Ausgabe 
4.8.1905 Erstes Blatt
 
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W®. 181 Erstes Blatt.

155. Jahrgang

Freitags. August 1905

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

»»utstrab« T.

Ldresje für Depeschen: Anzeiger Gictzew.

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V-rantwo^ii'ch fift den poltt und TJittit» TeU- P. Wtttko: für »Stadt und fianb* und .GerichtSkaal': August Goetz; für den An­zeigenteil: HanS Beck-

richtet werden; die Sache scheiterte an der Konkurrenz des! Zirkus, der auf Jahrzehnte hinaus das Vergnugnngsbedürf- nis des Publikums befriedigen wird. Man muh auch mit bet Psychologie des hiesigen Publikums rechnen; dieses ist keines­wegs so theatereifrig als es immer hingestellt wird, und toemt es sich um Theatergründungen handelt, dann muß die Großstadt--' entwickelung Frankfurts berücksichtigt UTtb müssen theaterfremdei Massen durch Vorstadtbühnen erst erobert werden.

Das Harzer Bergtheater.

Im Juli konnte das Harzer Bergtheater bei Thale (Harz> auf ein dreijähriges Bestehen zurückblicken. Angeregt durch Dr. Wachler, dem Chefredakteur der amtlichenWeimarschen Ztg.",, lvurde es schnell begonnen, so daß es in der Hauptsaison schon, voll im Gange war. Es wird dem Zuschauer in dem Theater ein herrlicher Ausblick auf die Berge und Ortschaften in der Umgebung eröffnet. Es wirken an dem Theater sehr gute Kräfte mit ^Mitglieder des Hostheaters zu Weimar). Die Preise für die Plätze betragen Vs, L 2 und 3 Mark, außerdem finden, um auch dem Volke den Besuch der Vorstellungen zu ermMicben, Volksvorstellungen statt. Ebenso erhalten Schulen und Vereine bei gemeinschaftlichem Besuch Eintrittskarten zu ermäßigten^ Preisen. Leider besitzt aber dieses Natur-Theater bisher ver­hältnismäßig wenige Stücke, die sich zu einer Aufführung im Freien eignen. Das liegt daran, daß eine Bühnenveränderung ausgeschlossen und man deswegen wieder auf die Einheit des Ortes ang^viesen ist. Immerhin kann man die Bemerkung machen, daß auch dieser Mangel Verbesserungen erfahren hat. Der Spielplan des Harzer Bergtheaters hat sich schon ganz gut entwickelt. 1903 hatte das Theater anfangs nur ein Stück (Dr. WachlersWalvnrgis"h dem dann gegen Ende der Spiel­zeit noch ein zweites hinzugefügt wurde. 1904 war der Plan um etliche nennenswerte Stücke vermehrt, z. B.Spielmanns Kirmes" von Elster,Herzog Heinrich pni Finken Herd" von! Herwig,Wallenstein" und die Rütliszene ausWilhelm Tell" von Schiller und derSommernachtstraum" von Shakespeare. Besonders die beiden lekta-'nanuten Stücke waren einzig in ihrer Darstellung, und nie dürften sie auf einer geschlossenen Bühne so wirkungsvoll aufgeführt werden können. Diese Stücke sind auch in den diesjährigen Spielplan mit ausgenommen. Als neu sind hinzugekommen:Die Laune des Verliebten" bort Goethe,Die Nachbarn" von Jmmermann,Münchhausens Lie­besabenteuer"^ von Ernst Böttger,Siegfrieds Tod" von A. Sturm,Wieland der Schmied" von Fritz Lienhard, ferner Heinrich der Löwe",Regenhart" undJohanniszauber". Am letzten Dienstag war endlich dem neuen TrauerspielMit­sommer"" von Dr. , Wachler, das die Baldursage behandelt, ein starker Erfolg beschieden.

Die Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

WettpolitiK im englischen Unterhause.

* Am Donnerstag debattierte man im englischen Unter - hause wieder einmal viele Stunden lang über die Weltpolitik. Rach langen Reden mehrerer Herren nahm der Unterstaats­sekretär des Aeußern Percy namens der Regierung das Wort, um zunächst den sehr freundlichen Ton sämtlicher Redner gegenüber der engl. Regierung anzuerkennen. Dies sei ein deutlicher Beweis der Geschicklichkeit be§, Staats­sekretärs Lansdowne in der Leitung der auswärtigen An­gelegenheiten, und ein ebenso guter Beweis gegenüber dem Auslände für die Tatsache, daß die Kontinuität in der äußeren Politik nicht so gewohnheitsmäßig in England fehle, wie man es in einigen Ländern zu denken scheine. (Beifall.) Er habe mit Befriedigung Kennt­nis genommen von den von den Rednern der Opposition abgegebenen Erklärungen, daß keine Meinungsverschieden­heit unter den Mitgliedern der Opposition herrsche hin­sichtlich der Ansicht, daß cs wünschenswert sei, das Bünd­nis mit Japan zu erneuern. Von der allgemeinen Lage in Europa glaube ich, daß sie keinen besonderen Anlaß zu Befürchtungen gibt, ich meine sogar, daß gegenwärtig viel weniger Grund zur Besorgnis vor­liegen würde, wenn eine solche nicht schon vorhanden wäre für den ganz unnötigen Scharfsinn von Menschen ohne Verantwortung, die beständig England macchiavellistische Motive beimesicn, an welchen es aber vollständig unschuldig ist, und die stets meinen, England könne kein Neberein- kommen mit einer Macht treffen, ohne gleichzeitig etwas Feindseliges gegen ein anderes Land zu beabsichtigen. Earl of Percy verbreit..' sich sodann in einer längeren Rede

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß baS 2. Großh. Hess. Infanterie-RegimentKaiser Wilhelm" Nr. 116 am Freitag, den 11. August, im Gelände west­lich Groß-Rechtenbach ein Schießen mit scharfer Munition abhält. Die Schußrichtung läuft von Ziegelei Groß- Rechtenbach gegen Hohe Birken, Stoppelberg. An dem ge­nannten Tage darf von 6.30 Vorm. bis 11.30 mittags das Gelände innerhalb folgender Wege nicht betreten werden, da dasselbe gefährdet ist: Groß-Rechtenbach, Büblinghausen, Stoppelberg, Kirschenwäldchen, Nauborn, Reiskirchen, Volperts­hausen, Weidenhausen, Groß-Rechtenbach.

Das vorbezeichnete gefährdete Gelände und die in das­selbe führenden Wege werden für die Dauer des Schießens durch Posten abgesperrt. Die Straßen WetzlarGroß- Rechtenbach, WetzlarNaubornReiskirchenVolpertshausen WeidenhausenGroß-Rechtenbach sind für den Verkehr frei, dagegen ist die Kreisstratze WetzlarStoppelbergWeiden­hausen gänzlich für den Verkehr gesperrt.

Es wird noch darauf hingewiesen, daß sich am 11. August (n dem gefährdeten Gelände keine Holzarbeiter, Holzsammler, Forstleute, Beerensucher und Kinder aufhalten dürfen.

Gießen, den 2. August 1905.

Großherzogliches Krcisamt Gießen.

I. V.: Dr. Kranzbühler.

S X Stelle des alten Schauswelhauses sollte ein elegantes aus Jagd-1 großstädtisches Varietee- und Vaudevilletheater er-

ßine neue Hlörich-Susstellung.

Darmstadt, 3. Aug.

Seit der Neuordnung der Dinge auf der Künstlerkolonie nach 6er Ausstellung vom Jahre 1901 hat sich keine der darin tätigen Kräfte als so vielseitig und so fruchtbar eüviesen, tote Pros. Olbri ch. Während er noch mit den Plänen und Ausführilngs- arbeiten für die bekannte Dreihäusergruppe im vorigen ^>ahr be­schäftigt war, hatte er auch in überreichem Maße Mit der Welt­ausstellung in St. Louis zu tun, auf welcher Ofbrich-Haus glänzende Triumphe feierte, und daneben fand bur Künstler auch noch Zeit zur Ausführung einer ganzer Reihe anderer KUnst- projekte. Die morgen zur Eröffnung gelangende Olbrich-AuA- stellung im Ausstellungshause auf der Künstlerkolonie Hibt culcr» dings durchaus nicht über das ganze bisherige Wirken Olbrichs in Darmstadt ein Gesamtbild wozu der Raum bei weitem Nicht ausreichen würde, sondern beschränkt sich auf die Tätigkeit des Künstlers im Jahre 1904 und 1905, aber sie bietet doch eme solche Fülle voil originellen Ideen und künstlerischen Anregungen dar, daß sich hier ein näheres Eingehen darauf sehr wohl

schloß Wvlssgarten, ferner eine nach Olbrichs Entwurf aus- gefiihrte Glachnalerei als Hochzeitsgeschenk des Großherzogs, ein großes Modell der drei Musterhäuser, Handzeichnungen für kunst­gewerbliche Entwürfe usw. Wer dann noch einen näheren Ein­blick in das schon erwähnte Olbrich-Haus von der Weltaus­stellung in St. Louis gewinnen will, hat dazu Gelegenheit durch Betrachtung einer Anzahl mustergiltig ausgeführter Photogra­phien, welche die feinkünstlerischen Details des Hauses und seine so überaus anheimelnde Gesamtstimmung vergegenwärtigen. Zum Schlüsse sei noch mit besonderer Anerkennung ein nach des Künst­lers Zeichnungen ausgeführter Damensalon in heller Creme­farbe erwähnt, den Herr H. Bindewald in Friedberg in geradezu meisterhafter Weile ausführte. B. hat sich ein Ver­fahren patentieren lassen, durch welches er jedes Holz in icber gewünschten Faöbe mit tiefem, dauernden Glanz elfenbeinartig überziehen kann, auch meierbreite Flächen und Verzierungen, ge­bogene Linien usw. Mit diesem Verfahren wird in die Möbel­industrie ein ganz neues Moment eingesührt; es wird in den Fachkreisen sicherlich viel Anerkennung falben und bei der zier­lichen, effektvollen Wirkung besonders bei unserer Damenwelt viel Freude erwecken.

Die Ausstellung ist bis Ende September täglich und unent­geltlich geöffnet. F- H-

verlohnt.

Gleich im ersten Raum beim Eingang sind die Entwürfe zu Sem AusstellungshauseberDerlinerSeze s s i o n auf- gehängt, die eine reiche, kühne Phantasie und künstlerische <yein= fühligkeit aufweisen. Der Künstler wollte der Sezession am Ber­liner Kürfürstendamm ein Heim schaffen, das wie ein zauber- umwobenrs Idyll den Besucher dem Straßenlärm der Millionen­stadt entrückt und ihn ganz zur reinen Künftandacht gestimmt hätte. Bei der starken Konkurrenz mit dem Entwurf eines andern Künstlers sah man aber von beiden ab und wählte den nüch­ternen Plan eines Berliner Regierungsbaumeisters.

Von ganz besonderem Interesse sind die Entwürfe Olbrichs für die Kölner Kunstausstellung im Jahre 1906, die vom Verein der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein unter dem Protettorat unseres Großherzogs veranstaltet wird. Olbrich hatte zunächst einen Gesamtplan für die Ausstellung im Kaisergaisten direkt am Rhein ausgearbeitet. Da aber dies Terrain aufgegeben Werden mußte, so wählte man den Floragarten, und der Künstler entschloß sich zu einem höchst originellen Plan: er beschloß bie Ausführung eines Frauen-Roseu Hofes, der einen ganz selbständigen Teil bet Ausstellung bilden soll. Die Halle dieies 'igenartigen, am See gelegenen Bauwerks wird mit ea. 50 aus- .'rwählten Kunstindustrieerzeugnissen geschmückt sein, bie auf be­sondere Bestellung vornehmer Kölner Damen vom Künstler bis ins kleine Detail entworfen und unter seiner Leitung kunst- oollendet ausgeführt werden. Gewiß ein interessantes ProM, >a§ dem deutschen Kunsthandwerk zu Gute kommen wird!

In einem Nebenabteil erblickt man weiter Reproduktionen 4U0 dem Musiffaal des Gwßherzogs und dem .

Puppenhäuschen der verewigten Prinzessin Elisabeth aus Jagd-1 großstädtisches

Zu dem gestrigen ArtikelFrankfurter Theater­gründungen" wird beute geschrieben: Es wurde ganz richtig bemerkt, nur das Großkapital könne in Franffurt mit einer Theatergründung reüssieren. Wer die eigentümlichen lokalen Ver­hältnisse kennt, wird diese Behauptungcum grano salis" auf» nehmen; gewiß sind die gegenwärtigen Theatergrünbungen ziem­lich aussichtslos, aber sollte das nicht auch an ben verfehlten Gründungsprinzipien liegen? Frankfurt entwickelt sich ganz rapid nach allen Seiten. Der Norden und Osten Frankfurts liegen weitab von dem nach Westen verschobenen Ver- kehrszentrum, aber niemand denkt daran, diese dichtbevölkerten Stadtteile mit billigen künstlerischen Genüssen zu versehen. Die Theaterftage in Frankfurt ist heute Nicht so fdyr eine Kunst- als eine Kapital- und Bauplatzfrage. Ob Frank­furt heute schon für eine Bühne wie das proejktierte Schiller­theater reif ist, bleibe dahingestellt; auch die Stadt und tue Neue Theater-Aktiengesellschaft sind sich ihrer sozialen Ver­pflichtung bewußt und haben die Zahl der Volksvorstellungen und der Vorstellungen zu ermäßigten Preisen vermehrt; was aber die Frequenz der beiden städtischen Buhnen anbetrirft, so ist diese keineswegs derartig, daß der Theaterbetrieb, unbedingt einer Weiterung bedürfte. In urteilsfähigen Streifen herrscht bezüglich Theatergründungen eine Skepsis vor, die sich auch durch die Schwierigkeit der Käpitalbelchasfung hmbgibt. Aus dem Theater-

hat der Kaiser, ohne auf andere Erwägungen Rücksicht zu nehmen! imb ohne zu zögern, die herzliche Einladung Ihres ersten Bürgers angenommen. Auch wenn die Bestrebungen, eine gemeinschaft­liche Grundlage ftir die Friedensunterhandlungen zu finden, z« Zeit fehl schlagen sollten, so würde doch der von dem Käisev und dem russischen Volke gegebene Beweis der Fr e nn d s cha ft noch weiter als b-merkenswertes Ereignis bestehen bleiben unbj wie ich zuversichtlich hoffe, weitreich endewobltätigeEr- gebni sse für die beiden großen Völker des Ostens und des Westens zeitigen." _ .

Während der Ucbersahrt sagte Witte einem* Berichte erstalter des Rcuterschen Bureaus, fast überall in Europol und Amerika wären Rußland, seine Armee, seine Hilfs- quellen und seine Fähigkeit, Widerstand zu leisten, imi bekannt, und auch das Volk selbst befände sich über bew Ausgang des Krieges int Irrtum; die russischen Nie-^ der lagen hätten iticht dieBcdcutung, daß Rußland' bie Macht verloren hätte, bie bas Moskowitische Reich vor bem Kriege besessen hätte. Die russischen Niederläger! bedeuteten nicht, daß Rußland einquantitö nögligeablel geworden wäre ober daß die .Japaner als Resultat ihrer letzten Siege eine solche Suprematie erreicht hätten, als daß das russische Reich sie als einen lvirklich furchtbar enj Feind ansehen müßte. Wie die Dinge augenblicklich lägetty hätten die Japaner nicht solchen Fortschritt ge­macht, wie allgemein geglaubt würde; sie müßten! noch viermal so weit vorrücken, als sie es bisher; getan haben, um das eigentliche Rußland zu er­reichen, und in diesem Falle allein könnten' sie sich in der Lage fühlen, Fri ed en sb e din gun gen vov" zu schreiben. Was sich im Innern des Reiches zu» trage, könne keinen Einfluß auf die äußere Do-i litikhaben und noch weniger aufFortdauerooeri Ende des Krieges. Witte deutete aber an, daß er? trotz dieser Ansichten alle Anstrengung machen würde, ums FHieden zu schließen; er fügte bann noch hinzu, er sei für? b tu Fricben gesinnt als Russe itnb als ein Mann, bec1, stets babin gestrebt habe, ben Krieg zu vermeiden, und! der begriffen habe, daß fast die gesamte Welt den ©treit; beendet zu sehen wünsche. Ihn dieses Ziel zu erreichen^ sei cs aber notwendig, daß die Japaner von ben-« selben Gefühlen erfüllt jeicn; sie müßten überzeugt fetn^ daß für Ruß lan b ber Friebe wünschenswert, oben burch aus nicht unumgänglich nottoenbig feil Rußland werde niemals auf Bedingungen citri gehen, welche auch nur dem Anschein nach! feine ®igenK liebe verletzen könnten.

Aus einer Unterredung mit Witte, die nach ber Ztg." ber Berichterstatter desCorriere della Sera"" Vvw, Bord desKaiser Wilhelm"" mittelst drahtloser Telegraphie!; mitteilt, seien folgende Punkte hervorgehoben: Rußland be---! trachte seinen Konflikt mit Japan als Kolonialkrieg ironlj nn te rgeorbneter Bebeutung; seine Kräfte und; Hilfsquellen seien noch beinahe unversehrt. Dis- Nieberlage ber baltischen Flotte sei Vorauf zuj ehen gewesen.

Die Melbung, bie ein Lonboner Blatt veröffentlicht, hatte, baß Witte versuchen würbe, amerikanische Bankiers! ftir eine neue Anleihe zu interessieren, wirb bestätigt. Ein ftihrcnber Bankier in Newyork hat erklärt, baß bie Bankiers eine Besprechung mit Witte über biefe Angelegen­heit erwarten.

Wie von einem' Begleiter Wittes versichert wirb, ffh

For der Ariedenskonserenz.

Herr v. Witte ist in Portsmouth an gekommen. Er würbe dort burch einen Ehrensalut von 19 Lchuß begrüßt. Admiral Mais, Direktor des Marinearsenals, veranstaltete ihm zu Ehren ein Frühstück. Später erschien ber Gouver­neur von Newyork mit 800 Mann Miliztruppen unb eskor­tierte ben Wagen Wittes zum Courthouse. Hier würbe Herr v. Witte mit herzlichen Worten willkommen geheißen.

In Newyork hat Minister Witte bem Professor v. Mar­tens, einem Mitgliebe ber russischen Friedcnskommisfton, nachfolgende Erklärung überreicht, die dieser mit lauter Stimme den Vertretern der Presse vorlas:

Ich komme mit der Ermächtigung, bie Beding­ungen kennen zu lernen, die unser tapferer Gegner als Grundlage ftir die Friedensunterhandlungen für nötig er­achtet. Ich bemerke ausdrücklich, daß es mein ernster Wunsch ist, daß jede der beiden ritterlichen Nationen, die ihre erste nähere Bekaiintfchaft auf wem Schwchrfelde machten, bei der anderen schätzenswerte Eigenschaften entdeckt haben möge, die sie bestimmen werden, diese Bekanntschaft weiter z u p f l e g e n , bis sie sich zu d a u e r n d e r F r e u n d- schaft ans re ist. Inzwischen indes müssen die Bedingungen, die die Japaner stellen, zuerst erwogen und auf ihre Annehmbar­keit durch Rußland hier geprüft werden, bevor dieses in for­melle Friedensunterhandlungen epi treten kann. Bisher war es in solchen Fällen üblich, daß alle solche Präliminarien vor dem Zusammentritt der Bevvllmächttgten, deren Aufgabe es ist, die endgiltige Einigung herbeizuftihren, erledigt wurden. Die Tat­sache, d 'der Kaiser einwilligte, von dieser alten diplomatischen Olepflogenheit abzuweichen unb eine Mission zu ernennen, die sich mit den Bedingungen unseres tapferen Gegners bekannt machen soll, ist ein beredtes Zeichen der freundschaftlichen Gefühle, die er und seine Untertanen dem Volke der Ver­einigten Staaten gegenüber hegen. Jetzt möchte ich Ihrem Volke sagen und beweisen, daß es der h e i ß e W u n s ch des Kaisers und des russischen Volkes ist, die Bande der Freundschaft zwischen den beiden Völkern noch mehr zu kräftigen. Infolge dieses aufrichttgen Wunsches

über die Kongofrage. In bezug auf das Handelssystem im Kongo sei die Regierung der Ansicht, daß die Regelung dieser Frage durch eine internationale Kommission zu er­folgen habe, in der die Mächte, die bie Berliner Akte unter­zeichnet haben, so viel als möglich vertreten sein sollen. Die Regierung erkenne ferner die Wichtigkeit an, weitere Absatzgebiete im Jüneru Chinaszu erobern, sowie bie Notwenbigkcit eines diesem Zwecke dienenden Eiscnbahn- untemehmens. Percy kommt schließlich auf das Vorgehen Deutschlands in Schautung zu sprechen. Er fiihrt aus: Es ist nicht richtig, daß die deutsche Regierung Berg­rechte in dieser Provinz monopolisiert hätte. Bis der Nachweis nicht geführt ist, der die britische Regierung recht­fertigen würde, wenn sie anuähme, vaß die Politik der Offenen Tür" verletzt sei, bin ich nicht der Ansicht, daß irgend ein Vorgehen erforderlich ist. Richtig ist, daß Deutschland rapide Fortschritte in der Er­schließung von Schantung gemacht hat. Das sollte aber für uns eher ein Ansporn sein, als ein Anlaß zu klagen. Der britische Handel in China ist zu rück gegangen, aber der Handel jedes ande­ren europäischen Landes ebenso. Japan ist das einzige Land, dessen .Han del mit Chin a zu­nimmt, und wenn wir mittels Eisenbahn ins JUnere bringen, würden wir ben japanischen Wettbewerb dort ebenso tätig finden, wie an der Seeküste.