Ausgabe 
30.3.1905 Zweites Blatt
 
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Quaker Oats wird am besten

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auf theoretische Unterweisungen und praktische Hebungen un öd)ul- garten unb in anderen geeigneten Obstanlag-n. Der Unterricht elbst wird von Landwirtsschastslehrer R e i ch e l t und ObpbauLech- mker Koch erteilt.

wird häfl. gebeten.

ABTEILUNG: E- T.

Sentfches Reich.

Berlin, 29. März. Der Kaiser wird auch in diesem Jahre der Wartburg einen Besuch abstatten, um dort m Ge- setlschast 'des Grvßherzogs von Sachsen an einigen Tagen der Fmanenjagd obzuliegen. Nack den bisherigen Dispositionen rst dieser Besuch unmittelbar nach Beendigung der Mittelmeerreise in Aussicht genommen.

Als voraussichtlicher Oberpräsrdent der Provinz Brandenburg wird ictzt der frühere Regierungspräsident von Hannover, Frei­herr von Brandenstein, genannt.,

Der Bergarbeiterkongreß nahm eine Resolution an, welcue die Berggesetz Novelle als nichtgenügend bezeichnet und statt des von der Regierung vorgeschlagenen sani­tären Arbettstages einen a ch t st ü n d i g e n Maximal - Ar - beitstag ßordert. Ferner wurde ein Antrag angenommen, nach welchem die Arbeiter zu Nebenarbeiten nach vollendeter Schicht nicht verpflichtet sind.

Das gegen den Grafen Pückler von der Staatsanwalt­schaft in Potsdam eingeleitete S t r a f,v e r f a h r e n wegen einer Rede in Potsdani, in der der Graf gegen den Herzog Ernst Günther Angriffe gerichtet und die Einbrecher aufgefordert hatte, in Judenläden einzubrechen, ist eingestellt worden. , _

Köln, 29. März. Dem Oberlandesgerichtsprasidenten Dr. Hamm ist anläßlich seines Scheidens aus dem Justizdienste der Eharalter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz verliehen worden.

Lauowlrtjchaft.

-p Alsfeld, 29. März. Nachdem die hiesige l a n d w. Winter schule gestern das 33. B>inlersemester geschlossen hat, wurde heute em vier tägiger Obstbaukursus eröffnet, der von 37 jungen Leuten besucht wird. Der Unterricht erstreckt sich

Krrichtsiaal.

A l l e n st e i n , (Dftpr.) 28. März. Der M u s k e t i erH richRansch vom hiesigen 150.Infanterie-Regiment hatte tn der Jnstrukttonsstunde auf die Frage'des Leutnants, welches der h ö, ch st e Beriif jedes gesunden unb kräftigen Deutschen sei, geantwortet: Soldaten schinderei. Er war vom Kriegsgericht wegen Achtungsverletzung uni) Ungehorsam mit 3 sJJlonate» ui tb einer Woche Gefängnis 'bestraft ivorden. Rausch hatte sich noch mals vor dem Oberkriegsgericht des 1. Armee-Korps zu verantwort tn, da der Gerichtsherr Berufung eingelegt hatte. Dieses erhöhte die Strafe am 4 Monate Gefängnt s.

N e w y o r k, 28. März. Die Millionenschwindlerin Frau Chadwick wurde zu 10 Jahren Zuchtha ns ver­urteilt. (Frkf. Ztg.)

Nnlcrfchleife in der preuß Kisenvaynveiwaltulig.

Wir haben gestern kurz über den Ausgang eines Pro­zesses berichtet, der sich dieser Tage in Görlitz abgespielt. Leider konnten wir aus Raummangel nicht ausführlich dar­über berichten. Die Verhandlung forderte Tatsachen zutage, die man in einem Musterbetriebe und die preuß.-hess. Staatseisenbahnen sind docv Musterbetriebe nicht für möglich gehalten hätte. Es ist durch den Görlitzer Prozeß rin Korruptionsherd aufgedeckt worden, den mau in dieser Form und in diesem Umfange bisher nur in Rußland vermuten zu dürfen meinte. Seit einer Reihe von Jahren sind hiernach innerhalb des Betriebes der preuß. Staatsbahnen Untersch-leife in größtem Stil vorgekommen. Es haben Räubereien an Materialien stattgcfuuden, die ins Aschgraue gingen. Der wirkliche Umfang dieser Be­trügereien und Diebstähle an preufzischrm Staatsgut ent­zieht sich offenbar der Feststellung. AVer das, was an dergleichen Unterschleifen tatsächlich nachgewiesen worden ist, genügt vollkommen zur Aufstellung des Satzes, daß abgesehen von ber Untreue und Pflichrvergessenheit einer Anzahl von Beamten, Mängel in der Organisation, hauptsächlich im Ueberwachungsdienst bloßgelegt worden ssind. Nur durch die besondere Aufmerksamkeit und Tüchtigkeit des Vorstehers und des Verwalters von zwei kleinen schlesischen Stationen ist der freche Schwindel ent­deckt worden, weil diesen beiden Beamten das Uebergewicht zweier Güterwagen verdächtig war. Ehe von diesen beiden Stationen aus der Anstoß zur Untersuchung der schmutzigen Skandalaffare gegeben wurde, konnte der Bresrauer Be­trüger mir Hilfe eines Stabes von bestochenen Be­amten sein trauriges Handwerk jahrelang fortsetzen.

Natürlich ist kein Privatbetrieb, ist auch kein anu.icher Betrieb für etwaige Jeiteu davor sicher, daß sich in ,ie unter der Maske des Biedermannes und des pflichttreuen Beamten gewissenlose Personen einbrungen, tue sich in sträflicher Weise gegen Treu und Glauben vergehen. Aber selbst ein rafstniercer Betrüger wird nur immer eine be­grenzte Beit hindurch sein dunkles Treiben sortsetzen können.

Etwas anderes qi es, wenn, rote tm Falle Friede berg und Genossen, sozusagen ein ganzes Komplott von un­getreuen Beamten gegen das Eigentum des Staates bestanden hat, um den betrügerischen Gelüsten eines Außen­stehenden zu WUlen fein. Wenn diese Mehrheit von Per­sonen Jahr aus Jahr ein den Staat in gröblichster Weise beschwindeln konnte, ehe der Betrug, man mochte beinahe sagen durch Zufall, ans Licht kam, so deutet dies auf innere Gebrechen des Systems hin, innerhalb dessen solche Bandendiebstähle an fiskalischem Eigentum möglich sind.

Dies wird leider bestätigt und erhärtet durch die von sachverständiger Seite in diesem Prozeß gentauaen Aus­sagen. Danach ist, so hieß es in dem Gutachten der Sach­verständigen, bei der zurzeit in Betracht zu ziehenden Zahl der überwachungsberechtigten Beamten in den Mette rialicn- depots eine bis ins Kleinste gehende genaue Kontrolle nicht durchführbar. Man vernahm aus dem Munde des einen Sachverständigen, was für eine Plusmacherei inbezug auf die vorh-andenen Materialienbestände im Schwange ist, sodaß sehr leicht Abgänge von beueutenbem Umfange statrsinden können, ohne daß das Manko bemerkt- zu werden braucht.

Wenn solche Dinge nach der mangelhaften Struktur des Ueberwachungsdienstes an der einen Stelle möglich sind, wer bürgt der obersten Eisenbahnverwaltung dafür, daß der Laubaner Korruptionsherd die einzige Stelle ist, wo etwa das Gewissen eines Materialienverwalters, eines Lademeisters, eines Arbeiters gegenüber der mit blankem Golde klimpernden Verführungskunst in die Brüche ge­gangen ist? c

Wenn die Kontrolle anderswo nicht strenger, durch­greifender, sicherer fungiert, als es gegen die Machen­schaften des Friedeberg und seiner beamteten Werkzeuge geschah, welche Garantieen hat alsdann die Eisenbahnver­waltung dafür, daß es überall in ihrem weiten Reiche mit rechten Dingen zugeht? ,

Wird der Gorlitzer Prozeß die Folge haben, daß tn der Organisation der Kontrolle über die wertvollen, nach Millionen zu berechnenden Materialienbestände des Eisen- bahnsiskus eine zweckmäßige Aenderung vorgenommen wird? Wir wollen im Zusammenhang hiermit keineswegs für eine Erhöhung der Bezüge ganzer Beamtenkategorien eintreten. Denn gerade, daß die des,er besoldeten Beamten bei diesen banüenmäßigen Unter schleifen an Untreue den schlechter besoldeten mit schlechtem Bei.Piel vorangegangen sind, gerade das beweist, daß das höhere Einkommen kein höherer Schutz gegen die Gewissenlos.gkett ist. Es bleiben Hunderttausende und Millionen Menschen mit einem Ex­minimum von Einkommen ehrliche Leute, obgleich auch an sie die Verführung zur Unehrlichkeit in den verlockendsten Gestalten herantritt. Der springende Punkt ist, daß die falsche Finanzpolitik überwunden wird, mit der man inbezug auf die Menge des überwachenden Personals an denjenigen Stellen spart, an denen ein zuverlässiges Aufsichtspersonal eher zu reichlich als zu knapp zur Verfügung stehen sollte. Wir hoffen, daß der Görlitzer Prozeß nach dieser Richtung hin aus die Eisenbahnverwaltung einen stark belehrenden irinfluß ausüben toirb.

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isblatt für den Kreis Gietzen