Ausgabe 
2.7.1906 Erstes Blatt
 
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Nroge c5 dein Jubkl/rre vevgüunt fein, noch iociterc 25 Jahre bem Geschäfte seine Dienste in der bisherigen Rüstigkeit widmen zu können.

** Zum Universitätsjubiläum. Die Stadt­verordneten der Stadt Worms beschlossen, der Univer­sität Gießen anläßlich des Jubiläums ihres 300 jährigen Bestehens jäbrlich 200 Mark lals Zinsen von 5000Mk. Kapitals als Zuwendung zum Stipendienfonds zu genehmigen. Diese generöse Gabe wird jedenfalls dank­bare Empfänger finden.

Zugfü brerexamcn. Bei dem Samstag in Frankfurt er M. abgehaltenen Zugführerexamen bestanden die meisten Prüflinge. Der Packmeister Heinrich Schneider aus Klein-Linden hat die Prüfung ebenfalls abgelegt und ist gleich in seinen Dienü eingewiesen worden.

(Xi Großen- Li n den, 1. Juli. Laudtagsabg. Bür­germeister Leun und Tt. Platz weilten dieser Tage in Berlin, um bei dem E i se u b a h n m i n i st e r bezüglich der hiesigen Bahnhofs verhält nisse vorstellig zu wer­den. Tie Bahnbehörde Hal nämlich die 'Absicht, für den starken Personenverkehr eine Ueberführung von einem zum anderen Bahnsteig lwrzuftellen. Die beiden Gemeinden Großen-Linden und Leihgestern sind mit Rücksicht auf die Sicherheit und Bequemlichkeit des Verkehrs gegen die lieber» führung und nninschen eine Unterführung für den Personenverkehr. Die Arbeiten an der Wiederher­stellung unserer 1000jährigen Kirche stehen zur­zeit still, da sich bei den ersten Arbeiten gezeigt hat, daß eine der Umfassungsmauern so schadhaft ist, daß sie heraus­genommen werden muß Auch ist es dringendes Bedürfnis, die Kirche etwas zu vergrößern, da die 'Gemeinde ständig zunimmt. Die Wiederhcrstellungspläne werden deshalb jetzt einer Revision unterzogen. Bei den kürzlich begonnenen Arbeiten fand man unter beirt Mar eine Gruft, die ein Skelett enthielt: es handelt sich um einen Pfarrer Nebel, der 1709 beigesetzt wurde. Außer der Grabschrift fand man auch eine humoristische Inschrift, die lautet:Wie ein Nebel steigt und fällt, so ist das Leben in der Welt". Man hat ferner an den Schranktüren des Petri-Hochaltars wert­volle alte Gemälde entdeckt, die nach der Renovierung in der Kirche wieder aufgehängt werden sollen. Prof. v. Rittchen schätzt den Wert der Bilder auf 2025 000 Mk. Sie be­finden sich gegenwärtig im Museum zu Gießen.

k Butzbach, l. Juli. Der Hessische Fechtvcrein Waisenschutz" hielt heute hier im Hessischen Hof seine 14. Landes Versammlung unter dem Vorsitze des ersten Präsidenten Sckrapcnborg-Mainz ab. Ter Vorsitzende des Zweig­vereins Butzbach, Franke, begrüßte die zahlreich erschienenen Delegierten des Lairdesvereins. Fräulein Bernthauser-Butz­bach sprach einen Prolog, der auf die hohe Bedeutung des Waisenschutzes himvies. Bei der Wahl des Vorsitzenden der Lan­des - Versanrmlung iinirbc Burggraf-DarUrstadt, zu Stellvertretern "Franke-Butzbach und Horn gewählt. Burggraf widmete dem verstorbenen Oberbürgermeister von Mainz, der Mitglied war, einen warmen Nachruf. Schravenborg verlas den Jahres­bericht für 1905, der ein erfreuliches Resultat bietet. An 15 Pfleglinge wurden 1376,54 Mk. bezahlt, 6903 Mk. wurden dem Kapital zugelegt, sodaß das Vermögen auf 76,760 Mk. stieg. Tie Tätigkeit der Vereine Darmstadt, Mainz und Gießen wird besonders rühmend l>cr vor gehoben. Von den Zweigvereinen wurde eine rege Weihnachtstätigkeit entfaltet und im ganzen 4692 Mk. für Verleidung von 600 Waisenkindern aufgebracht, zu diesem Zwecke blieb noch ein Fonds von 3760 Mk. Der Ver­band umsaßt 21 Zweigvereine und 12 Fechtwartstellen mit 5000 Mitgliedern. An dem 25 jährigen Jubiläum der Reichsfechtschule in Kohr nahm Schrapenborg als Vertreter Hessens teil. Zwecks Abhaltung einer Lotterie für den Waisen schütz soll bei der Regierung Genehmigung nachgesucht werden. Der Redner gedachte zum Schlüsse des Großherzogs, der den Verein stets unterstütze, und brachte ein .Hoch auf ihn aus, in das die Versammlung begeistert einstimmtc. Verbandsrechner Degen­hardt verlas die Jahresrechnung. Darnach betragen die Ein­nahmen 11919 Mark, davon Darmstadt 2701 Mark, Mainz 1907 Mark, Gießen 335 Mark, Arbeflgen 536 Mark. Der Vor­anschlag für 1906'07 wurde mit 11 720 Mark festgesetzt, darunter für Pflege- und Erziehungsgelder für 1907 2500 Mark.^ Bei der Vorstandswahl wurden gewählt: zum 1. Vorsitzenden Schrapen- bora-Main;, als Beiräte Burggraf-Darmsladt, Dressel-Mainz, Brrkenstock-Arhcilgen, Pfeffer-Gustavsbuvg, Stöver-Gießen, Franke- Butzbach, Daub-Eberstadt, Llvvel-Bischossheim und Jakobi-Trebur. Oberbürgermeister Mecum-Gießen, Oberbürgermeister Morneweg- Darmstadt und Oberbürgermeister Dr. Göttelmann-Mainz gehören zum Ehrenrat.

- 0 Bad-Nauheim, 1. Juli. Tie Ausführung der Hüttcnberger" im hiesigen Kurtheater brachte dem Direktor Steingoetter ein vollbesetztes Haus. Die Bichbacher Darsteller wurden nach Beendigung des Theaters von Dir. Steingoetter zu einem solennen Souper im Restaurant Burk einge'laden. Am Abend nitternahmen die Hüttenberger noch einen Spaziergang nad) dem nahen Johannisberg, wo man sich bis in die späte Nacht hinein bei einer Bowle vergnügte. - Weitere Aufführungen des Volksschauspiels finden voraussichtlich nicht statt

h. Franks irrt a. M., 30. Juni. Ein 35 Jahre alter Auslauf er des Grand Bazar fiel gestern abend nach Geschäftsschluß infolge eines Fehltritts vom Fährstuhl aus dem Parterrestock in den zweiten Unter feiler. Er erlitt einen Genickbruch und war auf der Stelle tot. Gestern tionuiticg wurde aus dem Main ein unbekanntes, etwa 16 Jahre altes Mädchen als Leiche gelandet. Die Tote dürfte etwa 14 Tage im Wasser gelegen haben. Ferner wurden heute morgen die Leichen einer Frau und eines Mannes im Alter von etwa 40 Jahren gelandet, die mit Stricken mehrfach zusammengebunden waren. Die beiden Leichen wurden als die eines Ehepaares Müller hier agnos­ziert.

X Wiesbaden, 29. Juni. Der Verbandstag des hessisch nass. (Main-Rheingau) Verbandes Gabels­berger Stenographen findet hier vorn 7.9. Juli statt. Am ersten Tage wird eine Vertreterversammlung abgehalten, der zweite Tag ist für das Wettschreiben unb die Verbandsversammlung vorgesehen, während der dritte der Geselligkeit geweiht werden soll. Für die Verbands- versammlung hat Kammerstenograph S chaible-Stutt­gart den Festvortrag über das Thema:Gedanken über die deutsche Einheitsstenographie" zugesagt. Die Leitung sämtlicher Versammlungen liegt in den Händen des Ver­bandsvorsitzenden, Realschuldirektor Dr. Pitz-Alsfeld. Der Wiesbadener Stenographenverein Gabelsberger hat die Vorbereitungen für beit Verbandstag begonnen unb rechnet mit einem starken Besuch.

Dorlar, 29. Juni. Die zum Neubau un­seres Schul Hauses erforberlichen Bauarbeiteu unb Lieferungen sollen demnächst vergeben werben. Schon vor Jahren, als wir noch einen Lehrer hatten, trug man sich mit bem Gebauten, bie alte Schule burch einen zeitgemäßen Neubau zu ersetzen. Jeboch war die Ge­meinde nicht in der Lage allein diesen Plan zur Aus- sührung zu bringen, man war vielmehr auf einen Re­

gierungszuschuß angewiesen. Auf dem an der Straße nach Atzbach angcfiiufteu Gelände wird die neue Schule für zwei Schulklassett unb zwei Lehrerwohnungen erbaut.

fc. Kassel, 1. Juli. Der wegen Lustmords an der 12jährigen Ebenau festgenommene Arbeiter Angust May, gilt bereits als überführt. Sein Alibibeweis ist gänz­lich mißlungen. In den verschiedenen Verhören hat er sich in die auffallendsten Widersprüche verwickelt.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen unb den Nachbarstaaten. Nicht 250, sondern 547 Pcrsonenzügc ver­kehren täglich in Frankfurt a. 9)L In dem LecSckcu Aussatze in denFam.-Bl." vom Samstag war die Zahl 250 angegeben worden.

schwer verletzt. In K u h l e n b c r § c r s ch l n g e n drei Polen einen Arbeiter im Streite mit einer Schaufel. InRovereto (Süd­tirol) ermordete der Hausbesitzer Georg Rizzi seine Fran und brci Kinder mit dem Rasiermesser, indem er ihnen im Schlaie den Hals durckschnllt. Rizzi ist 32 Jahre alt, seine Frau 29 Jahre, die Kinder 8 Monate, 5 und acht Jahre. Rizzi trank viel: er stellte sich nach der Tat der Behörde. In V a r a g n a t (Frankreich) wurde der Bauer Qucitresons verhallet unter dem Verdachte, seine Schwiegereltern Chelle? und deren Tochter e r m o r b c t zu haben. In der Nähe von Rheims verunglückte das Automobil des amerikanischen Ehepaars Leishinan, das mit zwei Fremden eine Fahrt von Paris nach Frankllirt unternahm. Frau Leishmau erlitt schwere Verletzungen am Unterleib und wurde in eine Klinik gebracht. Die übrigen sind leicht verwundet.

Das 17. Buttdcsfest des Maintalfättgerbundes in Friedberg.

(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)

K. Friedberg, 1. Juli.

Gestern begann das B u n d e s f e st d e s M a i n t a t s ä n ge r- b und cs auf Einladung des hiesigen BundesverciusLieder- kranz". Friedberg hatte sein schönstes Festkleid angelegt. Vor dem Bahnhöfe und am Eingang zum Fcstplatz waren mächtige Ehrenpforten errichtet, und in den Hauptstraßen war fast kein Haus ungesckmückt. Eine Delegiertcn-Versanimlung in derReichskrone" leitete gestern nachmittag 3 Uhr das Fest ein. Der Bunbesvorsitzcndc A n d r e - Offenbach widmete dann dem gestorbenen Ehrenmitglied Taubstummenlchrer Schneider- Friedberg einen warmen Nachruf. Namens desLietarkrauz"-- Friedberg begrüßte Präsident Schmidtberger die Vertreter und besonders Herrn Kampsrath, den Vertreter der Frankfurter vereinigten Sänger. Nach dem Rechnung^- und Jahresabschluß zählt der Bund 29 Vereine mit ca. 1100 aktiven Sängern, vier Vereine sind im letzten Jahre beigetreten, 5 Beitritte stellen noch in Aussicht. Die Einnahmen betrugen 650,07 Mk, die Ausgaben 313,18 Mk., mithin der Ueberschuß 316,89 Mark. Die Bundestagung 1907 erhält Miltenberg, das 18. Main- talbundesfest Offenbach für 1908. Damit soll die Feier des 50 jährigen Bestehens des Bundes und des 100 jälyr. Jubiläums des dcutsckum Männerctars verbunden werden. Um das deutsche Bundcssangersest 1909 nach Frankfurt zu be­kommen, wird beschlossen, zum nächstjährigen deutschen Dundes- fest nach Breslau Delegierte zu senden, die den Antrag Frank­furts unterstützen. Gestern abend wurde auf dem Festplatz auf der städtischen Seewiese ein F e st k o m m e r s abgehalten, der schön verlies: besonderen Beifall ernteten die Gefangvorträgc des festgebcndcn Vereins unter der bewährten Leitung des Musik­direktors Kern. Heute vormittag trafen von 9 Uhr ab die Dundesvcrcine aus Darmstadt, Os'enbach, Miltenberg, Aschaff.'n- burg, Klingenberg und die Frankfurter Vereine mittels Extra­zügen ein. Um 11 Uhr wurde in dem ca. 300 Quadratmeter fassenden mächtigen Sängerpavillon die Hauvtprobe zu den Massen­chören abgehalten. Unterdessen trafen über mittag fortgesetzt noch Vereine aus nah und fern ein. Um 2 Uhr wurde am Mainzertor der stattliche Festzug unter Leitung dcH Festpräsidenten Schmicdbergcr aufgestellt. Um 212 Uhr bewegte sich der Festzug durch die sck>ön geschmückte Kaiserstraße. Es nahmen daran die Spitzen der Behörden, der Stadtvorstand und 67 Vereine, davon ca. 23 aus Frankfurt, 10 aus Offenbach, 8 aus Darmstadt, ferner aus Fecl)enl)cim, Aschaffenburg, Miltenberg, Klingenberg, Bürgel, Klein-Heubach, Hanau, die hiesigen Vereine und mehrere Gesangvereine aus der Wetterau, teil. In dem Zug spielten 4 Kapellen. Auf der städtisck>cn Seewiesc angekommen, betrat Pfarrer Kleeberger die Tribüne. Er hieß den Bund will­kommen, feierte das deutsche Lied und brachte ein begeistert aufgenommenes Hoch auf Kaiser unb Großherzog aus. Für bie Vorträge von Massen- unb Einzelchören hatte der Gefangs- ausschuß eine vortreffliche Wahl getroffen und sämtliche Chöre ernteten lebhaften Beifall. Die Darmstädter vereinigten Vereine fangenRach dem Süden" undKehre wieher", die Frank­furterDas stille Tal" undDas ist der Tag des Herrn", die Dundcsvereine unter Leitung des altbewährten Bundes-Chor- meisters Musikdirektor SchmidtFriedrich Rotbart",Mttaut- sckes Minnelied" undDem Kaiser uub Reich", Bundesverein unb Frankfurter gemeinsamWeihe des Gesangs" undWie könnt ick' dein vergessen". Die Lieber wurden zum Teil mit Be­gleitung der Kapelle des Jnf.-Rcgts. Nr. 168 begleitet. Die vorzüglichen gesanglickjen Leistungen der Vereine und Massen­chöre würben allgemein anerkannt Ein lebhaftes, buntbewegtes Treiben herrschte auf Fest- uub Juxplatz, beide wimmelten von Menschenrnassen, man schätzt bi? Zahl der Besucher auf ca. 15 000 Personen. Die Wirtschastshallen, die Platz für circa 7000 Personen boten, waren überfüllt unb auch in ber Stadt alle Wirtschaften stark besetzt. Abends wurde auf dem Festplatz ein großes Feuerwerk abgebrannt Mlmählich verließen die aus­wärtigen Vereine wieder die Feststabt, doch blieben noch viele Sänger zunick, um morgen am Volksfest teilzuuehmeu und einen Mstccher nach Bad-Nauheim zu unternehmen. Mit Be­friedigung und Stolz können die Friedbergei' und besonders der Liederkranz" auf das herrlich Derlaufene 17. Maintalbundcs- fest zurückblicken.

Vermischte».

Ein Dampferunglück. Am gestrigen Sonntag stieß der DampferHeringsdorf* mit dein DampferOber- bürgermeister Haawe* bei den Oderwerken unweit Stettin zusammen. Ter erstere erhielt ein Leck unb sank sofort. Von den Passagieren ertrank ein 14jähriger Knabe, die übrigen konnten sämtlich durch einen Flußdampfer gerettet werden, der sie nach Stettin zurückbrachte. Der Unfall ist dadurch heroorqerufen worden, daß der ,Oberbürgermeister Haawc" das Signal gab, daß er links fahren wolle, was vom Heringsdorf" falsch verstanden wurde.

* Unwetter und Hitze in Amerika. Während eines heftigen Gewitters wurde in Aurora (Illinois) das riesige Zelt des Ringlin Brothers-ZirkuS um geweht. Unter den 5000 Schauern, die der Vorstellung beiwohnten, entstand eine schreckliche Panik. Zwei Personen wurden auf der Stelle getötet und viele wurden von der fliehenden Menschenmenge unter die Fuße getrampelt. Nur mühsam konnte sich die Menge unter der schweren Last der Zeltstucke hervororbeiten. Der Sturm, der die Gewalt eine? Tornados hatte, hat in Aurora und Umgebung viele Häriser beschädigt. Tie in ganz Nordamerika herrschende Hitze fordert viele Opfer, besonders in den ärmeren Distrikten. Am Samstag stürmte in Netoyork eine zur Verzweiflung getriebene Menschenmenge zwei öffentliche Badeanstalten, tveil ihr das Warten zir lange dauerte. Tausende von Menschen wollten in die Bäder zugleich dringen; die Polizeireserven unterdrückten die Krawalle mit Mühe. Ferner wurden in Neivyork mehrere Personen auf der Straße von Wahnsinn befallen, in Chicago wurden fünf Personen durch Hitzschlag getötet, während über 20 am Sonnenstich erkrankt sind und ins Spital gebracht rvurden. Llehnliche stiachrichten sind au? LouiSville und anderen Städten eingetroffen.

Ur-Urgroßmutter, U r groß ni utter unb G v ofa' mutter waren Taufpaten bei der Taufe eines Kindes in Stolpe. Tie Ur-Urgroßmutter, die bas Kind noch über bic Taufe hatten konnte, in ber ganzen Gegend alsMutter Harm* bekannt, /uiib im September 103 Jahre alt.

* Kleine Tages cl'rnuik Auf ben Hochöfen der Gesell­schaft für Hüttenbetriebe in At e i d e r i ch würben durch auSfhVincnbe Gase 3 Arbeiter sofort getötet, mehrere anbcie schwer verletzt. In der Fabrik der Gesellschaft für Theerverwerturrg in Reiberich explodierte ein Kessel. Ein Arbeiter wurde getötet, zwei

Rrrnst und Wissenschaft.

Dr. jur. Ernst Kuuwald, ber gegenwärtig Leiter ber Krollsckcu Sommcropcr in Berlin ist, und der vom dortigen Philharmon. Orchester zum Dirigenten gewählt wurde, tritt diesen Posten am 1. Juni 1907 an. Dr. Kunwalb ist ein Kapellmcister von großer Intelligenz unb bcbcutenben künstlerischen Fähig feiten. Er hat im Winter 1900/1901 in Madrid beit Nibelungen ring birigiert. Dann ging er an die Frankfurter Oper, bie er nach dreijähriger Wirksamkeit verließ, weil ihm bic bortig.cn Verhältnisse nicht zufagten.

Das Engagement bes Cellisten Prof. Julius Klengel- Leipzig für bas Hochschc Konservatorium in Frank­furt a. M. ist an den Bedingungen des Künstlers gescheitert. Auch Bemülnmgcu, Hugo B c cker für Frauksiirt wieberzugewiunen, sind resultatlos geblieben.

Gustav Frenssen beabsichtigt, wie aus einer Anzeige zu ersehen ist, seine vor drei Jahren in Meldorf neu erbaute schöne Villa mit großem Garten und Ackerland verkaufen zu lassen. Die Villa liegt, wie die Anzeige besagt, 5 Minuten vom Bahnhof, hat elektrische Beleuchtung, Zentralheizung unb Badeeinrichtung: die Nordsee ist eine halbe Stunde entfernt.

Aus 2lulaß ber großen Berliner Kunst-Ausstell­ung verlieh der Kaiser folgenden Künstlern die große g o l d e n e M e d a i l l e für Kunst dem Architekten Geh. Baurat Franz Schmechten unb dem Bildhauer Louis Tuaillon-Berlin, bic goldene Medaille dem Bildhauer Paul Oesten, dem Bild­hauer Wilhelm Wundschneider unb bem Maler Franz Hoffmann- Fallersleben, alle drei in Berlin, dem Maler Paul Joanowits^- Wicn und dem Bildhauer Josef Hinterschcn-Paris. i,

DerN. Hamb. Ztg." wird aus Karlsruhe gemeldet, daß das Großh. Staatsministerium trotz aller Proteste den Wieder­aufbau des Heidelberger Otto Heinrich s b a u s be­schlossen habe. Mit dem Dau Werbe im Frühjahr 1907 begonnen werden.

München-Gladbach, 30. Juni. Von heute bis Montag findet hier der Kongreß deutscher Rosenfreunde, der unter dem Protektorate der Kaiserin steht, statt. Heute mittag wurde in ber Kaiser Friedrich-Halle die große Schnittrosen- Ausstellnng eröffnet, bie 5000 verschiebene Rosen arten von Rosen- züchtern ganz Deutschlands umfaßt. Für die beste Neuheit, die den NamenOtto von Bismarck" erhalten soll, ist ein Preis von 3000 Mark ausgesetzt. Die Kaiserin stiftete einen Ehren­preis. der Landwirtschastsministcr eine silberne und eine bronzene Medaille.

München, 30. Juni. Karl Laute nschläger, der Gr» sinder der Drehbühne, ist 63 Jahre alt hier gestorben.

Der Dreyfus-Prozetz.

Varis, 30. Juni. GeneralstacttsanWalt Baudouin ist der Ansicht, daß Esterhazb zweifellos der Urheber des Borde­reaus ist. Er gibt eine Schilderung des Chcrrakters Esterhazys, rliniert an dessen Wut, weil er nicht aufgerückt War, seinen Haß gegen Fran kreich und sagt, dieses Bild in Ver­bindung mit der Affäre desPetit bleu" ermächtige zu dem schlinrmstcn Verdachte. Der Beschluß des G e n e r a l st a b s , die Angelegenheit zu unterdrücken und lieber einen Unschul­digen verurteilen zu lassen, als den Irrtum des Kriegsgerichts an z u er len neu , sei burch verbrecherische Vorgänge veranlaßt. - Wahrend der Sitzung halte der Ehren- piäsideitt Löw einen Ohnmachtsans all, der durch die große Hitze des Saales hervorgerufen wurde. Löw fiel zu Boden und verletzte sich am Kopf. Im Fortgänge der Sitzung weist ber Generalstaatsanwall nach, wie durch das Anstoß erregende Dazwischentreten des Generalstabes Esterhazy srcigcsprochen wurde intb Oberst Picquart als ber allein Schuldige galt. Der General­staatsanwalt geht dann auf die von der Anklagebehörde in RenneS begangenen Ungesetzlichkeiten ein und crflärt, der Kassa - tionshof vtüffc erwägen, ob die Ge nerale nicht für die Machen­schaften ihrer Untergebenen zur Rechenschaft gezogen werben müßten unb ob das Verhalten der letzteren nicht durch die Zu- ftinrmimg ihrer Vorgesetzten, mit tauen sie auf vertrantem Fuße standen, gedeckt Wurde. *

Ein Korrespondent hat in einem Vorort von London ben Major Esterhazy cntbccft unb über die Revision beS Drey- sns-Prozestes befragt. Esterhazy betätigte bie Theke deS Generalprokurators, wonach er als 6) e g e n k p i o n im Dienste bes französischen Gcneralstabes gestanden habe. Er habe das Vor ber an aukBesehl bes bamaligen Chefs bes S p i o n a g e b u r e a u s g e s ch r i e b e n unb nachher selbst z u m beulkch cn M i l i t är a tt a ch c e g e b r a ch t. A l le General­stäbler hätten bics wohl gewußt. Seine Aussagen währenb deS Dreyfus-Hanbels seien ihm vom Generalstabc vor­geschrieben worden. Die Generäle hätten in ständiger Beziehung init ihm gestanden.

Gerrchtssaal.

Wegen Herausforderung zu cinemPiftolen- d ne ll wurde nach derKöln. Volksztg." von der Strafkammer m München-Gladbach der Arzt Dr. R i ck zu einer Woche und Dr. Kaiser als Kartellträger ?u einem Tag Festungshaft verurteilt. Dr. Rick war in Rheydt im Acrzteverein von einem anderen Arzt beleidigt worben, worauf Dr. Rick ben Arzt auf Pistolen fortarte. Tie Forbernng wurde aber nicht angenommen.

Der Fall Bachstein will nicht zu Ende Eontincn. Das Reichsmilitärgericht hob soeben bas Urteil des Otarkrrcgsgerichts Müirster in /Sachen des früher katholischen, jetzt proteltcmttschen DivisiouspsCrrers Bachstein auf unb verwies die Angelegenheit an die V§rinstanz zurück. .

Oberst Hüger beauftragte den Rechtsanwalt Nuß feinen Antrag jtuf Revision znrückzn ziehen.

Ktt/ekes Kindermchl ohne Zusatz von Milch empfiehlt sich für Säuglinge mit Erkrankungen des Magendarmkanals, mit akuten uub ch/onischen Magen-Darmkatarrhen, Darmentzündungen, Brech- burchHll ?c., wo es bnraiü ankommt, eirr leicht verdauliches und doch kralliges NahrungSinittel zu geben, welches nicht wie die Kiih'Nilch, bie Krankheit noch verschlimmert. Es gibt aber auch qcivnbc Kinber, welche gar keine Kuhmilch, ja ost nickt einmal bic Milch ber eigenen Mutter vertragen, sondern stets erbrechen, unb bet beiten kann man durch Verabreichung von Knkekes Kinbermehl ohne Milch eine rationelle Ernährung erzielen. Da Kufekxs Kindcr- mehl bic in ber Muttermilch vorhanbenen Nährstoffe int richtigen Verhältnisse enthält und durch seine ausreichenden Mengen von Eiweiß- und Mincralstoffen eine kräitige Nahrung^ barstellt, kann eS sehr gut zur ausschließlichen Ernährung der Säuglinge dienen.

Gute Kost bei gittein Wetter.

Ein Mondamin-Milchflammeri mit ge­dämpften frischen Früchten ist eines der beliebtesten Sommer-Gerichte.

Das Mondamin erhöht den Nährwert solcher Kost.