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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen.
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die Wahl des neuen V orsitze nben der konservativen Fraktion, deS Nachfolger« des Abg. Graf Limburg. Die .Tonnnßrbcr* der zweiten Kammer sind sich wohl bereits schlüssia, wen sic auf den Schild erheben wollen, und c6 wird vermutlich ein nicht minder »rückgralsesier" Mann als Gras Lin,bürg sein. Sie haben keinen Mangel an solchen, das muß auch der polit. Gegner anerkennen, und zumal ber schlesische Hochabel, der wohl wieder den Vorsitzenden stellen wird, darf in dieser Einsicht als »zuverlässig" gelten.
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Ter „Porlvärts"-Skandal.
Streitigkeiten, die die „VorwärtS"-Frage in den Sozialdeinokratie hervorgerufen, hat der Abg. mit besonderer Erbitterung die sechs zurück-
und Ringen menschlicher Weisheit ist noch immer dec Irr« tum auf dem Fiche gefolgt. Der frei urteilende Mensch, bet dem Leben die Krone abgewinnen will, ist sich bewußt, daß eS nur ein wahres Sterben, nur eine wahre Ehre gibt: die Ehre vor Gott, die sich zu betätigen sucht in einem rechtschaffenen Lebenswandel, in reichlicher Arbeit für dos Wohl der Familie und der Mitwelt, in unwandelbarer Treue zu unserem Kaiser und dem angestammten Herrscherhanse und in einem unermüdlichen Wirken zum Belten deS Vaterlandes. Wer hiernach strebt, der lebt ein wahres Leben, der hat ihm den rechten Inhalt gegeben und kann getrost der Stunde entacgcn sehen, wo auch er zu seinen Vätern versammelt wird. Das Totenfest legt uns Erdenbürgern auch diese Wahrheit nahe, und ist somit geeignet, nicht nur den Ab- geschiedenen eine W ihe, sondern auch den Lebenden die rechten Wege für ihr Erdenwallen zu bereiten.
Grün berg, 23. Nov. Heute fand die Mitglieder- Versammlung der BezirkSspa rkasse Grünberg statt. Aus der Ja hresre chnung entnehmen wir. daß die Einnahmen 885 330,07 Mk., die Ausgaben 835 377,49 Mk. betragen, so daß ein Ueberschuß von 49 952,58 Mk. verbleibt. Die Zahl der Einlagen beträgt 2511. Die Aktiva und Passiva balanzieren mit 1 942 203,55 Mk. Der Rein- gewinn beträgt 4663,94 Mk. Eine Heb erficht gibt folgende Zahlen über die Entwicklung der Sparkaffe seit ihrer LoS- trenniing von der Gießener Sparkaffe im Jahre 1849: 1849 betrugen die Einlagen 121 173,97, 1904 1 775 380,15 Mk. AuSgeliehen waren: auf gerichtliche Hypotheken 1849 812,40, 1904 766 065,93 Mk.. auf Bürgschaft der Gemeinden 1849 92 969,55, 1904 15 255 Mk., auf Handschriften der Ge- meinden 1860 35 375,49, 1904 451 820 Mk„ auf dem KurS unterworfene Wertpapiere 1849 6000, 1904 138 900 Mk., gegen Hinterlegung von Wertpapieren 1860 4131,43, 1904 103 050.86 Mk.. auf Bürgschaft von Privaten 1849 18 294,86, 1904 59 742,18 Mk., zedierte Güterkanfgelder 1860 21,215,49, 1904 216 631,76 Mk. — Für wohltätige und gemeinnützige Zwecke wurden 1904 bewilligt; Dienstbotenpramien 80 Mk^ der Anstalt für skrophulöse Kinder in Bad-Nauheim 300 Mk., der Handwerkerschule zu Grünberg 50 Mk. — 430 Mk.
(Gründ. Anz.)
Frankfurt, 24. Nov. Dieser Tage las in der »Freien literarischen Gesellschaft" Detlev von Lilie ncron auS seinen Werken eine Anzahl von Prosastücken und Gedichten vor, darunter acht Stanzen deS neuesten bisher noch nicht veröffentlichten CantiiS auS Poggfred: »Die betrunkenen Bauern". Ein geeigneter Interpret seiner Merke ist Lilicncron nicht, das Piiblikmn sah aber darüber hinweg und zeichnete den Dichter durch stürmischen Beifall auS. Eine angenehme Abwechslung boten einige von BrahmS, d'Albert, Zilchet» Strauß und Schütt vertonte Gedichte LiliencronS, die der Sänger Adolf Müller, von Lilly Mayerhofer am Klavier bestens unterstützt, vorzüglich vortrug.
Alis §taöt und fiv’ö.
Gießen, 25. November 1905.
- Totenfest. Ein Tag im Jahr ist den Toten frei, das ist der Totensonnlao! Dumpf und feierlich erklingen die Kirchenglocken und fordern unS auf, ind Gotteshaus zu gehen zur Gedächtnisfeier der Verklärten, die nicht mehr unter uns weilen, die wir treu und innig liebten und noch über das Grab hinaus in wehmütiger Erinnerung im Herzen Hochhalten. An dem Sonntage nun, wo wir das Gedächtnis unseren teuren Toten feiern, weiht dankbare Liebe den Entschlafenen Blumen und Kränze; die Stätte des Todes wird in einen Blumengarten umgewandelt. Teure Gräber hat wohl jeder unter »ms, und man hat an dem Tage seine ernsten Betrachtungen und wehmütigen Erinnerungen. Auch als Volk stehen wir diesmal trauernd an Gräbern. Mancher tapfere, tüchtige Sohn unseres Vaterlandes ist im fernen Süden im Kampfe für Kaiser und Reich, für Christentum und Gesittung den Heldentod gestorben und hat weit von der Heimat fein Grab gefunden, daS die Angehörigen an diesem Tage nicht schmücken können. Aber so gewiß wir davon überzeugt sein können, daß innere Soldaten für eine heilige nnd gerechte Sache ouSgezogen sind, so wenig dürfen wir auch über die Verluste murren und klagen. DaS deutsche Volk ehrt sich selbst, wenn es der auf dem Felde der Ehre Gefallenen eingedenk bleibt, wenn es feinen großen Männern und tapferen Heldensöhnen, die auSruhen in ihrer stillen Gruft, ein treues Gedächtnis bewahrt. Aber das Totenfest gilt nicht allein dem Andenken an die Abgeschiedenen. AuS den sich da öffenden Gräbern tönt auch der lebenden Menschheit ein Ruf entgegen, ein memento mori! — und ein memento viverel d. k. die ernste Mahnung, stets eingedenk zu sein, daß wir sterblich sind, und stets baran zu denken, daß wir noch leben. Memento mori — denk an den Tod! Nichts ist für uns Erbenbürgsr niederschmetternder, als da? Bewußtsein untererer Sterblichkeit. »In der» Ozean schifft mit tausend Blasien der Jüngling", und mit hohem Selbstgefühl ringt der Dl arm für den Ruhm, für dte Ehre, für die Sammlung von Schätzer» aller 9lrt in dieser Welt. Unb oft ganz plötzlich über Nacht ist seinem Schaffen und Sterbe»» durch den Tod ein Ziel gesetzt; er wird der Erde übergeben, nm dort zu Erde z»» werden. Indem die Totenfeier uns un unser Sterblichkeit erinnert, erhebt sie unsere Seele zugleich z»» Gott mit der stillen Mahnung, ihm zu leben. Ja, memento vivere — denk auch an das Leben l Unter Leben ist nur ein flüchtiger Augenblick im Zuge der Ewigkeit. Es währt nach dem Psalrnisten 70 Jahre, und wenn es hoch fonunt, 80 Jahre, und wenn es köstlich gewesei» ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen. Und doch ist es lang genug zu einer endlosen Kette von Enttärlschungen, denn den» senken
p, et re: en en Redakteure angegriffen. Gegen ihn wendet sich je 51 fl. Eisner mit entsprechender Schärfe in einem Artikel, bcti er ursprünglich, aber ohne Erfolg, »KantSkys »Neuer 30' angeboten batte und jetzt in der von Dr. H. Braun y-dßqegebenen »Neuen Gesell-chast" veröffentlicht. Wir erdn^uicn diesem Artikel folgende Stilproben:
Pie AuSstibrungei» LedebourS, bau wir längst reif geraden inebnnr aus edler Rücksicht nicht gekündigt worden seien — welche f lüiliid) c N n r e rn e h m e r h u m a n i t ä t! —, sind der Tenf- fcinfi i'gchgerebek unb durch bie Tatiachensammlung in. .rer Recht- fertiruiq inzwischen bündig widerlegt. Diese ganze e l e n d e P e r- n 'fid't i n 11 n g ist auch durchaus bourgeoiSmäßig, und es i't keine Wiileuildrgung. daß sie der „DeiiNchrüt' nachgcredet rvorden ist SotiHären ..Herrichastcn", denen die „Tienftboten" kündigen, das; fti! br.j -Mädchen längst hmcmsgenwrfen hätten, wem» sie nicht gWlkiictst ouf sie genommen hoben würden. Ledebour hot nicht r nm <1 l Talent jur trefflichen T ü ck e. Atich trifft er ja giiii'i^t; denn an meine Kündigung hat niemand gedacht. Unt> n <3 H) „ach Dresden, roie mir der Ekel b i 5 zum Halse fnitro i, dernissionierie, hat man mir gm zugeredet, au bleiben. Jin rroifimlchastlichen Zentralorgan der Partei aber treibt ein Menfch \em tfcicn, der d r e i st lügt, wir seien Jämmerlinge, die durch- 0'it nicht weichen roolltci», m»d die dann, »als ihnen zu Ohren ti.ni, d»ß sie rvirklich ersetzt werdei» so'sten", sich bemüht hätten, )ic,ui ihren Nachfolgern auserkorenen ltzenossei» nach Möglichkeit öWiiilh diskreditieren und zu verleumden 1" Wer hat verleim»- ba t, i'le: iofie Ledebour.
In dem Tone wird es vermutlich von beiden Seiten noch qjyidiime Zeit fortgehen, bis ein neuer Parteiskandal den
leigigm abgelöst hat.
Weiter schreibt Herr Kurt Eisner:
3t den letzten Tagen, unter dem heillosen Druck c i nrr unerhörten brutalen Stirn m u n g S m a d) e , tüntt Die große priiizipielle Bedeutung deS Falles mit unheimlich cijfcedrnber Klarheit hervor: Die Würde und Unabhängllchkeit hirgUi iciioumaliftcn steht auf dem Spiel! Den Literaten — u«n vnhrlngs Rezept - den Doimien aufs Auge und die Knie <vi I bie Uch-usi ! Bereits sind einige P a r t e i r e d a k t i 0 n e n burd) d ieiliissl-chtsinstanzen zuntSchweigen gebracht worden und irr ußten knirschend sich fügen!" ,
SILio sehen wir einstweilen ouf der ganzen L»n»e die „JRtooliutionäre* unter Führung BcbelS siegen. Wer nicht pfrrifrt, fliegt. Wer noch rnfonnierf, wird schnell mundtot (Vjmodjt Tocrben. Unb das ist man übereingekommen, Pl^rlci »vegen Freiheit zu nennen. Eine anmutige bcfienuiig auf den sozialbemokratischen ZukunflSslaat l
„HanSlicheS" au8 den Berlioer-Parlamenteu.
Infolge dec Ernennung be5 Abg. Dr. St 0 ck inann (C-jHp) zum RegierungSpräsibenten in Allenstein in Ostpr wird ekibgctf on» miffion bes Reichstags genötigt sein, stH kinen neuen Vorsitzenden zu wählen. Die Ver» Dlmb'imnen dieser am meisten »n Anspruch genommenen Wömniifion z»t leiten, ist wohl dos a»n wenigsten begehrte pMo,'.' .'ntarische Amt. Lange Jahre hindurch hat eS der 0X ()crr von Kardorff (Rp.) versehen, unb roenmuteber aus ri,n Riilglieb ber .Botschafterpartei" zurückgegriffen werben f,-M, bann dürfte als der vergleichsweise geeignetste der "NLo- Dr. Arandt in Betracht kommen.
Zm preußischen A bgeor dn etenhause interessiert
Hlttivcrsttäks-Aalürilfften.
Der Professor der Medizin an der Universität Oxford, Sr. Foln» B I'. r d 0 nn dc r s 0 n ist gestorben.
«franhet urd werket r. Poläswirtschaft.
Die „Allg. Flei scher zig." in Berlin ist mit,einem! Kapital von einer Million Mark in eine Äktien-Gesellschast um» gewandelt worden.
Fünftes Blatt.
Wr. «78
Ittlhnnt tlglid) mit Ausnahme bei Sonntags.
t» .Gießener Zamlllenblütter- werden dem
I'iger mcrmol roödientlid» beigelegt. Der tanöötrt" erschem» monatlich einmal.
155. Jahrgang
Redaktion. Expedition u Tiruderet Schukstr.H^
Tel. Nr. 51. lelegr.-llOt.; Anzeiger tiiieß«»
Samstag 25. November 1905
0 Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'sch«
Uniöcrfudtsbruderet R. Lange. ®«eöau
Eine gesunde Wahrheit,
die gegen ungesunde, schädliche Gewohnheiten und Ucberfieferungen gerichtet ist, hören die TNenschen in der Regel nicht gern. Wer aber auf sie hört und sie beherzigt, dem gereicht es zum größten Nutzen und vorteil. Line solche Wahrheit spricht Pros. Petersen aus, wenn er über den Bohnenkaffee schreibt:
„Der Kaffee ist eines der größten (Bcmeinübel, die es gibt (Er hat sich .mit'der Allgewalt des Genußmittels in Palas! und Hütte einen festen Platz »erobert, von welchem er schwerlich jemals zu verdrängen sein wird. Und »er hat mehr als mancher unglückliche Mißbrauch, den Genuß der Spirituosen »vielleicht ausgenommen, dazu beigetrageu, das Menschengeschlecht zu ent« »nerven und es von Generation zu (Generation immer mehr zu schwächen." Diese vernichtende, aber leider durchaus zutreffende Kritik heißt ins positive übersetzt: an Stelle des gesundhcitsgefährlichen Bohnenkaffees muß ein vollkommen unschädliches Getränk treten, das zugleich auch die erforderlichen Genuß-Ligenschasten besitzt.
Und man braucht nicht erst lange danach zu suchen. In den maßgebendkn wiff-nschafllich-n «reifen ist «alhr-iners Malz-affe- langst als das Getränk bekannt, welches infolge feinet unbestrittenen gesund, heitsdienlichen Eigenschaften und feines würzigen wohlgefchma-kes, der ihn, durch ein eigenartiges, patentiertes verfahren mi,geteilt wird, vor allen anderen Getränken dazu berufen ist, den schädlichen Bohnenkaffee vollwertig zu ersetzen, und auch im Publikum lernt man die Vorzüge des „Kathreiner" immer mehr erkennen und praktisch würdigen, was der täglich zunehmende, schon jetzt na.-ti üNü.'iomn zählende Abnehmer- kreis mit Sicherheit beweist. _____________
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