Nr. 111
Erscheint täglich armer Sonntags.
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Rotaturnsdruck u. Verlag der Brüh l'schen ttruvett.-Buch-u.Stein- b ruderet. R. Lange. Redaktion, Ervedittou und Druckerei:
Schul st raße 7.
Redaktion 113
Verlag u.Exped.S^D51 Adresje für Depeschen:
Anzeiger Gießen.
Evstes Blatt LStr.Jahrgauq Samstag 12. Mai 1906
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Gießener Anzeiger s
General-Anzerger **
v den volit. und allgem.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MM
zeigenteil: Hans Beck.
7)ie heutige Mrmmer umfaßt 18 Seiten.
Aeichsrat und Duma in Außtand.
Petersburg, 11. Mai. Heute nachmittag 2 Uhr fand im Adelssale die Eröffnung deS Reichsrats statt. Nach dem von dem Metropoliten zelebrierten Festgottesdienst nahmen Graf Solski und der Gehilfe deS Staatssekretärs v. Frisch ihre Sitze auf dem Präsidentenpodium ein, roormif der Reichssekretär, Baron Uexkuell den kaiserlichen Ukas verlas, wodurch der NeichSrat einberufen wird. Solski wurde hierauf zum Präsidenten, Staatssekretär Frisch zum Vizepräsidenten ernannt. Alsdann verlas Solski die Begrüßungsansprache. Er wies auf die glückliche Aufgabe jedes einzelnen hin, an der Heilung der schweren Leiden des Vaterlandes mitzuwirken. Diese Aufgabe falle auch dem reorganisierten Reichsrate zu, der ein Jahrhundert der nächste Ratgeber der russischen Monarchen und ein treuer AuSführer derer Intentionen gewesen sei. Durch die Einfügung gewählter Mitglieder trete der ReichSrat in engste Fühlung mit dem Leben der Bevölkerung, waS ihm neue Kraft gebe, und obgleich die Errichtung der Reichsduma seine Beziehungen zu der Gesetzgebung verändere, bleibe ihm doch ein bedeutender Anteil derselben gesichert. Er habe besonders Sorge zu tragen, daß das neue mit den alten Grundpfeilern Rußlands und mit den Bedingungen gesunder staatlicher Entwicklung in Einklang stehe. Danach unterzeichneten die Mitglieber die Eideserkläcung, worauf die Sitzung ohne weitere Förmlichkeit geschlossen wurde.
— Der Präsident der Duma ist heute in Peterhof vom Kaiser empfangen worden. Abends findet eine Sitzung der konstitutionellen Demokraten statt, in der die Mitteilungen Muromzews über den Empfang erwartet werden. Nach dem Stenogramm hat der Präsident Muronzew in seiner Ansprache bei der Eröffnung der Duma gesagt, die Arbeit der Duma werde vor sich gehen auf dec Basis der Achtung vor dem Prärogativ der konstitutionellen Monarchie und auf dem Boden völliger Verwirklichung der Volksvertretung.
„Nascha Schisn" ist in der Lage mitzuteilen, die Adreffse der Duma an den Kaiser, welche gegenwärtig von der Kommission der Parlamentsfraktion der konstitutionell-demokratischen Partei entworfen wird, werde die Notwendigkeit einer Amnestie, der Gewährung der bürgerlichen und politischen Freiheiten an alle Bürger, der Beseitigung der Scheidewand zwischen dem Monarchen und der Duma, d. h. dem Reichs rate, betonen. Das Blatt unterschreibt die Thronrede vollständig und schweigt über die Regierung, sondern eS seien nur Personen auf Staatsposten vorhanden, welche auf das Erscheinen einer aus der Volksvertretung hervorgegangenen Regierung warten.
In dem „Verbände vom 3 0. Oktob er", der bei den Wahlen eine völlige Niederlage erlitten hat, tritt eine Strömung zu 'Gunsten einer Programmänderung im Geiste der linken Parteien hervor. Eine Resolution, nach der an den Kaiser ein Bittgesuch um Revision der Grundgesetze zu richten sei, wurde in der Sitzung deS Zentral-Komitees mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. In Betreff einer Resolution, welche ausspricht, eS sei wünschenswert, möglichst bald Persönlichkeiten in das Ministerium zu berufen, welche daS Vertrauen des Volkes genießen, waren die Stimmen geteilt.
lieber den Verlauf des heutigen Tages meldet die Petersb. Telegr.-Agentur: Aus zahlreichen Städten der Provinz wird telegraphiert, daß-diese reichen Flaggenschmuck angelegt hatten, daß überall feierliche Gottesdienste abqehalten wurden und daß eine freudige Erregung unter der Bevölkerung herrschte. Die Handelshäuser, Schulen und Läden blieben den Tag über geschlossen. — In Simbirsk zog nach dem Gottesdienst eine Anzahl junger Leute mit roten Fahnen nach dem Gefängnis unter Absingung von revolutionären Liedern. Die Polizei zerstreute die Manifestanten, wobei etwa 10 Personen verletzt wurden. Auch der Polizeimeister, sowie mehrere Polizisten erhielten Steinwürfe.
In Kasan hielten etwa 300 Personen eine Protestversammlung gegen die Duma ab, in der eine junge Frau eine Ansprache hielL Als die Polizei sie verhaften wollte, kam es zu einem Zusammenstoß mit der Menge, wobei mehrere Schüsse abgegeben wurden.
Der provisorische Leiter des Ministeriums für Handel und Industrie, Fedorow, hat seine Entlassung ein» gereicht. *
Die Ausstände und Unruhen in Italien.
Nom, 11. Mai. Gegen Schluß der heutigen Kammer sitzung verliest der Präsident einen Brief von den 12 sozialistischen Abgeordneten, die darin die R i e d e r l e g u n g ihres Mandats aus folgenden Gründen erklären: 1. wegen der Turmer Vorfälle, 2. wegen der gestrigen Mstimmung der Kammer, 3. wegen Verwerfung des Antrags betreffend die Arbeitsinspektion, 4. weil mit Rücksicht darauf, daß die parlamentarische sozialistische Gruppe den Ausstand gemißbilligt hat, was einen Widerspruch mit der Beobachtung der von der Gruppe befolgten Grundsätze und mit der Denkungsart bedeute, die Notwendigkeit vorliege, daß die Wähler'urteilen. — Ministerpräsident Sonn in o fordert die Kammer auf, die Mandatsniederlegung ab zu lehn en. Jede Handlung, die dazu betragen könne, die Bewegung zu unterstützen, sei ein
schwerer und moralischer Schaden. Der Minister hebt das wichtige Programm für die wichtige soziale Gesetzgebung hervor, das beraten werden müsse und die Mitarbeit aller Deputierten erfordere. — Tie Abgeordneten Barzilai, Luzzato und Brunialto schließen sich diesen Erklärungen an. — Die Kammer lehnte daraus die Mandats- niederleguug einstimmig ab. — In den Wandelgängen verlautet gerüchtweise, daß die Sozialisten morgen auf ihrer Mandatsniederlegung bestehen werden. — Am Vormittag fand eine Versammlung von etwa 10 000 Ausständigen im Botanischen Garten statt, wobei mehrere Reden gehalten wurden. Die Ausständigen, denen sich viele Anarchisten und Vagabunden angeschlossen hatten, wollten durch die Stadt ziehen, wurden aber durch Truppen gehindert. Augenblicklich geht das Militär in verschiedenen Seitenstraßen gegen Ansammlungen von Manifestanten vor; bisher aber ist es nirgends zu einem ernsten Zusammenstoß gekommen. Es bilden sich in den Straßen des Zentrums Gruppen, die eine Kundgebung veranstalten wollen. Diese werden jedoch durch berittene Polizeibeamte zerstreut. Tie Umgebung des Sitzungsgebäudes der Kammer ist sehr belebt. Das Gebäude ist von Truppen überwacht. Der P-latz Monte Citorio, wo sich der Haupteingang zur Kammer befindet, wird von jedem Verkehr freigehalten. — Die Arbeitskammer beschloß, daß die Arbeiten vor Mitternacht wieder ausgenommen werden. Tic Zeitungen werden morgen früh erscheinen.
Lieber die Ausstandsbewegung in den größeren Städten des Landes liegen Meldungen vor, nach denen heute überall Ruhe herrscht. Die Droschken und Tramwavs verkehren. Alle Läden sind geöffnet. Die Städte haben wieder ihr gewöhnliches Aussehen. Daß die Arbeiter nicht sämtlich mit dem Eintreten in den Generalausstand einverstanden sind, geht aus einer Meldung aus Genua hervor, wo die Mehrzahl der Arbeiterorganisationen sich offen gegen den Generalausstand erklärt hat. In Bologna wird oie Gendarmerie von der Bevölkerung bei der Aufrechterhaltung der Ordnung unterstützt, Bürgerpatrouillen mit je zwei Gendarmen an der Spitze durchziehen die Straßen. Auch die Zeitungen werden gegen mittag erscheinen. — In Neapel ist ein teilweiser Ausstand im Gange, doch werden die Arbeiten im Hafen in gewohnter Weise ausgesührt. Auch d'.e Arsenalarbeiler der Marineartillerie arbeiten. Der Straßenbahnverkehr ist im Betriebe. Die Zeitungen erscheinen. — In Mantua ist für morgen der Ausstand proklamiert. — InCesena wurde der Vorschlag, in den Ausstand einzutreten, zurückgewiesen. — In Parma ist der Ausstand beendigt. Die Stadt hat wieder ihr gewohntes Aussehen. — In Livorno dauert der Ausstand fort. Ansammlungen von Ausständigen werden durchs die Polizei zerstreut. Die Läden sind geschlossen. Die Stadtverwaltung lies; Brot aus Pisa und Lucca kommen.
Genua, 11. Mai. Die Arbeitskammer von Genua und San Pier d'Arena hielten gestern eine Sitzung ab, in der der bereits früher gefaßte Beschluß, sich gegen den Ge n er a la u sst a n d zu erklären, nochmals bestätigt wurde. Ein in diesem Sinne abgefaßtes Manifest wurde bestätigt. ____________________________.
Der türkisch englische Konflikt.
London, 11. Mai. Wie das Reuter Bureau vernimmt, läuft das Ultimatum an die Türkei am Sonntag um Mitternacht ab. Falles der Sultan versuchen sollte, in seiner Unnachgiebigkeit zu verharren, und Zwangsmaßnahmen notwendig werden sollten, würde die Flotte unverzüglich in Aktion treten. Der türkische Botschafter stattete am Nachmittag dem Staatssekretär des Auswärtigen einen Besuch ab. — Wie das Reutersche Bureau vernimmt, liegt Grund zu der Hoffnung vor, daß die Erreichung einer Verständigung in dem Streitfälle zwischen England und der Türkei nahe bevor ft ehe.
Athen, 11, Mai. Sechs englische Torpedojäger sind abgedampst, um aus offener See zu manöverieren. Lord Berresford^ hat den Marineminister ersucht, in der Bai von Palermo Schieß versuche mit Torpedos vornehmen zu dürfen. Diese Erlaubnis ist ihm erteilt morden.
Port Said, 11. Mai. Der Kreuzer „Perseus geht morgen nach Suez ab. Vier andere Kteuzer und einige Torpedo- bootszcrslörer werden morgen hier erwartet. Kdntreadmiral Lamb- ton ist mit drei Kreuzern hier e i n g c t r o f f e n und wartet auf weitere Befehle.
Ein neues Gefecht in Sndwestafrika.
Berlin, 11. Mai. Jene .Hottentottenbande , die von unseren Truppen in den Kleinen Karasbergen eingeschlossen wurde, versuchte nach dem unteren Löwenfluß auszubrechen. Die bei Gawachab stehende 7. Kompagnie des Feldregimentes Nr. 1 griff den Gegner am 4. und 5. Mai an. Am ö.Mai kam es in schwierigem Gebttgsgelände zu einem ernsten Gefecht, in dessen Verlaus der Gegner die Stellung r ä u m t e. Alle in der Nähe befindlichen Truppen haben die weitere Verfolgung ausgenommen.
Am 4. Mai bei Gawachab leicht verwundet: Gefreiter Herm. Schmidt, geb. in Braunsdorf, früher 2. Garde-Ulaneu- regiment, Fleisch schuß nm_ rechten Unterarm. — Am 5. Mai im Gefechte am L ö w e n f l u ß südlich von Gawachab gefallen: Gefreiter Gust. Weiß, geb. in Rottweil, früher Pionierbataillon Nr. 9, .Herzschuß: Reiter Iriedr. Dorsch, geb. in Siebeneich, früher Dragonerregiment Nr. 21, Bauchschuß: Reiter Herm. Hübri g, geb. in Luzine, früher Jägerbataillon Nr. 6, Brust- Bauchschuß: schwer verwundet: Lei'tnant Witp. v. Oppen, geb. in Breslau, früher Dragonerregiment Nr. 2, Schuß im linken Oberarm und linke Vrustseite; leichtverwundet: Oberarzt Tr. Walter v. Hasel berg, geb., in Stralsund, früher Infanterieregiment Nr. 151, Fleischschuß am Rücken, Streifschuß am tlopf; Gefreiter Bruno Köhler, geb. in Obercolmnitz, früher söchs. Gardcreiterregiment, Weichteilschuß am linken Oberarm; Reiter Edwin Müller, geb. in Langenleuba, früher Infanterieregiment Nr. 153, Streifschuß an der linken Hand: Reiter- Karl Rauter, geb. in Stadthagen, srüyer Hnsarenregiment Nr. 10, Streifschuß am Hinterkops.
Der Weltpostkongrcn.
Rom, 11. Mai. Der Weltpostkongrcß hielt am 10. Mai zwei Sitzungen ab. Der Text der H a u p t k o n v e n t i o n^ wurde in der von der ersten Kommission gestern vorgelegten Fassung genehmigt. Es wird festgesetzt, daß der Höchstbetrag der Nachnahme auf Briefe in allen Vereinsländern 1000 Fr. betragen soll. Den Absendern wird das Recht gegeben, solange die Sendung unterwegs ist, die Nachnahme ungiltig zu machen oder zu verringern. Hinsichtlich der Haftbarkeit der Verivaltnng int Falle mangelnder Erhebung der Nacünahme wurden neue Bestimmungen getroffen. Folgenden Gebieten würbe eine besondere Vertretung auf dem Kongresse zugestandender Gesamtheit der eiwlischen Kvlonien oder Schutzgebiete in Südafrika, der Kolonie Neuseeland, den deutschen Schutzgebieten in Afrika, sowie jenen in Asien und Aurstaljen, der Gesamtheit der italienischen Kolonien, ben portugiesischen Kolonien in Südafrika, der Kolonie Algerien. Ferner wurde beschlossen, daß, um dem Mscnber einer Sendung die Frankierung der Antwort zu ermöglichen, besondere Antwvrtgutscheine zum Preise von 25 Centimes verkauft werden sollen. Diese Gutscheine, die das internationale Bureau in Bern drncken läßt, werden an die Verwaltungen versendet und können dann in den Vercinsländern, die sich an dieser Einrichtung beteiligen, in Freimarken zu 25 Centimes- umgelauscht werden.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. Mai. Im Abgeorbnetenhausc wurde heute die Novelle zum Einkommensteuergesetz fortgesetzt. Eine Reihe Paragraphen wurde angenommen. Der Entwurf deS Gesetzes vom 1. Juni 1882 wegen Einsetzung von Bezirks- Eisenbahnräten und eines LandeS-EisenbahnrateS für die Staats-Eisenbahn-Verwaltung wird in zweiter Lesung angenommen; ebenso ohne erhebliche Debatte in erster und zweiter Lesung die Vorlage auf Bewilligung weiterer Staats» mittel zur Verbesserung der Wohnu ngsverhält» nisse von Arbeitern in Staatsbetrieben und von gering besoldeten Staatsbeamten. Morgen kleinere Vorlagen, Ruffen-Jnterpellation und Anträge.
Straßburg i. Els., 11. Mai. Der Kaiser unternahm heute morgen eine Aussahrt und einen Spaziergang in der Orangerie. Um 11 Uhr vormittags nahm der Kaiser vor dem Portale des Kaiserpalastes den Vorbeimarsch der Garnison ab, wobei auch die Kavallerie und die Artillerie zu „Fuß marschierten. Dcr kommand. General Ritter Hentschel v. Gilgcnheimb erhielt das Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe; Generalleutnant Frhr. v. Hoiningen gen. Hüne den königl. Kronenorden 1. Klaffe. Nach der Kritik nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen. Heute mittag folgte der Kaiser einer Einladung des kommand. Generals Ritter Hentschel v. Gilgen- heimb zur Tafel.
— Der Kaiser unternahm mit den Herren seiner Um« gebung am nachmittag eine Spazierfahrt im Automobil westlich von Straßburg bis m die Vogesen. Abends speiste der Kaiser bei dem Staatssekretär o. Köller.
Stuttgart, 11. Mai. Im Landtage hat die Volkspartei einen Antrag eingebracht, der die Regierung auf- fordert, im Bundesrate der Fahrkarten st euer, durch die die von den großen Verkehrszentren entfernt liegenden Reichsteile, sowie die Bahnoerwaltungen Süddeutschlands besonders benachteiligt würden, unter allen Umständen die Zustimmung zu versagen.
Ausland.
London, 10. Mai. (Unterhaus.) Im weiteren 23er» lauf der Sitzung wurde in zweiter Lesung die Unterrichtsvorlage nach viertägiger lebhafter Debatte, die sich hauptsächlich um die Frage des Religionsunterrichts in den Schulen drehte, mit 410 gegen 204 Stimmen angenommen. Die Minderheit setzt sich zusammen aus den Unionisten und Jr-, ländern. Die Mitglieder der Arbeiterpartei stimmten mit ben Regierung.
— Die Unterhandlungen zwischen England, Frankreich und Italien bezüglich Äbessynien werden fortgesetzt. Es wird demnächst ein Abkommen unterzeichnet werden, welches verhindern soll, daß andere Mächte Eisenbahnen in Äbessynien bauen.
— Nach einer Meldung des „Daily Telegraph" aus Tokio beabsichtigt Japan alle Haupthäfen dem allgemeinen Verkehr zu eröffnen. Es ist angekündigt, daß im Verfolge dieser Maßnahme die Seestation Maizuru sofort eröffnet werden soll. Wie das Blatt weiter meldet, empfiehlt Ito dringend, daß der bisherige Botschafter in London, Hayaschi, zum Minister des Aeußern ernannt werde- Komura soll Hayaschis Nachfolger auf dem Londoner Posten werden. Dem nämlichen Blatt zufolge hat China in der Frage betreffend die Eisenbahn Canton-Kuulunfl nachgegcben. Tie in der Nähe Cantons gelegene Strecke soll durch China ausgeführt werden, die bei Kaulung gelegene Strecke durch England. China wird in England eine Anleihe machen zum Zwecke des Bahnbaues und wird die Einkünfte dcr Bahn als Sicherheit verpfänden. Tas gesamte Bahnmaterial muß auS England bezogen werben.
St. Briance, 11. Mai. Bischof Falliöres, ein: Vetter des. Präsidenten der Republik, ist gestorben.
Rom, 11. Mai. Wie der „Agenzia Stefani" aus Tanger gemeldet wird, ist die Abreise des italienischen Gesandten Malmusi nach Fez auf den 22. Mai festgesetzt.
Konstantinopel, 11. Mai. Der Herzog und die Herzogin Ernst Günter zu Schleswig-Holstein wurden nach dem heutigen Selamlik vorn Sultan in Audienz empsangen


