Ausgabe 
10.7.1906 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt

Nr. 159

Dienstag 10. Juli 1906

Eiche«: Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für Len Kreis Eichen.

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Prosramme frei.

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onSarbeiten wird die eiteres für den Fuhr.

in einem ds. Mts. Windhuk

156. Jahrgang

Rotationsdruck und Verlag der Srühl'sch« Unwersitätsdruckeret. R. Sange. Gietz«.

Redaktion. Expedition «.Druckerei: Schulstr.K.

Tel. Rr. 61. Telegr.-Adr. r Anzeiger Gieß«.

nd Fett, «anzugreifen, i, Marmor, etc. und Haus.

MN.

Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise nm 9. Im 1906.

»erall erblich*-

Politische Lagesschan.

Das Abkommen über Abessynien.

Wie dieNordd. Allg. Ztg." hört, hat die italienische Regierung von dem Inhalt des zwischen Italien, England und Frankreich verhandelten Abkommens über Abessynien in Berlin vertraulich Kenntnis gegeben.

Man wird in dieser Kenntnisgabe nicht einen besonderen Akt der Freundschaft des verbündeten Italien zu erblicken brauchen. Selbstverständlich erfolgte sie mit ausdrücklicher Billigung der beiden anderen an dem Abkommen beteiligten Mächte. Es ist auch anzunehmen, daß nicht Deutschland allein des Vorzugs der vertraulichen Mitteilung gewürdigt wurde. So mag Frankreich es übernommen haben, das ver- bündete Rußland zu verständigen, England, die Vereinigten Staaten zu unterrichten.

Deutschlands Interessen in Abessynien sind rein wirt­schaftlicher Art. Zur Förderung dieser Interessen ist der Handelsvertrag mit Abessynien abgeschlossen, der die Geneh­migung des Reichstags gefunden hat. Der Inhalt des Ab­kommens dürfte demgemäß im Auswärtigen Amt in erster Reihe daraufhin geprüft werden, ob überall der Grundsatz deroffenen Tür" beobachtet ist, d. h. ob Deutschland nicht Irgendwie in seiner Handelsfreiheit beeinträchtigt ist. Ter

Erscheint EgNch mit Ausnahme des Sonntags.

Die ..Girhener Zamlllenblätter" werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Ölfische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Kammer der Standesherren als Termin für das treten des Gesetzes den 1. Dezember.

*

Oberst v. Deimling.

Rach telegraphischer.Nachricht ist, wie wir heute Berliner Blatte lxsen, Oberst v. Deimling am 6. in Swakopmund eingetroffen und hat sich nach

Das Reinmachen.

H. Berlin, 9. Juli.

In der Kolonialabteilung des Ausw. Amtes ist große Auskehr. Es war notwendig, daß reiner Tisch ge­macht wurde. In der Wilhelmstraße 62, imKohlamt", wie man die Kolonialabteilung nicht ganz mit Unrecht nannte, waren die Verhältnisse faul. Sie ,varen es schon, als Dr. Karl Peters Zuträgereien zum Opfer fiel. Jetzt kamen die sogen. Enthüllungen über den Fall Putt kam er, und die haben dem Faß den Boden ausgestoßen. Man tat wenigstens so. Denn im Grunde liegt der Anlaß zu dem Revierement anderswo.

Man hat anscheinend oben eingesehen, was für Merk­würdigkeiten im Kolonialamt verübt wurden. Die Angriffe des Abg. Erzberger, obzwar sie durchaus nicht alle gerecht­fertigt waren, haben im Verein mit Aufdeckungen von konser­vativer Seite bewirkt, daß man sich die Dinge im Kolonial­amt genauer besah. Es waren zwar keine Gesetzwidrigkeiten vorgekommen, und strafrechtlich verfolgbare Korruption, wie sie Erzberger beinahe zum Vorwurf machte, ließ sich nicht nachweisen. Aber es gab andere Dinge.

Es ist in der Kolonialabteilung ein merkwürdiges Be.-- günstigungssystem getrieben worden, ein System, das fast amerikanisch anmutet. VonEnthüllungen" Erzbcrgers wollen wir hier nicht reden, sondern nur zweier Fälle ge­denken, die bezeichnend sind für dieses sonderbare System. Da ist einmal die Swakopmunder Hafengeschichte, die noch immer nicht völlig aufgeklärt ist. War es not­wendig, daß die Wörmannlinie ungezählte Millio­nen an Wartegeldern in die Tasche steckte? Wie steht es denn mit der Mole, von der man schon lange nichts mehr gehört hat? Es wird offen behauptet, daß die Firma Wör­mann seltsam begünstigt wurde. Der persönlichen Ehre der im Kolonialamt dafür verantwortlichen Leute wollen wir jedoch keineswegs nahetreten.

Dann die Affäre Tippelskirch. Gewiß hat sich heraus­gestellt, daß Herr v. Podbielski mit der Firma nichts zu tun hat, und einige Redakteure haben wegen vorlaiiter Be- hariptungen brummen müssen. Aber die Tatsache wurde dainit nicht aus der Welt geschafft, daß die Firnia Tippelskirch auch durch das Kolonialamt eigenartig begünstigt wurde. Mag sein, daß die Firma Tippelskirch diese Begünstigung, die sachlich keineswegs gerechtfertigt erscheint, nur ihren guten Beziehungen verdankte, doch durch die Bevorzugung wurden die Offiziere der Schutztruppe geschädigt, die sich teuer und schlecht equipieren mußten. Hoffentlich fliegt nun mit den Beamten auch dieses alte Systein aus dem Kolonialamt hinaus.

Das deutsche Volk laboriert durchaus nicht an einem über­mäßigen Vertrauen in unsere Kolonialpolitik. Nun zeigt es sich zu allem Unglück in den Kolonien selber auch noch, daß nicht nur Beamte im Außendienst sich ihre Westen nicht völlig weiß bewahren, sondern daß man auch am grünen Tisch nicht über jeden Tadel erhaben ist. Da darf man sich nicht wundern, wenn etwa die Volksvertretung die Nachtragsetats, die in ungezählter Reihe aufmarschierten und aufmarschieren werden, sich genauer ansieht, und den Daumen auf den Beutel hält, solange nicht Garantien dafür geboten werden, daß es im Kolonialamt anders zugeht. Den Schaden tragen dann die Kolonien und den Schaden trägt das deutsche Volk, das ungezählte Millionen hinausgeworfen hat für Schutz­gebiete, deren endliche Rentabilität dann gerade durch die vorsichtige Sparsamkeit noch weiter hinausgeschoben wird. Fürst Bülow scheint ja die löbliche Absicht zu haben, völlig reinen Tisch zu machen. Man wird aber auch gut tun, sich die Verträge, die das Kolonialamt bisher abgeschlossen hat, ganz genau anzusehen, vielleicht ist auch da noch Remedur zu schaffen!

Erbprinz Hohenlohe, den manche Leute nicht auf dem Posten des Staatssekretärs des Neichskolonialamts haben ivollen, ivird sich durch wackere Mitarbeit bei dem großen Reiiimachen ein Verdienst erwerben können. Wir hoffen, daß man in Zukunft zu dem Beamtenkörper der Kolonialabteilung des Auswärtigen 2(mt§ mehr Vertrauen haben kann, als es der bisherige verdiente. Wechselt aber nur der Faden, nicht die Nummer, dann wird der Reichstag es sich überlegen müssen, ob man das Kolonial­amt selbständig machen kann oder nicht. Zu einem selb­ständigen Reichsamt muß man unbedingtes Vertrauen haben können.

zweite Gesichtspiuikt ist, ob der Vertrag die Unabhängigkeit und Unverletzlichkeit Abessyniens zur Grundlage hat, denn nur unter dieser Vorbedingung können die Ausländer auf wirtschaftliche Gleichberechtigung rechnen. DieNordd. Allg. Ztg." bemerkt nichts über die Aufnahme der vertraulichen Kenntnisnahme des Abkommens in Berlin, das würde auch nicht dem diplomatischen Herkommen entsprechen; immerhin wird zu erwarten sein, daß demnächst durch anderweitige halbamtliche Verlautbarungen die Stellung Deiitschlands zu dem Abkommen gekennzeichnet wird.

Wir glauben nicht, daß Deutschland Anlaß 511 einem Einspruch findet. Daß die Nachbarstaaten Abessyniens be­sondere Interessen haben, daß Frankreich das erste Recht auf den Bau der abessynischen Eisenbahn von Addis-Abeba nach Dschibuti besitzt, das stand von vornherein fest. Zu einem ungünstigen Schluß gelangt dieTägl. Rundsch.", indem sie u. a. schreibt:

Obwohl der Vertrag den Grundsatz der offenen Tür aufrecht erhält, werden doch alle außerhalb dieses Vertrages fteljcnben Machte benachteiligt sein .... Die von Frankreich an England und Italien voraussichtlich gemachten Einräumungen in Bezug auf den Güterverkehr bedeuten jedenfalls eine große Schädigung unserer Handels: n ter essen, vor der und unser Handels­vertrag schwerlich bewahren wird."

Wir sehen nicht so düster in die Zukunft. Man inüßte die Einräumilngen genau kennen, um danach den Nachteil einigermaßen zutreffend schätzen zu können. Die Ocffentlich- keit wird jedoch zu dieser Prüfung vorläufig keine Gelegenheit erhalten, weil es sich eben um den einen nicht ziir Veröffent­lichung bestimmten Vertrag handelt. Wie gewöhnlich, bleibt übrigens auch diesmal die Verdächtigung nicht aus, daß Deutschland versuchen werde, auf Umwegen die Bestrebungen der Vertragsmächte zu vereiteln. Ein Londoner Morgen­blatt welches, wird nicht gesagt in einer Depesche des Berl. Tagebl." gewährt einer aus Paris kommenden Andeutung Aufnahme, daß das Abkommen beim Negus Menelik auf Widerstand stoßen könne: die Gemahlin des Negus stehe notorisch unter deutschem und tür­kst schem Einfluß. Nachgerade wird die Manic, überall deutsche Jntriguen zu wittern, dumm und lächerlich. Deutschland hat zwar nicht nötig, wie König Eduard, Italien 311 dem neuen Resultat der englisch-französisch-italienischen Freundschaft zu beglückwünschen. Aber Deutschland braucht

19.

onsarbeiten wird die iuf Weiteres für den

ebensowenig zu erregen.Legts zu dem Uebrigen.

Auf bequeme

zur Besprechung mit dem Gouverneur v. Lindequist be­geben. Er beabsichtigt, demnächst über Lüderitzbucht nach Keetmanshoop zu gehen, wo er voraussichtlich Ende dieses Monats eintreffen wird.

Es muß sich demnächst erkennen lassen, ob das Ein­treffen des neuen Kommandanten der südwestafrikanischen Schutztruppe an Ort und Stelle Aenderungen der Situation auf dem Kriegsschauplätze im Gefolge hat. Die militärische Tüchtigkeit des im Parlament entgleisten Offiziers ist an­erkannt. Er hat den Hottentotten unter Morenga s. Zt. die ärgste 9Heberlagc des ganzen bisherigen Feldzuges bereitet. Das Meisterstück aber harrt seiner jetzt. Morenga ist zwar unschädlich gemacht, nach seiner einem englischen Journalisten am Orangefluß gegebenen Erklärung jedoch wollen die Hottentotten nicht eher von der Feindseligkeit gegen die Deutschen abstehen, bis der letzte kampffähige Eingeborene getütet, ober bis Südwestasrika englisch geworden sei. Eine bezeichnende Alternative, deren zweiter Teil natür­lich hinfällig ist und bleibt. Oberst v. Deimling muß also sein Bestreben darauf richten, die Hottentotten kampfunfähig zu machen. Je schneller ihm das gelingt, umsomehr schwindet die Möglichkeit eines Ausstandes der Ooambos, denen portu­giesische Händler reichlich Waffen und Munition geliefert haben.

e4u^ng Lvs Leu >tguLrsünrlsreyif.eru der Sifibt Gieheu.

Aufgebote.

Am 29. Juni. Artur Drenuß, Kaufmann dahier mit Meta Salomon hierfetbst. Karl Wölfel, Vizefeldwebel dahier mit Katharine Wöll in Brauerfchwend. Ain 2. Juli. Heinrich Müller, Musketier dahier mit Marie Katharine Lindenstruth in Beuern. Am 3. Juli. Emil Kinrpel, Metzger dahier mit Elisabeth«: Lepper hierfelbst. Wilhelm Hennings, Ingenieur in Solingen mit Ottilie Gelhar dahier. Am 4. Juli. August Kübel, Prokiirist dahier mit Marie Teipel hierfelbst. 21m 5. Juli. Ludwig Weber, Oberlehrer dahier mit Karoline Ottens hierfelbst.

Eheschließungen.

Am 30. Juni. Friedrich Oswald Fritzsche, Sattler und Tapezier dahier mit Elisabethe Rispel hierfelbst. Tobias Heck, Erdarbeiter dahier mit Elisabethe Größer hierfelbst. Karls Melius, Kutscher dahier mit Llfette TLetzter hierfelbst. Ludwig Muller, Vieh- treiber dahier mit Elisabethe Pfeiffer hierfelbst. Jakob Ruppert III., Uhrmacher in Ober-Ingelheim mit Lisette Adolstne Kreuler dahier.

Geborene.

Am 23. Juni. Dem Bauschlosser Ernst Töpfer eine Tochter. 2(111 24. Juni. Tein Schneider Heinrich Kasper eine Tochter, Marie. Am 26. Juni. Dem Diener Heinrich Henn ein Sohn. Dem Weißbiuderineister Konrad Dürr eine Tochter, Elise Sophie Margarete. Am 27. Juni. Dem Kaufmann Robert Hasse ein Sohn. Dem Taglöhner Friedrich Ernst Schiffner eine Tochter, Katharine Luise. Dem Schlosser Joh. Konr. Wenderoth ein Sohn, Justus. Ain 28. Jiini. Dem Kaufmann Carl Lang eine Tochter, Johanna Anna Elisabeth Marie Luise. Dem Tapezier und Dekorateur Christian Arnold eine Tochter. Ain 29. Juni. Dem Steiger Friedrich Karl Appel em Sohn. Dein Bauunternehmer Wilhelm Seipp III. eine Tochter. Tein Gärtner Gustav Witt- mann ein Sohn, Arthur Friedrich. Am 30. Juni. Tem Kaufmann Karl Sauerwein ein Sohu, Oswald Karl. Am l.Juli. Dem Fuß­gendarmen Philipp Mathes eine Tochter, Luise. Am 5. Jnli. Dem Fuhrmann Johann -Georg (Sinter eine Tochter, Anna.

Gestorbene.

Am 28. Juni. Hasse, noch ohne Vornamen, 8 Stunden alt, Sohn des Kaufmanns Robert Hasse dahier. Am 29. Juni. Wilhelm Kuhlmann, 55 Jahre alt, Invalide dahier. Johann Georg Spaar, 62 Jahre alt, BremserZ. P. dahier.^Am 30. Juni. Auguste Johanna Donau, 3 9)lte. alt, Tochter des Schreiners Albert Donau dahier. Hermann Otto Will, 16 Tage alt, Sohn des Prokuristen HerntannWill dahier. Ami.Juli. Philippine Habenicht, 78Jahre alt, Rentnerin dahier. Am 5. Juli. Margarete Schwan, geb. Moder, 87 Jahre alt, Witwe des Messerschmieds Ludwig Schwan dahier.

......... RtielDlSCDCS - - ' -

Technikum Bingen

Handel Nir- Oevkehr, Volkswirtschaft.

Märkte.

Gieße», 10. Juli. 'Marktbericht. 2(uf heutigem Woebenmarkte kosteten: Butter pr. Pfd. 1.101.20 Mk., Hühnereier 1 St. 67 Vfg., 2 Stcf. 0000 Vfg., Gänfeeier 0000 Pfg., Enteneier 7 Pfg., Käse pr. Stck. 68 Pf., Kasematte 2 Stck. 56 Pfg. Erbsen p. Pfund 22 Pfg., Linsen p. Pfund 32 Pfg., Taubenpr.Paar0,80-1,00 Alk., Hühner pr.St. 1,001,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1,802,20 Alk., Gänse pr. Pfd. 0000 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfd. 7684 Pfg., Kill;- und Rindfleisch pr. Pfund 7072 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 8094 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 8084 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 60 Pfg. Welsche per PftntdKartoffeln pr. 100 Kg. 6,000,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,008,00 Alk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Pfund 00 bis 00 Pfg., in Körben 00 Pfg., Nüsse 100 Stück 5000 Pfg., Brrnen per Pfd. Mk. 0.000.00, Kirschen per Pfd. 3040 Pfg., Weißkraut per Stück 00 Pfg., per Zentner Alk. 0.000.00. Marktzelt 71 Uhr.

Die württembergische Verfassungsresorm unter Dach!

Aus Stuttgart wird unterm 9. d. M. geschrieben:

Dreimal hat nun die wurtt. Abgeordnetenkammer die Verfassungsvorlage durchberaten und angenommen, drei­mal in Gemäßheit der abweichenden Beschlüsse der Kammer der Standesherren in einer veränderten Ge­stalt. Doch nach der einstimmigen Annahme des Entwurfs durch die erste Kammer am heutigen Montag ist die Ver- sassungsreform endgültig erledigt. Im letzten Augenblick freilich schien die ganze Reform noch scheitern zu wollen, und zwar an einer im Grunde nebensächlichen Bestimmung. Es handelte sich darum, ob den beruf» ständischen Vertretern (Handel, Industrie, Hand­werk, Landwirtschaft) acht oder nur fünf Vertreter zuge­standen werden sollten. Die Standesherren hatten die von der Abgeordnetenkammer beschlossenen acht Vertreter auf fünf herabgesetzt, worauf die Kommission der Abgeordneten­kammer auf ihren acht Vertretern beharrte unter Zustimm­ung der vorläufig noch in der Abgeordnetenkammer sitzen­den Vertreter des ritterschaftlichen Adels, die die acht Ver­treter der Berufsstände als eonditio sine qua non be­zeichneten.

Merkwürdigerweise sanden nun die Standesherren Bundesgenossen bei den Sozialdemokraten, welche erklärten, gegen die ganze Reform zu stimmen, wenn die Berufstände acht statt fünf Vertreter erhielten. Die Motive sind natürlich bei Sozialdemokratie und Standes­herren sehr verschieden. Die Standesherren wollen durch die stärkere berufständische Vertretung den feudalen Einfluß nicht noch mehr herabgedrückt sehen, die Sozialdemokraten gönnen der Bourgeoisie die Vertretung nicht. Bon ausschlag­gebendem Einfluß war schließlich ein imSchwab. Merkur" erschienener Artikel, in dem in letzter Stunde von standes- herrlicher Seite dargelegt wurde, der Antrag auf Herab­setzung von acht auf fünf berufständische Vertreter sei durch­aus ernst gemeint und für die standesherrliche Zustimmung tatsächlich conditio sine qua non. Unter diesen Umständen strich zunächst die Demokratie die Segel und brachte auch dieses Opfer zu den vielen, die sie während der Versassungskampagne schon gebracht hat, und auch von den Standesherren willigte die Mehrheit in dieses neue Zugeständnis an die erste Kammer. So gelangte heute der ganze Entwurf mit 63 gegen 21 Stimmen zur Annahme. M Nein stimmten das Zentrum und zwei Mitglieder der Ritterschaft. Ein Abgeordneter enthielt sich seiner Stimme. Das Ergebnis wurde mit großem Beifall aufgenommen. Es bedeutet das Ende des sün zigjährigen Ver­fassungskampfes, der schon so viele Enttäuschungen gebracht hat. Oder sagen wir lieber: das vorläufige Ende! Denn die jetzt zur Verabschiedung gelangende Ver­fassung wurde mit so viel Opfern der Ueberzeug- ung erkämpft, daß wohl in nicht allzu ferner Zeit hier und dort wieder die Hebel angesetzt werden dürsten zu allerlei Verbesserungen, die sich als notwendig erweisen werden. Mer vorläufig bedeutet die 2lnnahme der Ver- fassungsresorm doch einen fröhlichen Sieg über die Reak­tion, deren Führer, der Reichstagsabg. Gröber, noch zu Beginn der letzten Kmnpstsepoche den Freunden der Re­form den Handschuh hinwarf mit den hochmütigen Worten: Machen Sie doch die Reform ohne uns, wenn Sie können !" Nun, die Reform ist gemacht. Württemberg hat seine reine Volkskammer und cme zeitgemäß refor­mierte erste Kammer. Und darüber herrscht in Würt­temberg eine aufrichtige Freude.

Die Kammer der Abgeordneten bestimmte in ihrer Montag-Rachrntttagssttzung in Übereinstimmung mit der

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Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. Al.'

Fleischpreise in Gießen

Ochsen

Kalber Schweiue

50 Kg. Schlachtgewicht 8284 Alk.

7, Kg.Schlachtgew.96 100 Pf.

7- 74-00

7, Kg. 76-84 Pfg.

7, , 8084 , 7- 11 8086

Getreidepreise in Mannheim

Brotpreise in Gießen

Weizen 100 Kg. 19.20-00.00 Alk.

Roggen 100 Kg. 17.60-00.00 Mk.

Weißbrot 2 Kg. 54 Prg.

Schwarzbrot 2 Kg. 50 Pfg.