Mittwoch 20 Dezember 1905
155. Jahrgang
Drittes Blatt
M. 299
Giehener Anzeiger
Eeneral-Anzeigrr, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen
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Johannes Köhler
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tigen. Außerdem sei vom Arbeiterausscbuß cm Gesuch nm Gewährung von Teuerungszulagen eingegangen.
Stadtv. Löb er bemerkt, man Hütte recht gut dem Wunsche der Laterncnwärier ohne weiteres willfahren können und sollte den Leuten dieses Weilinachtsgeschenr machen. Stadtv. Kirch ist ebenfalls der Ansicht, daß^man endlich einmal dem Gesuch entsprechen möge. Tie eaajc schwebe seit Februar 1904. Oberbürgermeister Mecum De-, merkt, es liege ein Beschluß der Versammlung vor. daß die Lohnverhältnisse gleichzeitig geregelt werden sollen. Uebrr- gens seien nach einer Statistik die hiesigen Laternenwarter besser gestellt, als in den meisten Nachbarstädten. Stadtv. Löb er befreitet dies. Stadtv. Sch mall meint, man solle sich nicht so auf den Arbeiterausschuß zurückziehen. Amh in' anderen Fällen habe man ohne weiteres über gleich« Gesuche beschlossen. Stadtv. Kirch weist darauf hm, daß der Direktor des Gaswerks das Gesuch befürwortet habe und beantragt, daß die Gaswerksdeputation in ihrer bald abzuhaltenden nächsten Sitzung sich mit der Sache beschäf- rioen solle. Stadtv. Heichelheim unterstützt dies- Tte Versammlung ist hiermit einverstanden, ebenso der Vorsitzende. — Es folgt eine geheime Sitzung.
Rotationsdruck und Verlag bet Brübl'lcbe» UntverfuätubrudereL 9L Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition u. Druckerei ©djulftr.t.
icL Nr. öl. lelcgt.-'21bt.; Anzeiger
Verpflegt wurden aus ihr 16 Pfründner mit 4286,50 Mk. Aufwand.
Die Armenkasse hat im Jahr 1904, da die wirtschaftliche Lage in Gießen sich günstig anließ, wesentlich günstiger abgeschlossen als der Voranschlag vorsah. Von dem vorgesehenen Zuschuß au? der Stadtkasfe wurden 900 Mk. nicht in Anspruch genommen und der städtische Zuschuß ist der geringste seit 10 Jahren. Der Abschluß verzeichnet in Einnahme 72039,53 Mk. und in Ausgabe 66912,97 Mk. Der Voranschlag für 1906। steht in Einnahme und Ausgabe 84500 Mk. vor. Erhöht wurden u. a. die Zuschüße zum allg. Verein gegen Verarmung um 200 Mk. auf 1200 Mk., zum Verein für Krankenpflege um 200 Mk. auf 800 Mk. und für Konfirmandenkleider um 100 Mk. auf 800 Mark.
Stadtv. Tr. Ebel fragt an, warum für Inanspruchnahme von Bädern usw. nichts vorgesehen sei und ob es nicht angängig sei, pflichtvergessene Familienväter zur Unterhaltung "ihrer Angehörigen heranzuziehen. Es sei möglich, daß Arbeitsscheue und Trunksüchtige an die Landcs- Polizeibehörde überwiesen würden, und Hann könnten sie zu öffentlichen Arbeiten herangezogen werden.
Aus den ersten Teil dieser Anfrage erwidert Bcigeordn. Curschmann, es würden aus dem Dispositionsfonds erhebliche Mittel für diesen Ztveck aufgewendet, sodaß die Inanspruchnahme der Armenkasse nicht erforderlich sei. Für Kinder könnten in dieser Richtung auch die Mittel der neuen Bückingstiftung Verwendung finden. Die Ueberweisung Trunksüchtiger usw. an die Laiidespolizeibehörbe sei gesetzlich allerdings möglich, aber von den Schöffengerichten kaum zu erlangen. Er habe Schritte getan, um den Amtsanwalt zur Einlegung der Berufung in solchen Fällen zu bestimmen.
Stadtv. Tr. Ebel würde in der Sache lieber ein amtliches Vorgehen sehen und regt au, den nächsten Armen tag damit zu befassen.
Tie beantragten Niederschläge uneinbringlicher Aus stände für 1904 wird beschlossen. Bei der Stadtkasse werden 10 860,71 Mk. (darunter 8683,07 Mk. Einkommensteuer) und bei der Elektrizitätskasse 10,52 Mk. niedergeschlagen.
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Verschiedenes.
Oberlehrer Tr. Klein hat dem Oberbürgermeister die Mitteilung gemacht, daß von Januar ab zunächst in den drei ersten Monaten allwöchentlich einmal Volksbil- dunaskurse hier stattfinden sollen. Es wird um unentgeltliche Ueberlassung der Turnhalle der Oberrealschule hierfür gebeten, auch soll die Stadt Heizung, Beleuchtung, Reinigung und die Transportierung der Bänke übernehmen. Der erste Kurs beginnt am Samstag, 13. Januar, mit einem von Tr .Klein abzuhaltenden VortragszyNus über die Entstehung des modernen Deutschland von 1740—1812. Ein philosophischer und ein literarischer Zyklus sollen sich an- s schließen. Aus Antrag des Oberbürgermeisters wird zunächst für dieses Jahr dem Ansinnen entsprochen.
Zwei Gesuche um Erlaubnis zum Wirischafts- betrieb werden befürwortet. Tas eine ist von Christian Bel zfür Neustadt 55 (Pfau und das andere von K. Wedel Witwe für Grünbergerstraße 27 (zum Krokodil) eingereicht worden.
Stadtp. Löb er fragt an, wie es mit dem neuen Ge- s uch der Laternenwärtcr um Lohnerhöhung stehe. Tie Wärter petitionierten jetzt seit zwei Jahren um eine Aufbesserung von 53 auf 60 Mk, dem solle man doch endlich willfahren. Oberbürgermeister M e c u m erwidert, daß ein neues Gesuch am Samstag eiugegangen fei. Tie Erhöhung der Bezüge der Laternenwärter stehe im engen Zusammenhang mit der Regelung der Lohn Verhältnisse beim Tiefbauamt, und es werde eine der ersten Aufgaben des neu- gebildeten Arbeiterausschusses sein, sich hiermit zu beschäf-
Sitzung -er Stadtverordneten.
Gießen, den 18. Dezember 1905.
(Schluß.)
• Städtische Arbeiten und Lieferungen.
"! Bei der Lieferung von Zement für die Cielbanten tiilb )s»n Theater-Neubau steht im Lieferungsvertrag, daß der 9St:'S für 2.76 Mk. fich nur auf im Jahre 1905 zur Ab- r« ne gelangenden Zement beziehe. Da nach einem Syndi- ntai6bi',rf)(uü die Zementfabriken vom 1. Januar ab nicht tintir 3.10 Mk. liefern dürfen, hat der Oberbürgermeister mit bü3i c*erantin der Stadt ausgemacht, daß der bereits für die $U |na!jauten und den Theaterbau bestellte Zement zu dem «Hu Satz geliefert wird, ein etwaiger Mehrbedarf für beide A.^kke soll dann mit 3.10 Mk. bezahlt werden. Nach kurzen SBBimtrungen der Stadtvv. Gabriel, Löber und Jug- bl |rb: erklärt sich die Versammlung hiermit einverstanden.
Tie Drainage auf dem neuen Friedhof muß ntwien des gesteigerten Verkaufs von Erbbegräbnissen in vcHtr"m Zug erfolgen als seither. Der hierfür geforderte flf'Hbit von 1000 Mk., der voraussichtlich für die beiden rn.Dem Jahre auSreicht, wird bewilligt.
Der für das Leihen von Dampfwalzen erforder- Lbty 5 etrag von 2508 Mk. wird bewilligt.
Tue Beseitigung der Waggon wage bei der a reth e n h ütte ist von einigen Lagerplatzpächtern auixereiit worden, da die Wage infolge ihrer veralteten Kon- flimfficm mit Schienenunterbrechung nicht von LokonTotiven ßtafaffern werden darf, wodurch viel Rangierbewegungen mit ältfl Hand ausgeführt werden müssen. Tie Kosten betragen 1150 Tlf. Sämtliche Pächter von Plätzen haben nichts gegen L!nr kksseitigung eingewendet, und da die Wage wahrscheinlich ernt Rlmstädtertor als Ersatz für die dort befindliche, die nicht fttntbr Hange gebrauchsfähig ist, verwendet werden kann, ist ei ndi Vie Versammlung mit der Beseitigung einverstanden.
Zmr die endgiltige Wiederherstellung der ?!8^'tklirb e l-O be rf l ä ch e n hat die Postverwaltung die toten zu tragen, die nunmehr mit 6780 Mk. berechnet funb, wozu noch 500 Mk. für Nacharbeiten kommen. Die S Bol'lte'^Örbe hat sich hiermit einverstanden erklärt und ebenso rhimmi die Versammlung zu.
Ter Anschluß der Irrenanstalt an daß Elek- tiniji! ätSrocrf, der bereits beschlossen ist, erfordert 45000 5Nrk hToftcn. Nach den anderwärts gemachten Erfahrungen j mi) kie Anstalt für 10 000 bis 12 000 Mk. Strom jährlich r «tcr-uichen, wodurch eine ausreichende Verzinsung der Kosten blei fic be[8 gesichert ist. Von der Versammlung werden keine Gfitwendungen erhoben.
Auch die beantragte Kabellegung in der Kirch- W tllß«, wo das neue Pfarrhaus angefchlosien werden soll, nrnt) t-ewilligt. Die Kosten betragen 420 Mk. und eS ist auj HO Jahre ein Stromverbrauch von 42 Mk. jährlich gement crl.
Rechoungsangklegenheiten.
j D i e Löbersche Stiftung hat 1904 bei 27 504,93 AlLrk Einnahmen 27029 Mark Ausgaben gehabt. Die Klevilad zinsen erbrachten 2389,51 Mk., zurückempfangen wurden 2 MO Mk. Kapitalien und neu ausgeliehen 25000 Mk. Für di*Verpflegung von 8 Pfründnern mürben 19,78 Mk. auf- fl|aenbet. Da? Vermögen stieg um 100 Mk. und beträgt jkch 53242 Mt. Der Voranschlag für 1906 wurde auf I 18»,0-6 festgestellt.
Di e Plocksche Stiftung besitzt 112,185 Mk. föcv* rttuioen.. Sie nahm u. a. ein 565,29 Mk. Pachtgelder, lHöl.50 Mk. Zinsen, 11700 Mk. zurückempfangene Kapitalien.
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Gedichte von Otto Kindt.
— Otto Kindt, .Herbstlese. Stimmung.m und Bilder. Leipzig, Georg Wigand, 1905. — In diesem mit erlesener Zier geschmückten Buche sanAnelt Otto Kindt, >vas sich ihm bisher zu Stimmungen und Bildern verdichtet hat. „Herbsttese nennt er die Sammlung mit der stillen Wehmut, die ans solchem Wort leise zu uns herübertönt. Das ist die Wehmut des reifen Mannes, der in seines Lebens Frühherbst die Ernte emes sommers, eines nie miederkehrenden, in die Scheune gesammelt hat und nun prüfend den Ertrag lauter unb leiser Tage überblickt. Wenn aber redlich lesen heißt: reicher werden, so darf ber, der diese Selbstpriifiing anstellt, zufrieden sein, denn er i st reicher geworden, hat sich von dem einfachen, schlichten, volMiev- mäßigen Empfinden der früheren Gedichte zu dem tu Hymnen und Balladen sich ausstromenden Stimmungston der spateren ?ahr>- entwickel!. Eine Seele, der die Natur anfangs nur die hegende, gute Mutter ist, fühlt mehr und metzr die Große, d 's ewig Geheimnisvolle, das aus dem bewegten Meer, aus dem düsteren Schweigen des Waldes aii unser inneres Leben rührt, und von den Tächtern immer aufs neue gedeutet und ausges^ochen werden will, daß es uns ein Born und unersä-äpster Reichtz tum sei. Und ernster wird das Leben der Menschen, wird fra^n- und sorgenvoller, ie weiter sich unser Weg dehnt, je vernehnv- licher in-u ns die Stimmen tverden, die in den Tagen unseres schwärmenden Jugend schliefen oder uns harmonisch zu dem hohen Liede von des Lebens Kraft und Größe zusammenzuklingen schienen So wachsen auch in dieser „Herbstlese"' auS den klemen Liedern welche von der Liebe Glück und Weh, von treuer Mutterliebe und der Kinder Freuden sagen, die Balladen der späteren 3cit hervor, in denen viel Schweres von Kamps und Tod, fron, Sünde und Verführung, Leid und Schuld zu lesen steht. Wer. doch und trotz alledem: uns bleibt auch hier die Jnn,g?elt^ eines rechten Mensckien nicht verborgen, der fick die liebensnxrtei und zarte Seele seiner Jugend bewahrt hat. Und darum läßt! uns die Derbstlese aus einen fröhlichen, feinen Winter hoffen.- Sollen wir sagen, was uns besonders gefallen hat, so nennenj wir in erster Linie „Stille Fahrt" mit feiner feierlichen Wend- stimmung, „Mnrienfäden" und „Arm", die tiefes Weh mit faft; Stormifchc- Kürze aussprechen. und „Zuweilen", eine nicht oll-, tägliche Stimmung zart erfaßt Daran schließen sich mit ge-i ringein Abstand: „Einsam wanderten wir beide . . . , „An die/ Liebe", „Stelldichein", „Frohes Erwachen", „Zweikampf" ^dies Gedickst konnte die Perle der Sammlung sein, wenn die lavi-, dare Wuckl des ersten Anlaufs bis zum Schluß beibehalten märe),:
Von eines Berges grünem Stein . . .", „Abendlied" (rem1 und innig , „Im Mühlental", „Abendrot" (schön sind die SÄuß- zeilen', „Der Stadt geig er von Lauterbach" (wohl das vollendetste humoristische Stück) und „König Rings Gemahl".' Andere werden anderes finden, daran sie sich erbauen; alle sind eingeladen, danach zu suchen. —xl
Märkte.
ko. Frankfurt a. M., 19. Dez. Heu- unb Stroh- markt. Man notierte: Heu Mk. 8.50 bis Mk. 3.80, Stroh, ;gp. 2.50—2.90. Astes per 50 Kilo. Tendenz: belebt.|


