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7.6.1906 Erstes Blatt
 
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Nürnberg, 6. Juni. Zwischen Neustadt an der Aisch nnd Emskirchen ist der als Kontrolleur bei der Automobil­fahrt um den Herkomer-Preis tätige S chlor aus München auS dem Automobil, das der Direktor Wiß von den Gaggenauer Werken selbst steuerte, gefallen. Der Wagen Nr. 132 fuhr an einer starken Straßenbiegung wider einen Baum. Das Fahrzeug überschlug sich, Schl, wurde heraus­geschleudert und erlitt einen schweren Schädelbruch so­wie schwere innere Verletzungen. Er wurde ins Krankenhaus Neustadt a. Aisch gebracht.

München, 6. Juni. Kurz nach 1 Uhr trafen hier die ersten Teilnehmer in nachstehender Reihenfolge ein: Vöge- Chemnitz, Ladenburg-Mannheim (der Sieger der vor­jährigen Fahrer), Mathis-Straßburg, Weingand-Düsseldorf, Goenner-Stuttgart, Flinsch-Frankfurt a. M. Mehrere Stunden nach dem Einlaufen deS ersten Wagens durften die Automobile von 4 Uhr ab beim großen Wirt in Schwabing, wo die offizielle letzte Kontrolle vorgenommen wurde, durch­fahren. Es war herrliches Wetter. Prinz Heinrich von Preußen, der um 3 y2 Uhr eintraf, hatte Flickpause vor Nürnberg gehabt. Hier wurde er beim Durchfahren des Zieles mit stürmischen Hochrufen begrüßt. Von den übrigen einfahrenden Konkurrenten wurde besonders die einzige Dame, die einen Wagen lenkt, Maud Mauville- London, mit lebhaften Zurufen begrüßt. Bis heute abend sind 120 Wagen eingetroffen. Wagen Nr. 36 (Fritz Werner- München) hatte unterwegs Achsenbruch und mußte die Fahrt aufgeben. Auch Wagen 86 (Ruziesdi-Wien) hat die Fahrt aufgegeben. Prinz Heinrich wohnte dem geselligen Abend im Bayerischen Hof" bei, wo eine Anzahl Fahrer mit ihren Damen bei Musik tafelten. Neben elegantesten Toiletten auch Sportgewänder; ein ungewohntes Bild im Richard Wagner- Saal des Hotels!

Aus SraSt uns Luns.

Gießen, den 7. Juni.

Genehmigte Stiftungen. Die von dem Grafen Hermann zu Solms-Laubach zu Straßburg errichtete Stiftung für unverm ählte Töchter der Chefs des Gräfs. Hauses Solms-Laubach und die von Frl. Amalie Elisabeth Frölich zu Darmstadt errichtete Geheime Regierungsrat Frölich-Stiftung wurden von S. K. H. dem Großherzog genehmigt.

* Die Hau sbesitzer bezw. deren Vertreter sind ver­pflichtet, die an ihren Grundstücken herziehenden Bürger­steige während der trockenen Jahreszeit täglich in den Früh- und Mittagsstunden begießen zu lassen. Einer besonderen Aufforderung im Einzelfall bedarf es nicht. Unter­lassungen werden ohne weiteres von der Polizei zur. Anzeige gebracht werden.

Der Gießener Zitherklub beabsichtigt am Sonn­tag, 10. Juni, ein großes bayrisches Volksfest auf der Schönen Aussicht zu veranstalten. Die Musik wird von einer Kapelle aus Alt-Steiermark ausgeführt.

Leihgestern, 6. Juni. Grobe Ausschreitungen ließen sich mehrere junge- Burschen im Alter von 16 bis 20 Jahren von hier zu Schulden kommen. Sie warfen in der Nacht auf den 5. d. Mts. zwischen Steinberg und Leihgestern einen Radfahrer aus Großen-Linden vom Rad und verletzten ihn durch mehrere Messerstiche schwer. Es wurde sogar mit einem Revolver auf ihn geschossen. Die Täter sind ermittelt und zur Anzeige gebracht.

§ Lang-Göns, 7. Juni. Der hiesige, für seine vor­züglichen gesanglichen Leistungen schon öfters preisgekrönte GesangvereinFrohsinn" erhielt in Kassel außer dem 1. Preis in der 3. Klasse auch den Ehrenpreis. Auf der Durchfahrt in Gießen wurden die Sänger von einer Deputation des Gesangvereins Heiterkeit beglückwünscht.

Ober-Mock st adt, 6. Juni. Zwischen den am 26. v. M. in die Stichwahl gelangten Bürgermeisterkandidaten Heinrich Mickel und Heinrich Tobias Kraft fand heute die Entscheidung statt. Ersterer wurde mit 96 Stimmen zum Bürgermeister gewählt, letzterer erhielt nur 40 Stimmen.

Bensheim, 5. Juni. Heute starb in dem benach­barten Fehlheim der älteste Lehrer in Hessen, Heinrich Philipp Selbst. Er war geboren zu WormS im Jahre 1820, erhielt seine Ausbildung im Lehrerseminar zu Bens­heim 18371839 und stand dann während 50 Jahren un­unterbrochen im Schuldienst, in Bürstadt, Biblis, Laubenheim, Mühlheim a. M. und seit 1854 in Fehlheim. Am 27. Mai 1889 feierte er sein 50jährigcs Dienstjubiläum und trat daun in den Ruhestand. Bis in die letzten Jahre erfreute er sich voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Noch vor zwei Jahren unterzog er sich einer Augenstar-Operation mit gutem Erfolg. Sein gerader, biederer Charakter, seine Pflichttreue und Religiosität erwarben ihm Hochschätzung und Vertrauen in allen Kreisen.

Worms, 7. Juni. Zum 3. Wormser Rosen- fest, das am 8., 9. und 10. Juni in Anwesenheit des Groß­herzogs in den Räumen des Städt. Festspielhauses abgchalten ' wird, ist soeben das Festprogramm erschienen. Eingeleitet werden die Festtage durch eine vom Rosengartenausschuß und dem Heidelberger Hebbelverein im Theatersaal am Freitag, 8. Juni, abends 8 Uhr veranstaltete akad. Hebbelfeier, in der Fritz Stein-Leipzig (Orgel), Dr. Hageniann-Essen (Festrede) und Hofschauspieler Paule Wiecke-Dresden (Rezi­tationen) mitwirken. Samstag, 9. Juni, nachm. 3.45 Uhr trifft der Großherzog in Worms ein. Ein 600köpfiger Kinder­chor der Städt. Volkschulen wird durch einRosen-Willkomm" eine Ovation darbringen. Der Großherzog unternimmt darauf mit Gefolge eine Rundfahrt durch die in Rosen dekorierten Hauptstraßen, durch die spalierbildende rosengeschmückte Schul­jugend begrüßt. Kurz nach 4 Uhr nimmt dann die Fest­aufführung der Hebbelschen Nibelungen Trilogie durch das Mannheimer Hos- und Nationaltheater ihren An­fang: SamstagDer gehörnteSiegfried" undSiegfrieds Tod", SonntagKriemhilds Rache", jeweils um 4 Uhr nach­mittags beginnend. An beiden Tagen schließt sich im Garten und in den Restaurationsräumen ein Nosenbasar an. Die Nibelungen" werden Freitag, 15. und Samstag, 16. Juni, abends 7 Uhr, zu mäßigen Eintrittspreisen wiederholt.

fD Wetzlar, 7. Juni. Der Landrat hat im Einver­ständnis mit den Kreisschulinspektoren die Sommer- oder Heuferien der Volksschulen für den Kreis Wetzlar mit Ausnahme der Stadt Wetzlar auf 14 Tage festgesetzt. Sie

beginnen mit dem 20. Juni oder, falls dieser Tag nicht ein Montag oder ein Donnerstag ist, mit dem nächstfolgenden Donnerstag oder Montag. Den Bürgermeistern ist es im Bedürfnisfalle und auf Antrag des Schulvorstandes gestattet, die Sommerferien eine Woche früher oder später beginnen zu lasten. Die Ferienordnung vom 13. Juni 1904 hat keine Giltigkeit mehr. Der Vaterländische Frauenverein wendet seine Fürsorge auch darauf, die Säuglingssterblichkeit zu bekämpfen. Um dies praktisch durchsetzen zu können, soll zuerst durch eine öffentliche Sammlung ein Fonds gebildet werden, aus dem das Notwendigste zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit bestritten werden kann. Es soll für die in Frage kommenden Kleinen gute, gesunde Milch verschafft werden, die in einem geeigneten Raume Zubereitet und ausgeteilt wird.

Marburg, 6. Juni. Hier tagte, wie schon mitgeteilt wurde, die deutsche botanische Gesellschaft unter dem Vorsitz des Geh. Rats Prof. Schwendener-Berlin, und zwar zum ersten Male getrennt von der Naturforscherversammlung. Die geschäftliche Sitzung und die wissenschaftlichen Vorträge fanden in den Räumen des botanischen Instituts des Profestor Arthur Meyer statt; für die Botaniker und Zoologen wurde auch im physiologischen Institut eine Demonstration des Ultramikroskopes abgehalten. Im nächsten Jahre feiert die deutsche botanische Gesellschaft ihr 2 5jähriges Jubiläum und gedenkt sich dazu im September 1907 in Leipzig mit den Vertretern der systematischen und angewandten Botanik zu vereinigen. In der Schlußsitzung des Deutschen Zoologentages mürbe Rostock als nächstjähriger Ver­sammlungsort mit Ausflug nach Lübeck gewählt. (F. Z.)

fc. Frankfurt a. M., 6. Juni. Die Prostituierte Schubert in der Rosengasse geriet in vergangener Nacht in einen Wortwechsel mit einem jungen Mann. Schließlich griff man zum Messer, wobei das Mädchen drei Stiche in den Arm erhielt, einer derselben durchbohrte den Arm. Gestern Abend 9 Uhr stieß unter dem Viadukt der Bahnlinie Goldstein-Sachsenhausen auf der Mörfelderlandstraße die Waldbahn mit einem Möbelwagen der Firma Vollmar Wwe. zusammen. Die Lokomotive erfaßte den Möbelwagen an der rechten vorderen Ecke und schleuderte ihn mit voller Wucht nach rückwärts. Die Pferde stürzten, die Fuhrleute Wilhelm Bürgert und Joseph Wilz flogen vom Sitze herab, von denen der erstere schwere innere Verletzungen erlitt. Dem Kaufmann Amann, der hinten auf dem Trittbrett des Möbelwagens stand, wurde der rechte Fuß gequeffcht. Die drei Verletzten kamen in's städtische Krankenhaus. Wer das Unglück verschuldet hat, ist noch nicht ermittelt.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. Ter Verwalter des Gräflich Görtzischen Hot- gutes Rimbach K. Pfaff ist in Zörbig bei seiner Tochter, wo er seit einigen Tagen besuchsweise weilte, infolge eines Herzschlages plötzlich im 59. Lebensjahre gestorben. Im Alter von 72 Jahren verschied in Wabern nach longerein Leiden Pfarrer Kröger. Er amtierte zuerst in Zimmersrode, alsdann in Nassen- erturt und zuletzt in Wabern. In Gladenbach wurde dem 25 jährigen Arbeiter Heinrich W i s s e n b a ch im" Cchieterbergwerk durch einen fehlgegangenen Sprengschuß ein B ein z ers ch in e 11 c v t. Es mußte in der Marburger Klinik völlig nbgenommen werden.

Die Aussichten der oiesjährigen Obsternte.

Die Geschäftsstelle des Deutschen Pomologen- vereins Obst nachrichtenbienst cs für bas Reich in Eisenach, Klosterweg 23, berichtet über bas Ergebnis der Obst­blüte ans allen beutschen Landcsteilen:

Von 780 Mitarbeitern aus 760 Bezirken wirb über­einstimmend berichtet, baß eine ähnlich reiche Obstblüte wie die diesjährige seit sehr langen Jahren nicht beobachtet wurde.

Aepfel, Birnen, Zwetschcn, Pflaumen: Sehr gut bis gut.

Süßkirschen: Keine andere Obstart zeigte in allen Bezirken den gleichen Blütenreichtum. Es ist eine sehr reiche ilnd sehr frühe Kirschenernte zu erwarten.

Sauerkirschen: Gut.

Pfirsiche und Aprikosen: Gut bis mittel.

Stachel-, Johannis-, Him-, Brom-, Erd - und Heidelbeeren: Gut bis mittel.

Wall- und Haselnüsse: Gut.

Nachtfröste, die besonders in Süd- und Mitteldeutschland imgewöhnlich stark und häufig auftraten, lasten befürchten, daß die Blüte und damt der Fruchtansatz bei Pfirsichen und Aprikosen, ober auch vielfach bei Birnen, Süßkirschen, Erd­beeren, Johannisbeeren und Haselnüssen gelitten hat. Das Ergebnis des Fruchtansatzes, Ernteaussichten und Ernte­ergebnisse, Obstangebote und Nachfragen, Obstpreise ans allen deutschen LandeSteilen werden in der Folge veröffentlicht. Auf keinem anderen wirtschaftlichen Gebiete waren für gleichwertige Erzeugnisse die Preisunterschiede bis dahin so groß, als für Obst. Mit Hilfe des Deutschen Pomologenvereins Obstnach­richtendienstes werden die Obstzüchter auf die Obstpreise ein­zuwirken im Stande sein. Schon jetzt werden bei der Ge­schäftsstelle 500 Zentner Glaskirschen und 800 Zentner Erdbeeren gefragt. Die Geschäftsstelle ist bereit, Obstzüchtern und Obsthändlern über Nachfragen und Angebote größerer Obstmengen bei Beginn der Ernte Auskunft zu erteilen.

Vermischtes.

* Ein Erdbeben in Fez am 1. Juni wurde im deutschen Konsulat um 8 Uhr 29 Morgens durch einen starken Stoß wahrgenommen. Das Haus schwankte zwei- bis dreimal von Südwesten nach Nordosten und zurück. In der tiefer gelegenen Altstadt wurde das Beben weniger, dagegen in der oberhalb des Konsulats gelegenen Judenstadt stärker verspürt. Der Stoß soll dort so stark gewesen sein, daß Kinder umfielen, Türen aufsprangen und Wanduhren stehen blieben. Eingeborene versichern, daß ein leiser Stoß etwa um 2 Uhr Nachts vorange­gangen sei.

* Die Enthüllungen über den amerika­nischen Fleischtrust erregen fortdauernd die Gemüter. Die Insassen mehrerer Londoner Armenhäuser haben er­klärt, sie würden revoltieren, wenn ihnen amerikanisches Büchsenfleisch vorgesetzt werde. Die Londoner Waren­häuser, die sonst Tausende von Büchsen täglich verkauften, setzen nichts mehr um. England ist als Exportgebiet für amerikanisches Büchsenfleisch endgültig verloren.

* >5?!ei ne Tagescbronik Am 5. Juni wurde aus der Chaussee von Gotha nach Eisenach ein Kind von zwei franz. A n t o m o b i l i st e n überfahre n. Es erlitt einen Schenkelbruch und Kopfwunden. Die Franzosen hinterlegten eine Kaution von 1000 Frank und fuhren weiter. Im Luxemburgischen sind in der letzten Woche sieben neue Erkrankungsfälle an schwarzen Pocken vorgekommen.

Nttsverfttcits-NachrZchten.

Der e r st e weibliche Apotheker Deutschlands, Frau Magdalena Neff geb. Meub in Karlsruhe bat an der dortigen Hochschule das pbarmazeutische Staatsexamen mit der Note 1 lsehr gut) bestanden. Die junge Dame, die sich im Laufe des dritten Semesters mit dem Apotheker Neff in Langenbrücken verheiratete, erhielt nunmehr als erste Fran in Deutschland die pharmazeutische Approbation; sie ist demnach zur selbständigen Führung einer Apotheke berechtigt.

und Wissenschaft.

Breslau, 6. Juni. Der allgemeine deutsche Schulverein feierte in der Aula der Universität das Fest seines 25jährigen Bestehens auf das glänzendste. Als Jubiläumsgabe wurden verteilt 22 000 Mk. für eine Schul­gründung in Böhmen, 18 000 Mk. für eine Schulgründung in Mähren, 5000 Mk. für einen ungenannten Zweck._______

Arbeiterbewegung.

Saarbrücken, 6. Juni. Eine in Molstatt-Burbach abge­haltene Versammlung der Burbacher H ü 11 e n l e u t e beschloß, heute die Arbeit nieberjulegen, nachdem der General­direktor der Hüttenwerke die Fordermigen der Arbeiter nbgelebnt hatte. So verweigerte er die Erlaubnis, daß die Arbeiter dem christlichen Metallarbeiter-Verbände beitreten durften, 1300 Hütten­arbeiter haben die Arbeit niedergelegt.

Lo n d o n, 6. Juni. In der heutigen Sitzung des Internat. Bergarbeiter ko ngresses wurde ein Antrag der deutschen Delegierten angenommen, nach dem dahin gewirkt werden soll, daß die Verwendung von Frauen im Bergwerksbetrieb gesetzlich gänzlich verboten wird. Ter Kongreß nahm im weiteren Verlaute einen Antrag der deutschen Delegierten an, nach welchem die Beschäftigung von Kindern unter vierzehn Jahren im Bergwerksbetriebe gesetzlich verboten werden soll. Die englischen und französischen Delegierten enthielten sich der Ab- stimmung, da sie von ihren Verbänden keinen Auftrag hatten.

GerrchtssaaL.

d. Mainz, 7. Juni. In letzter Zeit ist es wiederholt vov- gekommen, daß häufig bestrafte und renitente Arbeitssoldaten nach eingehenden ärztlichen Untersuchungen als geisteskrank erklärt wurden. Vor einiger Zeit wurden zwei Arbeitssoldaten, nachdem sie vom Kriegsgericht abgeurteilt waren, aus Antrag ihrer Verteidiger einer Irrenanstalt überwiesen und dort als geistes- kraiik befunden. Jetzt kommt wiederum ein neuer derartiger Fall hinzu. Ter schon seit 1903 dienende Arbeitssoldat zweiter Klaffe Lüpperts aus München-Gladbach wurde kürzlich m erster und zweiter Jnstaiiz vom Kriegsgericht und CberfriegSgericbt wegen wiffentlich falscher Anschuldigung, verleumderischer Beleidigung eines Sergeanten rc. zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. L. hatte gegen einen Sergeanten die Anschuldigung erhoben, er habe ihn auf Fort Biehler in einer Arrestzelle vorsätzlich dem Erstickungs­tode preisgeben wollen. Der Verteidiger des £, der gleich an dessen Zurechnungsfähigkeit zweifelte, hat es nachträglich durch» geletzt, daß der Verurteilte im Lazarett auf seinen Geisteszustand geprüft wurde. Tas Resultat ist sehr überraschend, denn nach dem Gutachten der Aerzte ist L. schon seit längerer Zeit geistesgestört. Von feiten des Verteidigers wird nunmehr die Aushebung der zu­letzt erkannten Verurteilungen beantragt.

Eifenbahtt-Keitüng.

Ein Bund gegen d i e Fahr karten st euer. In Hameln ist ans Anlaß der Einführung der Fahrkartensteuer eine Protestliga" gegen die Fahrkartensteuer gegründet worden. Die Mitglieder verpflichten sich zur Benutzung einer nichtigeren Wagen klasse als bisher, zu der die Verteuerung des Reisens sie nötigt, und wollen sich durch ein sichtbar zu tragendes Ab­zeichen kenntlich machen. Helfen wird diese ieüfame. aber leider nur zu berechtigte Liga allerdings wenig.

Israelitische Religionsgesellschaft.

chottesdieutt.

©abbotbfeier am 9. Juni 1906:

Freitag abend 8.00 Uhr.

Samstag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. ©abbatn* ausgang 9.30 Uhr.

Wocbengottesdienst: morgens 6.00 Uhr, abends 8.00 Uhr,

Handel und Verkehv, VslkswLrtschaft.

0 Nene Reichsbank stelle. Am 2. Juli d. Js. wird in Bleicherode eine von der Reichsbankstelle in Nordhausen abhängige Reichsbank - Nebenstelle mit Kasseneinrichtung und be­schränktem Giroverkehr eröffnet werden.

0 Neue Reichsbank stelle. Am 7. Juli d. Js., wird in Zabrze eine von der Reichsbankstelle in Gleiwitz abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung nnd beschränktem Giro­verkehr eröffnet werden.

Schlechte Abschlüsse. Gerade in die Zeiten der Hochkonjunktur fallen zuweilen recht schlechte Abschlüsse. Die Vermögensverwaltungsstelle der Offi­ziere und Beamten hüt z. B. mit über 2 Mill. M k. Defizit abgeschlossen. Die Gesellschaft soll rekonstruiert, die Aktien von 2 zu 1 zusammengelegt werden. Daß dabei besonders viel gutes herauskommen wird, ist nicht mehr anzunehmen, dazu ist der Karren denn doch zu sehr ver­fahren. Die Akt.-Ges. Dorrn. Stob wasser in Berlin strebt zum siebentenmale innerhalb ihrer 35jährigen Existenz eine Sanierung durch Zusammenlegen des alten Aktien­kapitals und Ausgaben neuer Aktien an. Auch die Äkku- mulatorenfabrik vorm. Boese und die Asphalt-Akt.-Ges. Jeserich haben recht wenig erfreuliche Jahresabschlüsse gemacht. Gerade dann, wenn die Mehrzahl der Aktiengesell­schaften nur günstiges zu berichten weiß, kcurn eine Anzahl älterer ihrer Art sich nur sehr schwer über Wasser halten.

Von der Berliner Börse. Das Geschäft war am Mittwoch recht still und die Kurse vermochten sich nicht zu behaupten, da das Privatkapital sah, daß die Spekula­tion sich verkaufslustig zeigte. 9hir Lombarden hielten sich noch fest, immer in der Hoffnung, daß in einigen Jahren doch wieder eine Dividendenvcrteilung kommen wird. Auch Meridional- und Prince Henri waren weiter belebt. Banken lagen sehr still, Montanaktien waren zum Teil gestrichem Bochumer trotz der Dividendentaxe nur um 1/4 Proz. höher. Russen hielten sich gut, trotz der Agrarunruhen und der eigenartigen parlamentarischen Führung der Duma. Privat­diskont 3V2 Proz.

Aus der Petroleumindustrie. Bestimmt auf­tretende Gerüchte besagen, daß die Kgl. Niederländische Petroleumgesellschaft, die erst kürzlich die Erhöhung ihres Kapitals um mehr al? das doppelte beschloß, eine völlige Verschmelzung mit der Shell-Company einzugehen beab­sichtige, um sich so auf dem internationalen Petroleum­markt eine maßgebende Stellung zu schaffen. Durch bereits bestehende Verträge zwischen den beiden gen. Gesellschaften war bisher der Umsatz einheitlich geregelt. Da jetzt jedoch die Shell-Company ihr europäisches Geschäft aufgibt und sich ganz auf den asiatischen Markt konzentriert, ist eine entere Verbindung Zwischen ihr unp der Klg. Niederlän-

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