Ausgabe 
10.3.1906 Drittes Blatt
 
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Samstag 10. März 1806

Drittes Blatt

Nr. 59

Eichener Anzeiger

Rotationsdruck unb Verlag der vrübl'sctzea UnwersttätSdruckeret. 9L Lange, Stegen.

Redaktion, Expedition u. Druckerei: SckiuNr.?. Tel. Nr. 6L Telegr.-2U>r.; Anzeiger Gteßev

156. Jahrgang

Erscheint «glich mit Ausnahme des Sonntag«.

DieÄtefiener Zamllienblätter- werden dem Anzeiger viermal wScherUlich beigelegt Der Lauvvtrt" erscheint monatlich einmal.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

politische Tagesschau.

Tabakverbrauch unb Tabaksteuer.

ttebec diesen Gegenstand schreibt derPrometheus" : Aach einer Statistik des Handels-Departements der Vereinigten Staaten stellte sich in den letzten Jahren der Tabatverbranch pro Stopf der Bevölkerung in den einzelnen Ländern wie folgt:

Belgien......2817 gr

Vereinigte Staaten . . 2389

Deutschland.....1569

Oesterreich ..... 1370 Eanada...... 1243

Australien.....1175

Ungarn...... 1098

Frankreich .....980

England......8S5

Rußland...... 499

Italien....... 476

Angesichts der in Deutschland immer noch von der Neichsregierung erhofften Erhöhung der Tabaksteuer ist cs nun interessant, auS diesen Zahlen zu ersehen, daß sich der Tabakoerbrauch eines Landes sehr nach der Höhe der Tabak­steuern richtet, ja ihr fast umgekehrt proportional ist: in Belgien mit seiner äußerst geringen Belastung deS Tabaks ist der Verbrauch am höchsten, während in Italien, das den Tabak am höchsten besteuert, der Verbrauch das Minimum erreicht.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 8. März.

(Schluß.)

Gesuche ntn Befreiung von baupolizeilichen Vorschriften.

Wilhelm Gerhardt hat ein Baugesuch für den Schiffenbcrger Weg eingereicht; er beabsichtigt, neben dem alten Friedhof, unmittelbar an dem erhöhten Weg, ein Wohnhaus zu errichten. Da der Weg außerhalb des Be­bauungsplanes liegt, ist DiSpens erforderlich. Da man noch nicht weiß, ob nicht hier später die Fahrstraße hingelegt werden soll, wird Nichtb ef ü rw ortu n g des Dispens­gesuches beschloffen.

DaS gleiche geschieht hinsichtlich eines von Abermann ii. Kling eingereichten Gesuches für den Schiffcnberger Weg. Es handelt sich hierbei um Einrichtung einer FeuerungS- anlagc.

C. Heinzerling beabsichtigt, zu seinem bereits vor­handenen Haus am Schiffenberger Weg ein Hinter­gebäude zu errichten. Man beschließt Befürwortung dieses Gesuches.

P. Leineweber Witwe will am Lindenplatz an­stelle ihres alten Hauses ein neues erbauen. Die Straßen­front beträgt nur etwa 6,75 Meter und auch die Tiefe des Grundstückes ist- gering. Deshalb wird nachgesucht, das Haus ganz in Fachwerk und ohne Brandmauern bauen zu dürfen. Auch soll die ganze Hofreite überbaut werden und etwa 1 Quadratmeter städtisches Gelände benutzt werden, um in die richtige Fluchtlinie zu kommen. Beschloffen wird, das erforderliche städtische Gelände für 100 Mk. für den Quadrat­meter abzutrcten, den DispeuS bezüglich des Fachwerkes, der Ueberbauung der ganzen Fläche, des aus architektonischen Gründen vorgesehenen Erkers von 40 Ztrn. Ausladung und der linken Brandmauer zu befürworten, bezüglich der rechten Brandmauer aber abzulehnen. Ein Dispensgesuch des Jean Weisel für die Sonnen st raße, der bei seinem neuen Hintergebäude ans Fachwerk Fenster nach dem Nachbar- grundslück zu errichten will, wird genehmigt. Ferner wird dem Karl Stuckrath für die Steinstraße die Errichtung eines Fachwerkgebäudes mit Erker befürwortet, auch ein Gesuch des Johs. Fink II. für die Step haustraße wegen Anbringung eines Erkers findet Genehmigung. Peter Gerber will in der Krofdorfer Straße außerhalb des Be­bauungsplanes ein Gebäude errichten, die Versammlung er­teilt ihre Zustimmung. Dem Heinrich Carl 5 wird für einen Neubau im Neuenweg die Anbringung eines 60 Ztm. vorspringenden Erkers gestattet, dagegen die erbetene Er­laubnis, das Haus statt 13 Meter 14,20 Meter hoch bauen zu dürfen, abgelchnt. Joh. Gg. Pfaff will für die Ecke der Ebe Ist raße und Wllhelmslraße zu errichtenden Neu­bauten eines DispenS für einen 40 Ctm. liefen Erker in der Ebelstraße, sowie dafür, daß er feine Durchfahrt für das zweite Haus braucht.. Beides wird genehmigt. Auch Lackierer Ludwig Leib erhält den für die Kirchstraße er­betenen DispenS. Er beabsichtigt, auf die Werkstätte ein Obergeschoß aufzubauen, das rechtwinkelig zur Straße er­richtet werden soll. Einen Treibhausbau will Karl Göbel auf seinem Grundstück in der Marburger - stra ße errichten. Die Stadt ist damit einverstanden, wenn der Bau so erfolgt, daß eine in Zukunft beabsichtigte Straßen- anlegung nicht gestört wird. Auch Franz Neumeyer er­halt den für seinen Neubau in der Sonnen st raße er­betenen DispenS, der sich auf die Nichteinhaltung der Be­stimmung über Gestalt und Größe des Hofes und den Mangel einer Durchfahrt bezieht. Die Brauerei Bichler ersucht für das Haus Grünbergerstraße 30 um Erlaubnis für die Errichtung eines Anbaues, was ebenfalls Genehmigung findet.

Stadtv. Krumm rügt die Undeutlichkeit der immer mehr ausartenden modernen Architektenschrift auf den ausliegenden

Plänen, die bald kein Mensch mehr lesen könne. Der Vor­sitzende sagt zu,.für Besserung nach Möglichkeit sorgen zu wollen.

Eeläudeankäilfe und Verkaufe.

Der Verkauf von etwa 26 Quadratmeter Gelände an der Noonstraße an Karl Stohr zum Preise von 12 Mk. für den Quadratmeter findet Genehmigung, ebenso der A n - kauf eines Geländestrcifens von 16,54 Quadratmeter für die Verbreiterung des S ch i f f en b er g e r w e g e S von StandeSamtSsekretär Nau zum Preis von 1,12 Mk. für den Quadratmeter.

Ein Kaufvertrag mit G. Trink aus, bei dem die Stadt noch 3500 Mk, bezw. weitere 1500 Mk. heranS- gezahlt bekäme, wird in die geheime Sitzung verwiesen. Ein mit der Aktienbrauerei abgeschloffener Verkaufsvertrag wegen des bereits früher genehmigten Ankaufs eines Gelände­austausches in der Kaplansgaffe wird gutgeheißen.

Ctraßenherftellungeu unb dergleichen.

Für die Wiederherstellung der Straßenbefestigung im Seltersweg werden 5000 Mk. und für die Herstellung der Bahnhofstraße 10000 Mk. verlangt. Es handelt sich nm die notwendigsten Herstellungen (Reparaturen und Neupflaste- rungen) der Fahrbahn und der Fußsteige und zwar beim SelterSweg hauptsächlich bei dem Stück zwischen Löwengasse und Volksbad, bei der Bahnhofstraße zwischen Wolkengaffe und Tiefenweg. Beig. Georgi fragt an, ob nicht die Unter­nehmer der Kanalisation zu den Kosten beizutragen hätten, worauf Stadtbaumeister Braubach erklärt, sie würden, so­weit möglich, herangezogen werden. Stadtv. Dr. Haber­korn bittet, zwischen den hier nur für Reparaturen verlangten großen Summen und der für den Brandplatz verlangten Summe einen Vergleich zu ziehen. Stadtv. Gabriel macht darauf aufmerksam, daß mit den Hausansehlüssen so schnell wie möglich vorgegangen werden müffe, damit ein abermaliges Aufreißen vermieden werde. Da man in ein bis zwei Jahren die eck ejj-tjiAg Bah n bauen werde, solle man überhaupt jetzt Besserstellungen auf daS notwendigste beschränken. Er wolle ferner den Wunsch aussprechen, den Bau der elektrischen Bahn so zu beschleunigen, daß man bis zum Universitäts- jubiläum wenigstens bis zum Theater fahren könne. Der Vorsitzende bemerkt, daß die Herstellung der Hausanschlüsse in der inneren Stadt mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen werde. Daß die elektrische Bahn bi§ zum Unioer- sitätsfest auch nur zum Teil fertig sein werde, sei vollständig ausgeschloffen. Der verlangte Kredit wird bewilligt.

Für die Befestigung der Bürgersteige in der Goethe st raße zwischen Ludwigstraße und Stephanstraße werden 5000 Mk. bewilligt, wovon 1000 Mk. von den An­liegern erstattet werden. Die Stadtv. Kirch und Eichenauer bitten, auch an die neue bezw. alte Alicestraße zu denken.

Die Veterinärklinik bittet um Pflasterung eines lieber» gangs in der Frankfurter Straße an der Klinikstraße. Es wird beschloffen, das ganze Straßenkreuz zu pflastern, was 1400 Mk. erfordern wird.

Für den Ausbau der Stephanstraße zwischen Bis­marck- und Goethestraße (südl. Fußsteig) werden 2500 Mk. bewilligt. 1000 Mk. werden hiervon von den Anliegern wieder cinfommen.

Bauunternehmer Carls hat um Anlage einer Ver­bind ungS st raße zwischen Johannes st raße und Kreuzweg nachgesucht. Nach dem von ihm gemachten Vorschlag würde die Stadt hierbei 186 000 Mk. auZzugeben haben. Es wird Ablehnung beschlossen.

Für die Verbesserung des Promenadeweges an der Ostanlage werden 5000 Mk. bewilligt, hauptsächlich für Anlegung eines 1 x/8 Meter breiten Mosaitstreifens. Stadt- verordn. Schm all ' erinnert dabei an seinen früher ge­äußerten Wunsch auf Herstellung zweier weiteren gepflasterten Uebergänge in der Ostanlage.

Ter Kreis beabsichtigt die Anlage eines erhöhten Fußsteiges an der Kreisstraße Gießen - Gl e iberg und ersucht um Ucbernahrne eines Teils (1620 Mk.) der 4320 Mk. Kosten hierfür. Da die Ausführung des Planes namentlich (außer den Bewohnern von Gleiberg) den dortigen Anwohnern zugute kommen wird, wird dieser Betrag be­willigt. Stv. Helm regt dabei die Verbesserung des er­höhten Fußwegs an der Grünberger Straße an, die noch viel notwendiger sei. Stv. Emmelius unterstützt dies.

Verschiedenes.

Zur Beschaffung weiterer Räume für das Orts- oeridjt werden die seither für das städtische Archiv vor­gesehenen Räume vorgesehen. Letzteres soll im Dr. Weberschen Haus untergebracht werden.

In der Grabenstraße und zum pharmakologischen Institut sollen elektrische Kabel gelegt werden, da eine ent­sprechende Stromabnahme -gesichert ist. Die erforderlichen Strebite von 750 Mk. bezw. 450 Mk. werden bewilligt.

Zwei Gesuche um Erlaubnis zum WrrtschaftS- betrieb werden befürwortet, da es sich in beiden Fällen um bereits bestehende Wirtschaften handelt. Die Gesuchsteller sind Chr. Schuler, hier, Licherstraße 59 (zur Stadt Lich), und Friedrich Harnickel, hier, in den Eichgärten 50 (Philosophenwald).

Die übrigen für die öffentliche Sitzung vorgesehenen Gegenstände werden der vorgerückten Zeit halber vertagt.

Aus Stadt uno fcano.

Gießen, den 10. März.

Die neue elektrische Bahnlinie Frankfurt- Hom b u r a, über die wir schon berichteten, wird auch den beiden hessischen Orten Nieder-Eschbach und Ober- Eschbach eine bequeme Bahnverbindung bringen. AuS diesem Grunde hat die hessische Negierung in Aussicht gestellt, einen Zuschuß von 10 000 Mark für jeden auf hessischem Gebiet befindlichen Kilometer zu gewähren.

bf. Fellingshausen, 8. März. Ein Jrchr ist per* flössen seit sich hier die Gründung eines T urnvereinS vollzog, der heute bis annähernd 70 Mitglieder zählt: fo ist er denn der stärkste Verein unseres Dorfes. Da jedoch ein alleinstehender Verein nicht im stände ist, die Bildung der Turner in rechter Weise zu fördern, ist aus Anlaß deS 1. Turnvereins in Rodheim a. d. B. in Gemeinschaft mit unserem Verein gestern die Gründung eines Turn- bundes beschlossen worden. In der Versammlung äußerte sich der Gastwirt Bender von Nodheim dahin, daß fefyc wesentliche Nachteile beim Beitritt zum Gau erwachsen wur­den, da die Städte den Landgemeinden vorgezogen würden. (? ?. Red.) Am 4. d. M. sei bei Abstimmung über die Gau- sahrt ein Beispiel davon gegeben worden. Herr B. gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß sich noch mancher Verein in unserer Gegend dem neuen Bunde anschließen werde.

R. B. Darmstadt, 8. März. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde u. a. auf Anregung deS unter dem Protektorat der Fürstin zu Erbach-Schönberg stehenden Vereins für Walderholungsstatten 3000 Mark als Beihilfe zur Errichtung einer Erh olungSstätte für Frauen bewilligt.

Die Gefahr der

Verwechslung

Anm.: Tie in Klammern gelebten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte ftranfe kommen.

und der damit verbundene Nachteil ist kaum bei einem zweiten Artikel so groß, wie beim Malzkaffee. Nachdem Kathreiner's Malzkaffee-Fabriken durch ihr in jeder Hinsicht vollkommenes Erzeugnis den Malzkaffee überhaupt erst zu dem Ansehen gebracht haben, deffen er sich heutzutage in der ganzen Welt zu erfreuen hat, sind überall mehr oder weniger mißglückte Nachahmungen aufgetaucht, die sich die schwer errungenen Erfolge deS echten ^Kathreiner" mühelos zunutze machen wollen, ohne daß auch nur ein einziger von ihnen an den wissenschaftlich festgestellten Genuß-Wert von Kathreiners Malzkaffee heranreicht. Kein zweiter Malzkaffee besitzt, um nur ein Beispiel zy nennen, den würzigen Kaffee-Geschmack deS echtenKathreiner". Man tafle sich also beim Einkäufe durch niemanden und durch nichts beein­flussen, denKathreiner" durch einen anderen Malz, kaffee zu ersetzen. Denn er ist einfach unersetzlich. Man verlange in den Geschäften deshalb ausdrücklich nur den echtenKathreiner Malzkaffee" und achte scharf darauf, daß man diesen auch wirklich erhält und keinen anderen.

Die untrüglichen Kennzeichen deS echtenKathreiner" sind: Geschloffenes Paket in seiner bekannten Aus­stattung, Bild und Unterschrift deS Pfarrers Kneipp als Schutzmarke, und die Firma: Kathreiner's Malz- kaffee-Fabriken.

ÖSitjfntlidf llrbfrßiht der Todesfälle in der Gießen

8. Woche. Vom 18. bis 24. Februar 1903.

Einwohnerzahl: angenommen zu 29 500 linkt. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 10,57

nach Abzug von 4 Ortsfremden: 3,53/cc.

Kinder vom 15. Fahr

Es starben an:

Zusammen: Erwachsene:

im

TyphuS

KD

1. Lebensiahr: 2

KD -

Krebs

2(2)

2(2)

Tubeckulose

KD

1 (1)

Stimmritzen­krampf

1

1

Diphtherie

1

1

Summe 6 '4)

4(4)

2

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Si« SSAOGP Würze I

In grossen Original-Flaschen zu M. 6. !

(Inhalt ca. 1125 Gramm, einkaufen unb sie dann zum praktischen Gebrauch selbst in ein kleines, mit Würzesparer

versehenes MaggüFläschchen abrüllen." ^rciritera N