Nr. 289 Viertes Blatt. 156. Jahrgang Samstag 8. Dezember 1906
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Gießener Anzeiger
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
potifiiebe Lagesscharr.
Marimilian Harden kommt in der neuesten Nummer der »Zukunft " aus bn§ Pcachtwerk „Deutsche (9cbcnfhanc" zurück, das von Fürst Eulenburg dem Kaiser gewidmet worden ist und diesen in hohem Maße verherrlicht. Harden erzählt:
Ein (<\c$chicht?fchrciber hatte die Mitarbeiter geworben, ein Kunsthistoriker die Bilder ausaewahlt. Erst später — im Jahre 1906 — kam plötzlich au die M i t a r b e i t e r, ungefähr 3 0 U n i d e r- sltätSprosesl oren, die seit Jahren h'iv das Werk geworben waren, ein Rundschreiben des Fürsten, er habe die Aegibe des Werkes übernommen und es In fi'emcinfdinft mit dem Österreich. Buchhändler Herzig dem Kaiser überreicht. Der Kaiser habe es huldvoll angenommen imb werde jedem Mitarbeiter ein Dankschreiben zugehen lassen. DaS kam beim auch; noch vorher aber die Kunde, Fürst Eulenburg habe den Schwarzen Adler-Drden erhalten. „Nun erklärt mir, Oerindur, diesen Zwiespalt der Natur! Don den Herren, die 19D3 die Mitarbeiter warben und die Bilder wählien, ist nicht mehr die Rede. Phil, sleigt au? der Versenkung und überreicht ein Buch, das er nicht geschrieben, dessen Inhalt er nicht einmal zusaminengestellt bat; überreicht das Werk bekannter Professoren, die von seiner „Aegibe" nicht? ahnten und auch jetzt nicht wissen, was dieses Fremdwort bedeuten soll. Herzig."
Im Zusammenhang teilt Harden mit, baß Moritz Buschs sehr wertvoller literarischer Nachlaß einstmals von August Scherl käuflich erworben worden sei. Daran knüpft Harden folgendes:
„Der Käufer verpflichtete sich schriftlich, das Erworbene weder zu vernichien, noch an Gegner Buschs auszuliesern, sondern es zu Deröffentlirhen. Herr August Scherl verfügt über zwei Zeitungen und viele Zeitschriften, hat in den sechs Jahren von all dem wert- vollen Material aber noch nichts ans Licht gebracht. Warum? Hane er in dieser Zeit zu viel Sonne?" —!
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 8. Dezember 1908.
** Kun st verein. Die AnSstellunq der Kollektionen deS Bildhauers M. Schauß und deS Malers R. Eschke auS Berlin, welche nur bis morgen, Sonntag, ausgestellt bleiben sollten, werden aus allgemeinen Wunsch und wegen deS noch immer regen Besuches dieser Ausstellung noch weitere acht Tage, bis zum 17. d. M. ausgestellt bleiben. Mit diesen verbleiben nur noch die Kollektion Herman Dietz-Darmstadt und einige andere in bet Ausstellung. Ein großer Teil der erst seit acht Tagen ausgestellten Werke gelangt am Montag zur Weitersendung. Es sei nochmals darauf hingewiesen, baß neuemtretende Mitglieber fürs Jahr 1907 schon von jetzt ab mit ihren Familien freien Eintritt zu den Ausstellungen haben.
** Aus dem Bureau des StadttheaterS. Auf die Frem denvo rst ellun g am nächsten Sonntag nachmittag 81/., Uhr sei ganz besonders hingewiesen. Lessings
„Emilia Galotti", in der unsere ersten Schauspielkräfte beschäftigt sind, wirb zu ermäßigten Preisen zugänglich gemacht. Dies bürste umsomehr interessieren, als Emilia Galotti seit einer Neihe von Jahren nicht über die Gießener Bühne ging. Diese Vorstellung trägt zugleich den Charakter einer Schülervorstellung, insofern Schüler im Vorverkauf zu den bekannten Schülerpreisen Eintritt erhalten. — Der Sonntagabend bietet ein reiches, abwechslungsvolles Programm, das besonders auch die Freunde von Mustk interessieren dürste Unter Begleitung unserer NegimentSkapelle gebt dgs reizende musikalische Genrebild „Das Wetterhäuschen" in Szene, das für Gießen Novität ist und zu dem eine eigene Dekoration ertra angeiertigt wurde. Das bekannte Banmannsche Singspiel „Versprechen hinterm Herb" bildet ben Beschluß bes Abenb? unb zwei Einlagen, ein Balletwalzer, ge anzl von Frau Olbini, unb bie vom Vorjahr her bekannte Burleske, „Der gemütliche Kommissär", ergänzen das Programm.
•• Der hiesige Werkmeister-Bezirks-Verein feierte am vergangenen SamStag im Neuen Saalbau sein 20jährigeS GründungSsest. Den zahlreichen Ein- labungen, bie ber Verein ergehen ließ, wurde vielseitig Folge gegeben, waS auf das große, dem deutschen Werkmeister-- Verband zugewandte Interesse schließen läßt. Die Provinzialbirektion, der Stadtoorstanb, viele Prinzipale unb VereinS- vorstänbe hatten Vertreter entsenbet. Auch NeichStagSab- georbneter, Kommerzienrat Heyligenslaebt, ber seit Bestehen beS Vereins, ihm stets baS größte Interesse znwendet und ihm alS Ehrenmitglieb 19 Jahre angehört, war bi re ft von Berlin zu bem Feste eingetroffen. Der Gesangverein Heiterkeit war vollzählig erschienen und erfreute unter Leitung seines tüchtigen Dirigenten, Lehrer Becker, bie Festgäste burch exakt unb schön vorgetragene Männerchöre, auch viele Werkmeister auS ben benachbarten Bezirksoereinen waren vertreten. Fabrikant Hermann Klingspor überreichte bem Verein unter ehrenben Worten von ben Inhabern hiesiger Zigarren- unb Tobakfabriken einen Brief mit ansehnlichem Inhalte zum Geschenk; bie Gabe ist für ben UnterstützungS- fonbS für Witwen, Waisen unb notlcibenbc Werkmeister bestimmt. Nachbem ber Vorsitzenbe bes Vereins, Schufst, in einer kernigen Ansprache bie eblen Ziele und Erfolge des beutschen Werkmeister-VerbanbeS unb beS Bezirks-Vereins klar gelegt hatte, schloß er seine Rebe mit einem dreifachen Hoch auf Kaiser unb Großherzog, in baS bie ganze Versammlung begeistert einstimmte. Ein Theaterstück, Solovor- träge für Tenor, bargestellte lebende Bilder sowie Kouplets vervollständigten bas Programm. Alle Mitwirkenden taten ihr Möglichstes, sodaß baS ganze Programm als sehr gelungen zu bezeichnen ist. Ein barauffolgcnber Ball hielt bis
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zum Morgen eine große Zahl ber Erschienenen in fröhlichster Stimmung beisammen. Möge dieS Fest dazu beitragen, noch manchen, dem Verbanbe fernstehenben Werkmeister ihm zuzusühren.
** Evangelischer Bund. Wir machen nochmals auf den morgen abend im Neuen Saalbau stattfindenden Familien ab end des hiesigen Zwetgvereins aufmerksam. Pfarrer D. Dr. D i e h l-Hirschhorn wird sprechen über: Joh. Balthasar Schuppius von Gießen in seiner Bedeutung für die hessische evangelische Kirche. Wenn schon der hochgeschätzte Redner von seinen früheren Vorträgen her in Gießen wohlbekannt ist und darum wieder seine ungemein starke Anziehungskraft aufs neue bewähren wird, so darf auch das gewählte Thema aus der hessischen Kirchengeschtchte auf allgemeines Interesse rechnen. Ta auch für eine Reihe musikalischer Darbietungen von selten des Frauenchots des Kirchengesangvereins, des .Herrn Violinvirtuosen Schöttler und anderer geschätzter Künstler gesorgt ist, dürfte der Familienabend wieder anregend und gemütlich, wie immer, verlaufen. (Näheres s. Inserat.) *
** E m p fehlenswerte Bücher für jede HauS- bibliothek, die sich auch als Geschenkwerke eignen, aus ihrem Verlag hat die Verlagsbuchhandlung von Emil Roth in einem besonderen Katalog zusammengestellt, der an Interessenten gratis abgegeben wird. — Auch die Fer bersche Universitäts-Buchhandlung hat einen Weihnachtskatalog herausgegeben.
6b" Win decken, 6. Dez. In Fechenheim, wo er seinen LebenSabenb zubrachte, starb im Alter von 73 Jahren der frühere Glockengießer H. Bach von hier. Herr Bach besaß hier eine Glockengießerei, die schon seit Iahrhunberten im Besitz seiner Familie war unb bie sehr viele Kirchen beS HesienlanbeS mit Glocken versorgt hat. Die beiben Glockengießöfen ber Finna würben vor einigen Jahren abgensien.
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