesige Familie Kröck durch die unverhoffte Todes­nachricht ihre? einzigen, 19jährigen Sohnes Wilhelin.^ Er hatte das Schreinerhandwerk erlernt und lvar seit einem Vierteljahr in Meuselwitz (b?i Leipzig) in Stellung. Gestern erkrankte er an Blinddarmentzündung, die schon heute morgen seinem jungen Leben ein jähes Ende bereitete. Die Einwohnerschaft nimmt Anteil an dem schweren Trauerfall.

Lollar, 10. Febr. In der Nacht auf Samstag wurde in dem Wohltätigkeitsgedäudc der Main- Weser-Hütte eingebrochen. Der Einbrecher nahm seinen Weg durch ein Seitenfenster, aus welchem er eine Lcheibe schnitt und so in den Speisesaal gelangen konnte. Hier wurde die Tür, welche zum angrenzenden Verkaufslokale führt, achtmal durchbohrt; trotzdem gelang es ihm nicht, in da§ Innere zu gelangen. Es blieb ihm nun nichts übrig, als sein Gluck in der Küche zu versuchen, in welche er durch ein Schiebfenster leicht gelangen konnte. Auch hier ward ihm ein schlechter Lohn, denn er fand weiter nichts als einen Liter Milch und vier Brödchen, welche Gegenstände er auch mitgehen hieß bezw. verzehrte. Der Räuber verschwand auf demselben Wege, auf dem er gekommen, lieber die Persön­lichkeit des Räubers ist nichts bekannt.

t. Grünberg, 10. Febr. Die Stadt erstand gestern das Anwesen des Herrn Werner in der Neustadt. Sie läßt dasselbe zu Armenmohnungen Herrichten, da bis jetzt noch kein Armenhaus in hiesiger Stadt war.

Butzbach, 11. Febr. Die in der Wetzlarer Straß«? gelegene Hofraite mit Metzgerei und Wirtschaft der Wilh. Nubsamen Witwe wurde heute zum Preise von 28 000Mk. an Ioh. Heinrich Gorr von Dorf-Gill verkauft. Die lieber- nähme erfolgt am 1. April l. I. Der Abschluß geschah durch Louis Engel-Butzbach.

Bad-Nauheim, 11. Febr. Ein eigentümlicher Kon­flikt ist zwischen der Stadtverwaltung und der Orts­krankenkasse ansgebrochen. Tie Stadt hat an den Vor­stand der Krankenkasse das Ansinnen gestellt, vom 1. April dieses Jahres an für Kranke anstatt dem seitherigen Satz von 1.30 9)tf. pro Tag 1.70 zu bezahlen. Wir bemerken hierzu, daß im Jahre 1896 mit Hilfe der Schindel-Stiftung das städtische Krankenhaus erbaut wurde und im ersten Jahre seines Bestehens einen jährlichen Zuschuß von ca. 5000 Mk. seitens der Stadt erforderte. Nach und nach verringerte sich diese Summe; hauptsächlich war dies dem Umstand zu danken, daß die Ortskrankenkaffe ihre Kranken, anstatt sie nach Nieder-« Weisel zu schicken, hier unterbrachte und zwar für denselben Satz von 1. Mk., wie er in Nieder-Weisel gezahlt wird. Später wurde der Satz, von 1. Mk. auf 1.30 Mk. erhöht. Ferner wurde der Krankenkasse mitgeteilt, daß die Verpflegungs­kosten für ihre Mitglieder vorerst 1.70 später 1.90 und 2 Mk. betragen mußten. Rechnet man nun 4000 Verpflegunqstage für Ortskrankenkaffenmitglieder mit 1.30 Mk., so ergibt sich eine schöne Summe, rechnet man dann noch die 40 Pfg. mehr, dann kann der Vorstand der Kasse es gar nicht anders machen, als eine Beitragserhöhung eintreten zu lassen. Treten dann mi nächsten Jahre die erhöhten Pllegesätze in Kraft, dann bleibt wieder nichts übrig, als die Beiträge nochmals zu er­höhen und die Leistungen zu vermindern. Der Vorstand der Krankenkaffe hat nun in seiner letzten Sitzung den Beschluß gefaßt, vom 1. März d. Js. an seine Kranken wieder nach Nieder-Weisel zu schicken und zwar 51t dem Pflegesatz von 1 Mk. Ein Vermittlungsvorschlag, der Stadt einen Be­trag von 1.50 Mk. zu bieten, wurde abgelehnt. (B.-Nauh. A.)

Darmstadt, 9. Febr. Rechtsanwalt Sieger war, wie wir s. Zt. meldeten, von einem Amtsrichter in eine Ordnungsstrafe von 30 Mark genommen, weil der Amts­richter glaubte, von ihm verächtlich angehlickt worden zu fein. Auf die Beschwerde des Rechtsanwalts hat das Ober­landesgericht nunmehr die Ordnungsstrafe auf geh oben. Zu den: Unfall deS VierfahrerS Phil. Schmidt in ©roß- Gerau erfährt dasDarmst. Tagebl.", daß die Untersuchung der Angelegenheit und die Sektion der Leiche nicht die ge­ringsten Anhaltspunkte ergeben hat, die zu der Annahme be­rechtigten, daß ein Verbrechen oder auch nur fahrlässiges Verschulden Dritter vorliegt. Sicher ist, daß Schmidt vom Bock gefallen und von seinem eigenen Fuhrwerk über/ fahren wurde.

N.B. Darm st-abt, 11. Febr. DieOrts-unb Poli- zeibiencr Hessens waren heute^ nachmittag auf Ein^ labung des Oberyessifchen Vereins zu einer nach mehreren Spurtbert Teilnehmern aus allen Landesteilen zählenbeü Versammlung hier im Knisersaal anwesend, um über ihre finanziellen Verhältnisse Beratung zu pflegen; auch mehrer« Landtagsabgeordneto wohnten der Versammlung bei. Nach­dem der Vorsitzende, Stadtdiener Meyer-Lich, die so zahlreich erschienenen Kollegen mit einer Ansprache begrüßt und die Versammlung ein dreimaliges Hoch auf Kaiser und den Großherzog ausgebracht hatte, sprachen Weil- Lang-Göns, Kappesser-Buvenheim u. a. über den' Hauptpunkt der Tagesordnung, die Dienst- und Einkommen- Verhältnisse ber Orts- unb Polizeidiener. Es wurde von den verschiedensten Seiten betont, daß die gegenwärtige Besoldung in den meisten Orten unzureichend sei und mit den Ijeuhgen Dlnsorderungen, die von den Ortsbehörden an die Beamten gestellt würden, in keinem Verhältnis mehr ständen. Nach langer Debatte wurde einstimmig beschlossen, eine bereits im Entwurf verlesene Petition auszuarbciten, in welcher um eine anderweitige Regelung der Gehalts­und Pensionsverhältnisse der Orts- und Polizeidiener und um Gleichstellung derselben mit den Gehälter:: ber Gemeinde- Forstwarte ersucht wird. Die Petition, mit deren Ausarbeit­ung Rechtsanwalt Sandmann-Hungen betraut ivurde, ! soll durch eine Deputation, bestehend aus Meyer-Lich , und Weil-Lang-Göns sür Oberhessen, Kappesser- . Bubenheim und M a u r e r - Dromersheim für Rheinhessen ' und Schick- Griesheim und Jünger-Diekenbach bei Offenbach für Starkenburg, dem Präsidenten 6c5 Ministe- ' rirnn des Innern überreicht, sowie dem Präsidium beider 1 Ständekammern unb bcn Kreisänttern überscmbt iverden. " Zur Gründung eines Landesverbandes der Orts- und Poli­zeidiener, iuic ihn Rechtsanwalt Sandmann vor geschlagen!