Ausgabe 
4.7.1905 Erstes Blatt
 
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dauernd en Friedensvertrages auSzustatten und die Verhandlungen im Geiste vollkommener Aufrichtigkeit zu führen. Einige Verzögerungen traten bei der Wahl der Vertreter ein. Japan deutet an, daß der Kaiser seinen Vertretern nicht gestatten werde, in eine bloße Versuchskonferenz ein­zutreten, in der Japan seine endgiltigen Bedingungen stellen und Rußland gestatten würde, zu bestimmen, ob die Mit­glieder ihre Beratung fortsetzen sollten. Präsident Roosevelt nahm einen ähnlichen Standpunkt ein, daß nur durch Aus­stattung der Bevollmächtigten mit unbeschränkter Voll­macht dauernd der Friede herbeigeführt werden könne. Zum Zwecke der Erlangung der Einwilligung hierzu machte er dringende Vorstellungen in Petersburg, da er den Vorschlag der Japaner sür zweckentsprechend erachtete.

Aus Osterbay (Nordamerika) wird gemeldet: Der Meinungsaustausch, der gegenwärtig durch den Präsidenten Roosevelt zwischen Rußland und Japan bezüglich des Waffenstillstandes vermittelt wird, gestaltet sich nach Ansicht der dem Präsidenten nahestehenden Kreise mit der Aus­sicht auf EinstellungderFeindseligkeiten freund­licher als je. Präsident Roosevelt Hofft und glaubt, daß der Waffenstillstand vielleicht schon in wenigen Tagen zustande kommen wird.

Das neue russische Flotten-Programm.

Unter dem Vorsitz des Marineministers Avellane nahm zh'e Spezialkommission das neue Flottenprogramm für den Bau neuer Schiffe an. Es werden im Verlauf von sieben Jahren jährlich m in bestens 75 Millionen Rubel für neue Schiffe ansgeworfen, doch ist die Summe je nach der Finanzlage in einigen Jahren zu ver­doppeln. Die Einzelheiten des Programms sind noch nicht feststehend.

Tie Zarin

Hat, wie cs heißt, für 1 Million Sonnenblumen- samen nach dem Kriegsschauplatz an die Truppen schicken lassen. Dieser Samen gilt in Rußland für einen beson­deren Leckerbissen.

Die MaroLko-Arage.

Seit die Kriegs angst in Frankreich als unbegründet erkannt ist, schenkt dvrt die öffentliche Meinung der Ma­rokkofrage nur noch geringe Aufmerksamkeit und'die Diplo­matie kann in verhältnismäßiger Ruhe arbeiten. Die Er­gebnisse, zu denen sie gelangt ist, wird sie voraussichtlich morgen gleichzeitig in Berlin und Paris amtlich bekannt tzeben.

In einem Exposs, das im Pariser Kabinett ausgcarbeitet Mrd, Mirfte die offizielle Annahmeerklärung Frankreichs mit enthalten sein, während der weitere Inhalt sich auf diejenigen Punkte zu beziehen haben wird, die bereits in den verschiedenen Worbesprechimgen geregelt sind. Gleich­seitig wird dann die Einspruchserklürung Frankreichs an den Sultan von Marokko ab gehen.

Echo de Paris" greift Jaurös wegen seiner Ber­liner Reise giftig an.In Frankreich", sagt das Na­tionalistenblatt,hat Jaurös längst kein Ansehen mehr, man weiß, daß er kein besonderer Charakter imd in keinem einzigen Fache zuständig ist; er schwatzt ermüdend über alles, man läßt ihn plappern, ohne sich um ihn zu scheren; in Deutschland hat sich noch ein ge­wisses Prestige bewahrt; man hält ihn dort für eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des französischen Parla­ments." (?)

Die Lage der Marokkanischen Sultanstruppen an der algerischen Grenze wird von Tag zu Tag kritischer. Der Tronbewerber ist entschlossen, die für ihn günstige Ge­legenheit zu benutzen, um sich der Stadt Udschda zu bemäch­tigen, welcher von keiner Seite Hilfe gebracht werden kann, da der Thronbewerber die Verbindung mit der Küste ab­schnitten hat, können die in Saida gelandeten Hilsstruppcn nicht bis Udschda Vordringen. 140 Kisten mit Munition, die jüngst von den Aufständischen genommen worden sind, befinden sich im Feldlager Buhamaras. Ein Kampf, den die Sultanstrupp-n dem Feinde lieferten in der Absicht, die Wiedereröffnung der Verbindung zu erzwingen, siel un­glücklich für jene aus. Cie wurden zurückgewvrfm.

AerttsE-Iüdwellafrika.

Am Typhu? gestorben sind neuerdings der Militär­krankenwärter Walter Heine und der Reiter Johann Fauffer. Leutnant Karl Frhr. v. Rerbnitz, geboren 1878 zu Groß-Gräditz, früher Jägerbataillon Rr. 6, wurde am 26. Juni zwischen Asawap und Rehoboth verwundet. (Weichteilschuß linke Schulter).

Ans A!aöl nnh Lantz

Gießen, 4. Juli 1905.

** Von Herrn Provinzia ldirektor Geheime- tat Dr. Breidert ist uns nachstehendes Schreiben zu- tzegangen:

In der gestrigen Nummer (2. Blatt) des Gießener An­zeigers sind meine Worte bei der Feier des Gießener Rad­fahrervereins 1885 durchaus unrichtig wiedcrgegeben worden.

Nachdem ich ans die vorausgegangene Begrüßung ge­tankt hatte, bemerkte ich, wie sich die Anschauungen über das Radfahren in den 20 Jahren des Bestehens des Vereins geändert hätten. Ich erwähnte, daß ein Teil des Publikums vor etwa 20 Jahren dem Fahrrad ebenso mißtrauisch gegen­übergestanden habe, wie später dem Automobil. Während früher das Fahren auf den Fußsteigen der Straßen verboten gewesen und das Verbot mit anderen beschränkenden Be­stimmungen erst aufgehoben worden sei, nachdem ein Versuch, besondere Radfahrwege herzustellen, fehlgeschlagen und darauf der Versuch im Kreise Worms, das Fahren auf den Fuß­steigen freigcgcbcn, gelungen sei zu meiner Freude wäre es mir möglich gewesen, hierbei mitzuwirken sei man jetzt bemüht, das Fahren auf den Straßen zu erleichtern. So sei der Kreis Gießen bestrebt, die Fußsteige der KreiSstraßen so herzustcllen, daß sie von den Radfahrern, insbesondere denen, welche das Rad zur Ausübung ihres Berufes benutzen, auch bei ungünstiger Witterung befahren werden nnten.

Ich bitte Sie, diese Berichtigung in die heutige Nummer -e8 Gießener Anzeiaers aufnehmen zu wollen.

Wir bemerken, daß wir allerdings die Ausführungen des Hrn. Geheimrats Dr. Breidert nicht wörtlich bringen,, sondern vielmehr lediglich Eindrücke mit eignen, der S-timmung entsprechenden, betrachtender! Zusätzen wieder­geben wollten. Eine an die Einzelheiten sich genau haltende Berichterstattung war von dem Verfasser des Artikels nicht beabsichtigt worden.

** Mi nisterialrat i. P. Solda n s-. Nach längerem schweren Leiden ist Ministerialrat i. P., Dr. Wilhelm Soldan in Darmstadt zur ewigen Ruhe eingegangen. Nach erfolgreichem Wirken im Schuldlenste gehörte der Verstorbene, so schreibt die D. Ztg., längere Jahre als Vorsitzender der Sckulabteilung des Großh. Ministeriums des Innern an und hat sich, nachdem er in den Ruhestand getreten war, in sehr reger und böchst ersprießlicher Weise mit der Er­forschung der Denkmäler der Vorzeit in Hessen beschäftigt und auf diesem Gebiet ganz wesentlich unsere Kenntnisse bereichert. Die Ausdcckung vorgeschichtlicher Wohnstätten bei Darmstadt, römischer rc. Niederlassungen bei Butzbach und bergt m. durch Soldan sind bei allen, die sich für die Geschichte der Vorzeit interessieren, wohlbekannt, nickt minder, mit welch' großer Liebe und Sorgfalt Soldan diesen Unter suchungen nachging und ihre Kenntnis weiteren Kreisen zu vermitteln wußte. Der Verstorbene war zum Denkmal- Pfleger ernannt worden, mußte indes diese Stelle wegen zu­nehmender Kränklichkeit wieder aufgeben. Der Tod hat jetzt seinen Forschungen, die noch manch' wertvolle Ergebnisse erwarten ließen, im kräftigsten Mannesalter des Verblichenen ein vorzeitiges Ziel gesetzt. Als Mensch erfreute sich Soldan infolge seines vornehmen und dabei sehr liebenswürdigen Wesens größter Hochachtung und Wertschätzung.

** Auszeichnung. Der preußische König hat folgenden Beamten bei deren Ucbertritt in den Ruhestand Orden verliehen: Dem Eifenbahn-Verkehrskontrolleur, Rcch- liungsrat Gerdts in Gießen den Roten Adlerorden 4. Klaffe und dem Eisenbahn-Stationseinnehmer Feußner in Gießen den König!. Kronenorden 4. Klasse.

** Ein Zusammenstoß. Gestern abend gegen 7 Uhr ereignete sich an der Ecke der Ludwig- und Aliee'straße ein Unfall. Ein Bierwagen fuhr, aus der Ludwigstraße kommend, mit ziemlicher Heftigkeit gegen die an der Straßen­kreuzung stehende Straßenlaterne. Deren Gußteile wurden in drei Teile zerbrochen, die Laterne vollständig um­gestürzt und zertrümmert. Sofort bildete sich von den aus­strömenden Gasen ein starker Gasgeruch. Bis die Polizei herannahte, war das Bierfubrwerk bereits fortgefahren: tele­phonisch herbeigerufene Arbeiter des Gaswerks stellten zu­nächst die Gasleitung ab. Die Nunnner des Bierwagens und dessen Lenker konnten bis jetzt nicht festgestellt werden.

"Ein Unfall ereignete sich gestern abend gegen 7 1/2 Uhr vor dem Eisenbahnviadukt auf der Rodheimer Straße dadurch, daß ein Radfaher ein Kind vor sich auf seinem Rad sitzen hatte, das mit den Beinen in die Speichen kam. Tie Folge davon war, daß sich das Rad überschlug und beide darüber wegpurzelten. Augenscheinlich kamen sie mit dem Schrecken und einigen Hautabschürfungen davon. Es wäre aber doch wünschenswert, daß eine Verordnung erlassen werde, der zufolge zwei Personen nicht auf demselben Rad fahren dürfen.

* Hessisch-Thüringische Staats lotterie. Am heutigen ersten Ziehungstage der 2. Klasse der 6. Lotterie siel ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 3595 (nach Grün- berg), ein Gewinn von 2000 Mk. aus Nr. 80388 und je je 1000 Mk. auf Nr. 2259 64233 74722 81657. (Ohne Gewähr.)

)( Treis a. d. Lda., 3. Juli. Hier ist gegenwärtig die H e i be! be erern t e in vollem Gange, d-ie den Leuten, welche sich mit her mühseligen Arbeit des Sammelns der Beeren befassen, einen schönen Gewinn verspricht. Schade nur, daß der mtt Heidel- beersträuchern bestandene Distrikt nicht groß und der Preis der Beeren recht niedrig ist. Rur die Frauen, welche die Beeren auf den benachbarten Dörfern und in Gießen sum Verkauf anbieten, haben etwas besseren Erlös: sie sollen bis zu 15 Pf. pro Schoppen erhalten haben. Auch unsere Kirschen, die als die besten in der ganzen Gegend gelten, sind jetzt reif. Bei der stattgchab-ten Versteigerung der der Gemeinde gehörigen Kirschenernte wurden, trotzdem die Bäume wieder sehr voll hängen, aber nur ein Händler als Kanffiebhaber anftrat, nur 120 Mark gelö stgegen 240 Mark im Vorjahr. Man geht hier mit dem Gedanken der Feldbereinig­ung um, die für uns-we Gemarkung von großem Vorteil wäre.

* Allendorf a. d. Lda., 1. Juli. Unsere Pfarrer­telle, die seit dem an Pfingsten erfolgten Wegzuge des Pfarrers Eckstein von den Geistlichen des Dekanats ab- vechselnd versehen wird, soll, wie wir aus guter Quelle hören, in Kürze wieder definitiv besetzt werden. Man hofft allgemein, daß dies bis zum 1. Oktober geschehen sein wird. Unsere Quellwasserleitung, an der gegen­wärtig gearbeitet wird, dürfte in einiger Zeit soweit vollendet ein, sodaß die Hausanschlüsse gelegt werden können.

Lich, 3. Juli. Der Schöpfer de§ Fürst Ludwig-Denk- malS, Bildhauer Emil (Sauer aus Berlin erhielt das Ritterkreuz 1. Klaffe des Ordens Philipps des Groß­mütigen. Der Künstler hatte die Ehre, die Auszeichnung durch I. K. H. die Großherzogin bei der Denkmals-Ent­hüllung am 2. Juli persönlich in Empfang zu nehmen.

?Vom Hoherodskopf, 2. Juli. Heute fand das Jahresfest desVogelsberger Höhenklubs" statt. Das Witter war günstig, ebenso die Fernsicht nach Taunus, Westerwald re. Der Besuch ließ jedoch infolge der Feste in Gießen, Alsfeld und Birstein zu wünschen übrig. Von 2 Uhr an konzertierte die gut geschulte Kapelle Faust- Fcldkrücken im angrenzenden schattigen Hochwalde, wo auch die meisten Gäste Platz genommen hatten. Die Jugend vergnügte sich mit Tanz.

)-( Dauernheim, 2. Juli. Heute fand daS Be­zirksfest des Vezirkskriegerverbandes Nidda, verbunden mit der 25jährigen Jubelfeier des hiesigen Krieger- vereins nebst Ueberreichung der vom Kaiser gestifteten Fahnen­schleife statt. Das Dorf war aufs herrlichste geschmückt. In dem Festzuge, der sich um 2 Uhr in Bewegung setzte, mar» chierten 23 Vereine. Kreisamtmann Bernbeck- Büdingen überreichte die Fahnenschleife.

. Gimbsheim, 2. Juli. Schwere Unglücksfälle sind gestern abcnd hier vorgekommen. Rach vollbrachtem Tagewerk badeten sechs Arbeiter im Rhein. Kaurn waren die ersten drei (Valentz Mchler, Friedrich Starnpp V. und Mich. Kölsch) von emer Sandbank aus m das Wasser herabgeftiegen, so ging Küchler unter, Starnpp schrie um Hilfe, verschwand aber, als rhm schon Rettung nabte, auch in der Tieft, während Kölsch,

ein 18 jähriger Jüngling, der schon dem Ertrinken nahe war, von einem Kvllegen (Oswald) gerettet werden konnte. Küchler, der erst 27 Jahre alt war, hinterläßt eine Witwe mit einem kleinen Kinde, während der etwa 37 Jahre alte Stampp von einer Witwe mit 5 kleinen Kindern bettauert wird. Beide waren fleißige und brave Familienväter. Die Leichen sind bis jetzt noch nicht gelandet worden. (F. G. A.)

[ ] Marburg, 3. Juli. Das dreijähri ge Kind des Schmieds Emmerich in Wittelsberg machte sich heute abend an einer im Hausflur stehenden schweren Eisenplatte zu schaffen. Plötzlich fiel die letztere um uub tötete das Kind.

* Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nackbar st (taten. InMainz sind im Laute de§ 2. Juli drei Selbstmorde vorgekommen. In Geisenheim ertrank am 2. d. M., nachmittags um 3 Uhr, beim Baden im freien Rheine der 19 Jahre alte Josef Weber. Der Fuhrmann Schwarz in Büdingen erlitt beim Abladen von Baumstämmen durch das Abrutschen eines solchen schwere Verletzungen an den Beinen. Dem israelitischen Rechner Mayer in Himbach wurde anläßlich! der Niederlegung seines Amtes das allgemeine EhrenzeichenFür treue Dienste" verliehen. Mayer hat sein Amt beinahe 50 Jahp- unentgeltlich versehen.______________________________________________

Die Jubiläumsfeier des Kirßener Radfahrer- Wereius 1885

ist gestern nach Kräften und mit Erfolg fortgesetzt worden. EinHauptintereffe hatte nachmittags die Ankunft deS Fürsten von Lich, des Protektors der Feier, auf dem Sportplatz, nachdem die braven und wackeren Radfahrer vormittags mit vielem wohlverdienten Aufwand gefrühstückt, zu Mittag ge­gessen und sich aller bei derartigen Ehrentagungen so not­wendigen körperlichen und geistigen Labsale in festlicher Ge­selligkeit Genüge getan hatten. Die Leistungen auf dem Sport­platz waren sehr sehenswert. Nachmittags um 4 Uhr trafen Fürst Karl von Solrns-Hohensolrns-Lich mit Gemahlin, Bruder, dem Fürsten Reinhardt, den Prinzessinnen Thea und Karoline und Gefolge mit Wagen hier ein. Einige Vereinsradfahrer waren den Herrschaften bis zur Licherstraße entgegengefahren. Auf dem Sportplatz wurden die Ankömmlinge vom Vorstand und den Vereinsmitgliedern begrüßt und zu ihren Ehrenplätzen in den Logen geleitet, von wo sie das sportliche Schauspiel wie die übrigen zahlreichen Zuschauer mit Interesse verfolgten. Besonders die Radballspiele waren überaus schön und unter­haltend. Fürst Karl äußerte, an den gleichen Spielen seien auch der Großherzog, wie dieser ihm erzählt habe, und die Großherzogin bei dem vierstündigen Besuch des Fcühjahrs- Gautages in Darmstadt entzückt gewesen. Diesen Radball­spielen hatte der Fürst von Lich darum auch seinen Ehren­preis gestiftet. Das Resultat der Wettspiele war folgendes:

93 e r e i n § m a n n f rf) a f t a h r e n. Es starteten Germania- Gießen, R.-V. Marburg und R.-V. Wetzlar. Die Vereine stellten je 4 Fahrer. Es siegte als erster Germania-Gießen, als zweiter R.-V. Wetzlar; dritter war R.-D. Marburg.

93 c r c i n § f a t) r c n des Gieß. R.-V. 1885. Es siegten als 1. Matthes, als 2. Eigel, als 3. Holtmann, sämtlich an§ Gießen.

Motorradrennen. Es starteten H o e s und Vogel, beide aus Gießen. Erster wurde Hoes.

Rad-Ballfpiel. Es beteiligten sich 2 Mannschaften des R.-V. Wetzlar zu ie 2 Mann. Die Mannschaften trugen die Ab- zeicheic blau und blau-weiß gestreift. Es wurde in 2 Abteilungen zu je 7V, Mln. gefahren. In bet 1. Abt. siegte blau gegen blau­weiß mit 5:1, in der 2. Abt. ebenfalls mit 6:1.

Ein geschobenes Motorfahren zwischen R a h l e r- Neustadt bei Marburg und Hoes- Gießen. Nahler wurde zweiter.

Um 8 Uhr war Preisverleilung auf bet Terrasse. Der R.-V. Wetzlar, der sich überhaupt sehr ausgezeichnet hatte, erhielt den Preis des Fürsten von Lich. Die Fürst!. Herrschaften hatten sich kurz vorher wieder zurück nach Lich begeben. Abends wurde noch ein großes Feuerwerk abgebrannt.

Mainz, 3. Juli. Koblenzer Nachrichten von der Ver­haftung des Mörders Mogler werden von der hiesigen Polizeibehörde dementiert.

Vennifcbtes.

* Todesfälle durch Hitzschlag werden noch aus zahlreichen weiteren Orten gemeldet (vgl. in unserem heu­tigen Blatte den ArttikelHitze, Erdbeben"). In Lübeck und dessen näherer Umgebung ereigneten sich in den letzten Tagen sieben Falle von Hihschlatg mit tödlichem Ausgang. Bei Parchim und Gardebrrsch in Mecklenburg erlagen der Hltze mehrere Feldarbeiter. In Wredenhagen wurde eine vom Hitzfchlag getroffene Arbeiterfrau tot auf gefunden. In Dortmund tourbe ein Ziegeleiarbeiter infolge der Hitze ohnmächtig und fiel mit dem Kops in die Mischmaschine, von deren Mefiern er zerfleischt wurde. In E l i n g ver­starb am Hitzschlag auf einer Generalstabsreise nach Preuß.- Holland der Intendantur-Assessor MeveS ans Ällenstein.

' Ein bummer Kerl. Ein Kaufmann aus Wesel besuchte seine in Witten wohnende Schwiegermutter, bei der sich seine Frau befand, um diese zur Rückkehr nach Wesel zu bewegen. Als die Frau sich weigerte, trank ihr Mcmn eine Flasche Lysol aus. Aerztliche Bemühungen waren er­folglos, nach kurzer Zeit erlag der Kaufmann den furcht­baren Verletzungen.

* W i e n, 2. Juli. Die Blätter veröffentlichen die Entscheidung des Obersthosmarschallamts, durch die das über Prinzessin Luise von Koburg wegen Schwachsinnes verhängte Kuratel aufgehoben und Dr. Feistmantel seines Amtes als Kurator enthoben wird.

* Kleine Tageschronik. Wie aus Heilbronn be­richtet wird, ist dort aus Berlin die Nachricht eingelausen, daß der Raubmörder Mogler in Berlin verhaftet worden sei. In Berlin tötete die Schlächtermeisierswikwe Char­lotte Zimmermann ihren fünffährigen Sohn, indem sie ihn aus dem Fenster ihrer Wohnung warf, und stürzte sich dann selbst in den Hof. Auch sie war sofort tot. Als Motiv der Tat werden Nahrungssorgen und Furcht vor Irrsinn angegeben. In Berlin hat der pensionierte Lehrer Wisniewsky, gegen den vorerst ein Ermittelungsverjahren tnegen Schüler- mitzhcmdlungen, bann aber auch wegen Sittlichkeits-Ver­brechens eingelettet war, Selbstmord verübt. Seine Leickw wurde aus dem Landwehrkanal gelandet. Auf einem länd­lichen Feste bei Jena schlug in einer Menagerie ein Elefant einen trunkenen Arbeiter, der ihn neckte, mit dem Rüffel zu Boden und verletzte ihn derart, daß der Arbeiter bald darauf im Krankenhause verstarb.

'Nniversttäls-Aachrlchkeu.

Berlin:, 3. Juli Der Kaiser hat bestimmt, daß die etatsmäßrgen Lehrer der tierärztlichen Hoch- schulen unter Bezeichnung dieser Stellen als Professur und unter Verleihung des Ranges der Räte 4. Klasse in Zukunft von ihm ernannt werden sollen.

w. ~ .^em Vorsteher der Chemischen Abteilung des Instituts für ^nfeklionslranfheiten in Berlin, Professor Bernhard Pros- kauer ist der Charakter als Geh. llftgierun-gsrat verliehen wor­den. Die Wahlen des Geh. Regierungsrates Professors Ötzen