Ausgabe 
3.3.1905 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

155. Jahrgang

Freitag 3. Marz 1905

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen

3E

Ile öeutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

Bei

Die höheren Lehranstalten im preußischen Abgeorduetenhause.

Geheimrat Reinhardt bemerkt, daß bei der ErrichtrmK von Reformschulen äußerst vorsichtig vorgegangen werden müsse, denn wenn ein System in einem Teil unseres Vaterlands sich bewährt hat, so ist damit noch nicht gesagt, daß es überall so sein werde. Nach den bisherigen Erfahrungen wird durch den: späteren Anfang mit dem lateinischen und griechischen Unterricht das Interesse der Schüler lebhaft gefordert und der Lerneifer der Schüler an diesen Reformschiulen stehe in keiner Weise dem der Schüler an humanistischen Gymnasien nach

Abg. Tr. Wiemer (fr. Vp.) hält es für notwendig, daß- der st e n o g r a p h i s ch e Unterricht von den Lehranstalten selbst erteilt wird, und tritt für das System Stolze-Schrey ein. Weiter bekämpft er eine neuerliche Verordnung, daß nur geprüfte Lehrer. Stenographieunterricht erteilen sollen.

Abg. Gamp (frt) wünscht, daß der Wert der ReformschulL. den Gemeinden von der Unterrichtsverwaltung dargelegt werden' solle, dann werden diese auch gern zu diesem Schulsystem über-< gehen. Redner ist der Meinung, daß man aus unseren Gymnasien, die Schüler zu sehr als Kinder behandele. Bon dem conctlimn' abeundi würden die Eltern mehr getroffen als die Schüler. denke auch ilber die Scbülerverbindung>en viel milder als es die Tirektoren der Anstalten tun.

Minister Dr. Stu dt wendet sich dann nrit aller Bestimmtheit» gegen die Ausführungen des Abg. Gamp über die Schülerverbmd-, ungen, weil sich durch durch die heimlichen Verbindung sehr nach­teilige Wirkungen in unterri chllicker Beziehung geltend machen. Wenn gesagt werde, daß der Unterricht in den oberen Klassen mehr dem akademischen Charakter genähert , werden solle, so fei das eine weitgehende Anregung, sodaß sie der eingehendstes Erwägung bedürfe.

Ein Regierungskommissar erklärt, daß über die An- rechuung der Wartest der Lebrer Verhandlungen schweben.

Rußland in Sturm und Drang.

Es war ein Traum!

Tie Zweifel an der Aufrichtigkeit der russischen Ver­fassungs-Ankündigung stellen sich als vollberechtigt, heraus. Es mußte ja schon verwundern, daß nirgends in Rußland ein Freudenruf über die Verheißung sich erhob. Es hat eben niemand der Kunde Glauben geschenkt. Jetzt gibt, nach einer Petersburger Depesche, der Zar selbst ju erkennen, in Beantwortung einerErgebenheitsadresse" von Vertretern der Moskauer Börse, worin Anhänglich­keit an das Prinzip der Selbstherrschaft be­tont wird: daß er denalten Grundlagen des russischen S t a a t s l e b e n §>" t r e u zu bleiben gedenkt. Vielleicht ist dem Zaren inzwischen wieder eineDenk­schrift" unterbreitet worden diesmal aus dem Lager der Verfassungsgegner.

Bom englischen und franzöpschen Heere.

Gelegentlich der Besprechung der Nachtragssorderung von 550000 Pfund für die britische Armee erklärte am Donnerstag im Unterhause zu London der Finanzsekretär des Kriegsamtes, man habe bezüglich der Armee jede nur er­denkliche Sparsamkeit obwalten lassen, es sei aber dem Kriegsamte unmöglich gewesen, die Garnison in Südafrika, wo die Kosten für die Unterhaltung der Truppen bedeutend größer feien, als in England, in dem vorausgesetzten Maße zu verringern, .tote man erwartet habe. Die Lage in Ostasien sei so gewesen, daß es äußerst unklug gewesen wäre, sich der Pferde und anderer Transporttiere, die in Südafrika als Reserven unterhalten werden, zu entäußern. Im weiteren Verlause der Beratung erklärte dey Kriegsminister, infolge der Unsicherheit der internationalen Lago im vorigen Jahresanfänge sei es nötig gewesen, große Reserven! von Pferden und Transporttieren in Südafrika zu unter batten,, von wo solche nach Indien und anderen Bestinnmingsorten ver­schifft werden könnten da aber die Beunruhigung glüälickierweifei vorübergegangen sei, Inche da- Unegsamt seine ursprüngliche Ab­sicht auSaesührt und in dem Poste» für Transportkosten und dis

Berlin, 2. März.

Bei der UniversitätKönigsberg" spricht Abg. vorv K l i tz i n g (kons.) sein Bedauern über den großen Zuzug von ausländischetr Studenten, insbesondere aus Rußland nach Königsberg aus.

Zum KapitelHöhere Lehran st altem" liegt ein frei-, sinniger Antrag vor, die Lehrpläne der Volksschule und der höheren Lehranstalten in organische Ver-j b i n d u n g zu bringen und die noch besteheirden Vorschulen all-, mählich aufzuheben.

Abg. v. Schenckendork r tritt für eine energische Fördere ung d-r Leibesübungen und der Körperpflege an bot. .höheren Lehranstalten ein. Redner fragt weiter, wie sich die Re-j f o r m s ch u l e n bewährt haben.

Ministerialdirektor Tr. A l t h o f f erklärt, daß die Unterrichts-» Verwaltung bestrebt sei, im Sinne der Anregungen des 23or*i redners zu wirken. Tie Reformschulen hätten sich nach bett; bisherigen Erfahrungen bewährt.

Mg. Eickhoff (fr. Vp? bittet, daß den Lehrern an bett, höheren Lehranstalten die Wartezeit auf das pensionsfähige Dienst-« alter voll angerechnet werde. Redner bittet weiter die Erfahr-, ungen über die Reformschulen nach dem Frankfurter System mit­zuteilen. . Er möchte empfehlen in den oberen Klassen den Schü­llern ein größeres Maß von Freiheit zu geben, damit die Spannung zwischen der Gebundenheit der Schule und der Un­gebundenheit des Universitätslebens vermindert werde.

Nr. 53

< tLgNch außer Sonntag«.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem »elfischen Landwirt die Gießener Kamillen. Hättet viermal in der Woche beigelegt.

Notationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Stein­druckerei. R. Lange. Äebatticm, Expedition und Druckerei:

Gchttlstraße 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße».

Kernsprechanschluß Nr. 51.

Ve-ng-peel-r monatlich^ Pf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.L.viertel- jährl. ausschl. Besteüg. Annahme von Anzeigen ät die Tc 26mimmer »'s vomtittaqS 4 'Unc. Zc'tenvreiS: ».ok^L2P^ auswärts -iS

Verantwortlich fiste den polit. und tj Teil: P. Wittko- für .Stadt und Land" und . Gerichtss aal": Ä u a u st Goetz; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

TiePetersb. Tel>Mg." ist sogar in der Lage, aus authentischer Quelle folgerrdes nritzuteilen:

. Auswärtige Blätter versichern, der Landwirt schafts- Minister hätte den Befehl erhalten, einen Verfassungsentwurf auszuarbeiten, und es fänden bei ihm Beratungen hoher Be- amten statt; alles dies entbehrt jeder Begründung.

Das deutsche offiziöse Telegraphenbureau hat die Verantwortung für die Verbreitung dieser nun aufs entschiedenste dementierten Meldung.

Tas Ministerkomitee beriet am 28. Februar über Maßnahmen betr. die Abschaffung der Beschränk­ungen religiöser Bekenntnisse. Ter Gehilfe des, Ministers des Innern erklärte, die Abschaffung aller Be- stimmungen, ausgenommen der für unentbehrlich gehal­tenen, sei wünschenswert. Das Ministerkomitee erklärte, daß auch letztere nu.r bestehen bleiben könnten, wenn sie vom Reichsrate gesetzlich bestätigt würden, und schlug vor, daß der Minister des Innern binnen drei Monaten die Ab­schaffung aller die religiösen Bekenntnisse beschränkenden Bestimmungen außer * der als notwendig erachteten an­ordne und künftig bei der Behandlung religiöser Fragen nicht mehr die Anwendung der Vorschriften über die Sicher­ung der Staatsordnung und der polizeilichen Ueberwach- ung gestatte. Ferner wurde beschlossen, die Begnadig­ung der wegen religiöser Irrungen Ver­bannten oder Gesangfen en beim Kaiser zu bean­tragen.

ung noch der Stockholmer Hof die Voraussetzung geschaffen., Was da auf norwegischer Seite gesagt wird vom Uebermup des Großschwedentums, vom schnöden Treubruch; vonf Geringschätzung und Verhöhnung der norwegischen Ehre^ das findet in den Tatsachen wohl kaum entsprechende Be­gründung. Es sind dies Uebertreibungen, die sich aus der politischen Erregung, erklären lassen. Ten Norwegern kannj und soll nicht bestritten werden, daß sie berechtigten An­spruch haben auf Entgegenkommen Schwedens bezüglich ihrer besonderen nationalen Forderungen. Tie Union würde keinen Schaden leiden, wenn den Norwegern das Recht auf eigene konsularische Vertretung ein geräumt würde. Sie; zeigen ihre besondere Handelsflagge überall im Ausland- gegen die die schwedische an Bedeutung nicht hercmreicht- also ist die Durchführung des eigenen norwegischen Kon- fulatswesens im Grunde ein Gebot der Konseguenz. Eins schwere Verantwortung fällt aber auf diejenigen, die auss der gegenwärtigen Konflrktsstimmung heraus auf die staat­liche Trennung Norwegens von Schweden hinarbeiten. Dier Tragweite dieser Forderung läßt sich imr so weniger ab­sehen, als die Eiferer bisher noch nicht verraten habert, wre sie sich die vielgestalttge neue Ordnung der Tinge; denken. Auch der zur fi'chrenden Rolle unter den noriveai- scheu Separatsten gelangte berühmte Polarforscher Frith;of N ans e n beschränkt sich >aufs kritisieren, was ihm bei seinen! politischen Gegnern den spöttische Hinweis eintrug, erj tue besser, zur Wissenschaft zurückzukehren. Nock) darf aberr wohl die Hoffnung nicht aufgegeben werden, oaß es derr Einsicht hüben wie drüben gelingt, der skandinavischen Unionj die alte bewährte Grundlage zu erhalten. Ob oas persön­liche Eingreifen des Kronprinzen-Regenten, durch feinen# Brief, diesen Bestrebungen sehr förderlich ist, bleibt ab* zuwarten.

Z>er Krieg.

Rückwärts, rückwärts, edler Kuropatkin!

Petersburg, 2. März. Ein Telegramm des Generals Kuropatkin an den Kaiser vom 28. Februar meldet: Nach yettte eingegangenen Berichten griff der Feind die Vorhut unserer Truppenabteilung bei dem Dorfe Ubenapusa an; alle Vorstöße wurden zurückgeschlagen. Eine andere Ab­teilung hatte einen erbitterten Kampf mit dem Feinde, der die Front,und die linke Flanke bei Kudiasa angriff. Tas Ergebnis des Kampfes ist unbekannt. Unsere gegen das Torf Tomazuhan ent* wndten Truppen vertrieben den Feind aus Deile, Werst südwestlich von Tomag-uchan. Unsere Stellungen ztoisch'en Sacbepun, Kautulin und dem Putilvtohügel werden stark beschossen. Unsere Verluste sind, obgleich das Schießen noch nrcht.aufgehort hat, nicht sehr schwer. Teile unserer BorMt, die gestern die Anlagen am rechten Schaho-Ufer vor Sr? besetzten, hielten sich heute gegen einen nächtlichen Angriff der Japaner. Eine andere Abteilung dieser Truppen hatte gestern Tracht dreimal ein Gehölz am rechten Ufer des Schayo gegenüber Lamatun besetzt, mußte sich aber gegen Morgen mfolge großer Verluste durch das feindliche Mi- zS1 fcnfcuer bis auf ihre befestigten Stellungen zu- rückzrehen. Nach Berichten, die nachts eingingen, griff unvermnteterweise die Vorhut unserer Abteilung in der Nähe des Torfes Ubenepusa um 11 und 12 Uhr nachts und 3 Uhr morgens an. , Tie beiden ersten Angriffe wurden abgeschlagen, der zwerte mit dem Bajonett, ebenso der dritte. Dem Feinde gelang es, sich auf der Höhe des Zentrums fest- Ausetzen; infolgedessen mußten unsere Leute sich bis zum Wall des benachbatten Werkes z n r ü ck z i e h e n. Nach emer gestern abend hier eingegangenen Meldung hält sich die Abteilung bei dem Torfe Kudiapa noch in ihrer Stellung. Gegen den Kautilin-Paß gingen die Japaner um 3 Uhr morgens zum Angriff vor. Nachdem der Angriff mehrere Male zurück- geichlagen war, mußten wir zwei befestigte Stellungen, die durch das feindliche Jyener zu sehr gelitten hatten, räumen. Um 8 Uhr heute ftüh machten die Japaner mehrere Angriffe gegen das Torf Nahchinpu am Schaho, wurden aber zurück­geworfen. Tie Beschießung der'Berge Putiloff und Novgorod und der Stellungen bei Sandepu mit Belagerungs- und Feld- gescfützen. wird fottgesetzt. Unsere Verluste sind unbedeutend.

Tokio, 2. März. (Reuter.) Tie Japaner entfalten fort­gesetzt auf der äußersten Rechten eine rege Tätigkeit; ihr rechter Flügel dringt vorwärts und vertreibt die Russen ans ihren Stellungen. Tie Nachrichten aus dem Hanptguartier des. Marschalls Oyama melden, daß eine in der Gegend von Schingtsching tätige Truppenmacht nachdem sie Tsinkhichen eingenommen hatte, nunmehr den Feind nordwärts ver­folge In Tsinkhichen fielen, wie weiter gerneldet wird, den Japanern, große Mengen von Proviant in die Hande. Die japanische Truppenmacht, die von P e n s i h u aus tätig ist, vertreibt den Feind allmählich aus seiner Stellung, welche sich 13 Meilen nordöstlich von Pensihu befindet, ans einer weiteren, welche 7 Meilen nord­westlich von dieser liegt und aus einer dritten, die von der zweiten, in westlicher Richtung 4 Meilen entfernt ist. Nachdem der Feind nordwärts gedrängt war, nahmen die am Schaho stehenden Japaner Sunmupaotzu, 3 Meilen nördlich von Waitao- schan und Tiaochienhutun ein. Tie Russen verfügen auf beiden Seiten der Eisenbahn über viele Feldgeschütze und schwere Ge­schütze, die bisher nicht angewendet wurden, nun aber die lapanischen Stellungen beschießen.

Niutschwong, 1. März. (Reuter.) Heute nachmittag un­ternahmen 400 Mann japanischer Reiterei einen StteifMg nach Hsinmintun, wo sie die Eisenbahngebäude und die chinesischen Her­bergen durchsuchten. Hsinmintun war vor vier Monaten der Hauptplatz, für den Handel mit Kvnttebande. Zahlreiche dort lebende Händler wurden bei dem Angriff der Japaner von Schrecken ergriffen,. doch geschah ihnen kein Leids. Nachdem die Japaner die Turchsuchungen beendet hatten, zogen sie sich nach Pachiatun zurück. Man nimmt an, daß es dort zu einem Zusammenstöße mit den Russen kommt.

Stoffel beim Zaren.

Petersburg, 2. März. Heute nachmittag hatte General Stönel Audienz bei dem Kaiser in Zarskoje Sselo.

Kuropatkin.

, Wie dieTimes" aus Petersburg erfahren, wird am 5. Marz nn Krregsrat abgehalten werden, der entscheiden soll, ob Kuro­patkin abberufen werden soll oder nicht, und wer eventuell fein Nachfolger würde.

Klado.

Mr bekannte russische Kapitän Klado veröffentlicht ein Buch über die Kriegsflotte, worin er trotz des Schiedsspruches der Hullkonferenz immer noch unterstellt, daß die Fischer sehr wohl mit Japanern könnten abgekartet haben, deren Unternehmen mit Roschdjestwenskis Flotte zu begiinftigen. Am Schlüsse führt er aus, Rußland habe im Schwarzen Meer eine völlig unversehtte Flotte, die den Sieg über die Ja­paner sichern könnte, wenn sie in den ost-asiattschen Gewässern erschiene. Es sei unerhört, daß ein Vertrag diese Flotte am Auslaufen verhindere. Wo es sich um Leben imb' Tod handle, könne ein mächtiges Reich nicht sich durch ein Papier gebunden erachten. T-iplomatische Abmachungen seien Lust, wenn man stark genug sei, sich über sie hinweazusetzen.

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger &

Nene Ausstaude.

Petersburg, 2. März. In dem an der Eisenbahn Moskau-Nishni-Nowgorod gelegenen Fabrikbezirke Ore­chowo und Sujew0 sind gegen 60000 Arbeiter der Fabriken von Morosow, Bogorodski und andere in den Aus­stand getreten. Der Ausstand führte unter den Arbeitern zu Streittgketten, bei denen mehrere Arbeiter er­schlagen wurden. Wie den hiesigen Blättern aus Moskau gemeldet wird, entstanden diese Streitigkeiten dadurch, daß Arbeiter einen Fabrikanten überfielen, während andere ihnen entgegen traten. Militär ist in diesen Bezirk ab ge­gangen. Im Wyborger Stadtteile in Petersburg sind 10000 Arbeiter aus den großen Fabriken in den Aus­stand getreten.

Reval, 2. März. In den meisten Fabriken wurde heute neuerdings die Arbeit eingestellt.

Batum, 2. März. Im ZMgebäude wurden von den Arbeitern, die mit dem Abladen von Gütern beschäftigt waren, die Arbeiten eingestellt.

Rostow, 2. März. Tie Beunruhigung der Be­völkerung nimmt zu. Heute sind die Truckereiarbeiter< in den Ausstand getreten. Es kam zu einigen Zusammen­stößen mit Militärpatrouillen, wobei einige Personen verwundet wurden.

Sewastopol, 2. März. Veranlaßt durch den Aus- stand i^n d eu staatlichen Schiffsbau Werkstätten in Nikolajew richtete der Kommandierende derSchwarzen Meer-Flotte, Admiral Tfchukniwe, an die der Admiralität untknfftellten Arbeiter in Sewastopol eine Ansprache, in der er sie ermahnte, die Arbeit nicht niederzulegen, und in der er daraus hinwies, daß die unter der Leitung des Senators Schidlowski stehende Kommission bald alle die Arbeiter interessierenden Fragen regeln werde. Er bat die Arbeiter, nicht zu vergessen, daß der Ausstand in den staatlichen Werkstätten den Japanern zu gute komme.

Petersburg, 2. März. In einer Wählerver­sammlung von!9 «Abteilungen des russischen Arbeiter­verbandes wurde heute beschlossen, den gestern an den Senator Schidlowski gerichteten Fordemmgen hinzu- zufügen, daß die Familien aller Arbeiter und ihre Wohn­stätten unantastbar seien. Es wurde ferner beschlossen, bis morgen mittag auf Antwort zu warten und, falls dieselbe nicht beftiedigend ausfallen sollte, übermorgen den all­gemeinen Aus st and zu erklären.

Kiew, 2. März, Der Ausstand der Apothekerge­hilfen hält an. Von 23 Apotheken bewilligten nur drei die Forderungen der Ausständigen. Der Ausstand in den Druckereien ist im Zunehmen begriffen.

Petersburg, 2. März. Aus Baku wird gemeldet: Während der jüngsten Ereignisse wurden 350 Menschen getötet und zahlreiche verwundet. Ter Prokitrator ver­langte von dem Polizeichef Aufklärung darüber, wo die Polizei eigentlich während des mörderischen Kampfes gesteckt habe.

Verhaftung eines Gelehrten.

Tomsk, 2. März. 'Der Gelehrte Potanin ist ohne gesetzlichen Gnmd und Kraft eines bloßen Verdachtes seitens der Polizei am Vorabend seines 70. Geburtstages verhaftet worden.______ _________

Voliiische Tagesschau.

Los von Schweden!"

Das Gebäude |ber skandinavischen Union ist ein echt nordischer Holzbau, dem ein hineingetriebener und rastlos bearbeiteter Keil gefährlicher wird, als einem massiven Hause. 'Die jetzt mit äußerster Heftigkeit in Ehristiania aus- tretenbe Forderung eines eigenen irorwegischen Konsulats- Wesens wirkt in diesem Sinne als Keil. Tie Erschütter­ungen zwischen den beiden Staaten führten bisher niemals zu einer regelrechten Unionskrise, solange König Oskar die Staatsgeschäfte leitete. Tie (Situation verschärfte sich von dem Augenblick an, da die Beschwerden des Alters oeu König nöHgten, dem Kron prgnzen Gustav die Re­gierung zu übertragen, dessen Beliebtheit bei den Norwegern weniger allgemein ist. Immerhin ist die Plötz­lichkeit überraschend, mit der jetzt die radikalen Norlveger dre Parole:Los von Schweden!" ausgeben. Für eine so schroffe Stellungnahme hat weder die schwedische Regier-