Bin im nächsten Jahr ich Meister, Wird die Grete Meisterin. Silles, alles soll ihr werden, Was ich habe, was ich bin.
Der Kaiservreis, die Statue eines Minnesängers, wurde ge- leqentlich des Brooklyner Scingerfestes im Jahre 1900 von dem Brooklyner Gesangverein ,9kion' errungen. Dann erwarb ihn der „Junge Mannerchor", Philadelphia. Nun findet in Neivarl abermals ein Wettstreit der deutschen Gesangvereine um den Kaijer- preis statt.
— Sudermanns neuestes Stück „Das Blumen- bood" ist jetzt — ehe noch die Aufführung des Wertes in Aussicht steht — im Cottaschen Vertage zu Stuttgart als Buch erschienen Es ist ein an „Sodoms Ende" erinnerndes Gesell- schistsdrama aus dem modernsten Berlin. Im Mittelpuntte der Handlung steht eine junge J-rau, die in der Ehe das sogenannte Neckt der Persönlichkeit, völlige J-reiheit des Erlebens und Ge- niestens fudtt und — findet, bis das Geschick ihrer Schwester sic auf den Weg der Pflickst zurückbringt. „Mein Leben", sagt die Heldin des Schauspiels, „soll werden rote ein Blumenboot, Musik ringsum und verschleierte Siebter und Lachen und ein Glückstraum" . Tas erklärt den Titel des Schauspiels, das in einem „Zwischenspiel" eine Fülle von Typen aus der Bohöme auf die Szene bringt. _ „ _ ,. t ~,
Frankfurt a. M., 3. Nov. Das R e s t d e n z - T h e a t e r hatte mit der Neuaufnahme von Sardous Schauspiel „Fernande" einen guten Griff getan. Das immer noch wirksame und gut aufgebaute Stück fesselte von Anfang bis zu Ende und auch die Aufführung war entsprechen!) gut. Helene Rosner fflhrte sich als Cloiilde beim Frankfurter Publikum bestens euu
— Henry Thode, Bö cklin und Thoma. Acht Vorträge über neudeutsche Malerei gehalteir für ein Gesamtpublikum an der Universität Heidelberg (Carl Winter. Kartoniert 3 Mk.). — Diese Vorlesungen hrben im Sommer dieses. Jahres lebhaften Beifall bei den Hörern gefunden und, soweit es die Vertreter realistischer Malerei angeht, noch lebhafteren Widerspruch, der seinen schärfsten Ausdruck in Max Liebermanns Veröffentlichung in der J-rankf. Ztg. fand. Ms Antwort auf die zum Teil persönlichen Schntähungen veröffentlicht H. Thode heute den Wortlaut dieser Vorlesungen, die von vornherein für ein größeres Publikum bestimmt, somit allen denen zugänglich werden, die ein Interesse haben an der Entwickelung unserer Kunst und denen d^ran gelegen ist, in dem Wirrwarr heutiger Kunstauffassuna einen festen und bestimmten Standpunkt zu gewinnen. Prof. Thode gibt in großen Zügen den Entwicklungsgang der neueren Kunst und feiert auf dem Gebiete der Malerei als deren hervorragendsten Vertreter Böcklin und Thoma, die in ihren Schöpfungen idealistisck^en Sinn, starren Gefühlsausdruck, Universalis- mus. Naturtreue und lebendige Phantasie vereinen und damit spezifisch deutsche Eigenschtstm offenbaren. Tie Thodeschen Vorlesungen sind das offene Bekenntnis einer idealistischen Welt- ensachuung, ein Aufruf zur Besinnung auf das, was deutsch in unserer Kunst ist. eine energische Abwehr deS Qhnismus und mvstischer Unklarheit, die sich in der modernen Kunst breit zu m'ften bemühen. Sowenig diese Produkte dem deutschen Empfinden entsprechen, so wenig heben es diese Vertreter der Moderne vermocht, im Raffinement der Darstellung unseren westlichen Nachbarcn, von denen uns die Richtung gegeben, gleichzukommen.
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Samstag 4. November 1905
Zweites Blatt.
Nr. 260
EichWer Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersilälLdruckerei. R. Lange, (Sieben.
Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schalste. 7.
Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.
155. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „siebener ZamNIendlätle^ werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Ehesfisch« Laabwtrt" erscheint monaUich einmal.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen.
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Zur Offl*. <Fandtastswahtbewcgung.
Ter Wahlaufruf der freisinnigen Partei Schiet an alle, die eine gesunde freiheitliche Entwicklung deS politischen Lebens in Hessen erstreben, die ernste Mahnung zu besonderer Wachsamkeit und Arbeit gerade bei der bevorstehenden Landtagswahl. Der Aufruf betont, daß die schon 'o lange Jahre erhoffte direkte Wahl immer noch auf Schwie- rigkei'-n stösst.
..Ch'cne und heimliche Gegner der Volksrechte haben wieder- k>oli die Regieruiigsvorschlcige auf Besserung des Wahlgesetzes zum :'heitern gebracht. Ten stärksten Widerstand erhebt die Erste Kammer, die für nötig findet, die vermeintlichen Gefahren einer ans direkten Wahlen heroorqehenden Volkskammer durch Vermehrung der Rechte der Ersten Kammer zu überwinden."
Ter Kampf gegen diese Widerstände könne wirksam nur geführt werden durch ein energisches Eintreten für das direkte, allgemeine und gleiche Wahlrecht, tret von sog. Kanteten, „bie meistens nur der Abneigung gegen das freie Wahlrecht und dem Misttrauen gegen das Volk entspringen.* Den Rechten der Volkskammer dürfe n chts vergeben merben. Die Ansprüche der Ersten stamm er auf Verstärkung ihrer Rechte seien entschieden irückzuwei sen. Die Gesetzgebung über die Gemeindesteuern solle — wie e5 die gescheiterte Regierungsvorlage erstrebte — durch eine gerechte Verteilung der Gemeinde- gbgaben nach der Steuerkrast mit Beachtung der besonderen Vorteile, die der Steuerpflichtige von der Gemeinde hat, nach Möglichkeit die Schwachen entlasten und den durch das un- aufhaliianie Anwachsen der Gemeindeaufgaben immer schiverer werdenden fomnumolen Steuerdruck erträglicher gestalten. Tie bevorstehende Verwaltungsgesetzgebung müffe ein geordnetes und vereinfachtes Verfahren und den Ausbau bei kommunalen Selbstverwaltung in allen Instanzen bringen. Unter den mancherlei weiteren Aufgaben seien alle auf Hebung der Landwirtschaft, dec Industrie, de8 Handels und Verkehr« gerichteten Bestrebungen zu fördern, ohne kleinliche Bedenken, aber mit weiser Schonung der Cteuerkraft deS Landes. Zu allen 9lrbcile» im Dienste deS Volkes aber sei die starke und freiheitliche Gesinnung mitzubringen, die auf verständige Vorschläge von Land und Negierung hört, ohne sich von dieser abhängig zu machen und stets gewiffenhaft befliffen ist, die Rechte und Interessen des Volkes zu wahren und zu stärken.
AuS dem 'Landtagswahlbezirk Bab-Nauheim- Fri ed berg-La n d wird uns geschrieben:
In uns rem Wahlkreis roerben diesmal drei Kandidaten auf- treten. Ans nationalliberaler Seite kandidiert bekannt- lirb der bisherige L'ndtaasabg. Justizrat Windecker in ^rieb" V rq. Er wird in Bad-Nauheim von dem dortigen Verein der f rgerlichen P rteien unterstützt. Auf b a u e r n b ü n d l e r i s cd er Seite ist Landwirt V r e i d e n b a ch in Dorh'im aufgestellt. Ter sozialdemokratische Kandidat ist anscheinend noch niebt teiiimntt, vielfach wird als 'solck>er Minder in Dad-Nand'im $ ?n nnt. Jedenfalls ist sicher, daß die sozialdemolr. Partei, lv' f,e bei der letzten Reick'sttgsroahl in den Orten des Londtags- r.'-L'JrafeS nur etwa 200 Stimmen weniger als die nationallibe- r ic Partei echtsten hot, eigene Wahlmänner aufstellt. Tie Hoffnung t^r Bmiernbünbler, die Sozialdemokratie würde in ; । in Bcssri den, Jnstizret Windecker aus dem Landtage zu ver- brengen, auf bie Aufftellung eigener Woh.männec verzichten, hat sich nickt erfüllt. Leider wirb durch die Spaltung der bürgerlichen Parteien der Sozialdemokratie <j r o f; c r Vorschub geleistet. Denn bei ber Wahl der Wähltet änn er gibt es keine Stichwahl, sondern die relative Mehrheit r ntscheidet: Wah'mann gewählt gilt, der die meisten Stimmen
rrbült. W> rden beispielsweile in einem Ort 101 Stimmen ab* Gegeben und ber nationallib'r.ile Wahlmann erhält 33 Stimmen, fr er b uernbünblerische die gleiche Zahl, während dem sozial- bemosr-tiseben Wahlmann 34 Stimmen zufallen, so ist letzterer qeroählt. Unter den gegebenen Umständen wäre dringendste Veranlassung gewesen, in den bürgerlichen Reihen ! d"n 3 ro i e | h n 11 zu vermeiden, zumal Justizrat Windecker f cls für bie berechtigten Interessen ber Landwirtsckwst eingetreten i't und sic bei jeder Gelegenheit in energischer Weise verfochten hat. Tie ba uernbünblerische K'anbidatur erscheint aussichtslos, sofern sie die sozialdemokratische Unterstütz- ng nicht erhält. Tie Ausstellung bauernbündleriscker Wahl- rttämtcr trögt ober dazu bei, Wasser auf die Mühle der Sozialdemokratie zu liefern und die Zahl ber sozial- demokrotischen Wahlmänner zu vermehren.
Der Kandidat des Blindes der Landwirte im Wahlbezirk Fürth-ReichelSheim, Mühlenbefitzer Fritz Bauer in Fränkisch-Crumbach, hat sich übrigens, der „Volksw." zufolge, bereit erklärt, nach den Wahlmännerwahlen zurückzutreten, wenn der seitherige Kammerpräsident Haas in seinem seit
herigen Wahlkreis unterliegen würde, damit dieser auch dem kommenden Landtag wieder angehören kann.
Deutsche» Reich.
Berlin, 3. Roo. Aus Befehl des Kaisers werden die öffentlichen Gebäude in Berlin au? Anlaß des bevorstehenden Besuches des Königs von Spanien beflaggt werden.
— Die Eröffnung des Reichstags wird am 2 8. November, 12 Uhr mittags, durch eine Ehrenrede im Weißen Saale des König!. Schlosse« stattfinden. Man nimmt an, daß der Kaiser den Eröffnungsakt selbst vollziehen wird. Die erste Plenarsitzung findet an demselben Tage um 2 Uhr statt; in dieser Sitzung wird nur die Beschlußfähigkeit festgestellt. Tie Wahl des Präsidiums findet am 29. Nov. statt.
— Der Reichskanzler hat den Vertretern des Vorstandes des deutschen StädtetageS empfohlen, den Anregungen der preußischen Landwirtschaftskammern zu folgen und selbständig die Fleisch Versorgung der Städte in die Hand zu nehmen.
— Der Staats-Anzeiger veröffentlicht die Ernennung des Direktors im Reichsamt deS Innern, Dr. Richter, zum Unterstaatssekretär im preußischen Handelsministerium.
— In einer unter dem Vorsitz deS Staatsministers Grafen PosadowSky abgehaltenen Plenarsitzung deS Bundesrates wurde die Vorlage betreffend Ergänzung der PrüfungSoorschriften für Tierärzte und der Ent- wurf eines GefetzeS über die Entlastung deS Reichs - nvalidenfonds den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Die Entwürfe eines Gesetzes über Versicherungsvertrag, eines zugehörigen PrüfungSgesetzeS und eines Gesetzes über Aenderung der Vorschriften des Handelsgesetzbuches und über Seeversicherung fanden nach den Anträgen der Ausschüsse Annahme. Die Genehmigung wurde erteilt der beabsichtigten Aenderung der Satzungen ber Hnvothekenbank Hamburg wegen Erhöhung ihres Gnindkapitals, außerdem wurde über eine Reihe von ReichStagSresolutionen aus der abgelaufenen ReichStagssession sowie über eine größere Anzahl Eingaben Beschluß gefaßt.
— Bei den gestrigen Stadtverordneten-Ersatz- ivahlen in Schöneberg bei Berlin gewannen die Sozialisten vier Sitze. Die bürgerlichen Parteien retteten von ihren bisherigen sechs Sitzen nur zwei.
— 1800 Japaner, die in Rußland Kriegsgefangene waren, dürften auf dem Rücktransport nach der Heimat demnächst Berlin passieren, um in Hamburg eingeschifft zu werden. Tie Mannschaften sind zum Teil unterwegs nach der preußischen Grenze.
Preußisch-Holland (Ostpr.), 3. Nov. Nach den bisherigen Ermittelungen bei der gestrigen Reichstags - ersatzwahl im Wahlkreise Pr.-Holland-Mohrungen wurden 9471 gültige Stimmen abgegeben, davon für Rittergutsbesitzer Glür-Gernehuen (ko ns.) 8289 Stimmen. Im Kreise Mohrungen erhielt Glüc 4026, Hermenau (freis. Vpt.) 690, Braun (Soz.) 273 und Krebs (Zentr.) 38 Stimmen. Im Kreise Pr.-Holland wurden sür Glür 4263 Stimmen abgegeben. Einige Bezirke stehen noch mt§.
Halle a. d. Saale, 3. Nov. Stadtrat Dr. Richard Nive-BreSlau mürbe heute mit 31 Stimmen zum Oberbürgermeister von Halle gewählt. Auf Oberbürgermeister Contag-Nordhausen entfielen 20 Stimmen.________________
— Alldeutsches.^
Tie Vorträge, die auf ber Tagung bc5 Mldeutschcn Verbandes in Worms im Mai geilten wurden, sind jetzt als Flugschriften des Mldeutschen Verbandes im Truck erschienen. In einem Hefte behandeln Tr. R e i s m a nn - G r o n e in Essen und Generalleutnant von L i eb e r t-Berlin von etwas verschiedenem Standpunkte aus die J-rage, ob TeutMand Festlands- ober Ueberseepolitik treiben soll. Unter Anführung vieler geschickrtlick)er Beispiele erörtert Reismann die Grundlagen einer kräftigen Ueberseepolitik, die in Deutschland erst noch gesck^affcn werden mühten, während Siebert sich auf den Standpunkt stellt, daß wir nach der ganzen Weltlage nicket in der Lage sind, erst abzuwarten, bis wir in Mitteleuropa die Konsolidierung erfahren haben, die uns gegenwärtig allerdings z. T. noch fehlt. Professor K u hl e n be ck-Lausanne behandelt Rasse und Volkstum. Kuhlenbeck stellt den Stand strittiger Fragen Rar und übersichtlich dar. Auf ein begrenzteres Gebiet führt uns der Vortrag von Oberlehrer Hensing- Tarmstad t zurück, der die Frage der Ausländer an deu tschen Hochschu l en behandelt.
tzittlN llllö llV'ö.
Gießen, 4. November 1905.
— Ordensverleihung. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiivilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung Sr. Königl. Hoheit des Groß Herzogs dem Mitgliede ber freiwilligen Feuerwehr zu Traisa Valentin R i n b f r e y.
* • Personalien. Ernannt wurde der Gefangen« aufleher am Haftlokal in Offenbach Heinrich Wilhelm SameS zum Ge'angenaufseher am Gefängnis in Mainz mit Wirkung vom 1. November 1905.
" Kunstverein. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß kommende Woche ein Teil ber erst seit acht Tagen ausgestellten Gemälbe zur Weitersenbung gelangen muß, um an beren Stelle eine Kollektion von A. Engelhardt-Karlsruhe, sowie zwei Kolossalgemälde von E. Daelen- Tüffeldorf zur Ausstellung bringen zu können.
* • D ie Dachbeckerarbeit für bas Gebäude der höheren Töchterschule, 3000 Quadratmeter (Sauber Schieferbebachung, ist für ca. 13 000 Mk. an Dachdecker- meister Heinrich (Sari 6 übertragen.
** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Die Sonntagsaufführung ber amüsanten Posse „Robert unb Bertram^ bürste besondere Anziehungskraft ausüben, da in 3 Akten Ballet- und Gesangseinlagen vorgeführt werden. Das nähere ist auf dem Theaterzettel zu ersehen.
"Im Falle Malzi ist das Urteil jetzt rechtskräftig geworden. Probst Malzi wird demnächst seine Strafe in Butzbach antreten, er weilt zur Zeit bei seinen Angehörigen in Mannheim. Malzi hält sich für unschuldig, er hegt bie feste Ueberzeugung, baß eines Tages seine Unschuld an ben Tag kommen wirb.
" Der englische Gesanbte in Darm stabt, Arthur Herbert, ist zum Gesandten in Norwegen ernannt worben.
* * Der Vorstand der Großh. E i s e n b a h n - V e r- kehrs-Jnspektion sckpreiht uns in Erwiderung auf das Einges mdt in Nr 258:
„Es trifft nicht zu, daß die beladenen Frachtwagen stundenlang warten müssen, bis sie an den Luken des Güterbodens auf hiesigem Dabnl>of abgefertigt werden. Die vorhandenen drei Tore sind für den hiesigen Verkehr vollkommen ausreichend; wer behiuptet, stundenlang warten zu müssen, möge sich für die (Volge sofort bei dem Vorsteher der Dienststelle melden. DaS dritte Tor wird nicht nur bei „ganz außerordentlich starkem" Verkehr, sondern regelmäßig nachmittags und wenn es sich sonst als notwendig erweist, geöffnet Es entspricht nicht den tatsächlichen Verhältnissen, daß nur ein Beamter zur S0t* Handlung der Frachtbriefe zwischen den Wagen vorhanden ist, sondern es sind nackpnittags regelmäßig und auch sonst nach Erfordernis zwei am Platze. Es ist nicht zutreffend, wenn behauptet wird, der Versandboden sei zu klein; wer sich Überzeugen will, möge sich zum Vorsteher der Güterabfertigung begeben, um den Versandboden zu besichtigen. Die direkte Verladung von den Annahmetoren in die bereit stehenden Wagen liegt durchaus im Interesse des Publikums, da durch das Unterlassen einer Absetzung auf dem Boden und späterer nochmaliger Aufladung auf die Schubkarren die Gefahr der Güterbeschädibung verringert und außerdem in vielen Fällen eine beschleunigte Absendung erreicht wird. Durch die direkte Verladung werden auch die Fuhnverke nicht länger aufgehalten, denn das Arbeiterpersonal wird entsprechwnd verstärkt, um die Güter sofort abrvllen zu Fomten. Daß die sorgfältigere Handhabung des Dn- n?hmegeschäftes etwas mehr Zeit erfordert, als wenn jeder Anlieferer nach Belieben größere Mengen Stückgut auf der Rampe und in den Toren absetzt, dann davon fährt und es den Eisenbahnbediensteten überläßt, die einzelnen Stücke nach den Frachtbriefen hinterher selbst herauszusuchen, liegt in der Natur der Sache; eine sorgfältige Ausführung des Annahmedienstes ist aber nicht nur ba£ Recht, sondern auch die Pflicht der Eisenbahnverwaltung.
Auf eine fernere Auseinandersetzung an dieser Stelle über, die gleichen Punkte wird verzichtet werden.
• " Baumfällen. In der Zeit de§ Baumfällens werden an den Straßen und in den Ortschaften die ReichS-Tele- graphen- und Fernfprechleitungen durch um* stürzende Bäume oder durch herabfallende Aeste häufig beschädigt, weil die Personen, denen daS Baumfällen obliegt, in der Regel die zur Sicherung der Telegraphenanlagen gegen Beschädigungen erforderlichen Vorkehrungen überhaupt mcht oder in ungenügendem Maße treffen und es unterlassen, von den bevorstehenden Arbeiten dem nächsten Postamt rechtzeitig vorher Mitteilung zu machen. Es wird deshalb, da auch fahrlässige Beschädigungen der Telegraphenanlagen im
Kleines Aeuilleton.
— Das Newarker Wetlfingen um den Raffer- -reis. Unter 304 deutschen Gedichten, welche auf Grund eines Preisausschreibens für em Preislied eingesandt wurden, das bei dein im nächsten Jahre in Newark (Nordamerika) stattfindenden Wettsingen um den im Jahre 1900 vom deutschen Kaiser gestifteten Sängerpreis aefunaen werden soll, ist das Gedicht des Lehrers Robert Schmidt in Groß-Lichtenelde bei Berlin preisgekrönt worden. Nun wird ein Preisausschreiben um eine Vertonung dieses Gedichts erlassen. Die 304 Gedichte gingen aus den verschiedensten Teilen der Welt ein. Schmidt erhielt einen Preis in Gestalt von fünfzig Dollars. Das Gedicht lautet wie folgt:
Alle Wetter, iftjnein Gretchen Doch vor allen hübsch unb fein, In der ganzen Welt gibt's keine, Die mir könnte lieber sein.
Schlank gewachsen wie 'ne Tanne, Und doch alles voll unb runb Himmelblau bie Schelmenangen Kirsckenrot der kleine Mund.
Dabei immer stink unb heiter, Sander, fleißig, brav unb gut, Weiß wohl, daß mir viele neiben Tiefes junge, frische Blut.
Doch das soll mich wenig kümmern, Grete hält zu ihrem Hans, Ihre Küsse gestern sagten's Bei ber Heimkehr mir vom Tanz.


