Ausgabe 
4.9.1905 Zweites Blatt
 
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die fremden Staatsangehörigen in Sicherheit leben können. Spanien werde, falls erforderlich, wirksam dabei Mitwirken, die Ausführung der Reformen, die die Marokko-Konferenz beschließen werde, sicherzustellen.

Der Zwischenfall, der zwischen Frankreich und dem Maghzen wegen der Gefangennahme des französi­schen Algeriers Du Mzian entstanden ist, kann aber ans die Lösung des Marokko-Problems störenden Einfluß aus» üben. Der Sultan hat den Inhaftierten zwar dem französ. Gesandten übergeben lassen. Trotzdem erhielt der französ. Gesandte Taillcmdiev den Befehl, mit dem ganzen Gesandt­schaftspersonal nach einer ganz kurz bemessenen Frist Fez zu verlassen, wenn der Maghzen den französischen Forder­ungen nicht nachgibt, welche auf Entschuldigung, Entschädig­ung und Bestrafung des Kaid lauten, dev Bu Mzian ver­haftete. DaS bei der Uebergabe Bu Mzians rm die frmnös. Gesandtschaft überreichte Schreiben des Maghzen hat näm­lich den Inhalt, daß Marokko den ftanzösischen Anspruch auf die Gerichtsbarkeit über die in Marollo ansässigen Algerier bestreite und erkläre, die Freilassung des Ge­fangenen sei nur als ein Akt der Höflichkeit gegen eine befreundete Nation aufzufassen, angesichts der Wichtigkeit, den diese dieser Freilassung beilegte; dieses Prinzip solle schließlich auch der Konferenz zur Besprechung vorgelegt werden. Die franz. Regierung sandte darauf ihrem Ge­sandten Taillandier die Weisung, nach den bereits früher erteilten Instruktionen zu handeln, wonach die Freilassung Bu Mzians als eine völlig ungenügende Genug­tuung anzusehen sei; sie erteilte ihm den Auftrag, über die weiteren Vorgänge Bericht zu erstatten. Taillandier stellte darauf der marokkanischen Regierung ein Ulti­matum zu, in welchem er völlige Genugtuung innerhalb der angegebenen Zeit verlangte. Es' ist nun sehr zu hoffen, daß der Sultan dieses Ultimatum unverzüglich erfüllen wird, und es wäre unklug, wenn Frankreich schroff behandelt wurde. '________________________________________________

Englische Hsiseetage.

Danzig, 2. Sept. Auf heute nachmittag hatten bn Stadt Danzig und die hiesige Kaufmannschaft etwa 300 eng­lische Mannschaften zu einer Begrüßungsfeierlich, fett auf der Westerplatte geladen. Bürgermeister Trampe begrüßte die Teilnehmer mit einer Ansprache, in der er auf die Jahrhunderte alten fteundschaftlichen Beziehungen Danzigs zu England und dem englischen Volke himvieS. Das Meer, das zwischen den Engländern und den Danzigern liege, bffde ein Bindeglied zwischen ihnen. Danziger und englische Schiffe besuchten in regem Güteraustausche die beiderseitigen Häfen und Danziger Bürger würden alljährlich durch ihre Handels­geschäfte nach England geführt, wo sie sich der Gastfremrd- schaft deS englischen Volkes erfreuten. Sie knüpften dort nicht allein neue Handelsverbindungen an, sondern auch persönlich« Beziehungen, welche dann von hüben und drüben weiter ge­sponnen und gepflegt wurden. Nachdem die Ansprache deS Bürgermeisters in englischer Sprache wiederholt worden war, forderte der Bürgermeister die Vertreter der Danziger Bürger­schaft auf, auf die britische Flotte und deren Vertreter eiv Hipp! Hipp! Hurrah! auszubringen.

Kapitän Anson vom KreuzerDidon wieS darauf hin» daß die englischen Seeleute über den Empfang um so mehr erfreut seien, als sie vorher in engl. Zeitungen gelesen hätten, daß sie in Deutschland nicht freundlich aus­genommen werden würden.Wir wollen unseren Freunden in England schreiben/ so fuhr der Kapitän Anson fort, »und ihnen erzählen, welch herzliche Begrüßung wir ge­funden haben, zunächst in Swinemünde und jetzt wieder in Danzig. Wir treffen deutsche Bürger und deutsche Matrosen in allen Teilen der Welt. Wir sind immer gute Freunde und dies wollen wir sein als Vertreter jener beiden großen Nationen, die denVorrang haben in Zivilisation und Handel. Wir waren tief gerührt durch den freund­lichen Gedanken des Kaisers, eine deutsche Flotte nach Swine­münde zu senden, um uns dort zu begrüßen, und ich ver­sichere Ihnen, daß wir einander mit Enthusiasmus begrüßt haben. Wir wollen hoffen, daß dieser Besuch der britischen Flotte in deutschen Häfen recht oft wiederholt werden und daß die deutsche Flotte recht oft zu uns kommen möge, und daß wir auch verstehen werden, sie freundlich willkommen zu heißen, wenn sie nach England kommt. In das Hoch auf den Bürgermeister und die Bürger von Danzig, mit dem der Kapitän seine Ansprache schloß, stimmten die englischen See- soldaten lebhaft ein.

Nach der Aufhebung der Tafel entwickelte sich im Garten während des Konzertes eiu lebhaftes Treiben. Die Stimm­ung der Mannschaften war äußerst animiert und erreichte ihren Höhepunkt, als die deutsche und die englische National­hymne gespielt wurden. Erst in später Abendstunde erreichte das Fest sein Ende.

In Zopp o t veranstaltete heute nachmittag der Danziger Ballspiel- und Eislaufoerein ein Wettspielen, an dem sich die Mannschaften der englischen Flotte beteiligten. In Wettlaufen und Springen siegten die deutschen Mannschaften, im Fußballspiel zeigten sich die Engländer überlegen.

Der kommandierende General des 17. Armeekorps, von Braunschweig, gab heute abend ein Esten zu 32 Gedecken, an dem Prinz Albrecht von Preußen mit Gefolge teilnahm. Von den Offizieren des englischen Kanalgeschwaders nahmen an dem Esten teil Admiral Wilson, Vizeadmiral Moore und Kontreadmiral Poore.

Flensburg, 2. Sept. Der Chef der hier einge­troffenen englischen Torpedobo otsflottille, Admiral Winsloe, stattete heute dem Oberbürgermeister Todsen einen offiziellen Besuch ab, den der Bürgermeister nachmittags an Bord des KreuzersSapphire* erwiderte. Der Oberbürger­meister überbrachte dabei eine Einladung der Stadt Flens­burg an das Offizierkorps der englischen Flottille zu einem

Montag 4. September 1905

Nr. 207

Zweites Matt

155. Jahrgang

Gießener Anzeiger

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Gemkal-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen

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Komische Wochenschau.

Gießen, 4. Sept. 1905.

Das große Ereignis der vergangenen Woche war der Abschluß des Friedens zwischen den Japanern und Russen in Portsmouth. In der Nacht vom 1. zum 2. September ist der letzte Punkt des Friedensvertrages erledigt worden. Er bestimmt, daß beide Teile Sacha­lin nicht befe st igen dürfen. Wie berichtet wird, trat hinsichtlich der Frage der Befestigung von Sachalin eine vorübergehende Stockung in den Verhandlungen ein. Die Japaner waren der Ansicht, daß die Verpflichtung, diese Insel nicht zu befestigen, eine gegenseitige Verpflichtung beider Mächte sei, während Rußland in dem Glauben war, daß diese Abmachung allein für Japan gelte. Baron Komura machte am 1. d. M. Witte einen Besuch und verhandelte mit ihm eine halbe Stunde. Es heißt, daß außer anderen streitigen Punkten auch die Befestigung von Sachalin zur Besprechung gelangte und vollkommene Uebereinstimmung erzielt worden sei.

So ist denn der ostasiatische Krieg, der anderthalb Jähre gedauert und ungebeure Opfer an Leben und Gut gekostet hat, damit abgeschlossen. Japan übte einen Akt der Selbstüberwindung und Staatsklugheit aus, als es von der Forderung einer Kriegsentschädigung Mstand nahm u,nd sich auf die Eroberung von Südsachalin beschränkte. Korea ist unter japanisches Protektorat gestellt. Port Arthur und die Liaotung-Halbinsel wie die Südmandschurei sind der russischen Einflußsphäre entzogen und China wird von Japan seine Instruktoren und Reformatoren erhalten. Japan ist nun die Vormacht in Ostasien, die Macht, mit der alle übrigen Mächte rechnen müssen. Der Mikado treibt eben eine Politik, die seinem gesamten Volke zum Wohle gereicht. Er opfert sein Volk nicht, um einem Siegesphantom nach­zujagen. Rußland aber hat einem Phantom das Volk ge­opfert, und hätte weiter das Volk geopfert, um eines ver­hältnismäßig unbedeutenden Zieles willen. Das ist der Unterschied. 'Der Mikado steht da als' der größere, der die Situation erkennt und sich selbst beherrscht. Der weitere Krieg wäre für Japan eine Torheit gewesen, sowie er stets für Rußland eine Torheit war. Unverkennbares Verdienst um das Zustandekommen des Friedens hat sich der schlaue und auf die Vorteile des eigenen Landes sehr wohl bedachte Präsident Roosevelt erworben, auf dessen Initiative die Russen und Japaner in Portsmouth zusammen gekommen sind. Wittes großes Verdienst ist, Rußland durch seine Festigkeit eine Demütigung erspart zu haben. Daß auch der deutsche Kaiser stets auf den Friedensschluß hin­gewirkt hat, hat Präsident Roosevelt in dankenswerter Offenheit in seinem Telegramm an Kaiser Wilhelm be­kannt gegeben. Mögen die Vereinigten Staaten und Deutsch­land sich weiterhin bei der Förderung des Welt-Friedens zu finden wissen.

Das wichtigste Ereignis nach dem Friedensschluß ist das Bekanntwerden des neu en englisch-japanischen Vertrages vom 12. August. Japan und England gewähr­leisten sich darin gegenseitig ihren Besitzstand in Asien. Man darf annehmen, daß der Vertrag keinen aggressiven Charakter hat. Die Londoner ZeitungDaily Mail" glaubt an ein Aufgeben Weihaiweis. Die Di­plomaten, so meldet dasselbe Blatt, fragten sich auch, wie lange Deutschland Kiautschou behalten wolle. Der Beschluß der deutschen Re­gierung, neue Geldsummen an* Kiautschou zu verwenden, führe zu der Frage, was Japan und China zu dieser Ab­sicht sagen würden, eine Drohung, die niemals geschaffen werden durfte, zu einer dauernden zu gestalten!!

: Das bedenklichste Vorkommnis unserer Tage ist das Auf­treten der Cholera in den östlichen Provinzen Preußens und in Hamburg. Bis zum 2. September mittags waren nach einer Meldung desReichsanz." in Preußen insgesamt 43 Erkrankungen und 17 Todesfälle an Cholera gemeldet. Zu den in dem Stromgebiet der Weichsel, der Brahe, des Bromberger Kanals und der Netze errichteten 16 Ueberwachungsstellen sind hinzugekommen je eine in Filehne und Zantoch an der Netze, in Landsberg an der Warthe, in Küstrin, Glützen an der Oder, Oderberg am Finowkanal und Köpenik an der Spree. Bei den Ueberwach- ungsstellen sind bis jetzt 8 Sanitätsoffiziere, 2 Marine- sanitätsofsiziere, 12 Kreisassistenzärzte und im übrigen prakt. Aerzte tätig. Und immer neue Meldungen von Choleraerkrankungen und Todesfällen treten hinzu. So wurde bei einem in Neuenburg in Westpr. verstorbenen russischen Flößer asiatische Cholera festgestellt, ebenso bei einer in Kulm erkrankten Frati, bei einem in Kulm er­krankten .Kinde und bei einem verstorbenen russischen Flößer. Neu erkrankt sind zwei Flößer bei Jagowshöhe. Erst ejtzt wird bekannt, daß der am 28. August in Thorn verstorbene Ortsarme Laskowski ebenfalls der asiatischen Cholera er­legen ist. Ferner ist ein choleraverdächtiger Fall im Brom­berger Vorort Schlensenau voraekommen. Ebenso erscheint die Cholera im galizischen Weichs-lgebiet. Dort hat man freilich bisher nur 5 Erkrankungen festgestellt. Das mittlere, also polnische Weichselgebiet ist dagegen seltsamerweise von Cholera gänzlich frei.

Die hohen Fleisch preise haben die Gießener a st w i r t e ztt einer Erhöhung der Fleischspeisenpreise ver­anlaßt. Der Magistrat von Frankfurt a. M. aber hat, an die größeren Ptädte der preußischen Monarchie die Frage gerichtet, ob sie geneigt seien, eine gemeinsame Aktiv nzurLin de rungder Fleisch Verteuerung ins Werk zu setzen. Magdeburg hat dieser Anregung seine Mitwirkung bereits zugesagt. Es wäre erlvünscht, daß nicht nur die preußischen, sondern alle de utschen Städte sich zu einem gemeinschaftlichen Vorgehen entschließen würden. Fürst Bülow hat als preuß. Ministerpräsident lbisher alle Petenten in Sachen der Fleischnot an den preußischen Landwirtschaftsminister als den zuständigen Messortminister verwiesen; da aber auch an den Bundesrat Mnd an den Reichskanzler petitioniert worden ist, so wird *r doch wohl demnächst aus seiner Reserve heraustreten müssen. Auf eine Wandlung scheinen rechts gerichtete Preß- ^rimnten, wie die derP o st" und desR e i ch s b o t e n", -vorzubereiten, die mit dem hartnäckigen Wider stände tLes. Ressortministers in keiner Weise einver­

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standen sind. Da sich unter den Petenten auch der Berg- und Hüttenmännische Verein in Oberschlesien beftndet, der sich hohen Ansehens in Berliner Regierungskreisen erfreut, also führende Kreise der Industrie mit der Arbeiterschaft gegen die Fleischverteuerung vorgehen, ist ein schließlicher Er­folg nicht ausgeschlossen. Die Stadtverordnetenversammlung von Offenbach hatte sich für eine Aufhebung der städtischen Fleischsteuer ausgesprochen. Dieser Be­schluß wurde von rer hessischen Regierung nicht ge­nehmigt, obwohl die Aufhebung dieser Steuer reichs­gesetzlich doch spätestens im Jahre 1910 zu erfolgen hat.

Ein ?lkt von weittragenoer Bedeutung für den 'Ausbau der deutschen Flotte wär der Beschluß des Stettiner Vulkan", auf Hamburger Erbiet eine Filiale an der Nordsee zu errichten, um in Zukunft imstande zu sein, Kriegsschiffe von 28 000 Tonnen bauen und vom Stapel lassen zu können. Die Ansicht ist nicht unberechtigt, daß in den maßgebenden Marinekreisen wieder eine Aenderung in den Meinungen zutage getreten ist. Noch im Anfang dieses Jahres wurde erklärt, daß die kommenden Neubau- forberungen sich auf Panzerkreuzer beziehen würden. Jetzt scheint man sich mit der Älbsicht zu tragen, gr o ß e Linien­schiffe Herstellen zu wollen und das Tempo für die Her­stellung der geforderten Schisse möglichst zu beschleunigen. Ob damit die R eich s f in a n z en, die trotz der kleinen lex Stengel im Jahre 1904 eine Unterbilanz von 8 Millionen hatten, in Einklang zu bringen sind? Man sollte doch viel­leicht besser mit größeren Neuforderungen so lange warten, bis die Reichsfinanzen aus dem ichincn Uebergangsstadium, in dem sie sich infolge der nächstes Jahr eintretenden Zoll­erhöhungen befinden, heranskommen und sich die Mehr­einnahmen definitiv übersehen lassen.

Die mehrfach als Demonstration gegen Deutschland charakterisierte Entsendung des englischen Kanal-Ge­schwaders nach der Ostsee hat während des Besuchs ein anderes Gepräge angenommen und ist zum Anlaß einer höflichen und freundlichen Begrüßung- zu einem Akt der Versöhnung geworden. Die Engländer haben bei der Aus­führung ihres Besuchs Takt an den Tag gelegt Für alle, denen ein vernünftiges und ruhiges Nebeneinanderleben mit England nicht nur als politische und wirtschaftliche Not­wendigkeit, sondern auch aus Gründen der Kulturentwick­lung als erforderlich erscheint, haben die Tage von Swine­münde, Danzig und Flensburg, von denen heute nochan anderer Stelle die Rede ist, etwas Erfteuliches. Das Gezänk der Presse von drüben und hüben verliert mit der Zeit seinen Reiz; es ist eine dankbarere und größere Aufgabe, Mißverständnisse Hinwegzuräumen, als sie zu verschärfen.

Mährend das englische Geschwader in Swinemünde weilte, vvltzog die deutsche Kaiserin im Beisein des Kaisers den Taufakt an dem größten deutschen Handelsdampfer, derAuguste Viktoria von der Hamburg-Amerika-Linie. Dieser Akt führte der Welt in ein­dringlicher Weise vor Augen, daß das Deuffche Reich' nicht allein eine Seekriegsmacht sein will, sondern in erster Linie eine Seehandclsmacht, und daß die Kriegsflotte auch den Zweck haben soll, dem deutschen Handel hilfteiche Hand zu bieten. Auch in England siebt man es mehr und mehr ein, daß ein Voll, welches solche Handelsdampfer sein emen nennt, eine Schutzwaffe haben muß, um seine See- interessen wahren zu können. Von dieser Politik, die jedes gerecht empfindenden Mannes Billigung finden muß und die auch in England verstanden werden wird, wird das Deutsche Reich niemals abgehen.

In Südwestafrika wurde ein allgemeines großes Kesseltreiben gegen die vermeintliche Stellung von Hendrik Mitboi offiziell angekündigt. Ob General v. Trotha noch vor seiner Heimkehr den großen endgiftigen Schlag aus­führen kann, steht indes dahin, obwohl es die deutschen Truppen an Rührigkeit und Tatkraft nicht fehlen lassen. Jeder Tag beinahe bringt aber die Kunde von neuen be­klagenswerten Opfern infolge von fruchtlosen Kämpfen oder Krankheiten.

In Ungarn ist's immer noch das alte Lied', das alte Leid. Der Ministerpräsident Fejervary fühlt sich vollständig als Herr der Situation. Von ihm sind nach seinen eigenen Aeußerungen weitere Schritte nicht zu erwarten. Die Koa­lition aber ist erschrocken über die ernsthafte Ankündigung des allgemeinen Wahlrechts und will offenbar ver­hindern, daß diese Reform von einer ihr feindlichen Re­gierung gegen sie vollzogen werde. Die bemüht sich, zur Regierung zu gelangen, um selber eine für sie ungefährliche Erweiterung des Wahlrechts vorzunehmen. Ueber das Re­sultat der letzten Audienz des Barons Fejervary beim Kaiser ist indes Positives nicht bekannt geworden. Der Kaiser behielt sich in einzelnen Punkten die en b giftige Ent­scheidung vor, hat jedoch den Vorschlägen der Regierung bezüglich des Vorgehens bet weiterem Widerstände der Koalition, insbesondere bezüglich der Maßregelung der Stä d tev erw altun gen zugestimmt Der Monarch hat Fejervarn beauftragt, die Durchführung der bisher gemachten militärischen Reformen vorzunehmen. Uebrigens vertritt, wie behauptet wird, Kaiser Franz Josef die Ansicht, daß der Friede von Portsmouth nicht ohne Einfluß auf die ungarische Krise bleiben werde.Was zwischen Japan und Rußland möglich war, wird", so soll er geäußert haben,doch hier nichtunmöglich fein. Die ungarische Koalition kann sich an Japan ein Beispiel nehmen und sehen, daß eine der schönsten Eigen­schaften des Menschen Mäßigung heißt."

Die deutsch-französische Auseinandersetzung über die Marokko-Konferenz hat zu einer nahezu einhelligen Auffassung des Marokko-Problems in Berlin und Paris geführt. Frankreich nnb Deutschland werden danach der Marokko-Konferenz ein in den wesentlichsten Punkten gemein­sames Programm unterbreiten. Nur wenige Differenzpunkte dürfte die Konferenz selbst entscheiden, die mit diesem jetzt festgestellten Einvernehmen einen großen Teil ihrer Be­deutung verliert. Der spanische Ministerpräsident Montero Rios erklärte jüngst bei einem Interview, er bedauere, daß bezüglich der Festsetzung des Programms der Marokko- Konferenz eine Verzögerung eingetreten ist. Der Ort, wo die Konferenz zusammentrete, sei noch nicht festgestellt. Es sei wahrhaft dringlich, daß in Marokko friedliche Zustände herbeigeführt werden, daß dort Zivilisation herrsche und

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