Ausgabe 
9.3.1906 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 58 Drittes Blatt

156. Jahrgang

Erscheint «glich mit Ausnahme be8 Sonntag?.

Die«lehener SomiHenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Ter «lrejstiche Landwirt" erichcint monatlich einmal.

Eichener Anzeiger

Freitag S. März 1906

Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'sch«

UniversitätSdruckerei. R. Lange, Gtetz«.

' Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Zug nach Darrn-

crDciierungen.

dritte Kammersitzung beschäftigen!

Verbesserung des der für das- Pu- in Guntersblum.

Abg. Laos (der den Vorsitz inzwischen dem Abg. Köhler übertragen hat, beklagt in längeren Ausführungen, daß die Hauptstadt des Landes so wenig direkte Anschlüsse an die Züge nach dem Süden habe; die Abgeordneten von Darmstadt sollten aus diesen rounden Punkt immer wieder Hinweisen und auf Ab? stcllung drängen. Redner tritt dann warm für die Eisenbahn­linie ReichelsheimFurth ein und trägt dann noch einige

Staatssekretär K r ä t k e : Von den Obcrposldircktoren ist miv aus Betragen versichert worben, das; eine vollständige Ausschaltung des Telegraphendienstes am Sonntag nachmittag doch etwas zu chwer in den Verkehr eingreisen würde.

Abg. Erzberger (Zentrum) meint, ein so unbeschränktes Koalitionsrecht wie dem Arbeiter könne den Beamten allerdings- nicht zugestanden werden, wohl aber das Vereiniqungs-, das Sraanisationsrecht, aber mir glauben, daß auch der Postanweisung^- verkehr an Sonntagen ganz eingestellt werden kann. Wir forbetrt dies in einer Resolution, ferner fordern wir, daß Drilcksachen, die an Nachmittagen von Sonn- und Feiertagen aitfgeliefert werden, über die Soun- resp. Feiertage liegen bleiben und endlich, daß der Nachtdienst sieb für einen und denselben Beamten nicht zu oft wiederhole. Redner erhebt bann noch starke Bedenken gegen Ein­zelheiten der Resolution Patzig und gegen die freisinnigen Reso­lutionen.

Staatssekretär K r ä t k e wiederholt nochmals, daß e5 schwierig sei, den Postamveisungsverkebr an Sonntagen ganz einzustellen. Nachtdienst habe ein Beamter höchstens jeden vierten Tag. Er verwahre sich dagegen, daß die Postverwaltung irgendwie iw Dienst der Polizei stehe.

Hierauf erfolgt Vertagung. Morgen Fortsetzung.

die Verbindung nach U l r i ch st e i n.

Abg. Ko r e l l bemerkt, die Ulrich ft einer wünschten lieber eine Bahnverbindung mit Mücke, als mit Alsfeld. Sebr erwünscht würde auch das Halten einiger weiterer Züge

vermischtes.

3um Selbstmord des Theaterdirektors No- loff Meyerhofs, der seit etwa fünf Wochen im Stadt- Heater zu Weißenfels mit einem Ensemble Vorstellungen gab, teilt das dortigeTageblatt" mit: Meyerhofs soll gegen einen jungen Schauspieler, der unter der falschen Angabe, sein Neffe zu sein, unter dem Namen Carlo Santi mitspielte, ein gewisses Vergehen versucht haben, er war wegen eines solchen Falles schon vorbestraft. Der junge Mann soll die Absicht ausgesprochen haben, die Sache zur Anzeige zu bringen, wo­von Meyerhoff ihn angeblich dadurch zurückgehalten haben oll, daß er ihm erhebliche Summen gab. Meyerhoff saß am Samstag abend noch in Gesellschaft mehrerer Schauspieler und anderer Herren zusammen und hat dabei Selbstmord­gedanken geäußert. Zur Deckung seiner Verbindlichkeiten sind bei Rechtsanwalt Sprenger 1000 Mk. hinterlegt. Der .Reffes der mit seinem richtigen Namen Spieß heißt, hat per Rad eine Wohnung verlassen mit der Angabe, daß er nicht mehr zurückkehren werde. Die Mitglieder de§ Ensembles erhielten ihre rückständigen Gagen. Die Truppe spielte auf eine Konzession einer Frau Hauptmann Becker, einer früheren oldenbnrgischen Hofschauspielerin, die auch die von der Polizei geforderte» 1500 Mk. Kaution hinterlegte.

Der falsche Prinz von Battenberg. Als ein würdiger Nachfolger deSFürsten der S)iebe' erscheint ein jetzt in Valencia (Spanien) hinter Schloß und Riegel gesetzter junger Mann, der mnnntpfono hie reichsten Krois» der Nase herumgeführt und gebrandschatzt hat, indem er sich die bevorstehende Heirat de§ König? Sllfons ausnutzend bald für einen Hofbeamten Eduards VII., bald für einen Freund ober nahen Verwandten der Familie Battenberg, bald selbst für einen Prinzen von Battenberg ausgab. Und überall sand er damit Glauben und Kredit. Ein gefälschter, von Lord LandSdowne angeblich unterschriebener Paß öffnete ihm jede Tur und noch besser diente ihm ein erschlichenes Em­pfehlungsschreiben des Oberkommandierenden der Gendarmerie^ das ihn in Stand setzte, seine Beutezüge unter deren unmittel­barem Schutze zu unternehmen. Er ließ sich in den Palästen dec, Reichen feiern, er ging in den exklusivsten Klubs aus und' ein, er hatte galante Abenteuer, die seinen Ruf steigerten. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er aber, als der Rar-, dinal-Erzbischof von Toledo, der Primas von Spanien, ihn tagelang als seinen Gast unter seinem Dache aufnahm, nach­dem er sich als ein Neffe deZ Erzbischofs von Dublin bei ihm eingeführt hatte. Als schließlich das ganze Kartenhaus seines Schwindels zusammenbrach und der Pseudoprinz ver- haftet werden sollte, drohte er mit politischen Verwickelungen und kündigte an, eine englische Flotte würde alsbald vor Valencia erscheinen und die Stadt in Asche verwandeln, wenn man es wagte, Hand an seine Person zu legen. Das ge­schah aber trotzdem, und derPrinz von Battenberg" ent­puppte sich als ein Handlungsgehilfe aus Gibraltar der neun lebende Sprachen spricht, sonst aber ein gänzlich verkommenes Subjekt ist. _

Zweite hessische Kammer.

R. B. Darmstadts 8. Marz.

Am Regierimgstifch: Stamsminister Ewald, Finanzminister ' Tr. Gnauth, Präsident Braun und mehrere Ministerialräte. (

TaS Haus nimmt zuerst das Kapitel

Lotterie ,

in Beratung, für welche infolge des Vertrages mit Preußen . nur ein Einnahmebetrag von 800 000 Mark eingestellt ist.

Abg. Molthan fragt an. wie es denn zurzeit mit dem , Lotterievertrag eigentlich stehe. Wie die Zeitungen berichten, habe bie Lippesche Regierung sich mit dem Vertrage noch nicht einver­standen erklärt, weil sich Preußen mit der vom Livveschen^Land­tag verlangten Milderung der Strafbestimmungen für das Spielen in auswärtigen Lotterien nicht befreunden wollte. Mit dieser Weigerung würde doch der Lotterievertrag Preußens mit den hessisch-thüringischen Staaten überhaupt in Frage gestellt.

Finanzminister Dr. Gnauth bemerkt, er sei von den mit Livpe plötzlich ausgetauchten Schwierigkeiten nicht genauer unter­richtet, als der Vorredner. Er sei jedoch der Meinung, daß die Differenzen, soforn sie sich nur auf die Formulierung der Strafbestimmungen beziehen, zu überwinden sein werden. Er möchte sagen, daß die Zeitungsmeldungen auf ihn mehr den Eindruck machten, als seien sie nur der Ausdruck eines Wunsches dieses ober jenes Kollekteurs (? D. Red.), der an dem Nicht- zustandekommeu des ganzen Vertrages ein Interesse habe.

Auf eine 9lnfrage des

Abg. Pennrich, wie es mit der Entschädigung der Kollekteure öder dem lieber tritt in preußische Dienste stehe, bemerkt

Finanzminister Gnauth, diese Fragen könnten erst ihre Erledigung finden, sobald der Vertrag wirklich perfekt geworden sei. Das Kapitel direkte Steuern, Regalien, inbirefte Auf­lagen und Einnahmen aus verschiedenen Quellen, Einnahme 17 676000 Mk., Ausgabe 1773 400 Mk., ivird ohne Debatte genehmigt.

Bei Kapitel Landstände, AuSgabe 118 370 Mk, ersucht Abg. Pennrich um Auskunft, wie weit die Verhandlungen der Regierung mit dem preußischen Eisenbahnfiskus n-egen der

Freikarten für die Laudragsabgeordueteu gediehen seien.

staatsminister Ewald antwortet, es lägen in der Frage zwei Anträge vor; der eine wolle für die Abgeordneten überhaupt freie Fahrt im ganzen Großherzogtum, der andere nur freie Fahrt zwischen dem Wohnsitz des betreffenden Abgeordneten und Darmstadt. Das könne aber beides nur durch eine Aversionierung geschehen, gegen welche aber der preußische Eisenbahnminister grundsätzliche Bedenken hege. Dcr Vertrag vom Jahre 1896, der hierbei in Betracht kommen würde, bestimme nur, daß eine gleich­mäßige Behandlung der preußischen und hessischen Verkehrsmter- essen erfolgen solle. Die freie Fahrt für Abgeordnete würde darnach für Hessen zu gewähren sein, wenn sie auch die preußischen Abgeordneten besäßen. Bisher wird in Preußen nur den Mit­gliedern des Herrenhauses freie Fahrt gewährt, und diese Ver­günstigung sei jetzt auch den Mitgliedern unserer 1. Kammer zu­gestanden wrwden. Bezüglich der Freikarten für die 2. Kammer müsse ein anderer Ausweg gesucht werden, und der Eisenbahn­minister legte deshalb der hessischen Regierung nahe, Abonne- mentSkarten während der Dauer der Session für die Abgeordneten zu lösen. Das biete aber insofern Schwierigketten, als nicht für alle Strecken dieselben zu erhalten seien. Mit dem Eisenbahn­minister in der Angelegenheit nochmals schriftlichen Verkehr zu pflegen, halte er nicht für empfehlenswert, nachdem derselbe die von der Kammer gewünschte Regelung der Frage direkt abgefeimt habe. Er werde es labet noch einmal mit einer mündlichen Rück­sprache versuchen.

Nach kurzen weiteren Bemerkungen der 9lbgg. Reinhart, .Pennrich und Molthan und Präsident Haas wird die Position genehmigt. Das Kapitel: Staatsministerium, Ministerium 83 830 Mk., Auswärtige und Bundesverhältnisse 36 000 Mk., KabinettSdirektivn 12 500 Mk., Oberrechnungskammer 236 220 Mk., Verwaltungsgerichtshof 7840 Mk., Haus- und Staatsarchiv 15 100 Mk., Rheinschiffahrt 3250 Mk. usw. werden ohne Debatte genehmigt. In der Hauptabteilung

Miuiftcrium des Innern

Macht bei Kapitel Ministerium

Abg. Dr. Ftenav längere sozialpolitische Ausführungen und Resormoorschläge. Er wünscht schärferen Kinderschutz, Sck)utz der Heimarbeiter, Abänderung verschiedener Bestimmungen der Mters- und Jnvalidenversickerungsgesetzgebimg, schärfere Ueberwachung der nicht giftfreien Betriebe usw. und bittet die Regierung, in selbständiger Weise in diesen Fragen vorzugehen und in dem­selben Geiste, wie das frühere Ministerium, sozialpolitisch weiter zu arbeiten.

Abg. Hebel bringt eine Beschwerde vor, die nach seiner Meinung weiteres Jnteresie erheische. Das zweite badische Grena- 'dier-Regiment hielt gerade wahrend der Erntezeit Schießübungen mit scharfer Munition über dem ganzen Gelände von Lorsch, Heppenheim und Hüttenfeld ab, baS dabei tagelang vollständig abgeschlossen würbe. Dadurch seien in jenen Bezirken die Ernte­arbeiten außerordentlich geschädigt worden. Redner ersucht die Regierung, darauf lstnzuwirken, daß in Zukunft mehr Rücksicht auf die Erntearbeiten der Landwirte genommen werde.

Nach kurzer Pause wird die gestern abgebrochene Beratung bes Ävpitels

Staatseisenbahncn ^wieder ausgenommen.

Finanzminister Dr. Gnauth führt aus, es sei fdyiuteT', au bie vielen im Hause geäußerten Wünicke und Beschwerden sämt­lich eintzugeheir; er könne das' nur soweit tun, als sich die Regierung bereits damit befaßt hat. Den Bemerkungen des Abg. Raab bezüglich des Vertrauens der Eisenbahnarbeiter der Re­gierung gegenüber bemerke er, daß es jedenfalls besser toärc, .wenn die Arbeiter statt des Umwegs über den Abgeordneten sich direkt an die Behörde wendeten. Bezüglich der beklagten An­stellungsverhältnisse konstatiere er, daß die Beamten hinsichtlich ihres Dienstalters ganz gleich mit den preußischen Beamten rangierten. Das habe aber zur natürlichen Folge, daß sich damit auch die Beförderung und die Anstellung verlangsame; eine Probezeit von fünf Jahren sei nur das unbedingt einzubaltende Minimum. Die Anstellung könne danach erfolgen, sie müsse aber wicht. Bei derselben fommc es auch auf die Fähigkeiten des Be-

VerkehrS herbeizuführen.

Abg. Braun wünscht eine Verbesserung blikum geradezu gefahrvollen Bahnhofsanlage

Abg. Reh fraat nach dem Stand bc8 Projekts einer Bahn­linie Alsfeld Niedr-Aula und Alsfeld Hers- eld und bespricht den Bau verschickwner anderer Strecken, auch

weitere lokale Wünsche vor.

Abg. Frenav beschäftigt sich sehr ausführlich mit dem Gütertarif der Selztalbahn, der zu bock fei und dadurch den Verkehr sehr erfdnrere; auch sonst schlägt der Redner noch ver- chiedene Verbesserungen im Lokaleisenbahnwesen vor.

Abg. S t ö p l e r beklagt, bafc die oberbessische Bahn in Fulda den Passagieren keinen Schutz gegen die Witterung biete.

Abg. Best-Osthofnr bemängelt die ungünstige Verbindung von Osthosen nach Darmstadt. Verschiedene Züge kamen nur wenige Minuten später in Worms an, nachdem der stadt abgelassen: es sei sehr leicht, hier eine

Gerichtstag!.

Königsberg, 7. März. Das Kriegsgericht der 1. Division verurteilte den Leutnant der Landwehr von Berg wegen Zweikampfes mit tätlichen Waffen zu drer Monaten Festung und feinen Karlellträger, den Leutnant der Reserve I e r o s ch, zu einem Sage Festung. Das Duell, das nut einem Kandidaten wegen tätlichen Angriffes ausgesochten wurden verlief u»blutig. .

amten an. Die Regierung werde die einzelnen Beschwerden dar­über mit Aufmerksamkeit prüfen und, wenn sie begründet find, weitere Schritte tun. Mehr könne sie heute nicht versprechen. Be­züglich der Schasimcg einer besseren Bahnverbindung zivischen Mainz und Darmstadt habe die Eisenbahndirektivn die Auskunft erteilt, daß sie die Notwendigkeit zu einer Verbesserung an­erkenne und besonders nach Fertigstellung des neuen Darmstädter Bahnhofs dieselbe durchführen werde. Jnbetreff dieses Bahnhvss- umbaues sei ihm neuerdings ein ganz neues Projekt vorgelegt worden, das voraussichtlich allen berechtigten Ansprüchen genügen und auch in bet Bevölkerung vollen Beisall finden würde. Jn- bezng auf die gestern vorgebrachteil vielen Einzelwünsche verliest der Minister längere Erklärungen und bemerkt ,er habe die Zu­sicherung erhalten daß auf seinen Antrag bei den Eisenbahn­bilektionen Frankfurt und Mainz bei aller Wahrung der fis­kalischen Interessen den von hessischer Seite geäußerten Wünschen und Beschwerden eine besonders wohlwollende Be- ccchtt.u ng geschenkt werden solle.

Deutscher Reichstag.

6 0. Sitzung vorn 8. M ä r z 1906.

Die Beratung des P o st e t a t s wird fortgesetzt.

Zu den vier Resolutionen der Budget-Kommission sind in­zwischen noch sechs von den Abgg. K o p s ch und Mulle r°Sagau hinzugekommen. ,

Abg. ö u c (Zentr.) verbreitet sich über die amtliche Denkschrist über die Verhältnisse dcr höheren Postbeamten, tritt den m den verschiedenen Resolutionen angeregten Wünschen, betreffend Gehalts- erhöhung, bei und besürwortet eine wenn möglich noch weitere Ausdehnung der Sonntagsruhe.

Abg. Eickhofs (frf. 93p.) befürwortet die Resolution Kopsch- Müller-Sagan. Aus eine Tatsache besonders müsse er Hinweisen: die schon vorhaudeneil und sich fortwährend noch steigernden neuen Steuern machten eine allgemeine Erhöhung der Gehälter in der jetzigen Zeit unerläßlich. Den Staatssekretär trage er. was er zu tun gedenke, und ob Aussicht vorhanden sei, daß die Wünsche der Resolutionen wenigstens in den nächsten Etats Erfüllung finden. Auch den Resolutionen der Budgetkommissiou würden er und seine Freunde zustimmen, jedoch mit Ausnahme derjenigen Resolution, welche das Verlangen nach Erleichterung der Telephon-Einrichtungen unb TelegrapheivBenutzung aus bem platten Lanbe, resp. in kleinen Stabten ausspricht.

Abg. G ersdorff (kons.) bittet den Staatssekretär, auf feiner Forderung wegen der Ostnlarken-Zulagen zu beharren. Könnte er dies nicht durchsetzen, so laffe sich vielleicht die Sache so machen, daß für die Postbeamten in den Ostmarken das Dienslalter um drei Jahre erhöht werde.

Abg. S ch w e i ck h a r d t (sudd. 93p.) beklagt lebhatt, daß die Postvermaltung so beharrlich gegen die Portofreiheit für Soldaten- packete ist. , . .

Abg. Duffner (Ztr.) ivumdit, daß bel Beietzung der höheren Stellen mehr als bisher auch badische Beamte berücksichtigt werden möchten. Auch an postalischem Ntaterial möge mehr in Baden in Austrag gegeben werden.

Staatssekretär Krätke erwidert, es tonne da doch nicht am das Prozent genau gerechnet werden. Man solle doch überzeugt sein daß da vollständig nach Gerechtigkeit verfahren werde. Dem Abg Eickhoff müsse er bemerken, daß die au? die Gehaltserhöhung bezügliche Resolution Kopsch Nr. 5 und 6 allein eine Mehrausgabe von 63 Millionen Mark erfordere. (Heiterkeit.)

Abg F u b e i l (Soz.) bringt zahlreiche Eiuzelbefchwerden vor über Mangel an wohlwollender Behandlung gegenüber den Unter­beamten. Die Dienstzeit sei für die Unterbeamten im Allgemeinen DlCt Äbg.^ä m p f (m. 93p.) tagt, höchst unerfreulich fei, daß im Gegensatz zu den bisherigen Bestrebungen nach Verbilligung des Verkehrs sich jetzt Bestrebungen ganz anderer Art geltend machten. Die Regierung selber habe ja bekanntlich Postpacketstempel und Postanweifungsstempel vorgeschlagen. Beides laute doch auf weiter nichts hinaus als aus Portoverteuermig. Dasielbe gelte von ber Steuer auf Ansichtskarten. Auch von dem Verlangen, tm Oüs- nnd Nachbarverkehr Brief- unb Pofikartenporto wieder zu erhöhen, ^er neue Postetat von 62 bis 63 Millionen Ueberschuß fei wahr­lich keine Grnndlage für die Forderung einer Portoerhöhung. Im Mcri trete ber neue Wcltpostkongreß zu|ammen. Er gebe sich der Hoffnung hin, daß der Staatssekretär auf diesem Kongreß cme 93er- tüHioung des Weltpostportos nicht nur anregen, sondern zugleich aufs wärmste unterstützen werde. Zugleich wurde eine solche Ver- billigung des Weltportos unserem ohnehin durch die neuen Zoll­tarife im In- und Auslande geschadigteii Handel dienlich fern und das Band des Zusammenhanges der Deutschen im Reiche und ber Deutschen im Auslande enger zusammenziehen und den Zusammen­hang stärken. (Beifall links.) ..

Abg v. Gerlach (ivL 93g.) äußert Gemiglmmg darüber, daß diesmal 'im Etat bie Forderung der Ostmarkenzulagen nichts er­neuert sei. Redner unterzieht alsdann bas Verhallen der Po|t- venvaltung gegenüber dem Postassistenten-Verbanbe einer abfälligen K^Abg. Stöcker (Ehr. Soz.) bezeichnet den Geist ber Post- beam'en als einen Kott sei Dank noch guten und namentlich and) christlichen. Der Fernsprech- unb Telegraphendiensr an Sonntagen müße eingeschränkt werben.

in Nieder-Ohmen sein.

Abg. Scn ß selber wünscht die Anlegung einer Güterver- ladestelle in Klein-Gerau und einige andere Vc^"'s------:

Abg. Adelung bespricht nochmals die Anstcllungsverhält- insse der niederen Eisenbahnbeamten und bringt vecschicdene Fälle von Beschränkung des Koalitionsrechts vor.

Abg. Bähr kommt auf seine vorjährigen Klagen über die Anstellung alter ?RilitäranwÜrter an exponierten Stellen im Dahndienst zurück; man sollte die Invaliden, so dankbar ihre Versorgung anzuerkenncn sei, doch in ruhigeren Posten unter­bringen. Weiter tadelt Redner die schleckten Bahnhofsverbält- nisse bei Hain-E!ründau usw. Als sich dann der Redner in einer ganzen Anzahl kleiner K'riteleien bezüglich der Anstellung einzelner Bahnwärter erging, für welche das Haus nickt das geringste Interesse zeigte, verließen um V22 Uhr fast sämtliche J-ournalisten ifae Plätze; die Rede Bährs hatte schon vor 1 Uhr begonnen. Erst als um »42 Uhr bet Präsident den Redner unterbrach, ihn auf das leere Haus hinwies ses war kaum noch ein halbes Dutzend Abgeordnete zugegen) und die Kammer fragte, ob sie behusZ Fortsetzung der Rede eine Nachmittagssitzung abhalten wolle, ließ ber Abgeordnete seinen Redestrom versiecheu.

Da bei ber dkrwesenheit ber wenigen Abgeordneten eine Nach- mittagssitzung thum zustanbe gekommen Wäre, vertagte ber Präsi­dent die Sitzung auf morgen früh 9 Uhr. Tas Vorbringen von Kleinbahnschm erzen wird also auch noch eine weitere

r-g nm ihre schwach entwickelten, kränk-

9- nprncnrorpn 1^)01 Lieblinge, können rasch ver- lL.ll.vl I iDUl sLUB I schwinden, wenn man die Kleinen m ihrer Ernährung richtig unterstützt^ 91b. Ruppersdorf b. Herrenhu t O.-L. No. 39, den 4. ölat 1905. Hierdurch benachrichtige ich Sie, 9lamcn3 meiner Fran über bie Erfolge welche mitBioson" erzielt würben. Ich hatte ein VI. Jahre alles Kind, welches noch iiicht lauten konnte und an Schwäche litt. Da ich arm bin und 5 Kinder habe, auch 8 Wochen lang, der kranken Frau halber, nichts verdiente, fehlte die Milch und das Kind erhielt Bioson. Nach drei Wochen früh und abends genoßen, stand das Kind auf und lief an den Banken entlang. Dis Gesichtsfarbe wurde frisch und kräftig unb so hat Bioson zwei Menschen geholfen. Wo ich nur kann, cmpwhle ich es alleii, welche ähnliche Leiben haben. Nehmen Sie nwine emiache Erklärung gütigst an, auch meinen herzlichsten, innigltcn ^. ank für Ihre gütige Sendung. Bioson läßt nichts zu wünschen übrig, wenn ich als Arbeiter dies bezeugen kann, so muß die Wlffen|chatt umsoniehr überzeugt sein. Herzlich grüßend, zeichnet Ew. Hochwohlgeboren dankbaren K a r l H e i n r i ch K e 1 l n e r, Bleicharbeiter. Über­schrift amtlich beglaubigt: Der Gemembevorstcmd: Karl Fcmtsch, Nieder-Ruppersdor'. c

Bioson ist erhältlich in Apotheken, Drogerien ic. das halbe Kilo-Paket zu drei Mark, mit Bouillonextraet oder mit Cacao, ersteres zur Suvpenbereitung, letzteres al-3 Morgengetränk. Man verlange vom Biosonwerk Bensheim die Broschüre mit den Berichten über oie von den Professoren, Aerzten unb in Krankenhäusern :c. erzielten Erfolge. b64