Ausgabe 
7.11.1906 Drittes Blatt
 
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Nr. 26S Drittes Blatt IS«. Jahrgang

Mittwoch 7. November 1806

Erscheint W-Nch mit Ausnahme des Sonntags.

DieGlehener LamllienblStler- werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt Der «Qelflfdp Landwirt- erscheint monatlich einmal.

Giehener Anzeiger

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politische Lagesscha«.

Der LaadwirtschaftSminister von Podbielski, der immer noch sehr leidend ist, hat sich auf Rat seiner Aerzte nach seinem Gute Dalmin begeben, um dort seine Genesung abzuwarten.

So meldet uns heute das D.-B. HK Man kann wohl hinzufügen: Und zum Abwarten der kaiserlichen Entscheid­ung über das Entlassungsgesuch, das der Minister nach zuverlässigen Meldungen neuerdings eingereicht hat. Es ist kaum anzunehmen, daß die kais. Entscheidung erfolgt, bevor Herr v. Podbielski einigermaßen wiederhergestellt ist. Darüber dürfte das neue Jahr herankommen. Jedenfalls wird die Fleischnot-Jnterpellation im Reichs­tag nicht vom preuß. Landwirtschaftsminister beantwortet werden. Fürst Bülow wiederum betraut, wenn er sich noch nicht kräftig genug fühlt, vielleicht den Staatssekretär Grafen Posadowsky mit der Abgabe der in solchen Fällen üblichen Erklärungen, daßeingehende Erwägungen" gepflogen werden. Gras Posadowsky brauchte dabei seinerseits nicht auf die verschiedenen Fragen ein­zugehen, die sich seit dem Sommer an die Person des .Herrn v. Podbielski knüpfen. Bülow würde nicht umhin können, die Angelegenheit in allen Einzelheiten zu er­örtern, auch seine Differenz und die schließliche Versöhnung mit Herrn v. Podbielski. DieTagesztg." widerspricht erregt demGefasel" von einemDuell" Bülow-Ppdbielski und warnt zwischen den Zeilen den Kanzler davor, Herrn von Podbielsk: preiszugeben. Wir glauben auch, daß das Bülow jetzt nicht tun wird. Vor etlichen Monaten aber war es nahe daran, daß Herr v. Podbielski abgesägt wurde, und Bülow wäre damals darob nicht unglücklich gewesen.

Wie einer unserer Berliner Korrespondenten aus guter Quelle hört, darf es als entschieden angesehen werden, daß der Landwirtschaftsminister v. Podbielskibei seinen: nahe bevorstehende:: Abschied" den Schwarzen Adlerorden, die höchste preußische Auszeichnung erhalten wixd.

*

Petitionssturm und Steuern.

R. Berlin, 6. Nov.

Die Petitionskommission des Reichstags hat zwar seit jeher reichlich Arbeit gehabt, was aber in der bevorstehen­den Session ihrer harrt, dürfte wohl doch außerordentlich sein. Diese Bittgesuche sind so recht ein Spiegelbild der Zeit, jetzt also ein solches der Not der Zeit. Um die v!on der breiten Ndasse des Volkes drückend empfundene L e b e n s- mittelverteuerung und Steuerbelastung han­delt es sich nach allem, was verlautet, bei den der gesetz­gebenden Körperschaft in Massen zugedachten Petitionen. Vielfach wollen auch die Beamten um Gehalts­erhöhung vorstellig werden, und jedermann im Parla­ment dürste dieses Verlangen gerechtfertigt finden und unterstützen. Trotz der Diäten werden eben auch die Mit­glieder des Reichstags die Teuerung der Lebensmittel in dem ohnehin nicht billigen Berlin verspüren. Wie schwer muß es den Abgeordneten angesichts her PetitionsAagen werden, sich mit neuen Steuerprojekten zu befassen, wie solche der Schatzsekretär angeblich im Gewände führt zur Kostendeckung militärischer Forderungen.

Heer und Flotte.

London, 6. Nov. Die Berichte über den Grund der gestern wiederum vorgekommenen Unruhen in der Marinekaserne zuPortsmouth widersprechen ein­ander, es scheint aber, daß sich die Vorgänge folgendermaßen abspielten: Die Marinebehörden fürchteten, daß Ruhe­störungen bei der Heimkehr der beurlaubten Mannschaften entständen, und hatten um 10 Uhr abends die Tore schließen lassen, um die Zuspätkommenden auszuschließen. Diesen wurde bei ihrer Rückkehr nach der Kaserne gesagt, sie könnten nicht mehr hereingelassen werden und müßten außerhalb der Kaserne Unterkunft suchen. Die Zuspätgekommenen sammelten sich nun vor dem Kasernentor an. Ihre Rufe wirkten erregend auf die Mannschaften in der Kaserne, die nun mit den Draußenstehenden gemeinsame Sache machten. Die Ausrührer zertrümmerten das Mobiliar. Von den Kriegsschiffen wurden Abteilungen gelandet, die zu­sammen mit anderen Marinemannschaften den Ruhe­störungen ein Ende machten. Nach anderen Meldungen griffen Heizer die Wohnungen der Offiziere an und schlugen sämtliche Fenster ein. Die Leute benahmen sich wie Wilde, beschimpften und verfluchten die Offiziere und einen Augenblick sah die Sache sehr schlimm aus. Glücklicherweise hatten die Angreifer keine Seitengewehre, obwohl sie ver­schiedentlich versuchten, sich der Bajonette der Gruppen zu bemächtigen. Ein Zusammenstoß zwischen Truppen und Rebellen kam aber nicht vor. Dec Aufruhr wurde schließ­lich von Marinesoldaten und Schifssmatrosen gedämmt, lieber hundert Rebellen wurden arretiert, zwei Poli­zisten wurden schwer verwundet.

Ordentliche Evangelische Landessynode.

R.-B. Darmstadt, 6. November.

Ter 7. ordentlichen evangelischen Landessynode ging heute vormittag 10 Uhr die feierliche Einweihung des neuen Synodal- aebäudes voraus, das im Anschluß an das Gebäude des Großh. Oberkonsistoriums an der Ecke der Neckar- und Waldstraße errichtet worden ist. Der Feier wohnten als Regierungsvertreter Staats- Minister Ewald, Atinisterialpräsident Braun und Geh. Staatsrat Krug von Nidda und Ministerialrat Süffert bei.

'Mtt dem Gesang des ChoralsLobe den Herrn, meine Seele" wurde die Feier einqcleitet. Prälat D. Walz sprach daraus ein einleitendes Gebet, unter Zugrundelegung des Textes des 122. Psalms und Philipper 2, Vers 111. Er gedachte des neuen Synodal- oebäudeS als des Hortes des guten Rates und der heilsamen Ent­schließung, tind sprach die Hoffnung ans, daß in demselben stets Einigkeil des Geistes herrschen und das Veste der Kirche gefördert werden möge.

Oberkonsistorialprasident D. Buchner hieß namens des Großh. Oberkonsistoriums alle Erschienenen willkommen und dankte liameiitlich auch den Regier»lngsvertretern, daß sie der Einladung Folge geleistet haben. Weiler dankt derselbe dem Geh. Ober- konsistorialrat Nebel und der von der Landessynode ernannten Bailkommlision, die freudig zusanimengearbcitet haben zum Ge­lingen des Werkes; anch den Archileklen, die diese schonen Raume ge chaffen, und allen Handiverkern, Pleistern uiib Gesellen, die daran mügearbeilet haben. Alan könne hier nur sagen: Tas Werk lobt

den Meister! Im Namen lind Anstrag des Großh. Oberkonsistoriums überreicht D. Buchner daraus dem Präsidenten der Snnode ben Schlüssel zu dem neuen Gebäude, mit dem Wunsche, daß die Bc- ratilngen imb Beschlüsse, bie m biesein Raume gefaßt werden, der evangelischen Kirche zum Heil und Segen gereichen werden. Das walte Gott l

Synodalpräsident D. Stamm-Gießen übernimmt den Schlüssel und bemerkt in einer längeren Ansprache, bie Synode übernehme das neue Gebäude mit einemGott sei Tank, daß wir so weit sind!" Die Synode habe vorher alles genau geprüft und erwogen, bevor sie sich entschloß, die Mittel für die Errichtung des Baues zu bewilligen. Und trotz alledem, was draußen darüber gesprochen ivurbe,, haben wir uns zum Bau des Hauses entschieden, denn wir mußten es tun. Wir haben seit Jahrzehnten die Gastfreundschaft des Staates in der zweiten Kammer dankbar in Anspruch genommen, aber dieselbe brauchte ihre Räume selbst, wir mußten wiederholt in: Wirtshaus tagen. Wir haben mit dem Bau zugleich die Räume des'Oberkonsistoriums erweitert, Bureauräume, Amtszimmer und Wohnungen geschaffen und wir hoffen, daß dieser schöne Saal auch noch anderen kirch­lichen Versammlungen dienen wird. Für die Oesfentlich-keit ist das Ereignis nicht von Bedeutung, für uns ist es von besonderem Belang, und bedeutet recht viel, denn es ist das erste Synodal­gebäude, das in Deutschland entstanden ist. Wir sind an einer für uns recht wichtigen Station angekommen und oa geziemt es wohl, einen Rückblick aus die verflossene Zeit zu werfen. Redner weist darauf hin, daß seit der Einberufung der außerordent­lichen Landesshnode 33 Jahre verflossen sind, die erst nach langen Erörterungen und ernsten literarischen Kämpfen erfolgte. Seit Einführung der Landessynode ist es möglich gewesen, den Haus­halt der Landeskirche zu ordnen, die Gehalte der Geistlichen zu verbessern, ein Pensionsgeseh zu erlassen, Gesangbuch und Agende einzuführen. Redner zählt dann ine in der Zeit geschaffenen Kirchengesetze auf und betont, daß durch die Einführung des Kirchenparlamentarismus durchaus nicht geschädigt worden ist und daß sich alle daran angeknüpften Befürchtungen als un­begründet erwiesen haben. Aber auch die überschwenglichen Hoff­nungen, die von anderer Seite daran angeknüpft wurden, haben sich nicht verwirklicht. Redner geht auf die Lage der Landes­kirche in Hessen näher ein, bespricht die verschiedenen Ansichten, die zur Zeit über den Begriff der Landeskirche herrschen und erwähnt, daß sich die Annahme der Propheten von rechts und links nicht bestätigt habe, die der Landeskirche eine lange Dauer und Lebenskraft zutrauen wollten. Wir haben die feste Zuver­sicht, daß dies der Fall ist, weil wir gelernt haben, historisch zu denken. Die Landeskirche stelle die von Gott gewollte Form dar, unter welcher sich unser kirchliches Leben entwickeln wird. Hier sind unsere Katechismen und Agenden entstanden, hier ist christliche Sitte und Ordnung selbst in den schwierigsten Zeiten bewahrt worden. Auch die zukünftigen Geschlechter werden an der Landeskirche feschalten und in ihr selig leben und sterben. Unserer Landessyiwde zu dienen ist die Synode berufen und dazu braucht sie eine reiche Ausrüstung in ihren Gliedern. Wir brauchen Weisheit und Tatkraft, Wahrheitsliebe, Bekennermut, Scharf­blick, Selbstbeherrschung, Geduld, Festigkeit und Wohlwollen. Wenn wir die haben wollen, müssen wir mehr religiöses Leben in unfern Herzen haben. Wir brauchen den lebendigen Gott selbst. Wir wollen nicht vergessen, daß sich drei Jahre nach Kon­stituierung der Synode der Sturm des Freiprotestantismus erhob, der sehr verderblich zu werden drohte. Er ist ohne allzugroßen Schaden anzurichten vorübergegangen. Was die Zukunft bringt, kann niemand Voraussagen. Vielleicht stehen uns schwere Proben bevor. Wir werden sie glücklich nur bestehen, wenn Gott für uns ist. Seinem Schutz befehlen wir dieses Haus, die Synode, die darin tagt, und unsere Kirche, der wir dienen wollen. Für die Zukunft soll die Losung gelten, wie sie für die Vergangenheit gegolten hat: Ein' feste Burg ist unser Gott!

Nach dieser Rede trat eine kurze Pause ein, während welcher die neuen Shnodalräume usw. von den Mitgliedern einaehend besichtigt wurden.

Nach Wiederaufnahme der Sitzung gedenkt der Präsident zu­nächst deS durch Tod abberufenen Mitgliedes Prof. Klein- Mainz, zu dessen Ehren sich die Versammlung von den Sitzen erhebt. Weiter erfolgt in der üblichen Weife die Verpflichtung zweier neuer Mitglieder, Schulrat Müller- Oppenheim und Bürgermeister Mo f ch ero ch-Burg - Gräfenrode.Dann wurde in die Tagesordnung cingctreten. Nach Verkündigung einer Anzahl neuer Einläufe und Berichtsanzeigen erfolgt die Beratung und Beschlußfassung über die Vorlage des Großh. Oberkonsisto­riums über die Verhältnisse und Zustände der ewig. Landes­kirche in der abgelaufenen Synodalperiode 1900 bis 1904, wor­über ein gedruckter Bericht des Syn. Stamm- Stockstadt vorliegt. Der Bericht des Oberkonsistoriums über die letzte Synodalperiode gibt, wie der Ausschußreferent betont, ein anschauliches Bild über die kirchliche Weiterentwickelung in dieser Zeit. Es fehle nicht an mancherlei Erscheinungen, welche zur Wachsamkeit mahnen und Besserung fordern, aber ebensowenig an solchen, die beweisen, daß in der Landeskirche und ihren Organen noch viel gesundes Leden vorhanden ist und ein Rückgang nur vereinzelt ftattgefunben hat. Dem Rückgang an einer Stelle oder innerhalb einer be­stimmten Richtung ständen an anderer Stelle doch wieder Fort­schritte erfreulicher Art gegenüber. Der Ausschuß gibt bann ber Befriebigung und Freude darüber Ausdruck, daß das neue Kirchenbuch die Bestimmung, dem gottesdienstlichen Leben der Landeskirche eine einheitliche Grundlage zu geben, allgemeiner und rascher erfüllt habe, als man eigentlich hätte erwarten können. Dieselbe Genugtuung spricht ber Ausschuß über bie Gehaltsregulierung ber Geistlichkeit aus, durch welche lange gel­tend gemachte und berechtigte Wünsche erfüllt wurden, indem zugleich die Grundlage, auf welcher das neue Besoldungsgesetz aufgebaut ist, den Grundsätzen der Gerechtigkeit und Billigkeit entspricht. m .

Die Beratung des Berichts erfolgte abschnittweiw. Beim Kapitel GehaltSregulierung ber Geistlichen wies im Wiberspruch zu bem Ausschußreferenten Synobale Pfarrer Köhler-Trebur daraus hin, daß bie Pfarrer im Gegensatz zu den in derselben Weise vorgebildeten Staatsbeamten, z. B. der Richter und der Oberförster, besonders hinsichtlich der Dienstwohnung noch immer schlechter gestellt seien. Dies Verhältnis werde sich noch mehr verschlechtern, sobald die von der Regierung in Aussicht gestellte Vorlage betreffs der Wvl-nnngsgeldznfchüfse für die Beamten von der Kammer genehmigt worden fei

Präsident D. Stamm unterbrach hierbei den Redner und bemerkte, es sei eine gute Tradition, daß die Geistlichen nicht über ihre eigenen Gehälter in der Syiwde zu sprechen pflegen. Er bitte, diese Gepflogenheit auch weiterhin beizubehalteu. Em anderer Redner erkannte^ auch an, daß das Bcfoldiinoäoc.wk einen gerechten Ausgleich geschaffen habe.

Der Referent berichtet dann kurz über das Verhältnis der Landeskirche zum Staat. Bei den Kammervtr^uid- hingen war seinerzeit von Abgeordneten die Erwägung angeregt worden, ob man den Staaiszuschuß nicht ein für allemal filieren könne, so daß die jährlich wiederkehrendeii Verhandlungen in Wegfall kämen. Tie Regierung habe sich damals nicht ab­lehnend gezeigt. Ter Ausschuß meint, daß im Entere,>e der Landeskirche eine Vereinbarung in diesem kirnte sehr erwunlckt märe und bittet um Mitteilung, ob Ausucht dazu vor­handen sei. Ä _ r r , - .. ~

Syn. Pfarrer D. Schlo sser-Gießen beklagt, daß die De­

kane mit schriftlichen Arbeiten übehaftet wären, durch die sie gar zu viel an den Schreibtisch gefesselt würden. Bei aller Sorgfalt, Arbeitsfreude und Gewisseiihastigkeit lasse ihnen diese Bureauarbeit doch zu wenig Zeit für ihre praktisch Tätigkeit. Es gebe auch einen kirchlichen Burcaukratismus und dieser fei iwch schlimmer, als der staatliche. (Heiterkeit.)

Präsident 1). Buchner hält die Ucbcrbürbung mit Schreib­arbeiten nicht für so schlim.n. Man werde aber etwaige liebet* stände abzustellen sich bestreben.

Syn. Dekan Jaudt-Planig äußert iidj im ähnlichen Sinne, wie D. Schlosser, während

Syn. Tekan Schmidt-Schlitz für die Dekane int allge­meinen eine größere Selbständigkeit verlangt, besonders in ge­schäftlichen Dingen. .

Syn. Frhr. Heyl zu Herrnsheim weist auf die Ver­handlungen in der ersten Ständekammer bezüglich des Staats­zuschusses für die Kirche hin und spricht sich gegen eine Bindung desselben aus, wie es der Ausschuß wünscht. Es empfehle sich, eine Fertigstellung der Kvmmunalsieuerresorm abzuwarten, die von der ersten Kammer nicht zur Annahme kam, weil nach ihrer Ansicht darin keine gerechte Besteuerung besonders für die kleineren Steuerzahler enthalten war. Es müsse auch auf eine richtigere Verteilung der Kirchensteuer Bedacht genommen werden.

Oberk.-Prüs. D. Buchner: Tie Ausführungen des Baron von Heyl würden gegebenen Falles mit in Erwägung gezogen werden. Die Hoffnung auf Erhöhung der Staatsbeiträge für die kirch­lichen Aufgaben sei leider eine sehr geringe. Die ganze Entwick­lung unseres parlamentarischen Lebens fei eine solche, daß die Kirche alle Veranlassung habe und sich immer mehr gewöhnen müsse, auf eigenen Füßen zu stehen.

Ter Referent berichtet dann über die Zn- und Abnahme, bezm. bie llebertritte m ober aus der Landeskirche, die keine wesenl- liche Verschiebung aufweiscn. Die Altlntheraner haben um 411, bie Freiprotestanten um 27 (Slieber ab-, die Sektierer bagegen um 325 zugenoinnien. Die Propaganba der letzteren sei namentlich anch in ber Hauptstadt unb bereu Umgebung eine sehr rege ge­worden. 65 Evangelischen, die katholisch geworben sind, ständen 633 zur evangelischen Kirche übergctrciene Katholiken gegenüber. In Betreff der Wiedertaufe bei solchen, die aus der ewige- tischen Kirche aus- unb in bie katholische Kirche übergetreten sind, wünscht der Referent möglichst genaue Angaben.

Präs. D. Buchner erklärt, baß biese Fälle nicht häufig seien. Bezüglich ber Mischehe n gibt Prälat D. Walz bas gesammelte Material darüber bekannt und richtet dann an die Synodal- mitglieber eine ernste Mahnung, in dieser Frage eifriger zu sein, man könne sich darin die katholischen Geistlichen nur zum Muster nehmen. Syn. Pfarrer v. S ch l o s s e r entgegnet, auch in ber katholischen Kirche werbe in diesen^ Punkte Klage geführt. Nach einigen weiteren Bemerkungen ber Syn. Pfarrer Wal) l - Langen, Pfarrer I o st - Bechtheim, Oberamtsrichter W a h l - Schlitz, Tekan S ch m i b t - Schlitz, Dekan Iaudt - Planig unb Dekan Wagner- (Srünberg schließt bie Debatte und bie Sitzung wirb auf Mittwoch früh 9 Uhr vertagt.

Die Angelegenheit Korell wird, wie der Präsident mitteilte, am Donnerstag zur Verhandlung kommen.

Vermischtes.

* Ein Fall von ungewöhnlicher Langlebig­keit eines Pensionärs wird derDtsch. Verk.-Ztg." wie folgt berichtet: Ueber 47 Jahre im Ruhestand gelebt hat der in diesem Frühjahr verstorbene Oberpostsekretär! a. D. Gibelius in Grünberg (Schlesien). 1818 geboren, war er 1834 als Postschreiber in den Dienst der preußischen-Post­verwaltung getreten, 1848 zum Postsekretär und 1855 zum Oberpostsetretär in Küstrin befördert worden. Mit Rücksicht auf seine geschwächte Gesundheit, Schwäche der Augen, der Verdauungsorgane und des Nervensystems, wurde er seinem Anträge gemäß am 1. Februar 1859 im Alter von 40 Jahren in den Ruhestand ver­setzt. Das beschauliche Leben als Pensionär mutz auf seinen Zustand entschieden günstig gewirkt haben, denn bei seinem endlich erfolgten Tode trennten ihn nur noch sieben Wochen von der Vollendung seines 88. Geburtstages. Trotz der seiner kurzen Dienstzeit entsprechend niedrigen Pension von 732 Mi. hat Gibelius in den 47 Jahren und 3 Monaten seines Ruhestandes die stattliche Summe von 34 58 7 Mk. Ruhegehalt bezogen.

* Menschen und Affen.Da ily Chronicle" läßt sich aus Melbourne berichten, der Heidelberger Professor Klaatsch, der jetzt int nördlichen Territorium arbeite, fyabe" das fehlende Glied zwischen Menschen und Affen in einer eingeborenen Frau in Darwin ent­deckt, welche Füße habe, die Wie Hände.gestaltet seien. Professor Klaatsch habe Gipsabdrücke und Photographien von dieser Frau abgenommen und glaube, daß seine Ent­deckung von außerordentlicher biologischer Bedeutung sei. (?)

Sport.

RuderklubHassia". lieber den irn August l. Js. neu gegründeten RuberklubHafsia" herrjcht, wie man uns schreibt, bie irrige Meinung, er sei em politischer Verein. Diese ölemung kommt daher, daß der Klub demfreien Deutschen Stuber- verband" als Mitglied angehört. Dieser Verband wird durch die BezeichnungFreie" von dem Publikum als sozialdemokratischer Verband auigefaßt, was jedoch nicht der Fall ist. Ter Freie Deutsche Ruderverbaud ist ein Amateurverband der minder be­mittelten Klasse, der sich überhaupt nicht mit politischen Fragen beschäftigt, zumal ausdrücklich m den Verbandsstatuten jede politische Betätigung verboten ist. Ter RuderklubHassia" nimmt nur an­ständige unbescholtene Leute, nicht unter lb Jahren, auf. Es ist somit auch den Bürgern Gießens, die nicht der wohlhabendsten Klasse angehören, bie Gelegenheit geboten, bem Wasierjport zu hulbigen unb baburd) ihrer Gesundheit förberlid) zu sein. Auch herrscht in ihm absolut fein Kneipzwang, wie irrtümlich ange­nommen wirb.

<md anderen Erkrankungen des Rachens und des Schlundes werden =

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