Aus Stadt und Land.
Gießen, den 13. Anglist.
* " Empfänge. S. K. H. der Großh er 09 empfingen am 11. August den Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Moritz und den Professor Jesionek von Gießen.
• * Bestätigt wurde der von dem Grafen zu Erbach- Erbach auf die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Laudenau, im Kreise Bensheim, präsentierte Schulverwalter Georg Kunzelmann auß Schwanheim, in demselben Kreise, für diese Stelle.
"In den Ruhestand versetzt wurde der Turnlehrer an der Volksschule zu Mainz, Adam Munk, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. August an, und es wurde ihm au§ diesem Anlaß das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* * B e i der Ober-Po st direktion in Darmstadt lagern folgende Sendungen, deren Absender vielleicht zu unseren Lesern zählen, als unbestellbar: Einschreibbrief aus Lollar an Mile Kukuruzovic in Jova (Nordamerika) vom 23. 10. 05.; Einschreibbrief aus Gedern an Mile Krueta Kolumbus in Baltimore, M. 921 Street (Nordamerika) vom 27. 10. 05; gew. Brief mit 50 Pf.-Stück aus Gießen 2 an Hch. Kiffel in Offenbach (M.) vom 7.12.05. Die zur Empfangnahme dieser Gegenstände Berechtigten müssen sich binnen vier Wochen bei der Ober-Postdirektion melden, widrigenfalls die Postanweisungsbeträge und die in den Sendungen enthaltenen oder durch Versteigerung des Inhalts erlösten Geldbeträge der Post-Unterstützungskasse überwiesen, die Briefe aber vernichtet werden.
• • Die erste Bundesturnfahrt des Turnerbundes Lahn-Dünsberg findet am 23. September auf der Badenburg statt. Als Hebungen wurden gewählt: Stabhoch, Stemmen 37^ Kilo zweiarmig frei-weit und weit-hoch.
* * Schlägerei. In einer hiesigen Wirtschaft kam es in vergangener Nacht zuerst zwischen Soldaten untereinander und dann mit Soldaten und Zivilisten zu einer Schlägerei, bei der es blutige Köpfe setzte. Anzeige wurde erhoben.
"'Die Jagd auf Feldhühner hat das Hess. Ministerium mit Rücksicht auf den Stand der Ernte und der Weinberge auf den 20. August festgesetzt. Eine Ausnahme davon machen die Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten.
r. Londorf, 12. Aug. Ein 12jähriger Knabe hatte beim Tannäpfelsuchen im sogenannten Löhnküppel eine scharfe Patrone gefunden. Er schlug mit einem Stein so lange darauf, bis die Patrone mit einem lauten Knall explodierte. Der Junge wurde an der rechten Hand nicht unerheblich verletzt.
Bad Nauheim, 12. Aug. Unterhaltungen. Dienstag den 14. August, nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends im Saale Operetten - Vorstellung : „Das süße Mädel/ Mittwoch den 15. August, nachm. und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends im Saale letzte Operetten - Vorstellung: „Die Fledermaus." Donnerstag den 16. August, nachm. und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle mit Einlagen des Deutschen Mänucr- Doppel-Ouartetts. Abends im Saale Tanz. Freitag den 17. Aug., nachm. und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends im Saale Theatervorstellung: „Die Großstadtluft." Samstag den 18. August, nachm. und abends auf der Terraffe Konzert der Kurkapelle. Abends Oesterreichisches Rationalkonzert anläßlich des Geburtstages des Kaisers von Oesterreich. Bei gutem Wetter abends Lampionsbeleuchtung auf der Terrasse. Nachmittags im Saale Kindervorstellung: „Das tapfere Schneiderlein". Sonntag den 19. August: Konzert der Kapelle des 5. Jnf.-Regts. Nr. 168 aus Offenbach. Abends Symphoniekonzert der Kurkapelle. Samstag den 25. August bei gutem Wetter abends Feuerwerk vor der Terraffe.
Darmstadt, 11. Aug. S. K. H. der Groß Herzog wird sich zur Teilnahme an den Wagner-Festvorstellungen mittels Automobil nach Bayreuth begeben.
Weilburg, 12. Aug. Die großh. luxemburgische Negierung hat für die Tausendjahrfeier den Schloßgarten als Festplatz zur Verfügung gestellt. 22 Extrazüge werden Sonntag, den 19. August, eingelegt. Der Perron ist bedeutend vergrößert und zwei weitere Billetschalter errichtet worden. Mit der Dekoration ist begonnen, die Proben zum Festspiel unter Leitung von Dr. Rauch von Wiesbaden sind beendet.
♦* kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Kassel erschoß sich der Eisen- bahnarbeiter Nuhn unabsichtlich. Sein 18jähriger Sohn patte einen Revolver auf dem Tisch liegen lassen. Der Vater, der nicht wußte, daß die Waffe geladen war, richtete diese, mit den Worten: „Jetzt werde ich mich einmal totschießen" auf sich. Er drückte los, die Kugel ging ihm in den Mund und der Mann war nach wenigen Minuten tot. — In Frankfurt a. M. ist Oberkonsiftorifllrat Dr. Teichmann im Alter von 72 Zähren gestorben. — Vom Blitz getroffen wurde ein zwölfjähriges Mädchen in Fechenheim bei Offenbach. Das Kind stand mit Brot in der Hand am Fenster, als der Blitz in seinen linken Arm schlug. Die Fingernägel sahen wie blutunterlaufen aus, die Adern schwollen an und Finger und Mm sind steif. Die Bewegungstätigkeit ist noch nicht zurückgekehrt. — Das Polizeiamt in Darmstadt hat eine neue Verordnung, betreffend die Erhaltung der Sicherheit und Ordnung in und vor dem Hof- theater erlassen. In der Verordnung wird u. a. bestimmt, daß die Schleppen der Damen nicht so lang sein dürfen, daß sie den Verkehr im Theater stören. — Heute, Montag, feiert die Ochsenmetzgerei von C. und L. Falk in Mainz ihr 200jähriges Bestehen. Im Jahre 1706 ist von Bingen der Metzgermeister Peter Falk nach M. gezogen und hat die Ochsenmetzgerei gegründet. Seit dieser Zeit ist das Geschäft von den Vatern auf die Söhne, durch neun Generationen, vererbt worden. _______________________________________
vermischte».
• Schuld und Sühne. Wie em plump konstruierter Parallelismus mutet das Schicksal Helene Odilons, der lebensfrohen, heißblütigen Künstlerin, deren Berliner Bühnen- Karriere vor vielen Jahren jäh abbrach, um in Wien eine glänzende Fortsetzung zu finden. Ein tragisches Schicksal brachte ihr plötzlichen körperlichen und geistigen Zusammen- bruch auf der Höhe ihrer Erfolge, und nun erhebt sie gegen ihre Freunde und Pfleger die furchtbare Anklage, daß man sie als unzurechnungsfähig erklären und in eine Heilanstalt bringen wolle. Nach einer Meldung der „Berl. Ztg." ist Helene Odilon in Budapest eingetroffen, um die Hilfe der ungarischen Regierung zur Aufhebung ihrer Kuratel anzurufen. Frau Odilon ist nämlich durch ihre letzte Ehe mit dem Kämmerer v. Raskowsky, der nach kurzer Zeit wegen Gehirnerweichung ins Irrenhaus gebracht werden mußte, ungarische Staatsbürgerin. Wie mag bei dieser Nachricht dein be
rühmten Wiener Komiker Alexander Girardi zu Mute sein, der damals, als er noch der Gatte Helene Odilons war und mit ihrer ehelichen Treue harte Sträuße auszufechten hatte, plötzlich in eine Anstalt gebracht werden sollte, iveil seine Frau ihn für irrsinnig erklären lassen wollte?! Schon stand der Zellenwagen vor dem Hause Girardis, und die Wärter betraten die Wohnung, um sich seiner zu versichern, da gelang es ihm im letzten Moment, durch ein Fenster das Freie zu gewinnen. Er fand bei seiner Kollegin Katharina Schratt Unterkunft und war damit gerettet. Vergebens versuchten die Helfershelfer Helene Odilons durch Gutachten über den Geisteszustand Girardis ihr Tun zu rechtfertigen. Aber die öffentliche Meinung Wiens stand auf feiten beß geistig vollständig gesunden Künstlers, der es seitdem bewiesen hat, luie frisch er noch geistig und körperlich ist. Er heiratete bald daraus ein Frl. v. Latinoviez und ist glücklicher Gatte uni) Vater. Und heute muß Helene Odilon um ihre Freiheit kämpfen, heute droht ihr die Heilanstalt! Sie behauptet, man wolle sie nur unter Kuratel halten, damit sie ihr Testament nicht ändern könne. Diejenigen, die sie in ihrem ersten Testament reichlich bedacht habe, seien nun ihre Verfolger. Aber sie habe sie schon alle enterbt, ihr Testament umge- stoßen und ein neues verfaßt. Dieses neue Testament sei auch rechtsgültig, denn sie habe es in Anwesenheit von zwei Budapester Gerichtsärzten niedergeschrieben, welche e§ als Zeugen mitunterzeichnet haben. Hiergegen gibt nun der Kurator von Frau Odilon, der Wiener Advokat Dr. Camillo Müller, eine Erklärung ab, in welcher davor gewarnt wird, irgendwelche Verträge mit Frau Odilon abzuschließen, da sie unter Kuratel stehe und hierzu nicht berechtigt sei. — Schuld und Sühne! Aber erschütternd ist eS doch.
* Nichtraucher — ein Schimpfwort. Dank dem Zutun des Gerichts in Halle ist in dem Lexikon der Schimpfworte ein sonderbares und zum minbefien originelles Wort eingereiht worden. Drei Stukkateure hatten sich in Halle zu verantworten, weil sie einen Kollegen wiederholt „Nichtraucher" genannt hatten. Die Vernehmung ergab, daß unter den organisierten Arbeitern es neuerdings üblich geworden ist, an Stelle des unzulässigen Wortes „Streikbrecher" die Arbeitswilligen zart mit „Nichtraucher" zu bezeichnen. Das Gericht war der Ansicht, daß in diesem bestimmten Zusammenhänge das Wort „Nichtraucher" allerdings eine Beleidigung bar» stelle und erkannte auf Geldstrafen von 10, 20 und 30 Mk.
* Kleine Tageschronik. In Haßloch (Pfalz) ist Frau Neubauer, welche durch die Explosion einer Petro- leumtannc, die sie auf den heißen Ofen gestellt hatte, erhebliche Brandwunden erlitt, ihren Verletzungen erlegen. — In N e m d a <Thür.) wurde unter dem Verdachte, einen Lustmord an der 28jährigen BerthaJahn aus Langenschade begangen zu haben, der vierzigmal vorbestrafte Landstreicher Küchler aus Lenschen in Posen verhaftet. — In Wien ist Domkapitular Prinz Philipp von Arenberg aus Eichstädt in Bayern während einer Droschkenfahrt unter noch nicht aufgeklärten Umständen gestorben. — Im Heringsdorf-Berliner Schnellzug ist auf das Dienstmädchen eines Berliner Juristen, das in einem Abteil 2. Klasse mit einem Herrn allein fuhr, ein Sittlichkeitsattentat verübt worden. Der Täter ist entkommen. — In Zabrze hat der Arbeiter Wiedera einer schlafenden Frau mit einem Rundeisen den Schädel gespalten. Er wurde verhaftet. — In Hamburg traf die. Bark „Okeia" ein, die am 23. Febr. von San Juan del Sur die Heimreise angetreten hatte. An Bord der Bark herrschte die Veri-Beri-Krankheit, an der der Kapitän, der erste Steuermann, der Zimmermann, ein Matrose und ein Schiffsjunge starben. Ein schwerkranker Matrose wurde in Falmouth ins Krankenhaus gebracht. Die Bark liegt jetzt in Quarantäne. — Am 11. Äug. wurde aus San Remo ein heftiges Erdbeben gemeldet, das zwei Sekunden dauerte und große Erregung unter der Bevölkerung hervorrief. Weniger heftige Erdstöße werden auch aus Bordighera und Col die Rodi angezeigt. — In einer Vorstadt Madrids sind 60 Personen durch den Genuß verdorbener Milch erkrankt. Der Zustand mehrerer dieser Personen ist sehr ernst. — In einer Pariser Monatsschrift versichert der Schriftsteller Georges Lacour, daß er auf der Pampa di rio Negro, auf dem Wege nach Buenos Aires die Bekanntschaft des seit 15 Jahren verschollenen Jo - hannOrth gemacht hat. — InKirchach (Franken) brannte die gefüllte Scheuer des Landwirts Rumpel nieder. Ein Töchterchen des Landwirts ist in den Flammen umgekommen. — In N e w y o r k ist der Kassierer der Milkeet Avenue-Bank, bei der Fälschungen bis zur Höhe von 2 Millionen Dollars festgestellt wurden, verhaftet worden. Der zweite Kassierer Rowalsky beging Selb st mord. — Im schweizerischen Alpendorfe S ch w e n d i brach in einer Schreinerei infolge Warmlaufens eines Motors Feuer aus, das eine solche Ausdehnung annahm, daß 11 Häuser eingeäschert wurden. Vom Dörfchen stehen nur noch drei Häuser, darunter das Schulhaus. — In Lübeck erschoß sich der Redakteur Paul Günther aus Gram über den Tod seiner Mutter. — In Berlin erstach der aus Urlaub befindliche Sohn des Viehtreibers Gustav Link vom 35. Infanterieregiment in der Notwehr seinen angetrunkene n V a t e r , als er bei einem Streite zwischen den Eltern vermittelnd eintrat. — Ferner stürzte dort beim Spielen mit einem Revolver der 14 jährige Sohn des Gemüsehändlers Siebschlacht tödlich getroffen zusammen. Eine Kugel war ihm in den Unterleib gedrungen. — Bei einer Motorradfahrt durch den Forstenrieder Park bei München kollidierte der Privatdozent Dr. Tromsdorfs mit einem Eber und erlitt bei dem Sturze in den Straßengraben schwere Verletzungen.
Vo» einem Duell
in Ha l l e haben wir bereits kurz berichtet. Essei heute folgendes ausführlicher erzählt. Tort erschienen vor der Strafkammer der Referendar Alfred Welsch und der Agronom Bruno Hanfs. Welsch hatte Hanff im März gebeten, ihm 300 Mk. zu borgen. Hanff borgte dem Welsch 500 Mk., unter der Bedingung, daß die erste Hälfte am 1. Mai, die zweite Hälfte am 1. Juni zurückzuzahlen sei. In der Nacht voin 2. bis 3. Mai zahlte Welsch die erste Rate zurück. Als aber Hanff am 6. Juni die zweite Rate nicht erhalten hatte, schrieb er an Welsch einen Mahnbrief, in dem er unter anderem sagte, er halte Welsch im Gegensatz zu a n d e r en H e r r c u, die ihn angepumpt hatten, für einen Ehrenmann; Welsch möge deshalb seiner Verpflichtung nach- kounnen, da er, Hauff, augenblicklich in Verlegenheit sei. Welsch fühlte sich durch den Mahnbrief beleidigt. Er antwortete bem Hauff, er solle revoziereu und um Rückzahlung der zweiten Rate bitten, da vereinbart worden sei, daß diese Rate nicht am 1. Juni, sondern am 1. Juli zurückzuzahlen sei. Hanff antwortete darauf, Welsch glaube wohl selbst nicht, daß er, Hanff, um Zurückzahlung des Geldes auch noch bitten werde. Daraus forderte Welsch den Hanff auf Pistolen.
Das Ehrengericht verlangte von Hanff daun eine Erklärung, ob der 1. Juni ober ber 1. Juli als Zahlungstermin vereinbar! worben sei. Als Hanff auf Ehrenwort ben 1. Juni als ben Zahluugs- tag bezeichnete, sagte Welsch, bas Ehrenwort sei falsch. Nunmehr schritt Hauff zur Forderung. Da er aber wußte, baß Welsch ein guter Schütze ist, ber sich schon wochenlang vorher in ber Heibe eingeübt hatte, f o r b e r t e er Welsch auf Säbel.
Tas Ehrengericht e n t s ch i e b aber für bie Pistolen- f o r b e r u n g. Bedingung war: Zehn Schritt Distanz, breimaüger Kugelwechsel. Hanff würbe bei bem ersten Gange niebergefnaQt. Der Schuß traf bie Lunge unb ft reifte ben Herzbeutel. Trotzdem ist er wieder h e r g e ft e 111 worden. Nach dem Geschehnis halte Hanff gesagt: „Erst pumpt ber Lump
mich an, unb bann schießt er m i ch nieder. Daraus, entwickelte sich eine weitere Forderung des Welsch pegen einen Rechtsanwalt Tas Gericht brachte in der Urteilsbe- qrünbung zum Ausdruck, baß baS Ehrengericht ben Zweikampf m i t v e r s ch u l b e t habe und bestrafte Welsch, dessen Tun als frivol bezeichnet wurde, mit acht Monaten und Hanff mit sechs Man al en ? estuna n' t. ________________
ii 8® 5 v c rji feite a cb r i cb fett.
— Heber die Beteiligung der deutschen Studenten am Kriege von 1870/71 macht die „Voss. Ztg." bemerkenswerte Angaben. Für die verschiedenen Universitäten lauten die Zahlen der Beteiligten, in Prozenten ausgedrückt, folgendermaßen: Kiel 53, Greifswald 50, Göttingen 44,8, Rostock 43,1, Jena 42,2, Erlangen 40.4, Marburg 39,7, Halle 37, Tübingen 35,9, Breslau 34,2, Heidelberg 33, München 32,2, Gie - s; en 30,1, Leipzig 30, Bonn 29,4. Berlin 29,2, Königsberg 28,1, Würzburg 23,6, Freiburg 19,5, Münster 7,6. Dazu wird dem Blatte geschrieben: Auf den ersten Blick sieht man, um wie viel die Heineren Universitäten in rein evangelischen Landesteilen den größeren, wo die verschiedenartiasten Menschen zusammenströmen. und den Hochschulen in katholischen Gegenden voraus sind. Münster nimmt bei weitern den untersten Platz ein, möge man die Zahlen nun an sich oder verhältnismäßig ansehen. Dabei hatten nicht weniger als sechs andere Hochschulen eine geringere Zahl von Studierenden als Münster. In der durch und durch klerikalen Hauptstadt Westfalens ließen sich also in jenen unvergeßlichen Tagen höchster patriotischer Erregung nur wenige Studenten finden, die ihr Leben freiwillig dem Vaterlande anboten.
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 11. Aug.
Dem Handelsmann Josef B. von Großen-Buseck ging vom hiesigen Amtsgericht ein Strafbefehl zu, weil er entgegen einer Polizeiverordnung auf der Straße in der Nähe des Viehmarktes ein Stück Vieh verhandelt hatte. Das Schöffengericht kam zum Freispruch, da es annahm, die fragliche Stelle habe als zum Markte gehörig zu gelten. Auf Berufung der Staatsanwaltschaft wurde Augenschein eingenommen, wobei es sich herausstellte, daß der fragliche Platz keineswegs als ein Bestandteil des Marktes anznfehen sei. Das Urteil wurde aufgehoben und auf eine Geldstrafe von einer Mark erkannt.
Gegen den wegen Roheitsdelikte mehrfach bestraften Bergmann Konrad H. von Treis-Horloff erkannte die Strafkammer wegen gefährlicher Körperverletzung auf 2 Jahre Gefängnis. Er wurde in angetrunkenem Zustande von einem jungen Burschen geneckt, was ihn in solche Wut versetzte, daß er eine schwere Holzaxt herbeiholte und diese dem Mann auf den Kopf schlug. Der Verletzte mußte sich zur Entfernung der Knochensplitter in die Klinik begeben, wo er drei Wochen bleiben mußte. Außerdem war er längere Zeit arbeitsunfähig und leidet zur Zeit noch an den Folgen der Verletzung. Mit Rücksicht darauf, daß die Verletzung leicht tödlich hätte verlaufen können, wurde auf die hohe Strafe erkannt.
Der Monteur Eugen R. von Hirzenhain wurde wegen Urkundenfälschung zu der Minimalstrafe von 1 Tag Gefängnis verurteilt. Er hatte die Nummerplatte seines Fahrrades verlegt und dafür eine neue angefertigt, die er benutzte. Dies fiel einem Gendarmen auf, der der Sache nachging und seststellte, daß er überhaupt keine Steuer für das laufende Jahr entrichtet hat. Die weiteren Ermittelungen ergaben, daß ör die Platte nicht zur Hinterziehung der Steuer angefertigt Ij-at, da er das Radfahren aufgeben wollte und nur ein einziges Mal in einem eilenden Falle das Rad benutzt hat. Das Gericht hielt die N u m m e r p l a 11 e für eine öffentliche Urkunde, die dazu bestimmt ist, den Ausweis über die entrichtete Fahrradsteuer zu erbringen. Da die ganze Angelegenheit in recht mildem Lichte erschien, gab das Gericht dem Verurteilten anheim, auf dem Gnadenwege Aufhebung der Strafe zu erstreben.
Der 13 jährige Schüler Karl W. von Nieder-Erlenbach, dem es bei seiner Stiefmutter nicht gefiel, wanderte zu Fuß nach Ostheim bei Butzbach. Er löste dort eine Fahrkarte und fuhr bis Marburg, von wo er wieder zurückverbracht und ausgesetzt wurde. Der Schwiegersohn des Bürgermeisters nahm ihn auf, aber nach kurzer Zeit schon machte er den Versuch, bei einem Wagner Geld zu stehlen, zu welchem Zwecke er durch ein Fenster ein stieg. Nachdem er alles durchsucht, aber nichts gefunden hatte, verließ er auf dem nämlichen Weg das Haus. Aus seiner Intelligenz schloß das Gericht, daß er die zur Erkenntnis der Strafbarkeit erforderliche Einsicht besessen hat. Seine mangelhafte Erziehung wurde strafmindernd berücksichtigt und auf einen Tag Gefängnis erkannt.
(ßcrid^tefaaL
Kassel, 10. Aug. Wegen fortgesetzt schweren Sitr- l i ch k e i t s v e r b r e ch e u s, begangen an der eigen enTochter, wurde der 67 Jahre alte Schneider Emil Werner aus Rothenditmold zu 1 Jahr 2 Monaten Zuchthaus perurteilt. Die Tochter erhielt 4 Mouate Gefängnis. Das sträfliche Verhältnis mar nicht ohne Folgen geblieben.
D ü s s e l d o r f, 12. Aug. Das Kriegsgericht perurteilte den Unteroffizier Lechtenfeld pon der 10. Kompagnie des 16. Infanterieregiments zu Mülheim a. Rhein wegen fortgesetzter Mißhandlung Untergebener zu 21/. Monaten Gefängnis.
Spirlplarr brr vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus.
Dienstag den 14. August"): „Die Afrikanerin." Mittwoch den 15. August, abends halb 8 Uhr: „Die Entführung aus dem Serail. Donnerstag den 16. August: „Der Troubadour." Freitag den 17. August, abends 6 Uhr: „Tie Meistersinger non Nümberg." Samstag den 18. August: „Hans Heiling." Sonntag den 19. Aug.: „Oberon." Montag den 20. August, abends halb 8 Uhr: „Frühlingslust."
Schauspielhaus.
Dienstag den 14. August"): „Zapfenstreich." Mittwoch den 15. August: „Kyritz-Pyritz." Donnerstag den 16. August, abends halb 8 Uhr: Frankfurter Dialektstücke: „Der alte Bürgerkapitän." „Der rote Schornsteinfeger." „Dodgeschosse." Freitag den 17. Aua.: „Kyritz-Pyritz." SamStag den 18. August: Zum ersten Male: „Oedipus und die Sphinx." Tragödie in drei Akten pon Hugo p. Hofmanustha l. Sonutag den 19. August, nachmittags halb 4 Uhr: „Mamsell Nitouche." Abends 7 Uhr: „Oedipus und die Sphinx."
Anfang, wenn nicht anders bemerk, abends mit 7 Uhr.
Mrchliche Nachricht«?«.
Katholische Gemeinde.
Dienstag, den 14. August:
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr Gelegenheit zur heil. Beichte.
Mittwoch, den 15. A u g u st:
Mariä Himmelfahrt.
Vormittags pon 67, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte.
„ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, por und in derselben Austeilung der heil. Kommunion.
• um 8 Uhr: Die zweite heilige Messe. Militärgottesdienst mit Predigt.
p um 9'/r Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 2 Uhr: Festandacht mit Segen.
für Kinder, Kranke,Genesende. Verhütet u.beseitigt = Diarrhoe, Brechdurchfall, Darmkatarrh. J


