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6.8.1906 Erstes Blatt
 
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Nr. 182

Erscheint tLgltch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit Dem Hessischen Landwirt die Siebener Familien» blätter viermal in bet Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Uuivers.-Buch-u. Stein­druckerei. 9L Lange. Redaktion, (fcevebition und Druckerei:

Echulstratze 7.

Rebaktion e^ss) 112 Verlag u.Exped.^Mbl Abresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Erstes Blatt

158. Jahrgang

Montag 6. August 1906

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

BezugSpretS, monatlich7bPs.,viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- ii. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch dicPost 9)lt.2. viertel- jährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 13Pf^ auSivärtS 20 Pjg.

Verantwortlich für den voltt. und allgem. Teil: P. Witt ko: für »Stadt und ßantr und ,Gerichtsfaal*: Ernst Heß; für den An­zeigenteil: HanSBeck.

Die heutige Uummer umfaßt 8 Seiten.

Die Gärung in Rußland.

Die Meutereien.

Die Petersb. Telegr.-Agentur meldet aus R e v a l unterm 6. Aug.:

Ms ein Teil der Mannschaft des Panzerkreuzers Pa inj al Asowa" in der Nacht zum 2. August meuterte, befand sich das Schiff in der Papemviek-Bucht, 40 Meilen östlich von Reval. Bei ihm waren die kleinen KreuzerAbrek" undSSoiemoba", das SchulschiffWojin", der Torpedoboots- zerstörcrPospjcschnhi" und die Torpedoboote Nr. 106 und 107. Als die Meuterer sich des Panzerkreuzers bemächtigt und den Weg nach Reval eingeschlagen hatten, gaben sie den anderen Schiffen das Signal, ihnen zu folgen. Ms die Offiziere sowie diejenigen Mannschaften, die ihrem Eide treu blieben, sich wei­gerten, dem Befehle nachzukommcn, fingen die Meuterer an, aus den Geschützen zu feuern, hatten jedoch keinen Erfolg. Mle Schiffe blieben unversehrt. Der kleine Kreuzer Abrek", den Die Mannschaft auf Strand hatte lausen lassen, kam ohne fremde S)i!fe wieder frei und befindet sich gegenwärtig in der Narowamundung. Das Torpedoboot Nr. 106 verschwand zwischen den kleinen Inseln. Auf demPospjeschnyi", dessen Kingstons man geöffnet hatte, wurden diese von den Maschinisten wieder geschlossen, sodaß das Schiff über Wasser blieb. Sobald derPamjet Asowa" sich vom Schauplatz entfernt hatte, kehrte die an Land geflohene Besatzung der übrigen Schiffe an Bord zurück und brachte die Schisse nach Reval. Diese wurden von einer Kommission Ker Marinebehörde untersucht und für voll­kommen unversehrt befunden.

Dieselbe Agentur meldet ferner aus Helsingfors unterm 5. Aug.:

Die rote Garde wird jetzt von dem Anarchisten Luoto geführt. Es beißt, sie halte sich jetzt in der Umgegend von Helsingfors auf. Der Senat hat die sofortige Aushebung der Organisation der roten Garde angeordnet. Die gerichtliche Untersuchung der Vorgänge in Sweaborg hat ergeben, baß die Initiative zu dem Aufstand von russischen Revolutionären ausgegangen ist und daß sich bann die rote Gärde an der Organisation beteiligt hat. Die Zahl der Streikenden beträgt 4000.

In Sv eaborg wurden 450Bomben geworfen, bis die Meuterei niedergeworfen war. Von den leitenden Offi­zieren der Meuterer sind Kahanski und Emiljanow ergriffen, Eyo« entflohen. 150 Artilleristen und 100 fi« nlän - dische Sozialdemokraten sind gefallen, 800 Artilleristen und 50 Sozialdemokraten gefangen. Die Ge­samtziffer der Meuterer belief sich auf 1400. Das Kriegs­gericht wird 700 Artilleristen, 300 Infanteristen und 100 Mann Marinetruppen abzuurteilen haben.

In Kronstadt wurden 300 Rädelsführer des letzten Aufstandes vom Kriegsgericht zum Dode ver­urteilt und hingerichtet. Unter ihnen befanden sich viele Zivilpersonen, darunter auch das Mitglied der Reichsduma, Mich ailiczenko, bei welchem ein Plan der Festungswerke gefunden wurde. Ein anderes früheres Mitglied der Duma, Onipko, wurde in Sveaborg ver­haftet und der Abg. Medwedew in Woronesch.

Nach weiteren Meldungen meuterten in Wladi­kawkas zwei Bataillone. Tie Mannschaften töteten einige Offiziere und besetzten die Station Kojake, wo die treu gebliebenen Truppen sie umzingelten, an­griffen und zur Ergebung nötigten.

Wie -in Moskau versichert wird, weilte der Matrose Matjnschenko, einer der verwegensten Leiter der Meuterei auf dem PanzerschiffFürst Potenrkin", in den letzten Tagen auf dem Sch auplatz der sinn ländischen Ausstände. Kürzlich bereiste er, als Gendarmerieoffizier verkleidet, Kronstadt, Sebastopol und Odessa. In dieser Verkleidung besuchte er einige höhere Marinebehörden und erkundigte sich über die Stimmung unter den Mannschaften. Die Behörden gaben ihm zuvorkommend Auskunft darüber, welche Truppenteile Mißtrauen und Besorgnis einflößen.

Der Generalstreik

ist am Samstag mittag in Petersburg proklamiert worden. Es findet ein großes Militäraufgebot statt und auch die nach den Datschen (Villen der Vororte) gehenden Züge haben militärische Bedeckung. Alle Fabriken stehen still. Die Pferdebahn verkehrt nicht. Zu einem größeren Zusammenstoß mit der Polizei ist es auf der Wassilo-Jnsel gekommen, wobei viele Arbeiter und mehrere Polizisten nicht unerheblich verletzt wurden. Die kurze Eisenbahn­linie nach Sestroresk wurde stark beschädigt. Auf der Peters­burger Endstation gerieten Arbeiter in einen Kampf mit Polizei, wobei acht P o l i z i st e n getötet wurden. Ge­rüchte, daß der Ausstand der Bahnangestellten beginnen sollte, erwiesen sich als unbegründet. Auf allen Eisen­bahnen um Petersburg herrscht völlige Ruhe.

Ueberhaupt scheint der Aus st and imganzenReich fehlgeschlagen zu sein. Selbst in Odessa herrscht verhältnismaizig Ruhe. Stur in Jekaterinoslaw wird allgemein gestreckt. In Moskau haben sich sämtliche Ar­beiterkategorien sowie die Eisenbahner fürdenAusstand ausgesprochen, während die Telegraphen- und Forstbeamten den Generalstreik ablehnen.

Revolutionäre Greueln.

Wie aus Warschau gemeldet wird, ist die Revo­lution dort mi vollem Gang e. Diebesbanden durch­ziehen die Stadt unb plündern die Geschäfte, ohne daß Militär oder Polizei eingreift. Gegen die Gattin des GendarmeriekomMandanten, hie einen Ausflug unternahm, wurde auf der Landstraße ein Attentat ver­übt. Die Täter hielten die Pferde des Wagens an, in welchem die Frau saß, zogen fhr Söhnlein, von dem sie be­gleitet war, heraus und ermordeten es vor den Augen der Mutter.

Auf der Bahnstrecke Libau-Ha wesen wurde uachts ein Ueberfall auf einen Postzug gemacht Md 80 0 00 Rubel Reichsgeld geraubt. Acht Ressende,

darunter der Deutsche Grundmann und der brasilianische Generalkonsul Rupniewski, sind verletzt. Es wurden alle Passagiere erster und zweiter Klasse ausgeplündert.

Deutsches Reich.

Potsdam, 5. Aug. Ter Kaiser und die Kaiserin, sowie die Prinzen Oskar und Joachim und Prinzessin Viktoria Luise trafen gestern nachmittag von Swinemünde in Wildpark ein. Sie besuchten gestern abend die kronprinz- lichen Herrschaften im Marmorpalais. Heute, als am Todestage der Kaiserin Friedrich legten sie im Mausoleum einen Kranz nieder. Später empfing der Kaiser Professor Lessing zur Vorlage der Stoffe aus dem Reliquien­schrein Karls des Großen.

DasEcho de Paris" will wissen, daß eine zweite Begegn ungdesKaisersmitdemKönigEduard für die zweite Septemberhälfte geplant sei, und zwar wäh­rend der Mittelmeerfahrt, welche der König zu unternehmen gedenkt.

Für die Taufe des kaiserlichen Enkels ist der 27. d. M. in Aussicht genommen. Die Handlung wird vom Oberhof- und Domprediger Tr. Dry an der im Neuen Palais vollzogen werden.

Die Fortführung der Untergrundbahn vom Potsdamerplatz bis zum Spittelmarkt ist vom Kaiser genehmigt worden. Diese Linie, die ein Teil der Untergrund­bahnverlängerung bis zum Bahnhof Schönhauser Allee ist, soll bis zum 1. April 1909 sertiggestellt werden.

Der Vortragende Rat im Neichsnmt des Innern Geh. Oberregierungsrat Dr. Kaufmann ist zum Präsi­denten des Reichsversicherungsamtes ernannt worden.

Fürstin Emma zu Solms-Hohensolms- Lich ist hier angekommen und im Palasthotel abgestiegen.

Die Vertrauensmänner des Bundes der Land­wirte in Stade-Bremervörde beschlossen, den Nation all,rb er al en Kandidaten nur dann zu unter­stützen, wenn er dem rechten Flügel der nationalliberalen Partei angehöre, der z. B. in den Herren Graf Oriola und Frhrn. v. Hehl Mitglieder besitze, die für die Be­strebungen des Bundes der Landwirte im Parlament jahre­lang wirken. Sollte die nationalliberale Partei auf die Wünsche des Bundes nicht Rücksicht nehmen, so würde damit der Bund in die Zwangslage kommen, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Inzwischen haben die National- liberalen den Senator Reese in Stade aufgestellt, der wirtschaftspolitisch dem Linksliberalismus zuneigt.

Minden, 5. Aug. Infolge sozialdemokrat. Hetzereien unter den westfälischen Zigarrenarbeitern und der dadurch auf zahlreichen Betrieben hervorgerufenen L o hn str e i t i g- Feite« haben sich 126 Firmen des westfälischen Dabakindustriegebietes, das den Regierungsbezirk sowie die angrenzenden Gebiete (Lippe, Osnabrück usw.) umfaßt, auch die dort fabrizierenden Bremer und Ham­burger Firmen, zu einem Arbeitgeberverband ver­einigt, dem einschließlich der Filialfabriken der Mitglieder nunmehr mehrere Hundert Betriebe angehören. Mit dem Bremer und Hamburger Zigarrenfabrikantenverein hat der Westfälische Verband ein Kartell abgeschlossen.

Wolfhagen, 5. Aug. In der gestrigen Reichstags­stichwahl im Wahlkreise Rinteln-Hofgeismar-Wolfhagen wurde Herzog(deutschsozial) mit rund 9100 Stimmen gewählt. Vetterlein (Sozialdemokrat) erhielt rund 4500 Stimmen.

Straßburg, 4. Aug. In hiesigen amtlichen Kreisen verlautet, der Statthalter Fürst Hohenlohe-Lan­genburg werde von seinem Posten zurück treten, Staatssekretär v. Köller werde sein Nachfolger. Zu dessen Nachfolger sei der Unterstaatssekretär Ma n d e l aus­ersehen. Eine Bestätigung dieser Nachricht ist bisher nicht eingetroffen.

Nürnberg, 5. Aug. Die Stadtverwaltung beschloß, angesichts der bevorstehenden Jahrhundertfeier der Ein­verleibung Nürnbergs in Bayern eine Stiftung für städtische Arbeiter mit 100 000 Mark Kapital zu errichten.

München, 4. Aug. Die Anklagerede des Prin­zen Georg in der Neichsratskammer hat anfangs zwar großes Aufsehen hervorgerufen, in parlamentarischen Kreisen rechnete man sogar mit einer Ministerkrise, doch einen Tag nach der Rede wär bereits ein Umschwung ein­getreten. In der Reichsratskammer wurde Minister Graf von Feilitzsch von den königlichen Prinzen ostenta­tiv bei seinem Erscheinen begrüßt, während Prinz Georg inzwischen nach Ischl a b g e r e i st war und an der Sitzung nicht mehr teilnahm. In der Abgeordneten­kammer wurde der Minister vom Zentrumsführer Tr. von Taller ebenso herzlich begrüßt, was umso auffälliger war, als bekanntlich das Zentrum auf den Sturz des Grafen Feilitzsch hinarb'eitete. Der Zwischenfall dürste also keine weiteren Folgen haben.

Die Jubiläumstagung des Kyffhäufer-Berbandes der Vereine Deutscher Studenten.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

S. u. H. Kelbra am KyfMuser, 5. August.

Der Kyffhäuserverband der Vereine deutscher Studenten, der heute über 3000Alte Herren" und 1000 Aktive zählt, feiert hier fein 25 jähriges ©tiftungSfeft, mit dem zugleich die Weihe der vom Verband an den Ruinen der Rotenburg errichteten Bismarcksäule verbunden ist. Zahlreiche Vertreter der deutsch-östreichischen Studentenverbindungen haben sich zu dem Fest eingefunden. m .

Das Fest begann am Freitag mit einem Begrützungsabend. Der Samstag wurde mit Verhandlungen über innere Verbands­fragen eröffnet. Am Nachmittag hielt derAlte Herr" Dr. Böhme-Berlin den großen Verbandstagungsvortrag über das Thema:Unsere praktische .Arbeit". Seinen hierfür

aufgestellten Thefen entnehmen wir, daß der Verbandauch ferner- hin in allen nationalen Fragen den Kampf mit aller Energie führen" will. Besonders betont wurde die Ostmarken- unb die deutsche Schulvereinsfrage. Nach einer sei« lebhaften Diskussion, an der sich u. a. dieAlten Herren" Redakteur Dr. Paul Li­man von den ,Leipz. N. Nachr.", der Geschäftsführer Geiser vomAlldeutschen Verband" u. a. m. beteiligten, sah man sich mit Rücksicht auf von den Leipz. N. Nachr. erhobene Beschul­digungen wegen der polit. Tätigkeit desAlten .Herren" Pfarrbr a. D. Dr. Friedr. Naumann zu folgender auf Grund des Vortrags angenommenen Resolution veranlaßt:

Die auf der 25. Festtagung des K. V. versammelten Mit­glieder des Verbandes erflären: Der Kysfhäuser-Verband hält nach wie vor eine öffentliche Stellungnahme für die Sozialdemokratie für unvereinbar mit feinen nationalen Grundsätzen. Er erblickt vielmehr in dem steten und nachdrücklichen Kampfe gegen die Sozialdemokratie eine klare Folgerung ans feinen unveränderlichen Prinzipien."

Aus uns Luno.

Gießen, den 6. Ang.

"Personalien. S. K. S). der Großherzog haben am 4. August dem auf sei« Nachsuchen in den Ruhestand versetzten Rabbiner in Darmstadt Dr. David ©einer das Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen verliehen. Entlasten wurde am 1. August die Zeichenlehrerin an der Volksschule zu Mainz Hedwig Ulrich aus ihr Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Oktober an aus dem Schuldienste.

* Militärisches. Das Biwack unseres Regiments im Gelände Lützellinden-Münchholzhausen-Rechtenbach vom Freitag zu Samstag war für die Soldaten nicht angenehm, denn es regnete fast die ganze Nacht und ganz besonders m der Frühe, als gegen 3 Uhr die Zelte abgebrochen und ver­packt wurden. Die 3. Kompagnie unseres Regiments hatte die Feldwache und lag auf der Anhöhe westlich Lützellinden, ihr gegenüber nach Groß-Rechtenbach zu der Feind, bestehend aus dem III. Bataillon 116 und I. Bataillon 168. Um Vs3 Uhr begannen die Vorpostengefechte, bis bei Tagesan­bruch das Gros des Feindes aus der Gegend Rechtenbach heranrückte und das I. und II. Bataillon 116 in ihrer be­festigten Stellung angriff. Dieses hatte zahlreiche Schützen­gräben aufgeworfen und sich verschanzt. Das Gefecht wurde bald abgebrochen, nach der Kritik rückten die Truppen um 8 Uhr aus der Gefechtsstellung ab. Die 168er marschierten über Hochelheim, Lang-Göns, Kirch- und Pohl-Göns nach Butzbach, das Kaiser Wilhelm-Regiment über Lützellinden und Klein-Linden nach der Stadt, es traf um */,10 Uhr mit klingendem Spiel in den Kasernen ein. Die Uebüng war für die Soldaten sehr anstrengenb, doch hielten sie sich sehr gut, sodaß kein Unfall zu verzeichnen ist.

"Hirsches. Die hiesige Staatsanwaltschaft hat dem Gesuch des Landtagsabg. Hirschei, den in seiner Strafsache anstehenden Termin zu verlegen, stattgegeben. Der neue Termin wird sechs Wochen später stattfinden.

** Ein ehemaliger Gießener Gymnasiast, der in Kurhessischen eine neue Heimat fand, bittet uns um Ver­öffentlichung nachstehender Ausführungen, die gewiß die Zu­stimmung aller früheren und jetzigen Schüler und Lehrer des Gießener Gymnasiums finden und hoffentlich den gewünschten Erfolg haben' wird:

Bei dem 50jährigen Jubiläum der Realschule und des Real­gymnasiums zu Gießen im Jahre 1887 wurde vom Lehrer­kollegium ein Verzeichnis der Lehrer und Schüler, welche diese Schulen besucht hatten, herausgegeben. Dies war für ehemalige und gegenwärtige Schüler eine willkommene Festesgabe.

Bekanntlich soll doch nun bas 3 0 0jährige Jubiläum des Gymnasiums zu Gießen (16051905) mit dem nächst­jährigen U n i v e r s i t ä t s j u b i l ä u m (16071907) verbunden, gefeiert werden. Da wäre es für viele frühere Gymnasiasten sehr erwünscht, auch eine P e r s o n a 11 i st e, vielleicht v o m letzten Jahrhundert, der Lehrer und Schüler des Gym­nasiums zu bekommen. Es würde auf diese Weise eine Fülle persönlicher Eeinnerungen, freudiger wie ernster Art, an vielleicht längst vergessene, in alle Welt zerstreute Jugendgenossen bei Vielen wieder wachgerusen werden.

Ein weiterer Zweck dieses Schreibens soll sein, daß man klar darüber werde, ob die früheren Schüler des Gießener Gymna- simns, welche sich s. Zt. nicht dem Studium widmeten, sondern einen anderen Beruf wählten, zur Jubilämsfeier eingeladen werden oder nicht.

Wir auswärts wohnenden früheren Gymnasiasten erfahren vom Gange der Sache absolut nichts, wollen uns aber selbst­verständlich so einrichten, daß wir unserer Schulfeier eben­falls beiwohnen können."

** Zimmerbrand. In der Nacht vom 4. auf 5. If. Mts. bemerkten Arbeiter vom Gaswerk in einem Mansardenfenster der Ostanlage Feuerschein. Sie weckten die Hausbewohner und man fand das Bett eines Dienst­mädchens in Flammen, während das Mädchen sich geflüchtet hatte. Das Mädchen hatte unvorsichtigerweise das Licht auf das Kopfende des Bettes gestellt und gelesen, war batv eingeschlafen und das Licht fiel in das Bett. Zu verwundern war sehr, daß das Mädchen nicht selbst Schaden genommen hatte.

" Diebstahl. Auf dem Braunsteinbergwerk wurde'einem Arbeiter während der Ätachtschicht am Samstag das Jahrrat- gestohlen.

" Eigentümer gesucht. Bei einem ivegen Unter­schlagung Angezeigten wurde ein Trauring mit der In­schriftI. F. M. 30. 9. 05.* beschlagnahmt, den der Be­treffende vor zwei Jahren in der Marburgerstraße gesunden haben will. Der Eigentümer des öiinges ivird ersticht, sich bei der Kriminal-Polizei zu melden.