Donnerstag 8. ^tovember 1906
18V. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 263
Gießener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener ZamiNenblätter"' werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „heffifche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätSdruckerei. N. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. bl. Telegr.-Adr.t Anzeiger Gießen.
General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigedlatt für Len Kreis Eietzen.
politische Lagcsscharr.
Vom Landwirtschaftsminifler v. Podbielski läßt sich der vom frommen Freiherrn v. Grotthuß heraus- gegebene „Türmer" (Stuttgart) folgendes erzählen:
Anläßlich der Manöver des Gardekorps luac der Slron- p r i n i anfangs September kurze Zeit nui dem Gute Talmin G a ft des preußi' <cn LaudwirlschaitSmiuisters v. Podbielski. Tiefe Znfälligleit ist m einer höchst merkwürdigen, ja man kann sagen, in einer nock nicht dagewesenen Weise von vcm „Tag" ausge- schlachtet ivorden. Ta ward am' einem verwischten B i l d e der Landwirtschaslünnnisier v. Podbielski vorgesührt, wie er, in Ge- neralSnnüorm, hoch zu Notz sitzend, den unten vor ihm stehenden Kronprinzen lächelnd ansieht, dec zu ihm ausschaut und ihm sreund- lich die Hand reicht. Vom Hiiilergrimde ans beobachten Offiziere in Gruppen diesen Vorgang. WaS bezweckt das Bild? Es soll den Lesern deS „Tag" zeigen, daß Herr v. Podbielski nicht mir sigürlich fest im Sattel sitzt und mir dem Kronprinzen in guten Beziehungen steht. Dieser Zweck des Bildes deutet zugleich mit seinen intellektuellen Urheber. Es kann nicht leicht geivesen sein, dieses Bild auszunehmen. Herr v. Podbielski mußte eine zufällige Begegnung mit dem Kronprinzen suchen. Gelang es ihm, diese Begegnung herbeizusühren, dann konnte er sicher sein, daß dec Kronprinz sich bei ihm, seinem Quactiecgebec, bedanken und ihm die Hand reichen würde. Dieser Augenblick mußte von dem Scherlfchen Photographen abgepgßt werden. Ob der Seherische Photograph Auftrag hatte, den Spuren des Ministers ober des Kronprinzen zu folgen, ob er zu Fuß ober im Automobil die beiden innfreifte, mag dahingestellt bleiben. Sicher war ec zweckentsprechend ausgerüstet und vorbereitet, so daß er seine Aufgabe lösen und den gewünschten Augenblick richtig erhaschen konnte.
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Nationalliberale Kritik.
Nach der Wiesbadener Rede des Abg. Bassermann, über die wir in unserer SamStagSnummer berichteten, verdient eine 9lebe des nationallib. Abg. Beumer in Duisburg Erwähnung, aus der folgendes mitgeteilt fei:
„Die beiden größten Feinde unserer deutschen Weiterentwickelung seien der B y z a n t r n i Sm u s und die B u r e a u - tratie; gegen beide sich mit aller Eirtschiedenheit zu wenden, sei deshalb nicht allein die Psticht des Abgeordneten, sondern jedes einzelnen, der sein Vaterland wirklich lieb habe . . . Das Mini- stecunn Studt sei das unbeliebteste Ministerium, das wir in den letzten Jahrzehnten in Preußen gehabt haben. Mit diesem „Ministerium des Geistes" werde in Der nächsten Session eine g r ü n d l i ch e A b r e ch n u n g zu halten (ein. Ebenso werde die Besprechung der I l e i s ch n o t eine berechtigte Rolle spielen. Angemessene Viehpreise habe unsere Landwirtschall durchaus nötig, und der Metzger wolle auch leben, denn er habe ein Recht dazu. Aber künstlich die Vieh- und Fleischpreise hochzuhalten, verdiene die schar!ste Verurteilung, die vor allem den Landwirtschastsminisler v. Podbielski treffe, der mit einer einfachen Handbewegung und mit teilweise ironischen Bemerkungen diese eminent wichtige und für die Ernährung unseres Volkes recht ernst zu nehmende Frage abtun zu können geglaubt habe. Mit dem Minister werde hierüber geredet werden, falls et überhaupt nach dem 13. November noch da fei."
Kem Tag, der nicht einer Regierung eine „Parlamentär. Abrechnung" in Aussicht stellt. Dr. Beumer ist ein Manu vom rechten Flügel, also ein an freiheitlicher Gesinnung hinter dem Bafsecniannschen Flügel zurückstehender Parlamentarier. Unzutreffend ist diese Zensur nicht. Herrn v. Pod-" bielSki würden nur die Agrarier, zumeist die OstelbicnS und nur ein kleines Häiiflcin Mitteldeutscher, Herrn von Studt wird allenfalls das Zentrum eine Träne nachweinen. Aber welchen realen Wert kann die „Abrechnung^ mit einem Minister haben, dem man hilfreiche Hand leistete beim Zu- standebringen des Schulunterhaltungsgesetzes, des einzigen und voraussichtlich letzten Gesetzgebungswerkes dieses Staats- mannesr Herr v. Studt dürfte der von Dr. Beumer in Aussicht gestellten Abrechnung kühlen Herzens entgegensehen und die eigentliche Abwehr seinen redegewandten und einflußreichen Geheimräten überlassen.
Das kaiserliche Handschreiben an Bismarck, daS wir gestern veröffentlichten, wird von Berliner Blättern verschieden kommentiert. Die Bert. N. Nachr. bedauern die Veröffentlichung des Schreibens im^Hinblick auf die internationale Lage und meinen, es könne in Rußland nicht angenehm berühren, daß der Kaiser, wenn auch vor 16 Jahren, so scharfe Maßnahmen für angebracht hielt. Tie „Morgenpost^ bemerkt: Interessant ist es, zu beobachten, wie jetzt aus den Bismarckischen Kreisen sozusagen tropfenweise allerhand Mitteilungen kommen, die offenbar den Zweck haben sollen, den ersten Reichskanzler seinen Widersachern gegenüber zu recht fertigen. Den großen Schlag könnte die Bismarck-Partei allerdings nur durch Veröffentlichung des dritten Bandes der Gedanken und Erinnerungen tun, die noch wohl verwahrt in den Tressors der Bank von England ruhen.
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Zu den Jntriguen gegen Bulow, von denen uns gestern von besonderer Seile aus Berlin geschrieben wurde, schreibt unS heute unser R,.-Korrespondent aus der Reichshauptstadt:
Mag Fürst Bülow noch so vertieft in seine Tätigkeit fein — von einem solchen grotesken Plan hätte er doch gewiß Kenntnis bekommen. Und ebenso unwahrscheinlich ist, daß der Generalslabschef dem Kaiser „präsentiert" worden sein soll als künftiger ZteichSkanzler des Inneren, ohne daß der Präsentierte eine Ahnung davon hat. Der General v. Moltke hegt, wie man ihn kennt, gewiß die mindeste Neigung, ein derartiges, ihm zugedachtes, höchst schwieriges und höchst undankbares 2lmt zu übernehmen, und ebenso sicher ist, daß der General nicht der Mann dazu ist, um sich „von dec Hand eines hochgeborenen Barden" (Eulenburg) schieben zu lasten. Daß die Erkrankung des Fürsten Bülow von mehreren Seiten aus dazu benutzt wurde, Jntriguen anzuzetteln, und sei es zur Vertreibung Langeriveile, kann nicht verwundern. Aber es ist schwer zu glauben, daß so ungeschickte und ungeeignete Mittel in diesem Spiel an» gewendet worden, und daß die Pläne bis zu ihrer jetzigen
Enthüllung den Hauptpersonen ein Geheimnis geblieben wären.
Das „B. T." ist in der Lage, noch einen Plan zu erwähnen, der zur Entlastung des Fürsten Bülow in gewissen Kreisen erörtert würde. Dieser Plan läuft darauf hinaus, wiederum, wie es unter Caprivi eine Zeit lang der Fall war, das preußische M in i st er- Präsidium einer anderen Persönlichkeit zu übertragen und dem Fürsten Bülow nur das. Reichskanzler- amt zu belassen.
Ter konservative „Reichsbote"
knüpft an eine Polemik gegen die nat.i.ona'lliberate Fronde ,wie er es nennt, eine scharfe Kritik der jetzigen Regierung, die ihre Spitze ziemlich unverhohlen auch gegen den Kaiser selbst kehrt. Die Minister und besonders der Reichskanzler hätten besonders bei der starken Individual itüt deS Kaisers einen schweren Stand. Aber, so bemerkt der „Reichs!).", umsomehr müßten ie darauf bestehest, daß sie vorn Kaiser so gewürdigt werden, vie es ihr Amt verlangt. Es ist ja möglich, daß wir rann auch oft Mini-ft-erwechsel hätten, was auch nicht gut ist, aber der Kaiser würde fick) ton» doch wohl davon überzeugen, daß es richtiger ist, nicht so impulsiv in die Oe f fen tlichkeir zu treten, sondern mehr Zurückhaltung und umfassendere, Beratung m it seinen Ministern zu pflegen. Die Individualität des Kaisers erfordert auch starke Minister. Wenn dies der Fall wäre, könnten wir auch eine treffliche Regierung haben, denn wir haben einen hohen begabten Kaiser, dessen Begabung ihn leider ost verleitet, in allen Dingen sein Urteil als maßgebend zu betrachten. Hier hätten seine Räte einzusetzen und vielleicht gelänge es ihnen auch im Zusammenhang mit der öfteren und ausgiebigeren Beratung, den Kaiser von den allzuvielen R e i i e n mit ihren Festlich keiteu a b z u h a l t e n. Schließlich machten auch die tieften tici solchen Anlässen gehaltenen Tischreden keinen Eindruck mehr. Eine gedankenreiche Zurückhaltung, die sorgfältig erwägt, wo ein Königswort gesprochen werden muß, ist not- wendig.
Deutsche» Reich.
Berlin, 7. Nov. Heute vormittag hörte der Kaiser die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts und des Chefs des Militärlatiinetts. Am Nachmittag begab sich der Kaiser im Automobil nach Liebenberg zu mehrtägigem Besuch bei dem Fürsten Eulenburg-Herteseld. Die Kaiserin begibt sich heute abend nach Plven.
Bei den gestrigen W a h l m ä n n er w ah le n für die 2. und die 1. Avteilung^m 3. Berliner Landtags- Wahlkreise wurden gewählt: 401 freisinnige Votks- partei, 50 Konservative und 117 Sozialdemokraten; 61 Stichwahlen sind erforderlich, und zwar 21 zwischen Freisinnigen und Konservativen, 32 zwischen Freisinnigen und Sozialdemokraten, 8 zwischen Konservativen und Sozialdemokraten. Nach bem Ergebnis der dreuwahl betragt der Bestand der Wahimänner der freisinnigen Boklsparter 1288, bei den Konservativen 166 und bei den Sozialoemokraten 1078.
— Der Ministerialdirektor im Kultusministerium Dr. Althoff ist an einem inneren Leiden schwer erkrankt.
Braunschweig, 7. Nov. Die „Draunschw. N. N." sind von dem Adjutanten des Prinzen Joachim Albrecht von Preußen, Herrn v. Brandenstein, ermächtigt, das durch die Presse gehende Gerücht von einer angeblich bevorstehenden Vermählung des Prinzen Joachim Albrecht von Preußen mit einer Schauspielerin zu bententieren.
LubwigsHafen, 7. Nov. Sämtliche Beamten und Bedienstete der Pfälzischen Eisenbahnen petitionierten bei der Direktion uni sofortige Gewährung einer außerordentlichen Teuerungszulage.
München, 7. Nov. Bezüglich einer Vlüttermekdung wird der Korrespondenz Hoffmann von zuständiger Seite versichert, daß nicht das mindeste bekannt ist, daß im Jahre 1907 die Kaiser Manöver in Bayern abgehalten werden.
Dresden,?. Nov. Heute vormittag wurde in der Vorstadt Löbtau das auf bem Crispiplatz errichtete, von Bürgern der Stadt Palermo der Stadt Dresden geschenkte CriSpi-Tenkmal vom Magistrat in feierlicher Weise übernommen.
Ijecr und Flotte.
London, 7. Nov. Es steht jetzt fest, daß in Portsmouth mindestens 900 Mann meuterten, darunter viele Matrosen der Flotte. Sehr bedenklich sah e5 auf den Kriegsschiffen ans. Als der Aufruhr seinen Höhepunkt erreichte, mürben Abteilungen von Matrosen von einer Anzahl Schiffe einberufen. Sobald der Zweck ihrer Aufstellung in den unteren Verdecken bekannt wurde, wurden die jüngeren Heizer aufgeregt und ergingen sich in wütenden Kundgebungen zu Gunsten ihrer revoltierenden Kameraden. Auf einem Schiff ging es fehr böse zu. Die Heizer machten wiederholt erbitterte Ausfälle. Die Matrosen unterdrückten schließlich die Revolte. Nach allen Berichten ist die Sympathie der Matrosen auf Seiten der rebellierenden Heizer. Eine drohende Menge von Zivilisten versammelte sich geilem abend vor dec Flotten- Kaserne. Starke Regengüsse verhinderten jedoch Niihestörungen durch die Zivilisten. 488 Heizer wurden gestern auf die Schiffe verteilt, 120 Meuterer befinden sich noch im Gefängnis.________________________________
Zur Frage der Flerschtcuerrmg.
Berlin, 6. Nov.
Die Berliner Fleischer-Inn:. n g nahm gestern eine an den Landwirtschaftsminifler gerichtete außerordentlich scharfe Resolution an, welche Herrn v. Podbielski die Urteilsfähigkeit bezüglich ber Teuerung abspricht und schließt:
Im Interesse ves .onsumierenoen Publikums und in Wahrung unserer eigenen Existenz erheben wir von neuem nicht mehr die Bitte, sondern bie Forderung, baß so
fort Maßregeln zur Ocifnung oer Grenze getroffen werden unb ersuchen Cure Exzellenz um Bescheid- wann diese für die Vollsernährung so dringenden Anorb- nungen zu erwarten sind. — In Sachsen planen der- schieoene Stäbte infolge der hohen Fleisch preise, sränbig Seefische an Unbemittelte atizugcben. In Leipzig angestellte Ermittlungen haben ergeben, da,z die dortige Bevölkerung durch die Teuerung seit dem Jahre 1903 eine Mehrbelastung von 6 Millionen Mark erfahren hat. Die Stadtverordneten beschlossen eine Petition an den Reichskanzler. — Die holsteinischen Städte wollen eine gemeinsame Aktion gegen die Flcischnot einleiten. Zur Beratung dieser Angelegenheit wird am 24. November der Städtetag der Provinz in Kiel zusamnrentreten.
— Die „Nene Politische Korrespondenz" glaubt, man werde nicht schlgehen, wenn man annehmc, daß bei der Erörterung der Maßregeln gegen die Fle i s ch t eu erun g die zeitweilige Herabsetzung ber Zölle auf Schlachtvieh und Fleisch in erster Linie zur Erwägung stehe. Die „Tcntsche Tagesztg." bemcrti zu dieser Meldung, daß man mit dieser Annahme sehr fehl geht. Wie ihr versichert wird, denkt man nicht an eine sola-e Maßregel; und man ist verwundert, daß die Möglichkeit eines derartigen Vorgehens überhaupt erwogen wirb.
rinsSanS.
London, 7. Nov. (Untcrl-auS.) KR'r Hardie (Soz.) Dringt eine Bill ein, durch die den Frauen das Wahlrecht gewährt wird. Eine Ncgierungscrklüruiig wird nicht abgegeben. Die Bill hat nicht die geringste Wahrscheinlichkeit, in dieser Session angenommen zu werden.
Madrid, 7. Nov. lieber die spanische An11duell - l i g a hat König A l f o n Z vas Ehrenpräsidium übernommen. Aktive Militärs u nd viele Herren vom Hofe sind der Liga beigetreten. Bemerkenswert ist dec Wortlaut des Schreibens, in welchem der König seine Bereitwilligkeit zur Übernahme des .Ehrenpräsidiums ausgesprochen hat. Der Oderst- hosmeister Herzog von Sotomayor schrieb an den Marquis d'Here- dta, den Vvcsitzeuben der spanischen Landesliga: „Mit freudiger Befriedigung erklärt Se. Majestät ber König sich bereit, ben von dem Zentralkomitee und den BejirlSkomitees ihm angebotenen Chrenvorsitz dieser so wichtigen Liga anzunehmen". Wenn diese königliche Kundgebung nun auch noch nicht die Beseitigung aller Duelle in Span.en zur Folge Haven wird, so ist damit dock der Duellzwang sür beseitigt zu erachten.
Rom, 7. Nov. Die hiesigen Blätter bringen Mitteilungen über ein geplantes .Attentat, das aber gescheitert ist. Es handelt sich um einen jungen Mann, der den Herzog unb die Herzogin von Aosta ermorden sollte. Die Polizei verhaftete den Anarchisten in Genua.
Genf, 7. Nov. In der Schweiz ist Getreide mangel zu verzeichnen. Die Getreidevorräte langen nur noch für wenige Wochen. Tie Negierung wird energische Maßnahinen treffen müssen, um einer Not vorzubeugen.
Wien, 7. Nov. (Abgeordnetenhaus.) Der Dring- lichleilsantrag betr. die Wahlreform wird mit 227 gegen 46 Stimmen angenommen. Dabei rast Schönerer wiederholt den Sozialdemokraten zu: „Bezahlte Komödianten! Bestochene Bagage!" Schönerer gibt eine Erklärung ab, in welcher diejenigen deutschen Abgeordneten, die für eine den Slaven zur dauernden Vorherrschaft v.-rhelscnden Vorlage eintreten, deS schändlichen Volksverrats geziehen werden; die All- deuischw sähen den einzigen Schutz und Schirm für das deutsche Volk im deutschen Reiche, wesl)alb ec mit dem Wunsche schließe: „§)eil dem Hort unserer Zukunft! Heil dem deutschen Hohenzoklernreiche!"'
Belgrad, 7. Nov. Skupschtina. Der Minister des Innern verwahrt sich gegen die Behauptung von 9iasailo- witsch, daß die Negierung die Presse unterdrücke. Rafailowitsch rüst dem Minister zu: „Ich werde Ihr Verfchwörer- hcrz schon beruhigen. Ich werde jeden, der mich einen fremden Agenten nennt, auf der Gasse züchtigen und mit dem Revolver gegen diejenigen vorgehen, die mich verleumden." Infolge anhaltenden Lärmens wird die Sitzung unterbrochen. Beim Verlassen des Sitzungssaales ruft der Abg. Nektarijewitsch dem 8lbg. Rafailowitsch etwas zu, worauf ihm diasailowitsch einen Schlag in daS Gesicht versetzt.
Newyork, 7. Rov. Ter Republikaner Hughes ist, wie gemeldet, zum Gouverneur des Staates Newyork gewählt. Damit hat die 9!ation dem Präsidenten Roosevelt ein glänzendes Vertrauensvotum ausgestellt. Nach den bisherigen Festflellimgen ist zum Nizegouverneur von Newyork gleichfalls der republitauische Kandidat gewählt worden. — An mehreren Stellen fanden Straßenkämpfe zwischen Nepublikauecn und Demokraten statt. In Virginia bewaffnete sich die Volksmenge mit der Absicht, die Neger an der Stimmabgabe gewaltsam zu verhindern. Die Neger verteidigten sich und es kam zu blutigen Kämpfen. Die genauen Verluste sind noch nicht bekannt, doch sind mehrere Tote und viele Verwundete als Opfer ber Wahl zu verzeichnen. Die Republikaner trugen den Sieg davon in Pennsylvania, Rhodes-Island, Connecticut, Michigan, Joiva, Minnesota, Visconsin, Jndia, Ohio. Im Süden siegten wie gewöhnlich die Demokiateii. Tic Republikaner behalten die Herrschaft im Kongreße, ihre Mehrheit aber beträgt nur etwa 70, anstelle von 112.
Russisches.
Der Beschluß des Minislercates, daß den Besitzern von Majocatsgütern der Verkauf von Parzellen derselben an landarme Bauern mit oder ohne Vermittelung der Staatsbauecnbank gestattet sei, erhielt die Bestätigung des Kaisers.
Eine in Petersburg abgehaltene Studenten- Versammlung beschloß eine Resolution, in welcher die Entrüstung über das reaktionäre Verhalten des Professocen- Kollegjnins ausgesprochen und unter Androhung von Repressalien die Zurücknahme der Verordnung, wonach die südlichen Hörer vom Besiiche der Universität ausgeschloffen und ausgcwiesen werden sollen, gefordert wird. Infolgedessen dürfte die Universität geschloffen werden.
Ter Sohn des Warschauer 9iedakteurs Gi \ v wurde in der Nähe von Wojmc von Banditen üba .cu. . umrhte


