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2.4.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 78 Zweites Blatt 156. Jahrgang

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Montag 2. April 1906

Rotationsdruck mA Verlag der Brühl Ich« UnwersttätSdruckeret. R. Sange. ®t*e.

Redaktion,Txpedttion ».Druckerei:

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General-Anzeiger, Amts- «nb Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

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Dem Festakte wohnten neben Sr.

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Das mittag in

würden.

Abg. v. Kardorff (Rp.) wirft den Sozialdemokraten vor, daß sie solche Mißhandlungen immer nur von einem ganz em- keitiqen Standpunkte vorbringen. Roheiten kommen überall vor, nicht nur in der Armee. Mir sind aerade heute erst wieder zwei Me bekannt aeworden, wo Arbeitswillige mißhandelt wurden von Streikenden. Einer in O Ne n b a ch, der andere in Eharlottenburg. Sie (zu den Sozialdemokraten) haben also am allerwenigsten einen Grund, hier solche Roheiten immer wieder zur Sprache zu bringen. Sie sind es, die die Jugend dazu erzieht. (Stürmische Unterbrechung links. Abg. Hoffman n-Vebel ruft: Unverschämtheit, wofür ihn Vizepräsident Dr. V a a s ch e zur Ordnung ruft. Erneuter andauernder Lärm bei den Sozial­demokraten. Bebel springt erregt auf und ruft den Präsidenten zu: Ist da? unparteiisch? Hofmann-Berlin wiederholt den Zuruf r Unv e rs ch äm t b e i tl)

Vizepräsident Dr. P a a s ch e: Ich bitte um Ruhe, da ich sonst die Ordnung nicht aufrecht erhalten kann. Rach Einsicht des Stenogramms werde ich erforderlichenfalls Remedur eintreten lassen.

Abg. v. Kardorif (fortfahrend): Bebel hat sich auf Artikel eines englischen Ossiziers berufen, daß lvir durch den letzten Krieg nichts gelernt hätten. Wunderbar ist da doch, daß die Japaner durch preußische Instrukteurs ausgebildet sind.

Vizepräsident Dr. P a a s ch e ruft nach Einsicht des amtlichen Stenogramms den Abgeord. v. Kardorfs nachträglich zur Ordnung.

Abg. Horn-Goslar (natlb.) tritt für die Förderung be5 KrieaervereinSwesenS ein.

Abg. de Witt°KSln (Ztr.) tadelt die Art und Weife, wie dis Wahl des Reserveoffiziers aehandhabt werde.

Abg. Lehmann (natlb.) polemisiert gegen die Sozialdemo­kratie, die auf dem Parteitage in Jena den Antrag gestellt habe, die Rekruten vor dem Eintritt in das Heer mit sozialdemokratischen Ideen zu erfüllen.

Abg. Zubeil (Soz.) bringt einen Fall zur Sprache, wv ein Soldat im Dienst schwer leidend und erwerbsunfähig geworden sei. Die Aerzte hätien ihn für unheilbar erklärt. Trotzdem habe der völlig unbemittelte Vater auch nicht die geringste Versorgung be­ziehungsweise Unterstützung des Sohnes durchsetzen können. Weiter erörtert er, rote ein Pächter eines Lokals, das bisher den Sozial­demokraten zur Versügung gestellt gewesen war, ruiniert worden sei, weil der Eigentümer des Lokals, dessen Tochter einen Offizier heiraten wollte, den Pächter gezwungen habe, sein Lokal den Sozial­demokraten zu entziehen. So werde in der Armee der Kampf gegen die Sozialdemokratie geführt.

Abg. v. Oerhen (Rp.) führt aus, der Vorredner wolle die Rekruten über ihre Rechte belehrt wissen und unter diesem Rechte verstehe er auch das Recht der Notwehr. Tas sei geradezu Auf­forderung zum Aufruhr. (Stürmischer Widerspruch bei den Sozial­demokraten. Ruf: Notwehr gegen Tätlichkeiten). Mißhandlungen wünschten auch seine Partei abgeschafft zu sehen. Redner erklärt dann, theoretisch sei er ein Gegner des Duells, aber im prakti­schen Leben reiche dieser theoretische Standpunkt nicht aus. Die: heutige Gesetzgebung gebe keine ausreichende Sühne für Ehr­verletzungen.

Abg. Erzberger (Zetürum) bemerkt dem Vorredner, was er in der Theorie für richtig halte, müsse er auch in die Praxis umsetzen. Redner geht dann noch auf die Mißhandlungsfrage ein.

Abg. v. M ü l l e r - M e i n i n g e n (frs. Vp.) kann der gestern vom Kriegsminister mitgeteilten Statistik über Bestrafung wegen Mißhandlung Untergebener keinen großen Wert beimessen. Redner geht dann nochmals auf einige Einzelfälle ein, bezüglich deren die Darstellung des Kriegsministers der Sachlage nicht gerecht werde.

Abg. K u n e r t (Soz.) verteidigt die Auffassung des Vorwärts von den Ursachen des Zusammenbruchs van 1806 und verbreitet sich besonders über den Hunnenbrief-Prozeß. Was sei denn die Pachtung von Kian Tsckou anders gewesen als Raub, als gigantische Plünderung. (Vizepräsident Dr. P a a s ch e ruft den Redner hier­für zur Ort) n u n g.) Redner behauptet weiter, es seien auch Schändungen von Frauen und Mädchen vorgekommen und be­hauptet, der Krieg verrohe die Soldateska. In weiteren Aus­führungen wirft Redner dem Kriegsministerium vor, wider Treu und Glauben gehandelt au haben, wofür ihm

Präsident Graf Balle st rem abermals einen Ordnungs­ruf erteilt.

Abg. Held (natL) tritt für B es s e rst e l l u n g der aggregierten Majore und höhere Besoldung der Zahlmeister und bet Zahlmeisteraspiranten ein.

Nach weiterer unwesentlicher Debatte wird das Gehalt des Kriegsministers bewilligt und die Resolution Müller -Meiningen angenommen. Hierauf vertagt sich HauS. Nächste Sitzung Montag. Fortsetzung der Etatsberatung.

Herzog Georg von Sachsen-Meiningen vollendet heute, am 2. April, das 8 0. Lebensjahr. Als der Herzog im Jahre 1866, vor bald 40 Jahren, die Re­gierung übernommen hatte, war seine erste Regentensorge die Beilegung des seit einem Menschenalter entbrannten Streites des herzoglichen Hauses und des Landes über die Domänen. Ehe ihm dies noch gelungen war, brach der Krieg mit Frankreich aus. Der Herzog zog mit in des Feindes Land, aber nicht ins Hauptquartier als General der Infanterie, der er seit 1864 in der preußischen Armee war, sondern er zog es vor, als Ches des sachsen-meiningischen 95. Regiments, bei welchem auch sein Sohn Bernhard, der Schwager unseres

Einweihung des Vismarckdenkmals in Darmstadt.

(Original-Bericht desGieß. Anz.")

R -B. Darmstadt, 1. April.

Bismarckdenkmal aus dem Ludwigsplatz ist heute Gegenwart eines nach tausenden zählenden Publi-

Kgl. Hob. dem Großherzog und der Großherzogin und der Prinzessin Ludwig von Battenberg auch der preußische Gesandte, Obersthosmarschall v. Westerweller, Generaladjutant Generalmajor v. Wachter, Oberstkammerherr Frhr. v. Riedesel, Oberstallmeister Frhr. v. Riedesel, Hofmarschall v. Ungern- Sternberg, Geh. Kabinettsrat Römheld, sowie die Spitzen der Staats, und der städtischen Behörden bei. Für den Groß« Herzog und seine Umgebung war ein prächtig dekoriertes Zelt errichtet worden. Um das Denkinal herum hatten die Char­gierten sämtlicher akademischer Korporationen mit Ausnahme der beiden katholischen Verbindungen und die Krieger-, Ge- sang-, Turn- :c. Vereine Aufstellung genommen. Kurz vor 12 Uhr läuteten die Glocken der Stadt die Feier ein. Sie begann mit dem von der Kapelle des Leib-Grenadier-Regi- ment§ Rr. 115 intonierten Kaisermarsch von Richard Wagner. Dann trug ein Massenchor von 26 Darmstädter Gesang, vereinen mit Musikbegleitung unter Leitung des Herrn Kammer­sängers Fahr das Niederländische Dankgebet von Kremser vor. Die Festrede hielt der Nestor der hessischen National- liberalen, Geh. Justizrat Dr. Osann:

Heute sind 91 Jahre feit dem Tage verflossen, an roeldiem Otto v. Bismarck das Licht der Welt erblickte so begann der Redner welche Fülle von Leben, welche Fülle von Tättgkeit und von Ereignissen spiegelt sich ab in den Erinnerungen von Bismarcks Geburt bis zu seinem Tode! Er überwand vieles in seinem taten­reichen Leben, vor allem sich selbst. Aus kleinen lande delmänmschen Verhältnissen trat er hervor als der Beschützer und Befestiger der Monarchie, verstand er es, mit Willenskraft und Energie die Fäden zu Knüpfen und die großen Gedanken auch zur -tat umzuwandeln, hie ihm zum Wohle des deutschen Vaterlandes

erfolgt sein, weil dieser Fonds nicht editiert. Die Herren, dre die Bildung eines solchen Fonds anregten, waren lieber von der besten Absicht geleitet, haben aber übersehen, bau nach alter Tradition der Offizier nur Geldunterftützung cmnehmen kann vom Allerhöchsten .(Vriegdhcrru oder auS staatlichen Fonds. Niemals darf der Offizier in die Sage kommen, als Almosenempfänger angesehen zu iverden. Darunter würde zweifellos die soziale Geltung deS Offiziers erheblich leiden. Die soziale Geltung deS Offiziers und den sozialen Ruf deS Offiziers aber wollen wir uns nicht nehmen lassen. ...

9fbg. Gras MiSlczbnski (Pole) behauptet, Oberst Kvsnickr von dem Rathenower Husarenregiment sei nur verabschiedet wor­den, weil er sein Gut an Polen verkaufte. Redner wirst den obersten ReickSbeamten Mißbrauch der Amtsgewalt vor und wird deshalb vom Vizepräsidntten Büsing zur Ordnung gerufen. MS Mislczvnski feijtc Behauptung ausrechtzuerbalten versucht, ber­bittet sich Büsing jede Kritik seiner Handlitngsfoeise.

Aba. Roer en (Ztr.) stimmt dem Anträge aus Erleichterung des Beschwerderechtes zu. Redner fragt, ob die gestrige Aenßcr- ung des Kriegsministers, das Duell werde nur genehmigt, wenn der Gegner ein Ehrenmann sei, etwa das Duell als etwas ehrenhaftes hinstellen wolle. Hoffentlich )vcrde mit dem ganzen Duellunwesen bald gründlich aufgeräumt werden.

Abg. Liebermann von Sonnenberg (wirtsch. Vg.) wünscht Anstellung von Milttärzahnärzten und befürwortet die Forder- imgen der Büchsenmacher und Proviantbeamten auf Besserstellung.

Abg. Stolle (Soz.) sagt, das Beschwerderecht der Soldaten ist einfach illusorisch. Daher müsse durch die Annahme der Resolution Müller-Meiningen Wandel gefdroffen werden. Redner beschwert sich darüber, daß Soldaten als> Streikbrecher verwendet

von Gott eingegeben waren nnd die im Jahre 1870/71 in der Wiedergeburt deS deutschen Kaiserreiches zum Ziele führten. Schon ;<m März 1890 wurde Bismarck von Darmstadt zum Ehrenbürger ernannt, und unmittelbar nach seinem Tode trat auch eine Anzahl Männer in Darmstadt zusammen und beschloß, bem großen Kanzler ein seiner und der Stadt würdiges Denkmal zu errichten. Die Sammlung dafür lieferte ein so großes Ergebnis, wie es in Darmstadt noch nicht da war und heute stehen wir vor feinem Denkmal mitten im Herzen der Stadt errichtet, wie er selber mitten im Volke stand zum ewigen Gedächtnis seiner Größe. Es ist ein Zeuge seiner unvergänglichen Ruhmestaten, es soll aber auch ein Wahrzeichen für die Jugend sein und ein Vorbild, ihm nachzu­leben in dem von ihm gewählten Wahlfpruch: Patriae inserviendo consumer dem Vaterlande die ganze Kraft 1 Der Stadt zur Ehre und zum Ruhme und Bismarck zu dankbarstem Angedenken bis in alle Ewigkeit in diesem Sinne überweise ich das Denkmal dem Schutze der Stadt/

Auf ein Zeichen des Großher zogs fiel die weiße Umhüllung des Denkmals und fast im selben Moment durchdrang auch die Sonne den bis dahin stark bewölkten Himmel, die reckenhafte Figur, des Alt­reichskanzlers mit Hellen Strahlen vergoldend, indeß der große Sängerchor Beethovens machtvollen ChorDie .Himmel rühmen des Ewigen Werke" cmstimmten. 'Dann betrat Oberbürgermeister Morneweg bte _Rednerbühne und sprach feine Freude au?, daß der langersehnte Wunsch der Stadt heute in Erfüllung gegangen sei. Ms Vertreter der Stadt übernehme er gern und freudig die kostbare Gabe unter Schutz und Fürsorge. Er dankte dann allen Beitrags­spendern, den Künstlern und den Förderern des schönen Werkes. Es werde die Bewohner immer daran erinnern, wie der große eiserne Kanzler unermüdlich war im Dienst seines Volkes und Vaterlandes, und sie zur Nacheiferung in der Fürstentreue und Vaterlandsliebe anspornen werde. Dieses Gelübde brachte die Festversmnmlung zum Ausdruck mit einem dreimaligen begeisterten Hoch auf Großherzog und Kaiser Wilhelm II. Mit dem Vortrag der National­hymne fand die Feier ihren würdigen Abschluß. Ter Groß­herzog sprach darauf noch dem Oberbürgermeister Morne­weg, dem Festredner Dr. Osann und den beiden Künstlern, Pros. Ludwig Habich und Prof. F. Pützer seine Anerkennung aus, worauf die fürstlichen Herrschaften das Denkmal be­sichtigten. Es zeigt die überlebensgroße Figur Bismarcks in seiner Pasewalker Kürassieruniform, die Linke auf den Pallasch gestützt, in der Rechten eine Mtenrolle fest zusam­menfassend. Die Statue steht auf einem zirka 8 Meter hohen Brunnenpostament, aus dem Phantasieköpfe in breite Doppelbecken Wasser ergießen. An den vier Seiten sind Bronzereliefs angebracht, während das Denkmal sonst ganz in Stein ausgeführt ist. Am Schluß der Feier wurden verschiedene Kränze niedergelegt. Einer trug die Inschrift: Dem großen Kanzler, unserm einstigen Mitgliede in ewig dankbarer Erinnerung. Hakst a." Gin anderer:Die Darmstädter Studentenschaft dem Einiger Deutschlands in dankbarer Erinnerung." Auch die nationalliberalen Vereine legten Kränze nieder.

Per Kaiser in Wernig rode.

Wernigerode, 1. April 1906.

Potsdam, 31. März. Der Kaiser reiste am Samstag nachmittag von Potsdam nach Wernigerode. Dort wurde er von dem Fürsten Christian Ernst und dem Prinzen .Hermann Stollberg empfangen. Außerdem befinden sich il a. auf dem Schloß als Gäste: Fürst und Fürstin zu Solms-Hohensolms-Lich, Graf und Gräftn Otto zu Castell-Rudenhausen, Prinz .Heinrich XXXI. Reuß j. L., Prinzessin Klementine Reuß j. L, die Fürstin-Mutter zu Stolberg-Stolberg, Obervräsident tx Boetticher und die Aebtissin des Klosters Drübeck Freiin von Welck.

Am Sonntag vormittag fand in der Schloßkrrche Gottesdienst statt. Nach dem Gottesdienst trat der Kaiser vor und hielt folgende Ansprache:

Als ich bei meiner letzten Anwesenheit in diesem gastlichen Hause nähere Künde erhielt von der frommen Stiftung, welche unter dem Schutze des erl. .Hauses Stolberg-Wernigerode als eine Pslegstätte christlicher Frömniigkeit aus grauer Vorzett m die Gegenwart hinüberragt, beschloß ich, dem ehrwürdigen Kloster Drübeck meinerseits ein Zeichen kaiserlicher Huld zu stiften, tote ihm dies in den vergangenen Jahrhunderten von den deutschen Kaisern und namentlich aus dem kraftvollen Stamme der Sachsenherzöge so oft und glänzend zuteil geworden ist. Ist doch auch mein Haus mit der Geschichte dieses ehrwürdigen Klosters durch jene Konzession vorn Jahre 1687, durch welche der Große Kurfürst einem Vorfahren Eurer Durchlaucht (zum Fürsten Stol­berg gewendet das Recht auf die Klosterrevenuen Oberlandes­herrlich bestätigte und zugleich- nach den Verheeimngen des 30 jährigen Krieges die Wiedereinrichtnng des klösterlichen Lebens auf fester Grundlage ermöglichte. Galt schon im Mittelalter das Kloster Drübeck als eine Leuchte geistlichen Lebens, so hat auch nach der Reformation der Geist wahrer Frömmigkeit in seinen Mauern gemattet, gepflanzt und sorgfältig gepflegt von dem frommen Sinn des Hauses Stolberg, das diesem feinem Stift von der Mitte des 18. bis zum Ende des 19. Jahrhuicherts in unrnfttelbarer Folge auch die Debtiffinnen aus seiner Mitte gab. Darum trägt auch der Stab, den ick für die Aebtiffm deS Klosters Drübeck als ein Zeichen ihrer alten Würde gestiftet habe, mit Recht neben dem meinigen daS Wappen des Hauses Stolberg-Wernigerode." , , ....

Ter Kaiser überreichte hierauf der Aebtrssrn selber einen silbernen Hirten st ab und fuhr dann, zu dieser gewendet, in seiner Ansprache fort:

Hochwürdigste Frau Aebtissin? Mit Genehmigung der hohen Schutzfrau Ihres Klosters überreiche ich Ihnen hiermit den Hirten- ftab. Möge er wie der Stab Mosis lebendiges Wasser des Lebens aus dem dürren Felsen hervorzaubern, möge er auch in dem Leben des Klosters neue Quellen erschließen: aber nickt nur eines vorbildlichen Lebens der Frömmigkeit, son­dern wefter: möge unter dem Schalten dieses Ltabes srifcke Werktätigkeit christlicher Nächstenliebe hervor­wachsen, die fick segnend um das Kloster ausbreite, ein C2>eaen für seine Bewohner und auch für weitere Gebiete. Möge das Beispiel unseres' Heilandes das sein, welches ene hochwürdigste Acbtiffin, und Ihre Nachfolgerinnen wie die Kloster­frauen beiterigen mögen, das Beispiel, man kann wohl sagen, der persönlichsten Persönlichkeit, die je die Erde getragen hat. Persönlich sollen wir alle fein, das heißt, wir sollen wirken, so lange wir Atem

schöpfen, wirken und betätigen an uns dasBeispiel Christi in werktätiger Nächstenliebe auf allen Gebieten. Das walte Gott \"

Auf dem Sckloßhofc hatte eine große Volksmenge, darunter eine große Anzahl Frauen in Harzer Volkstracht, Aufstellung genommen.

Die persönliche Ueberreichung des' silbernen Hirten- stubes durch den Kaiser an die Freiin von Welck stellt eine außergewöhnliche Auszeichnung bat. Die Freiin Anna von Welck wurde 1903 in Drübeck als Nachfolgerin der Gräfin Schlieffen eingeführt. Tas Benediktinerinnenkloster Dimbeck konnte schon 1877 auf eine tausendjährige Ver­gangenheit zurückblicken: es ist eine der ältesten geistlichen Stiftungen des alten Harzgaues und Ostsachsens. König Ludwig verlieh ihm am 26. Januar 877 zu Frankfurt a. M. die freie Wahl der Aebtissin und des Schutzvogts. Als im Jahre 1429 das Wernigeröder Grafengeschlecht erlosch, ging die Vogtei des alten Klosters mit allen Hoheitsrechten auf die Grafen zu Stolberg über.

Deutscher Reichstag.

80. S i tz u n g v o m 31. M ä r z 1906.

Die Etats-Notgesetze roerden zunächst in dritter Lesung debattelos angenommen. Es folgen Berichte der Geschäfts­ordnungskommission. Bezüglich eines Antrages auf Erteilung der Genehmigung zum Erlaß eines Haftbefehls gegen den Abg. Fußangel zier Leistung des Offenbarungseides bean­tragt die Kommission, den Reichskanzler ju ersuchen, dem Reichs­tage die bezüglichen Akten zu übermitteln. Der Antrag der Korn- Mission wird angenommen. Die vom Abg. Fußangel nachgesuchte Genehinigung z»ir Einleitung eines Strafverfahrens gegen sich selbst roird erteilt. Die Genehmigung zur strafrecht­lichen Verfolgung des Abg. Thiele (Soz.) wird ver­sagt. Hierauf roird die Beratung des

Militäretats fortgesetzt.

Abg. S a H er m a n n (natL) bemerkt zu der Resolution Müller- Meiningen die beste Abhilfe sei unerbittliche Strenge gegen bte Menschenschinder. Seine Freunde würden der Resolution Müller zustimmen. WaS die D u e l l f r a g e an­lange, so lege er das Hauptgewicht auf den Teil der gestrigen, Er­klärung des Kriegsministers, wonach kein Ehrengericht einen Offizier wegen Unterlassung der Forderung eines unehrenhaften Beleidigers für des Mangels ehrenhafter Gesinnung und der Gefährdung der Standesehre schuldig befinden würde. Redner wendet sich dann gegen die gestrigen Bebelschen Auslassungen und erwähnt dabei die Aussprache, die im bayrischen Landtage über die Teilnahme einer bäurischen Brigade an den preußischen Kavalleriemanövern stattgefunden habe. Man habe darin eine Gefahr für Bayerns militärische Selbständigkeit erblickt. Er glaube dagegen, ein solches gemeinsames Manöverieren könne den militärischen Interessen nur nützlich sein. Eine gewiße Gefahr entstehe namentlich für jünge Offiziere durch zu langen 9Iufentba(t in Grenzgarnisonen, Venus und Bachus drohten da. Es erscheine notwendig, Truppenteile häufiger aus Grenzbezirken in andere Garnisonen zu versetzen. Bebel habe gestern ,nieder die Chinabriefe berührt und sie ver­teidigt. Aber die ganze Art, wie derVorwärts" die Dinge be­handle, habe weniger die Tendenz, die Wahrheit zu suchen, als der Armee etwas anzuhängen. Weiter wendet sich Redner gegen die ganze Auffassung der Sozialdemokratie von dem Vaterlandsbegri und gegen ihren Anspruch, bei einem Kriege immer erst beurteilen zu wollen, ob derselbe ein berechtigter sei. Man habe a»>ch die Zeiten von Jena berührt. General von Schmidt habe zum erfieit Male den strikten Beweis erbracht, daß bamalä unser Offizierkorps den ihm gestellten Slufgaben nicht gewachsen war, weil cs vor allem im Durchschnitt zu alt war. _ Unsere Avaneementsverhält- nisse seien gegenwärtig ohnehin schon schlechte. Auch deshalb dürften wir nicht daran beuten, etwa nur um bie Pensionierungen zu uer- meiben, Offiziere, bie für ihre Stellungen sich nicht mehr eignen, dennoch in der Armee zu belassen. Aus den Offizieren von Jena sind bie Schüler ber Befreiungskriege hervorgegangen. Im ganzen biete unsere Armee ein lichtes Bild, in dem freilich aud) die Flecken nicht fehlten. Der schlimmste Fleck sind die Mißhandlungen. Aber diirch die sozialdemokratischen Ausführungen lassen wir uns bie Freube, bie Zuversicht, bas Vertrauen zu unserer Armee nicht vergällen.

Kriegsminister v. Einern: Ich banke bem Vorredner für daS der Militärverwaltung ausgesprochene Vertrauen. Die Frage der Bekleidung ber Armee wird eingehend geprüft, ebenso die Frage bes' Gepäcks der Mannschaften. Ein außergewöhnlich langes Verbleiben von Offizieren in den Grenzorten kommt nicht vor, wenngleich für einen Stamm solcher Offiziere gesorgt iverden mu(_. Was den Ofnziersnackwucks betrifft, so ist zu bedenken, daß die Marine einen großen Teil ber jungen Leute für sich in Be­schlag nimmt Die Nobilttierung einiger Herren von der Börse kann deshalb nicht wegen Beteiligung an den 10 Millionenfonds