Ausgabe 
8.2.1906 Zweites Blatt
 
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x mit stets wechselnden, z berühmten Tegernseer unb Tuet! LeS Mandro. Anfang Abends 8'/, üh, L. Wagner.

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Knglcrnd, AranLrcich. Marokko und der Äri de.

Vor einem Ueb^rmaß vvn SScrtraucnSfcTißfcit gegenüber der neuen Regierung in England ist mit Recht ge­warnt worden. Mögen die deutsch-englischen Beziehungen im allgemeinen sich gebessert staben, unb die Preßerörter- ungen hüben wie drüben auf einen ruhigeren Ton gestimmt [ein: das Einvernehmen mitFrankreich ist gänz­lich unverändert, das Kabinett Bannerman zeigt sich ebenso beflissen wie das Kabinett Balfour, Freund- schaftsdienste an Frankreich zu leisten. Mit der Unterstützung Frankreichs in Algeciras war ja zu rech­nen, eine vertragsmäßig übernommene Verpflichtung, bie von dem neuen Kabinett unbedingt erfüllt werden mußte. Mer darum braucht England noch nicht für jeden kühnen Anspruch Frankreichs einzutreten, oder gar für Forder­ungen, die Frankreich selbst einstweilen nicht in der Kon­ferenz zu stellen wagt, Stimmung zu machen. Es erregt einiges Aufsehen, daß soeben der LondonerTribüne", das neue Blatt, das als Sprachrohr der englischen Regierung gilt, kurz und bündig einen europäischen Auftrag fürFrankreichver langt,inMarokkoOrdnuna zu schaffen. Hoffentlich werde sich dem Deutschland nicht widersetzen. Da irrt sich derTribüne" gewaltig. Tas Ziel der deutschen Marokkopolitik war von Anfang an, eben die Aneignung dieses Mandats im Interesse der Han­delsfreiheit zu verhindern. Der Vorschlag zur Güte ist beinahe grotesk zu nennen.

Präsident 2 o übet sagte am Mittwoch in einer An­sprache an die Mitglieder des englischen Grafschaftsrates, er sei während seiner Präsidentschaft unablässig be­müht gewesen, die englisch- französische Harmonie herzu stellen zum größten Wohle der Menschheit. Eng­land und Frankreich seien die besten Apostel des Friedens und des Fortschrittes. In Beantwortung dieser Ansprache sagte der Präsident des Londoner Gra f- s ch a f t s r a t e s: Wir kommen als Friedensboten. Es wird uns zur größten Freude gereichen, wenn unser Be­such dazu beiträgt, einen dauerhaften Frieden zwischen den beiden Nationen zu sichern.

Nicht leicht zusammenreimen lassen sich mit diesen Frie­den sversicherungen die weitausgreisenden neuesten franz. Marinepläne. Der franzöf. Marineminister Thomson führte am Mittwochabend in der Mar ine ko m Mission aus, daß das Proaramm des höheren Marineetats gegenwärtig an­gesichts oer von allen übrigen Nationen unternommenen Anstrengungen als ein Minimum anzusehen sei, das sicher überschritten tverden dürfte. Der Minister erklärte, daß bie Arbeiten des Marinem inisteriums über die nächsten Neu­herstellungen sich hauptsächlich auf Unterseeboote sowie aus Panzerschiffe bezögen. Ta die Vermehrung der Schiffsein­heiten eine Vermehrung der Mannschaften zur Folge haben tvcrde, so sei ein Gesetzentwurf betreffs der Rekrutierung des Seeheeres ausgearbeitet worden. Die Cadres der Seeoffiziere werden gleichfalls vermehrt werden. Schließlich machte der Marinerninister Angaben über Verbesserung der^Proviantvorräte.

Die Konferenz in Algeciras beschloß, die Zahl bon Rindvieh, die jeder Macht aus Marokko auszu­führen gestattet ist, zu erhöhen, mit dem Vorbehalt jebod), daß der Sultan das Recht habe, die Ausfuhr des Viehes auf den gcgenlvärttgcn Ziffern zu erhalten für den Fall eines möglicherweise ein treten b en Mangels an Tieren. Tie Ausfuhr soll nicht allein über Tanger erlaubt sein, wie es gegenwärtig ber Fall ist, sondern über alle Zollstationen. Ter freie Küsten handel mit Getreide, Gemüse, Eiern, Früchten und G e s l ü g e l ist gestattet worden; für Pferde, Maultiere und Esel ist eine besondere Ausfuhr­erlaubnis notwendig. Ferner hat die Konferenz von dem Wunsche Marokkos, das Monopol von Tabak aller Sorten cinzuführen, Kenntnis genommen; die Delegierten haben sich bereit erklärt, darüber ihren Regierungen Be­richt zu erstatten, unter dem Vorbehalt, daß oen unter den jetzt für den Tabakhandel geltenden Normen entstandenen industriellen Unternehmungen dieses Zweiges Entschädig­ungen gewahrt werden. Ferner hat die Konferenz den Grundsatz der Submission ohne Ansehen der Nationalität für das Opiunv- und Haschischmonopol unb für das Zabat» Monopol im Falle der Einführung desselben ausgestellt.

Aus Paris wird gemeldet: Da die Marokkokonserenz ^inen friedlichen Verlauf zu nehmen scheint, hofft man in der nächsten Zeit die Verhandlungen wegen der Grün­dung einer deutsch -französisch en Bank wieder aufnehmen zu können. Der Zweck dieser Gründung soll haupt­sächlich sein, franz. Kapital für die deutsche Industrie zu beschaffen. Von Berliner Häusern haben Mendelssohn und die Handelsgesellschaft ihren Beitritt zur Bildung des neuen Instituts erklärt, das die Form einer Kommanditgesellschaft erhalten soll. __________

Zum Ministerwcchsel in Hessen.

Der neu ernannte Staatsmini st er und Justiz- Minister Ewald, sowie der P r ä s i d e n t des Ministeriums des Innern, Braun, waren am Mittwoch vormittag, wie bereits gemeldet, zum erstenmal zu längerem Vortrag bei Sr. K. H. dem Großherzog, wobei eine Reibe laufender Regierungsgeschäfte, die seit dem Ableben des Staats- miilisters Rothe zurückgestellt werden mußten, zur Erledig­ung gebracht wurden. Die Frage der Neubesetzung des bis­herigen Postens des Präsidenten Braun, des Leiters der Abteilung für Handel, Industrie unb Lanb- wirtschaft, ist an maßgebender Stelle noch nicht zur 'Erörterung gekommen, und die über die PersönlichLit >des Nachfolgers in der Presse gemachten Andeutungen sind Daher nichts als bloße Kombinationen. Bei der Vielgestal- HigFeit und dem großen Umfang dieser Ministerialabteilung Ivirb es auch nicht leicht Jein, eine auf allen drei Gebieten derselben gleich vortrefflich geeignete Kraft wieder zu finden. Worerst werden bie dienstlichen Funktionen in den einzelnen Zweigen bieses Ressorts von den ihm zugehörigen Ober- llegierungsräten erledigt.

Zu den Mitteilungen über die Personalien des neuen Ministers wird uns noch geschrieben:

Der Vater Ernst Brauns war nicht in Lich, sondern in Kohensolms geboren, von wo allerdings dessen Vater als

Solms'schcr Beamter später nach Lich versetzt wurde, wo er als sürstl. Forstrat starb. Tie Schwester Ernst Brauns ist erst nach dem Tod des Vaters und der Rücikehr der Witwe nach Hessen in Kriegsheim in Rheinhessen geboren, wo deren Bruder, Emil Oh!h. damals PFrrer war.

AarlamettLartsches ans Hessen.

R. B. D a r m st a d t, 7. Febr. Der Finanzausschuß der 2. Kammer ist auch diese Woche wieder eifrig bei der Arbeit. Die Vorberatung des Staatsvoranschlags ist jeft soweit gediehen daß die Fertigstellung der einzelnen Berichte bis Ende ber Woche erfolgt sein wird, und in den nächsten Wochen mit der endgiltigen Genehmigung und Tnicklegung begonnen werden fcnn. Wenn die letztere erfolgt ist, haben aber erst noch die gemeinsamen Be- latungen mit dem FinanzauMmß der 1. Kammer stattrusinden sodaß bis zur spruchreifen Etatsberatung in der 2. Kammer immerhin der Monat Februar verstrichen sein wird. Wenn sich keine unvorhergesehenen Schwierigkeiten einstellen, wird die Kam­mer die Etatberatung am 28. Februar beginnen. In den jüngsten Sitzungen deS Finanzausschusses, an denen auch der neue Staatslninistcr, Ewald, Frnanzminister Dr. Gnauth, Präsi­dent Braun und mehrere RegierungS?ommissare teilnahmen, sand eine umfangreiche Debatte über Kvp. 38, Gymnasien, Real schulen usw. statt, wobei auch der Antrag Pennrich nnd Gen. auf Streichung der vvn der Regierung im Etat angcsetzten er höhten Forderungen an die 11 Städte mit 7 Flüssigen Real schulen zur Debatte stand. Der Ausschluß beschloß mit 5 gegen 2 Stimmen, den Antrag Pennrich abzulehnen, stimmte also oer Rebierungssorderung aus Zahlung eines höheren Zuschusses der Städte zu den Kosten ihrer Realschulen zu. Die Mehrforderung von 1400 Mark behuss Anstellung eines besonderen Kanzlei direkwrs für die 1. Kammer wurde einstimmig bewilligt, ein Antrag Christ-Kvrell, die von der Regierung infolge der ander- weiten Organisation der Landwirtsä»ast gestrichenen Zuschüsse für den LandwirtschastSrat und die landw. Provinzia.lv ereine für dies Jahr weiter zu bewilligen, wurde abgelehnt. Ebenso ivurbt einer Vorstellung der Molkercigenojsenschasten zu Eichcnrod, Schlst und Wallenrvd entspreclrend jeder staatliche Zuschuß für die Molke reischule zu Lauterbach abgelehnt. In das Budget war ein Staatszusckuß von 8000 Mark nnd ein einmaliger Zuschvs von 3000 Mark eingestellt worden. Tie Forderung von 12 800 Mark für den Neubau einer Automobil-Nemise im Großh. Öos stall blieb unentschieden, da sich im Ausschluß 4 Stimmen dafür und 4 dagegen aussp-rachen.

Der vom L Ausschuß erstattete Bericht deS Finanzausschuffes der 2. Kammer über die Regierungsvorlage, bett. Anschluß der Stadt Bad-Nauheim an bad staatliche Elek­trizitätswerk Dad-Nauheim beantragt, zu beschließen die Regierung $u ermächtigen, zur Ausgestaltung der zu er­richtenden Maschnrenzentrale und zum Anschluß der Stadl Bad^ Nauheim an das staatliche Elektrizitätswerk außer dem bereits bewilligten Betrag von 924 400 Mark weitere 75 600 Mark im Wege des Stoatskredits flüssig zu machen.

Eine der Kammer ^gegangene Vorstellung der vor dem 1. April 1897 pensionierten Staatsbeamten ersucht um Gleichstellung der Nuhegehalte dieser Beamten mit denen der später pensionierten Staatsbeamten. Die Bureaugehil- s e n der Zentralstelle für die L a n d e S st a t i st i k ersuchen um eine Erhöhung ihrer 9501700 Mark betragenden Vergütungen Der Landesverband deutscher Militäranwärter richtet in eutci Vorstellung daS Ersuchen an den Landtag, den zumeist aus der Militäranwärterlaufbahn hervorgegangenen Unter- und Subalternbeumten einen Wohnung s ne ldzuschnß bezw. eine Teuerungszulage zu gewähren. Der hessische Landes lehrerverein petitioniert um rnrechnung des Militär- dienstjahreS der Volksschullehrer als Besoldungs­dienstzeit. Die Errichtung eines Amtsgerichts zu Heppen­heim a. d. B. erstrebt in einer Vorstellung der dortige Sladt- vorstand. Abg. Haas beantragt die Aufnahme der höheren Bürgerschule zu Reichelsheim L O. unter bie Zahl der staatsseitig subventionierten Anstalten und Einstellung von 2000 Mark hierfür in den Staatsvoranschlag.

Parlamentarisches aus dem Reiche.

Berlin, 7. Febr. Die für den Chef des Geheimen Zivilkabinetts, Dr. v. Lnca nuS, im Etat geforderte persön- liche Zulage von 10 000 Mark wurde von der Budget- Kommission abgelehnt.

D ie Reichstags-Ersatzwahl in Kaisers­lautern ist auf den 21. März anberaumt worden. Zwischen den Nationalliberalen und dem Bund der Landwirte sollen Verhandlungen gepflogen werben, die darauf hinzielen, daß die Bündler tn Kaiserslautern für einen national- libera len Kandidaten stimmen und dafür das noch frei gebliebene ßa nbtag5man ba t für Neusladt a. b. H. erhalten, oder daß die Nationalliberalen in Kaiserslautern den Bundesvorsitzenden Dr. Rösicke unterstützen und als Entgelt den Neustädter Sieg in der Münchener Abgeordneten­kammer gewinnen.

AoLitr?che Tagesschau.

Ter Sozialdemokrat toirb verbrannt.

Der sozialdemokratische Abg. Cramer, der bekanntlich wegen seiner Audienz beim Großherzog schweren An­griffen seiner Parteigenossen ausgesetzt ist, veröffentlicht in der Mainzer Volksztg." eine Erklärung, in der es u. a. heißt:

Was geschieht mit einem Sozialdemokraten, der beim Groß­herzog zur Audienz war? Ter Sozialdemokrat wird verbrannt!

Ja, wenn et aber m einer rein privaten und kommunalen Angelegenheit beim Großherzog war? Tut nichts, der Sozial­demokrat wird verbrannt!

Und wenn der Fürst aber ein ganz vorurteilsfreier Herr ist? Tut nicht-, der Sozialdemokrat wird verbrannt!

Tergute Balthasar" hat einen Lapsus begangen, ber. er bei ruhiger Ueberlegung hätte vermeiden können." Nein, ich habe als Mann gebandelt, der bei seinen Auftraggebern nicht den Eindruck machen wollte, als habe er in Vertretung einer gerechten Sache die Türe des Großherzogs zu scheuen, ich bereue und bedauere den Schritt keinen Augenblick.

Ich finde kein en Verstoß gegen die elementarsten Grundsätze ber Demokratie, wenn man mit Hilfe des Groß Herzogs, eines genialen Fürsten, einen Fortschritt an strebt, unb, einmal die Hand aniä Herz, be­deutet das von uns unb Herrn Prof. Olbrich angesirebte Projekt kernen Fortschritt?

Es bleibt also für bieVolksztg.",Vorwärts" undOffen­bacher Abendbl." nach Abtrennung ber Sache, um die es sich handelt, nichts anderes übrig als die reine Tatsache, daß ber Sozialbemokrat beim Großerzog war, und berät wird er ver­brannt. Meinetwegen, ich widerrufe nicht! Ich habe mich bereits bei einem ordentlichen Richter gemeldet, die Parlewer- fammlung in Darmstadt am nächsten Satnstag soll ohne meinen

Ginfluh zu Gericht sitzen unb nach dem Urteil werde ich meine Vorlehrungen treffen. Einen Parlciskaudal gibt e§ nicht.

Gruß Balth. Cramer.

DieMainzer VolkSztg." bemerkt dazu:

Daß die Tarnistädter Parteigenossen sich demnächst mit dein. Verhalten des Genoffen Cramer befasseii werden, erscheint uns auch sehr notiuenbtg. Wie das Verdikt a issallen wirb, darüber scheint uns nach dem vom Geiioffen Cramer sich selbst gesprochenen Urteil fein Zweifel zu sein. Deni Genoffen Cramer ift an- scheinend das Gefühl völlig abhanden gekommen, bau er mit seinem Verhalten dir Patteiprinzipien und Traditionen mit Füßen trat. Die Sozialdemokratie hat es bislang unb auch wohl für alle Zukunft abgelehnt,in Vertretung einer gerechten Sache* bie Tür des Großherzogo" z'.i suchen, sie hat es cnlschiedcn abgelehn^ durch Blllen sich Furstcugunst iujldjem/

Uneheliche Kinder uub ihre Eltern.

Von gewißer Seite kann man in Versammlungen,, in) der Presse unb überall, wo sich sonst die Gelegenheit bietet,, immer wieder behaupten hören, daß die sogen,vornehme! Männerwelt" den Rekord behaupte, wenn cs gelte, arme un-l schuldige Tochter des »Volkes^ zu verführen und ins Unglück zu stürzen. Was eS mit dieser Behauptung auf sich hat,' erfahrt man ans den statistischen Nachweisen, die eine soeben erschienene Schrift von Dr. Klumker und Dr. Spann erbringt. Die dort angeführten Zahlen beziehen sich auf die Stadt Frankfurt a. TL unb bas Jahr 1904. Sie besagen, baß in Frankfurt in dem genannten Jahre von den außerehe­lichen 9)1 üttern 35 °/0 beruflos, 34,6 % Arbeiterinnen im Bekleidungs- unb Neinigungsgewerbe, also Näherinnen, Wä­scherinnen und bergt., 18,7 % Dienstboten unb 11,7 °/0 Ar­beiterinnen ohne nähere Bezeichnung waren. Unb wer waren bie Väter? In ben ea. 60 % aller Falle, roq die Väter unb ihr Beruf überhaupt ermittelt werden konnten^ waren 53,6 % gelernte Slrbeitcr, 21,5 % ungelernte Arbeiters 18,8 % hatten sonstige Berufe unb 6,1 % freie Berufe. In den ermittelten Fällen hanbelt? es sich also vorzugsweise uni! finanziell nicht leistungsfähige Vater, und wenn von den 40 e/J nicht ermittelter Vater selbst die Mehrheit benbesseren Ständen"! angehören sollte, waS aber erst noch nachgewiesen merben muß, so geht doch aus diesen Zahlenreiheu deutlich hervor> daß bieSünder^ nur zum kleinsten Test dort zu sindeq sind, wo man sie angeblich zu suchen hat.

Anßkand.

Aus Tuck nm, wo zu Beginn der revolutionären roegung in den Ostseeprovinzen eine Anzahl Dragoner nieder^ gemetzelt wurden, wird jetzt über große Defraudationen berichtet. $a3 gange Vermögen derStadt, der Steuers Deriüaltung, dem Armen st ist, der Sterbekaffe, sowie dem Waisen-i gericht gehörig, ist verschwunden, im Ganzen ungefähr 150 000 Rubel. Mit diesem Gelde und dem Schlüssel deZ leeren Geldschranks ist der Bürgermeister Martin ftre<i mann entwichen, der als lettischer Dichter durch fein Drama ^SchicksalswellenE bekannt geworden ist.

In Blonie bei Warschau überfielen Sozialdemokraten in bet Nacht baS Postamt, erschossen ben Vorsteher lind verletzten den Gehilfen, feffieltcn einen anderen Beamten! unb raubten bann die Kasse aus, in ber sich etwa 130Ö Nübel befanben. Die Täter entkamen. In der polnischen; Kreisstadt Konsk wurde ber Offizier Czarniecki in seines Wohnung erschossen. In Lodz ist wegen ber Verhaf­tung zahlreicher Bäckergesellen ein Bäcker streik auSgebrochen.

Auf Befehl aus Petersburg hat der Stadthauptmann von Odessa den zweiten Bürgermeister verhaften taffen, der wahrend des letzten Ausstandes ber Postbeamten der Stabtoerwaltung ben Vorschlag gemacht hatte, zur Unter* stützung ber Ausständigen 1000 Rubel zu verteilen.

General Len ewit sch telegraphiert aus Ch ar bin: Ge- n-ral Rennenkampf rückte am 5. Februar in Tschifu ein, ohne daß eS nötig war, Blut zu vergießen. Tie Stadtbek ivohner sind entwaffnet; die Arbeit ist wieder eingenommen^ Etwa 2 0 0 Revolutionäre wurden f e ft genommen; mehrere Agitatoren sind geflohen. General Cholschtew- nikow ist wegen Untätigkeit seines Postens enthoben unb durch SyschewSky ersetzt worden.

Aus Sierdt uud Laud.

Gießen, 8. Februar 1906.

* Aus dem Bureau des Stadtt Heaters Auf die morgige Volksvorstellung, in berDas Glas Wasser", das beliebte historische Lustspiel von Scribe, zmj Aufführilng gelangt, sei auch an biefer Stelle hingewiesen.

Von ber Bahn Friedb erg Hanau. Dia Handelskammer Friedberg beschloß in ihrer Plenar-> sitznng einstimmig, an bie Kgl. Eiscnbahndireluon Frankfurt a. M. wie an ben zustänbigen Minister das dringende Er-' suchen zu richten, um baldigen Ausbau deS zweiten Gleises auf der Bahn FriedbergHanau und Durchführung des Vollbahnbetriebs auf dieser Strecke. Begründet wird dis Eingabe mit ber Ueberlai'timg ber Strecke, ber demnachstigen Steigung bes Verkehrs burch bie Einmündung ber Neben-, bahn LauterbachStockheimWindecken, sowie ber Ver-« mehrimg ber Schnellzüge HagenBetzdorfGießenFrank­furt a. M., wodurch bie Linie FriedbergHanau sich immer mehr zu einer wichtigen und kürzesten Verbindung zwischen 9lorbwest- und Süddeutschland, zwischen Bremen, Westfalen unb BayernWürttemberg, gestaltet.

Die Beigeordnetenwahl zu Mühlheim a. vom 27. Dezember 1905 hatte am letzten Mittwoch vor dem KreisauMpiß zur Beratung gestanden. Der zum Beigeord­neten gewählte Peter Zahn I [ I. hatte dabei nochmals ausdrücklich bestätigt, daß er Anhänger der sozialdemo­kratischen Partei sei. Die jetzt vorliegende Entscheidung deS Kreisausschuffes geht nach derOff. Ztg." dahin, baß auf Grund des Artikels 48 III,7 ber Prooinzialordmmg

General-Anzeiger, Anris- nnd Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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156. Jahrgang

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Donnerstag 8» Februar 1906 »sa 9lotohonSbru(f und Vertag der 0rübndWI UnwersilätSdruckerei. R. Lange, Gieß«.

Nr. 33 Zweites

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