Ausgabe 
29.11.1905 Erstes Blatt
 
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großen

B.

aber

Bei der gestrigen zweiten Aufführung

mutmaßten Verbrecher mischen sich in

unaufhörlich schillernden Hinüber-

einem vorzüg. und Herüber-

lich, spiel.

von

betrogen ward, im letzten 9lttc, ist noch ganz in die (Shit ihres RächcrteniperamentS getaucht und die Erkenntnis der Verirrung trägt mehr die Formen der Furcht vor der

würdig die Tiefen des Hasses und deS Schmerzes aufzu» Tätigkeit am wühlen; stets ist c5 von herrischer und heldischer Echtheit, nie «

Sic produzieren jährlich 225 OOO 000 Zigarren, 10 000 Zentner Rauchtabak unv 3 500 ßentncr Kautabak a einem Gesamtwerte von rund

9 500 000 Mk.

spionierend, zum mindesten von gezügelter Gemessenheit. Während schließlich ihre Sprechkunst nicht ganz so tadellos ist wie ihre wundervolle Hörkunst, ist sie Meisterin in der Behandlung ihres Organs; mit ihm versteht sie merk-

Für Zuckerkranke

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Herr Reimer zur allgemeinen Heiterkeit Staffage. Die 3*,' szenierimg hatte Herr Wittmann mit peinlicher Akkuralfi besorgt P. W.

worden, obwohl die Titelrolle von unserem Frl. Schellende^ gewiß ganz passabel dargestellt worden wäre. Für b?it gestrigen Abend hatte man die Berufung eines der Fedora- Darstellerin einigermaßen ebenbürtigen Darsteller« unterlaß '- Herr Steinmann fühlte sich in der ihm zugewiesenen Rolle des Grafen Ipanoff ersichtlich wenig behaglich. Er bl-ti teif und blaß und kühl in Farbe und Ton, so anerkennen:- wert große Mühe er sich auch gab. Und e§ ist auch p

zugeben, daß im dritten Akte in den Wortschwall der ve.-l olgten Unschuld manche warmen und echten Töne klangen, iH überhaupt der zweite, tragische Teil ihm bester gelangt der erste, leichtere und leidenschaftlichere. Die Uebrigen ak' zeigten zumeist, mit Frl. Lange gemesten, einen gar sehr or | sollenden Mangel an Eleganz. Sie schienen nur dazu ' sich von der überragenden Titelheldin geradezu auslöschen- lassen. Herr Goll, der ja in Diplomatenrollen nicht so^ ist wie in anderen, war aber doch ein ganz anncbmfa1" wenn auch mehr jovialer als eleganter, allzu nonchalac de Siriex, Herr Lütt jo Hann bewegte sich nett unb gezwungen mit guten Manieren im Pariser Salon, Mendel war ein pastabler Gretsch und Herr Herrsche ein diskreter Kammerdiener. Als edler Musik-Pole

7^ UrgroFjmuffer,

Srohmutter und Mutter J

verwenden

Werner Breuer5 Caffe-Surrogat. \ Die wachsende Generation bleibe dem Urfhell der Vor-Jj fahren treu!

Die mörderische Pein aber emeS Herzens, das einem frivolen Schurken um sein Lebensglüek

ich für ausgeschlossen. Er wäre aber m. E- auch etwa ihm gegenüber geäußerten Wünschen solchem Geschmacke Huldi­gender besser nicht entgegeng-ekommen.

Tas Sardousckw Stück, das für ernsthafte Theaterfreunde allein interessant ist wegen seiner musterhaften rein äußer­lichen dramatischen Technik, fügt sich allenfalls unmißfällig in den Nahmen eines mit allem raffinierten Luxus ans- stattbarcn Theaters zwischen ein paar künstlerisch wert­volle Bühnenbilder. In einem Theater wie unserem gegen­wärtigen ist es nimmer am Platze. Es Hut eigentlich nur eine einzige Rolle, die der Autor der großen Komö­diantin Sarah Bernhardt an den Leib geschrieben hat. Tiefe Nolle kann nur die höchste Virtuosität der Darstellerin zu mitreißender Menschlichkeit erheben.

Zuzugeben ist, daß Frl. Lange eine virtuose Dar­stellerin ist. Ihr schmales zartes blasses, fast transparentes Gesicht mit dem reizvollen Profil, ihre sprechenden und lebendigen, überheblich blickenden Augen, ihr rot-blondes Toupet, ihre schlanke, überhohe, beinahe spärliche, aber recht feine Gestalt, der jicn die kostbaren, prachtvoll flimmernden Toiletten, die für einen exquisiten Geschmack sprechen, charakteristisch und individuell anpassen, das alles zeigt von höchst aparter Eigenart. Ihre Gesamt- erscheiuung wirkt wie ein typischer Ausschnitt aus einem Sammelwerke über die Emanzipation der reizsamen mo­dernen Frau von Welt. Uno sie gibt uns ein Schauspiel von vollendeter artistischer Technik, einer eminenten künst- lerischeu Intelligenz. Es -st charmant, dieser Beherrscherin der techrnschcn Mittel zuznfehen. Doch es ist ein Ebarme für den Kopf und allenfalls die Sinne, nicht fürs Gemüt. Unser Gefühl wird nur selten einmal aufgerührt, wie bei dem fürchterlichen Klageschrei im ersten Akte, wie im dritten Akte bei der Beichte JpanofsS. Wir geben uns nicht hin, sondern wir beobachten. WaS wir von der Künstlerin er­sehnen, da eS der Autor zu geben unterließ, ist die er» greifende Verkörperung eines Schicksals. Bei Frl. L. tritt saS forschende, listende Weib mit großer Virtuosität hervor; daS Leid um den Geliebten und der Abscheu gegen den ge-

Jm Abgeordnetenhause besprach Ministerprast^ dent Frhr. v. Gautsch die Wablreform und erklärte, die Regierung ordnete, veranlaßt durch Beschluß des Hauses vom 16. Oktober, worin fte die UnerläßUchkeit der Wahl­reform anerkennt, sofort die Beschaffung des nötigen Mate­rials an, woraus das .Haus ersehen könne, daß es keiner Demonstration bedurfte, um die Regierung anzueafern. Alle kulturellen und nationalen Kräfte des Staates müßten im Parlament verhältnismäPige Vertretung finden, aucr die früher erworbenen Renne müßten weiter geltem Man müsse darauf sehen, daß das Abgeordnetenhaus nach Weg­fall der besonderen Wahtköcpcr ein treues -?lbbild reichs bilde. f-Etr Alldeutsche Stein ruft:Gautsch spricht Quatsch! Lauter Unsinns Ferner mu,se ine Frage der Seßhaftigkeit, die Wahlpflicht, sowie der Schutz vor dem Terrorismus bei den Wahlen studiert werden. Eine Ausgestaltung des Herrenhauses erfolge, damit die Gruppen, die in Mitleidenschaft gezogen werden, eine Entschädigung erhalten.

Auch in zahlreichen Provanzstädten fanden ^emon|tra- tionen statt. Än einzelnen Orten kam es zu Ausschreitungem Bei der Demonstration gegen die Zuckerfabrik von Redlich in Austerlitz, gaben Gendarmen, die mit Steinen dc» worfen und arg bedroht wurden, eine Salve ab, durch die30Personenverletzt und zwei getötet wurden. In Boskowitz wurden mehrere Judenhäuser ge­plündert. Aus Laun werden große Ausschreitungen demonstrierender Arbeiter berichtet. Ein großer Trupp Demonstranten zog zu den Eisenbahnwerkstätlcn, das .Herz- Haus und Stationsgebäude. Tie Transmissionen wurden zerschnitten, die Maschinen ruiniert, Fen'iterscheiöen und Laternen zertrümmert. Auch in den Wartesälen und Kon­toren wurde großer Schaden angerichtet. Tie Telegraphen- apparate wurden zerstört und die Wechselgeleise herausge- rissen. Zur Herstellung der Ruhe nrußten Dragoner aus Postelberg urrd Infanterie aus Komotan requiriert werden. Ter Bahnverkehr war stundenlang unterbrochen. Das Mili­tär schaffte Ordnung.

Ter Stadt Prag brachte der Tag auch Mberterunruhen. Tie Kontrollkommission der Arbeiter erzwang überall die Arbeitseinstellung. Bor dem Direktionsgebäude der Busch- tirader Eisenbahn mußte Militär einschreiten. Mittags wurde in Prag und den Vororten nirgends gearbeitet. Nur die Apotheken waren geöffnet. Ter Tramway- und Wagen- verkehr toitrbc vollständig eingestellt. 9hir Wagen von Aerzten, deren Kutscher mit Armbinden mit rotem Kreuz kenutlicki sind, durften verkehren.

schmiegsam unb biepiam», wie Sardou sie stlber schildert. morqeu Wildenbruchs .König Heinrichs als Benechvorsiellung C

Es ist fnum nötig zu sagen, daß da? Publiklirn von der geben, in dem der Jubilar die Titelrolle freiren wird.

blendenden Gefamterschemung der Künstlerin enthusiasmiert Wien, 27. Novbr. Bei der gestrigen zweiten Aufführung mar neuen Stückes von Hermann BahrDie 91 n b e r c'L

W->S zu allem schon Geäutzerten die Wahl üon .Fedora- V°»s«heatn kam -s ,u -in°n>Th-°I-r,kandnl s?

. . rY ittri v = - ostentative Kundgebungen gegen Bahr, die im letzten All m.

für unsere jetzige Buhne ungeeignet erscheinen läßt, das ist s?öhepun(t erreichten. Man ließ die Schauspieler nicht zu0 endlich die Unzulänglichkeit unseres Bühnenpersonals für ein kommen, sodaß sie die Szene verlaßen mußten. Tie Unruhe tmii solches Stück, trotz der ungewöhnlichen Tüchtigkeit einzelner noch größer, als Regisseur Vallcntm schrie: .Roheit lstke> Mitglieder und des im ganzen zu einander gut abge- «/i l i k';.sehr^viele T a ine n oerHcfren fl«cb t« r t tq V - summten Ensembles. Für d,e Aufführung des Schonthan- Beim Fallen des Vorhang? erneuerten sich die Demonstratwom schen Schwankes waren z,vei Frankfurter Künstler berufen und wurden auf der Straße fortgesetzt.

Diese Zahlen zeigen zur Genüge, um welche Interessen c§ sich bei einer Mehrbelastung des Tabaks und seiner Fabrikate für die hiesige Gegend handelt. Die Tabakindustrie hat der Umgegend von Gießen den jetzigen Wohlstand gebracht, eine Belastung deS Tabaks in der an* gekündigten Form wird die gesunde Weitereniwickelung der hiesigen Tabakindustrie und damit auch den wachsenden Wohl­stand von Gießen und Umgegend in hohem Maße be-

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 28. Nov.

Im verflossenen Sommer machten sich der Malergehilse I. S. unb der Schneidergeselle L. K. r.u Msfeld das Vergnügen, ein kurz vorher sertiggestelltes Haus über ncrck/ mit roter §arbe zu beschmieren, sodaß ;iir Wieder Erstellung des Verputzes ein Kostenaufwand vvn 60 Mark entstand. Als die Untersuchung eingeleitet wurde, fluchtete K. ms Ausland und konnte bis jetzt nickt zur Rechenschaft gezogen werden; dagegen wurde S. bürd das Schöffengericht MSseld wegen Scrdcheschädigung zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Er focht das Urteil an und bestritt feine Schuld; doch wurde ihm tniru> einen Chemiker nachgewiesen, daß die an seinen Kleidern befindlichen Farbspnren mit der znm Vesckpnieren des Hauses benutzten Farbe nhereinstimmte,^ was dem Gericht keinen Zweifel a'h seiner Schuld ließ Tie eträfe wurde jedoch für zu hoch erachtet und auf 4 Wochen ermäßigt. Wegen Körperverletzung in Ausübung ihres Amtes bezw. wegen Ueberschreitunq deS Zück>tigungsreck>ts hatten sich Lehrer H. B. aus Geilshausen und Schulvernmlter K. K. au? pelzen zu verantworten. Sie traten im vorigen Herbst' gleichzeitig ihren Dienst zu Altenschlirf an und zwar zu einer Zeit, wo die Schul- bisziplin viel zu wünschen übrig ließ. Aus dem voii der Kteis- schnlkommission bezw. Schulvorstand gewordenen Auftrag, war unzweideutig zu entnehmen, dal; nur mit großer Strenge etwas zu erreichen fei. Sie mißbrauchten aber in vielen Fällen das ihnen zustehende Züchtigungsrecht und zwar wurde B. nachge- wiesen, dal er einem Jungen mit einem Haselnußstock mehrmals auf den Kops und über ein Auge schlug, sodaß Beulen und Berlel'ungeii entstanden. Ein Mädchen bekam Stoekschläge^ ins Gesicht unb auf die Arme, daß cs einige Tage die eine «and nicht gebrauchen konnte. Ein anderer Junge erhielt Schläge auf Kopf unb Schultern, daß ein Arm in seiner BewegiMgsmhlg- keit gehindert war. Ein schwerhöriges Mädchen wurde auf den Kops geschlagen unb gegen eine Säule gestoßen. Ein anderer Junge wurde, nachdem er auf seinem Plak gezüchtigt worden war, herausgeholt, erhielt eine arnfere An'atzt Stockschläae auf den Entdeckung Ver eigenen Untat als die der inneren Auf­gewühltheit über die Schwere des Mißgeschickes. Aber die Miene einer Statue des Leidens ist überaus pittoresk, wenn die eben noch unruhig flackernden Züge sich festen und die Augen stählern blicken. Der AuSgang der Tragödie geschieht flüsternd. Ich bin gewiß kein Freund der tragischen Polterer, und Gift mag wohl die Kehle schnüren, aber doch auch in Momenten lösen. Frl. Lange verharrt auf den Flüstertönen; gewiß ist arich das höchst effektvoll, und zugleich, ästhetischer, aber ob atich pathologisch? Im Grunde ist Frl. L. wohl nicht, wie die Triesch, ein Bündel Nerven, sondern eher eine Sammlung von mit bewundernswerter Intelligenz e r dachter und durchdachter Spitzfindigkeiten, wobei die sichtbar verdeutlichten Uebergänge des raffiniert komponierten GesanitgewebeS daS Kunstreichste sind. Eine ingeniös abgetönte, sehr diskrete Kunst ist ihr eigen. Und konimt mich vielleicht über dem Diskreten das Sangora-Katzenwilde etwas zi« kurz, so bleibt sich dafür unverändert gleich die Vornehmheit ihrer Geste, ihr unbeirrbares Gefühl fürs Pittoreske« Sie bietet unablässig Delikatessen für rafnniertc Augen. So sehr man überzeugt lein kann, daß sie ihrem Opfer den Kops verdreht, so wenig fi't ihre Fedora von anschmiegender Zärtlichkeit, so wenig süß und berauschend als liebendes Weib, sondern auch in Szenen der Verführung und der Liebe kühl, herb, emschüchternd,

T a r m st a d t, 28. November. Dem Hoffchausoieler Regisicur Heinrich Hacker, der morqeu das 25. Jubiläum icu Tätigkeit am Hostbeater begeht, wurde vom Großherzoa hav - ; ncis gl es von nemjener tmo qviunajit uzanqcu, nie lerkreuz 1. Klaffe des Pbilippsordens verliehen: diese Auszeiwni' - toicnb unb fimtMnb, heucheln» imb «»meichelnd,ri> «"» nmbmitt-,,

. , . ' -v.iX'As. t.r rs i mhtnen Feier ubciTctd)t werden. Zu Ehren des Jul'llms n*

""" "" ' ' morqeu Wlldenbnrcbs .König Heinrichs als Benefi^vorstellung (

einträchtigen. ________

Wahlrechlsdemonstmtionen in Hekierreich.

Wien, 27. Nov.

Gestertl veranstalteten die Christlich-Sozial en eine große Wahlrechtsdemonftration nm Nat h a it s e. Es hatten sich gegen 30000 Personen versammelt, der Volkshalle sprachen Fürst Lichtenstein und ^.r. Greger und unter freiem Himmel mehrere christlich)ozialc '.Abgeordnete f ü r d a S a l l g e in e i n e W a h l r e ch t. Sodann rief Lueger von der Loggia des Rathnusturmes herab:Hoch das all­gemeine Wahlrecht, nieder mit den jüdischen Sozialdemo­kraten, hoch unser Vaterland Oesterreich, hoch unsere Vater­stadt Wien!" Ein großer Zug begab sich zum Parlament, luo eine rote Fahne verbrannt wurde, und dünn vor die Hofburg. Die Demonstration trug antisemi­tischen Charakter. Jüdische Passanten wurden insultiert und an gespuckt.

Wien, 28. Nov.

Heute morgen begann aus allen Bezirken das Zusam- tnenftrömen der Arbeiter In geordnetem Zuge mar­schierte die Menschenmenge gegen den Karlsplatz und die anschließenden Teile des Boulevards an der Wien. Im Parlament überreichte die Deputation, die an der Spitze des Zuges marschierte, den Präsidenten beider Kammern des Reichstages und hem Ministerpräsidenten eine Peti­tion, in der die Einführung des allgemeinen Wahlrechts verlangt wird. Frhr. v. Gautsch erwiderte mit der Er­klärung, daß die Regierung im Begriffe sei, in kürzester Zeit dem Abgeordnetenhause eine Vorlage, das allgemeine Wahlrecht betreffend vorzulegeu..

Ter Präsident des Abgeordnetenhauses, Graf Vetter, führte aus, er werde diese Bestrebungen mit allen Kräften fördern und unterstützen. Ter Präsident des S) c r r c n b a n f c s, Fürst zu W i u d i s ch- gratz, erklärte: Er glaube versichern zu können, daß das Herrenhaus nach bestem Wissen, unbeirrt durch die Ver­suche auswärtiger Beeinflussung, seine patriotischen Pflich- ten erfüllen werde.

Als die S t u d e n t e n , die an dem Demonstrations­zuge teilnahmen, an der Universität vorbei zogen, begrüßten katholische Studenten, die auf der Rampe und auf den Stufen standen, den Zug mit Pfuirufen und pfeifen, während italienische und slawische Studenten in Evviva- und Ziviornfe ausbrachen. Die sozialdemokratischen Stu­denten erwiderten die Pfiffe mit Pfui- und Entrüstungs­rufen, während sie den Italienern unb Slaven zujubelten. Unter den Zuschauern entstand Panik, doch wurde die Ordnung von ben Zmgordnern unb der Polizei bald wieder hergestellt. Der Vorbeimarsch vollzog sich bann wieder in vollkommener Ruhe.

Im Zuge wurde auch ein Ochs en wagen geführt, auf welchem eine Puppe, das tote Parlament bar» stellend, sich befand. Hinter dem Wagen wurde ein Trauerpferd geführt, ein anderer Wagen enthielt eine Frau mit einer Jakobinermütze, die Freiheit darjkellend, ein dritter einen schwarzen S arg, der das tote Herren­haus bedeutete. Im Zuge sah man viele rote Fahnen, darunter solche mit roten Hussitenkelchen auf schwarzem Grunde und mit einer von Arbeiter fausten zerbrochenen Flinte als Symbol der bewaffneten Macht.

Erst nach 4V4ftünbigcr Dauer war der Demonstrakions- zug, an welchem nackt Schätzung der Polizei über 200 000 Menschen teifgenommen haben, beendet.

Kopf unb bekam einen Stoff in den Nacken, baß er gegen tlc. Säule flog unb vvn bi auf eine Bank fiel, wo er sich tiefer Junge um burch die Mischanb'ung getnnbert, Tve-se-, zn sich zu nehmen und mußte eine Zeitlang das Bett Ein Mädchen erhielt mit einem Buch einen schlag mir ben daß. die Decke abplatzte. Ein Junge wurde, nathbem fT das Knie gelegt unb gezüchtigt word?n war, zur Erde »afu gelassen, baß er eine Verletzung im, G.sicht chdimtrn^- ch' weiterer Junge bekam Stockfchläge aut den Morf wöbrcnd ei» onbercr mit 6en Worten: ..Mach daß Du rortTonunft!" Fußtritt in die Seite erhielt. K. hat.einen Jungen vier Tch nacheinander bermaßen geprügelt, baff er selbst erschrcf, yg ihm der Junge von seinem Vater vorgezeigl imtr?..

der Ortspfarrcr als Vorsitzender des Schulvorstaiidcc' mcnche» vermittelte unb die Lehrer warnte, wurden die Mißhanblunaa fortgesetzt, bis Anzeige erfolgte. Es wurde von der Staatsanwohi schäft gegen D. eine Gefängnisstrase von 6 Monaten und Haftbefehls beantragt, während K. zu 200 Mark Geldffroie ver. urteilt werden sollte. Nach neunstündiger Vcrhardvinq wuch, gegen 10 Uhr abends Urteil dahin verkündigt, daß B. unt- Freisprechiing von einer Anzahl unter Anklage gestellter neun strafbarer Handlungen schuldig sei, wofür br Einzclslrak zusammcngezogen ben Betrag von 610 Mark ergeben. K. nnntk megen Körperverlcramg in vier Begangenschaften zu cin^r <?., samtstrafe von 100 Mark verurteilt. In einem Fall trat ££ sprucki ein. Dos Spricht verkannte nickst, daß die AugcNügL in seln roher Weise votgegangen sind, doch wurde andercrsch strafinildemd berücksichtigt, daß sic bei den berr)dienben bältnissen einen sibweren Standpunkt hatten unb daß durch Handlungen den Verletzten feine dauernde Nachteile entsianch sind. Dellings leichte Erregbarkeit unb Nervosität, sowie bit Jugend unb Uners'hrenhcit K"s. wirkten ebenfalls strafmildmb. - -1 11 " ......... -..... 1 '

Handel und Verkehr. DolkswirtschE

Serbische Anleihe, lieber die Anleihe laufen gesetzt die verschiedensten Meldungen um. Entgegen einer lincr Meldung wird aus Belgrad gemeldet, daß im MinistrTrr die Verhaildlungeu des Anreihevertrags begonnen haben. 9ht der Umstand, daß die Anleihe entgegen den Wünschen der Ncgig. ungspart'i teilweise in Ovposition übernommen wurde, war d« Veranlassung des Gerücksts von einem Rücktritt des ftinon- ministerS, das aber ganz unbegrünbet sei. Es besteht bit Aiz, sicht, daß die Regierung den Anleiheverttag vollständig ar, nehmen wird.

Immer noch Rußlands kritische Handelslag« Tas Petersburger Börsenkomitee hat sich rusfisckien Blättern p. folge an die alusländischen Handelskamniern^ mit der ^ittt uc Unterstützung gewandt, um zu erreichen, daß die durch dir H$- ruhen für den russischen Erporthandel geschaffene Lage, als rorct mnicurc anerkannt werde, falls die Epportcure die emgegangenns Liefernngsftisten nickst einhalten können.