Ausgabe 
6.10.1906 Zweites Blatt
 
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Nv. £35 Zweites Blatt 156. Jahrgang

Samstag 6. Oktober 1806

Erscheint W$} mit Ausnahme des Sonntags.

DieSkfttner SamilltnbIä?krM werden dem »Anzeiger viennal wöchentlich beigelegt. Ter Landwirt" erscheint monaUich einmaU

Mchemr Alyeiger

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'lcb« UniversitätSdruckeret. DL Lange, Dietz«.

Redaktion. Expedition.Druckerei: SchuMr.K, Tel. Nr. 5L Te1egr.-ALr.: Anzeiger Dietz«.

General-Anzeiger, Amts- und Nnzeigeblatt für den Kreis Sietzen

Alis der wir folgende

Aon Kderhof nach Keiligenblrg.

Darmstadt ging uns heute von einer Seite, bisher stets volles Vertrauen schenken konnten, Zuschrift zu, die wir indeß mit aller Reserve

wiedergeben:

In der nächsten Woche werden die 3<mn und ihre Kinder auf Schloß Heiligenbcrg bei Jugenheim a. d. Berg, strasje erwartet.

Ms die Prinzessin Viktoria von Battenberg, die älteste Schwester der russischen Kaiserin, in den Psingstfeicrtagen die Reise nach dem Zarenreich wagte, hieß es, daß sic die Uebcrbringerin einer wichtigen Mission sei. Zwar verlautete iiher die Art dieser Mission offiziell nichts, doch wurden hier und da die mannigfachsten Kombinationen daran ge­knüpft. Rur die nächstkiegcndste aller Erwägungen, die be­greifliche Sorge der Darmstädter Angehörigen der Zürcwna um ihre und ihrer Kinder persönliche Sicherheit wurde nicht angestellt. Da trat vor einigen Tagen der Zarin Bruder, S. K. H. der Großherzogi, seine Reise an. Es hieß, Angelegenheiten der Künstlerkolonie hätten den sDroßherzog nach München geführt. Und an diesem Mitt­woch meldete München die Abreise des Großherzogs; das Wolfssche Bureau gab am darauf,o'lgenden Donnerstag die Ankunft Ernst Ludwigs in Frankfurt a. M. und seine Weiter­fahrt nach Jagdschloß Wolfsgarten bekannt. Dazwischen ging freilich eine Nachricht, wonach man den Großherzog in Stettin gesehen haben wollte. Und am Freitag, just als sich das Großyerzogl. Automobil zur Fahrt nach Schloß Heilrgenverg in Bewegung setzte, da gab es in der hessischen Residenz Leute, die nicht an die Rückkehr des Großherzogs glaubten. Weil sic es begreiflich sanden, daß die Reise desGroßherzogsdcm Zweck galt, dieSchwester

Aus S.aSt uuo

Sprechstunden der Redaktion 111 Uhr vorm.,]j7V->8 Uhr abdS. Gießen, den 6. Oktober 1906.

" Postpersonalnachrichten. Verliehen ist der Titel Postsekretär dein Postvcrwalter Flecken sie in in Schlitz, dec Titel Obcr-Poslajsistent dein Postassistenten Rock in Friedberg. Versetzt sind Postdircktoc Thorun von Wind­huk als Postinspektor nach Mainz, die Obcr-Postpraktikanten Lienk von Bad-Nauheim nach Schiverin (Mecklenb.) und Schcskc von Berlin nach Bad-Nauheim, die Ober-Post- assistcnten Hch. Fischer von Butzbach nach Gießen, Friedr. Müller von Gießen nach Offenbach, Postassistent Leiß- ring von Königs-Wusterhausen nach Gießen. Angenoni- mcn sind als Postgehilfc Heinrich Wahl in Ortenberg, als Telegraphengchilfinncn: Charlotte Heim bürg und Wilhel- minc Marklofs in Friedberg.

* Landwirtschaftskammcrwahlen. Neber die Wahlen zur Landwirtschaftskammek, die am 11. Okt. statt- finden sollen, erfahren wir nachstehendes: In den Vertrauens- inänncrkreisen Hungen-Lich, Gießen und Grünberg-Homberg sind nur je ein Kandidat ausgestellt und zwar LandtagSabg. und Altbürgermeister Köhler von Langsoorf (Bauernbund), Landivirt Will). Weil von Langgöns (Bund der Landwirte) und LandtagSabg. Brauer in Oberofleiden (Bauernbund), während für Großcn-Buscck drei Herren in Frage kommen. Es sind vorgeschlagen seitens des landwirtschaftlichen Bezirks- vcrcinS für den Kreis Gießen: Oekonomierat Hoffmann in Hofgüll, seitens des Bauernbundes LandtagSabg. und Bürger­meister Leun von Großen-Linden und seitens des Bundes der Landwirte Altbürgermeister Meyer von Großen-Buseck. Bon diesen drei Bewerbern ist eigentlich nur Oekonomierat Hoffmann Landwirt in des Wortes vollster Bedeutung.

* * Lokal-Gartenban-Ausstcllnng. Den Vor­bereitungen und Plänen nach zu urteilen verspricht die in den Tagen vom 8.11. Nov. im Neuen Saalbau statt- findcnde Lokal-Gartenbau-Ausstellung sehr reichhaltig zu werden. In einer dieser Tage von den Gärtnerelbesitzcrn abgehaltcnen Versammlung wurden die näheren Details des Unternehmens besprochen. Der große Saal wird den: Charakter der hauptsächlich zur SluSstcllung gelangenden ChrysanthemiumS entsprechend in eine japanische Landschaft umgewandelt werden, an die sich, durch ein Diorania dargestcllt, eine japanische Seclandschäft anschließt. Zur Aufnahme der Bindereien ist die äußere offene Halle gedacht, die durch Anbau eines ge­räumigen Glashauses in einen geschlossenen heizbaren Raum verwandelt wird. Ein besonderes Interesse dürfte die Aus­stellung dadurch gewinnen, daß auch die Erfolge der unter der Leitung deS Hauptlchrers Schaaf und Lehrers Becker von den Schülern der drei oberen Klassen der Stadtmädchen­schule geübten Bluinenpflege zur Ausstellung gelangen werden; etwa 800 Pflanzen wurden im vergangenen Früh­jahr an die Schülerinnen zur Weitcrkultur verteilt. Zwecks Vertretung der Interessen dieses Teiles der Ausstellung hatten sich die beiden genannten Herren zu der letzten Versammlung der Aussteller cingefunden.

* * Aus dem Bureau des StadttHeaters. In dein neuen Schwank von Kadelburg,Der Weg zur HHlle", dec am Sonntag zur ersten Aufführung gelangt, sind von neuen Mitgliedern die Damen Bonß und Schuster beschäftigt. Außerdein sind in Hauptrollen tätig die Herren Goll, Lippert, Kober, sowie Frl. Schellenbcrg.

** Am landwirtschaftlichen Institut fand den Sornnrec über ein Kursus für Lehrer an Fortbild­ungsschulen statt, in dem dec landivirtschaftliche Unterricht zusamniengestellt und dnrchgenommen wurde, wie er den- neueren Bestrebungen für die Fortbildungsschulen entspricht..' Es sind im Laufe deS Sommers an 37 Nachmittagen Vor-, träge und Delnonstrationen über den naturkundlichen Unter-' richt an Fortbildungsschulen abgehalten worden. Am Donnerstag nachmittag fand nun dec Schluß dieses ersten Kursus statt. Es waren außer den 10 teilnehmenden Lehrern erschienen: der Leiter des Kursus, Prof. Dr. Gisevius, Oeko­nomierat Weitzcl-Lich und Schulrat Kleinschmidt als Vertreter des Provinzialdirektors Geheimrat Dr. Breidert und der KreiSschultömmisston. Schulrat Kleinschmidt sprach den Dozenten und Kursusteilnehmcrn Dank aus und wies auf die Wichtigkeit dec neuen Bestrebungen auf dem Gebiete des landwirtschaftlichen Unterrichts für Fortbildungsschulen hin. Pros. Gisevius besprach die zukünftigen Aufgaben der Kursusteilnehiuec und Lehrer Leidig sprach namens der Lehrer. An 10 Fortbildungsschulen des Kreises wird schon in diesem Winter der Unterricht in dec neuen Form abgehalten und erprobt werden. Im Winter sollen noch weitere Zusammen- fünfte dcc Lehrer und Dozenten stattftnden. In den Kreisen dec Schulbehörden, Professoren, Lehrer und Landwirtschaft bringt man dieser neuen Nichlung des landwirtschaftlichen Unterrichts an Fortbildungsschulen auch außerhalb Hessens lebhaftes Interesse entgegen.

gfluv.intmndjung.

Betreffend: Gesuch des Karl Nepp, rnechanische Weberei, von Grünbcrg um Genehmigung zur Auf­stellung eines feststehenden Dampfkessels.

Karl Nepp in Grünbcrg beabsichtigt auf dein Grund­stück Flur XXII Nr. 179V10 der Gemarkung Grünbcrg eine neue Dampskesselanlagc zu errichten.

Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erscheinen dieses im Krcisblatt für den Kreis Gießen an gerechnet, auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Grünbcrg zur Einsicht der Interessenten offen.

Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bei Meldung des Ausschlusses bei Großh. Bürgerilieisterei Grünberg vorzllbringcn.

Gießen, den 3. Oktober 1906.

. Groß herzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. W a g u c r.

Aus P e t er s b'u r g kommt indeß heute folgende Draht- Meldung Ter Aufenthalt der Zarenfamilie in Peterhof wird nur von kurzer Dauer sein. Die Za^ren familie wird nach Zarskoje Selo über­siedeln, wo bereits alle Vorbereitungen zu ihrem Empfange .getroffen werden.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Okt. In einer Versammlung des Vereins der nationalliberalen Jugend in Berlin imirbe der Vorstoß des Dr. Marwitz auf dem jungliberalcn Parteitage in Hannover gebilligt, nachdem dieser selbst erklärt hatte, er habe mit seinem Anträge, eine Kommission derJung­liberalcn solle festsetzen, welchen nationalliberalen Kandidaten 1908 von den Iuuglibcralen Wahl­hilfe zu leisten sei, nicht eine Trennung der Jung- liberalen von der alten Partei beabsichtigt.

Die Anarcho-Sozialisten wollen dem Versuch, sie aus der sozialdemokratischen Partei hinauszudrängen, energischen Widerstand entgegensetzen. In den beteiligten Organisationen ergeht jetzt bind) die Geschäftskommission der lokalolganisierten Arbeiter ein Aufruf, daß als einzelner nie­mand wegen feiner Parteimitgliedschaft irgendwelche Schritte

Ausland.

Dover, 5. Okt. Die Arbeiten zur Anlegung eines neuen Kriegs Hase Ns sind nunmehr begonnen worden und werden mit fieberhafter Tätigkeit betrieben. Es werden insgesamt An- lede-Onais für 36 Torpedojäger und 6 Unterseeboote gebaut. Die Quais erstrecken sich in 4 Reihen auf eine Länge von je 800 Meter. Die verschiedenen Quais sind voneinander 200 Fuß getrennt.

ILolonralpoft.

Der Neichsbankassessor Born aus Würzburg wurde telegraphisch vom Kolonialdircktor als Hilf Za r b eiter in die Kolonialabtcilung berufen.

Gietzener Stadttheater.

Nora.

Es war ein anerkennenswerter Akt der Pietät, daß unsere rührige Theaterleitung einen der ersten Theaterabend dem denleu Henrik Ibsens, des im Mai d. I. verstorbene großen norwegischen Dramatikers, widmete. Auch mit der Wahl von Nora kann man einverstanden fein, ist doch dieses in des Dichters Heimatland unter dem NamenEin Puppenheim" bekannte Stück eines der bekanntesten und anerkanntesten des Dichters und außerdem so recht geeignet, uns Ibsens dramatische Eigenart erkennen zu lassen. Das Drama, das das Problem der wahren Ehe behandelt, in der die Gatten nicht neuen, sondern mit ein­ander leben sollen und die Frau nicht alsPuppe" ihres Mannes durchs Leben gehen soll, ist in Gießen nicht neu, es wurde hier wiederholt mit hervorragenden Künstlerinnen in der Titelrolle gegeben. Um so gespannter durste man fein, wie sich unsere einheimische Darstellerin, Frau Bohrhammer, mit der Rolle der Nora, mit deren Darstellung das Stück steht und fällt, ab- sinden würde. ES kann mit Befriedigung konstatiert werden, daß der Gesamteindruck ihrer Darstellung durchaus befriedigend war. Namentlich im ersten Akt, 4n dem Nora noch ganz als harm­loses fröhliches Kind erscheint, war ihre Darstellung durch­aus lebenswahr uni) natürlich. Aber auch die weitere Ent­wickelung von Noras Charakter zum denkenden selbständigen Weibe wußte die Künstlerin glaubhaft wiederzugeben, wenn auch der letzte All nicht ganz auf der Höhe der vorhergehenden stand. Jedenfalls darf gesagt werden, daß Frau Bahrhammer im letzten halben Jahre wesentliche Fortschritte gemacht hat und auch schwierigeren Aufgaben mehr und mehr gewachsen ist. Robert Helmer, ihr stets korrekter und egoistischer Gatte, wurde durch Herrn Kost ansprechend vertreten, und namentlich in den letzten Szenen wußte er echte Töne der Leidenschaft und, des Schmerzes zu finden. Herr Bakof, der auch die Regie führte, gab den Günther lebenswahr und natürlich, während Herr Herrscher als Doktor Rank durchaus am Platze war. Frl. v. I a g e in a n n bewies als Frau Linden, daß sie auch int modernen Konver­sationsstück eine durchaus brauchbare Kraft ist. Das Zusammen­spiel war gut und die Inszenierung ganz den Intentionen des Dichters entsprechend. Das sehr zahlreiche Publikum spendete der Aufführung lebhaften Beifall. > <§. H.

ünb ihre K in der au5 t> e m Bereich russischer Gefahr en zu bringen. Das wird nun freilich durch S. K. H. den Großherzog nicht selbst geschehen, vielmehr durch - seinen Schwager, den Prinzen Heinrich von Preußen, .den man gleichfalls in Heiligenberg erwartet. Man darf aber jetzt annehmcn, daß die.Reise des Groß­herzogs den gleichen Zweck verfolgte, wie die Pfingstreise .der Prinzessin Viktöria.

Die Kaiserin Alexandra kehrt zurück in -das Land ihr-er Päter, die Kaiserin des größten europäischen Reiches in das kleine hessische Heimat­land, hin zu der Stätte, wo namentlich der große Zar Alexander II. mit seiner Gemahlin, einer Prinzessin Marie von Hessen-Darmstadts so gern geweilt hat.

Das Schloß Heiligenberg ist im Stile der Herrensitze der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts erbaut. Schön aus der Ferne grüßt das leuchtende Weiß des Baues, wie das Gold des eisernen Kreuzes, welches fromme, dankbare Kindespflicht der Schöpferin dieses herrlichsten Sommer­sitzes, die Großherzogin Wilhelmine (f 1836) auf dem loest- lschsten Vorsprung des Heiltgenbergs errichtete. Hier oben ist, die Ruhestätte (Mausoleum) des 1888 verstorbenen Prinzen Alexander von Hessen, des Vaters der Battenberger. Von den Tagen der^Reformation erzählt die Kloster­ruin e, und die tausendjährige Centlinde erinnert den Wanderer an die fränkischen Schöffengerichte. Won der hohen Terrasse vor dem Schlosse, deren eine Hälfte dem Publikum freigegeven ist, bietet sich ein Ausblick von seltener Herrlichkeit. An Mühlen im Tale vorbei, über prachtvolle Buchenwälder, die benachbarten Höhen, über wohlgepflcgte Gärten und-Weingärten, über das' Pfarrdorf Jugenheim hinweg, hin zur weiten Ebene, die der Rheinstrom durch­zieht. In die Welt fliegen Blicke und Gedaukeit von dieser stillen, bergeshoben Einsamreit aus.

** Vortrag. Dienstag, 9. Okt., abends 81/V Uhr, findet tm Kanfm. VereniShanS ein öffentlicher Vortrag (f. Inf.) von Frau Joh. Wäscher aus Kassel statt. Die Dame behandelt ein mteressantes Thema. Sie verfügt über ein großes Wissen über den Stand der hm. Organisation, das sie ans eigensten, reichsten Erfahrungen schöpft. Frau Wäscher war berufen, diesen Vortrag bei der Bundesversammlung Deutscher Frauen-Vercino in Nürn­berg zu halten. Es sei deshalb hiermit ausdrücklich allen em­pfohlen, den belehrenden Vortrag zu hören, allen Kaufleuten, allen, die Interesse daran nehmen, allen jungen Damen und Herren, die im kanfm. Beruf stehen, allen Eltern, die ihren Töchtern eine kanfm. "Ausbildung zuteil werden lassen wollen/ Es dürste sich nicht oft Gelegenheit bieten von einer Frau, die elbst Jahrzehnte im kanfm. Beruf steht, ausilärende Worte zu hären, die man weder aus Büchem noch sonst wo lesen und hären kann.

Paris, 5. Okt. Hiesigen Blättermcldungen zufolge wurde in Kommtine (Algier) ein Deutsch er namens Otto Albasser als Spion verhaftet. Tie Vcrhostnng erfolgte, als er mit einem photographischen Apparat auf der Straße nach Saida wanderte. Er führte 50 Generalstabskarten bei sich, von welchen mehrere Aufzeichnung'en enthielten. Sein Gebäck wurde beschlag­nahmt, wovei man mehrere arabische Kostüme sand. Mbasser halle Frenick>schaft mit mehreren Oflizjeren der Kvlonial-Armcc geschlossen und die Bejestigungcn mehrerer Forts photographiert. Ter Verhastete pwtesticrt entschieden dagegen, Spionage ge­trieben zu l)aben, wurde aber in Hast behalten.

Mailand, 5. Okt. Gestern abend fand ein Festmahl statt, zu dem der deutsche A u s st c l l u n g s k 0 m m i s s a r General­konsul v. Hcrdd die Kollegen aller an der Ausstellung beteilig­ten Staaten sowie die Mitglieder des Vollzugsausschusses und der Stadtvertretung geladen hatte. In seinem Trinlfpruche führte er aus, daß die Ausstellung den ganz außerordentlichen Fort­schritt Italiens auf allen Gebieten veranschaulicht und in glück­licher Weise zur BefestigungderFreundschaftzwischen Deutschland und Italien beigetragen habe.

Wien, 5. Okt. Der Wahlreformausschuß nahm mit 21 gegen 13 Stimmen den Antrag Hruby an, die Einführung der Wahlpflicht der Landesgesetzgebung zu überlassen.

(Abgeordnetenhaus^ In der heutigen Sitzung ver­handelte das Haus über den Tringlichleitsantrag Haueis, in welchem die Regierung aufgefordert wird, das Verbot der Vieheinfuhr aus den B a l ka n ft a a t e n und in Ruß­land ciusrechtzuerho.lten und das Ansinnen, ein Verbot bett, die Viehausfuhr nach Deutschland zu erlassen, ohne weiteres z u r ü ck z u w e i s e n. Im Laufe der Debatte betont der Acker bäum in ist er, daß verschiedene Städte an die Re­gierung mit dem Ansinnen herangetreten sind, das Vieheinsuhr­verbot gegen Rumänien und Rußland auszugeben, und die Vieh­ausfuhr namentlich nach Deutschland -zu verbieten. Von einem Fleisch- oder Viehmangel im allgemeinen, erklärte der Minister, könne keine Rede sein.. Im Gegenteile werde eine größere Zufuhr an Rindern demnächst er lv artet. Auch sei die S chw e i n e z u f u hr günstig. Es wäre aus veterinärpolizeilichcn Rücksichten äußerst bedenklich, zur Ergän- iung des zeitweilig verminderten Rinderaufttiebes die Grenzen lener Länder zu öffnen, welche zur Vermeidung der Seuchenein- chleppimg Oesterreich zu sperren genötigt sei. Zum Viehans- uhrvcrbot sei kein Anlaß, zumal bei den abnormen Preisen der Viehexport ohnehin aushöre. ES gebe auch kein gesetzliches Mittet, um aus Äpprovisiouccrungsrücksichten die Vieh- ausfnhr zu üerbinbem. Abgesehen hiervon sei auch nicht daran zu denken,^ die Ainsfuhr eines der wichtigsten Expottartikel Oester­reichs, dessen Expvrtfähigkeit die Regierung bei den Handcls- vertragsverhaMungcn tunlichst zu schützen bestrebt gewesen sei, ,u behindern. Die Regierung wende pflichtgemäß den Fragen wr Approvifionierung ihr höchstes Augenncerk zu, müsse aber auch Vorsorgen, daß durch ihre Verfügungen nicht die vitalsten Jntercsserc der Landwittschast geschädigt würden. Nach längerer Debatte wird die Dringlichkeit des Antrages angenommen.

2Cird?c und Schule.

Divisionspflttrer Bach stein, der bekanntlich kürzlich bei dcc 8. VerhandlilNI vor bem Kriegsgericht von der 91 n» klage dcc Beschimpfung der katholischen Kirche frei gesprochen worden ist, wird, wie die ^Nocdh..Ztg." hört, die Pfarrstcllc in WolkramShallscu (Thür.) übernehmen.

linternehme und alle Zumutungen, die eventuell an ihn ge­stellt werden, so lange abwcise, bis nähere Mitteilung über die zu trefscriden Maßnahnlen gemacht ist.

Goslar, 6. Okt. Der nächste nationallibcr-le Parteitag wird im Frühjahr 1907 stattftnden.