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8.6.1906 Zweites Blatt
 
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132 Zweites Blatt 156. Jahrgang

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Die ..Gietzener Lamillrnblätter" werden dem SM| CH ET

-Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der U A U» g E & S O fi U 3 V\ K

WfdN candwlr-' erscheint monatlich einmal. W B V V V B V V

Freitag 8. Juni 1906

Rotationsdruck und Verlag ba Vrühllch« UnwerfflätSdruckeret. 9L Lange, Diehea.

Redaktion, Expedition «.Druckerei: Gchulstr.?.

Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzetger Gieße».

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bekanntmachung.

Betr.: Die Unterhaltung der Kreisstraßen.

Wegen Vornahme von Pflasterarbeiten wird die Kreis­straßenstrecke unter der Pfordt in Wieseck vom 11. bis 13. d. Mts. gesperrt.

Gießen, den 6. Juni 1906.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Wörner. ,_____________ __

Kaiser Wilhe.rn in Alsterreich.

Wien, 7. Juni.

Heute mittag traf Kaiser Wilhelm beim Grafen Hans o. Wilczek auf dessen ganz mittelalterlich eingerichteten Schlöffe Kreuzeustein ein. Als der Kaiser ben Bannbereich der Burg betrat, wurde auf dent großen Hofe die deutsche Kaiser- standarte gehißt; ein Hornqnartett intonierteHeil Dir im Siegerkranz", zugleich begannen alle Glocken zu läuten. Im Schloßhofe bildeten auf der einen Seite die Arbeiter des Grafen Spalier, auf der anderen Seite standen die Burg­nachbarn des Grafen. Nach Vorstellung der anwesenden Herren erfolgte ein Rundgang durch das Schloß. Er be­gann mit der Besichtigung der Kapelle, dann ging man zum Besuch der Küche, welche einen Einblick in die Lebens­gewohnheiten des mittelalterlichen Haushalts gewährt, in die Weinkammer und in die Herrenkammer. Dort wurde das Dejeuner genommen. Nach der Tafel ronrbe der Rund­gang fortgesetzt durch die Jagdkammer, die Schlafzimmer, Bilderzimmer, Kupferstich-, Bibliothekar- und Archivzimmer, Orgelchor, Waffenkammer und Rüstkammer. Beim Betreten des Burghofes fiel dem Kaiser der mächtige Wehrturm auf. Im Schloßhofe sah der Kaiser eine alte Steinschleuder und einen Reiterschlitten, die Holzgalcrien des Turmes und eine merkwürdige Sonnenuhr. Er besichtigte bann emgehenb bic Waffenkammer, beren alte Waffen sein lebhaftes Interesse erregten; ferner besichtigte ber Kaiser die Bibliothek, das Archiv, das alte Himmelbett aus dem Jahre 1539 und vieles andere Gerat. Durch die gothischen Fenster blickte der Kaiser in das Donautal und sah die Burgruine Greifenstein und die jenseitigen Ufergelände. Weiter besichtigte der Kaiser in Hen Sälen alte Truhen und kunstvolle Schnitzereien. Dann wieder feffelten ihn die prachtvollen Zeichnungen eines Fest- zuges aus der Zeit Kaiser Maximilians, und des Kaisers Totenmaske und vieles andere interessante. Der Kaiser äußerte sich wiederholt entzückt über das, was er auf dem Schlosse gesehen hatte.

Ein Kaisertoast aus Kreuzenstein.

Beim Dejeuner brachte Graf Wilczek einen Toast auf den edlen, ritterlichen Kaiser und ausgezeichneten Altertums­kenner aus, worauf Kaiser Wilhelm erwiderte:

Mein innigster Wunsch war, hierherzukommen und das bewunderungswürdige Werk in Augenschein zu nehmen, von dem mir schon lange berufene Kunstfreunde und Kunstverständige berichtet haben. Ich habe als junger Mensch die hohe Freude gehabt, Ihre werte Bekanntschaft zu machen, und zwar unter Aufsicht meiner unvergeßlichen, hochseligen Frau Großmutter, die viel und gern von Ihren ausgezeichneten Eigenschaften erzählt hat. ES war mir gegönnt, als junger Mensch zu einem ernsten, tatkräftigen und strebsamen Manne aufzublicken. Wir haben beide oft im Gespräch unsere Ansichten über Kunst und Geschichte getauscht. Unsere Anschauungen haben sich stets gedeckt. Wir wollen gern dem jetzigen Geschlecht vorführen, wie in alter Zeit die schwert gewohnten Ahnen ihre Tugend und treue Pflichterfüllung, ihre ritterlicheVerehrung der Frauenwelt bewiesen haben, wenn auch unsere Anschauungen noch so sehr an­gegriffen werden. Immerhin haben Sie Ihre Aufgabe da- mit erfüllt, daß Sie die DiSkufsion erwecken, und das ist auch schon etwas. Sie haben hier ein Kulturwerk vollbracht. Mochte es die Kritik ober Bewunderung Hervorrufen, Stellung mußte dazu genommen werden, und wenn man Stellung nimmt und diskutiert, so ergibt sich daraus die geistige Arbeit für die hohen Ideale der Geschichte. Nach diesen Idealen haben die Vorfahren dieses Werk ausgeführt. Wir Wiedererbauer wollen dieses Werk in diesem Sinne fortsetzen. Ich erhebe mein Glas: Dem edlen Burgherrn und den anwesenden Geschlechtern!

Abreise.

Kaiser Wilhelm ist um V26 Uhr von Kreuzenstein nach Schönbrunn zurückgekehrt, wo ein ©al ab in er zu 100 ©checken slattfand. Toaste würben nicht ausgebracht. Infolge des regnerischen Wetters wurde die Serenade des Wiener MännergesangvereinS im Freien abgesagt. Der Männergesangverein brachte in der kleinen Galerie einige Lieder zum Vortrage. Um J/21 0 Uhr reifte Kaiser Wilhelm vom Penzinger Bahnhofe ab.

Die Absendung der Depesche an den König von Italien erfolgte auf Anregung Kaiser Wilhelms.

Diese Dreibunds-Depesche hat allenthalben mit ber Kraft der Ueberraschung gewirkt, boch lauten die Bemerkungen ber Berliner Presse zurückhaltender, um nicht zu sagen kühler, als insbesondere in Wien. Nach den Wiener Aeußerungen hätte jetzt der Dreibund ganz seinen alten Glanz und seine Festig­keit wiedererlangt, wäre jeder Zweifel und jedes Mißver­ständnis beseitigt. Das ist wohl eine etwas überschwängliche Auffassung, wie denn in Wien von jeher in Superlativen deS Entzückens und des Tadels geschwelgt wird. Kundgebungen von Herrschern sind zweiffellos von großer politischer Be­deutung, sie erhellen wie ein Scheinwerfer weite Gebiete, es werden Bestrebungen und Ziele der Politik scharf und klar ersichtlich, auch an das Ausland sind solche Kiindgebiingen in gewissem Sinne mitgerichtet aber daß Kundgebungen, Trinksprüche, Depeschen, Handschreiben von noch so mächtiger

Stelle nicht Wirkungen von Dauer auf den Gang der Politik auSüben, darüber dürfte keine Täuschung walten. Die Welt hat Kundgebungen genug gehört und gesehen, um sie auf ihren politischen Wert einschätzen zu können. Das Tele­gramm bildet die Ergänzung zu der Goluchowski- Depesche des Kaisers mit dem Dank für die Unterstützung Deutschlands durch Oesterreich-Ungarn in Algeciras. In Italien waren darüber Verstmimungen entstanden, die sich steigerten durch die' vielfach gehegte 'Vermutung, die Kaiser- reise nach Wien bezwecke im Gegensatz zu der schwankenden Haltung Italiens die Festigkeit der Beziehung zivischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn darziitun. Wäre nun die Begegnung ohne eine Erwähnung des verbündeten Italien verlaufen, so hätten diese Vermutungen Nahrung erhalten. Es war also einerseits ein 9lft ber StaatSkunst, andrerseits ber Höflichkeit, daß bic bciben 23erbünbetcn beS britten Ver- bünbeteu gebuchten. König Viktor Emanuel wird in der Depesche das Prädikat einestreuen" Verbündeten gewidmet. Das Prädikat konnte natürlich nicht fortbleiben, ohne daß bic Lücke sofort unb allgemein empfunben worden wäre. Ter König mag bic Treue beS Bündnisses sehr ernst nehmen; wie die ital. Staatsmänner lange vor dein Marrokko - Fall die Werbung um Frankreichs Liebe in Szene gesetzt haben, weiß bic Welt. Davon ist nichts abzustreiten, das gehört der Geschichte an. Die Antwort des Königs ist gew- herzlich, obschon auch mit Erwägung der Tragweite jedes Wor­tes abgefaßt z. B. die Bezeichnungliebenswür­dig" rückt die Schönbrunner Depesche elegant aus dem Gebiet der hohen Poli tik in das Gebiet freund­schaftlicher Aufmerksamleiten aber es ist nicht zu vergessen, daß die franz. Republik sich schon kaum minder herzlicher Aeußernngen des italienischen Herrschers erfreut hat. Alles in allem: es bleibt abzuwarten, ob die italienische Politik ihren bisher so entschieden nad} Frank­reich gerechteten Kurs ändert.

DieVoss. Ztg." schreibt:Ter Auffassung, als sei durch diesen Depeschenwechsel der gesicherte Fort­bestand des Dreibundes vor aller Welt handgreiflich bewiesen, vermögen wir uns einstweilen nicht Vorbehalt- los anzuschließen". Aehnlich skeptisch sprechen sich noch andere Blätter ans, so dieTägl. Rundsch." und die agrar. Tagesztg.".

DerPopolo Romano" schreibt: Jede auch intime Kund­gebung zwischen den Herrschern der Dreibundstaaten wird in Italien herzlich begrüßt als Beweis für die Loyalität der Vorsätze und der Gefühle, welche die drei verbündeten Länder verbinden.Vita" erklärt, das Telegramm der beiden Kaiser mache aller Pressepvlemik über die Kaiserreise ein Ende und sei ein Beweis, daß diese nichts Unerfreuliches gegenüber dem abwesenden Verbün­deten habe.

Die Pariser Blätter begnügen sich mit der Wiedergabe der telegraphischen Nachrichicn über die Reise, ohne irgend­welchen Kommentar daran zu knüpfen. Rur dasJournal" leitartikelt über die Monarchenbegegnung, indem es u. a. meint, daß dieselbe als Gegengewichtder englisch- russischen Annäherung aufzufassen sei und die Festigkeit des Dreibundes beweisen sötte. Tie Entrevue solle zeigen, daß die unliebsamen Zwischenfälle im Innern des Drechundes während der letzten Zeit wieder ausgeglichen wurden. Nach einer Pariser Meldung derDeutschen Tagesztg." wird es im Lause dieses Sommers zu einer grofjen Manifestation zwischen den Flotten des Dreibundes kommen. In einem deutschen Kriegs Hafen soll nämlich eine Flottenschau statt- finden, zu welcher die österreichische und die ital. Kriegsmari ne gleichfalls eine Anzahl von Schissen ent­senden werden.

Der LondonerStandard" betont, der Dreibund habe keine Feinde in Europa, er sei eine ständige Bürgschaft ür den Frieden auf dem Festlande. Keine Macht wünsche »essen Auflösung. DieTaily News" befürwortet eine Zu - ammenkunst des Kaisers mit König Eduard zur Herstellung besserer Beziehungen zu Deutschland, die durch ben Besuch der Bürgermeister angebahnt und durch ben Besuch der Journalisten gefördert werde.

Aus AomvenatteriLat von Madrid.

Madrid, 6. Juni.

Der etwa 70jährige republikanische Führer Nakens, Herausgeber des BlattesEl Motin", ist verhaftet worden. Der Attentäter Morral hatte nach dem Attentat bei Nakens, nach dessen eigenem Geständnis, Zuflucht ge­sucht; derselbe hat ihm jedoch zwar selbst die Hilfe ver­weigert, dafür aber Morral an den Anarchisten Daza in der Vorstadt Gundalera verwiesen, der ihm zur weiteren Flucht beistand. Vor dem Untersuchungsrichter sagte Daza aus, der mit ihm befreundete Straßenbahninspektor Harra habe ihn am vorigen Donnerstag in der Nacht gebeten, er möge einen aus dem Gefängnis entwichenen italienischen Journalisten beherbergen, den fein Unstern gerade am Tage des Attentats nach Madrid geführt habe. Er, Daza, habe dies abgelehnt. Harra, der daraus festgenommen wurde, sagte aus, als er am Donnerstag nach dem Vorort Cuatro Caminos gekommen sei, habe man ihm gesagt, daß ihn in einer Wirtschaft Nakens und andere erwarteten. Tie Kleider Morrals, die man Harra zeigte, erkannte dieser sofort als den Anzug des einen der Begleiter Nakens' wieder.

Wie dieCorrespondencia de Espana" mitteilt, flüchtete Morral sofort nach Verübung des Bombenanschlags in die Geschäftsräume des BlattesEl Motin", rasierte sich dort den Schnurrbart ab und verbrachte daraus die Nacht in einer Herberge im Weichbilde der Hauptstadt, wo ihn Nakens mit einem anderen Anzuge versah.

In einem Schreiben an dieEorrespondeneia de Esp." schildert Nakens den Vorgang, wie Morral bet ihm Hilfe suchte, in folgender Weise. Er, Nakens, befand sich am 31. Mai nachm. in den Geschäftsräumen seines Blattes, als ein junger Mann ein trat und fragte,'ob er Ratens sei. Aus seine bejahende Antwort habe der Besucher ihm das Ehrenwort abgeiwmmen, daß er über das, was er ihm jetzt

sagen werde, kein Wort verlauten lasse. Er entarte so­dann, daß er soeben eine Bombe gegen den König in der Lalle Major geworfen habe. Nakens hieß ihn mit ihm kommen und sie fuhren mit ber Straßenbahn nach dem V o r o r t C u a t r o L a m i n o s. Als sie an einer Wirtschaft vorbeikamen, wurde Nakens von einigen politischen Freun­den erkannt, die ihn einludcn, ein Glas Bier mit ihnen zu trinke n. Später fuhren ^Lakens unb Morral mit der Eisenbahn nach Eiudad Lmeol, wo sie spät abends an kamen und mit der Straßenbahn nach dem Vorort Ventas fuhren. Dort traf 'Nakens einen Freund. Dieser erklärte sich bereit, Morral in der Nacht in seiner Wohnung zu beherbergen. 9takens trennte sich von ben beiden unb erfuhr am nächsten Tage, baß Morral gegen 10 Uhr vormittags seinen Freund verlassen habe. Ratens erklärte schließlich, daß er alle Ver­antwortung für feine Handlungsweise übernehme. Er habe den um Beistand bittenden Anarchisten nicht einmal nach seinem Namen gefragt.

Der König hat gestern ein Dekret unterzeichnet, wo­durch zahlreiche politische und militärische Verurteilte begnabigt werden.'

Ministerpräsident Morel bot darauf dem König die Demission des Kabinetts an. Morel wurde jedoch vom Könige enbgittig im Amt bestätigt und wird das Sfabinett neu bilden.

Infolge Trauer wegen des Todes seiner Gattin gedenkt der Herzog von Almodovar seine Demission als Minister des Auswärtigen zu geben.

Deutsches Reich.

Hamburg, 7. Juni. Die KaiserstotlUe geht am 14. Juni nach ber Elve ab. Ter Kaiser trifft am 16. Juni hier ein, um Taufpate bei dem jüngsten Sohne seines früheren Flügeladjutanten, des jetzigen Direktors der Hamdurg-Amerika- linic, v. Gramme, zu sein.

Berlin, 7. Ium. Ter .Vorwärts* teilt heute mit, daß der Betrag von 200 Mark, welchen ein Kriminal­beamter einem sozialistischen Vertrauensmann autzqehändigt hatte, der Parteikasse übermittelt worden ist, nachdem die politische Polizei, der die Summe zur Perfügung gestellt morden war, diese nicht in Empfang genommen hat.

Eine neue sozialdemokratische Frauen­organisation ist unter dem NamenFreie Vereinigung erwerbstätiger Frauen und Mädchen* begründet worden. Sie ist hervorgegangen aus dem gewerkschaftlichen Frauenverein in Berlin, der vornehmlich Auswärlerinnen, Dienst- boten und Handarbeiterinnen umfaßt. Das Programm dieser Frauenorgantfation ist identisch mit dem Programm der fozialdcmokrattfchen, radikalen Gewerkschaften. Der gewerk­schaftliche Frauenverein war auch dem Kattell ber lokalistischen Gewerkschaften angeschloffen.

Ausland.

London, 7. Juni. Im Unterhause kenkte Lee (kons.) die Aufmerksamkeit auf die amerikanischen Fleisch, versorg ungs in stände und ersuchte den Kriegsminister Haldane, sehr Wett darauf zu geben, daß, ehe man nicht wieder Vertrauen zum amerikanischen Büchsenfleisch gewonnen habe, er nicht zulassen wolle, daß solches für die regulären ober freiwilligen Truppen gekauft werde. Haldane erinnerte bas Haus daran, daß in früherer Zeit auch Klagen über bas in England beschaffte Büchsenfleisch vorge­bracht worden seien.

Wien, 7. Juni. Die Programmrede des Minister­präsidenten Baron Beck im ReichSrat fiel durch ihre scharfe, ja drohende Sprache gegen Ungarn auf. Beck er­klärte, die österreichische Regierung halte daran fest, daß die Vorlage des Ausgleichs auch in Ungarn als gemeinsame, nicht selbständige Abmachung Rechtskraft erlangen müsse. Die Regierung werde noch einen Versuch mit Verhandlungen machen, bann aber werde Oesterreich sein Haus selbst be­stellen müssen. Dazu erbitte er bic Unterstützung bes Reichs- rates auch biirch Ausstattung mit neuen Machtmitteln, so durch die beschleunigte Erledigung der Vorlage über die Ver- staatlichilng der Nordbahn. Nach der Rede wurden Zettel in den Sitzungssaal geworfen, in denen die Bergarbeiter eine Verbesserung ihrer Lage fordern. Ein Antrag Placzek, die Debatte über die Regierungserklärung zu eröffnen, wurde mit 180 gegen 91 Stimmen abgelehnt, auch ein Antrag, die Debatte in der nächsten Sitzung zu eröffnen. Die Abstimmung wird als ein günstiges Zeichen angesehen.___________________

Aas KerkoMer-ZLennen.

rv.

Rosenheim, 7. Juni. Als heute früh bie Teil­nehmer an der Herkomer-Konkurrenz bie Stabt passiert hatten, üb er fuhr ein Ordnungswagen in der Ortschaft Waldering ein Bauernfuhrwerk. Der Bauer wurde vom Wagen geschleudert, ein Fu ß wurde ihm abgefahren.

Bei Freylassing ist der Waget: Nr. 40, Kröll-Eltville, der von der Konkurrenz ausgeschlossen wurde, (well Kröll vor kurzem ein Kind totgefahren hat, was ihn 5 Monate Gefängnis kostete) und die Fahrt privatim mitmachte, unterwegs gegen einen Baum gefahren, wobei der Jrtsasse herausgeschleudert wurde unb schwere Wunden an Kops und Brust erlitt.

Linz, 7. Juni. Als erster Wagen traf heute vor­mittag nm 10 Uhr 39 Minuten bei günstigem Wetter Wagen Nr. 1, Friedrich Dreher, ein. Als zweiter Willy Posge um 10 Uhr 41 Minuten. Als dritter Hermann Weigand um 10 Uhr 44 Minuten, als vierter E. C. Machis um 11 Uhr 21 Minuten. Dreher fuhr auf ber Strecke München-Linz den Kilometer in durch­schnittlich 48,7 Sekunden. PrinzHeinrich traf als vierzehnter um 1 Uhr 5 Minuten 52 Sekunden hier ein und wurde vom Prinzen zu Solms begrüßt, Abends 7 Uhr waren nur 4 Wagen ausständig. Die meisten Wagen fuhren bei strömendem Regen ein.