Nr. 186
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Kietzen
Gerichtssaal
wurde dem
N a s eu s ch n e u z en) gehabt, die Strafe ju
zur
die uns ihre Straub.
Israelitische Religionsgemeinde.
Hottesdientt in der Synagoge (Südaulage).
Samstag, den 11. August 1906:
Vorabend 7.30 Uhr. Morgens 8.30 Uhr.
Nachmittags 4 Uhr.
Sabbathausgang 8.45 Uhr.
Zum Schlüsse danken wir noch den Vereinen, Jahresberichte sandten.
Georg
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.
Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr,: Anzeiger Gießen.
Katholische Gemeinde.
Samstag, den 11. August: Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr Gelegenheit heil. Beichte.
S o n rr t a g, den 12. A u g u st:
10. S o n n t a g nach Pfingsten.
— Aus Bordeaux wird berichtet: In der verfloßenen Nacht entwendeten Diebe aus einem Juwelier-Geschäst Juwelen im Werte von 280 000 Frcs. — Aus dem Kronhagener Stand bei Kiel lvurde eine Frau Erdlosf von einein unbekannten Manne durch vier Messerstiche lebensgefährlich verletzt. — Dem „Oberschl. Anz" zufolge erschoß in Pskow bei Rybnik der Berginvalide Chruscz den Gendarmeriewachtmeister Rot her, der sich m amtlicher Eigenjchait in Chrusczs Wohnung befand. Ter Mörder flüchtete in den Wald und schoß sich dort eine Kugel durch den Kopf.
Die „Lietzener Zamilienblütter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der "hessische £anbwirt" erscheint monatlich einmal.
Darbietung ist, lvelche von Hans Thoma in oen letzten Jahren gezeigt worden ist. Die Ausstellung bleibt bis 23. September geöffnet: zu ihr ist ein Katalog mit Vorwort von Henry Thode und dem Bilde des Meisters erschienen.
— Können verbrecherische Neigungen durch chirurgische Operationen vernichtet werden? Die Gesundheitsbeamtcn in Philadelphia machten vor einigen Tagen ein höchst interessantes Experiment, um Müder mit verbrecherischen Tendenzen durch chirurgische Operationen zu heilen. 'Neun bekannte Aerzte wohnten diesen Operationen bei, und sieben Kinder unterwarfen sich denselben. Tie sieben Patienten wurden aus vielen anderen gewählt, die alle dazu bestimmt schienen, eine verbrecherische Karriere einzuschlagen, falls ihre Organisation nicht geändert werden könnte. — Die Gesundhritsbeamten hatten vorher die Erlaubnis der Eltern erhalten, eine solche Operation mit ihnen vornehmen zu dürfen. Zwei Operationen wurden am Gehirn, drei an den Augen usw. gemacht. Unter den amerikanischen Aerzten erregt diese Methode, verbrecherische Neigungen an Kindern auszurotten, großes Interesse.— Vor kurzem ist die unwidersprochen gebliebene Meldung durch die Presse gegangen, daß in Paris ein junger Mann mit verbrecherischen Anlagen durch Operation vollkommen geheilt worden ist.
Vormittags von 61/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte.
„ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion.
, um 8 Uhr: Die zweite heilige Messe.
u um 91/, Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 2 Uhr: Andacht.
Mrchliche NachrLchtes.
Evangelische Gemeinde.
9. Sonntag nach Trinitatis, den 12. August: Hottesdlenst.
In der Stadtkirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe.
Zugleich Ehristenlehre <ür die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde.
Vormittags 9’/2 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
Ausflug der konfirmierten männlichen Jugend der Marku 5- gemeinde, Sonntag den 12. August, Abfahrt mit dem Zuge 12.05 Uhr nachmittags nach Marburg.
In der Johauneskirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Eule r.
Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde.
Vormittags 9l/2 Uhr: Professor D. E ck.
Aleines Feuilleton.
— Jesus und das „Wasser des Lebens". Ueber einen neuen Evangelienfund läßt sich die „Allg. Ztg." -aus London berichten: Die Kunde, daß das F r a g m e n t e i n e s verlorenen Evangeliums von Dr. E. P. Grensell und Dr. A. S. Hunt bet ihren Ausgrabungen inOxyrhynchos in «Südegypten gefunden worden sei, hat in theologischen Kreisen Kroße Erregung hervorgerufen, da man an einen ähnlichen Fund Die die berühmten „Worte Christi", die auf derselben Stelle «entdeckt worden sind, glaubte. Der Vertreter eines großen eng» Lisch en Blattes hat nun das gefundene Dokument in Queen's «College in Oxford gesehen und von Grenfell selbst Auskunft rüber die Bedeutung des Fundes erhalten. Das Dokument ist «in kleines Fragment von Schreibpergament, das von Würmern ^durchlöchert und durch die sechzehn Jahrhunderte seines Da- ßseins vergilbt, aber noch vorzüglich lesbar ist. Die Schrift ist fsast mikroskopisch klein, aber die griechischen Buchstaben und jsogar die roten Initialen lassen sich noch deutlich erkennen. Es mft nach Grensell fein Teil eines noch nicht vorhandenen Evange- llliums, die theologische Bedeutung des Fundes muß übrigens Üen Theologen überlasten bleiben. Vom rein literarischen Stand- «urrkt aus ist es ungewöhnlich gut geschrieben und höchst inKr- sifant Die Handschrift beginnt in der Mitte eines. Gesprächs.
Tie eingelaufenen Flugblätter, Jahresberichte und Zeitschriften wurden dem Preßausschuß zur Durchsrcht überwiesen. Durch ihn ^el^an^tesderen^anregender oder wissenswerter Inhalt zur Kenntnis Herr Fritzel hatte die Beurteilung der Tierschutzkalender übernommen. In seinem Gutachten bezeichnete er den Kalender des Berliner Tierschuhvereins, sowie den Kalender vorn Verbände der Tierschutzvereine des Deutschen Reiches als gut. Daher bezogen wir 209Ö und 2200, zusammen 4290 Stück Kalender. Von den ersteren erhielt das Gymnasium 150, das Realgymnasium und die Realschule 450, die Höhere und Erweiterte Mädchenschule 700 und die Volksschule 790; Die letzteren gelangten an die Mitglieder, sowie die Mittel- und Unterklassen der Volksschule zur Verteilung.
Für Prämien an Gendarmen und Schutzleute bewilligte der Ausschuß 170 Mk.: 60 Mk. für die Gendarmerie und 110 Akk. für die Schutzmannschaft. Die Verteilung überließen wir dem Ermessen ihrer Vorgesetzten, baten aber um Vorlage der Verteilungspläne.
Wie das Jahr zuvor, so erhielten auch diesmal 20 Fuhrleute Prämien von je 5 Mk. für gute Pflege und schonende Behandlung ihrer Pferde.
Das Feldschutzpersonal wurde mit 15 Mk. bedacht, weil es Katzen, Raubvögel und und anderes Raubzeug geschossen hatte.
Justus Noll mit 5 Mk. für gute Behandlung seines Zughundes.
Der ganz besonderen Fürsorge des Ausschusses hatten sich unsere heimischen Vögel zu erfreuen. Fiel Schnee, lag Nauhreif oder war der Erdboden gefroren, so versah der Bereinsdiener unsere Futterbretter und Futtexhäuschen hinreichend mit Futter. Verbraucht wurden 3 Zentner und 65 Pfund Vvgelfutter im Betrage von 70.70 Mk. Nicht minder warmherzig sorgte die Bürgerschaft unserer Stadt für die hungernde Vogelwelt. Dankend sei dies hervorgehoben.
Um einigen Ersatz zu schaffen für die stetig abnehmenden natürlichen Niststätten, bezogen mir 140 Nistkasten für 156.50 Mark; 60 Stack für Fliegenschnäpper, 70 für Meisen und 10 für Rotschwänzchen, weil diese Jnsektenjäger überaus nützlich sind.
Herr Polizeiamtmann Herberg überwies unserm Verein 10 Mark, die im Sinne des Spenders zum Schutze der Singvögel verwendet wurden; die Bezirkssparkasse Gießen 100 Mark und Frau L. durch Herrn Neallehrer Albuch 14 Mark. Den
Fasnttien-NachrrchteK.
Geboren. Herrn Jean Klinkerfuß V. und Frau, Bad-Nauheim, einen Sohn.
Gestorbene. Herr Franz Wrtzel, Kloppenheim. — Herr Joh. Friedr. Kämofer, Rodenbach. — Herr Richard Tfchinkel fen., Marburg. — Fräulein Mathilde Heck, Marburg.
Zweites Blatt 15«. Jahrgang Freitag 10. August 1806
Gießener Anzeiger
ed. Darmstadt, 9. Aua. Der Feuerwerker Kurt Schleifer der vor einiger Zeit vom Artilleriedepot Metz nach Darmstadt versetzt worden ist, hatte sich vor dem Kriegsgericht der 25. Division wegen Achtungsverletzung vor versammelter Mannschaft zu verantworten. Schleifer hat eines Tages entgegen den Vorschriften einen Kanonier zum Verlassen des Schieß- standes während der Schießübungen beordert. Weiterhin hat er eine ihm übertragene Arbeit, das Unterstreichen der Zielskizzen, an einen Kanonier weiter gegeben. Das Kriegsgericht verurteilte den Schleifer wegen dieser beiben Vergehen zu 7 Tagen gelinden Arrest. Wegen des zuletzt erwähnten Vorfalls mürbe er s. Zt. von seinem vorgesetzten Hauptmann zur Rede gestellt und getadelt, wobei sich Schleifer achtungSwidrig und renitent benommen haben soll. Der Hauptmann sagte dies unter Eid aus, während ein Unteroffizier und zwei Kanoniere unter Eid das Gegenteil versicherten. Später soll sich Schleifer nochmals achtungswidrig benommen haben, als ihm der Hauptmann befahl, eme vergessene Zielskizze zn holen. Der Hauptmann beschwört, Schlesier sei langsam gegangen, Die drei anderen Zeugen beschwören, Schleifer sei mit großen Schritten davon geeilt. Trotz wiederholter Verwarnungen verblieben alle Zeugen bet ihren eidlichen Aussagen. Der Gerichtshof kam zu der Ansicht, daß der Haliptmann erregt gewesen sei, und ihm so dic Entschuldigllugen des Schleifer entgangen seien. Es sei auch mög. lich, daß Schlesier den wiederholten Befehl infolge des Schießgeräuschs nicht gehört habe. Schleifer wurde daher frei- gesprochen. — Wieviel Eide um eine Kleinigkeit I
Magdeburg, 8. Aug. Vor dem Gericht des hiesigen Bezirkskommandos kam der Fall des Rechtsanwalts Dr. Schmidt zur öffentlichen Verhandlung. Sie endete nach 2 */, ■ stündiger Dauer mit der Vertirteilimg des der Beleidigimg an- geklagten Rechtsanwalts zuzehnTagengelindenArrestes. Der Tatbestand ist unseren Lesern befannt In seiner verantwortlichen Vernehmung erklärt Dr. Schmidt zunächst, daß er auf dem rechtlichen Standpunkt stehe, wegen seiner Beschwerdeschrift nicht von der Militärbehörde, sondern nur vom bürgerlichen Gericht zur Veraiitwortung gezogen zu werden können. Er habe damals, als ihm seine ganze unwillkürliche, rein reflektorische Bewegung (das Naseiifchneuzen) die Arre ft strafe e i n t r u g, die Ansicht gehabt, die Strafe zit unrecht zu erleiden; ihr Vollzug habe ihn dann körperlich und geistig völlig aus dem Gleichgewicht gebracht, und fo sei er zu der starken Kritik gekommen. Der Strasantrag des Anklägers lautet auf 14 Tage gelinden Arrest.
Politische Tagesschau.
Dec Hausbesitzertag
hat soeben in Eisenach seine Beratungen geschlossen. Haus- besitzerversamnrlungen erfreuen sich der Beachtung der Öffentlichkeit. Entweder man ist selbst Hausbesitzer oder man interessiert sich als Mieter für die Klagen des „Wirtes". Geklagt haben die Hausbesitzer auch diesmal in lautesten Tönen. Die Steuerbelaftung wurde als ganz enorm, kaum noch erschwinglich hingestellt. Beim Mieter, der sich „für den Wirt quälen muß", rufen solche Beschwerden vielfach alles andere denn Mitgefühl hervor, eher etwas wie Schadenfreude. Geschieht den Hausbesitzern schon recht! Denen kann nicht genug aufgepackt werden; sie haben es dazu und streichen nncheloK Gewinn ein! Das ist nun eine sehr einseitige Auffassung. Wenn eine Umfrage veranstaltet würde unter den deutschen Hausbesitzern, ob sie sich nur einigermaßen wohl fühlen in ihrer „Würbe" und in ihrem „Gewinneinstreichen", wir glauben, das Ergebnis würde den Aufschluß liefern, daß drei Viertel der Hausbesitzer keinen lebhafteren Wunsch haben, als bas Geld wiederzubekommen, das sie in ein Haus hineingesteckt haben, um fortan sorgenfreier als Mieter zu wohnen. Ein kleiner Gewerbetreibender benutzt die Ersparnisse eines mühseligen Lebens dazu, durch Hauskauf einen höheren Zinsertrag zu erzielen. Ein einziger Mietausfall, und der Ueberschuß ist dahin. Nun beginnt das Elend; Hypotheken und Abgaben müssen pünktlich bezahlt werden. Quält sich der Vtteter für den Wirt, so quält sich erst recht der Hausbesitzer für den Staat, die Gemeinde und die Hypothekenbriefinhaber. „Hausbesitzer sollst du werden!" so lautet eine schreckliche Verwünschung in einer Posse. Aber dieser Witz hat einen ernsten Hintergrund.
Mit besonderer Eindringlichkeit und Schärfe wendete sich der Hausbesitzertag gegen die Wertzuwachs st euer, die schon in mehreren Städten eingeführt und auch in Berlin in Vorschlag gebracht ist. Der Gedanke einer Besteuerung des „mühelos erzielten Gewinnes" hat ja, wie wir wiederholt an dieser Stelle aus führten, viel Verlockendes; man denkt dabei an den manchmal kolossalen Verdienst von Terrainspekulanten. Doch kann man den Rednern des Hausbesitzertages nicht ganz Unrecht geben, wenn sie fragten: Warum soll .nicht jeder andere „unverdiente" Gewinn ebenso besteuert werden, beispielsweise der Gewinn bei glücklichen Spekulationen in Wert-Pa- preren? Auf die Mieter läßt sich die Wertzuwachssteuer zum Glück nicht abwälzen, wohl aber auf den Käufer des Grundstücks, indem die Steuer einfach auf den .Verkaufspreis geschlagen wird.
Der 29. Deutsche Fleischer-Berbaudstag
zu Königsberg hat im weiteren Verlauf seiner Verhandlungen beschlossen, dahin zu wirken, daß die aus Rußland eingeführten Schweine nur an Jnnungsmeifter verteilt werden. Er nahm ferner Stellung gegen die von agrarischer Seite angestrebte Einführung des S ch l u ßf ch e i n z w a n g e s auf den Sch l a ch t- viehmärkten, er stellte die Forderung auf, das Schlachten von Kälbern unter 14Tagenzuuntersagen, wünschte die Einführung einer Kennzeichnung der zu Verkauf gestellten Schweine zur Feststellung ihrer Herkunft und die Einführung von Schweinekörungsbestimmungen zur Verbesserung der zur Zeit sehr entarteten Schweinezucht und überwies dem Vorstand Material im Interesse der Bestrebungen, d i e Kosten der Schlachthäuser als Einrichtungen von allgemeinem kommunalen Interesse den Kommunen zur Last zu legen. Er sprach sich außerdem sehr entschieden gegen die Einführung des Schußapparates bei deuSchlacht- un g en aus.
Dann verhandelte der Verband in sehr eingehender Weise über das Revisionsbedürfnis der Fleischbeschau- gefefcgebung. Es wurden unter anderem folgende Forderungen aufgestellt: Ausdehnung der obligatorischen Fleischbeschau, Uebernahme der Kosten der obligatorischen Fleischbeschau auf Staat und Gemeinde, Aufhebung bezw. Erschwerung des kleinen Grenzverkehrs, Vereinfachung des Beschwerdeverfahrens und Einführung der Deklarationspflicht für ausländische Fleischfabrikate, Schmalz und Fett. Angeiwmmen wurde ferner noch ein Antrag, die Grundlagen für die Statistik der Fleischpreise nicht durch die Polizei, sondern durch die Innungen feststellen zu lassen. Im nächsten Jahre wird eine internationale Tagung, verbunden mit großer Ausstellung in Hamburg stattfinden.
Jahresbericht des Gießener Tierschutzvereins für das Jahr 1905/06.
Der Ausschuß hielt am 4. Juli, 81. Oktober, 15. Dezember und 25. Mai Sitzungen ab. Daran nahmen durchschnittlich 40,26 Prozent der Milglieder teil. Herr Lehrer t P. Eifert schied im Laufe des Jahres aus dem Ausschuß aus. Seinen Wegzug nach Frankfurt a. M. bedauern wir umsomehr, weil er selten fehlte und sich stets rege an den Erörterungen beteiligte. Herr Oktroierheber Koloff, ein scharier Beobachter der Vogelwelt und großer Tierfreund, wurde in den Ausschuß gewählt.
Am Anfang des Jahres 1905/06 betrug die Mitgliederzahl unseres Vereins 461. Während des Jahres zogen zwei Mitglieder weg und sechs traten aus, sodaß der Verein am Ende des Jahres nur noch 453 Mitglieder hatte.
hochherzigen Gebern sagen wir aufrichttgen Dank.
An: 25. Mai legte Herr Wolfs die Rechnung vor, die in Einnahme mit 1910.17 Mk., in Ausgabe mit 1906.03 Mk. abschloß und einen Vermögensbestand von 3162.74 Mk. aufwies. Nachdem die Herren Hauptlehrer Krauß und Lehrer Fritzel die Rechnung geprüft und richtig befunden hatten, Rechner Entlastung erteilt.
Vermischte».
* Opfer der Serge. Zwei Wiener Gymnasiasten unternahmen am 30. Juli eine Da ch st ein Partie. Seither sind beide verschollen. — Der Oberlehrer Paul Groß aus Roßwein in Sachsen brach bei einer Tour über den Seekofel unweit Schludepbach infolge von Ueber- anstrengung zusammen und starb alsbald.
* Ein seltsamer Mißgriff der Brüsseler Polizei. In einer Zuschrift an das „B. T." berichtet ein Herr Pulvermacher, Kaufmann aus Berlin, von einem Vorfall, der sich in Brüssel ereignete. Als er dort mit einer Dame über die Straße schritt, wurde er von einem Kriminalbeamten mit der Begründung, er sei der Raubmörder Köhler aus Düsseldorf, verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Seine Begleiterin erlitt dasselbe Schicksal, da sie die Geliebte Köhlers Namens Lange sein sollte. Trotz aller Legitimationspapiere und trotz des lebhaftesten Protestes mußten die beiden sechs Tage im Gefängnis bleiben, bis sie an die deutsche Grenze abgeliefert wurden, wo sie von deutschen Beamten, denen sie sich legitimierten, freigelassen wurden. Bemerkenswert ist, daß der deutsche Konsul in Brüssel, der sofort von Pulvermacher benachrichtigt wurde, sich um die ganze Angelegenheit nicht kümmerte. Die Sache ist um so haarsträubender, als der Raubmörder Köhler schon vor 14 Tagen verhaftet wurde.
* Vom Untergang des Auswandererdampfers „Sirio". Ein Taucher, der mit der Untersuchung des gesunkenen Dampfers beauftragt ist, erzählte, er habe im Schiffe etwa 7 0 Leichen gezählt. Er habe sich durch die Leichen einen Weg gebahnt, um an die Schiffskasse zu gelangen, die er aber wegen ihrer Schwere nicht habe zutage fördern können. Das Schiff liegt zwischen zwei Felsen eingeklemmt und wird mit Dynamit gesprengt werden müssen.
»KleineTageschronik Bei einer Feuersbrunst in einem Hause Mühlenstr. 6/7 zu Berlin, in welchem sich das portugiesische Generalkonsulat unb die Spritfabrik Eisenmann befinden, verbrannten zwei Personen, eine wurde schwer verletzt. — Das Motorboot „Kaiser Wilhelm II/ geriet auf offener See zwischen Swinemünde unb Ahlbeck in Brand. Die 30 Passagiere würben noch im letzten Augenblicke von der Besatzung des Motorbootes „Cormoran- in Sicherheit gebracht. Ohne das zufällige Dazukommeu des „Cormoran" wäre ein unabsehbares Unglück unvermeidlich gewesen. — Am 8. ds. Mts. erlitt der Husarenoffizier Gras P o n i n s k i aus Wreschen zwischen Mechnutsch und Rockbitek im Kreise Birnbaum einen schweren Automob i l u n f a 11. Der Graf wurde herauSgeschleudert und trug schwere Schädelverletzungen davon. Der Chauffeur blieb unverletzt.
Jesus unb seine Schüler sind in den Tempel eingetreten und dort einem Pharisäer begegnet, der sie schilt, weil sie es unterlassen haben, einige vorgeschriebene Zeremonien der Waschung vorzunehmen. Jesus fragt den Pharisäer, was für Waschungen er vollzogen hat, und die Antwort beschreibt aufs genaueste die Zeremonien. Diese Beschreibung ist deshalb von voher Wichtigkeit, weil feine andere bekannte Quelle Einzelheiten wie hier der Pharisäer überliefert. Dann folgt eine wortgewaltige, hinreißende Rede Jesu, in der er die rein äußerliche Reinigung verdammt. Er sagt, daß er und seine Schuler mit „lebendigem Wasser" ober „Wa s se r d e s L e b e n s" g e - reinigt seien. Eine andere Tatsache, die sich in dem Fragment findet ist die erste Erwähnung eines Tempels, der Hagneuterivn genannt wird oder Ort der Reinigung. Oxyrhynchos, die Fundstätte hatte einst Klöster, die von 4000 Mönchen bewohnt wurden, und Grensell und Hunt haben in Erdhügeln gegraben, m denen sich die Trümmerhaufen der Klosterstadt fanden.
— Thoma-Ausstellung in Frankfurt a. M. Im Frankfurter Kunstverein (an der Junghvsstraße) ist in bieicn Tagen eine Sonderausstellung von Werken Hans Thomas eröffnet worden, welche die schöuilen Gemälde des Meuters aus Frankfurter und auswärtigem Privatbesitz vereinigt, Werte aus allen Schaffensperioden des Künstlers von 1866—190o bringt und mit im ganzen 110. Nummern die größte unb. umfassendste
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