Ausgabe 
5.4.1906 Zweites Blatt
 
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Donnerstag 5, April 1906

Zweites Blatt

LS6. Jahrgang

Nr. 81

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen

2154

trag.

Glückwünschen an.

für

Redaktion, ExpedMo« «.Druckerei! Kchukstr.U, Tel. Nr. 6L Letegr^-Lör. z iüa^erga Äußau

Briefkasten oer Redaktion.

(Anonyme Anfragen öleibeu unberücksichtigt).

L. R. i. S. Beim Verkaufe von Rindvieh haltet der Verkäufer

vrlchetnt WßKch mit Ausnahme des Sonntags.

®te ^Atetzener KamillenblStter" werden dem Anleger viermal wöchentlich beiqelegt Der Eyejftfch« Landwirt" erfchemt monaUrch einmal.

lauf der Gemähnrist muß der Käufer dem Verkäufer den Mangel anzeigen, sonst verliert er seinen Anspruch aus dem Mangel. Ob Ihnen der Mangel vcch dem Händler rechtzeitig angczeigt worden ilt, können wir Ihren nicht ganz genauen Angaben nicht entnehmen. Es scheint aber, als sei die Anzeige verspätet erfolgt. Erkundigen Sie sich doch einmal auf dem Amtsgericht, h.cm gibt Ihnen dort wohl Auskunft. Wenn der Händler Sie verklagt, dann nehmen Sie am besten einen tüchtigen Anivalt.

trunaen seitens der K.a) die Schlosser.

Märkte.

Limburg a. d. 8., 4. April. Fruchtmarkt. Durch­schnittspreise pro Dialter. Roter Weizen 15.50 'Bit., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn Mk. 12.50, Gerste 00.00 Mk., Hafer 8.38 Ack., Erbsen 0.00 Mk^ Kartoffeln 0.00 Alt.

tr S3tg, ItijttS HauS ttdjti. Iblähen sicht ein Mann zur

j)olitL?ehe Tagesschatt.

Masienausstände nnd Bauspekulationen in Berlin.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 5. April 1906.

** Promotionen a n der Landes Universität im Jahre 1905. Doktoren der Rechtswissenschaft: H. Winter, Gerichlsakzejsist auS Marnz, Val. Lotz, Gerichts-

RotattonSdruck und Verlag her 8rfibliebe® lintDcrfUäiSZ)ruderet R. Lange, ®itsau

Zitate i ÄS«*«»

*VMbil i ' ''»tut mr

Unser Berliner R.-Korresipondcnt schreibt unS: Eine lange Reihe von Massenausständen scheint dies Jahr bringen zu sollen, nach der Rührigkeit zu urteilen, die in Berlin entfaltet wird. Kaurn ist der Malerstreik, der gerade in die Zeit verlegt wurde, wo die Not der rechtzeitigen Fertigstellung von Neubauten am größten ist, durch Bewilligung der Fvrderunaen seitens der Mehrzahl der Meister, abgcflaut, so regen sich die Schlosser. Eine von dreitausend Schlossern besuchte Versammlung will am Freitag bei Nichtanerkennung ihrer Forderungen die Arbeit nieder­legen. Ist das erledigt, werden andere sich melden. In Berlin und Umgegend herrscht eine derart lebhafte Bautätigkeit, wie sie seit denGründerjahren" kaum zu beobachten gewesen ist. In der Stadt wird das Abreißen ganzer Gruppen von älteren Käufern mit Eifer betrieben und dafür irgend ein protziger Riesenbau hingesetzt; draußen, in den Vororten, sucht man ge- ivaltige Flächen fiskalischen Terrains möglichst billig zu erwerben, läßt sie parzellieren und dieErickstießung eines romantischen Villengeländes" ist vollzogen. Es scheint das Ziel zu sein, jedem Berliner Einwohner, der ein Paar Tausend Mark zur Verfügung

\t WvhNMtz WM sich w huste ab Lsmarckstr. 14,1. skrau Schott U Weißuäyerm. [21« Mwerd.a.L<elbnähmMn e Lehrmädchen angenommen

Putze». Sltutnwea«». I arten jüt* >eres bei Karl MÄkomesius. Sj Grunberger Straßes 5 itilL ttitirt

M»- YÄMlw'ld)* ohne [ein ^(7 beabsictW ^t£? uübemebnitii

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hat, ein eigenes Heimin nervenstärkender Lust" zu besorgen. Landhausterrains gibt cs in Hülle und Fülle und zu allen Pressen, von 700 Mark bis zu sieben Mark die Quadratrute. Groß-Berlin wirdGartenstadt", oder könnte es wenigstens werden, wenn all diese ungeheuren auf Spekulation gekauften Ländereien vertäust würden. Damit gebt es nun nickst sv rasch, als die Spekulanten wünschen, trotz der wundervollen Prospekte, die ein Fleckern Eden" vvrzaubem. In Wirklichkeit ist das paradiesische Terrain ost nickits als dürrer Sandboden mit ein paar daraus verpstanztcn, kümmerlich 'vegetierenden Fichten. Aber es gibt auch schöne neue Landhausbezirke, die stammen aus dem Grüne­wald, der zum Volkspark bestimmt ist wovon man bis jetzt wenig merkt. Ungleich mehr hört man davon, daß wieder dieser und jener Teil in Privatbesitz über gegangen ist. Die kolossale Speku­lation in Grundbesitz und Bauten wird natürlich in den Arbeiter­kreisen besprochen, die hier und da erzielten Gewinne werden verallgemeinert, und so ist es zu erklären, daß die Arbeiter, die irgendwie bei diesen Gründungen Beschäftigung finden, auch an der glänzenden Konjunktur durch höhere Löhne teilhaben wollen. Die Lohnbewegung auf diesen Gebieten dürfte sobald nicht zur Ruhe kommen, wenigstens solange nickt ein ent­schiedener Umschwung eintritt, wofür einstweilen die Anzeichen

r Vlotst "^jgleitt \

oittöb^°ott

akzessist au§ Münster, Kreis Dieburg, Erw. Kock. Rechtskandldat aus Hörde, Herm. T e r s ch, Gerichtsakzeistst aus Cjjenbnd) a. M., Ildarn Schmidt, Verwaltungsbeamter aus Mühlheim a. M., Werner v. B r a u m ü l l e r , cand. jur., aus Koblenz, Hans R e e n, Gerichtsakzefsist aus Wörrstadt. Doktoren der Medizin: Adolf TI ä u r e r aus Elberfeld, Karl Schmidt aus Horst, Ferd. Öl rimmel auS Idstein, Ernst Gros aus Werneck, Lndw. Krieg aus Stockheim, Gust. Viel en aus Brilon, Max Ehmer auS Mühlheim a. d. Ruhr, Wilh. Küper aus Steele, Gust. Monk- Horst aus Frankfurt a. TL, Wilh. Langenka m p aus Waltrop, Otto Diehl aus Darmstadt, Frz. Haas aus Köln, Job. Ohm aus Westerholt, Wild. van Laak'aus Rheinberg, Ernst Weber aus Frankiurt a. TL, Ant. Terwelv aus Wissel, Walter Hermes aus Oschersleben, Gg. Micke aus Tlünftet i. W^ Jos. Dützer aus Morsbach, Hans Hirsch auS Mainz, Sally Steinhauer ails Hungen, Gg. Becker aus Friedberg, Hans Engel aus Gießen, Albert Fromme aus Gießen, Walther L ö b l e i n aus Gießen, Adolf Z i n ß e r ans Gießen, Rod. Grim­bach ai«s Waxiveiler, Tlalth. Maerz auS Schweich a. d. TL, Ernst Langenbach auS Wiesbaden, Ludiv. W i l l m a n n aus Steiniurt, Jos. Birkhoven aus Hüls, Ad. Böhmer aus War­burg L W., Jos. Brüggemann aus Löningen, Otto Kobold aus Heidelberg, Rich. Schuster aus Aacken, Heinr. G e b b aus Klein-Karben, Karl P a n s ch aus Berthold Müller aus Gießen, H. B r a n d aus Paderborn, Wilh. R ü ck e l aus Würzburg, Fel. Marx ans Gießen, Jos. Stutzin aus Kontowzy, Hch. T rre r aus Si"glar, Wilh. Walther aus Reichelsheim t. d. W., AllonS Otte aus Ibbenbüren, Frz. Schulte aus Linden i. W., Paul 'M ö ck e t aus Ziegenberg, Alex. Zweig aus Berlin, Otto Ti a r t i n aus Worms, Beruh, I u n g ni a n n aus Münster i. W. Doktoren der Tierheilkunde: Ladisl. O p a l k a aus Löbau, Alst. Reiche aus Borna-Leipzig, Paul Auq. E ck a r d t aus Welling­hofen, Hans Lucks aus Küstrin, Fritz P e r k u h n auS Königs­berg i. P., Bodo K o r m a n n aus Dresden, Gunnar H a a n e auS 9lebo, Ernst Bauer aus Osterode a. H., Alb. Hausmann aus llnnenberg, Paul Nehls aus Tilzow, Max Bärn er aus Dresden, Herm. P ü tz aus Honnef, Friedr. Lucius aus Schwem­sal, Leonh. Schmidt aus Bojanowo, Ttax. Becher aus Oeyn­hausen, Karl G e r s p a ch aus Rastatt, Willy Pfeiler auS Berlin, Otto Kobel aus Volkmarsen, Fritz Christ aus Wörr­stadt, Theod. Oppermann auS Oelver, Ewald Franke auS Gottesherq, Paul H o r n i ck e l zu Dresden, Prosektor an der Tierärztlichen Hochschule, Rud. Janzen aus Campenau, Helmut Peters aus Wollskehlen, Joh. Richter zu Dresden, approb. Tierarzt, Privatdozent an der Tierärztlichen Hochschule, Oskar P e l s ch e l t aus seckerwih, Siegm. E i s e u m a n n auS Nörd­lingen, Rud. A l l m a n n aus Eßlingen, Karl Schneider auS Alsfeld, Jos. Spann aus München. Doktoren der Philo­sophie: Walth. Wimmenauer aus Gießen,Lehramtsassessor, Albr. Lange aus Sagan, wifsensch. Hilfslehrer, Wilh. Schmidt aus Darmstadt, cand. phil. cl., Friedr. Ruhig aus Bruchsal, cand. ehern., Ottilie Iakowkina aus Odessa, cand. ehern., Hch. Wagner aus Malstatt-Burbach, cand! math. et jur., Gg. Wall- Häuser zu Friedberg, Seminarlehrer, Fritz Wolff aus Berlin, cand. philol. rec., Otto Tie hier aus Frankfurt a. TI., cand. philos., Theod. Friedrich, Dr. theol. auS Mainz, Gg. Blecher auS Ober-Rosbach, cand. philol. cl., Mannaß Neumark auS Posen, cand. phil., I. Sachs aus Frankfurt cff. M., Ingenieur, Karl B e r u i u s zu Grünberg, Rektor der höheren Bürgerschule, Adolf Beck aus Mainz, Lehramtsakzesstst, Paul Sichtermann aus Lerne, Bergreierendar, Otto M ü n ch aus Langen Lehramtsakzesstst, Otto Schmidt aus Marktbibart, cand. philol ree., Rud. Sortier aus Gießen, cand. philol. ree., Karl Hahn aus Gießen, Lehramts- akzessist, Gg, Wolff aus Berlin, cand, inath., Herm. Münster aus Trarbach, Bergreserendar, Rich. Sauer zu Älatz, Oberlehrer, Wilh. Seiler aus Eppstein i. T., cand. rer. nat., Alst. Müller aus Lindlar, cand. ehern., Otto Kammer aus Nidda, Lehramis- assessor, Karl Börschinger aus Ludwigshöhe, cand. hist., Eug. vesselmann aus Erajowa, cand ehern., Friedr. Kraft aus (ließen,Oberlehrer,Bruno La Croix von Langenheim aus Komoru, cand. ehern, Herm. Cohn aus Boreck, cand, philol. Wilh. Rosenthal aus Braunschweig, cand. bist.. Hch. Schaaf aus Gießen, cand. rer. nat., Emil Eger aus Bechtolsheim, cand agr., Hub. Maas aus Darield, Assistent an der Akademie Bonn- Poppelsdorf, Paul Seide aus Königsberg i. Pr., Landwirt- schaitslehrer, Ladisl. Kozak aus Simontornya (Ungarn), cand. phil, Zum fünfzigjährigen Doktorjubiläum ro it r b e erneuert: das Diplom als Doktor der Rechte: dem Rechts­anwalt Dr. Aegid G r i e f e r zu Mainz, dem Dr. Franz M a r b n e t aus Mainz, Notar a. D. zu Eltville, dem Geh. Justizrat Dr. Karl Ferd. Neatz zu Gießen; das Diplom als Doktor der Medizin: dem pratt Arzt Dr. Robert Rau zur Wörrstadt, dem prakt. Arzt Dr. Wilh. Gertz zu Friedberg, dem Arzt Dr. Moritz Fresenius aus Gladenbach, zu Soden i. T.; das Diplom als Doktor der Philosophie: dem Geh. Schulrat i. P. Dr. Ludw. Wittmann aiis Bessungen, dem Superintendentcii und Oberpfarrer a. D. Dr. theol et phil. Joh. Marbach zu Eisenach, dem Dr. Karl Friedr. U m p f e n b a ch zu Gießen, bcni Wirkt. Geh. Legationsrat Dr. Rud L i n d a ll zu Helgolaiid, dem Geh. Regierungsrat Prckesfor Dr. Jak. V o l h a r d zu Halle a. S., dem dramatischen und Sprach­lehrer Dr. Adolf Schwarz zu Berlin-Schöneberg.

p, Wetzlar, 4. April. Eine edle Tat vollbrachte gestern der Gerber Eduard Bott von hier, indem er ein in die Lahn gefallenes Kind den Fluten entriß und es lebend der weinenden Mutter übergab.

r. Ehringshausen (Dill), 4. April. Am 15. und. 16. Juli ds. Js. feiert der hiesige Bergmanns-Verein ein Bergmannsfest, das voraussichtlich sich sehr schön gestalten wird.

8. Niederschelden, 4. April. Der 23 Jahre alte Arbeiter H. Räter von hier stürzte in der Charlotten- Hütte etwa 5 Meter tief. Infolge der erhaltenen schweren Verletzungen am Kopfe verstarb der junge Mann.

pÄS hat len ?lrd, iU(f 01 b-slens -rrSr-t

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schlecht ergangen. Außer dem Ingenieur Leon wurde auch der Oberingenieur D a m a i svn von den Weibern mit Beschimpfungen und Steinwürsen empfangen und am Rücken verletzt.

Als um ein Uhr der Ingenieur Fournier mit einer Abteilung Arbeiter aus einem Schacht zurückkehrte, stürzte eine große Anzahl Frauen auf ihn mit dem Schrei:Tötet ihn". Dragoner kamen noch zur rechten Zeit heran, um den Ingenieur zu befreien. Man befürchtet ernste Zwischenfälle. Auf das Gerücht, daß trotz der ent­gegengesetzten Aussage Bertons sich doch noch Lebende in der Grube befänden, stiegen Aerzte mit Sauerstoff­ballons in die Grube hinab. Die Menschenmenge drang in die Zugänge der Grube ein .Tie Frauen krochen zwischen den Beinen der Pferde der die Eingänge bewachenden Dra­goner hindurch und rissen die Holzcrbdämmungen ein. Mehr als tausend Personen erzwangen sich den Ein­gang. Ter Gendarmeriehauptmann suchte die Menge zu beruhigen, die von dem Glauben befangen ist, daß man ihr die Wahrheit verheimlicht, und daß sich noch Lebende in der Grube befinden. Von den dreizehn am 30. März Geretteten wurde zwölf gestattet, sich nach Hause zu begeben. Nur einer wurde wegen heftigen Fiebers im Lazarett behalten.

Das Gerücht, daß neun Bergleute noch lebend aufgefunden worden wären, bewahrheitet sich n i ch t, vielmehr ist Verton der einzige Gerettete. Die Nachforschungen werden aber fortgesetzt und die Pariser Feuerwehr ist jetzt mit Atmungsapparaten in den Schacht 2 eingefahren.

Bei den Minen vvn Sallaumines find große Menschenmassen versammelt. Ausschreitungen waren bis gestern abend nicht vorgckommen. Ter Minister der öffent­lichen Arbeiten und der Präfekt haben dem heute gerette­ten Bergmann Berton ihre Glückwünsche übermittelt.

Paris, 4. April. Im Lause des heutigen Vormittags fand im Justizministerium eine Unterredung zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Minister der öffentlichen Arbeiten statt, infolge deren die Staatsanwalt­schaft in Douay ersucht wurde, sofort eine neue Unter­suchung einzuletten, um diejenigen zu ermitteln, die für den Verlauf der in den Bergwerken von Courrieres vor­genommenen Rettungsarbeiten verantwortlich sind.

In parlamentarischen Kreisen wird behauptet, der Arbeitsminister Barthou habe die Einleitung einer ge­richtlichen Untersuchung auch gegen die mit der Ueberwachung der Bergwerksbetriebe beauftragten Staats­ingenieure beantragt, weil diese nicht sofort die nötigen Maßnahmen zur Rettung der Bergleute ergriffen hätten.

Tie gestrige Kammcrabstimmunb hat unter den zumeist in Lille ansässigen Hauptaktionären der Gesellschaft von Eourriöres große Aufregung hervorgerufen, da diese befürchten, daß die Regierung unter dem Truck der Kummer und der öffentlichen Meinung sich tatsächlich genötigt sehen könnte, der Gesellschaft die weitere Ausübung der Konzession zu entziehen und das Bergwerk in Staatsregie zu übernehmen.

In der heuttgen Sitzung des Gemeinderates sprach der Berichterstatter über den Feuerwehretat. Ge»- meinderat Mithou sprach den nach Courrieres entsandten Feuerwehrmannschaften die Glückwünsche des Gemeinderats zu 4hrem opferwilligen Verhalten aus. Gemeinderat Colly erklärte, auch den deutschen Rettungsmannschaf­ten seien die Glückwünsche der Stadt Paris auszusprechen, denn in Fragen der Opferwilligkeit gäbe es kdinen Unterschied zwischen den Nationen. Polizeipräfekt Lepine dankte im Namen der Pariser Feuerwehr und schloß sich den an die deutschen Rettungsmannschaften gerichteten

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-"ubilduug H Athc«. I Ii)mttfl|tif H Theorie J ieöerbeginn bet Shmben

vom 20. April ad. 6 eu-Anmeldungen erildarm I erbeten. 1960

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ch UM Ende Ium ®dtgtn. umTrautzpottvouMöbelu Psorzhcm od.ümgcgend. -nitt. Angedoie inner 02231 en Gießener Artiger erbet.

die sog.Hauptmängel", wozu auch tuberkulöse Erkrankung gehört, um die es sich hier offenbar handelt. Die Frist, innerhalb welcher sich der Mangel zeigen muß, beträgt 14 Tage nach der llebcrgnbe an den Käufer. Spätestens zwei Taae nach dem Ab-

AttS Unglück von Kourrieres.

Roch ein Geretteter!

Gestern nachmittag kam aus Lens die telegraphische Nachricht, daß nach 24 Tagen noch ein Bergmann bei der schrecklichen Katastrophe dem Tode entgangen sei. Dadurch erhielt das Gerücht, daß noch mehr Bergleute am Leben ge­blieben und gerettet seien, neue Nahrung. Nach den Er­zählungen der jetzt geretteten ist aber leider mit Gewißheit anzunehmen, daß er der letzte Uebedebenbe deS großen Grubenunglücks ist. Wir geben die neu eingetroffenen Meld­ungen im nachstehenden wieder.

Lens, 4. April. Heute morgen um 9 Uhr wurde ein Lebender aus dem Schacht 4 geborgen. Man glaubt, daß sich noch andere Lebende im Schacht befinden.

Der lebend geborgene Bergmann heißt Berton. Er ist 32 Jahre alt und erklärte, er sei der einzig Ueber­lebende auS dem Schachte. Sein Zustand ist be­friedigend. DaS Gerücht, daß noch andere Bergleute ge­rettet worden seien, bewahrheitet sich nicht. Die Nachricht verbreitete sich mit großer Schnelligkeit in der ganzen Gegend und rief außerordentliche Erregung gegen die Inge­nieure hervor. Als der Staatsingeniehr Leo, der die Ar­beiten leitete, von Bllly-Montigny herankam, ergriff die Menge Partei gegen ihn; er wurde von einer Frau ge­schlagen.

Die ersten Nachrichten über die näheren Umstände, unter denen sich die Rettung BertonS vollzog, lauten folgendermaßen:

Eine Abteilung arbeitete morgens in der Grube 4 ftttf der 331 Meier-Sohle. Gegen 8 Uhr fühlte einer der Arbeiter, daß ihn jemand an die Cckulter klopfte und vertiahm eine Stimme, die au§nef: ,J ch bin gerettet!' Die beiden Ingenieure, ein Aufseher und ein' Meister eilten zu dem hin, der so dem Leben zurückgegeben wurde, und führten ihn zu der Förderschale, die so­gleich aufsuhr Der Kranke wurde aus eme Tragbahre gebettet und mit Decken zugedeckt, die sein Gesicht verhüllten, um ihn gegen Sonnenllcht zu schützen. So wurde er in das besondere Lazarett gebracht. Tie Nachricht verbreitete sich rasch. Eine große Menge ging zu dem Eingang des Schachte?. Dragoner muhten zum Schutze herangezogen werden. Zwei Aerzte wurden telephonisch herbei gerufen, die Berton, der nicht sehr gelitten zu haben schien, die erste Pflege angedeihen ließen.

Nach den ersten Erklärungen Bertons, der versichert, er sei der einzig Ueberlebcnbe beS Schachtes, hegt man keine Hoffnung mehr, andere Opfer bergen zn können.

Tie Beine Bertons sind mit zahlreichen, jedoch wenig tiefen Wunden bedeckt. Berton glaubte, daß cv acht Tage in der Grube gewesen sei; wäyrend dieser Zeit trank er Lasse? und Branntwein, den er in den Feld­flaschen der Toten fand. Als er endlich glaubte, nicht mehr auf Rettung rechnen zu können, suchte er nach einer Axt, um sich die Hand abzuh-acken und so den Tod schneller herbeizuführen. Nach seiner Retttmg wollte Berton, der mit einer dichten Kohlenschicht bedeckt war, sich selbst mit Hilfe seiner Frau, die ihn weinend umarmte, waschen. Ber­ton erzählt seine Abenteuer in der Grube mit verblüffendes Ruhe und beinahe mit Humor^ Er berichtet:

Am Lage der Katastrophe slüchtttc ick mich mit den anderen, aber ich 'stürzte zu Boden und scklief ein. Als ich wieder zu mir kam suchte ick meinen Vetter im .Holzlager, er war aber nicht da. Ich war allein in der Dunkelheit. Ick wurde von Erbrechen er­griffen und legte mich nieder. Dann suchte ich den Weg lastend zum Einsabrtssckacht. Ich kam so zum Nordstallen, wo ich Wasser fand, welches ick gierig scylürste. Dann stürzte ich einen Förder­wagen um und legte mich nieder, es war ein hartes Lager, aber ich scklief trotzdem, wie lange, weiß ich nickst. Als ich er­wachte, hatte ick Hunger. J-cy ging auf die Suche nach Lebens­mitteln und fand ein totes Pferd. Gut, sagte ich mir, wenn ich uickts Besseres finde, werde ich mir immerhin ein Paar Beef­steaks da abschneiden. Nack langem Suchen fand ich eine Hacke, mit der ich ein Stück Fleisch abyieb. Der erste Bissen war aber so schleckt und roch so fcheußlich, daß ich ihn wegwarf, und resigniert legte ich mich abermals in den Förderwagen. Nach einem neuen Schlummer mackste icy mich wiederum auf den Weg, um nach einem Ausgang zu sucken. An einer abschüssigen Stelle stieß ich aus den Leichttam eines Lchrburschen. Ich nahm sein Brot und es. Ich würgte es mühselig hinunter, denn es war schauderhaft. Im Josefinmstollen sand ich 3 LebenSmittclsäcke und suchte wieder mein Lager aus. Da mich fror, nahm ich die ÄVleibcr und Stiefel eines Toten und zog sic an und dann nahm ich noch 3 Uhren und 24 Sous-Stücke, welche ich bei den Leichen gefunden hatte. Schließlich verlor ich aber die Zuversicht und wollte mir mit einer Hacke die Hand abhauen, um zu verbluten und zu sterben, aber ich faßte wieder Mut, denn ick fand neue Lebcnsmittelsäcke und Feldflaschen mit Käfsee und Branntwein. So irrte ich hin und her und suchte mich zu retten. Ich habe ungefähr zehnmal geschlafen."

Der Arzt Dr. Lourties fragte Berton:Was hat Sie denn gerettet?"Der Ä'offee und der Branntwein", erwiderte Berton.Ich meine das nickt so", bemerkte der Arzt.Wie sind Sie denn schließlick dock) zum Einfahrtsschackst gekommen?" Es war der reine Zufall, ich kam heute morgen zum Lefeld-Swllen. Ich sah Lickt und schrie, man möge mir Lickst bringen".Wie lange glauben Sie, unten im Schacht geblieben zu sein?" fragte der Arzt weiter.L T a g e" antwortete Berton. Sie Acrmster, Sie haben 24 Tage da u n t e n v e r b r a cht". Hierauf antwortete Berton ruhig.Das ist wohl möglich^ Als eine Frau ihn wusch und dabei etwas unsanft an feine Nase ließ, rief Betton lachend:Wenn Du schon anfänast, mich zu chlagen, dann bereue ich fast, daß ick nicht noch 5 Tage langer in diesem Loch da unten geblieben bin."

Berton ist ein kleiner magerer Mann und sieht eher s ch w ä ck l i ch aus.

(?s heißt, daß eine Rettungs-Expedition gestern an dem Stollen vorübergekommen war, wo Berton sich befand. Diese Mitteilung rief bei den Bergleuten lebhafte Erregung hervor. Ein Bergmann sagte: Ich weiß, warum man ihn nickst gefunden hat. Mau ließ den Rettungsmannschaften nicht die Zeit, nachzusuchen, ob die Gefundenen leben oder tot sinh Man tastet die Körper nicht an und es ist doch feine Ge­fahr dabei vorhanden, da die RcttungÄnannschaften doch mit Kautschuk-Handschuhen ausgestattet sind. Die Erregung nimmt insbesondere unter den Frauen immer mehr zu. Als eine Gruppe Wn Journalisten sich dem Sckackst-Eingaug näherte, stießen die Frauen Verwünschungen aus und riefen: Da find die Ingenieure. Schlagt sie tot. Ohne das Einschreiten eines Offiziers, welcher dje Frauen über ihren Irrtum aufklärte, wäre es den Journalisten