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9.4.1906 Erstes Blatt
 
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[er zerstört. Der gestern nachts in Ottajano gefallene Aschenregen bedeckt den Boden 30 Zentimeter Ijiodji DemMatttnv" zufolge ist Otta ja no in großer Gefahr. Der L a v a st r o m, der zwei Kilometer von Terzigno Sait gemacht tzLt, ist doppelt so stark geworden und hat auch an Schnellig­keit bedeutend Angenommen. Eine Anzahl neuer Krater bat sich gebildet. Besonders stark ist der Ausbruch des Hauptkraters. Bvscotrcca.se ist von Lava gänzlich einge- schlossen. Einige Einwohner sind leichtverletzt. Frauen imi> Kinder liegen vvr ihren Heiligen im Staube und bitten um Rettung.

Rcsina, 8. April. Der Direktor des Besnv-Obser­vatoriums' teilt mit: Der Ausbruch des Vesuvs hat einen außerordentlichen Umfang angenommen. Während des gestrigen Tages und der vergangenen Nacht war die Tätigkeit des MaterS schreckenerregend. Sie nimmt noch innrter zu. Die ganze Ilmgegend des Observatoriums ist von Lava bedeckt. Weiß- glühende Brocken tverden in ungeheurer Zahl bis zu 800, sogar biszutansendMeter in dieHöhegeschleu- dert und bilden, nachdem sie niedergefallen sind, einen großen K^gel. Andere Lava massen entströmen anscheinend einem Krater, dessen Lage noch nicht siäxer bestimmt ist. Das, mit den Aus­brüchen verbundene Getöse und der durch das Aufeinanderprafscln des herausgeschlcudcrten Gesteins verursachte Lärm ist be­täubend. Die Gebäude befinden sich in un aufhörli chcr, lebhafter Erschütterung. Die Apparate drohen entzwei zu gehen.

Rom, 8. April. Nach einer Meldung aus Portici ist das Besuv-Obscrvatvrium zerstört. Der Vulkanologe Pro­fessor Mattencci, die Angestellten des Observatoriums und die dort besindlichen Carabinieri hatten es noch rechtzeitig verlassen können. Auch der Vesuvführer ist gerettet. Die Eooksche V efit v- bahn ist vollständig von Lavamafsen überdeckt und zerstört. Torre Annunziata ist in großer Gefahr. Die Behörden haben verlangt, daß mehrere Spezial-Trambahnwagen herbcigeschafft wer­den zum Transport der Bevölkerung, die in voller Hast den Ort unter Mitnahme der wertvollsten Gegenstände verläßt.

Das Unglück von CourviLres und die französischen Ausstände.

Die Hoffnung, weitere Lebende zu finden, hat man jetzt o ufgegeben, wenn auch die Rettungsarbeiten immer noch fortgesetzt werden. Dagegen steht jetzt fest, daß eine große Anzahl der Verschüttetet: noch tagelang gelebt hat. Man hat nämlich in den Taschen der bis jetzt heraus­gebrachten Leichen keinerlei Eßwaren gefunden. Alles war herausgeholt und aufgezehrt, ferner waren fast alle Leichen angekleidet. Die Katastrophe erfolgte während der Arbeitszeit, wo die Arbeiter den Oberkörper entblößt haben. Sie haben sich also nach der Explosion angekleidet und sind in den Gängen umhergeirrt, nach einem Auswege suchend. Man schätzt die Zahl der Leute, die erst nach vielen Tagen gestorben sind, auf 600. Es wird in Bergwerkskreisen er­zählt, die meisten hätten sich zuletzt gegenseitig mit ihren Beilen erschlagen.

Der Kampf gegen das Feuer in den Gruben wird unter günstigen Umständen fortgesetzt; 11 Leichen wurden in der letzten Nacht aus Schacht 4 in Sallan-Mines zutage ge­fördert; 7 Tote wurden von den Mrgehörigen erkannt, wo­bei sich ei-schütternde Szenen ereigneten.

Ter Geruch, der sich aus den Särgen verbreitet, macht sich kilometerweit bemerkbar, und es nrüssen sehr umfassende hygienische Maßregeln getroffen werden. Aus den Särgen fließt eine flüssige Masse, welche die Gefahr einer Epidemie vergrößert. Ein drittes lebendes Pferd ist in den Gängen zwischen Schacht 3 und 4 entdeckt wvrden.

Ter zuletzt gerettete Bergmann Verton ist wiederhergestellt und hat gestern abend das Lazarett verlassen.

Die Lage im Ausstandsgebiet verschlimmert sich, da die Aufregung unter den Arbeitern immer größer wird. Es finden fortgesetzt Kundgebungen statt. V ier Dyn am it- titten täte sind gegen Eisenbahnen und Privatwohnungen verübt worden. Mangel an Kohlen macht sich sehr empsindlich fühlbar.

Arrs Stadt mafc Lsnd.

Gießen, 9. April 1906.

"Prinz undPrinzessinHeinrich von Preußen sind mit Gefolge und Dienerschaft heute morgen auf der Reise von Kiel nach Darmstadt hier durchgefahren und haben das vorher bestellte Frü h stück in der Bahnhofs-Restauration eingenommen.

* Erledigt sind: Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrcrstelle an der Gemeindeschule zu Helpers­hain. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Ihrem Inhaber kann eine Ortszulage bewilligt werden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstclle an der Gemeindeschule zu Gronau.

* Zur Lehrer-Gehaltsfrage. Jin Saale der Konkordia* in Frankfurt a. M. tagte arn Samstag nach­mittag eine Lehrer-Versammlung, die nach mehr als zweistündiger Erörterung folgende Entschließung faßte:

Die von rund 600 hessischen Lehrern besuchte Versammlung, die am 7. April in Frankiurt tagte, fordert die beiden Lehrer- Vereine des Großherzogtums Hessen auf ihre Eingaben um Re­gelung der Lehrerqehalte zurückzuziehen und durch neue zu ersetzen, loorin grundsätzliche Gleichstellung der Gehalte dec Lehrer mit den Subalternbeamten 1. Klaffe verlangt wird. Sollte diese nicht so­fort erreicht werden können, ist neben freier Wohnung ein Ge­halt von 1500 b i s 3300 Mark zu fordern, das in 27 Dienste jähren zu erreichen ist.

* Der Schluß der hessischen Lotterie. Die Ziehungstage der letzten 7. hessisch-thüringischen Staatslotterie sind nunmehr auf den 3., 4., 5., 7., 8., 9., 10., 11., 12., 14., 15., 16., 17., 19. Mai festgesetzt.

** Gießener Stadt t Heater. Am Sonittag abend wurde vor einem sehr gut besuchten Hause die dieswinter- liche Spielzeit unseres Stadttheaters geschlossen. Ge­geben wurde anstatt, wie angekündigt war, Hartlebens Rosenmontag" die ursprünglich für den Nachmittag vov- gesehene.pc im at" von Sudermann. Ein näheres Ein­gehen auf den Inhalt und die Darstellung des Stückes ist um deswillen nicht nötig, weil das interessante Drama erst kürzlich, gelegentttch der Benefizvorstellung für Frau Bayrhammcr, besprochen wurde. Die gestrige Mfführung verlief im allgemeinen recht gut und sämtliche Mitwirkende gaben sich ersichtlich Mühe, der diesjährigen Theatersaison zu einem würdigen Abschluß zu verhelfen. Das Publikum war hochbefriedigt und spendete den Darstellern lebhaften Beifall. Ter sehr viele Mitglieder des jetzigen Ensembles nnd) im nächsten Winter oem Verbände unseres Stadl­theaters angehören, ist anzunehmen, daß auch die nächste Spielperiode, die letzte im jetzigen Theatersaale, unter Herrn Direkror Steingötters umsichtiger Leitung einen gleich be­friedigenden Verlaus nehmen wird, wie die jetzt beenoigte.

* * Der Bahn Unfall, der am 30. Marz ds. Js. an dem Bahnübergang der Darmstädter Landstraße bei Sprendlingen slattfand, gab dem Abg. Dr. Fulda Veran­lassung zu etner Interpellation im hessischen Landtag.

Er fragt darin nach der Ursache und nach den von der Re­gierung in Aussicht genommenen Vorkehrungen gegen der­artige Unfälle.

f Laubach, 8. 'April. Mit Beginn dieses Monats siedelte Graf Wilhelm zu Solms-Laubach, seither Landrcch zu Schlüchtern, nach Schloß 'Arnsburg über, um die Verlvaltung der Stan d esherrschaft zu über­nehmen. Der seitherige Vertreter Graf Karl ist als Regierungsassessor wieder in den Dienst der preußischen Regierung zu Kassel eingetreten. Gestern abend hielt Hauptlehrer Storch aus Butzlmch im Kriegerverein, zu dem sich auch Nichtmitglieder gesellt hatten, einen Vortrag über das f fh äu s erd en km al, dem er Bettachtungen aus Deutschlands alter und neuerer Geschichte, sowie ver­schiedene von ihm selbst verfaßte Gedichte einflvcht. Kauf­mann Rittez, Vorsitzender des Kriegeroereins, dankte dem Redner, dessen 'Ausführungen lebhaften Beifall fanden.

§ Hungen, 8. 'April. Die seit zirka 12 Jahren hier bestehende Molkereigenossenschaft ist eine der größten Oberhessens. Ihre Mitgliederzahl nimmt fortgesetzt zu und ist jetzt auf 495 gestiegen. Die Genossenschaft er-, zielte im ab gelaufenen Geschäftsjahr einen Reingewinn von 12155 Mk., der an die Mitglieder zur .Verteilung kommt.

? Höchst a. d. Nidder, 8. April. Ein schrecklicher Unfall trug sich in dem Basaltsteinbruch bei dem früheren Kloster, jetzigem solmsischen Gutshof Engeltal zu. Ter Ar­beiter Krauß aus Florstadt war mit Steinbrucharbeiten beschäftigt, als sich oben, wohl infolge des Regenwetters, größere Steinmassen lösten. Ein mehrere Zentner schwerer Felsen traf und zermalmte den Unglücklichen. Beine und Arme waren gebrochen und die- Brust eingedrückt, sodaß der Tod sofort eintrat. Er ist verheiratet und hinter­läßt Frau und Kind.

+ Effolderbach, 8. April. Der 65jährige Wilhelm Rödling von Babenhausen wurde gestern im hiesigen Walde mit dem abgeschosienen Revolver in der Hand tot a u f g e f u n d e n.

Darmstadt, 7. April. Die Auffindung einer Leiche im Walde bei Arheilgen hatte zu Gerüchten über ein Verbrechen geführt, doch ist der Fall nunmehr als ein Selbstmord aufgeklärt. Das Gericht stellte an Ort und Stelle den Sachverhalt fest. Danach war der Tote ein hier in Stellung gewesener Metzgergeselle Gg. Zabel. Auf­zeichnungen in seinem Notizbuch legen die Selbstmordabsicht klar. Der Körper lag auf dem Waldboden. Auffällig war, daß das Ende eines fest um den Hals gezogenen abgerissenen Strickes fehlte. Der nächststehende, etwa 19 Meter hohe Baum ließ anfangs nichts erkennen, bis man im Wipfel der Tanne etwas zu sehen glaubte. Ein Waldarbeiter versuchte die Besteigung des Baumes, ließ aber als zu gefährlich da­von ab, sodaß man zur Fällung schritt. Fast in der höchsten Spitze war das andere Strickende befestigt. Dott hing auch der Spazicrstock Zabels, Stellen der Rinde zeigten seinen Standott beim Selbstmord. Er hatte den Baum erstiegen, sich den Strick umgelegt, ein Fläschchen mit Salzsäure aus- getrunkcn und sich dann fallen gelassen. Die Leiche hing mehrere Tage zwischen den Aesien verborgen und wurde des­halb nicht entdeckt. Endlich riß der Strick, die Leiche stürzte aus der Höhe herab und wurde in dem verdächtigen Zustand gefunden. (Frkf. Ztg.)

Mainz, 6. April. Der Kaiser und der Großherzog werden für die mi Mai stattsindenden Händel-Konzerte hier erwartet. Das Großh^ Palais wird für den Bestich be­reits hergerichtet.

fc. Mainz, 8. April. Der Milch krieg ist in vollem Gange. Die Milchprodnzentcn haben ihre Drohung zur Tat werden lassen und die Milch liefe rnng an die Milch- Händler eingestellt. Die Ersteren wollen so lange im Ausstand" verharren, bis sich sämtliche Milchhändler bereit erklärt haben, 16 Pfg. für den Liter gute, einwandfreie Voll­milch loco Mainz zu zahlen. Die Mitchhändlcr erklären, dann müßten sie den Preis für den Liter Milch zunächst auf 24 Pfennig erhöhen, und dafür könnten sie dem Publikum gegen­über die Verantwottung nicht übernehmen. Die Kommission der Milchhändler habe der Produktionsgcnoffenschast eine kleine Preiserhöhung zugestchen wollen, wenn diese die volle Garantie für die Lieferung einer einwandfreien Vollmilch seitens ihrer Mitglieder übernehme. Diese Garantieleistung sei aber strikte abgelehnt worden.

§§ Dutenhofen, 8. April. Palmavum, der Tag der Konfirmation, ist wieder herbeigekommen. Leider konnte die Feier nicht in unserem alten Kirchlein gefeiert werden, da dieses zurzeit erweitert wird. Deshalb mußten sich heute die Konfirmanden nach der Filialgemeinde Münch­holzhausen begeben, woselbst mit den dortigen Konfir­manden gemeinsam die Einsegnung stattfand.

-ed. Wetzlar, 8. April. Nach den Plänen des Kirchen- baumeisters Hofmann-Herborn ist unter Bauführer Jäger- Siegen nunmehr die neue Christuskirche in Wetzlar- Niedergirmes in ihrem äußeren Ausbau vollendet, so daß ihre Fettigstellung und Einweihung im Laufe des Sommers er­folgen kann. Als Baufonds sind 70 000 Mk. vorhanden, 60 000 Mk. fließen aus dem Gelde, das die Stadt Wetzlar bei der am 1. April 1903 erfolgten Eingemeindung von Niedergirmes erhalten hatte. 7000 Mk. giebt das Königl Konsistorium und 3000 Mk. bringt die evang. Gemeinde in zwei Jahren durch Umlagen auf. Wie in der letzten Stadt- verordneten-Versammlung mitgeteilt wurde, hat der Regier­ungspräsident genehmigt, daß für den Kirchbau 7000 Mk. aus dem früheren Niedergirmeser Kapital entnommen werden. Für die Kirche ist Niederdruckdampfheizung vorgesehen.

Biedenkopf, 8 .April. Gestern nachmittag brannte in Erndtebrück die Rickelbachfche Möbelfabrik nieder. Der Schaden ist bedeutend. In der GrubeStahlberg* bei Müsen im Siegerland luurbe am Freitag nachmittag der 30 Jahre alte Bergmann Ewald Pfeiffer von dort durch herabfallendes Gestein getötet. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau mit vier Kindern.__

Vermischtes.

* Wieder ein Eisenbahn Unfall. 9Cm 7. April e n t- gleiste der englische Nrordexpreßzug auf der Fahrt tmn Lon­don nach Schottland in der Nähe vvn CarliÄc, als er mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 100 Kilometer pro Stunde fuhr. Die Lokomotive wurde zertrümmert. Von einigen Wagen blieb nichts als ein Haufen übrig. Bisher wurde fcstgestcllt, daß ein Reisend'r getötet und viele schwer verletzt wurden.

* Kleine Tageschrvnik. In Eisenach wurde der neunjährige Sohn des Hausbesitzers von Telden aus Ha- lensee bei Berlin, welcher feinem Vater mit 1100 Mark ein-

kaffiertcr Mitte du r ch g e b r a n.nt war, verhaftet. Das Lebe-« Männchen hatte nur noch zehn Mark bei sich. In Potsdam wurde der 19 jährige Eisenbahnarbeitcr Krause von einer Loko­motive erfaßt und totgefahren. Auf der Lokaldampfbahnlinie Antwerven nach, Dcurne (Belgien) spielten einige Kinder. _ Als ein dreijähriger Knabe auf dem Geleise herum- lief, lief gerade der Zug heran. Sein l l jähriger Bruder riß den Kleinen weg, stolperte, fiel vor den Zug, so daß ihm beide Beine abgefahren wurden. Trotz einer sofort vorgenommencn Operation starb der junge Retter alsbald. In Groß- Lichterfelde bei Berlin hat im Zustande geistiger Umnacht­ung der Amtsgerichtsrat An gn st, D egen er in seiner Wohnung mit einem Jagdgewehr s ich erschossen. Am 8. April ist in der Schuhfabrik von I. Oehlett zu Neustadt a. d. Hardt Groß feuer entfaniben. In einer Stunde war der vierstöckige mittlere Längsbau, enthaltend die Weberei mit 80 Webstühlen, die Spinnerei mit 4000 Spindeln nebst Seiten­bauten mit Vvrspinnerei und Walkerei nicdergebrannt, außerdem das Lager gefärbter Wolle. In Himsdorf bei Geringswalde l.K'gr. Sachsen) schlug dcrBlitz in die Stuhlfabrik vvn Weiß. Vier Arbeiter wurden verletzt, einer darunter schwer. Im Zuchthause zu Ra t i b o r wurde der Strafgefangene Masur, der eine 15 jährige Strafe wegen Totschlages verbüßt, wegen reni­tenten Benehmens dem Anstaltsdirektor vom Oberausscher Sauer Vvrgeführt. Im Simmer des Direktors zog Masur, der im Zucht­hause mit Gemüseputzen beschäftigt ist, das Schälmesser aus dem Aermel seiner Anstaltsjacke, warf sich auf Sauer und versetzte ihm mehrere Stiche. Sauer und der Hausvater Haja zogen blank und machten Masur kampfunfähig.

AvbeiLerbewegnng.

Kronberg, 7. April. Die auf dem hiesigen Bahnhof beschäftigten Arbeiter streiken seit heute mittag; an­geblich, weil ihnen Lohnzulagen nickt gewährt worden sind. (Frkf Ztg.)

Altenbeken, 8. April. Die deutschen Tunnelarbei­ter streiken, sie fordern Lohnerhöhung und Mbeitszeitverkürzung. Die Italiener arbeiten vorläufig tveiter.

Braunschweig, 7. April. Die Versammlung der Braun­schweigischen Metallindustriellcn beschloß einstimmig, wegen des in einzelnen Werken ausgebrochcnen Streiks sämtliche Betriebe stillzulcgen und zwar diejenigen, welche ohne Kündigungsfrist arbeiten lassen vom 11. April ab, die übrigen je nach Maßgabe der Kündigungsfrist. Betroffen werden 6000 Arbeiter. Der Versammlung wohnten auch Vertreter der Mttallindustrieverbände 5)amburgs, Magdeburgs, Hannovers und Halles bei.

G r c i z, 7. ?lpril. Wie inderBerg-undMetallarbei- t e r s ch a f t, so gähtt es jetzt auch unter den mitteldeutschen Webern. Gestern stellten in der hiesigen Großweberei von Müller und Ktamer sänttliche Mbeiter die Arbeit ein. Da aber laut Verbandsbeschlnß alle dem sachsischtthüringischen Weberei- Verbande angehörigen Fabriken ihren Betrieb einftellen muffen, wenn in einem Verbandsbttriebe gestreikt wird, so hat die gestrige Einstellung der Arbeit eine ernste und schwerwiegentw Bedeutung.

Halle, 8. April. Der Bergarbeiterftreik flaute gestern ab. Die Streikttffer sank auf 5OOOV2.

Leipzig, 7. April. Der Taris ausschuß des deutschen L i ch t d r u ck g e w e r b e s bereitet eine Tarifänderung vor, die sich auf die Verkürzung der Arbeitszeit, die Regelung der Lohnsrage und die Abschaffung der Llkkordarbeit bezieht.

H amb n r g, 8. April. Eine Versammlung von Seeleuten in Mtona beschloß heute, weiter im Aus st andzu verharren. Die Ewerführer sind jetzt ebenfalls in die Lohnbewegung ein- getreten und haben den Arbeftgebern einen neuen Lohn- und Arbeitstarif mit einem Tagelvhn von 4.80 Mark für die Ewer­führer und die Kpstenschuten-Sckiffer eingcreicht. Was den Stteil der Roll- und Speditivnskutscher betrifft, so haben bisher 44 Firmen mit 260 Kütschern die Forderungen der Strei­kenden bewilligt; etwa 500 Kütscher von 77 Firmen verharren noch im Ausstand. Auch die Malergehilfen hielten heute eine stark besuchte Versammlung ab, die dadurch veranlaßt war, daß die Meister auf Grund des Kartellverttages mit dem Ber­liner Verbände den mit den Gehilfen für die Zeit vom 1. April ab vereinbarten Lohn- und Arbeitstarif vorerst wieder außer Maft gesetzt haben. Der Antrag, am Dienstag den Stteik zu beginnen, wurde abgelehnt. Die Gehilfen wollen erst das Er­gebnis der Montag abend stattfindenden außerordentlichen Ver­sammlung des Bundes der Norddeutschen Maler- und Lackicrer- mttster abwartcn.

H amb u r g , 8. April. Die Lohnbewegung unter den Fluß­schi f f c r n und Maschinisten ist nach Aussprachen mit den größeren Bugsierfirmen beendet. Ebenfalls erledigt ist der an­gedrohte Stteik der Segelmacker.

Hannover, 8. April. Die Gcfamtaussperrung in der Hannoverscken Metallindustrie ist vollkommen. Sämt­liche Fabrikbetriebe der Matellindustrie Hannover-Linden stehen von Montag ab still.

Prag, 8. April. Die "Buschtichrader Bahn verfrachtet in­folge Streiks in den Mitteldeutschen Br a u n ko hl en r ev ieren aus dem Falkenauer Revier täglich 200 Wagen Kohle mehr als zur crttsprcchenden Zeit des Vottahres. Reichsdeutsche Agita­toren sollen in Falkenau weilen, um die Bergarbeiter zum An­schluß an den Ausstand zu bestimmen. Tatsächlich erhob die Arbeiterschaft mehrerer Gewerksckrasten die Fotidernng einer 25 proz. Lohnerhöhung.

Paris, 7. April. Nach Meldungen ans Ajaccio hat das Spndikat der korsischen Eisenbahner den Gesamt-Aus- ft an i)1 beschlossen. Nach Meldungen auS Douai hielten streikende Arbeiter einen Zirg von Arbeitswilligen an. 30 der­selben wurden von den Streikenden fcstgenommen und nach Douai gebracht.

London, 7. April. Tausend Arbeiter einer hiesigen We­berei sind gestern in den Ausstand getreten. Sie foroern eine Lohnerhöhung von 20 Prozent. In einer anderen Weberei streiken 2700 Arbeiter.

Cleveland, 8. April. Die bünminöse Kohle fördernden Werke von Ohio faßten den Beschluß, die Forderungen der Bergarbeiter auf Bewilligung des Lohntarifs von 1903 abzulehncn.

Winnipeg, 7. April. Der Ausstand der Straßen- bahnarbeitcr gab gestern Anlaß zu ernsten Zwischenfällen. Die Straßenbahn-Gesellschvst konnte den Betrieb wegen Zer­st ö r n n g der Anlage u durch Streikende nicht aufrerK er­halten. Bei den Zusammenstößen zwischen Polizei und Stteiken- öen wurden mehrere Personen verletzt.

Gerichtssaa-l.

~ (fc.) Höchst a. M., 6. April. Der Gem ei ndev ertret.er Schwerberger in Griesheim a. M. hatte sich heimlicki eine Wasserleitung in fein Maschinen Haus und in seine Waschküche gelegt und Jahre lang Wasser aus dem Gemeinde Wasserwerk bezogen, ohne es anzumelden und zu bezahlen. Durch das Zerwürfnis mit einem Mieter kam das unreelle Gebaren des GemeindcvettrtterS an den Tag, und dieser Tage wurde er vvm hiesigen Schöffengericht wegen Dieb­stahls zu 8 Tagen Esefäugnis, zur Tragung der Kosten und zur Nachzahlung vvn 365 Mar? Wafsergeld verurteilt.

UttiVersitäts-Nachrrchten.

Rom, 8. April. Im Kapitol fand heute aus Anlaß der E r ö f fn u n g der nach tzem König Humbert benannten Poli­klinik eine Feierlichkett zu Ehren des früheren Ministers, Pro­fessors Guido Baccekli statt. Der König, die Minister, das diplomatische Kvrps, besondere Vertreter der fremden Regier­ungen und der Universitäten wohnten der Feier bei.. Der deutsche Reichskanzler und der preußisck;e KnlttSminister Dr. Studt bekundeten in ihren Telegrammen ihre Teilnahme an der Festlichkttt. Bei dieser hielten der Bürgermeister vvn Rom, der Unterrichtsmiuister, sowie mehrere Abgesandte von ftemden Regierungen und Universitäten Ansprachen, auf die Bac- celli in bewegten Worten seinen Dank ausifprach. .Als der Ge-,

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