Ausgabe 
9.10.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 23r

Zweites Blatt 156. Jahrgang

Erscheint tLslich mit Ausnahme des Sonntags.

Die ^Sketzener §amllienb!atter"' werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beig-legt. Der E^eistsche Landwirt^' erscheint monatlich einmal.

Eichener Anzeiger

z. Oktober 1806

Rotationsdruck und Verlag bet vrühl'fche» UntverfilätSdruckerei. 3L Lange, Stehe«.

Redaktion, Expedition «.Druckerei: 8chulstr,U, Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Dietz««.

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Eine IiplomaLenreise.

Gestern kain die Dtcldnng, daß der Staatssekretär des Ausw., Frhr. v. Tschirschky, auf der Neise nach Wien und Rom sich befinde, und sofort knüpften daran mehrere Berliner Blätter allerhand politische Kombinationen. Tas offiziöse Burean aber bemerkte, daß die Reise keinerlei Be­deutung habe; wenn der Staatssekretär in Wien bei feinem dortigen Aufenthalte den Minister desAnSw., Grafen Golu- chowSky. besuche, dann sei das ein selbstverständlicher Akt der Löslichkeit.

Run wird aber die Reise des Staatssekretärs auch von österreichischen Blättern als politisches Ereignis behandelt, welche der Erörterung der Beziehungen beider Reiche zu Italien gelten soll. Demgegenüber erfährt nun heute wieder dieTägl. Rundschau", daß zu der Reise ein bestimmter politischer Anlaß überhaupt nicht vorliege, sondern rein per­sönliche Gründe. Dies schließe nicht aus, daß Herr v. Tschirschky auch mit den Leitern der österreichisch-ungari­schen Politik und besonders mit dem ihm persönlich bekannten Grafen Golnchowsky in Verkehr treten werde. Im Anschluß an den Aufenthalt in Oesterreich plane der Staatssekretär einen Besuch in Liorn, um dort mit den ihm noch nicht be­kannten Staatsinännern in persönliche Beziehung zu treten.

Also ist die Reise doch politisch. Und um so bemerkens­werter, als der Dreibundvertrag im> Jahre 1908 abläuft. Viel Zeit, um unsere Beziehungen mit Italien ins Reine zu bringen, ist nicht mehr vorhanden, denn die Kündigungsfrist der Tripelallianz ist in wenigen Monaten, nämlich am 1. Januar 1907, fällig. Zwar würde der Dreibund auto­matisch wciterlaufen, wenn er nicht während des nächsten Jahres von einem dec drei beteiligten Staaten gekündigt wird, aber man hat in der Berliner Wilhelm-Straße offenbar kein rechtes Vertrauen zu der Haltnng Italiens. Deshalb will man wohl bei Zeiten wissen, woran man ist, um nicht mit einem unsicheren Faktor rechnen zu müssen.

Wie aus gut unterrichteter Wiener Quelle verlautet, haben die beiden Kaisermächte indessen nicht'die Ab­sicht, sich mit einer Rekonstruktion des Allianz- Vertrages auf der alten Basis zu begnügen, sondern sie wollen eine Erweiterung, bezm. Ergänzung an- slreben. Es handelt sich'dabei vor allem, die Gegensätze an§- zugleichen, die zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn immer wieder Reibungen Hervorrufen und in einem seltsamen Gegen­sätze zu den verbrieften und besiegelten Freundschaftsbeziehiingen zivischen den Kabinetten von Wien und Rom stehen. Diese Unstimmigkeiten" rühren einerseits von der irredentistischen Propaganda in den italienischen Landesteilen Oesterreichs her, die von Italien aus gefördert wird, und anderseits sind es die Aspirationen des apenninischen Königsreiches auf dem Balkan, welche dort auf den Widerstand der traditionellen österreichischen Orientpolitik stoßen. Bei uns in Deutschland unterschätzt man die tiefgehenden Differenzen, welche zivischen unferen beiden Bundesgenossen stets von Reilem Unfrieden stiften. Tie heftigen Zusammenstöße zivischen Kroaten und Italienern, deren Schauplatz kürzlich Fiume und einige dal­matinische Küstenstädte waren, haben in Italien wieder viel böses Bliit gemacht, u>id das römische Kabinett sah sich sogar veranlaßt, im Wiener auswärtigen Amte eine beträchtlich hohe Schadenersatz-Rechnung einzureichen für die Verluste, welche in Fiume und Dalmatien angesiedelte Reichsitaliener bei den Krawallen an ihrevi Vermögen eingebüßt haben. Ferner ist es. höchst bemerkenswert für die gesamte Situation, daß die Habsburgische Monarchie seit einiger Zeit militärische Vorkehrllngen trifft, die sich unverkennbar gegen Italien richten, d. h. mindestens den Zweck verfolgen, die in früheren Jahren vernachlässigte Militär. Sicherung Süd­tirols, fowic der Küstenlande wieder herzustellen. Anders lassen sich die fortwährenden Truppcnverschiebungen nach diesen Provinzen nicht erklären. Aber auch Italien kon­zentriert die Hauptmacht seiner Streitkräfte in dem berühmten Festungsviercck in der Poe bene, wogegen -es an der französischen Grenze eine ganze Anzahl von Garnisonen aufgelassen hat. Und gestern kam die Nachricht, daß der italienische Marineminister eine Forderung von 120 Millionen Lire zur Erbauung einer neuen Schlachtschiffs division im nächsten Mimsterrat einbringen wird mit der Motivierung, daß Oesterreich ebenfalls die Schaffung einer neuen Schlacht- schlffsdivision beschlossen habe. Also em recht nettes Bundes­verhältnis, bei dem die beiden Freunde einander bis an die

Zähne gerüstet kampfbereit gegenüberstehen, anstatt Schulter an Schulter gegen einen dritten zu kämpfen!

Herr v. Tschirschky soll nun also wohl in Wien wie in Nom vorsichtig diese Dinge zur Sprache bringen. Wenn die Tripelallianz in Kraft bleiben soll, so muß zwischen Nom und Wien vollständige Klarheit geschaffen und das Trennende beseitigt werden. Der deutsche Staatssekretär soll wohl dafür sorgen, daß Oesterreich und Italien sich zu allerhand Ver- pstlchtungen gegen einander bequemen.

Des Dreibundes Ende würde nicht nur den Feinden Deutschlands einen neuen zugesellen, sondern auch über kurz ober lang zu einem Kriege zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien führen. Dagegen lassen sich bei einer Revision des Dreibundvertrages die Friedensbürgschaften nicht nur erhöhen, sondern auch die österreichisch-italienischen Gegensätze auf diplomatischem Wege schmerzlos beteiligen. So könnten bei­spielsweise die österreichischen Behörden die irredentistische Agitation spielend leicht unterdrücken, wenn sie nicht immer von Italien aus genährt werden würde. Auch auf dem Balkan ist für die beiden Mächte genug Ellbogen-Freiheit, aber man empfindet es in Wien peinlich, daß der Fürst von Montenegro, der Schwiegervater des Königs Viktor Emanuel, dem österreichischen Nachbar gegenüber eine Politik der Nadel­stiche verfolgt, und als Quartiermacher Italiens die in­teressanten Völkerschaften in Albanien nicht zur Ruhe kommen läßt. Gerade aber kleinliche Zänkereien pflegen am meisten zu erbittern und so erklärt sich die gereizte Stimmung, welche in dec Wiener Hofburg gegen den unangenehmen Bundes­genossen herrscht.

Aber die Diplomaten des Dreibundes müssen bei der Erneuerung des Dreibundes ganze und nicht halbe Arbeit leisten, denn? sonst würde nur das Eine erreicht werden, daß Italien sich zwar für eine weitere Reihe von Jahren als dritter Mann beim Skat festhalten ließe, im Spiele aber gegen die beiden anderen mogelte, soviel eS nur anginge. Ein unsicherer Bundesgenosse ist aber schlechter als gar keiner!

Kotlitische Tagesschau-

Ein Protest des Kaisers.

Die PragerVohemia" meldet:

Kaiser Wilhelm haße an den Fürsten Philipp Ernst Hohenlohe nach Schloß Podjebrad eine telegraphische Nachricht des Inhalts gerichtet, daß er von den Veröffent­lichungen, welche fein Verhältnis zum Fürsten B i s- marck und die Gründe für dessen Entlassung betreffen, Kenntnis erhalten Hube. DerKAjer bezeichnet es als eine grobe Taktlosigkeit, daß ohne seine Erlaubnis Ange­legenheiten, die seine Person betreffen und die unabseh­bare Konsequenzen nach sich ziehen könnten, ver­öffentlicht werden. Ter Kaiser spricht aus diesem Anlaß dem Prinzen den schärfsten Tadel aus.

Fürst Philipp Ernst, der ältere Bruder des Prinzen Alexander, Bezirtsprasidenten in Colmar, ermächtigte die Vohemia" zu der Mitteilung, daß er Kaiser Wilhelm daraufhin ein Telegramm folgenden Inhalts habe zu­gehen lassen: Er, Fürst Philipp, habe von der Art der Veröffentlichung der Memoiren des Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst gar nichts gewußt. Die Me­moiren seien Eigentum seines Bruders und würden von Professor Curt ins in Straßburg herausgegeben. Er selbst habe von ihrem Inhalt keine Kenntnis gehabt, auch auf "die Veröffentlichung feinen Einfluß genommen und überhaupt nichts davon gewußt. Es sei ihm wohl bekannt gewesen, daß die Veröffentlichung für spatere Zeit in Aus­sicht genommen war, er sei aber entrüstet darüber, daß gerade dieser Teil der Memoiren jetzt veröffentlicht würde, und müsse sagen, daß der Kaiser über diese Veröffent­lichung mit Recht ungehalt en sei.

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Deutsches Reich.

Danzig, 8. Oft. Dec Kaiser traf heute abend, von Kabinen kommend, in Langfuhr ein, nachdem er kurze Rast in Marienburg gemacht hatte, und nahm im Kasino des 1. Leibhusarenregimentes bas Souper ein. Gegen IO1/» Uhr erfolgte die Abfahrt nach Werbellinsee.

Berlin, 8. Oft. Wie dieNordd. Allg. Zig." hört, wirb sich der Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Freiherr v. Stengel, in den nächsten Tagen zum Vortrage beim Reichskanzler Fürsten Bülow nach Homburg begeben. Bei der Besprechung wirb es sich in erster Linie darum handeltt, wie der nächste Neichshau shalt unter Berück- irraMwuni-nsnwnealinTwr rramn i .......

sichtigung der militärischen Erfordernisse am zweck­mäßigsten zu gestalten ist. Der Unterredung wird voraus­sichtlich auch der Kriegsminister v. Einem beiwohnen.

Nach derLid. Korr." sollen die 60000 MarV, die Stöcker zu bekommen sucht, dazu dienen, sämtliche n i ch t s o z i a l b e m o k r a t i s ch e Arbeiterorganisationen im ganzen Reich unter der Flagge der christlichen 91 r- beitervereine zusarnmenzuschließen. Allenthalben im Lande sollen jetzt Sekretariate dec christlichen Arbeiter­vereine eingerichtet werden.

Hannover, 8. Okt. Unter dem NamenHannoversche b em o kr atisch e Vereinigung" bildete sich eine neue '4Bcl f cnpart ei. Ans Hannover und Umgegend meldeten bereits 2000 Personen dem Vorstand ihren Beitritt an.

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Berlin, 9. Oktober. Zu den Mitteilungen der Germania in Bezug auf die Anzeige gegen Dr. Kersting, den Bezirks-Hauptmann in Togo, schreibt die Freis. Ztg.: Wir sind in der Lage, die Richtigkeit dieser Angaben in vollem Umfange zu bestätigen. Gegen Wistuba wäre bis auf den heutigen Tag nicht das geringste unternommen worden. Trotzdem man ihn zuerst bestrafen und aus dem Kolonialdienst entlassen wollte, war man nachher sogar geneigt, Wistuba, um ihn nur zu beruhigen, zum Bezirks­amtmann zu befördern, wenn sich nicht herausgestellt hätte, daß er zu den bekannten Herrn Pöptau in Be­ziehungen stand und gleich diesen durch Vorstellungen an die Behörde eine Beseitigung der Mißstände in der Kolonial-Verwaltung erzielen wollte. Wie wir hören, beabsichtigen Wistuba und Pöplau nunmehr ihr gesamtes, in der Oeffenllichkeit noch lange nicht vollständig bekanntes Material, in Sonderheit auch sämtliche unerledigt ge­bliebenen Eingaben an den Reichskanzler, dem Reichstage auf dem Petitionswege zur Kenntnis und Uebcrprüfung zu unterbreiten. '

Russisches.

DieRuff. Korresp.", ein von revolutionären jungen Russen m Berlin herausgegebenes, unentgeltlich sämtlichen Zeitungen Deutschlands und Frankreichs zugehendes jour­nalistisches Unternehmen, von der wir bisher nur äußerst selten Gebrauch gemacht haben, da uns die Tendenz keines­wegs zusagt, brachte kürzlich einen längeren Artikel über die russischen Finanzen, dec behauptete, auf Grund eines Ge- beim?rpofee des russischen Finanzmini st ers Kok owzef f entstanden zu sein. Diesen Artikel veröffentlichte zuerst der PariserTeinps", und es schlossen sich daran allerhand Preßäußerungen. Vom offiziösen Nuss. Tel.-Bureau wurde dieser Artikel alsbald rektifiziert und alsmit Vorsicht zu behandeln" bezeichnet, aber doch nicht gänzlich dementiert, sondern im wesentlichen dahin kommentiert, daß der Finanz- minifter selbst die größte Vorsicht übe, und daß die Finanzen keineswegs schlecht stünden. Diese offiziöse Erklärung trug aber gerade dazu bei, daß dem trübseligen Exposee besondere Beachtung geschenkt wurde, und es werden jetzt umso un­günstigere Schlüsse gezogen auf die Fortdauer dec russischen Gold Valuta. Wenn allerdings Kokowzeff, der nicht leicht um Hilfsmittel verlegen wird, erklärt, baß ihn das Defizit von 15 5 Millionen Rubel der Ratlosigkeit nahebringe, dann erscheinen Bedenken hinsichtlich der Goldvaluta gerechtfertigt. Wir glauben aber aus zwei Gründen nicht an den Zusammen bruch dieses Rückgrats der russischen Finanz wirtschaft. Einmal haben sich in Sibirien während der beiden letzten Jahre bedeutende 9)1 engen Goldes angehäuft, die jetzt in das europäische Rußland abzuslrömen beginnen. Ferner ist es wohj zweifellos, daß die russifche Negierung' sich zu jedem Abstrich am Budget, namentlich bei den Aus­gaben für die Marine verstehen wirb, um die Gold­valuta zu retten, deren Preisgabe daS Zarenreich vollends um den internationalen Kredit bringen müßte. Darüber gibt sich wohl auch nicht Exz. Kokowzeff einer Täuschung hin. Eine 9luslassung in der neuesten Nummer der amtlichen Petersb. Handels- und Jndustrie-Ztg." trägt auch dazu bei, einige Beruhigung herbeizuführen.

In Kasan wurden auf den Vizegouverneur Ko- befe von einem Unbekannten zwei Bomben geschleudert, von denen eine den Vizegouvernenr leicht verwundete.

Ein Mausoleum

für das Groscherzogspaar Ludwig IV. uud Alice. _ . Nachdruck verboten.

In al.er Stille wird gegenwärtig in Darmstadt ein Werk der Vollendung. entgegen geführt, das Interesse und Bewunderung in den Kreisen der Kunst 'erregen dürste. Es ist das nach den eigenen Intentionen Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs erbaute neue Mauso­leum aus der Rosen höhe. Der Großherzog setzt damit, wohl im Verein mit seinen hohen Geschwistern, seinen Eltern, dem Großherzog Ludwig IV. und der Groß­herzogi.: Alice, ein unvergängliches Denkmal. Noch sieht es im Innern cd und leer ans, aber eine Reihe namhafter Künstler, Größen der Bildhauer- und Farbenkunst Italiens und /er Heimat, sind schon mit der Innenausstattung des Gewölbes beschäftigt, und man darf erwarten, daß hier Wahrhaft Bedeutendes entsteht, die Pläne und Skizzen lassen es vermuten.

Heber drei Jahre schon ist oas Mausoleum im Bau und nun ist dieser selbst vollendet. Rechts von dem zum Mausoleum sichre wen Hauptwege, inmitten hoher düsterer Tannen, hat es feinen Platz gesunden, versteckt fast, wird es erst sichtbar, wenn man sich immittelbax davor befindet. In schweren, wuchtigen Formen wächst es aus dem Boden. Das eigenartige Baumaterial mit [einer Mauen Färbung

macht schon jetzt den Eindruck ehrwürdigen Alters. Der Bau ist in der Form eines liegenden Meuzes gehalten. Tie Schnittfläche beider Kreuzesarme krönt ein turmartiger Ausbau, der, im Innern eine Halbkugel bildend, auf den Bogen der Arme ruht und ebenfalls mit dem Ziegeldache versehen ist. Die Bauten der Kreuzarme sind etwa öi/2 Meter, der Mittelbau ungesähr 8 Meter hoch. Das ganze Bauwerk ruht auf einem etwa 2 Meter hohen gemauerten Sockel, der außen mit Erde beige füllt wird, sodaß es den Anschein erweckt, als sei der Bau auf einen Hügel gestellt. Zum Eingang führt eine Freitreppe. Es ist ein außer­ordentlich hartes Gestein, Basaltlava, von grauer Farbe. Die Steine Werden von den Prcuß.-Hess. Basalt- Werken in Kesselbach und dem "Steinbruche Londorf bei Gießen geliefert. Die Pläne zu dem neuen Mausoleum hat Geh. Oberbaurat Hofmann entworfen, die Ausführung der Bauarbeiten liegt in den Händen des Architekten H. Müller.

Nach der Vollendung des Bauwerks werden die zurzeit im Mausoleum stehenden Särge des verewigten Groß­herzogspaares hierher übergeführt und in Grüften, die die beiden seitlichen Kreuzarme enthalten, versenkt. Prachtvolle Marmorsarkop'hage werden bfc letzten Ruhestätten dieses populärsten Fürstenpaares aus Hessens Tron krönen. Verde sind schon in Arbeit. Die Sarkophage Werden eben»

falls nach Entwürfen, die Se. Kgl. Hoheit im Verein mit ihm bekannten Künstlern feriigte, zum Teil von italienischen Künstlern ausgeführt. Beide werden die überlebensgroßen Figuren der hohen Toten tragen.

Die Figur des Grofiherzogs Ludwig IV. ist bereits vollendet, und zwar war sie eins der letzten Werke, die Professor Habich vor seinem Weggänge noch fertig» stellte. Die Gestalt Ludwigs IV. ist in weißem Marmor gehauen, sprechend lebenswahr dargestellt. In der Uniform seines Leibregiments ohne Kopfbedeckung, die Brust nur geschmückt mit dem Komturkreuz 1. Klasse des Verdienst­ordens mit Schwertern und mit dem breiten Ordens­band, die Hände über dem zwischen den Füßen liegenden hessischen Reitersäbel übereinandergeschlagen, scheint die Gestalt friedlich zu schlafen. Der weite Reiter­mantel, aus der Brust geöffnet, Der lange Kragen zu beiden Seiten in natürlichem Faltenwurf herab hängend, umschließt den Körper, der Pelzrragen ist hochgeschlagen und dient dem Haupt als Ruhekissen. Der Oberkörper liegt etwas erhöht, bie Erhöhung ist am Kopfende gestützt durch zwei trauernde und weihenbe Engelsfiguren. Ein Lorbeerreis durch den Sabelgrifs geschlungen, liegt aus der Brust des Schlafenden. Das Ganze ein Meisterwerk.