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9.3.1906 Erstes Blatt
 
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Freitag S. Marz 1906

1 SV. Jahrgang

Erstes Blatt

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Englische ttriegsrüstuugen.

London, 8. März.

Ter Staatssekretär des Kriegsamts Haldane begründete im Unterhause heute in längerer Rede die Armeeforderungen und führte dabei aus:Ich wünsche, wir wären erst so weit, daß die Völker gemeinsam dec Frage einer Einschränkung der Rüstungen näher treten. Nur durch ein gemein­sames Vorgehen können wir uns von der Last der Rüst­ungen befreien. Solange die Truppenstärke in Indien und in den anderen Kolonien auf ihrer jetzigen Höhe erhalten werden muß, können wir eine Verminderung der

Ausland.

Paris, 8. März. Im Laufe der gestrigen Kammer­sitzung erhielt der Minister des Innern ein Telegramm, welches ihm mitteilte, daß in dem Körper dc§ in Boeschepe bei der Inventaraufnahme erschossenen Arbeiters eine Re-- volvcrkugel von 6 mm Kaliber gefunden worden ist. Daraus gehe hervor, daß der Arbeiter von dem Sohne beS mit der Inventaraufnahme betrauten Registraturbeamten erschosten worden ist. . .

Chamberr; (Frankreich), 8. März. General Mrrr-. bielli, Befehlshaber der 28. Division, wurde wegen lieber* tretung der Amtsgewalt, begangen an einem gemei­nen Soldaten, zur Disposition gestellt.

Budapest, 8. März. Die Liga für daS allgem. Wahlrecht veröffentlicht heute einen Aufruf, in welchem die Koalition heftig angegriffen wird, weil sie ohne Stärkung des Parlaments und Sicherung der Verfassung einen aussichts­losen, unfruchtbaren Kampf unternommen habe.

Ter Absolutismus bestand schon früher, wurde jedoch nur gegen das Volk, nicht gegen die herrschende Klaffe angewendet. Jetzt richtet sich der Absolutismus gegen jene magyarische herr­schende Schicht, welche bisher alle Institutionen im eigenen Inte­resse ausgestaltete und Unterlasten hat, ein starke Bürgerschaft zu schaffen und den Parlamentarismus zu stärken."

Mitteilung über eine Aenderung der Disposition, wonach dieHamburg" für die Kaiserreise gechartert wurde, zugegangen.

Also man weiß bisher offiziell, daß der Kaiser zu einer Meerfahrt dieHamburgs benutzen wird; weiter nichts! Es muß doch wohl mit dem immer noch ausstehenden Ent- chluß de§ Kaisers eine besondere Bewandtnis haben, denn es entspricht den höfischen Geflogenheiten, das Programm auf Monate im voraus festzulegen. In diesem Zusammen- Hang ist der Hinweis auf eine Mitteilung derDeutschen Revue" interessant, derzufolge Deutschland über die parteiische Haltung deS Vorsitzenden der* Ma- rokkokon ferenz, deS Herzogs von Almodovar, in Madrid sich beschwert und zu verstehen gegeben, habe, daß dies den Gegenbesuch des Kaisers in Spanien erschweren müsse. Vielleicht hat die spanische Regierung bei der .besseren Jnstruienmg" deS Herzogs den Erwartungen Deutschlands bisher nicht in vollem Umfange entsprochen, eine Auffassung, zu deren Gunsten das Gerücht vom nahen Abschluß eines spanisch - englischen Bündnisses spricht. Jedenfalls würde eine Mittelmeerfahrt deS Kaisers, in der ein Besuch Spaniens fehlt, zu den schädlichsten Ausstreuungen Anlaß geben. Die politische Bedeutung des Pyrenäenstaates an sich ist nicht gestiegen, aber die derzeitige internationale Konstellation macht ihn zu einem immerhin beachtenswerten Faktor.

Eine bemerkenswerte Madrider Meldung der französischen offiziellenAgence HavaS" besagt:

Es verlautet, Ministerpräsident Moret habe den Herzog von A l m o b o v a r beauftragt, bic Konferenz von Algeciras n l cy t vor dem Schluß ihrer Arbeiten zu v e r l a s s e n.

DaS sieht auch nicht sehr beutschfreundlrch auS. Zu be­achten bleibt auch, baß Fürst Bülow diese Ostern auf seine sonst alljährige Jtalicnfahrt zu verzichten scheint.

Ta8 Programm des italieuischcn Ministeriums.

Das Ministerium Sonnino stellte sich am 8. d. M. der Kammer vor und fand eine warme, widerspruchslose Aufnahme. In Krieg und Marine wird das System der Dezentralisation der Verwaltung eingeführt. Die Offiziere aller Waffengattungen werden gleichgestellt, das LoS der Unteroffiziere gebessert durch Zulassung zu den Zivilämtern ohne Prüfung. Außerdem ist die Einführung der zwei­jährigen Dienstzeit geplant. Bemerkenswert sind Sonninos Erklärungen, daß in der aitSroä rfigen Politik die gleiche Richtung beibehalten werbe entsprechend der An­sicht dec Mehrheit des Landes: gegenüber dem Dreibund herzlichste Treue, mit England die traditionelle In­timität und aufrichtige Freundschaft mit Frank­reich. Im internationalen Konzert soll die auf Eintracht und Frieden gerichtete Aktion fotgesetzt werden. In Alge­ciras führe Italien eine disinteressierte Aktion der Ver­söhnung durch, die ein Unterpfand sei für die Loyalität gegenüber den verbündeten Freunden, unö welche von allen sympathisch beurteilt werden müsse, welche die Aufrechterhal­tung guter Beziehungen unter allen Staaten wünschen.

Nutzland.

Da die ausländ tsch en Banken eine Beteiligung an der geplanten Anleihe abgelehnt haben, ist die Re­gierung in ihrerFinanznot ratloS und sucht nach allerlei Hilfsmitteln. Jetzt verlautet, der Zar beabsichtige, seine Apanage-Güter und auch noch Güter anderer Mit­glieder des Kaiserhauses den ausländischen Finanziers als Versatzobjekt für eine Anleihe anzubietcn. Das Pro­jekt des Zaren würde in Finanzkreisen Westeuropas erwogen.

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Deutsches Reich.

Berlin, 8. März. Daß der Kaiser Verbindung mit der Arbeiterschaft sucht, zeigt daS Antwort­schreiben, das dieser Tage dem Vorsitzenden deS Gesamt verbandes Evangelischer Arbeitervereine zuging:

I. M. dec Kaiser und Storno, sowie die Kaiserin und Königin haben ©ich sehr gefreut, anläßlich der Feier Allerhöchstihrer Silbernen Hochzeit auch von dem Gesamtverbande der Evangeli" chen Arbeitervereine Deutschlands treue Glück- und Segenswünsche entqegenne()tnen zu können. Ihre Majestäten haben die von Aller- höchstihnen besonderSgeschätzte Adresse dem Hohenzollern- Museum zur Aufbewahrung überwiesen und mich zu beauftrage« cerufjt, dem Gesamtverbande Allerhöchstihreu wärmsten Dank für den erneuten Ausdruck treuer Ergebenheit auszusprechen.

Der Geh. Kabinetlsrat, Wirkt. Geh. Rat ßucanuS/

_ Dem Prinzen Paribatra von Siam ist daS Großkreuz des Roten AdlerordenS verliehen »vordem

General der Infanterie v. Mischke, einst General- Adjutant deS Kaisers Friedrich, ist gestern Abend gestorben.

Heute ist im Hotel Kaiserhof die auS 50 Personen bestehende chinesische Studienkommission angelangt, welche den Vizekönig Tuang fang und den StaatSrninistev Tai hung Chu zu ihren Mitgliedern zählt. Die Gesellschaft kam von Amerika und wird von Berlin aus eine Rundreise durch Europa antreten. Sie wohnte der heutigen ReichL- tagSsitzung bei.

Detmold, 8. März. Im Landtag erklärte Minister v. Gcvekot, die Regierung mißbillige die Behandlung dcs Redakteurs Stärke bei der über ihn in Sachen der Diesseits-Depesche verhängten Zeugniszwangshaft und habe der Staatsamvaltschaft entsprechende Weisungen erteilt.

Baden-Baden, 8. März. Heute nachmittag fand unter zahlreicher Beteiligung die Beisetzung deS ver­storbenen ehemaligen reichsländischen Staatssekretärs Max v. Puttkamer statt.

München, 8. März. AuS Anlaß der demnächstigen Vollendung seines 85. Lebensjahres hat der Prinz reg ent allen Militärpersonen, gegen die bis zum 11. d. Mts. Strafen im Disziplinarwege verhängt oder durch Militärgerichte Freiheitsstrafen bis zu 6 Wochen ober Geldstrafen bis zu 100 Mk. rechtskräftig erkannt worden sind, diese Strafen erlassen. _____________

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Verantwortlich für den polit und allgem. Seil: P. Wittko; füt .Stadt und 2anb* und .Gerichtssaal': Ernst Heß; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

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Nr. 58 erf»ete< tLgttch außer SonniagS.

Dem Gießener Anzeiger werden hn Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siegener Samlliec blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'sehen Univers.-Buch-u.Stein- druckerei. R. Lange. Redaktion, Exvediüo« und Druckerei:

tzchulstraße 7.

Redaktion 113

Verlag u.Exocd.^Aol Adresse für Depeschen: Unzcigcr Gießen.

Tie Wahlresornt itt Oesterreich.

Wien, 8. März. (Llbaeordnetenhaus.) In der fortan setzten ersten Lesung der Wahlreformvvrlage erklärte Abg. Weißkirchner, die Christlich-Sozialen seien ent- chieden für das allgemeine, gleiche, direkte- und geheime Wahlrecht. Redner verlangt Emfilhr* ung der Wahlpflicht.

Graf D z i e d u s z y ck i erklärt, die Wahlreform behandles die Nichtdeutschen als inferiore Staatsbürger. Redner klagt über die Benachteiligung der Polen bei der Wahlkreisein­teilung und verlangt Verbindung der Wcchlreform mit der Verfassungsänderung auf autonomistischer Grundlage. duSzycki weist auf bic Gefahren hin, die Oesterreich drol)ew würden, wenn künftig im Parlament die Sozialdemokratew und die radikalen Parteien die maßgebende Rolle spielen.

Kaftan erklärt, das allgemeine gleiche Wahlrecht fei in einem Staate, in welchem Militär- und Bildungszwang bestehe, unerläßlich. Er befürwortet ebenfalls die Einführ­ung der Wahlpflicht und hofft, daß die Wahlreform zu. einer Verständigung mit den Deutschen führen werde. Die Slaven mürben, wenn sie zu der ihnen zukommendew Majorität gelangten, den Deutschen gern die Hand zum Frieden bieten. (Beifall.)

Marokko.

Algeciras, 8. MäM.

Die französische Abordnung bereitet einen Entwurf betreffend die Polizei vor. Dieser Entwurf besagt im wesentlichen: Um die Sicherheit in den acht dem .handel geöffneten Häfen berzustellen, wird eine Polizeitruppe geschaffen werden, die aus Marokka­nern, unter 2e itun g von französischen und spani­schen Instruktoren bestehen wird.

Nach dem über die heutige Sitzung der Konferenz ausgegebenen amtlichen Kommunique fefrtc die Konferenz in offizieller Sitwng die Prüfung der zurückgestellten Punkte der Baukfra ge fort. Die Konferenz konstituierte sich sodann zu enter Komtteestbung und feiste die Prüfung der Polizeifrage fort. Der erste ß-euW Vertreter v. Radvwitz erklärte, daß seine Regierung keine Ein wend un gen erheben würde gegen eine Organisation b c r Polizei durch Frankreich und Spanien in den dem Handel geöffneten Häfen unter Garantien, die geeignet seien, die Freiheit des öan bet3 zu sichern. Ter erste Vertreter Oesterreichs legte seinerseits einen Polizei-Entwurf vor. Nach einem kurzen Meinungs'Ustauscke forderten dte Delegierten eine Frist, um die beiden Entwürfe zu studieren, und beschlossen, am .Samstag zufammenzutreten, um die Beratung des Artikels 23 deS Vankentwurfes und bic Prüfung der Grundlagen fort­zusetzen, auf denen es werde möglich erscheinen können, einen endailtigen Polizei-Entwurf aufzustNlen.

'Es verlautet, daß in der heutigen Sitzung die Bank­frage bis auf die Festsetzung der Zahl der französischen Anteile geregelt wurde.

Der vom österr. Grafen Welfersheimb vorgelegte Polizei- orgamsationsentwurf, der nicht ohne Fühlung mit den deutschen Delegierten gemacht sein dürfte, wahrt, abgesehen von der Be­teiligung Spaniens und der- Ueberweisung eines Hafens an einen mit der Polizei-Generalinsp'ktion über die gesamte Organisation betrauten Offizier eines dritten Staates (Schweiz ober Nieder­lande, das von deutscher Seite vertretene Prinzip der Jnter- nationalität, wenn er auch den besonderen Interessen Frankreichs in weitgehendem Maße Rechnung trägt D>er erste Eindruck des Vorschlags scheint nicht ungünstig zu fein. Selbst unter den Anhängern des französisch-spanischen Gnt= Wurfs wird feine konziliante Tendenz anerkannt.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger w

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gehen

Die üerüiae Kummer umfasst 12 Seilen.

Alber die französtsche Ministerkrise brauchen wir in Deutschland uns nicht sonderlich aufzw- halten, da im Gegensätze zum Sturze Delcassös Rouvier durch eine rein innerpolitische Angelegenhert zu Fclll kam. Rur insofern muß uns der plötzliche Abgang dcs franzos. Ministerpräsidenten interessieren, da er es war, der nach der Delcafsäschen Deutschenbetze die Maro Ko-Frage m ruhigere Dahnen lenkte, llnd gerade jetzt, wo diese Frage von "internationaler Bedeutung unmittelbar vor der Ent­scheidung steht, käme eigentlich der Sturz Rouviers zu höchst ungelegener Zeit, wenn man nicht wüßte, daß die französische Politik auch nach der neuesten Ministerkrise die Rouvierschen Bahnen weiter verfolgen will. Dach die französische Politik ist nun einmal sehr wetter­wendisch, sodaß trotz allen gegenteiligen Erwarungen Kom­plikationen entstehen könnten. Was würde dann aus der Konferenz in A l g c c ir aS ? Wir sind nicht so pessimistisch, daß wir sodann an einen vollständigen Bruch glauben, besonders im Hinblick darauf, daß bte Delegierten schon seit 48 Stunden wohl im Geheimen über die strittigen Hauptfragen, die Polizei- und Bankfrage einig sind!

Rouviers Erbe wird wohl ein radikaler Minister an­treten. In parlamentarischen Pariser Kreisen wird erzählt, der Senatspräsident Dubost habe dem Präsidenten Fallißres den Rat erteilt, er möge Leon Bourgeois ersuchen, die Bildung des neuen Kabinetts zu übernehmen. Fallieres empfing gestern nachmittag Rouvier und sprach mit ihm über die Konferenz in Algeciras und über die telegra­phischen Instruktionen für Revoil. Später empfing Fälliges den Minister des Innern Dubief, der mitteilte, daß er angeordnet habe, daß in allen Gemeinden, in denen Konflikte zu befürchten seien, die Inventur ausgesetzt werden soll. Schließlich hatte der Präsident eine einstün­dige Unterredung mit Bourgois, der, als er das Elysee verließ, erklärte, die Unterredung habe rein konsultativen Charakter gehabt und es sei in keiner Hinsicht ein Beschluß gefaßt worden.

Ferner empfing Falliöres den Kammerpräsidenten Doumer, den 'Deputierten Sarrien, den Vorsitzenden der radikalen Linken der Kammer, sowie Senator Valle, den ehemaligen Justizminister. B ourgeois erscheint bereit, das Ministerium dcs Aeußern zu über­nehm 'n, widerstrebt aber der Uebernahme des Minister- Präsidiums, das vielleicht Sarrien zufällt. Man nennt weiterhin M illerand und Leygues sowie den radi­kalen Senator Poinears als ernste Kandidaten für die übrigen Portefeuilles. Vielfach ivird die Kombination Millerand, Leygues, Briand für die aussichtsreichste ge­halten. Eine Millerand zur Verfügung stehende Kammer­mehrheit wird zwar wegen der unter den Radikab-Sozialisten und Sozialisten erfolgenden Spaltung keine große sein, aber er wird die Wahlen zweifellos leiten. In der ausivärt. Politik gift Millerand feit seiner Sommerreise durch Deutschland als deutsch-freundlich; in der Marokko­frage würde er Rouvier gewahren lassen. Millerand kon­ferierte mit Leygues und Baud in, seinen ehemaligen Mi­nisterkollegen, sowie mit dem Deputierten Massee. Mille­rand steht sich gut mit Etienne und Thomson. Es wäre demnach nicht ausgeschlossen, daß diese ihre Porte­feuilles des Kriegs und der Marine behalten. Die Radi­kalen, denen Fallieres seine Wahl zum Präsidenten ver­dankt, verlangen Briand, den Schöpfer des Separations- Zesetzes, zum Minister des Innern.

Ganz unwahrfcheinlich ist, daß einGemäßigter" an das Ruder gelangt, dafür sorgt schon die Kammer, in der ja die Linke allein den Ausschlag gibt. Im übrigen steht man in Frankreich ja vor den Kammerwahlen, und da macht sich immer eine gewisse Ministerkrisen-Luft bemerk­bar. Rouvier hätte man in absehbarer Zeit sowieso fallen lassen, womit man auch bereits gerechnet hatte. Soll doch schon Fallieres seit geraumer Zeit seine neue Ministerliste in der Tasche haben. Wer darauf steht, ist zwar noch nicht mit Sicherheit zu sagen, doch werden es wohl die Freunde und Mitarbeiter des Ministeriums C o m b e s sein. Combes selbst wird allerdings nicht mehr auf den Plan treten, sodaß also ein Ministerium Combes ohne Combes zu erwarten steht. Die äußere Politik wird also unverändert bleiben, die innere wird vielleicht jetzt noch eine Sch,ab- iienutg kirch en feindlich er werden .

Di.e Majorität, die Rouvier stürzte, umfaßte die ge­samte Rechte, die Hälfte der Progreffisten und Republi­kaner, die Mehrzahl der Sozialisten und eine Anzahl Radi­kal-Sozialisten.

Algeciras, 8. März. In hiesigen diplomatischen Kteisen herrscht eine gewisse Befürchtung wegen der Niederlage des Kabinetts Rouvier. Es wird bedauert, daß man cs in Paris in dem gegenwärtigen, für die Kvnferenz so kritischen Zeitpunkte zu einer Krise kommen Heb. Allgemein herrsckt die Annahme vor, bau bas neue Kabinett inbezug auf bie Konferenz die gleiche Politik wie bas bisl>erige einl)alten wirb, doch befürchten die Franzosen, baß Dcuischlanb jetzt eine noch schroffere Haltung einnehmen wirb. (??)

London, 8. März. Die Blätter brücken ihr lebhaftes Bebauern über ben Fall des Ministeriums Rouvier aus, sind aber überzeugt, baß ber Wechsel des Ministeriums keinerlei Einfluß auf die auswärtige Politik Frankreichs, namentlich auf die Entente corbiafe uno die Marokkokonserenz aus- ivirb.

Komische Sagesscharr.

Tie Kaiserreise.

Aus Hamburg meldet heute D. B. Hd.:

TieHamburg" der Hamburg-Amcrika-Linie ist am 7. d. Mts. von Genua abgegangen, um für die Kaiferreise fertig gemacht zu werben. Der Hamburg-Amerika-Lmie ist bisher keinerlei