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1.2.1906 Zweites Blatt
 
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Berlin, 31. ^nnuar. Die Budgetkommission des Reichstages genehmigte den Etat für Kamerun unter Annahme des Antrages Erzberger betr. die Höheransetzung der Zolleinnabrnen infolge des geplanten Babnbaues und 9(nnn'hine der Resolution Enberger betreffend Einschränkung des Verordniingsrecbtes, sowie Resolution Arendt betreffend Reform der Laufbahn der Kolonialbeamten.

_Im Seniorenfon pent des Reichstages schlug Gras Batleslrem vor, die zweite Etatslesung zu be­ginnen, in der Hoffnung, auch die dritte Lesung vor dem 1. Avril zu beendigen. Graf Ballertrem schlug die Festsetzung einer bestimmten Anzghl von Tagen für die Beratung jedes einzelnen Etats, zusammen 36 Tage, vor. Würden diese Fristen inne gehalten, so sei die rechtzeitige Fertigstellung des Etats (ohne die Steuervorlage) möglich. Tie Etatsberatung soll am 1. Februar beginnen. Der Seniorenkonvent stimmte den Vorschlägen zu.

Die Steuerkommission deS Reichstages besprach das Zigaretten st euergesetz, ohne einen Be­schluß zu fallen. Ablehnend svrachen sich die Redner der Sozialdemokraten und der sieis. Vo'kspartei aus, wahrend die Redner des Zentrums und der Nationalliberalen betonten, daß die Zigarettenindustrie sehr wohl eine Belastung tragen könne, wobei die Zentrumsredner statt der Z-garetienpapier- steuer eine Zigarcttentabaksteuer empfahlen. Von Seiten der Regierung wurde erklärt, die Regierung werde gern alle neuen Vorschläge prüfen, und wenn sie auch ihren Vorschlag durch­aus für durchführbar halte, erachte sie es doch nicht für aus- geschloffen, daß für die anderen em ebenso guter Weg ge­funden werd e.__________________'

politifcbe Tagesschau.

Aus dem Reichstag.

R. Berlin, 31. Januar.

Die Frage der Wahlrechtsreform steht im Mittel- punkt des öffentlichen JntereffeS, und eS ist nur natürlich, daß sie auch dem Reichstag unterbreitet wird durch einen von der äußersten Linken gestellten Initiativantrag. Im Reichs­tag kreuzen sich die Strahlen des politischen Lebens der «Einzelsiaaten; er stellt in gewissem Sinne das parlamentarische «Gegengewicht dar zum preußischen Herrenhaus, daS sich un- llängst vom Fürsten Bülow beruhigen ließ über das Ver­halten der preußischen Regierung gegenüber den Wahlrechts- ssorderungen und Temoustrationen der Sozialdemokratie. Eine Fortsetzung muß diese Herrenhausdebatte finden und sie kann ffie nur finden im Reichstag, weil Gegenstand der Erörterung hier notwendigerweise auch die Vorgänge des ,roten Sonn» tags* find, die sich nicht auf Preußen beschränkt haben Doch daS Vorrecht vor dem Wahlrechtsantrag der äußersten Linken fleht dem Toleranzantrag des Zentrums zu, der jfich von Session zu Session fortschleppt und am letzten Schwerinstag wieder einmal eine stundenlange Erörterung hervorries, ohne daß die Rednerliste sich erschöpft hätte. In dieser kirchenpolitischen Frage ist eben des Redens kein Ende, wenn auch nach rote vor geringe Aussicht besteht auf ein praktisches Ergebnis, da der Antrag bei fast allen Parteien schwere Bedenken erweckt. Dem Zentrum war am vorigen Mittwoch hart zugesetzt worden, namentlich von den Wort- sührern der Linken, deshalb wurde heute zur Abwehr einer der kenntnisreichsten und gewandtesten Debatter, Abg. Frhr O. H e r t l i n g, vom Zentrum vorgeschickt. Er wandte sich speziell czegen den kritischen Streifzug deS Abg.Müller-Meiningen durch die katholische Gebets- und Erbatiungsliteratur, und veranlaßte dadurch diesen bayerischen Volkspartetler, sich nachmals zum Wort zu melden. Die Aussicht auf eine Wahlrechtsdebatte rückte ober schon in die Ferne, als der Vorkämpfer der Konfessionslosigkeit und des Dissidententums, Abg. Hoff ma n n-Berlin (Soz.), derZehn Gebote-Hoff- wann'1, ans Rednerpult trat. Stundenlang rollte seine Donnerstimme über die halbbetäubte Versammlung hin, als er im unverfälschten Berliner Dialekt Trennung der Schule von der Kirche und Abschaffung des Religionsunterrichts aus dem Lehrplan der Volksschulen heischte. Hoffmann begeisterte sich für weitestgehende Toleranz, er bekundete aber eine er­heiterndeUnduldsamkeit* gegenüber den Vorschriften der deutschen Grammatik und deS Sprachgebrauches. In dieser Beziehung ist er ein parlamentarisches Original. Es war dem Abg. Stöcker ein Leichtes, die Oberflächlichkeit der Beweisführung des Vorredners zu kennzeichnen. Im übrigen trat der frühere Hofvrediger heute dem Zentrum ausnahms­weise entgegen, vom Standpunkt des Protestantismus, bei aller prinzipiellen Uebereinstimmung in der Frage der reli- g'ölen Toleranz. Abg. Fürst Radziwill, der polnische Edelmann, bedauerte das zwar, eröffnete aber Stöcker, daß seine Rede eine wahre Erguickung gewesen fei nach dem Donnergepolter des sozialistischen Redners. Ein Verlangen nach weiterer rhetorischer Erquickung schien im Hause nicht vorhanden zu sein. Der sanft plätschernde Landregen der Beredsamkeit des Abg. v. Gerl ach belebte das Interesse b»r Versammlung ebensowenig, wie die Polemik des derben Bafuoaren Osel (Ztr.). Die parlamentarische Aussprache über das Thema von der Duldsamkeit klang in den Reden der Abgg. Müller-Meiningen und Dr. Spahn sehr dis- h.rrmonisch aus.

Preußische Professorengehätter.

In einigen beteiligten Kreisen wird nach Meldung Ber­liner Blätter gegenwärtig erwogen, ob die Gehalter der an Muß. Universitäten etatsmäßig angestellten Professoren ztu erhöhen seien. Die Gehaltsverhältniffe der Professoren si:nd in der Tat nicht glänzend. Manche beziehen überhaupt kein Gehalt (in Berlin sind c§ 74), allerdings verfügen von ihnen ziemlich viele über eine feste Einnahme aus anderen Stellungen. DÄe mit Gehalt angestellten ordentlichen Profefforen haben recht verschiedenes Gehalt, es schwankt zwischen 1500 u n d 15 0 00 Mark jährlich. Der Durchschnitt dürfte in her Provinz 4500 Mark, in Berlin 5500 Mark sein. Hierzu fomimen die Wohnungsgeldzuschüsse (meist 600 Mk., in Berlin 9U0 Mk. jährlich) und die Kollegiengelder, deren Höhe nicht nur von der Anziehungskraft des Professors, sondern ganz wusentlich auch von seinem Fache abhängig ist.

Erheblich schlechter sind die außerordentlichen Pro- se isoren gestellt. Ihr Meistgehalt in Preußen betragt M00 Mk., doch bezieht die Mehrzahl kaum 3000 Mk.

Da ihre Rebeneinnahmen gering zu sein pflegen, so wird man das Gesamteinkommen durchschnittlich mit 50006000 Mk. annehmen müssen. DaS ist in Rücksicht aus die gegenwärtigen Lebensbedingungen sicher zu wenig. Dabei handelt eS sich keineswegs um junge Leute. Berechnet man aus dem Lebens- alter, das die tm Unwersitätskalender verzeichneten Extra­ordinarien in diesem Jahre erreichen, das arimethische Mittel, io erhält man für die philosophische Fakultät in Berlin die Zahl 52,4, in Greifswald 46, in Kiel und Göttingen 49. Der jüngste Ordinarius der philosophischen Fakultät in Göt- tingen ist 31 Jahre alt, in Greifswald 33, in Berlin 34, in Kiel 41. Der Durchschnitt aber dieser Professoren steht in den vierziger Jahren und muß mit einem amtlichen Ein­kommen von ungefähr 5500 Mk. zufrieden fein.

Freilich hat die preußische Regierung einen Fonds von jährlich 435 000 Mk., her zur Hebung der Einkünfte von Pro- sefforeu verwendet wird. Aber gerade diese außerordentlichen Profefforen und die Bedürftigsten uuter den Ordinarien pflegen verhältnismäßig am wenigsten zii erhalten. Vor allen Dingen: sie haben kein Anrecht darauf. Deshalb empfiehlt es sich ohne Frage, daß bei Erwägungen über Gehaltsaufbesserung von Beamten künftighin auch dieser Klaffe gedacht wird. Der Hoehschiilunterricht, die Pflege der Wissenschaft und das An­sehen deS deutschen Profefforentums, werden Nutzen davon haben.

Im preußischen Kultusministerium beschäftigt man sieh übrigens z. Zt. mit der Frage, ob es sich nicht empfiehlt, nach österreichischem Vorbild eine Altersgrenze für die Amtstätigkeit der Profefforen festzusetzen. In Aussicht ge­nommen ist die Vollendung des 70. Lebensjahres. ES haben sich viele Unzuträglichkeiten daraus ergeben, daß die Vertreter eines Faches oft bis inS höchste Alker hinein an den Pro­fessuren und an den damit verknüpften Tätigkeiten (Abnehmen von Prüfungen, Leitung van Seminanen u. s. ro.) festhalten. DaS wird besonders bedenklich gesunden bei denjenigen Pro­fessoren, die zugleich Direktoren von Instituten find, z. B. von chemischen Laboratorien ober Kliniken. Solche verant­wortliche Stellungen erfordern 3)irnncr von großer Frische und Geschäftstüchtigkeit.

Ein gräflicher Komödiant als öffentlicher Ankläger.

Im Wiener Reichsrat stand am Dienstag die erste Lesung der Rckrute.rvorlage zur Beratung. Fräse k (tschechischer Agrarier) erklärte: Wir stehen den Forder­ungen der Magyaren sympathisch gegenüber, müssen aber verlangen, daß die Militärverwaltung auch die Forder­ungen der slavischen Völker berücksichtigt.

Graf Sternberg, ein lackier kicher Kautz, der sich namentlich gern in schmähendem Klatsch gegen das Kaiserhaus ergeht, kam dann zum Wort. Greise müßten von der Spitze der Armee unddesStaatcs entfernt werden. Tas Greisentum habe nur patho­logische Eigenschaften. Ter Greis werde so eigensinnig wie ein Maulesel, kein Wort könne ihn zu neuen Ideen anfeuern. Ein Greis sei auch eitel wie ein Weib. Schmeicheleien zugänglich, mutet er sich noch immer alles Mögliche zu, und dies richte jedes Staatsleben zu Grunde. Dem (Äeis fehle cs auch an Ehrgefühl. Ein alter Herr werde zum Sklaven seiner Gewohnheiten, er gleiche einem ausgepumpten, trotzigen Mitomobil, das nicht mehr vorwärts noch rückwärts könne. Nur ein Mann sei im­stande, ein Staatswesen zum Siege der Völker zu führen. Tann vergleicht er den Kaiser mit dem alten Ferdinand, her aber das Ansehen der Armee und des Staates nicht in solchem Maße habe schädigen lassen, wie der jetzige. Tas trug ihm seitens des Präsidenten die Mahnung ein, die Krone nicht in die Debatte zu ziehen. Graf Sternberg erwärmte sich für die Regentschaft des Erzherzogs Leopolo Salvator. Ter Sohn des Ministerpräsidenten beziehe vom Grafen Goluchowski ein Taschengeld von 6000 Gulden. Und noch weiter pöbelte er den Ministerpräsidenten v. Gautsch in der gemeinsten Weise an. Sein Schwiegersohn soll Armengelder unterschlagen haben und mit Hilfe des Preßbureaus des Herrn v. Körber sei die Geschichte unterdrückt worden. Schließlich beehrte er noch die Ab­geordneten und sich selbst mit den Schmeichelnamen:Wir Affen und Bedientenseelen."

Ter Ministerpräsident weist die persönlichen Angriffe des Grafen Sternberg zurück und erklärt, daß allerdings die Amtsführung einer ihm nahestehenden Per­sönlichkeit hätte beanstandet werden müssen. Tie Persönlich­keit verließ den Dienst unter Verzicht auf alle ihr aus dem Staatsdienstverhältnisse erwachsenen Rechte sofort un§ zu einer Zeit, wo dem Ministerpräsidenten keinerlei Einfluß auf die Führung der Staatsgeschäfte ober auf die Presse zustand. Was die Bezüge seines augenblicklich der Pariser Botschaft zugeteilten Sohnes angehe, so genieße derselbe außer den reglementsmäßigen Bezügen die durch die Ver­wendung im Auslande begründete Zulage. Ter Minister­präsident glaubt das Vorgehen Sternbergs getrost dem Urteil der gesamten Oeffentlichkeit überlassen zu dürfen.

Baron v. Gautsch hat also nicht gesagt, daß die Ge­schichte nicht vertuscht wurde; der Vorwurf, daß ein Uebeltäter infolge angenehmer Verwandtschaft vor dem Staatsanwalt geschützt wurde, ist nicht völlig entkräftet. Man weiß, wie in Wien der Tratsch und Klatsch blüht eZ ist nicht ausgeschlossen, daß diese Affäre Herrn v. Gautsch den Hals als Politiker btkfit Was seinen "leiblichen Sohn anlangt, liegen die Tinge fa wohl etwas anders. Ganz reinlich muten uns diese Tinge freilich nicht an, aber der Schauplatz der Szene ist Oesterreich und das ent­schuldigt viel!

Am Mittwoch widerlegte an derselben Stelle der Justizminister auf Grund amtfkfyen Materials den vom Grafen Sternberg, oiesem Seitenstück zu unserem Grafen Pückler, gegen ihn erhobenen Vorwurf der Akten- fälschun g. ___________'

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Skiläufer im Schneeslurm. AuS Savoyen be- j richtet man: Furchtbare Leiden haben am 25. und 26. v.! MtS. vier Skiläufer, zwei Damen und zwei Herren ans Annecy, in den Bergen zwischen Annecy und dem Arve- ' tat auSgesianden. Sie roaren am 25. aufgebrochen und wurden nach einer anfänglich sehr angenehmen Fahrt gegen 3 Uhr nachmittags von einem schweren Schneesturme über­rascht. Schon eine Stunde vorher hatte einer der Herren vor dem heraufziehenden Unwetter gewarnt, und man wollte schleunigst bergab fahren, verirrte sich aber und stand auf einem großen Plateau, als das Schneetreiben losging. Bald wurde es ringsum dunkel, und nur mit Hilfe eines Kom­passes fand die Gesellschaft die Richtung. So verstrichen

mehrere Stunden; die Nacht brach herein und man stand: noch immer inmitten des tobenden Unwetters. Ta gelang! es endlich, eine Sennhütte zu entdecken; die Türe wurde er-j brachen, und man drang in daS Gebäude ein. Emer der Herren machte auf dem Herde Feuer; aber kaum hatte er das getan, so entstand ein Kaminbrand und bald b rannte? auch das Dach der Hütte lichterloh. Die Touristen be*i muhten sich vergeblich, den Brand zu löschen. Tas Feuer griff immer weiter um sich, und eS blieb nichts übrig, als in aller Eile die Hütte wieder zu verlaffen. Der Schnee-^ sturm hatte zum Glücke ausgehört, allein die Damen waren so müde, daß sie kaum noch gehen konnten und von ihren Begleitern geschleppt werden mußten. Im Dunkeln stürzte man wiederholt und alle hielten sich für verloren. Doch plötzlich wurde ein trübes Licht sichtbar und die Gesellschaft erreichte, zu Tode erschöpft, ein Dorf. Beiden Damen waren die Füße bis zu den Knien erfroren und sie liegen schwer krank darnieder. Es war 7 Uhr früh, als man in das Dorf gelangte.

Schiff Sunglück. Wie Generaldirektor Ballin mit- teilt,- ist der Dampfer der Ha m b u r g - A m en ka - L i n ie .Silvia/ welcher mit einem großen Transport russischer Truppen von Wladiwostok abgegangen war, auf eine schwiminende Mine gestoßen und in sinkendem Zustande nach Wladiwostok znrückgekehrt, wo das Schiff auf den Strand gesetzt worden ist, um den Untergang zu verhindern. Der erste Koch Ottomar Schwaibold hat bei dem Unfall sein Leden verloren. Das Schiff war zu seinem vollen Wert gegen Minengesahr versichert.

Der neuerte Eisen bahnunfall. Am Mittwoch irt auf der Nebenstrecke LaSkowitz-K onitz (Westpr.) etwa 1 Kilometer vor dem letzteren Bahnhof ein Zug entgleist. Die Lokomotive, der Packwagen unb der nächstfolgende Wagen, der leer war, stürzten die Böschung hinunter. Per­sonen sind nicht verletzt, der Malerialschaden ist beträchtlich.

Stockholm, 30 Jan. Prinz Eugen, der vierte Sohn des Königs Oskar, wird demnächst eine in Paris lebende schwedische Sängerin heiraten und wie sein Bruder Oskar auf alle prinzlichen Rechte verzichten. Prinz Eugen ist 41 Jahre alt.

* Kleine Tageschronik. Der früher in Glogau fta- tionierte Eisenbahnmaterialen-Verw alter Weh- n e r t tmirbc in Siegen unter dem Verbacht, mit den dort ent­deckten Altmatcrialienschwindeleicn in Verbindung zu stehen, ver­haftet. In München wurde der Staatsanwalt Dr. Müller im Justizp'last während einer Verhandlung von einem Angeklagten, der einen als Beweisgegenstand vorliegenden eisernen Hammer n^-b i^ w'ri. schwer verlebt.

Hingejanüt.

(Für Form unb Inhalt aller unter diestr Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Vubsikurn gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Die Mitteld. Sotmtaas-Ztg. brachte in ihrer Nummer vom 21. Januar b. I. einen Artikel über die am 14. Januar in der ..Restauration Sauer"' abgehaltene Versammlung d^r nationaler^ Arbeiter, ioelcher sich mit der Wahrheit nicht deckt.

Unterzeichneter sprach kein Wort über Flottenpolitik, übev-^ Haupt ist hon keinem b»r Anwesenden über Flotte oder Armee ge* sprachen worben, sondern ich sprach in meinen Eingangsworten, speziell über ben Zweck ber Gewerbegerichte.

Der Wahrheit nicht enfspreckrend ist ferner, daß wir. uns vergeblich bemüht hätten, eine nationale Kandidatenliste zusammen zu bringen, sondern ich legte der Versammlung eine, geschlossene Kandidatenliste vor.

Der Wahrheit nicht entsprechend ist ferner, daß etwa; fünfzehn Mann von unserer Seite erschienen seien eS waren mehr wie das Doppelte, der schwache Besuch ist ans andere Veranstaltungen zurückznfahren, woselbst ein großer Teil unserer'. Leute anwesend sein mußte.

Daß e3 funterbunt zuging, wie sich die M. S. & ausdrückt, ist aus die Gewährsmänner derselben zurückzuführen, berat es ist zur Genüge bekannt, daß, wenn ein anders Denken­der seiner Meinung Ausdruck gibt, er nicdergeschrieen wird.

In meinem Schlußwort hielt ich allerdings da in der Diskussion ein Redner meinte, was das sei,national« Arbeitet, das' Wort habe ihn geärgert es für geboten, auseinanderzuhaltenNationale Arbeiter undfreie" Ge­werkschaften, daß letztere allerdings nicht mehr frei seien, sondern im Schlepptau der Sozialdemokratie.

Hoffentlich bekommt dieMitteldeutsche SonntagS-Zeitnntj*. mit ihrer Annahme, daß für derartige Arbeiter - Organisationen hier in Gießen fein Boden ist, nicht Recht, sondern ich hoffe, daß bei der Wahl am 3. Februar sich recht viele Stimmen auf die Liste der nationalgesinnten Arbeiter vereinigen werden JacvbRitsert.

Arvciterbewegttng.

X Aus dem Kreise Wetzlar, 31. Jan. In der Sitzung des Eimgungsamts der Kammer 2 des Gewerbegerichts, welches zur Schlichtung der zwischen der Belegschaft der Gruben, Juno und Uranus'' und der fürstlichen Verwaltung M BraunselS bestehenden Streitigkeiten ciuberufen war, kam folgende Vereinbarung zustande: Die ausständigen Bergleute nehmen die Arbeit bedingungslos wieder auf. Die Leute werden, soweit es die Betriebsverhältniffe zulaffcn, wieder angenommen und dabei die älteren Belegschaftsmitglieder in erster Linie berück­sichtigt.

Dux, 31. Jan. Eine Bergarbeiter-Versammlung beschloß, falls am 11. Februar die geforderte 25proz. Lohn­erhöhung nicht bewilligt ist, am 12. Februar in den Ausstan b zu treten. In der Versammlung wurde bekannt gegeben, daß in diesem Fall auch die Arbeiter der anderen Bergreviere sich dem 9h,§iTr'nh(» würden.

ICiinft und Wijfeitfchaft

Im Düsseldorfer Schauspiel banse ist eine e rn ft e Krisis ansaebrochen. Infolge von »Unstimmigkeiten^ mit der Direktion Dumont-Lindemann werden mit Schluß der laufenden Spielzeit außer dem Dramaturgen Dr. Paul Ernst auch eine ?lnwbl eriter Kräfte au* dem Schan'rnelverbarche ansscheiden.

Aricsk^sten Oer Redaktion.

(Auouhmc Anfragen bleiben nnbcrüctsichtigt).

M. Wenden Sie sich an den Geueralsekrekär des Monisten- bundes Dr. Heinrich Schmidt in Jena, Molkkestr. 1.