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10/05/1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 109

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

England, bezw. sein egyptischer rüsten. Folgende Einzelmeldungen

wird. Inzwischen fährt England

Vasallenstaat fort, eifrig zu herüber liegen vor:

Der Kaiser in Karlsruhe und Straßburg.

Karlsruhe, 9. Mai. Der Kaiser traf, von Donau­eschingen kommend, um 12 Uhr 50 Min hier ein Zum Empfange des Kaisers waren u. a. am Bahnhöfe erschienen: der Großherzog, Prinz Max, der preußische Gesandte v. Eisendecher. Im Schlosse wurde der Kaiser von der Gr v ß- herzogin und dem Hofstaate empfangen. Um U/2 Uhr sand im Schlosse Fürsten* und Marschalltafel statt.

Der Kaiser reiste um 43/t Uhr nachmittags nach Straß­burg i. E. ab. Der Großherzog und die Groß Her­zogin von Baden geleiteten ihn zum Bahnhöfe.

Straßburg, 9. Mai. Der Kaiser traf hier mittels Sonderzuges um 6 Uhr 20 Min. mit den Herren des Ge­folges ein, welche den Kaiser schon von Donaueschingen ab begleitet litten, sowie mit dem Oberststallmeister Frhru. von Reischach. Zum Empfange am Bahnhof erschienen der Statt­halter Fürst zuHohenlohe-Langenburg, der Staats­sekretär v. Köller, der kommandierende (Äneral Ritter Hendschel von Gilgenheimb, der Gouverneur General v. Meßner, der Polizeipräsident Dall, der Chef des Zivilkabinetts v. Lucanus und der Chef des Militär­kabinetts Generalleutnant Graf von Hülsen-Häseler. Der Kaiser fuhr dann im offenen Wagen, eskortiert von Husaren, mit dem Fürsten zum Kaiserpalast. Die Stadt ist allgemein beflaggt. Die Feststraße weist reiche Dekoration auf. Die Garnison bildete Spalier. Ein zahlreiches Pu­blikum, darunter viel Landbevölkerung, begrüßte den Kaiser mit andauernden Hurrarufen. Kurz vor der Ankunft des Kaisers war ein schweres Gewitter niedergegangen. Heute abend fand bei dem Kaiser im Kaiserpalais ein Diner statt, zu welchem die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden, des Landesausschusses und des Staatsratcs geladen waren. Der Kaiser saß zwischen dem Statthalter Fürsten zu Hohen­lohe und dem kommandierenden General Hendschel von Gilgenheimb. Rach rechts folgten zunächst der Zivilkabinetis­ches v. Lucanus, der Unterstaatssekretär Zorn v. Bulach, der Präsident des Landesausschusses v. Jaunez, der Präsi­dent der GeneraLirektion der Eisenbahnen Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Wackerzapp, nach links der Generaladzu- tant General v. Messen, Generalleutnant Breitenbach, Bischof Dr. Fritzen, der außerordentliche Gesandte Wirkt Geh. Lega­tionsrat Frhr. Rücker v. Janisch und der Unterstaatssekretär Handel. Gegenüber dem Kaiser saß der Obersthofmarschall Graf Eulenburg, zwischen dem Staatssekretär v. Köller und dem Fürsten zu Eulenburg-Hertefeld zur Rechten und dem Gouverneur General v. Kesner, dem Generaladjutanten Grafen Hülsen-Häseler und dem Bürgermeister von Straß­burg Back zur Linken.

.Heute abend wurde die Stadt illuminiert. Der Kaiser verlieh dem Unterstaatssekretär im Ministerium für Justiz und Kultus Dr. Petri den Charakter als Wirkl. Geh. Rat mit dem Prädikat Exzellenz.

zu betreiben. Ter Redner erklärte, die Resolution würde nicht etwa aus einer gegensätzlichen Gesinnung gegenüber der Regierung eingebracht. Wenn sie mit großer Mehrheit angenommen würde, so würde dieser Umstand die Regierung in ihrer Aufgabe, zu sparen, unterstützen und nicht ohne Wirkung auf die Parlamente anderer Länder sein. Die Rüstungen abzuschaffen, sei kein praktischer Vorschlag ge­wesen, aber es sei möglich, das liebel der Ausgaben be­deutend zu mildern. Redner wies ferner zur Begründung einer Einschränkung der Kriegsrüstungcn auf die guten Be­ziehungen Englands zu Japan und Frankreich hin.

Die Frage der Zusammensetzung der Kommission zur Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Heimarbeiter brachte die Mitglieder der Arbeiterpartei in Opposition zur Regierung und zu denjenigen Trade-Unionisten, die auf den ministeriellen Bänken sitzen. In der Kommission befinden sich nach dem Antrag der Regierung 2 Mitglieder der liberalen Arbeitervertreter, aber kein Mitglied der un­abhängigen Arbeiterpartei. Keir Hardie erklärt, daß die Arbeiterpartei ein Recht darauf habe, in -allen Kommissio­nen vertreten zu fein, insbesondere denen, die mit den Interessen der Arbeiter ;u tun hätten. Er habe gegen die Wahl von Mitgliedern der Trade-Unionisten nichts einzu­wenden, müsse aber dagegen Verwahrung einlegen, daß diese Wahl zum Vorwand benutzt werde, die eigentliche Ar­beiterpartei auszuschließen. Fenwick (Lib. Gewerkschaft­ler) weist unter lautem Beifall der Ministeriellen den An­spruch Keir Hardies zurück und sagt, er habe nichts dagegen, daß dieser sich und seine Freunde als Arbeiterpartei be­zeichne, müsse aber Widerspruch gegen den Versuch erheben, ihn und andere Gewerkschaftler auf der liberalen Seite nicht zu den Arbeitervertreter'n zu rechnen. Whiteley (Lib.) erklärt, die Forderung der Arbeiterpartei sei anmaßend und unter Umständen gar nicht durchführbar. Die Zusam­mensetzung der Kommission nach dem Regierungsvorschlag wird mit 320 gegen 43 Stimmen angenommen

in allen Bundesstaaten durch Sachverständige im Haupt­amte, Einführung einer Nachkontrolle durch Führung eines» Lagerbuches und Beschränkung des Zuckerwasserzusatzes Vor­sicht. Minister Frhr. v. Feilitzsch erklärte, er werde beim Reichsamt des Innern neuerdings die Angelegenbett be­treiben, wenn auch die Reichsräte dem Anträge zustimmen.

Dresden, 9. Mai. Ter König empfing in Ctegen- wart des Staatsministers Dr. Gras v. Hohenthal und Bergen den neuernannten preußischen Gesandten Prinzen zu Hohenlohe-Oe bringen behufs Entgegennahmescines Beglaubigungsschreibens.

Der englisch-türkische Konflikt

ist bis jetzt noch nicht beigelegt, jedoch gewinnt es den Anschein, daß der Sultan nach einigem Zögern, das haupt­sächlich mit Rücksichten aus die Gefühle seiner muhamcdanischen Untertanen zu erklären ist, schließlich doch noch nachgeben

ausgeschlossen wurde.

Rach Wiederherstellung der Lesser,Ilickkeit fand die eingehende Vernehmung des Angeklagten Konrad statt; er gibt an. einen! Tiefensteller eigener Erfindung gearbeitet und ihn in der tech­nischen Werkstatt Senfftlebens vervollständigt zu hoben, behauptet aber, er Hobe ihn liegen lassen, nachdem darauf aufmerksam ge­macht wurde, daß er dem in der deutschen Marine gebränchliHm ähnlich sei. Er sei auf Veranlassung Senfftlebens nach Paris gefahren, rco sich dessen Söhne Harrn und Otto aufhielten, um eine von Senfftteben senior erfundene Mine zu verwerten. Senf ft leb en erklärte, btc Mine zunächst in Petersburg, später der deutschen Regierung angeboten zu haben. Lucke erklärt, er sehe Konrad heute zum erstenmale; er erzählt sodann aus­führlich, daß er für Senffilcben, mit dessen Tochter er feit 1905, verheiratet sei, nach Paris gereist sei und mit einem gewissen Kaufmann als Vertreter der französischen Regierung über den Verkauf der Mine Senfftlebens verhandelt habe. Auf Veran^ lassung dieses Agenten feien beide dann in Brüfsel mit Lensft- leben, der sich dem Agenten gegenüber als früherer deutscher Marineoffizier und jetziger Beamter im deutseven Reichsmarine­amt ausgab, zusammen getroffen. Kaufmann habe diesem unter anderem 20 000 Mark für Mobilmachungspläne und je 5000 Mar? ifir zwei andere Schriftstücke geboten: für die Mine habe Senfstleben 2200 Mark, er Lucke verschiedene Summen für die Vermittelung und Hcrgabe der Zeichnungen erhalten. 3Väter habe er in Berlm Kaufgeschäfte errichtet. Streitigkcfteu wegen Verteilung des Geldes hätten dann zur gerichtlichen Aus- einandersetzung geführt. Daraufhin sei die Verhaftung der brei Angeklagten erfolgt.

Erscheint lVglich mit Ausnahme des Sonntag».

DieGiehener SrnntlUnblätter werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt Der »Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Rußland.

Petersburg, 9. Mai. Das Kaiserpaar mit den Kindern ist heute aus Zarskojelo Sselo nach Peterhof übergesiedelt.

TerRußkij Invalid" meldet die Ernennung des Oberkommandierenden der Nachhut der Mandschureiarmee Nadarow zum Generalgouverneur des Steppen­gebietes, des Generalleutnants Seliwanow zum Generalgouoerneur von Irkutsk und des Chefs der Eisen­bahnverwaltung Generalmajor v. Schaffhausen zum Ver­kehrsminister.

Moskau, 9. Mai. Der Zustand des General­gouverneurs Dubassow hat sich erheblich gebessert. Die Persönlichkeit des Urhebers des Mordanschlags konnte bisher nicht festgestellt werden.

Rostow a. Don, 9. Mai. Heute wurde bet seiner An­kunft ein Mann verhaftet, der einen Koffer mit zwanzig g c füllt en Bomben bei sich führte.

Deutsches Reich.

Berlin, 9. Mai. Reichskanzler Fürst Bülow wird sich einer parlamentarischen Korrespondenz zufolge am 20. Mai nach R 0 rderncv auf Urlaub begeben. Vorher wird der Kanzler noch mit hervorragenden Parlamen­tariern Konferenzen abhalten, die sich auf die augenblickliche inncrpolitische Lage (Vertagung der Parla­mente, Schulunterhaltungsgesetz, zukünftiger Arbeitsstoff für den Winter) beziehen werden.

Das preußische Abgeordnetenhaus setzte heute die Beratung der Novelle zum Einkommensteuer­gesetz fort. Ein Antrag Lusensky (nl. , alle K onsum»- vereine zu besteuern, soweit sie mit Lebens Mitteln handeln, gelangt noch unwesentlicher Debatte zur Annahme. Die Vorlage wurde bis zum § 16 durchbcraten und wird morgen fortgesetzt. Außerdem steht noch die I n t e r p e l l a - ti0n wegen Ausweisung russischer Staatsan­gehöriger auf der Tagesordnung.

H e r n e, 9. Mai. Dem Bergwerksdirektor M e n e r, der die deutsche Rettungsmannschaft in Courriöres führte, ist von dem Präsidenten Falliöres das Ritterkreuz der Ehrenlegion verliehen und heute zugesandt worden.

Köln, 9. Mai. In der heute hier abgehaltenen Ver­sammlung von Brauercilcitern wurde einstimmig folgende Resolution angenommen:

Die heute in Köln abgchaltene von Vertretern des Verbandes der rheinisch-westfälischen Brauereien, der norddeutschen Bre.uerei- Veremigimg und bes südrheinischen Brauereiverbandes ,ehr zahl­reich besuchte Versammlung nimmt mit lebhaftem Bedauern Kennt­nis von den Beschlüssen der zwecken Seimig des deutschen Reichs­tags betreffend die Erhöhung der Brausteuer und beschlwm em- stimmig. gegen hohe Konventionalstrafen vom Tage des ^nkrack- lretens der Brausteuererhöhung ab die Bie r pr e i s e entiprechend

Die Wahlen und Unruhen in Frankreich.

Paris, 9. Mai. Der Fabrikant Motte in Roubaix, einer der hervorragendsten Führer der gemäßigt-republikani­schen Partei, der am Sonntag gegen den Sozialisten Jules GueSde unterlegen ist, soll bei der Stichwahl im 5. Mar­seiller Wahlbezirk als Kandidat gegen den Sozialisten Carlier aufgestellt werden. Der Kandidat der konservativen Action liberale" St. PveS wird in diesem Falle zurück­treten. AuS Corsic a wird gemeldet: In Proprian o kam es zwischen den Wählern der gegnerischen Parteien zu einem Wortwechsel, der in ein blutiges Handgemenge auSartete.. Zwei Wähler wurden getötet, zwei andere ver­wundet.

DaS Pariser Presse-Syndikat, daS mit der Klage des Chefredakteurs des BlattesLa Croix" wegen der am 27. April in den RedaktionSräumen dieser Zeitung stattgehabten Haussuchung befaßt ist, erhob bei dem Mi­nisterpräsidenten Protest wegen dieser Verletzung des Ge­schäftsgeheimnisses. Wenn dieses Vorgehen als gesetzlich ge­billigt würde, würde dies auf eine vollständige Verneinung der Preßfreiheit hinauslaufen.

Die Polizei fand in der Wohnung des Arbeiters Bauchard, der zur Zeit der Explosion der Höllenmaschine sich bei Habert befand, antimilitaristische und anarchistische Druckschriften, sowie Bilder von Bresci, der seinerzeit König Humbert ermordete. Gegen Bouchard und die Gebrüder Habert wird Anklage erhoben, weil sie Sprengmittel in ihrem Besitz gehabt haben, bezw. anfertigten. Der wegen der B om den explosion in der Rue de Plantes im Viertel Mont-Rouge verhaftete Zimmermann erklärte dem Polizeikommiffar, daß weder er noch seine Mit­schuldigen, sein jüngerer Bruder, sein Schwager und ein Tischler namens Buchard Anarchisten seien. Er gestand, daß sie Anhänger des Syndikats der revolutionären Streik­bewegung der sogenanntenAction directe" seien, daß sie entschlossen seien, ihre Forderungen um jeden Preis durch- zusetzen und das; falls dies nicht auf gesetzlichem Wege zu erreichen sei, sie zu terroristischen Mitteln und selbst zu Bomben greifen würden. Die Polizei glaubt, daß dieses Ge­ständnis aufrichtig . ist,,, Die Ueberwachung dieser Art von revolutionärer Bewegung sei schwieriger als die der Anarchisten, die der Polizei zumeist bekannt seien.

In Vincennes wurde ein Artillerist in dem Augenblick verhaftet, als er im Fort Neuf seinen Brotsack mit Geschütz-Patronen füllen wollte. Von der Militär­behörde wurde eine strenge Untersuchung eingeleitet, über deren Ergebnis jedoch Stillschweigen bewahrt wird.

Ausland.

Stockholm, 9. Mai. WieSvenska Tagblad" mitteilt, wurde der deutschsäimodische Handels^vertrag 8Aftern, von dem hiesigen deutsche Gesandten unb^bem schwedische^ nist er des Aeußeren unterzeichnet., Staatsminister ^staaft legte dem Reichstag einen Gesetzentwurf betreffend Abschluß des Vertrages vor. Der Entwurf wurde debattelos an die Budget­kommission verwiesen. _

London, 9. Mai. Das Reuter Bureau meldet aus Jo­hannesburg: Ein Trupp Chinesen griff gestern em Gehöft im Bezirk Kliforiversberg an, zwei Kulis wurden von den im Gelwit stationierten Polizeibeamten erschossen, die übrigen sollen verhaftet sein.

M a d r i d , 9. Mai. Der Minister d e s A u s w ä r t 1 g e n bereitet die Veröffentlichung eines dem Parlamente vorznlegenden B uches vor, welck>es die Protokolle der Konserenz von Atge- e i r a s und fämtlicbc Dokumente, die sich aus die marokkanftche Frage beziehen, enthalten wird.

Rom, 9. Mai. Der Welt post ko ngreß hielt heute eine Plenarsitzung ab und begann mit der Beratung des Textes der von der ersten Kvmmisfion ausgearbeiteten neuen Konven-- tivn. Tie Versammlung stimmte der in der Konvention vor­gesehenen erheblimen Herabsetzung der Gebühren für den Welt­verkehr zu, desgleichen der Erhöhung des Einherts- gewichtes für Briefe von 15 auf 20 Gramm unter Bei­behaltung der Tore von 25 Centimes für das einfache Porto, während für die folgenden Portosütze auf Antrag der englischen Delegierten die Taxe von 25 auf 15 Centimes herabgefetzt wer­den soll.

Wien, 9. Mai. Der Fürst von Montenegro ist mit Familie heute früh nach Karlsbad abgereist.

Kvn st an t i n 0 v el, 8. Mai. Der türkisch-bulga­rische Grenzkonflikt ist gänzlich geordnet, da der nacht dem streitigen Höhepunkte, Horostepe, entsandte Oberst Ahmed Bep den Abtransport des dorthin geschassten Baumaterials veranlaßte.

Die Vorgestrigen Wahlen aus S^mos sind ruhig ver­lausen. Die Oppositionspartei hat 29 Sitze errungen, »nährend die Regierungspartei zehn Sitze an sich brachte. Ter Sturz des Fürsten Jauco Den scheint rmvermcidlich zu sein.

P ort Satz , 9. Mai. Zwischen denTruppcndcsSul- tand und denen des Prätendenten sand am 7. Mai auf dem linken Ufer des Muluia ein erbitterter Kampf statt. Als die Truppen des Sultans den Maluia überschreiten robftten, wurden sie heftig beschossen u»id zurückgcdräugt mit einem Verluste von etwa 30 Toten und mehreren Verwundeten.

Peking, 9. Mai. Durch kaiserliches Edikt, ist der seit­herige Präsident der Staatseinkunfte-Kommisfion T i fb t i a g zum O> berintendanten der Zollverwaltung ernannt wor­den. Alle in der Zollverwaltung angestellten chinesischen und nichtchinesischen Beamten sind der Aussicht Tichliangs unterstellt worden.

Washington, 9. Ma». Der Gesandte von Nicaragua: erhielt heute ein Telegramm, daß der M in i ster d es Ae u ße- ren des Freistaates Nicaragua, Altamirano, ermordet toor^ den sei

3 München, 9. Mai. Die Ka m m e r d c r Ab g c 0 r d - net'cn nahm den Antrag an, die Negierung aufzusordern, I im Bundesräte eine Revision des Wet.ugesetzes zu erwirken, welche die einheitliche Regelung der Wenrkon trolle 1

Ein Landcsverratsprozetz.

(Nachdruck verboten.)

kJ'. S.) Leipzig, 9. Mai. Ein Landesverrats-Pro- z e ß beschäftigte heute den vereinigten zweiten und dritten Straf­senat des Reichsgerichts und standen unter Anklage des Berr at s militärischer Geheimnisse der ehemalige Rcgienmgs- fefretär Otto Senfstleben aus Schöneberg bei Berlin, der Monteur Otto Konrad aus Waibstadt iDaden) jeht in Berlin und der Geschäftsreisende Hermann Lucke in Berlin. Rach Ein­tritt in die Verhandlung erfolgte der Aufruf der 19 Zeugen, »üorunter sich der Direktor der Seewehr Hauptmann a. T. Brzosto^ witz. sowie Rechtsatuvalt Paul Hennig and Amtsrichter Dorendors aus Berlin bcfmbeit. Als Sochverstänbiger ist der Kapitän zur See Remo Paech geloben. Die Anklage legt ben Beschuldigten zur Last, die Zeichnungen der in der beutscheu Marine gebräuchlichen Sccniinc C. A. und den Tiefensteller, sowie Anker dafür einem Vertreter der Vereinigten Staaten von Nordamerika! vor geführt zu haben. Ebenso sollen -Senfftteben und Lucke ein Modell der Seemine einem Vertreter der französischen Regierung in Brüssel vvrgeführt haben, ro-ofur sie 2200 Mtrrk erbiefteu. Lucke, der Schwiegersohn des Senfstleben. soll dieses Modell! auch in Paris der Regierung vvrgesührt und 2000 Mar? dafür erhalten haben. Die Ängcllagtcn gaben die Tatsachen zu, bestreiten aber eine Schuld und Senfstleben bestreitet, gewußt zu haben, daß der Tiefensteller der Mine bei der deutschen Marine! gebräuchlich ist. Es ersvlgte dann die Vernehmung des Sach­verständigen, »nährend welcher die Oeffentlickkeit der Verhandlung

London, 9. Mai. DieDaily Mail" meldet auS Kairo vom 8. dS., daß eine Anzahl Kamele zur Ver­wendung auf der Sinai-Halbinsel gemietet und drei Geschütze und eine Abteilung Art illeristen zur Sicherung der Grenzverteidigung nach der Halbinsel entsandt worden seien.

Suez, 9. Mai. Eine starke Abteilung der egyptischen Küstenivache mit fünf Geschützen ist auf der Ostseite des Kanals vorgerückt.

Einschränkung der Rüstungen und Arbeiterfragen im englischen Unterhaus.

London, 9. Mai. Ter liberale Bivian brachte heute eine Resolution ein, in welcher die Regierung aufgefordert wird, wirksame Schritte zu unternehmen, um die Ausgaben für die Rüstungen zu verringern und die Auf­nahme oer Einschränkung der Kri e g s rüst u n g e n in das Programm der Haager Friedenskonferenz

Zweites Blatt 156. Jahrgang Dormersrag 10. Mai 1806

Sange,

Ulk' I H IjLB X Redaktion,Expedition ».Druckerei: Schulsk.7.

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