Nr. 160
Drittes Blatt
Erscheint IR-Nch mit NuSnahme des Sonntags.
Jtil* 1906-
General-Anzeiger, Amt;- «nd Anzeigtblatt für den Kreis Gießen
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Die „Gießener KamilienblStter- werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der -Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
156. Jahrgang
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bei jeder Mark:
Mittwoch 11. Juli 1906
. Notationsdruck und Verlag der Brühl'sch«
[V UniversitätSdruckeret. 9L Lange. Gieße».
\ Redaktion. ExpedÜion u.Druckerei: Schukstr.A.
Tel. Nr. 6L Tel eg r.« Adr.: Anzeiger Gieße».
Das AuSlaudsschiff der Zukunft.
besonderer Seite wird uns geschrieben:
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Kultusminister von Studt.
Zu der Verleihung des höchsten preußischen Ordens an den Kultusminister Dr. Studt meint das „B. T.", es zeige sich wieder einmal, daß ein preußischer Minister um so fester i nt Sattel sitze, je lauter der Sturm der öffentlichen Meinung gegen ihm tobe. Von ■einem „tobenden Sturm" mar u. a. bei der Protestbewegung gegen das Schulgesetz leider kaum mehr zu merken, als von einer hervorragenden, den Erfolg sichernden Betätigung des Kultusministers in den parlamentarischen Verhandlungen über diesen Gesetzentwurf. Wir glauben auch ancht, daß die Ordensauszeichnung, mit der der Mel verbunden ist, den Lohn bedeuten soll für die Mühe des Ministers lediglich um das Schulgesetz, von dem selbst ein so regierungsfreundliches Blatt wie die „Köln. Ztg." sagt, daß es einem Wrack, gleiche und baldmöglichst durch ein duldsameres, freiheitlicheres Gesetz beseitigt werden müsse. Wir sind vielmehr der Meinung, daß der Schwarze Adler- orden die kaiserl. Anerkennung der gesamten ministeriellen Tätigkeit Dr. Studts darsteillen soll, und wir glaubest nicht fehl zu gehen in der Annahme, daß der Minister nunmehr 'nad) getaner Arbeit am üblen Schulgesetz die Bürde des 'Amtes niederleg. en wird, denn er ist das älteste Mitglied des preußischen Staatsministeriums. Er wollte sich vielleicht mit der Fertigstellung des Schulunterhaltungs- gesetzes oben einen „guten Wgang" sichern, und einen blendenderen könnte er sich nicht wünschen, als den im Glanze des höchsten preußischen Ordens und 'bet damit
Der Sympathiekundgebungen, und anxir von feiten des Präsidenten, der Geschworenen und des Staatsanwalts ebenso gut wie von der dec Verteidiger, gab es eine Menge. Einige davon seien ausgeführt. Schon die Anklagesctjrift trieft, wenn man sie näher anschaut, von Milde und Erbarmen. Die Mordszene, über die genauere Angaben überhaupt nicht Vorlagen, wird in folgender Weise (der Wortlaut ist nach dem Bericht der „Neuen Freien Presse" gegeben) anschaulich geschildert: „Bald hätten Zeichen, mit denen das arme Opser uni Erbarmen zu bitten schien — sprechen konnte es nicht —, noch einer guten Regung in Friederike, dem Erbarmen, zum Siege vcrholscn über das böse Vorhaben, die Mayer zu töten. Aber der Gedanke daran, daß diese die Anzeige von dem verbreä-erischen Unternehmen erstatten werde, drängte zur Vollendung der Tat." Ist Fritzi zu vernehmen, so bittet sie der Präsident höflichst, sich zu erheben. Kommen Fragen, die den Angeklagten in irgend welcher Hinsicht lästig sind, so l-alten sie sich einfach die Ohren zu, bitten kokett wegen dieser Ungezogenheit um Vergebung, und nicht einmal die leiseste Rüge findet den Weg über trie Lippen des Präsidenten. Als der Geliebte der Friederike vernommen werden soll, erhebt sich ihr Verteidiger Dr. .Herzberg-Fränkel: „Ich erlaube mir, rein aus Mitleid mit der 9lewüsten, zu empfehlen, daß sic während der Vernehmung des Prohaska nicht im Saale bleibt, sie scheint es nicht auszuhalten", und ehe noch das Gericht darüber Beschluß faßt, ist Friederike bereits auf gestanden und hat beit Saal verlassen. Der Präsident wendet sich zu einem der Sachverständigen: „Halten Sie es nach Ihrer Kenntnis der Friederike für angezeigt, daß ihr diese Verhandlung erspart wird?" Dr. Wykulil: „Ich möchte es für ange^eigt halten, daß sie entfernt wird." Präsident: „Ich habe nichts dagegen, es ist jedenfaUs nur menschlich, wenn man Friederike sich ans dem Saal entfernen läßt." Auch die Voruntersuchung hat sich in diesen Gleisen bewegt. Der Untersuchungsrichter rühmte sich bei seiner Vernehmung, „Fritzi in so vornehmer Weise behandelt zu haben, wie sie wohl bestätigen wird"; und das, weil er wußte, „daß sie das Opfer ihrer Liebe geworden ist." Von den vielen Sonder-Vergünstigungen, die außerdem den Angettagten bewilligt wurden, den Unterredungen zwischen ihnen und ihren Verteidigern, die beständig den Gang der Verhandlung unterbrochen, den Besprechungen zwischen Mitzi und Fritzi, zwischen Fritzi und Prohaska usw., soll hier nicht erst die Rede sein. Genug, daß man sieht, wie ergiebig die Seobencr Richter und Geschworenen von dem Rechte, auch den Verbrechern ihr Milleid zu scl-enken, Gebrauch gemacht haben.
Aber sehen wir uns diese Verbrecher nun näher an. Prohaska, ein Opernsänger, der in Rußland, wie er sagt, einige günstige Kritiken bekommen hatte, in Graz dafür vom Publikum gründlich ausgepfiffen worden war, weil er einen Ton Josö sang, der nicht aus Spanien, sondern aus Podiebrad zu stammen schien, hatte Fritzi die Ehe versprochen (offenbar ein Versprechen, mit dessen Erteilung dieser Herr etwas sehr leichtsinnig zu Werke ging), bedurfte aber zunächst und vor allem einigen Kleingeldes. Da es nicht anders zu beschaffen war, beschloß Friederike die Mayer, eine Freundin ihrer Schwester, die als „5000 Gulden-Köchin" bekannt war, ums Leben zu bringen. Mizzi mußte versuchen, zu diesem Zwecke Gift zu beschaffen. Sie lag diesem Geschäft mit allem Eifer ob, hatte aber wenig Erfolg dabei. Wie es scheint, bekam sie zum Schluß eine Zuckermischung, die ihren Zweck natürlich verfehlen mußte. So änderte man den Plan. Die Schwestern fuhren mit Marie Mayer in die steirischen Berge, schleppien sie, die das Unheil schon ahnte und ihrer Ahnung selbst vor dritten Personen in rührender Weise Ausdruck gab, in ein verstecktes Gebirgstal, wo sie kurzer Hand ermordet wurde. Das war mitten im Winter. Mizzi behauptet, während der Tat an einem Muttergottesbilde im Gebet geratet zu haben; sie selbst wußte offenbar nicht recht, warum sie gebetet haben wollte, um das Gelingen oder um Mißlingen der schändlichen Tat. Auch nach dem Uneilsspruch, der die Mizzi von der direkten Beteiligung an der Tat freispricht, bleibt der starke Zweifel bestehen, daß der Sachverhalt hier doch ein wesentlich anderer war.
Kaum je ist ein Mord raffinierter, kaltherziger, niederträchtiger ins Werk gesetzt roorben, als dieser. Gemein, wie die Tat, sind alle, aber auch alle begleitenden Nebenumstände. Man sollte meinen, auch der spitzfindigste Advokat müßte um Entlastungs- mornenle verlegen fein. Ten Höhepunkt ihres Zynismus scheint Friederike in ihrer gegenüber Prohaska geltend gemachten Entschuldigung zu erklimmen: »Verzeihe nur, ich habe nur den Strick ein bischen zusammeugezogen." Eine recht geschmackvolle Umschreibung der Mordtat, deren sie sich schuldig gemacht hat! Ebenso zynisch ist die Aufklärung, die sie dem Gerichte für den Abschluß der Beweisaufnahme m Aussicht gestellt hatte, eine Aufklärung, die alle noch vorhandenen Zweifel lösen sollte. Willig ließ sich der Gerichtshof bis zu diesem Augenblicke auf die Folter spannen, uni sich dann eine Albernheit, als das große Geheimnis Friederikens (das „Letzte, das sie ihr eigen nennt") anhören zu müssen.
Friederike hat nämlich, das ist eigentlich das größte Kuriosum des Falles, die Tat unter der Wucht der sie belastenden Umstände eingeftanben, ohne über die Einzelheiten des Verbrechens nähere yjiitteilungeit zu machen. „Also hoher Gerichtshof, ich habe die Tal gemacht, ich bitte mich nicht länger zu befragen, ich will nichts detaillieren." Tas war das ganze Geständnis. Auch über die Motive ihrer Tat ließ sie sich nicht weiter vernehmen, nur zum Schluffe gab sie an, unter dem Zwange leidenschaftlicher Liebe zu Prohaska gehandelt zu haben. Illustriert wird diese Liebe in anmutigster Weise durch die Tatsache, daß sie zu der Zeit, als sie mit Prohaska zusammenlebte, noch ein zweites Verhältnis hatte, aus dem sie fortgesetzt Gelder bezog.
Auch Prohaska, der übrigens inzwischen verhaftet wurde, geht in ganz geschickter Weise auf diese Fiktion eines glühenden Liebes- verhällnisies ein. Er, dem Friederike höchst gleichgiltig gewesen zu sein scheint (er besaß eine zweite Braut, die gleich ihr der Hochzeit eutgegeklharrte), spielt die Rolle des rührenden, unbeirrbaren Liebhabers und schwört, Friederike solle als sein Weib in den Kerker und, wenn es sein muß, in den Tod gehen. Ties klingt sehr dramatisch, und Prohaska ist jedenfalls schon dabei, sich als ruhmbedeckten Theaterhelden zu fühlen.
Die tragischen und komischen Momente sind in diesem Drama so seltsam gemischt, daß es schwer fällt, sich darin auszukennen. Hier mag vielleicht auch die Erklärung für das etwas eigenartige Verhalten des Gerichtshofes den Angeklagten gegenüber xu suchen fein. Es könnte jedoch kaum schaden, wenn Friederike Zeller bei der zweiten Verhandlung (fie hat die Nichtigkeitsbeschwerde er- hoben) etwas härtere, etwas weniger sentimentale Richter fände.
kreise mit dem Staatssekretär der Marine v. Ttrpitz gründet sich auch auf eine angebliche Rückständigkeit des Staats^ -fefretärS in der Beurteilung der „Deplacementsfrage". Man 'wacht ihm zum Vorwurf, er habe in übertriebener Sorge uni -die Zustimmung deS Reichstags nicht Schritt gehalten mit der Vergrößerung des Schiffstyps seitens fremder Kriegs- 'matinen. Vorsichtig ist das Konstruktiousbureau des Reichs- -marineamts auf diesem Gebiet allerdings gewesen, aber es .hatte auch nach der technischen Seite hin diese Vorsicht Glicht zu bereuen. Die „Ueberflügelung" durch ausländische Kriegsflotten stellt sich zumeist dar als ein kostspieliger Versuch, bei dem man es bewenden ließ. So baut beispielsweise England kein zweites Schlachtschiff mehr nach jdem Riesentyp des „Dreadnought". Andererseits zeigt die Entwicklung der Panzerkreuzer, daß Herr v. Tirpitz nicht 'zögerte, in der Deplacementsfrage einen Fortschritt mitzu- miachen, wenn dessen Zweckmäßigkeit über jeden Zweifel erhaben war. Hier hat, mit Ausnahme der englischen und japanischen, keine andere Marine einen der deutschen gleichen Aufstieg zu oerzerchnen. Bei dem vor knapp sechs Jahren aus der Werft gebrachten „Prinz Heinrich" betrug die Wasserverdrängung noch 8900 Tonnen, während für den jetzt bei der Kieler Werft in Bau gegebenen Panzerkreuzer eine Deplacement von 15 000 Tonnen festgelegt ist. Roch bedeutender ist die in dieser Zeit erreichte Steigerung der Ma- lchinenkraft der Panzerkreuzer. Darauf kommt es allerdings gerade bei diesem Schiffstyp an, weil die Geschwindigkeit seinen Gefechtswert kennzeichnet und bedingt. Insofern kann der Panzerkreuzer als das „Auslandsfchiff der Zukunft" gelten. Seine Maschinenleistung hat sich in etwa sechs Jahren mehr als verdoppelt. „Prinz Heinrich" entwickelt 13 000, „Scharnhorst" und „Gneisenau" bringen es bereits auf 26 000, und der neue, nach Kiel in Bau gegebene Panzerkreuzer soll gar 35 000 indizierte Pferdestärken als Maschinenleistung entwickeln. Das ist das Gegenteil von Zaghaftigkeit im Pro- gramm des Staatssekretärs v. Tirpitz.
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Fritzi und Mizzi.
rin wunderlichcr Prozeß hat sich dieser Tage in Leoben pielt, ein Prozeß, der dem psychologisch interessierten Be- Cr e avn- ^ätfel auf gibt. Zwei Mädchen faßen
>er Anklagebank, die eine 27 Jahre alt, die andere 18 Jahre L^lltrru5’|ery . faft noch ein Kind. Beide sind hübsch 1 ö^rlich; tz>' r i e d crile Zeller, die ältere (Hotelstuben- jen; zeichnet sich ^durch scharfe intelligente Züge ans, wäh- ' r' l )a:c ^chivcster (Kellnerin) ein träumcrisch'-vcr- ne» -diesen zur S>chan trägt. Die Anklage lautete gegen eruc aus Mord, gegen Marie auf Beihilfe zum Mord. - rmordete ist eine Köchin namens Marie Mayer.
-ofwelsaufnahme geschlossen war, traf ein Schreiben cu^ "besten anonymer Verfasser sich beschwerte, daß oclßoestern Zeller, bie zweifellos schuldig feien, „wie Kom- . bebaiibclt wurden. Inzwischen ist nun allerdings die Tode, die andere zu anderthalbjähriger! £er, Kerkerprase verurteilt Wörden; man sieht also: ganz esutzwoll und galant wie in Paris ist man in Leoben noch
-^.rotzdem bleibt der Vorwurf des Anonymus für die - andlung selbst in voller Schärfe bestehen. Wenn der Ver- |er r^rldiS — schon daß die schalkhaften Namcuskürzungen und Mizzi für die Dauer des Prozesses in Kurs blieben, J ezcicynend — den Geschworenen vor Augen stellte, daß sie ein sunges Wesen zu richten hätten, „das, mildc und . iü beurteilt, durch seine Charaktereigenschaften einen sym-, 2 weit Eindruck machte", so sprach er offenbar dem Gerichts^ auH hem Herzen. 1
verbundenen Rechte. Das Urteil des Volkes freilich über die „Alera Studt" wird erheblich weniger schmeichelhaft lauten, und von den Parteien ist wohl nur das Zentrum rückhaltlos mit ih-m zufrieden, denn Dr. Studt hat sich von allen Ministern jederzeit als der schwächste Gegner der Klerikalen erwiesen. Hier war der Punkt, wo selbst die in der Unterrichtsverwaltung sehr einflußreichen Geheimräte vor dem Minister „kapitulieren" mußten. Unter der „Aera v. Studt" wird der Kurs der alte bleiben, aber diese Aera. dürste, wie gesagt, nur von kurzer Dauer sein. Wie übrigens die „Kreuzztg." zu melden weiß, hatte Fürst Bülow die Verleihung der höchsten preußischen Ordensauszeichnung für beji Kultusminister beim Kaiser b e a n -
Aus StuSt Mi8O ttatto.
Gießen, den 11. Juli.
** Personalien. S. K'. H der Gro ßh erzo g haben den von dem Fürsten zu Erbach-Schönberg auf die cvang. Pfarrstelle zu Gronau präsentierten Pfarrer Otto Schlosser zu Ailfcnaii (Provinz Hesscn-Stassau) bestätigt und den Garde- sergeanten Joh. Gg. Gölz aus Unter-Scharbach zum Pedellen an der Techn. Hochschule zu Darmstadt ernannt. — Heber- tragen wurde dem prov. Lehrer an der höh. Bürgerschule zu Bad-Rauheim, Friedr. Walther, eine Lchrerstelle an dieser Schule; dem Lehrer Peter Ackcrmaiin zu Höchst i. O. eine I Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Eberstadt <Kreis Darm
stadt), dein Schulamtsaspiranten Otto Schneider üus linier» Widdersheim, die Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Unter- Schmitten.
""Prinzessin Irene, die Schwester unseres Groß- herzoas und Gemahlin des Prinzen Heinrich von Preußen, des einzigen Bruders des Kaisers, vollendet heute ihr 40. Lebensjahr.
** Eine Sitzung des Provinzial-Zlusschusses findet Mittwoch, 18. d. M., 9 Uhr vorm., mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch des Ludwig Werner ziy Wicseck um Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft. 2. Die Bürgermeisterwahl zu Unterschmitten 3. Gesuch des Siegfried Heß zu Echzell um Erlaubnis zum Betrieb einer Schankivirtschaft. 4. Enteignung von Gelände zur Erweiterung der Haltestelle Ehringshausen, Kr. Alsfeld; hier Ausspruch der Enteignung.
** Zur Revisio n der Derwaltungsgesetzein Hessen. Zurzeit sind einige Mitglieder des Ausschusses für die Revision der Verwaltungsgesetze mit der Umarbeitung der Land gern ein de ordn ung beschäftigt. Hierbei sollen Vor allem bezüglich der W a h l b e a n st a n d u n g e n s ch ä r f e r e B e ft i m m u u g e n ausgenommen werden," u. a. soll der Kreisrat verpflichtet (nicht wie seither berechtigt) sein,^ die Wahl zu beanstanden, 1. wenn erhebliche Gesetzwidrigkeiten vorgekommcn sind, 2. bei gesetzlicher Unfähigkeit eines Gewählten, 3. wenn ihm inbezug auf die Gewählten Vorgänge bekannt werden, die das Wahlergebnis in unlauterer Weise zu beeinflussen bestimmt oder geeignet sind. Hiermit soll besonders dem Unfug des Freibiergebens vor und nach der Wahl eine strengere Beachtung geschenkt werben. Auch bezüglich der Verwandtschaftsgrade usw. sollen genauere Bestimmungen borgeseheu werden. Ebenso sind über die Dienstbezüge der Bürgermeister, die Gemeinderatssitzungen, Protokolle usw. praktische Vorschläge gemacht. Bezüglich des Instituts der Altbürgermeister ist folgender Passus vorgesehen: „Wird ein Bürgermeister nicht wiedergewählt, so erhält er das Recht auf den Titel Großh. Alt- bürgermeifter, sowie auf Sitz und Stimme im Gemeinderat. Beide Berechtigungen stehen dem nicht wieder- gelvählten Bürgermeister io lange zu, als er wahlberech- tigt in der betr. Gemeinde bleibt."
(X) Bad-Nauheim, 10. Juli. In einer hiesigen Nervenheilanstalt befindet sich zurzeit der praktische Arzt Dr. Schreiber auö Rodheim v. d. H., der auf dem Bahnhof Nosbach v. d. H. einen schweren Unfall erlitt. Er wurde noch abends zu einem Kranken nach Nosbach gerufen. Als er auf den Bahnhof aussteigen wollte, hatte er nicht bemerkt, daß sein Wagen nicht mehr vor dem Bahnsteig hielt. Er trat unversehens in die Tiefe und zog sich eine schwere Verletzung des Rückgrats zu.-
B. Friedberg, 10. Juli. Am 22. und 23. Juli wird die 46. Wanderversammlung des Oberhessischen Bienenzüchtervereins, verbunden mit einer großen Bienen- und Honig-Ausstellung in der Gartenwirtschaft „Zum Ratskeller" hier abgehalten. Die Ausstellung wird am Sonntag vormittag 11 Uhr eröffnet werden und von 11 bis 12 und von 4 bis 8 Uhr wird eine Militärkapelle ihre Weisen ertönen lassen. Auf der am Montag stattfindenden General- uerfamnilung des Hauptvereins werden Lehrer Buß-Leihgestern über „spekulative Fütterung" und Lehrer Hensel- Hirzenhain, der neue Redakteur der „Biene" über die Frage: „Wie ist die Räuberei der Bienen zu bekämpfen" referieren. 2)crt Besuchern der Ausstellung wird an beiden Tagen eine Tombola zur Verfügung stehen, bei der Honig in 1 Pfund- Gläsern gewonnen werden kann.
P Kirtorf, 9. Juli. In unserem kleinen Städtchen feierte gestern die Freiwillige Feuerwehr ihr 25jahr. Stiftungsfest verbunden mit Fahnenweihe. Nachdem vormittags zahlreiche Wehren aus dem Kreise Alsfeld eingetroffen waren, erfolgte um 11 Uhr eine Uebung mit Brandangriff seitens der hiesigen Wehr. Um 2 Uhr begann der Festzug durch die Stadt nach dem Festplatz. Der Bürgermeister und der Feuerwehrkommandant hielten Ansprachen. 9laU) der Fahnenweihe fand Tanz und Konzert statt, abends wurde ein Feuerwerk abgebrannt. Auch heute wurde ein Umzug veranstaltet, dann fand Volksfest statt. Das neue Banner ist von den Frauen und Jungfrauen gestiftet.
— Weilburg, 11. Juli. Zur Tausendjahrfeier der Stadt Weilburg wird un Auftrage der städtischen Behörde eine Denkmünze geschlagen. Die Ausprägung erfolgt in Gold, Silber und Bronze. Die Medaille ist von dem Bildhauer Kowazek in Frankfurt a. M. modelliert und wird von der Prägeanstalt Meyer u. Wilhelm in Stuttgart geprägt. Sie zeigt auf der Vorderseite das Stadtwappen mit Umschrift, auf der Rckseite das Bild des in Weilburg verstorbenen Königs Konrad I. von Franken.
HandeL Verkehr, Volkswirtschaft.
Rom, 10. Juli. Durch Erlaß des Schatzmiiüsters wurde der 19. d. At. als Zahtunysleimin für diejenigen Beträge der konvertierten 5° und 4°prozeutigen italienischen Rente bestimmt, deren Rückzahlung im Inland und Ausland gefordert wurde. Attr dem Kapital sollen zugleich 4 Prozent Zinsen bis 18. d. Mts. gezahlt werden.
N e w - V o r k, 10. Juli. Das Exekutivkomitee der Internat. Bereinigung der Polizeu-In hader richtete an die Polizen- besitzer einen Aufruf, der em sofortiges Vorgehen zu dem Zivecke für nötig erklärt, um ein Abstimmungsübergewichl der Polizcn- iuhaber anstelle deSjeuigeu der Beanuen und Verivalkimgen der Gesellschaften zu setzen. Das Komitee hebt hervor, die New-Pork- Life- und die Atulual-Life-Jusurauee-Company seien Gesellschaften, die auf (Segenfeitigfcit gegründet seien und daher den Polizen-Jn- haberu gehören. Teshalb schlägt das Komitee vor, daß alljährlich an die Polizeninhaber Dividenden, auf die sie Anspruch haben, verteilt werden sollen, um zu verhüten, daß die Anhäuf- u n g de röt l d e r s i ch in u n g e h o r i g e r W e i s e steigere und ü b e r m ä ß i g c G e h ä t t c r a u d i e B e a m l e n bezahlt werden, und um zu verhüten, daß die Atittel der Gesellfchaslen zu p o t i l s ch e n Zwecken und zur B e st e ch u n g von Mitgliedern der gesetzgebenden Körperschaften verwendet rverden.
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