Ausgabe 
30.12.1905 Zweites Blatt
 
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Er. 30«

155. Jahrgang

zweites

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigebiatt für den Kreis Cietzen

ClnatS- und DolkSorganiSmuS erfüllen soll, dann muß

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Rotationsdruck und Verlag bet t*röb(*TAee Unioerniätibruderet 8L Lange, ®tefc<n.

Redaktion. Expedtlion n. Druckereidiulftr.f.

Lei. Nr. 61. Lelegr.-Adr. r Äln^cifltt Möiejjea.

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ürschetnt tRglich mit Ausnahme deS Sonntags.

®itflcßetter LamNlenblStter" werden dem yttnueiflct viermal wöchentlich beiqelegl. Ter »helfljcht £anb»Ut" erschemt monatlich einmaL

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Juc Aesorm der vtssischcu Städte- und «Fv'.nd- gtmeUidcordnunq.

Aus Darmstadt wird unS geschrieben:

Eine der wichtigsten Ausgaben, welche der neue Land- leg zu lösen haben wird, ist die öieuifton der VcrwaltungZ- |f|t 5e, namentlich dabei die Ncform der Städte- und der jondgcmeindeordnung.

Wenn die Selbstverwaltung wirklich ihre Aufgabe im

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Feinste 7 Pfg. Zigarre <1 fl Vfillr Gie«*en, g

empfiehlt V. V. V Via, GrünbercrerBtr. 4

sozialen Verhältnisse batte zur Jolge das; die Mitglieder des Ausschusses sich bereit er Härten, bi» in der ersten Woche nach Neujahr ihre 9(ultc ge zu formuli.-ren, damit den Stadt­verordneten in der ersten Sitzung deS neuen Jahres das Resultat dieser Beratung unterbreitet werden' kann. Wir hören, daß die Vertreter der Arbeiter bei der gestrigen Verhandlung des Ausschusses sich mit vielem Takt und erfreulicherweise mit vielen, Verständnis geäußert haben.

Landwirtschaftlicher VortragSkurS. Der

SchwsächEEche beim Lernen zu rückbleibende Kinder, sowie blutarme, sich me.ttfühlende nnd nervöse nberrabeitete, leicht erregbare Erwachsene jeden Alters gebrauchen als Kräftigung -Mittel mit grossem Erfolg HOMMEL's Haematogen.

De/ Appetit erwacht, die geistigen und kör- perlichen Kräfte werden ra«ch gehoben, das Ge- hanjt-Xervensystem gestärkt.

Man verInnere jedoch ausdrücklich das echte ,,Dr. Hoia- xnels Haematogen und lasse sich keine der vielen Nach­ahmungen anfreden. c 4

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vom hessischen Landwirtschastsrat vom 3.0. Januar zu veranstaltende laudwirtichastliche VortragSkurS findet in Darmstadt im Furstensaal, ober bei großer Beteiligung im Kaisersaal ebendaselbst statt. Tie Vorträge sind sämtlich vor» mittag?; nachmittags folgen besondere TiSkussionsstunden, welche bei den seitherigen Vortragskursen zu lebhafter Er» örterung über die behandelten Gegenstände geführt haben. Es sei ausdrücklich bemerkt, daß auch au her-hessische Landwirte und Interessenten tcilnchmen können. Teilnehmerkarten zu ß Mk.. gültig für die ganze Dauer deS Vortragskurses, können beim Hessischen Landwirlschaftsrat- Darmstadt, oder am Eingang an der Kaffe gelöst werden.

Der Biebertalbahnzug, der nachmittags 2 Uhr 15 Min. in Bieber abgeht, erlitt gestern am,Wmdhof* und dann nochmals in Heuchelheim dadurch bedeutende Ver- wätung. daß der Zylinder bet Lokomotive undicht geworden war. Trotzdem gelang cs, den Zug bis nach Gießen zu bringen, wenn auch mit bedeutender Verspätung.

Lollar, 30. Dez. Eine besondere Freude ist den Arbeitern und Meistern der M a i n-We s e r-H üt te hier, zu Teil geworden. Die BuderuSschen Eisenwerke in Wetzlar, mit denen die Eisenwerke Lollar wieder vereinigt sind, haben auf ihren Werken die Einrichtung getroffen, daß allen Arbeitern und Meistern, die 2 5 Ja h re und länger in ihren Diensten stehen, als Anerkennung für daS treue Festhalten an der alten Arbeitsstelle eine besondere Be­lohnung von Mk. 7 5 für den Arbeiter n. 100 M k. für den Meister gewährt wird. So finb im vergangenen Jahre auf den übrigen BetriebSstcllen der BuderuSschen Eisenwerke inSgesanit rund 11 600 Mk., für derartige Zwecke bezahlt worden. In diesem Jahre soll die betreffende Ver­günstigung auch den Arbeitern und Meistern der Main- Weser-Hütte zugcbilligt werden. Auf diese Weise kamen heute an 44 Arbeitern und Meistern rund 3400 Mk., zur Aus­zahlung.

M. Bad-Nauheim, 29. Tez. In der letzten Stadt- verordnetcnsihung genehmigte die Versammlung den Kauf der Rein Hards kirche für den Preis von 31000 Mk. .Hiermit ist die frühere lutherische Kirche, welche bisher den Katholiken mietweise überlassen war, samt dem errang. Schulhaus, das unmittelbar dahmtersteht, an die Stadt übcracgangen. Es ist beabsichtigt, die Kirche zu einem Museum einzurichten und es sind bereits verschiedene Alter ümcr darin untergebracht. Tie Vorarbeiten zu dem aus dem Miccplatz dahier geplantenSchuckhardt"- Brunnen sind bereits im Gange. Ter Entwurf ist von Geh. Baurat Prof. Hofmann aus Tarmstadt angefertigt.

R.-B. Darmstadt, 29. Dez. Der Groß Herzog und die Großherzogin sind heute nachmittag vor 3 Uhr mittelst Automobils von Schloß Lich wieder in bestem Wohl­sein hierher zurückgekehrt.

Kus Klak»! mkö Land.

Gießen, den 30. Dezember 1905.

** Des Jahres letzte Stunde . . . . Nicht lange mehr und des Jahres letzte Stunde künden feierlich die Sylvesterglocken an.Glückliches neues Jahr!" rufen sich die Menschen zu, die den Eintritt vom alten zum neuen Jahre bei fröhlichem Gle.serklinaen verbringen. Viele aber auch lauschen lange dem ernsten Gleckentone. der so mächtig durch die Stille der Nacht bellt, und fragen: was wird unS das neue Jahr bescheren? Jauchzend begräbt der größte Teil der Menschheit das alte Jahr, als ob mit- seinem Ende all die Sorgen, die sie bedrückt hatten, begraben seien. Sie feiern Sylvester als das Fest der Liebe und Hoffnung. Es gibt aber auch viele, die mit tiefem Weh das neue Jahr dem Zeitenschoße entsteigen sehen. Wird es nicht ebenso viel Kuinmer bringen wie oas vergangene? fragen sie sich. Niemand kann sagen, was die Zukunft bringen wird. Aber das ist nicht die rechte Stimmung zum Empfange des neuen Jahres. Hofsnungssreudig sollen wir es begrüßen. Ruft uns doch der Glocken eherner Mund die frohe Botschaft zu: ein neues Jahr, freuet euch! Ja, freuet euch! Wer mit Gram im Herzen von dem alten Jahre Älbschied genommen hat, der möge heiteren Gemütes das neue willkommen heißen, möge hoffend auf eine bessere Zeit der Zukunft entgeaensehen. So wie der Frühling dem Winter folgt, so kommt auch nach schwerem Leid wabrc Herzensfreude. Viele ruhen unter grünem Rasen, um die wir klagen, aber neues Leben bringt die Zeit und aus der Gräber' dunkler Nacht keimen Frühlingstriebe der Sonne zu. Ter Meihnacbtsbaum leiht in vielen Familien am Sylvcsterabend zum letzten Male den milden Schein seiner Kerzen, und fröhliche Lieder erklingen. So soll cs sein! Das ist die rechte Sylvesterstimmung. Dir aber, lieber Leser, wünschen wir, daß dir das neue Jahr nur fröhliche Tage bringen möge und rufen dir laut als unseren Wunsch zu: Ein fröhliches neues Jahr!

** Städtischer Arbeiter-Ausschuß. Ter Aus­schuß der städtischen Arbeiter der aus 10 gewählten Ver­tretern aller städtischen Betriebe besteht, war gestern das erstemal versammelt. Oberbürgermcisber Mecum be­grüßte die Mitglieder des Ausschusses und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Einrichtung zum Wohle der im städtischen Dienste beschäftigten Arbeiter sowohl, wie im Interesse der städtischen Verwaltung sich bewähren möge. Er bemerkte, daß er als Vertreter der Stadt im Ausschuß nur eine be­ratende Stimme habe und daher bei der Wahl des Vorsitzen­den und Stellvertreters, um selbst den Schein der Beein­flussung zu vermeiden, den Beratungsraum verlassen werde. In Abwesenheit des Oberbürgermeisters wurde darauf der Zimmermann Christian Staffel zum Vorsitzenden und der Baumwärter Karl Nocke zum Stellvertreter gewählt. Auf der Tagesordnung stand zur Beratung Teuerungs­zulage für die städtischen Arbeiter und Verschiedenes. Eine gründliche Aussprache des Oberbürgermeisters mit den Mitgliedern des Ausschusses über die Verhältnisse der im

km sozialem Geiste getragen sein, bann müssen alle die L4 ranken verfchwinben, die bas Einbringen sozialen Denkens Mbern, besten Betätigung hemmen. Hier nimmt zweifellos lit Jrage bes GemeindcwahlrechtS die erste Stelle ein.

In ihren Vorlagen einer neuen Stabte- und Land- jemt inbcoibmuig hat bic Negierung bezüglich dc? Waht- trlhtS, wie auch dec Wählbarkeit an den bisherigen iWt mmimaen nichts geänbert. Es muß also, nach wie vor, ,bie lfte der Stadtverordneten (bezw. Gemcindc- rötc) aus dein höchstbesteuerten Drittcil der Wählbare.' ßkmahlt werden" und auch hinsichtlich der Stiminsähigkeil [leibt der Artikel unverändert, der vorschreibt:

Stimmfähig sind 1. alle in der Gemeinde ivofinrnbcn Orl?- ir.tnft, 2. alle männlichen Einwohner, welche die deuische Reichs» cnpdhorlflfctt besitzen mb welche seit zwei Jahren Ihren Unter- Mr naS'vohUütz in dec Gemeinde erworben haben, jedoch unter btr OorauSjetzmig, das; sie zur Zeit der Wahl 25 Jahre alt und icnt 1. Avril des dem Rechnungsjahr, in welchem die Wahl stall- vorhergehenden Jahres an in der Gemeinde gelneindesteuer- Mchlig finb."

Tie'e Vorschrift mürbe von der Zweiten Kammer un gähre 1873 einstimmig abgelelmt. Daß sie dennoch Gesetz irucmc, .verdanken" wir unserer Ersten Kammer. Ein jeder gm'ni§ beim Wahlrecht ift die unversiegbare Quelle von Un- jufriffbenßeit und staatsfeindlichen Tendenzen. Der Zensus jdjoFt künstlich Staatsbürger zweiter und dritter klaffe und bringt so den Minderbegüterten zum Bewußtsein, daß ihnen bae Schicksal nicht nur den harten Alltagskampf mit vielen knit ehrungen beschert hat, sondern daß sie auch die Gleich- bmMigung, die Gleichheit der staatsbürgerlichen Sltchte entbehren sollen, in einer Zeit, wo bic Erfüllung jtinffi staatsbürgerlichen Pflichten von bem Geringsten feilens bc6 Staats gefordert wird. Nichts zerstört so sehr big Gefühl der StaatSzugehörigkeit, daS Jntereffe für die Lkxuntheil aller Staatsbürger, nichts fördert mehr destruktive !st>,lenzen, die neuerdings wieder in der Sozialdemokratie bis große Wort führen, wie der ZenfllS, die gesetzlich stipn- h.-rir Proklamation deS Staates an einen Teil seiner An. slkböirigen: Ihr seid nicht gleichberechtigt, jenen anderen ge- bübxtt ein höheres Maß an Rechten, denn sie besitzen viel mb Ihr wenig ober gar nichts.

Saturn ist auch das Argument, mit dem die Anhänger be5 -Zensus diesen vornehmlich zu rechtfertigen suchen, daß t? niämlidj der Staatszweck lhier Gemeindezweck) erfordert, ilenuente von der DerwartuuMörperschaft fern;uhalten, die innl blich kein Interesse am Gcmcindevcrmögen haben Vn^en, u. E. unhaltbar. Mit dem Wachsen unseres ge- kmttm VZirtschastsorganismus lind auch Aufgaben und sichten der Kommunen gewachsen. Sie zu losen und zu .MNen in einigermaßen zufriedensteNender Weise bebingt te Gedeihen deS Staatsgauzcn. Nnd dabei kann nicht auf lie volle Mitwirkung derer verzichtet werden, welche zwar ttimberbesitzend, aber nicht minoerinteressiert an der Ent- htfluna des Gemeinwesens sind. Daß die Intelligenz ern <liribut des Besitzes sei, wird nicht behauptet. Um)o rtch- Kicr ist cs aber, daß gerade die weniger Begüterten, den jgiilk ressen L.er Gcsmntheit in Staat und Gemeinde eine 'ticfi.erc Aufmerksamkeit schenken, als bisher. Tre ^sorgutife !Wer Vergeudung von Gemeindebesitztum, einer Wirtschaft Itu5 dem Bollen und was dergleicheit mehr sind, die von K Anhängern des Zensus vorgcbracht werden, vermch, HAom der .Hinweis auf daS Staatsauffichts-. und Einspruchs- zu beseitigen. Tagegen ist die Gesahr einer ^tagnatuon -r der gemeindlichen Entwicklung bei einer mit W des LAjus geschaffenen Gemeindevertretung afut.

Ebenso unangebracht scheint die geltende und ttweder itnoefckilaacne Forderung einer vieriahrrgen Ansaf^greit trabte Wahlberechtigung. Ter Regicrungscntwurs zu dcm st-letz vom Jahre 18,3 enthielt nur den Vorbehaltwelche

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von einem Gemcindctväbler erwarten, baß er die Eigen­art der Stadt oder des Ort-^s kennt. Darum erscheint cs wohl angebracht, das Mittel eines mindestens ein fahrigen Wohnsitzes zu verlmigen. Tas genügt in vielen Fällen gewiß, um die Stabilität der gemeinolichcn Cutwicklung gegenüber den fluktuier, ndeu C le men len von Wanderarbei­tern usw., die die Wahlen im Interesse einer bestimmten Partei beeinflussen könnten, sicher',ustellen. Und anderer­seits trägt das Kautel des einsäyriaen Wohnsitzes nicht da? Odium, daS Die Forderung der vi 'rjährigen Ansässig­keit mit dcm Zensus gemein hat, den Vorwurf der absicht­lichen Zurücksetzung minberbegüterter zugunsten der Bcsser- situierten. e

Möge darum auch die zweite Kammer bei der Beratung der Gesetze, namentlich der Fragen der Wahlfäbigkcit und Wählbarkeit in den Gemeinden such dessen bewußt sein, daß das Wohl der Allgemein Herr dauerrid nur gefördert werden kann, wenn jeder Einzelne die Möglichkeit und das Recht hat, darüber mit zu entscheiden.

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feit zwei Jahren ibren Wohnsitz in der Gemeinde haben". städtischen Dienst befind'.i<i\'n Arbeiter,^ deren ^1^1-^11110 Tie Aammermehrheit änderte dies aber inwelche seit zwei ' ' ' ...... K~r*

Jahren ihren Unter st ünungs wvl)nsitz in der Gemeinde haben", verlängerte also baw f die riarrenzzeit auf vier Jahre. Nun mag zuss>geben to'iDcn, daß es nicht angängig ist, das Reich s tags wah .recht rrin schematisch aus die Gemeiudewahlen zu übertragen Tenn man darf und muß

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