Nr. 177 Erstes Blatt.
155. Jahrgang
MorttagSl. Juli 1 »05
Pie heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.
— Wie der .Hannov. (Sour.* meldet, ist sämtlichen
schästiqt werden dürfen
Newyork, 30. Juli. Der Pflanzenphysiologe M o ore reichte dem Ackerbaudepartement unfreiwillig sein Entlassungsgesuch ein. da es sich herauSstellte. daß seine Gattin Teilhaberin einer Kunstdüngerfabrik ist. für die er in offiziellen Dokumenten eine R i e s e n r e k l a m e machte. Weitere Enthüllungen schmutziger Praktiken stehen bevor. In 2R I Washington erwartet man bestimmt nach Beendigung du - " 1 Untersuchungen den Rücktritt deß Ministers Wilson.
wurden zurückgeworfcn. Auf französischer Seite ist ein Eingefrorener getötet und drei Franzosen sind verwundet worden.
Sachalin.
Tokio. 30. Juli. (Amtliche Mitteilung.) Die Sachalin« armee berichtet: Am 27. Juli wurde bei Tagesanbruch du Vormarsch unter energischer Zurückdr.ängung free Russen fortgesetzt, um 3 Uhr nachmittags besetzte die Avantgarde Terbenskoje. während die japanische Kavallerie in Lonikow einrückte. Eine japanische Abteilung, die ^ostwärts durch den Bezirk von Hovvrnich Aelowskoje vorrückte, schlug am 27. Juli um 3 Uhr nachmittags die frei Weder- nikowski stehende russische Infanterie und Artillerie und ging sofort zur Verfolgung der Russen über.
Tokio, 29. Juli. Alle auf Sachalin gefangenen Ruflen loben die Tapferkeit der Japaner. Die Russen beklagen
Schutprotz- 7. ßldreüe für Depeschen: «nzetger Gießen. ^rrnsprkchans<hluß Nr. 51
Eigenschaft als Generaladjutant der Stellung als Kommandeur des dritten sibirischen Armeekorps enthoben wurde.
preußischen Regierungspräsidenten eine Verfügung des Ministeriums des Innern zugegangen, nach welcher russische und österreichische Arbeiter polnischer Nationalität in preußischen Industriebetrieben nicht mehr be-
UMische Tagesschau.
Hebet die letzte Oslerreise deutscher Studenten nach Frankreich und die aus diesem Anlaß geschehene diplomatische Aktion berichtet jetzt hochinteressant der Präsident fr er großen Pariser Studenten - Association, Louis Nogu^reS, in dem MonatSbnlletin seines Vereins. Der Besuch der deutschen Studenten wurde von dem Dozenten Eouchoud vorbereitet, welcher sich an den Vorstand Pariser Studentenvereine wandte. Dieser beriet sich zunächst mit
Deutsches Ueictz.
Danzig, 30. Juli. Der Kaiser, welcher seine Weiterreise von Danzig verschoben hat, fuhr gestern zu der auf der Rhede von Nenfahrwafler liegenden Schlachtflotte und kehrte nachmittags wieder auf die .Hohenzvllern" zurück. Er unternahm heute eine Fahrt durch die Stadt und stattete der Gielfrzinskischen Kunstsammlung einen längeren Besuch ab.
Neufahrwasser, 30. Juli. Der Kaiser hat heute abend auf der .Hohenzollern« Danzig verlassen und begibt sich nach Kopenhagen.
Berlin, 30. Juli. Die Ankunft des Kaisers m Kopenhagen wird für morgen nachmittag 4 Uhr erwartet. Der Besuch wird höchstens zwei Tage dauern. Ter Kaiser wird beim König auf Schloß Bernstorfl wohnen.
— Zu der Enthüllung des Kaiser Wilhelm- Denkmals in Nürnberg in der zweiten Woche des November lud der Prinz-Regent den Kaiser, die Kaiserin, das Kronprinzenpaar, den Großherzog und die Großherzogin von Baden ein. Von allen erfolgte Zusage. Mit der ö-eier ist eine große Truppenparade verbunden. „ ,
— Dem Großherzog von Sachsen-Weimar will man schon jetzt eine neue Ehe insinuieren. Die „Nvrdd. ReichSkorr.* schreibt: „Wie aus weimarischen Hofkreisen mit Bestimmtheit verlautet, wird sich der Großherzog von Sachsen-Weimar nach Ablauf des Trauerjahres mit der jüngeren Schwester seiner verstorbenen Gemahlin, der Prinzessin Hermine von Reuß ä. L., verloben. Großherzog Wilhelm Ernst ist am 10. Juni 1876 gefroren, also 29 Jahre alt; Prinzessin Hermine wird im Dezember 18 Jabre. „Mit Bestimmtheit" verlautet oft etwas, ohne daß es Tatsache wird. , f
— Thüringische Blätter bringen übereinstimmend folgende Meldung aus angeblich autoritativer Quelle: Ter Kaiser von Rußland hat das Gesuch deS Großfürsten Cyrill von Rußland um Genehmigung zur Eheschließung mit der geschiedenen Großherzogin Victoria Melitta abermals abgelehnt.
— Der neue deutsch-bulgarische Handelsvertrag ist heute hier durch die deutschen und bulgarischen Delegierten paraphiert worden.
'__ Die „Germania" veröffentlicht die Einladung zur
62. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Straßburg i. E. zum 24. August.
__ Am 8. August finden in Berlin und den Vororten öffentliche Volksversammlungen statt, um gegen die Fleisch- nct und die Fleischverteuerung Protest zu erheben.
Casimir Pörier, Profeffor Lavifle u. a. und bat dann auch den damaligen Minister frcS Aeußeren, Delcassö, um eine Audienz, welche sofort gewährt wurde. Delcassö gab seiner Freude über den Besuch der deutschen Studenten lebhaften Ausdruck. Gewiß sei e8 klug, Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen, um etwaige Zwischenfälle zu vermeiden. Aber das dürfe nicht verhindern, daß der Verkehr zwischen den deutschen und französischen Studenten von dem Geiste rückhaltloser Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit beherrscht werde. Nach dieser Er- Harung Delcassös war Noguöres sehr überrascht, als er vier Tage vor der Ankunft der deutschen Studenten den Besuch des Freiherrn von Lucius, des Sekretärs der deutschen Botschaft in Paris, erhielt, welcher ihm mitteUte, daß man inBerlin wünsche, der Besuch der deutschen Studenten möge unterbleiben, weil man politi, che Kundgebungen befürchte. Noguöres hielt diese Befürchtung für grundlos. Lucius antwortete jedoch, er müsse die Befehle amsführen, die er von Berlin erhalten habe. Darauf berief sich Nogutzres auf die Äußerungen Delcasses. Schließlich begab er sich mit dem Freiherrn von Lucius zu fierrn v. Flotow, welcher damals die Geschäfte der deutschen Botschaft leitete. Noguöres erklärte gegenüber v. Flotow, daß die deutsche Regierung besser getan hätte, sich an die Universitatsbehörden in Berlin und Göttingen zu wenden, um die Studenten von ihrer Reise abzuhalten. Der Minister des Aeußern habe seinerzeit keine Bedenken gegen den Besuch geäußert, und es sei doch normal, daß die deutsche Botschaft sich an den Minister des Aeußern wenden sollte. Herr v o n Flotow hielt dies jedoch nicht für au gezeigt. Er bat den Präsidenten des Pariser St u d en t e n v e r- eins, von dem Vorgegangenen nicht zu sprech en, und verabschiedete sich mit den Worten: „Empfangen Sw Ihre Gäste, aber vergessen Sie nicht, welche Verant- wo r t n n g Sie auf sich laden." Roguöres schließt diese Erklärung mit dem .Hinweis auf die damals erst beginnende Diskussion über Marokko und mit der Mitteilung, daß Delcassö die anonyme Persönlichkeit war, welche die Kosten deckte, die den Pariser Studenten durch den Empfang ihrer deutschen Kommilitonen erwachsen waren.
Belgrad, 30. Juli. Große Erregung ruft hier die Meldung hervor, daß eine bulgarische Bande in der wn- gebnnq von Prist fünf Serben getötet hat, einem ^erfrischen Geistlichen die Zunge abschnitt und den Vertreter des serbischen Metropoliten ermordete.
Konstantinopel, 29. Juli. (Wien. Korr.-Bur.) Em bei dem RegierungSgebäude m Dkakova Posten stehender Gendarm serbischer Nationalität wurde von vier Albanesen ermordet. Tie Täter sind entkommen.
A'lgier, 30. Juli. Nordöstlich von Fiamg fand, wie amtlich gemeldet mied, zwischen einer Abteilung jnzä- s i s ck e r Truppen und einer Bande marokkanisch ouoei ! ein Kampf statt. Die Räuber erlitten große V e und
•titelet Ueli* außer Sonntage.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die GießeNer Samillen- Kittet viermal in der Woche betgelegL
NotalionSdruck n. ®er- ka der Brühl'schen ^Uoerl^Buch'U.Vttin- trudertt. 8L Sang«.
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Q /S O momttltch7dM^viertel-
GletzenerAnzei-rrW
” General-Anzeiger
Amts- und Anzei-eblatt fiir den Kreis Gießen ZWZ
Jeutsch-Südwestafrika.
Berlin, 30. Juli. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Leutnant Ludwig Salm, geb. 24. Jan. 18-6 zu -2aar- burg i Nhld., früher im Pionierbataillon ihr. 16, am . „
b I im Feldlazarett 12 Lüderibbncht an 5) er z s chwa che gc-,-------v---u- ... snrx,,_
ft o r b c n. Reiter Emil Zahn, geb. zu Langenberg, am 18. Juli Konstantinopel, 30. Juli. Die türkischen Blätter b I. auf Patrouille frei Harugas gefallen. Reiter ^ermann me(bCn offiziös, daß Marschall Achmed Fezi-Pascha einen Müller, geb. zu Braunschweig, am 26. Juli fr. in ftanbib I ncucn Sieg über die Aufständischen in fernen bürg, 29 Juli. Mit dem "-Mampfer „Lulu Dohlen" errungen habe. Den Truppen gelang cd, die Aufständischen sind heute ein Tri'pven-und Pferdetransport für Dcutschsüdwcst- aus dem befestigten Platze Tie im Sandschak Asstr zu ver- afrika, bestehend aus 22 Offizieren, neun Unteroffizieren, 280 frc,ben unb in Jbha einzilmarschieren, wo die Aufständischen Mann sowie 500 Vfiwden al'geg'ngnr___ s^it der Belagerung an 1000 Mann verloren. 50 ihrer
I Führer wurden gefangen. Auch aus anderen Ortschaften
Christiania, 30. Juli. Das Storthing setzte den ivurden die Aufständischen mit vielen Verlusten vertrieben.
Zoll auf Kartoffeln auf 50 Oere für 10Ö kg fest. jDie Truppen haben unbedeutende Verluste.
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Diesbezügliche Meldungen kommen aus Berlin, sowie aus Vulgaren verübt wurde. LiRfcorm» ffrnpbnt»
Kopenhagen Der Berliner Vertreter des „Standard" beutet In Polarkreisen verlautet, daß das bisherige @rgebmi
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stehenden Zusammenkunft darüber sprechen wird. Jedenfalls i|t sehr verschärft worden.
sei diese Annahme wahrscheinlicher, als die meisten Gerüchte, . Die P°lt,e. behauptet, -uf w.cht'gm Spur zu sm. welche über die Monarchenzusammcnkünfte verbreitet wurden. Em kürzlich hier eingetroffener Russe, »wwenS p, s Die Morning Post" veröffentlicht einen Leitartikel, in dem Tage des Attentats verschwunden Der Wagen, welche die Unmöglichkeit, die Schließung der Ostsee zu dulden, her- bei dem Attentat eine Rolle gespielt haben soll, soll dem voraehoben wird. Sie schließt ihn mit der Forderung, Russen gehört haben ..
»naland möae sosort 12 neue Schlachtschisse in Der Jungtürkensührer Dr. Abdullah Di-vded der Bau nehmen, damit es inistande sein wird, solche Forderung, Chefredakteur des Parteiorgans Jhf^d, der aus der Schwe^ wie die Schließung der Ostsee, gewaltsam zu verhin. ouSgewiesen, seit einiger M ™.n b«
dern — Der Generalagent für Neu.SüdwaleS bespricht Mitarbeiter der Humamtb , daß das Attentat gegen den
in einem Artikel in der Times, wie er sagt, aus Wunsch Sultan von MU elman,scher Seite ausgegangen sn. Der Ur-
des Generalageillen der verschiedenen australischen Staaten, Heber des Attentats sei em Turke em Mann aus dem
die Laae bezüglich der Marschall-Inseln in sehr par, Balke, der im Augenblick der Explosion seiner Bombe ge Uiische?^und deutschfeindlicher Weise. Er behauptet, tötet wurde DerAttenMer h°beMstw.ffer und He serS. Deutschland wolle unter dem Mantel leerer Versprechungen H elfer IN d er Umgebung des SuUanS gehabt.
die australischen Forderungen vergessen machen ;et e,n ähnlicher Anschlag schon vor acht Monaten geplant und droht mü Vergeltung gegen den deutschen gewesen, jedoch gescheitert Der Attentäter Ans H.ckmet, ein sandel mit Australien ehemaliger Student der Medizin und Anhänger der jung*
— Das amtliche Programm für die Festlichkeiten zu türkischen Partei, wurde damals in Konstantmopel auf dem Ehren des Besuches der französischen Flotte, die Sultan-Achmed-Platze verhaftet. Drei Bomben wurden bei am 7. August in Cowes eintrifft, läßt an Abwechslung und ihm gefunden. Arif Hlckmet gelang eS, durch ferner Pracht kaum etwas zu wünschen übrig. CoweS, Portsmouth Kompttzen aus dem Gefangms zu entfüehen. Er befindet und London überbieten sich förmlich in der Ausübung der sich gegenwärtig m Slchcrhett.^
altherkömmlichen englischen Gastfreundschaft während des Dec in Freiheit gesetzte^Nürnberger Lehrer HanS Heller siebentägigen Besuches der Flotte. Eine glänzende Festlichkeit bleibt auf Wunsch des Yildizkiosk biS auf weiteres m Kon- wird der anderen folgen. Bei einigen werden König Eduard stantinopel. Seme Behandlung wahrend der^ ersten zwe, und die königlichen Prinzen eine hervorragende Rolle spielen. Hafttage ließ viel zu wmifchen übrigi und ferne Lage ge Der König wird am 9. August die französische Flotte besich- stattete sich beende rs kritisch, als em Mollah bei der Kantigen. Beide Häuser deS Parlaments werden die französischen frontation mit Heller m ihm den Attentäter S" erkennen Offiziere festlich bewirten. Diesem Punkte des Programms angab, was er jedoch spater auf einen Irrtum zuruchuhrte. wird eine gewisse politische Bedeutung beigelegt. Z" dem heutigen Selaml. (die mit allerlei Zeremonien
Budapest, 30. Juli. In einer im Magyar Nemzet" verbundene Auffahrt des Sultans nach der Moschee zum veröffentlichten Unterredung weist der Minister des Gebet am Freitag) erschienen alle fremden Vertreter und c, (h-ii'toffn den Vorwurf zurück daß er mit den wurden vom Sultan empfangen, der den Nervenchok bester
Mngstm betreffs d?s allgemeinen geheimen Wahl, überwunden hat als manche andere beim Attentat Anwesenden, rechts gemachten Aeußerungen die Reihen der oppositionellen und in vorzüglicher Stimmung war. Da schon seit einiger Koalition springen wollte. Der Minister erklärt schließlich, Zeit italienische Anarchisten 'N der Stadt sem sollen wurden sich gern an die Koalition anzulehnen, wenn diese durch eine mit Zustimmung der Botschaft Haussuchungen bei verdächtigen ans der Griindlage des allgemeinen^ Wahlrechte- beruhende Sultans ward.
VQt QJ^Cbie1'3J1 uni8ipien nacheinander nicht nur die die F""°l'ung aller Sträflinge, welche ,wer Dr,tt^ Einberufung der Ersatzreservisten, sondern auch die An. ihrer Strafe been et haben oder m e.nem Jahre beenden gaben der Stammrollen, aus welchen der Wohnort der werden^angeordnett_____ —
cinzuberufcnden Reservisten ermittelt wird, verweigern, so -
herrscht bei den Militärkommandos große Bestürz-
6e.de Jammt die osWe Meldung ans Peters, einhändigen zu lasten. Die Reservisten sollen nun durch ^burg,^ daß General Stöffels rnito Be aJJung^m^ femej Maueranschlag zum Einrücken aufgefordert werden; von dieser Maßregel wird aber kein befriedigendes Ergebnis er-


