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Smnstag .8 September 1906
A Rotationsdruck und Verlag der Ctflbl’ldw
$iV UniversitälSdruckeret. 9L Lang«. Btetze».
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Gchulstr.A.
Tel. Nr. 51. Telegr^Adr.: Anzeiger Gieße».
156. Jahrgang
Nr. 211 Drittes Blatt
Erscheint t6g!i^ mit Ausnahme deS SormtagS.
Die „Siebener ZamiliendlSiter" werden dem „Anzeige, viermal wöchentlich beigelegt. Der kaadwtrN' erscheint monatlich einmal.
General-Anzeiger, Amt;- md Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen
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politische Tagesscharr.
Saure Trauben.
Der russische Finanz Minister Kokowzeff gibt sich den Anschein, als benötige er keineswegs des neuen Anleihekredits im Auslande. Die russisch-offiziöse Telegraphenagentur hat den Auftrag, von Zeit zu Zeit auf die lieber» schösse Hinzumeisen, die Herr Kokowzeff mit seiner Finanzwirtschaft erziele. Man hört's, aber der Glaube fehlt, denn was, nach einem Bericht der „Voss. Ztg.", den Pariser Börsenkreisen über die Praktiken dieses gelehrigsten Schülers des Grafen Witte bekannt geworden ist, läßt darauf schließen, daß Herr Kokolvzeff die gewagtesten Mittel anivendet, um die staatliche Finanznot zu mildern. Charakteristisch ist in dieser Beziehung die Bewerkstelligung der letzten „inneren Anleihe" von 50 Millionen Rubel. Sie hatte so fabelhaften Erfolg, daß sich eine förmliche Emission erübrigte; die Titres waren im Handumdrehen untergebracht. Ein Tausendkünstler, dieser Herr Kokowzeff! Es gibt nichts Einfacheres, als sein Verfahren. Er ließ die neuen bunten Wertpapiere drucken und bezahlte mit ihnen die Lieferanten, die noch Forderungen an die Staatskasse hatten. Die also Bedachten mögen sehen, wie sie die Schuldverschreibungen mit mehr oder weniger großen Verlusten weiter veräußern. Aber der vielgewandte Finanzminister weiß noch auf andere Art zugunsten der Staatskasse Kapital zu schlagen. Er fordert von den Industriellen, die sich au den Submissionen für Staatslieferungen beteiligen, daß sie die unvermeidliche und reichlich bemessene Kaution in Anteilscheinen der neuen inneren Anleihe hinterlegen. Das ist gewissermaßen eine Finanzdiktatur, und wer sich ihr in dieser Form nicht beugt, der wird geködert durch kurzfristige Schatzanweisungen, die beim Verfall durch neue, etwas höher verzinsliche abgelöst werden. Das Ausland hat Herrn Kokowzeff nicht Vorschriften zu machen, wie er sich in Rußland selbst Geld beschaffen darf. Aber es hat das Recht und die Pflicht, die Maßregeln des Finanzministers auf dem Konto der Kreditwürdigkeit Rußlands anzumerken, denn um die Notwendigkeit, eine neue Ausländsanleihe aufzunehmen, kommt die russische Negierung nicht herum. Frankreich, das wohl auch in Zukunft zunächst Beteiligte, wird durch die Praktiken des Herrn Kokowzeff wahrscheinlich in seinem Entschluß bestärkt werden, nur unter Zustimmung der Duma dem Verbündeten neuen Kredit zu eröffnen.
Portugals Kolonialbudget.
Im Hinblick auf die großen finanziellen Opfer, die Deutschland für seine Kolonien gebracht hat und noch bringen muß, gewährt es einigen Trost, zu sehen, daß auch andere Staaten für ihren Ueberseebesitz beträchtliche Zuschüffe zu leisten genötigt sind. Portligal z. B., das auf eine Jahrhunderte lange kolonisatorische Erfahrung zurückblickt und Schutzgebiete aufweist, die für ertragreicher gelten, als die deutschen, verzeichnet auch im neuen Kolonialbudget einen Fehlbetrag von rund 2,5 Millionen Mark, ein recht fühlbarer Ausfall für ein so kleines und finanziell so wenig leistungsfähiges Land. Würde Portugal gezwungen, einen langwierigen Kolonialkrieg zu führen, so würde der Ueberseebesitz das Land ruinieren. Portugal hat also Ursache, da, wo seine Kolonien an die deutschen angrenzen, mit dem Nachbar Hand in Hand zu gehen, denn es wäre bei Aufständen der Grenz- ftöinme — Ovambo — weit mehr auf die deutsche Unterstützung angewiesen, als Deutschland auf die portugiesische. Bei den Kolonialausgaben Portugals will beachtet sein, daß die Ausgaben für wirtschaftliche Erschließung — Bahn- bauten usw. — gering sind. Die Erträge der Schutzgebiete laffen kostspielige Unternehmungen dieser Art nicht zu, und das Mutterland kann außerordentliche Zuschüsse nicht leisten.
in der Entwicklung oder beim Lernen
4VM>*/ * Bv zurückbleibende Kinder, sowie blutarme, sich inattfühleude unb nervöse überarbeitete, leicht erregbare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen oPader/ihigungS- niittet mit großem Erfolg Dr. Hommcl'ö Hacmathktrolvs,
Ter Appetit erwacht, die geistigen uur.Lseurötexliche^ Kräfte werden rasch gehoben, daö Gesamt.fall, Frauenhaft: gestärkt. 2519
Man verlange jedoch ausdrücklich das echte 78 (nächst dem Haematogeu und lasse sich keine der vielen £ag3 10—11 Uhr. reden.
«Deutscher pfarrertag.
(Unberechtigter Nachdruck verboten.)
H. F. Dr e s d e n, 6. September.
Der Deutsche Pfarrertag ivurbc h.'ute vormittag im Evangelischen Vereinshause unter überaus zahlreicher Beteiligung mit einer vom Oberkonsistorialret Superintendent D. Benz (Dresden) abgehaltenen Morgenandacht eröffnet.
Begrüßungen.
Der Vorsitzende, Dekan Deiß m a n n - Eubach (Hessen-Nassau^ begrüßte darnach den Pfarrertag und teilte mit, daß im Auftrage des sächsischen Kultusmiillsterinms erschienen seien: Oberhvf- prediger D. Ackermann, Geh. Regierungsrat Dr. Böhme und Geh. Regierungsrat Dr. Kühn.
Stadtpfarrer Dr. Sch n i z z e r - Hirschberg (Württemberg) sprach über:
„Der Religions-Unterricht tu seiner Bedeutung für die Erziehung."
Der Redner führte aus: Soweit er unterrichtet sei, seien dte Pädagogen einig, die Religion als Erziehungs-Gegenstand zu behandeln. Religion sei nicht lehrbar: sie sei kein Fach, das gleich Vokabeln gedächtnismäßig angeeignet werden, auch keine Fertigkeit, die durch Hebung erworben werden könnte. Trotzdem stehe die Religion im Programm des erziehenden Unterrichts mit Recht an erster Stelle, weil keine Erziehung das Sittlich- Religiöse entbehren könne, unb weil es unmöglich sei, eine bestimmte Religion zu lehren, ohne ihren geschichtlichen Inhalt erkenntnismäßig zu vermitteln. Das Wichtigste für den Erfolg des Religiors-Unterrichts sei neben her Persönlichkeit des Lehrers die richtige Bestimmung des Erziehungszieles und eine derartige Auswahl unb Anordnung des Lehrstoffes, welche diesem Erziehungsziele entspricht. Dec Religionsunterricht soll durch innere Verbindung mit den religiösen Persönlichkeiten der biblischen Geschichte den Glauben an den Sieg des Guten in die Herzen pflanzen, die kommenden Konflikte zwischen Glauben und Wissen erleichtern helfen und die Herzen mit Ehrfurcht erfüllen vor der tatsächlichen Offenbarung des lebendigen Gottes. Um dieses Erziehungszweckes willen sind die Reformen, die in den Lehrerbildungs-Anstalten anzusetzen haben, unerläßlich. Die Wege dafür sind _ uns gewiesen und geebnet durch die Fortschritte der psychologisch-pädagogischen Wissenschaft, durch den Wandel in dem Natur- und Welterkennen der Gegenwart und durch die neuere Bibelforschung. Unter Voraussetzung dieser Reformen können die seither gebräuchlichen Einzelfächer des Religionsunterrichts beibehalten werden. Doch ist zu fordern: Tunlichste Beseitigung des Memorier-Mechanismus, Ausschaltung der Religion als förmlichen Prüfungsfaches unter Vermeidung eigentlicher Zeugnisstufen, Ermöglichung des Verzichts auf Erteilung des Religionsunterrichts für diejenigen Lehrer, welche sich dieser Aufgabe nicht gewachsen fügten. Bei der großen Verschiedenheit der Einrichtungen in den Einzelstaaten und Landeskirchen kann das Verhältnis von Kirche unb Schule beim Religionsunterrichte für jetzt kaum einheitlich bestimmt werben. Die evangelische Kirche hat bie Pflicht, ber Schule zu einem Religionsunterrichte zu verhelfen, der zugleich wirklich religiös und wahrhaft zeitgemäß ist. Sie erfüllt damit einen Hauvtteil ihrer geschichllichen Bestimm ung: dem deutschen Volke das wichtigste Erziehungsmittel, das Gott selbst ihm gegeben hat, zu erhalten und lebenskräftig anzueignen. Möge der Psarrertäg dazu beitragen, daß dieses Ziel baldigst erreicht werde. (Lebhafter Beifall.)
Besprechung.
Pfarrer All ihn (Atl>enstedt): Es gebe nicht eine Religion, sondern Religionen; dies sei auch bie Ansicht Herwärts. Er könne dem Vorredner nicht beipflichten, daß beim Religionsunterricht alles Memorieren ausgeschaltet werden müsse. Kinder müssen zunächst dressiert werden. Auch beim Religionsunterricht müsse memoriert werden. Der Religionsunterrichtsstvff müsse in dem Kopfe des Kindes so fest sitzen, daß er ihm jederzeit gegenwärtig sei. Bedauerlich sei es, daß Lehrer mit dem Religionsunterricht betraut seien, die nicht mehr auf dem Boden des Christentums sttyen. In Hamburg gebe es Lehrer, die in religiöser Beziehung auf dem Boden des Materialismus, in politischer Beziehung fast auf dem Boden der Sozialdemokratie stehen. (Hort! Hort!) Ein Hamburger Lehrer habe sogar ein Stü^ aus einem Lesebuche ausgelassen, weil er der Ansicht war, die Eltern der Kinder könnten daran Anstoß nehmen. (Hort! Hort!) In seiner Provinz habe ein Geistlicher den Religionsunterricht selbst übernehmen wollen, weil ihm .der Lehrer nicht oie genügende Garantie bot. Er meldete das der Regierung. Diese antwortete: „Sie haben wohl das Recht, die Erteilung des Religionsunterrichts zu beaufsichtigen und zu kritisieren. Selbst dürfen Sie aber Religionsunterricht nicht erteilen, denn Sie haben das Seminar-Examen nicht gemacht." (Stürmische Heiterkeit.) Das war allerdings unter Bosse. Er glaube nicht, baß dies auch unter Studt Vorkommen könnte. (Rufe: Kaum!) Wenn aber die Schule der Kirche ausgeantwortet werden sollte, dann würde das an dem Widerspruche ber roten unb goldenen Internationale und an ber Staatsraison scheitern. Es mache ja der evang. Kirche alle Ehre, wenn sie bei allen Mißerfolgen sage: „mea culpa". Allein am Rückgänge der Religiosität im deutschen Volke sei doch in der Hauptsache die Zeitströmung schuld. Wir halten aber unfern Glauben für zu wertvoll, als daß wir verzagen könnten. Wir müssen Geduld haben, gleich dem Landmann, der auf Regen wartet. Wir geben die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht auf, da wir wissen, daß es alle 30 Jahre ein neues Geschlecht gibt. (Lebhafter Beifall.) — Pfarrer Dr. Morgen- stern (Westfalen): Die Geistlichen seien verpflichtet, den Lehrern in jeder Beziehung ein Vorbild zu fein; sie müssen nach den Worten: „Bete und arbeite" handeln, dann werde auch der Lehrer glaubensfest werden. — Pfarrer W a hl-Langen: Der ^Referent habe wohl eine Reihe von Heroen, wie Carlyle und alt- testamentarische Persönlichkeiten erwähnt, er (Redner) habe aber schmerzlich ein Wort von Jesus Christus vermißt. Er frage auch, ob ber Referent Christus nur als Heroen bezeichne. — Pfarrer v. Schnizzer: Es sei selbstverständlich, daß Jesus Christus den Mittelpunkt allen Religionsunterrichts bilden müsse. — Dia- ko nus Tietke (Wittstock): Ein großer Krebsschaden sei, daß die Seminarien in der Hauptsache eine geistige Mastanstalt für Lehrer seien. Ein weiterer Krebsschaden seien die schiffbrüchigen Theologen, die nicht mehr fest im Glauben stehen. Es sei dringend notwendig, daß auf den Seminaren die Lehrer zu überzeugten Christen erzogen werden. Nur dadurch werde es möglich fern, dem deutschen Volke die christliche Religion zu erhalten. (Beifall.) ■— Pfarrer Schiele- Mühlacker: Mait werde es verstehen, daß er seinen Landsmann Schnizzer nicht im Stiche lassen mollc. Er sei der Ansicht, daß man dem Volle nur dann den christlichen Glauben erhalten tonne, wenn beim Religionsunterricht aller Ballast, d. h. alles Heberslüssige, beseitigt werde. — Superintendent Bornemann (Dresden-Striesen): Er halte es für erforderlich, den Lehrern insofern eine Brücke zu bauen, indem man sie von dem Zwange befreit, den Religionsunterricht erteilen zu müssen. Von anderen Rednern wurde h.rvorgehoben, daß die große Mehrheit der evangelischen Lehrer noch fest im Glauben stehe. — Nach längerer Besprechung, in der die Leitsätze des Referenten verschiedentlich Ausstellungen erfuhren, bemerkte der Referent, Stadtpfarrer D. Schnizzer: Wenn der Lehrer aus Gewissensgründen den Religionsunterricht nicht mehr erteilen wolle, bann könne er unmöglich dazu gezwungen werden. Mnem solchen Lehrer muß ebenso geholfen werden, wie einem
Geistlichen, der in Gewissenskonflikt gerate. Es ist gesagt worden: ^ie 3cit!frömung habe die Hauptschuld an dem Schwinden der Religiosität. Wenn dem aber so ist, bann empfiehlt es sich doch, diese Strömung, die vieles hinwegschwemmt, nicht unbeachtet zu lassen. Die katholische Kirche hat keinerlei Schaden erlitten, als sie sich mit dem Kopermkanischen Weltensystem befreundete. Auch bie evangelische Kirche würde nur Vorteil haben, wenn sie sich m-.t den wissenschaftlichen Forfchunaen der Neuzeit befreundete. Das würde eine Brücke zwischen Zweifel und Glauben bilden, so manches Mißverständnis beseitigen und so manchen Lehrer und Geistlichen vom Gewissenszwange befreien. (Beifall.)
. Cs gelangte schließlich folgender vom Pfarrer Wahl- Langen gestellter Antrag fast einstimmig zur Annahme: „1. Der Deutsche Pfarrertag stellt sich mit dem Referenten freudig unb entschlossen auf den Boden der Anschauung, daß der Religionsunterricht als Herz und Krone aller Erziehungsarbeit der deutschen Schule erhalten bleibe und ihm ausreichende Stellung im Lehrplan der Schule gewährt werde. 2. Er erkennt an, datz die Gegenwart an die Beschaffenheit des Religionsunterrichts in mancher Beziehung neue, jedenfalls aber heute wie allezeit die luchsten Anforder- uTtgen stellt. 3. Er erwartet von dem Zufammenarbeiteu der künftigen theologischen unb pädagogischen Elemente eine fortgesetzte Vertiefung und Ausgestaltung des Religionsunterrichts, die diesem wichtigsten Zweige des Erziehungswesens im evangelischen Volksleben die Beachtung und Wertung sichern, die er verdient. 4. Er hält es für dringend erwünscht, daß über bie wirkliche Lage und Beschaffenheit des Religionsunterrichtes in allen deutschen evangelischen Landeskirchen, namentlich über die aktive Beteiligung des evangelischen Pfarramtes am Religionsunterricht eine baldige Erhebung veranstaltet unb für das Recht des Pfarrers an der Mitarbeit bei dem Religionsunterricht in der Schule fortgesetzt entschieden gewirkt werde." Der Vorsitzende teilte hieraus mit, daß, gezeichnet von Geh. Kavinettsrat von Lucanus, der Dank des Kaisers für dte gestrige Huldigungsdrahtung eingegangen sei. — Hierauf wurde dem Pfarrertag der gestern gefaßte Beschluß bezüglich des Falles Korell noch einmal vorgelegt. Dieser gelangte ebenfalls mit allen gegen 7 Stimmen zur Annahme. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten wurde der Deutsche Pfarrertag mit Gesang und Gebet geschlossen.
Vermischte».
* Berlin, 6. Sept. ÜJeru ntveuungen in großem Stil sind in einer bekannte optischen Fabrik entdeckt worden. Angestellte der Fabrik, Feinmechaniker, Optiker usw. haben ganze
Apparate oder einzelne Teile, die sie später zujammen fetzten, entwendet und an einen Hausverwalter verkauft. Dieser trieb damit einen ausgedehnten Handel. Bisher wurden wegen diesen Veruntreuungen 7 Personen festgenommen. Weitere Verhaftungen stehen noch bevor. Die Unterfuchungeii haben nebenbei auch Dieb- stähle in einem großen Werke ai.s Licht gebracht.
* Opfer ber Berg e. Nach einer Meldung der „N. Fr. Pr." aus Bozen ist ein Tourist, ein Fabrikant aus Berlin, vom M a g e r ft e i n in dem Niesenserner a b g e ft ü r z t. Er erlitt mehrfache Verletzungen, wurde aber von seinen Begleitern gerettet.
* Die Hitze in England. Die englischen Zeitungen sind voll von Berichten über die verhängnisvolle Wirkung der ungewöhnlichen Hitze in England. Es sind verschiedene Wahn- sinnsfälle zu verzeichnen, die von den Aerzten dieser Hitze zu- geschrieben werden. In Tunbridge Wells wurde ein 75 jälzrigeL Pfarrer plötzlich walpifinnig und sprang von dem Dach seines Hauses. Er blieb sofort tot. In Southend litt ein Lehrer anr Sonnenstich und mußte als irrsinnig der Irrenanstalt überwiesen werden. Die Zahl der Selbstmorde und zwar der durch nichts be^ gründeten Selbstmorde ist überraschend groß. Londons Wasser- zusuhr hat trotz der Dürre nicht versagt. In früheren Jahren, als die Wasserzufuhr noch in Händen von Privatgesellschaften >var, litt Ost-London Wassermangel selbst unter bedeutend günstigeren Umständen. Eine Folge der anhaltenden Dürre wirb eine starke Butterverteuerung sein Devonshire, bekannt durch seine Milch und seine Butter, kann kaum die Hälfte von dem liefern, was es zu gewöhnlichen Zeiten liefert, unb die Landwirte machen bekannt, daß sie den Preis der Butter um 6 Pence das Pfund erhöhen müssen.
* Der Mann mit dem steifen Hals. Von Herrn Balfour, beut früheren englischen Ministerpräsidenten, erzählt ein Londoner Blatt folgende Anekdote: Während des letzten Wahlkampfes sprach Balfour in Manchester in 52 Meetings. In einer dieser Versammlungen nun bemerkte er unter den in der ersten Reihe sitzenden Zuhörern einen Mann, der hochaufgerichteten Hauptes mit der grünten Aufmerksamkeit der Beweisführung des Redners zu folgen schien. Der unionistische Staatsmann hatte daran eine Freude und beschloß in seinem Herzen eine „Sympathiekundgebung" für den aufmerksamen Zuhörer. Er stieg nach der Rede von der Estrade herab, näherte sich dem sympathischen Manne und sagte liebenswürdig: „Der intelligente Ausdruck Ihres Gesichtes, das Sie keinen Augenblick von mir abwandten, war mir während meiner Rede wirtlich eine große und wertvolle Ermutigung, verehrter Herr!" — „O! Das hat nichts zu sagen", erwiderte, bescheiden abwehrend, der andere, „ich habe nämlich einen steifen Hals und mußte Sie fortwährend ansehen, weil ich den Kops nicht bewegen kann."
* Eine „schwere" Frage. Aus Zittau wird uns geschrieben: Vor dem hiesigen Schöffengericht entspann sich zwischen dem Vorsitzenden und einem Zeugen folgendes Zwiegespräch: Bors.: Sind L>ie katholisch? — Zeuge: Nein. — Bors.: Evangelisch ? — Zeuge: Nein. — Vors.: Sind Sie evangelisch-lutherisch? — Zeuge: Sächsisch! — Vor)'.: In der Voruntersuchung gaben Sie doch an, katholisch zu sein? — Zeuge: Ich bin halt aus Ullersdorf. — Vors.: Ich frage, welcher Konfession Sie sind? In welche Kirche gehen Sie? -- Zeuge: In Zittau. — Vors.: Ja, aber in welche, in die kathvlsiche oder in bie evangelische? — Der Zeuge schweigt fortgesetzt, so daß die Vernehmung abgebrochen werden muß.
Kleine T a g e s ch r o n i k. In der Sprengmittel-Fabrik La Forcite bei Seelen (Belgien) erfolgte eine Explosion in einem Gebäude wo Patronen hergestellt wurden. Drei junge Arbeiterßinen sanden dabei den Tod. — In Roubaix brach infolge Explosion eines Naphta-Fasses in der Fabrik von Le- fevre eine Feuersbrunst aus, wobei vier Personen, darunter der Besitzer, tätliche Brandwunden erlitten. — In Colombo stehen mehrere Petroleum-Reservoire in Flammen. Ter Nieseu- brand greift noch weiter um sich. — In Reha u in Baiern sind 12 Häuser sowie eine Anzahl Nebengebäude durch Feuer zerstört worden. — Aus Philippeville (Algier) wird gemeldet, daß der in dem Bezirke der Stadt Collo ausgebrochene Brand eingedämmt worden ist. Ter Brand hat anscheinend nur einen Teil der Waldungen, etwa 5000 Hektar, zerstört. — Ter durch die letzten Univetter in den spanischen Provinzen Salamanca, Guadalagara, Ciudad Real, Caceres und Valencia verursachte Schaden ist ein beträchtlicher. — In Osterrade am Harz wurde die Wittwe Reinhardt und ihre Nichte ermordet und verstümmell ausgefunden. An der Nichte tu ar ein Lustmord verübt worden. Der Witwe war ber Schädel durch Beilhiebe zertrümmert worden. Ter Täter ist flüchtig. — Der Gutsbesitzer Stech bart irt Gr ü n a u bei Pieschen wurde durch einen Schuß durchs Fenster seiner Wohnung tödlich verletzt. Es liegt ein Sladjeaft von einem Knecht des Steckbart vor. — Beim Passieren ber Stils ser Iochstraße stürzte ein beutscl)es Automobil, weil ber Chauffeur bie Herrschaft über den Wagen verlor, über die Böschung. Ter Wagenführer wurde bei einem Anprall an einen Felsern zerschmettert, eine Frau schwer, die anderen Insassen leichter verletzt. — In Wurzburg wurde der politische^Redakteur des Fränkischen Bolksblattes, Wothe, wegen eines Sitrlich- keitsvcrbrechens verhaftet. — Unter dem bringenden Verdacht, den Lustmord an ber Dienstmagb Gaß begangen zu haben, wurde der Arbeiter Weith von Obertheres verhaftet unb ins Untersuchungsgefängnis nach.Haßfurt gebracht. — Bei bem italienischen Stäbtchcn Z r emo fine wütet ein großer W a l b b r a n b. Das Feuer fyat auch das Dorschen San Michele ergriffen, das wahrscheinlich verloren ist. Militär versucht vergeblich, bem Brande Emhalt zu tun. — In Schles- ro i g wurde der Besitzer der Bonbonsabrik namens Jepseu und dessen Ehefrau tot aufgefunben. Die Frau lag im Bette mit deutlich sichtbaren Strangulationsmalen am Halse, währeitd ber Mann im ©tallgebäubc des Hauses erhängt aufgefunben wurde. Beide hatten noch gestern abend an einer Festlichk.'it teilgenommen. — Ms der Lehrer Friedrich mit seiner Frau in dem Zwickauer Vorort Eckersberg auf der Ausstellung war, mürbe zu Hause sein zehnjähriger Sohn von bem dreizehnjährigen Aufwartemädchen Blaz durch 30 bis 40 Messerstiche schwer verletzt. Das Mädchen brachte sich dann selbst einige Schnittwunden an ber Hand bei. Es verübte die Tat offenbar in einem Anfall von Irrsinn.


