Donnerstag Ä1 Dezember 1905
Drittes Blatt
155. Jahrgang
M 300
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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fir'.b mü. einer Fülle von Daten- und Zahlenangaben ausge- gemeinsam m den Tod gehen werde.
" Das Reichs-Marine-Amt hat diese Angaben zum! fahren, lebte Wendlandt hier mit seiner Faimlie in guten
Teil selbst geliefert, zum Teil durchgesehen und geprüft. Wer ,ie Forderungen, welche der Staatssekretär deS Reichs« Marine-AmtcS stellt, verstehen und würdigen will, kann sich in keinem Buche über die in Frage kommenden Verhältnisse zutreffender unterrichten, als in .Deutschlands Kriegsflotte V Preis 12 Mark.s
— Dieser Tage ist der Generalmajor z. D. BarbcnsS gestorben. 1889 war er Major im 115. Regiment in D a r nist adt. Als Bataillonskommandeur kam er 1890 in das 118. Regiment in Offenbach, von da 1894 als Oberstleutnant beim Stabe deS Infanterie-Regiment Rr. 129 nach Bromberg und 1896 nach Thorn, 1897 wurde Barbcnös Kommandeur deS Infanterie-Regiments Rr. 154 in Jan er, das er bis 1900 befehligte. Dann wurde er in Genehmig- nng seines Abschiedsgesuches mit Pension und dem Charakter als Generalmajor zur Verfügung gestellt.
»glich mit Ausnahme deS Sonntags.
1t» .Sier -cr Zamillenblätter" werden dem gI-i'-gei viermal wöchentlich beigelegt. Der , Hßjch« Laadwtrtt' erscheint monatlich einmal.
Ä IcitpUf lotte" von Victor Laverrenz, deffen wir schon w iMhvlt Erwähnung getan haben, liegen jetzt auch die S M isbeferungen 11 und 12 vor, mit denen das Werk ocaHMnöig ist und daher noch rechtzeitig für den Weihnachtß- tif.Ä kommt. Das Laverrenz'sche Werk bringt ein reiches und zuMEges Material, wie wir eS bisher in keinem Werke üE?ifr bin deutsche Flotte finden; insbesondere die Schiffslisten
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'sche» UnwerfitälSdruckcret. R. Lange, Gieß«.
Redaktion, Expedition u.Trutfeiet ■ Schulstr.U.
Tel. Nr. 61. T«legr.-Adr.; An-eiger Gietz«.
tzine Aamilientraflödie.
R. B. Darmstadt, 20. Dez.
Ueber eine furchtbare Bluttat einer Darmstädter Familie wird unS authentisch berichtet: Der am 7. Juni 1857 zu Pammin, Reg.-Bez. Frankfurt a/O. geborene Georg Wendlandt, welcher seit dem 1. Olt. 1902 bei der hiesigen Verkehrkontrolle II der Preußisch-Hessischen Eisenbahn als Eisenbahnsckretär angestellt ist, wurde vor wenigen Tagen wegen Vergehens im Amte vom Dienste suspendiert. Gestern sollte er wegen seiner Dienstverfehlungen von einem Bahnbe- amten in seiner Wohnung Marlinstraße 78 vernommen werden; der betreffende Beamte fand jedoch die Wohnung verschlossen. Sie wurde nun in Gegenwart von Polizeibeamten geöffnet und hierbei konstatiert, daß Wendlandt mit seiner Frau verschwunden war. Rach einer alsbald bei der Polizei präsentierten Karte, welche Wendlandt an eine hiesige Familie von Frankfurt aus schrieb, teilte derselbe mit, daß er mit seiner Familie gemeinsam in den Tod ginge. Heut Nachmittag traf auch wirklich schon die Bestätigung dieser Nachricht 'ein, denn Wendlandt wurde an der Gehspitze im Frankfurter Stadtwald mit seiner 44 Jahre alten Frau und seinen beiden Kindern, Christine 19 Jahre u. Hermann 17 Jahre alt, erschossen aufgefunden. Die Tochter Christine, welche vorher in Karlsruhe in Pension war, schrieb gestern von Frankfurt ebenfalls eine Karte nach der Pension, daß sic nicht mehr nach Karlsruhe komme, da sie mit ihren Eltern ~ ‘ , — Wie wir weiter er-
Keer und Atolle.
— Von dem maritimen Prachtwerk »Deutschlands
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Um für die in Gießen wohnenden Einleger eine Be- A guisnlchkeit und für unsere Kaffebeamten eine notwendige ÄDg OKU EriMuiing herbeizuführen, haben wir versuchsweise für die Mk^ie Dezember und Januar die Einrichtung getroffen, 89 b ’ da-ß aujs Wunsch, den man durch eine Zweipfennigpostkarte
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Politische Tagesschau.
Den dentsch-amerikanischen Profefforen Austausch feiNrtt mm Mittwoch ein Bankett deS Präsidenten N. M. B Ml ff c von der Columbia-Unioersitat in New-Pork. Das Fech>ühl war der Errichtung eines Lehrstuhles für amcri- kam.rhe Geschichte und Einrichtungen an der Berliner llih; ocrfitö t gewidmet, der zu Ehren des Präsidenten dich Roosevelt-Professu r genannt werden solle. Ehren- nSIFfli waren der Botschafter Speck v. Sternburg und James der die Mittel für die Errichtung deS Lehrstuhles! ni^Vtvsügung gestellt hat. Die Reihe der Festreden eröffnete
Butler mit einem Toast aus Roosevelt und Kaiser In:, .die beiden Männer, die Denken und Geist der Völker repräsentieren*. Der deutsche Botschafter sagte in» Inner Ansprache u. a.;
Lä glaube, wir sind uns alle darin einig, daß die Mieß- <n guten Wirkungen der neuefblierten Theodore Roosevelt- chhm an der Berliner Universität kaum überschätzt werden im. Ter Plan ist geeignet, die gute Gesin nun gzwi- tr Völkern, welche alle gewissenhaften und gebildeten »Ittel sich wünschen müssen, ,u fördern. Tie schlimmsten U>.' inscrcr Zivilisation, die täglich ihren Segnungen in den 3 trcken, sind Neid, Tünkel, Lieblosigkeit und vor allem Miß- ttic im, Denen leider so viele Nationen noch geneigt sind. Ich habe nur« du angenehme Pflicht, Ihnen ein Telegramm Vvv- trv welches ich soeben vom Deutschen Kaiser erhalten habe: fioh'chafter Freiherr v. Sternburg, Washington.
rpr'chen Sie meine vollste Shmvathie mit der Bewegung, den essorenaustausch betreffend, aus. Wir sind sehr zufrieden tut* Ptr-efsor Peabody und dankbar, ihn zu haben. Er ver- fclrn bei mir in meinem Dause, ein gelehrter und g e r n ge1 |tl)c n er Gast. Meinen herzlichsten Tank an Mr. Speyer fu-1- fein- schöne Gabe siir Errichtung eines Lehrstuhls in Berlm. T»!rt NlÄtausch der Gelehrten ist das beste Mittel für beide N.i hn • . sich ihrem inneren Wesen nach kennen äu lernen, und fnncH k.ntsmingt gegenseitige Achtung und Liebe, die Frieden o.m rbfir gen. Wilhelm."
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" dem rs ohnungen der Einleger durch unseren Diener r:igt avtzih0>lt werden. Denselben wird ein jüngerer Bureau. ■ ■ tg «ur begleiten, der zur Kontrolle die mitzugebenden Bar-
yfld 6irai ^eäiKic in ein Verzeichnis einzutragen hat. Damit kein «^enthalt entsteht, wird gebeten, Einlagebücher und ' Gtz^cr sowie einen Zettel, auf welchem die Wunsche der WM । verzeichnet sind, zur Abholung bereit zu halten.
D!« erste Erhebungsgang wird Freitag, den 22., der aNWüe Freitag, den 29. lfd. Mts. stattfindeu. Nach ec.fälltet Eintragung werden die Bücher in die Wohnungen gÄ’ . gebracht. Für das Abholen und Zurückbrmgen der
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stm gleicher Weise können auch die am 1. Januar k.l. fälligen Zinsen abgeholt werden.
ließen, den 18. Dezember 1905.
Der Vorstand der Bezirkssparkaffe Gießen.
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Verhältniffen; er bezog 3000 Mk. Gehalt. Er hatte hier mit den AuslandSgütem zu tun und soll dabei große Veruntreuungen begangen haben.
lieber die Auffindung der Leichen entnehmen wir nach dem ,Fr. Gen.-Anz." :
.deute früh erhielt die Polizei eine mit Bleistift qefdivicbene Karte des Inhalts, bah sich Toter, Mutter, Tochter und Cohn im Frankfurter Stadtwald nn dem Knick der KulffoHrlschneise, 2'. Kilometer von der Lbersckiiveinstieae entfernt, das Sehen genommen hätten. Tie Karte war unteridhricben: Wendlandt. Gleichzeitig traf von der Karlsruher Polizei ein Telegramm ein, in dem diese beun Präsidium in Frankfurt anfraqt, ob dort etwas von dem uicrfacben Selbstmord ei *er Familie Wendlandt bekannt sei. $te Kriminalpolizei unternahm sofort Recherchen, die bis 1 Ubr 45 Min. vergeblich waren. Kurz vor 2 Uhr gelang es, die vier Leichen agfznfinden. Sie lagen in einer Reihe dicht nebeneinander, am Baume dnneheii hing eine Visitenkarte. „Georg Wendlandt und Familie, Frankfurt/ 91 nf der 1' üeffeite mit Tinte geschrieben stand: „*öerr, oerqieb uns unlere Schuld." An der äußersten linken ©eite lag die Mutter, boneben die Tochter, dicht neben ihr der Sohn und an der rechten Seite der Vater. . Neben feiner rechten Hand lag ein Revolver, aus dem vier Schüsse abgelchosfeii wareii. Unter dem Haupte des Vaters lag ein schwarzer Muff, ein steiler schwarzer Hut und ein Frouenhiit. Tic Leiche des Vaters ivar bekleidet, mit schwarzem kurzem Rock, schneoveißem Hemde, er trug keine Weste, schw irze Hose. Tie Kugel war ihm direkt ins Herz gedrungen. Ter Kons des Sohnes ruhte auf feinem weichen schwarzen Filzhut, der . - tu ar mit i 'warzer Ncdfahrerkniehose und schwarzen Strümpfen bekleidet. Auch er f"'tc einen öojub in der Herzgegend. Tie Tocl'ter, die wt braunem
Straßenlleid bekleidet war, hatte gleichfalls einen <-chud in« Herz, ihr Kvpr ruhte auf dem redeten ÜCrmc der Mutter, auch die Mutter hatte einen SSuß ins Herz bekommen und lag mtt dem Kopf auf dem bloßen Boden. Aus der Lage der pichen —' Mutter, Tochter und Sohn waren sorgsam mit einem Pelennen- mantel und Neberzieher -ngedeckt — ersah man, dag diesen drn Personen der tödliche Schuß in liegender Stellung vom Vater beigebracht worden ist und daß der Vater sich dann sell>,t zu Boden geleat hat und sich erschoß. In der Ueberziehertasche des DaterS fanden sich eine Anzahl Patronen. Tie Seichen hatten tarnt^ die Augen offen, die Leute müfien sich auf das Schrecklich« w-obl vorbereitet haben, denn die Schüffe sind nicht durch die Kleider gegangen, sondern wurden auf den entblößten Körper ab» gefeuert. ___
* Kleine Tageschronik Der steckbrieflichoer-- folgte Oberlehrer an der Baugewerbeschule m Lübeck, Regierungsbaumei st er Krede hat sich selbst gestellt. Er wird besch'lldigt, an seinen Schülern Vergehen gegen die Sittlichkeit begangen zu haben.
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