Ausgabe 
11.5.1906 Erstes Blatt
 
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Handlungen und erklärt, sich bei dieser Art der Erledigung nicht beruhigen zu können.

ES cntfpinnt sich hierüber eine längere Auseinander­setzung, in der wesentlich neues nicht gesagt und allseitig der Meinung Ausdruck gegeben wird, daß im Interesse der Stadt eine Beendigung des unfruchtbaren Streites dringend zu wünschen sei. N. a. meint Stadtv. Kirch, daß die Ange­legenheit für die Stadtverordnetenversammlung erledigt sei und die noch bestehenden persönlichen Differenzen zwischen Stadtv. Helfrich und Beig. Georgi am besten durch einen Mittelsmann zwischen beiden beigelegt würden. In ähnlichem Sinn spricht sich Stadtv. Dr. Schäfer aus, der ein freiwill. Schiedsgericht vorschlägt. Stadtv. Helfrich erklärt noch, er nehme, falls er in seinem Eingesandt imGieß. Anz." Oberbürgermeister Mecum beleidigt habe, dies gern zurück.

(In der Debatte mar verschiedentlich von der Bericht­erstattung des v©. 91.'' die Rede. Hierzu haben wir zu er­klären, daß der ständige Berichterstatter desGieß. Anz." in den beiden fraglichen Sitzungen nicht anwesend war und der ver­tretungsweise mit der Berichterstattung Beauftragte die Richtig­keit seiner Berichterstattung behauptet. Eine Nachprüfung des wirklichen Tatbestandes ist jetzt, nachdem über fünf Wochen ins Land gegangen sind, nicht mehr möglich, eS steht eben Behauptung gegen Behauptung. Red.)

Baugesuche.

Ein neues Bauprojekt des Joh. Leichtweiß für die Sonnenstraße, dessen DispensationSgesuch für ein anderes Projekt genehmigt worden war, würde wegen des zu geringen HofraumS und des zu hohen Giebels eine Dispensation not­wendig machen. 9luf Antrag der Baudeputation wird be­schlossen, das Gesuch nicht zu befürworten.

Zwei für den beabsichtigten Neubau deS G. Trinkaus im Seltersweg nachgesuchten Dispense (wegen der Durchfahrt und deS zu geringen verbleibenden Hofraumes) finden keine Befürwortung, dagegen soll die Anbringung von Erkern unter Festsetzung der Tiefe derselben genehmigt werden. Stadtv. Krumm fragt bei der Gelegenheit an, ob e§ nicht möglich sei, das immerwährende Spielen lärmender Musikwerke ein» zuschränken. Der Vorsitzend e erklärt, die Stadt habe keine Handhabe zum Einschreiten und es sei Sache der Nachbar­schaft, dieserhalb die nötigen Schritte zu tun.

A. Helfenbein will im Wieseckerweg außerhalb deS Bebauungsplans ein Wohnhaus und ein Hintergebäude errichten. Die Versammlung gibt ihre Einwilligung unter der Bedingung, daß die im Bauplan enthaltene Bauflucht­linie genau eingehalten wird.

L. Zu tt ersucht für seinen beabsichtigten Neubau in der Lu dwigsstraße um Genehmigung für die Anbringung eines Erkers. Tas Gesuch soll befürwortet werden.

I. G. Pfaff beabsichtigt, an einem Neubau in der Liebig st raße einen Balkon anzubringen, der keine 3 Meter von der Nachbargrenze entfernt ist. Da der Nachbar keinen Einwand erhoben hat, gibt die Stadt die erbetene Erlaubnis.

Ein Gesuch von Karl Stückrath für die Steinstraße wegen 9lnbringung zweier kleiner Erkervorbauten findet eben­falls Befürwortung.

Ein DiSpensgesuch des D. Schuch ar dt für die Diez- straße, den Hofraum betr., wird abgelehnt.

Karl N o w a ck, der an seinem Hause im SelterSweg anzubauen beabsichtigt, hat darum nachgesucht, das Bau- material durch die städtische Anlage über den Schoorgraben an die Baustelle durch eine prov. Nebcrbrückung verbringen zu lassen dürfen. Entsprechend dem 9(ntrage deS Hochbau­ausschusses wird das Gesuch abgelehnt, dagegen soll dem Gesuchsteller auf 9lntrag deS Stadtv. Kirch gestattet werden, morgens von 5 bis 8 Uhr das Baumaterial auf diesem Weg an die Baustelle durch Tragön verbringen zu lassen. Um 8 Uhr müssen die dazu benutzten Wege usw. stets wieder in guter Ordnung sein.

Strastenangclcqcuheiteu, städtische Bauten usw.

Die von dem Denkmalpfleger beantragte Wiederher­stellung der Holzfassade am Hause Sonnnenstr. 6 würde nach einer ursprünglichen Berechnung 440 Mk. kosten und die Stadt wird vom Großh. Kreisamt gefragt, ob sie die Hälfte dieser Summe bezahlen wolle. Der Hochbauaus- fchuß hat Ablehnung beantragt. Nach einem heute ein» gegangenen Schreiben stellt sich der Betrag nur auf 271.78 Mark und die Stadt soll ein Drittel hiervon tragen. Die Versammlung lehnt dieses Ansinnen ab. Stv. Dr. Ebel hält es im allgemeinen für wünschenswert, wenn sich die Stadt mit kleinen Beträgen an Wiederherstellungen solcher mittelalterlichen Holzarchitekturen beteiligt, da hierdurch charakteristische Straßenbilder geschaffen würden.

I. Jttma nn hat in der Plockstraße ein großes ^Firmen­schild in der Form einer Laterne angebracht und ersucht um nachträgliche Genehmigung. Stv. K r u m m ist für Ablehnung, da das Straßenbild hierdurch nicht verschönert werde. Stv. Haubach halt die betr. Bestimmung für abänderungs­bedürftig, man solle die Lange der Schilder' von der be­treff. Straßenbreite abhängig machen. 9luf Vorschlag des Stv. Schaffstädt wird die Beschlußfassung ausgesetzt, da­mit jeder sich von dem 9kussehen des dortigen Schildes über­zeugen kann.

Die Ausschreibung der Arbeiten für den Ausbau der G o e t h e st r a ß e, zwischen Stephansiraße und Henselstraße, hat das Ergebnis gehabt, daß bei den Maurerarbeiten der Voranschlag von 438 Ml. und bei den Pflasterarbeiten der Voranschlag von 575 Mk. überschritten würden. Da bei einem nochmaligen Ausschreiben ein anderes Ergebnis nicht zu erwarten ist, erfolgt Genehmigung der Vergebung an die Wenigstnehmenden. Die Maurerarbeiten erhält Grömbach in Krofdorf für 448 Mk. und die Pflasterarbeiten Johs. Hof­mann für 749 Mk.

die Verbreiterung der Kreis st raße nach Heuchelheim und die dabei erfolgte Herstellung eines erhöhten Fußsteiges beträgt der gesetzliche Kostenantell der Stadt 2923,92 Mk.: für die Verlegung der Kreisstraße Gr e ß e n Svr o f b o r f 2491,09 Mk. Beide Summen wer­den beimTIigt.

Für die notwendige Vergrößerung der M aschi- nistenwohn nn g bei der .Kläranlage, die in einem bestehenden Gebäude untergebracht ist, werden die gefor­derten 5050 Mk. bewilligt.

Anlage einer Straßenbahn.

Der Vorsitzende verliest nachstehende, in der Bürger- oersammlung vom 29. April beschlossene Resolution:

Tie vom Dürgerverein und Perkchrsverein einberufene all­gemeine Versammlung der Einwohnerswast Gießens ist der An- jiefit, daß die Straßenverlehrsverhältnisse der Stadt nachgerade unhaltbar geworden sind. Der beftelyenbe Omnibusoerkehr, der zudem nur durch erhebliche Opfer feiten# der Stadt aufrecht er­halten werden kann, vermag den bescheidensten Ansprüchen nickt zu genügen. Die Bersmnmlnng richtet daher an den Stadt- vvrstand das dringende Ersuchen, der 7\raqe der Erbauung einer elektrischen Bahn baldigst näherzutre-teri und sich jetzt schon zur Erlangung von Angeboten und Voranschlägen mit den maß­gebenden Firmen in Verbindung zu setzen. Es ist dringend er­wünscht, die Angelegenheit so gefördert zu sehen, daß mit der be­vorstehenden Reupflasterung der Straßen gleichzeitig die Schienen­legung für die elektrische Straßenbahn bestimmt erfolgen kann.

Er bemerkt dazu, daß woht jeder in der Stadtverord­netenversammlung dem Inhalt der Resolution im allge­meinen zustimme. Die Finanzkommission habe sich in» zwischen eingehend mit der Sache befaßt. Sie stehe der Frage der Erbauung einer städtischen Straßenbahn sym- pathisch gegenüber, halte aber wegen der noch in der Aus­führung begriffenen Kanalisation und der dadurch not­wendig gewordenen allgemeinen Herstellung der Straßen eine bestimmte Antragstellung noch nicht an­gebracht. Jedoch beantrage er, den Oberbürger­meister zu beauftragen, die nötigen Vorar­beiten wegen der Erbauung einer Straßen­bahn alsbald in die Wege zu leiten.

Die Versammlung stimmt diesem Antrag einstimmig zu.

Verschiedenes.

Rach einem Schreiben des Kreisamts stellen die am Bau der Nebenbahn Lollar Londorf beteiligten Gemeinden an die Stabt das Ansinnen, sich an den Gelände­erwerbskosten zu beteiligen, da auch die Stadt Gießen an der Bahn interessiert sei und die Züge bis Gießen durch­geführt würden. Die Versammlung hält eine Verpflichtung der Stadt nicht für vorliegend und lehnt eine Bei- tra gsleistun g ab.

Der Benutzung städtischen Geländes für die Ent­wässerung der Viehwagenreinigungsanstalt wird gegen Zahlung einer jährlichen Anerkennungsgebühr von 3 Mk. zugestimmt.

Das seither von Fran Leib gepachtete Gelände am Phil o s o p h e n w al b soll ihr wegen ber Ernte noch bis zum Herbst überlassen bleiben.

Die Beschaffung eines Sprengwagens und dreier Kehrichtwagen soll freihändig vergeben werden.

Die Rechnungen des Gas - und Wasserwerks und des Elektrizitätswerks für 1904 sind von den Stadtv. Heichelheim und Huhn geprüft worden und gaben keinen Anlaß zu Beanstandungen. Der Vorsitzende spricht beiden Herren den Dank ber Stadt für ihre Mühe­waltung ans.

Ein Gesuch um Genehmigung zum Wirtschafts­betrieb für Lanbgraf-Philippsplatz 10 von Heinrich Bücher soll befürwortet werden. Es handelt sich dabei um eine bestehende Wirtschaft. Die Ablehnung des Gesuchs für den Wirtschaftsbetrieb im .Hause Liebigstraße 68, die früher von der Versammlung abgelehnt wurde, ist mitt­lerweile rechtskräftig geworden.

Um 6 Uhr beginnt die nichtöffentliche Sitzung.

Kreislehrerkonferenz der Lehrer des Kreises Kießen. (Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)

Gießen, 11. Mai.

Unter dem Vorsitze des Provinzialdirektors Geheimerat Dr. Breidert fand 'gestern (Donnerstag) in der Turn- halle der Stadtknabenschule die Kreis'lehrerkonfc- r en z statt. Außer den Lehrern deS Kreises wohnten ihr bei Meisschulinspektor Schulrat Kleinschmidt, Kreisarzt Medizinalrat Dr. Haberkorn und die Mitglieder der Kreis- schulkommissivn Dekan Strack-Leihgestern und Professor Fromme-Gießen. Geheinrerat Dr. Breidert begrüßte die Erschienenen. Nach der Verlesung des Protokolls der Kre.islehrerkonferenz 1905 durch Lehrer Val. Müller gab Schulrat Kleinschmidt die statistischen Mit­teilungen über das Volksschulwesen des Kreises für das Schuljahr 1905/06. Wir entnehmen daraus folgendes: In den 79 Schulen des Kreises werden 12379 Schüler unter­richtet, davon sind 6154 Knaben und 6255 Mädchen, nach­dem Bekenntnis sind 12045 evangelisch, 220 katholisch, 111 israelitisch und 3 anderer Konfession. Die Ähülerzahl beträgt auf dem Laude 10 090, in der Stadt Gießen 2290, die Zahl der Schnlklassen stieg nm 4 auf 202, davon in Gießen 45; einklassig sind 36, zweMassig 24, dreiklassig 7, vierklassig 7, mehrklassig 5 Schulen. Im Kreise wirkten 201 Lehrkräfte, 192 Herren und 9 Damen. Aus eine Lehr­kraft entfielen auf dem Lande durchschnittlich 65, in der Stadt 47 Schüler. Die Zahl der Schulen, die noch Schul­geld erheben, nimmt ständig ab und beträgt nur noch 9. Die 80 Fortbildungsschulen des .Kreises wurden von 1189 Schülern besucht: von den Schulen sind 70 ein­klassig, 8 zwciklassig, 2 mehrklassig. Die kaufmännische Fachschule Gießen hat 6 Klassen. An Personalveränder ungen kamen vor 4 Pensionierungen und 8 Versetzungen, mehrere Lehrer wurden mit Orden dekoriert. Wie die Statistik ein erfreuliches Bild der Entwicklung der Polks- chulen des Kreises bietet, so sind.auch die Fortschritte auf dem Gebiete des Schulbauwesens besonders in den letzten Jahren ganz bedeutend und erfreulich. Dank des Entgegenkommens und der Opferwilligkcit der Gemeinden und dank der hingebenden Arbeit des Baurats Tiehm sind chöne und zweckmäßige Schulhänser entffauben, die wahre Musterbauten sind. Wie hohe Anforderungen an das Bau­bureau gestellt wurden, möge aus folgenden Zahlen hervor- gehen: 1903 wurden Bauten zu Watzenborn-Steinberg und Londorf vollendet, 1904 zu Dorf-Gill, Langd und Grün- berg, 1905 wurden 10 Gebäude vollendet oder begonnen: Oppenrod, .Hausen, Annerod, Birklar, Weitershain, Oden- Hausen, Wieseck (noch im Bau), Weickartshain und Klein- Linden (Kleinkinderschule) und Beltershain. Für 1906 find bezw. werden in Angriff genommen 10 Bauteil: Daubringen, Grüningen, Mainzlar, Beuern, Rüddingshauscn, Trais- Horloff, Akbach, Holzheim, Lich und Bellersheim. Weiter befinden sich für die nächsten Jahre in Vorbereitung zirka 9 Bauten: Mendorf a. Lahn, Rödgen, Kesselbach, Eberstadt, Burkhardsfelden, Ruttershausen, Stockhausen und Utphe. Die Behörde des Kreises ist eifrig bestrebt, für Schule und Lehrer zweckmäßige Schulsäle unb geräumige Lehrerwohn- ungen zu schaffen.

Kreis ar^ Medizinalrat Dr. Haber körn hielt hier­auf einen Mer aus lehrreichen Vortrag überSchul- ärzte und Schulhygiene". Er führte etwa folgendes an:': Die Einführung des Schulzwanges nötigt den Staat, auch _ für die Gesundheit der Schüler Sorge zu tragen. Deutschland steht auf dem Gebiete der Hygiene an der Spitze der zivilisierten Staaten, das zeigt bic Statistik.

Viele früher öfters auftretenden Volksseuchen, wie Pocken, Cholera usw. sind dank der sanitären Einrichtungen fast zur Unmöglichkeit geworden. Ter Kampf gegen die Trüier- kulose, die das Volk dezimiert, ist allmählich von Erfolg begleitet, wie sich durch die Statistik nachweisen läßt. Redner geht dann auf das wichtige Kapitel der Schulhygiene: Heizung und Ventilation der Schulsäle ein. In neuerer Zeit ist ein Ventilationsofen in den Schulen ein geführt worden, der von einem Blechmantel umgeben ist; von dem Ofen führt ein Luftschacht ins Freie. Die durch ihn cintretende Freiluft wird zwischen Mantel und Ofen erwärmt und verteilt sich dann im Schulsaal. Für Ventilation sorgt der mit dem Schornstein verbundene Ventilationsschacht. Referent wendet sich dann zu dem aktuellen Thema:Die Schädigung der Volksgesundheit durch den Alkoholmißbrauch und die Mithilfe der Schule zu dessen Beseitigung". Auf Wunsch der Ministerial- abteilung soll dieses Thema auf Lehrerkonferenzen vor- getragen werden, um durch die Schulen dem Alkohvlmiß- brauch zu steuern. Alle Gerichtsfälle zeigen, daß der größte Teil aller Verbrechen auf den Mißbrauch dieses Giftes zurückzuführen ist. Wohlgeschmack der Getränke und Uw-, kenntnis der Gefahren sind die Gründe zum Mißbrauch. Den Alkoholiker erkennt man schon an seinem Aussehen, Magenerkrankungen, Herzverfettung, Krankheit der Leber und Nieren sind Folgen der Trunksucht. Besonders geschck» bigt wird das Zentralnervensystem, Gehirn und Rücken­mark. Der Trinker neigt zu Schlaganfällen, zittert, schwankt, schläft schlecht, er wird roh, streitsüchtig und zeigt eine auf­fallende Willensschwäche. Delirium und Geisteskrankheit sind das Ende. Da die Trunksucht unser Volk ungemein schädigt, so muß ihr m : allen Mitteln gesteuert werden, auch durch Schule unb Unterricht. (Beifäll.)

Ein weiteres wichtiges Gebiet behandelte der folgende Referent, Lehrer H. M ü ll er-Gießen, der über das Thema sprach:Die Gründung und Erweiterung von Volksbibliotheken". Die Geschichte hat gezeigt, daH das Volk, das die beste Bildung besitzt, das grüßte und wichtigste ist. Die Volksbildung wird gesteigert: durch. Schulen, Bildungsvereine und Volksbibliotheken. Letztere sind ein Bildungsmittel ersten Ranges, sie befriedigen das Lesebedürfnis unseres Volkes und viele Leser reden mit Begeisterung von einem Buche. Gute Bucher wirken wie gute Menschen. Die hessischen Behörden sind seit ben letzten Jahren eifrig bemüht, die Sache der Volksbildungs­bewegung zu fördern. Eine gute Iugendbibliothek Tann unter Umständen eine Volksbibliothek ersetzen. Im Lesestoff darf für Stadt und Land kein Unterschied fein. Die Ge­sellschaft für Verbreitung der Volksbildung stellt Greinen und Gemeinden gegen geringes Entgelt fogenannte Wander­bibliotheken zur Verfügung. 1902 wurden 314 und bisi Ende 1905 2000 Bände geliefert. Die moderne Lesehalle ist nach englischem und amerikanischem Muster bei uns um 1895 entstanden. Als Ort der Bücherausgabe sollte das Gemeindehaus oder der Schulsaäl dienen, am besten werden die Bücher unentgeltlich verliehen. Der Erfolg hängt von Auswahl unb Reichhaltigkeit der Lektüre ab. Die darstellen­den Künste, schöne Illustrationen sind dem Landbewohner Museum und Reisen. Vaterländische Bücher, die gewerbliche und landwirtschaftliche Literatur und Reisebeschreibungen dürfen nicht fehlen. Daß im Kreise Gießen das .Volks­bibliothekswesen bedeutende Fortschritte gemacht hat, zeigt die Mitteilung des Dekan Strack-Leihgestern. Darnach zählt der Volksleseverein in Leihgestern 83 Mitglieder, im Winter 1904/05 wurden 1691 und 1905/06 1744 Bände ausgeliehen.

lieber ben 4. Punkt der TagesordnungBegründung eines Kr ei sschu lmusenm s in Gießen" referierten Schulrat Kleinschmidt unb Professor Fromme. Das Museum soll den Lehrern alle Verbesserungen vvrführen, es soll klein' angefangen werden und zwar als Lehrmittel­ausstellung. Heimatskunde soll in erster Linie berücksichtigt werden, später werden -sich andere Fächer anreihen. Als Ort ist Gießen in Aussicht genommen. Profi Fromme weist auf das Schnlmufeum in Hannover hin, das ebenfalls aus Reinen Anfängen entstanden ist, jetzt aber bereits 600 Qm. Fläche einnimmt. Auf Vorschlag des Schulrats Kleinschmidt wird eine dreigliedrige Kommission gewählt, die die Angelegenheit weiter vvrbereiten soll. Ge­wählt mürben Rektor Hahn-Gießen, Lehrer V. Müller- Gießen und Lehrer Wagner-Großen-Buseck.

Damit war die reichhaltige, wichtige 'Tagesordnung er­schöpft, und im Cafe Ebel fand noch ein gemeinsames Mittagessen statt.

Mvchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Hotlesdienst. der Stadtkirchc. Sonntag, den 13. Mai, Cantate. Vormittags 9*/? Uhr: Pfarrer Schwabe.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde.

Pfarrer Schwabe.

Fu der JohauncSkirche.

Vormittags 97? Uhr: Pfarrer Euler.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die LukasgLmeinde, Pfarrer Euler.

Ubcnd^ 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Konnrmandewaal der Iohanneskirche.

Nächsten Sonntag, den 20. Mai, wird die alljährliche Kollekte yu v,c kirchliche Versorgung der evangelischen Glaubensgerrosseo nn Auslände erhoben werden.

Katholische Gemeinde.

Samstag, d e n 13. M a i:

Rachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr Gelegenheit zirr hell. Beicht.

Sonntag, den 13. Mai:

4. Sonntag nach Ostern.

-oornuttagS von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte.

» 11 tu 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben

Austeilung der heil. Kommunion.

* um 8 Uhr: Die zweite heilige Messe.

um 91/, Uhr: Hochamt mit Predigt.

um 2 lltzr- Christenlehre; darauf Andacht.

Dienstag mid Freitag abend um 6 7, Uhr ist Mai-Andacht

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