Ausgabe 
4.10.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 233

Zweites Blatt

156. Jahrgang

Donnerstag 4. Oktober 1906

Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGiehener gamtlienblatfcr* werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beig-legt. Ter hessisch« Landwirt- erscheint monaUich einmal.

Giehener Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der 8rü bl'schon UniversitStSdruckeret. ÖL Lange, Gtetz«.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.^ Tel. Nr. 61. TUegr.-Adr.: Anzeiger Gieß«.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen.

politische Lagesschatt.

Zentrumshülfe für das Kolonialamt.

Dister hatte man von den Zentrumsmännern wahrend der parlamentslosen Zeit nur die weithin schallende Stimme des Kolonialanklägers Erzberger vernommen. Dieser ergriff so ausschließlich das Wort, daß man beinahe an­nehmen mußte, er trete im Namen der gesamten Fraktion auf mit seinen kolonialen Enthüllungen. Bon Leuten, die in Zentrumstreisen verkehren, lvurde freilich gesagt, bas sei durchaus nicht der Fall; die ganze Sache sei mehreren Führernsehr peinlich". Doch mußten die Unterrichteten auf den Einwand,, ob denn diese Führer nicht Mittel und Wege hätten, der nach ihrer Meinung mißlichen Geschäf­tigkeit des Abg. Erzberger Grenzen zu setzen, nichts Rechtes zu erwidern. Es ginge wohl, aber es geht nicht. Entweder wollten die nicht mit dieser wuchtigen Angriffsmethode Einverstandenen .Herrn Erzberger nichtreizen" durch den Versuch einer Inschutznahme des Kolonialamts oder, und das ist auch nicht ganz unwahrscheinlich- das Zentrum ließ den streitbaren Fraktionsgenossen gewähren, weil ein wenig Opposition sich nicht übel ausnimmt bei einer sonst der Regierung freundlich gesinnten und ihr unentbehrlichen Partei, und weil die Hülfeleistung umso kostbarer ist, je größer die Not ist.

Genug, jetzt hält man im Zentrum den Augenblick für gekommen, den Schild über die Negierung zu halten. Kein Geringerer als Freiherr von Herling, im Reichstag »der Zentrumsdiplomat" genannt, hat in einer Versammlung zu Münster in Westfalen die Kolonialverioaltung in eine ganz erheblich bessere Beleuchtung gerückt, als dies durch die grellen Scheinwerfer des Abg. Erzberger geschehen ist. Zwar machte Freiherr, von Hertling der Kolonialverwaltung den Vorwurf, daß sie allzu selbstherrlich gewesen und zu bureaukratisch ver­fahren sei. Freiherr von Hertling gebrauchte auch die Be­zeichnung ^bureaukratischer Schlendrian". Aber er betonte ausdrücklich, daß er eine unehrenhafte Handlung für ausgeschlosien halte, und er bemerkte, im Grunde ziemlich spöttisch gegenüber der sensationellen Wirkung Erzbergerscher Enthüllungen: Eigentlich sei nichts neues bekannt ge­worden! Mit der Firma Tippelskirch hätte die Kolonial­verwaltung vorsichtiger sein müßen, sie hätte nicht den Vertrag mit Tippelskirch ohne weiteres erneuern dürfen, wo­durch die Ausgaben des deutschen Reiches wesentlich geschont worden wären.

Alles das klingt ganz anders, als die Trompete Erz­bergers. Ueber die Verhaftung des Majors Fischer unter dem Verdacht der Bestechlichkeit ging Frhr. v. Hertling mit der Bemerkung hinweg, er wolle loyaler Weise das Er­gebnis der Untersuchung abwarten. Das ist allerdings ab­zuwarten, aber wenn an den Beschuldigungen nichts oder nur wenig wäre, dann würde der Major Fischer längst auf freien Fuß gesetzt sein. Die Hauptfrage, ob denn nun das Zentrum geschlossen für ein selbständiges Kolonialamt stimmen wird, behandelte Frhr. v. Hertling mit diplomatischer Behut­samkeit. Nicht bejahend, nicht verneinend. Er meinte: Die­jenigen, die gegen die Selbständigkeit des Kolonialamts ge­stimmt hätten, konnten heute schwerlich dafür stimmen, um den Anschein einer persönlichen Voreingenommenheit gegen den Erbprinzen von Hohenlohe, den früheren stellvertretenden Kolonialdirektor, zu vermeiden. So besonders will­kommen scheint der neue Herr im Kolonialamt, Exzellenz Dernburg, den Zentrumsaristokraten ebenso wie den Aristokraten der Nechten nicht zu sein. Der ehemalige Bankdirektor bürgerlichen Geblüts gefällt den Blaublütigen nichL Frhr. v. Hertling meinte, es sei doch etwas verschiedenes, verkrachte Banken zu sanieren, oder an der Spitze der Kolonial­verwaltung zu stehen. Ja, aber ist dort die Arbeit rücksichts­losen Sanierens nicht die allerdringlichste und einen Mann vollauf beschäftigende?

Neue uud alte Wett.

In einem Newyorker Briefe derKreMztg." wird die Auffassung vertreten, daß in der Frage der Einverleibung Kubas in die Union die Washingtoner Negierung wohl auf das Urteil der südamerikanischen Staaten, nicht aber auf das Europas Rücksicht nehmen werde. Letzteres habe man sich drüben längst abgewöhnt, woran die europäischen Groß­mächte selbst schuld seien.Europens übertünchte Höf­lichkeit", die seit Seume berühmte, sei zu weit ge­trieben und hätte die Yankees in ihrem Größen­wahn bestärkt und gradezu verwöhnt. Es istaller- dings richtig, daß man in der alten Welt den Bürgern der neuen ein Uebecmaß an respektvoller Beachtung zuteil werden läßt, aber entsprechende Uebertreibungen sinden sich auch bei den Südamerikanern; glich doch erst unlängst die Rundreise des Staatssekretärs Root aus Washington in den Freistaaten des Südens aus Anlaß des panamerikanischen Kongreßes einem Triumphzuge. Die Rücksichtnahme der Unionregierung auf die Stimmung im Süden wäre also wohl kaum mehr als leere Formsache, denn tatsächlich sind die Südstaaten gar nicht legitimiert, über das Schicksal Kubas entscheidend mit­zusprechen, auf das sich die Union durch ihren siegreichen Krieg mit Spanien ein Vorrecht sicherte. Auch Europa wäre nicht in der Lage, mit Aussicht auf Erfolg gegen die offiz. Amerikanisierung Kubas Widerspruch zu erheben. Es kann nur verlangen, daß seinen Bürgern für den durch die Revo- lution auf dieser Insel verursachten Schaden Ersatz geleistet, und daß in Zukunft den europäischen Interessen loyale Be­handlung zuteil wird, mag nun die kubanische Flagge oder das Sternenbanner über der Perle der Antillen wehen. Jin übrigen würde es den europäischen Gesamtinteressen wohl nicht abträglich sein, wenn, bei den demnächstigen Kongreß- vahlen in dec Union einmal die Demokraten in Vorteil käme». Durch die lange Regierung der Republikaner ist deren Selbstgefühl bis nahe an die Grenze des Erträglichen

gesteigert. Auch in England hat es sich als für die internet. Beziehungen günstig erwiesen, daß die Parlamentswahlen zu einem Regierungswechsel führten.

Kirche und Schule.

X. Kirchberg, bei Lollar, 2. Okt. Ein herrlicher Herbsttag wars, der am Sonntag nachmittag gegen 600700 Zuhörer aus dem Kirchspiel Kirchberg und Umgebung um unsere uralte Kirche versammelt sah, um ein von unserem Pfarrer Guß mann vorbereitetes Missionsfest zu feiern. Eingeleitet wurde die Freier durch einen unter Be­gleitung des Posaunenchors von Klein-Linden von der Ver­sammlung gesungenen Choral und einen Chorgesang der LoUarer Schule unter Leitung des Lehrers Daab. Als Festprediger war Pfarrer Gomhel-Reiskirchen gewonnen worden, der in fein durchdachter Predigt im Anschluß an die Bibelstelle: 1. Kor. 13, Vers 13: Nun aber bleibet Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei, der Versammlung die Pflicht, an der Mission mitzuwirken, ans Herz legte. Dar­auf gab Missionar Groh von der Goldküste, ein geborener Oberhesse, in s/zstündiger anziehender Rede selbstevlebte, ergreifende Bilder von dem in religiö-fer, sittlicher und sozialer Beziehung traurigen Zustand der Heiden weit, be­sonders auch unserer schwarzen deuffchen Brüder in Togo und Kamerun und forderte die Anwesenden auf, ihrer in tätiger Liebe zu gedenken. Nach einem kurzen Wort des Dankes an die Mitwirkenden, besonders an den Posaunen­chor und den Schülerchor für ihre mehrfachen, trefflichen Vorführungen schloß Pfarrer Gußmann gegen 4 Uhr das schon verlaufene Fest, das hoffentlich die Liebe zur Mission bei vielen, wenn nicht allen Zuhörern aufs neue belebt hat. Die beim Ausgang erhobene Kollekte betrug 122 Mk.; auch wurden noch für gegen 25 Mk. MissioUmschriften verkauft.

Funkentelegraphie.

Berlin, 3. Okt.

In französischer Sprache hielt hier der Staats­sekretär Krätke bei der heutigen Eröffnung der Kon­ferenz für Funkentelegraphie eine Rede. Wir geben das Wesentliche daraus hier wieder:

Ich schätze mich glücklich, eine so auserwählte Versamm­lung von Vertretern der Regierungen aus fast alten Teilen der Welt begrüßen zu können, die unserem Aufrufe zur Mitarbeit an einem äußerst wichtigen internationalen Werke der Zivilisation enffprachen. Gelehrte und Techniker aller Länder haben dazu beigetragen, die Funkentetegraphie zu vervollkommnen. Ihre Versuche bezwecken hauptsächlich, den Wirkungsbereich der elektrischen Wellen zu vergrößern durch die Aussendung von genügend großen Mengen von Energie. Durch die Vergrößerung des Dispositivs sowie der Apparate, eine eingehendere Untersuchung und den passenden Gebrauch des Prinzips der Resonanz ist es gelungen, den Schiffen auf See Nachrichten auf einige tausend Kilo- meter Entfernung zu übermitteln. Ein nicht weniger wichtiges Problem, nämlich die Beseitigung der gegenseitigen Störungen, ist gleichfalls in gewissem Sinne gelöst worden. Eine große Anzahl von Systemen ist durch die Anwendung verschiedener Methoden der Abstimmung in der Weise vervollkommnet worden, daß ein gleichzeitiger und nicht durch andere Stationen gestörter Verkehr er­möglicht ist bei genügender Verschiedenheit der Wellen­längen. Mit besonderem Interesse darf man auf die Er­gebnisse der Versuche Hinblicken, die den Zweck verfolgen, mit Hilfe des elektrischen Lichtbogens wirksam bleibende Wellen zu erzeugen. Falls die auf diese Erfindung gesetzten Hoffnungen sich verwirklichen sollten, so würde vermutlich nur ein Unterschied von einigen Prozent in den Wellen­längen genügen, um zu verhindern, daßdie Appa­rate durch Wellen, welche nicht für sie bestimmt sind, beeinflußt werden. Das Hauptgebiet für die Anwen­dung der Funkentelegraphie ist ohne Frage das Meer, wo die Versuche der letzten Jahre dar getan haben, daß die Funkentelegraphie ein unentbehrliches Verkehrsmittel int Menste der Kriegs- und Handelsmarine ist. Soweit man bisher hat seststellen können, Beläuft sich die Zahl der be­stehenden oder im Bau «befindlichen Stationen an der Küste, die größtenteils dem allgemeinen Verkehr bienen, auf 400, während die Zahl der mit radio-telegraphischen Apparaten ausgerüsteten Kauffahrteischiffe etwa 250 beträgt. Die Zahl der mit derartigen Apparaten versehenen Kriegsschiffe ist zweifellos bedeutend hoher als die der Kauffahrteischiffe und Küstenstationen zusammen. Ueberall, wo die Nachrichten­übermittelung auf Entfernungen vermittelst metallischer Leitungen auf Schwierigkeiten wirtschaftlicher oder tech­nischer Natur stößt, irrerben Versuche gemacht, die Fort­pflanzung ber Wellenbewegung in der Luft zurGedankenübermittelungzu verwenben. Gleich­wohl bleibt, trotz aller erreichten Verbesserungen, noch viel zu wünschen. Der ungestörte Verkehr zweier Stationen hängt von bem guten Willen der benachbarten Stationen ab. Die Geheimhaltung ber Nachrichten und die Ausschaltung atmosphärischer Störungen finb noch ungelöste Probleme, aber biefe sind nicht die einzigen. Bezüglich ber Sicherheit ber Uebermittelung wirb vor allem die Wissenschaft und die Technik noch viel zu arbeiten haben, bevor die drahtlose Telegraphie allen An­forderungen genügen kann. Wenn wir uns also jetzt an die Arbeit machen, durch internationale Abmach­ungen Bestimmungen aufzustellen siir das neue Verkehrs­mittel, so muß vor allem darauf geachtet werden, daß diese nicht dessen künftige Entwicklung behindern, sondern daß den Bemühungen aller Länder auf dem Gebiete der technischen Versuche und Ersiubungen freier Spielraum ge­lassen werde. In einer großen Zahl von Staaten hat die Gesetzgebung sich bereits dieses Gegenstandes bemächtigt. Fast überall hat man die Ueberzeugung, daß ein .Verstän- Ägungsmittel von solcher Bedeutung für die nationale Ver­teidigung, für die Schiffahrt, für den Handel und für die Industrie ber Aufsicht bes Staates unterworfen werben soll, unb in einer stattlichen Anzahl von Ländern, deren Gesetzgebung bis jetzt sich hinreichend Gewähr gegeben hat, hat man sich beeilt, staatliche Genehmigung für die Er­richtung unb den Betpied radio-telegraphischer Stationen

erforberlich zu machen. Aber die Fortpflanzung der elek­trischen Wellen für die Beförderung rabio-telegraphsicher Mitteilungen wirb nicht beschränkt burch bic staatlichen Grenzen. Jede mit ber notwendigen Energie ausgesanbte elektrische Welle geht über die Grenzen hinweg, ob ber Bestimmungsort diesseits ober jenseits liegt. Aus diesem Grunbe trägt bie Funkentelegraphie mehr als alle an* bereu VerstänbigungSmittet einen internationalen Charakter, ber ohne Zweifel eine internationale Regelung erforbert. Die Grundlage für eine solche Regelung zu finden, ist unsere Aufgabe.

Der belgische erste Delegierte Generalbirektor ber Tele­graphen, M. Delarge, brachte als Doyen ber Konferenz bereu Huldigung für ben Kaiser zum Ausbruck, bie in ein Hoch ausklang. Darauf übernahm Unterstaatssekretär im Reichspostamt, Exzellenz Sybow, ben Vorsitz. Zu Vize- prüsibenten ber Generalversammlung würben bie dele­gierten ber Vereinigten Staaten von Amerika, Vizeadmiral z. D. Henry M o n n e y, von Großbritannien der Seeretary of the Postossice Smith, unb von Ungarn Staatssekretär von Sza lay berufen. Für bie Beratung des Reglement be Service sowie für bie Rebaktion ber Beschlüsse würbe eine besondere Kommission eingesetzt. Die erstere wurde unter bem Vorsitz des ersten französischen Delegierten und DepartementschesS im Ministerium her öffentlichen Ar­beiten Bordelougue unb unter ber Vizepräsibentschaft ber Delegierten von Italien, Senators Colombo, von Rußlanb Wirkt. Staatsrat Ossatchy, unb von Spanien Fregatten­kapitäns Ramon Estraba gestellt. Zum Berichterstatter biefer Kommission würbe ber nieberlänvische Delegierte, ber Ge­neraltelegrapheninspekteur Kruyt ernannt. Tie Konferenz wirb zunächst bas Projekt eines internationalen .Vertrages beraten. Die Beratungen finb nicht öffentlich.

Beim Staatssekretär Krätke fand heute abend ein Diner statt. Der amerikanische Botschafter Charlemagne Tower brachte ein Hoch auf ben Kaiser aus.

Aus S*aot Mito LUN0.

Sprechstunden der Redaktion 111 Uhr vorm., y$7i/28 Uhr abbs. Gießen, den 4. Oktober 1906.

Se. Kgl. Hoh. ber Großherzog ist heute früh, wie uns von Darmstadt drahtlich gemeldet wird, mit dem Schnellzug von München in Frankfurt angekommen und von da mit Automobil nach Jagdschloß Wolfsgarten gefahren, wo er um 7 Uhr ankam.

* * Oeffenlliche Lesehalle. Jin September wurden 1899 Bände cmsgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Litle- raiur 1009, Zeitschriften 337, Jugendschriflen 195, Versdichtungen 42, Litteraturgeschichle 10, Länder- und Völkerkunde 47, Kultur­geschichte 18, Geschichte und Biographien 97, Kunstgeschichte 12, Naturwissenschaft und Technologie 74, Heer- und Seewesen 7, HauS- und Landwirtschaft 7, Gesundheitslehre 7, Religion und Philosophie 19, Staatswissenschafl 5, Sprachwissenschaft 5, Fremd­sprachliches 8 Bande. Nach auswärts kamen 69 Bände.

* Gießener Volksbad. Im September wurden 8802 Bäder verabreicht gegen 9520 im August 1906 und 9371 im September 1905 oder im Durchschnitt den Tag 293 Bäder gegen 307 im August 1906 und 312 im September 1905. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt:

Schwimmbad: 3814 Männer, darunter 1000 zu 10 Pfg.,

, 1111 Frauen, 286 , 10 ,

Wannenbäder 1. Klasse 267 Männer, 109 Frauen,

m 2. 640 , 466

Brausebäder 1. Klasse 655 Männer, 129 Frauen,

, 2. 1274 r 226 ,

Dampf- u. Heißluftbäder, sowie Massage zus. 108 Männer, 23 Frauen. Die Personenwage wurde von 220 Personen benutzt und das Bad von 6 Personen besichtigt.

* Zum Fall Korell. Das Großh. Oberkonsistorium hat, wie die .Darmst. Ztg." hört, unterm 24. v. Mts. an die evangelische Landessynode folgende 2)Uttei[ung gelangen laßen:

Wir teilen ergebenst mit, daß wir der Hohen Synode bei ihrer nächsten Tagung über obige Angelegenheit eingehende Erklärung abgeben werden. Hierbei wird auch die Inter­pellation der Herren Synodalen Kohler und Schaub über Ver­letzung des Erlasses vom 4. Dezember 1849, betreffend Bewahrung des Dienstgeheimniffes, mündlich beantwortet werden."

Sie Schwalben, die in diesem Herbste so lange bei uns geweilt, haben uns mit Beginn des Oktobers ver­lassen. Rur noch vereinzelte Nachzügler konnte man gestern sehen. In diesem Herbste' war aber nicht eine verspätete Brut die Ursache des langen Verweilens der Schwalben bei uns, sondern es ist vielmehr anzunehmen, daß die Schwalben an dem vorhandenen Ungeziefer noch ausreichende Nahrung fanden. Hoffentlich ist ihr verspäteter Ruckstrich ein gutes Zeichen, daß der Winter noch recht ferne ist.

X Annerod, 3. Okt. Das am Montag abend ge* stöhle ne Rad mit Nummerplatte 1306 wurde am gleichen Abend gegen 9 Uhr in Annerod von einem jungen Mann, der angab, Kellner zu sein, in der Wirtschaft zur Krone an einen Gast für 30 Mk. verkauft. Der Dieb hatte Rad­fahrer-Anzug und -Schuhe an; nachdem er noch den an­wesenden Gästen einenWinkoff" gegeben hatte, verschwand er schleunigst aus der Wirtschaft.

Nieder-Weise l, 3. Okt. Ein in Niedererlen- bach gestohlenes Pferd im Wert von 1500 Mk. wurde gestern dem hiesigen Pferdehändler Ed. Staufmann zum Kauf an geboten. Die beiden Parteien wurden zum Preise von 350 Mk. handelseinig. Staufmann, dem das Benehmen des Verkäufers verdächtig vorkam, ging mit dem Verkäufer zum Bürgermeister, um den Kauf in der Weise perfekt zu machen, daß zunächst der Verläufer 25 Mk. Anzahlung bekommen solle, bis sich der Verkäufer genügend legitimiert hätte. In­zwischen konnte dann festgestellt werden, daß das Pferd mit dem gestohlenen Tier in Niedererlenbach identisch war. Dem Dieb ist man auf der Spur.

X Bad-Nauheim, 3. Okt. Ueber das Vermögen des Hotelbesitzers Heinrich Richard Langsdorf, des Inhabers des bekannten Sprudelhotels, wurde gestern nachmsttag das Konkursverfahren eröffnet.