Ausgabe 
29.4.1905 Zweites Blatt
 
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wv. 100

Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Samstag 20. April 1905

GrsHetnt vtzNH mtt ArrLnohm« de» Sonntags.

Die ^Siebener Zamilienblätter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt Der «hejstjchs XoaOwlrt* «schedu monaütch einmal.

«chener Anzeiger

Äotnttontonrtf and Verlag der vrühlAch« Untoersttättoruderd. CL Lange, Gieße».

Redaktion, Expedition a. Druckerei: Schulstr.R.

Del. Nr. 6L Ldegr^Ädr.. Än-etg« Sieh«,

General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen.

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Gießen, am 27. April 1905.

Betr.: Die Fürsorge für Blinde und Taubsttmime.

Das GroMenogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Wir beauftragen Sie, bis längstens 10. k. Mts. die Son Ihren Gemeindekasien im abgelaufenen Rechnungsjahre für Verpflegung von Blinden und Taubstummen aufgebrachten Beträge bei uns zu liquidieren.

Dr. Breidert.

Air deutsche Kaiserfaunlie in Italien.

Bari, 28. April. Die Fahrt der drei deutschen Schiffe von Palermo nach Bari war von dem herrlichsten Wetter ,begünstigt. Heute führte die Fahrt an der stachen Küste Apuliens mit ihren Oliveuwaldungen hin. Der Kaiser hörte gestern und heute Vorträge und erledigte Regierungsge­schäfte. Am Nachmittag trafen die deutschen Schiffe vor Bari ein.Hoherrz-ollern" undSleipner" machten im Hafen fest, während derFriedrich Karl" auf der Reede ankerte. Die im Hafen liegenden italienischen Kriegs- und Handelsschiffe haben über die Toppen geflaggt. Die für den Kaiser bestimmte Landungsstelle ist durch einen Pavillon und Flaggenmasten verziert. Eine ungeheure Volksmenge hatte die Kais besetzt. Die Spitzen der Behörden und der deutsche Konsul meldeten sich bl im Kaiser. Es wurden pracht­volle Blumenspenden an Bord gebracht.

Wie man derN. Fr. Pr." aus Venedig telegraphiert, wird das deutsche Kaiserpaar mit den Prinzen an Bord am Morgen des 2. Mai in Venedig eintreffen. DieNordd. Mlg. Ztg." meldet, Reichskanzler Graf Bülow wird sich voraussichtlich in der nächsten Woche nach Karlsruhe begeben, um, wie im Vorjahre, dem Kaiser nach seiner Rückkehr von seiner Mittelmeerreise Vortrag zu halten.

Man schreibt uns ans Venedig:

Es ist wohl keine Stadt des Südens, die so wenig besonderen fesllichen Schnruckes bedürfte wie Venedig. Hier hat die Natur, hat Menschenhand Jahrhunderte hindurch eine Dekoration ge- schaffen, deren Reize die nachhelfende Hand des kundigsten Re­gisseurs nur mindern könnte. Ein paar Lichter mehr am Markus- Platze, ein bißchen Fahnen- und Fensterschmuck an den alten ver­witterten Palästen des Canale Grande, neue Kissen und Teppiche in den Gondeln, Sonntagshabits für die Gondolieri des Weiteren bedarf es nicht, alles andere übernimmt, wenigstens toerm er gnädig gesinnt ist, der Himmel. Also von solchen Vor­bereitungen zum Empfange Kaiser Wilhelms II. in Venedig ist blutwenig zu melden. Aber auf andere Art hat der Kaiserbesuch fernen Schatten vorausgeworsen. Der Mittelmeerfahrt des Kaisers list, von <5tobt zu Stadt, ein Schwarm von Fremden gefolgt, ^richtiger gesagt: vorausgeeilt. Und zwar der zahlungsfähigsten Fremden, insbesondere Amerikaner und Engländer. Und während die Lagunengeftade zu dieser Jahreszeit sonst hauptsächlich nur das Ziel schwärmerischer Hoch^eitsreisender oder die Durwgangs- station der vom Winteraufenthalte nach dem Norden heimkehren- *ben Touristen war, ist sie jetzt derart überfüllt, daß nirgendnw mehr ein Unterkommen zu finden ist und sogar die sonst , noch völlig vereinsamten Hotels drüben am Lido Mühe haben, ihren Gästen gerecht zu werden. Es versteht sich, daß das deutsche Element numerisch überwiegt. Wer es spielt doch eine verhältnis­mäßig bescheidene Rolle neben diesen anglosächsischen Millionären, bei honen es sich zum Sport herauszubilden scheint, den Deut­schen Kaiser auf seiner Frühlingsfahrt zu eskortieren. Draußen, am Zoll-Quai, liegen ihre schmucken, Hellen Jachten und am Markusplatze, bei Florian und Ouadri, hört das Ohr abends durch die Klänge der flotten Militarmusik hindurch ihre harten Nasallaute. Genaueres über das Programm der vier vene- tianischen Kaiser-Tage verlautet noch nicht. Nur daß die die schöne« Contessa Morrosini, die der Kaiser me auf­zusuchen verfehlte, wenn er in Venedig weilte, in ihrem prackstigen Palozzo auch diesmal ein Fest zu seinen Ehren veranstalten wird, gilt als gewiß. Und man darf wohl annehmen, da); der Monarch nicht versäumen wird, einen Rundgang durch die Kunst- ausstellung zu unternehmen, die soeben dirrch den Herzog von Genua feierlich eröffnet wurde und ihr Heim tn den Grardrnt LjnibHci aufgeschlagen hat. , ..

Der italienische Botschafter in Wren, Herzog Avarrra, intb der österreichisch-ungarische Botschafter beim Qurrinal, Gras Lützow, sind am Freitag in Venedig erngetroffen.

Deutsches Reich.

Berlin, 28. April. Der Präfekt hat, wie aus Palermo unter dem Gestrigen gemeldet wird, von dem Gesandten v. Schoen ein Schreiben erhalten, in welchem der Dank des Deutschen Kaisers und der Kaiserin für den ihnen bereiteten Empfang und für die während ihres Aufenthalts ihnen erwiesenen Aufmerksamkeiten ausgesprochen wird.

Wie verlautet, gedenkt Graf Bülow bei der zweiten Lesung des Bergarb'eitergesetzes im Abgeordneten­hause selbst mit Nachdruck in die Verhandlungen einzugreifen.

_ Rund hundert Mai-Versammlungen sollen von sozialdemokratischer Seite am 1. Mai in Berlin und Umgebung veranstaltet werden.

München, 28. April. Die volksparteilichen Gemeinde­bevollmächtigten Dr. Quidde und Dr. Henrich beantragten im Gemeindekollegium: Der Magistrat möge ermitteln, ob die Behauptung richtig sei, daß Unteroffiziere, welche wegen Soldatenmißhandlungen nicht weiter kapitulieren konnten, von der Polizeibehörde in München als Schutz­leute anaestellt worden seien. Weiter möge der Magistrat sich mit der Polizeidirektion in Verbindimg setzen, damit Personen, die zu Exzessen neigen nicht als Schutzleute an- gestellt, oder falls solche angeltellt seien, daß sie entlassen werden.

Aeutsch-Südwestafrika.

London, 28. April. DerStandard" mAet aus Kapstadt ,on beute: RealerunaSdepeschen zuiolge wurde Mareugo, der Anlührer der Ausstäudischen gegen btc-Leutfiben, bei Nnungs Der» m u n b et. Friedeusunterbandluugen s'"d nunmehr nn Gange. Tie Deutichen schickten bem verwundeten Häuptling drei Waoen Proviant von Warmbad aus.

Hamburg, 28. April. Mit dem Dammer Betgrano lmd von Südwestafrika Major o. Reuzenstein, General-Oberarz achten, Leutnant Sondermamr und Oberveterinär Borowski erngetroffen.

Anstand.

London, 28. April. DerStandard" meldet aus Tanger: Der englische Gesandte L a w t ü o r, welcher dem­nächst fick nach Fez begibt, hat die Instruktion, erhalten, die Forderungen der französischen Missionen in Fez zu unterstützen.

Paris, 28. April. Der Marineminister wird demnächst, und zwar noch in den Osterferien, den übrigen Kabinetts­mitgliedern einen neuen Plan für Marine baut en unterbreiten, welcher vom Kriegsmarinerat ausgearbeitet worden ist. Das neue Programm ist eine Fortsetzung des Flottenprogramms vom . Jahre 1900 und wird dem Parla­ment noch in dieser Session vorgelegt und beraten werden.

Der Marineminister hat für dieses Jahr wieder die großen Flottenmanöver angeordnet, die von seinem Vorgänger Pelletan abgeschasft worden waren. Die Ma­növer beginnen am 3. Juli und werden am 1. August beendet sein. Die Flotte wird unter dem Oberbefehl des Admirals Fournier stehen. Es werden Manöver bei Kor- sr ka unb ein Landungsversuch bei Algier statt­finden.

ImFigaro" empfiehlt ein Artillerie-General, da die deutsche Artillerie mit Rohr-Rücklaufge- schützen versehen werden soll, artilleristische Neu- bewaffnung, damit das für Frankreich ungünstige Ver­hältnis ausgeglichen wird.

Marseille, 28. April. Die JachtViktoria and STbert" ist mit dem Königs paar von England heute nachmittag hier eingetroffen.

Madrid, 28. April. Bei Melilla fanden in den letzten Tagen blutige Kämpfe zwischen den Anhängern' des Sultans und des Prätendenten statt. Letztere siegten. Die ganze Gegend ist in den Rauch brennender Dörfer gehüllt. Tausende flüchten auf spanisches Gebiet. Zahlreiche Verwundete wurden ins Lazarett geschafft.

Ho de i da, 28. April. (Reuter.) Nach hier eingegan- genen Nachrichten hat sich die Stadt Sana in der Nacht zum 20. April dem Imam, dem Führer der aufständi­sche nArab er, übergeben. Die Aufständischen rücken jetzt vor, um Menacha zu belagern, das eine Garnison von 5000 Mann enthält, die jedoch teilweise meutern.

Kanea, 28. 'April. (Reuter.) In dem Dorfe Vukolies in der Provinz Kissamo fand zwischen Aufständischen und 50 Gendarmen ein Kampf statt. Von den Aufständischen wurden drei getötet und sechs verwundet; von den Gen­darmen fiel einer, drei wurden verwundet, vierzehn werden vermißt. Die Einwohner des Dorfes setzten das Polizei- gebäudeinBrand. In den benachbarten Dörfern lauten die Sturmglocken, die Bevölkerung eilt zu den Waffen.

Gießen, 29. April 1905.

* Turnerisches. Mit dem Schluffe des letzten Schul­jahres ist für manchen die schöne Zeit vorbei, in der er mit gleichalterigen Schulkameraden die freie Zeit beim Spiel verbringen konnte. Jetzt kommen die Lehrjahre, in denen der weitaus größte Teil des Tages in der Werkstatt, der Fabrik, der Schreibstube oder im Laden zugebracht werden muß. In dieser Zeit, die mit der Entwickelung des menschlichen Körpers so eng verbunden ist, ist es doppelt wichtig, daß die jungen Leute nach der meist einseitigen Berufstätigkeit die Feierabendstunden richtig, d. h. ihrer Gesundheit dienlich, ausnützen. Es ist deshalb eine sittliche Pflicht der Eltern und Lehrherren, dahin zu wirken, daß ihre Pflegebefohlenen durch körperliche Hebungen ihre Kraft und Gesundheit sich stählen und erhalten. Mögen alle den Satz beherzigen, deffen Richtigkeit schon im Altertum erkannt worden ist:Nur in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist". Die Gelegenheit, Körper und Geist zu stählen, bietet sich heute in allen der deutschen Turnerschaft angehörigen Turnvereinen, die es übernommen haben, junge Leute im Alter von 14 bis 18 Jahren als Turner auszubilden und sie so einmal an Zucht und Ordnung zu gewöhnen, zum anderen aber auch den gefährlichen ßochtngen schlechter Gesellschaft zu ent­ziehen. Wir empfehlen daher den jungen Leuten sehr den Eintritt in die deutschen Turnvereine und verweisen im Uebrigen auf die Anzeige des Manner-Turnvereins im Anzeigeteil.

* Das Gauturnfest des Gaues Hessen findet am 1., 2. und 3. Juli d. I. in Alsfeld statt. Dem Ehrenausschuß gehören an die Herren Kreisrat Dr. Melior, Regierungsass. Dr. Reitz, Bürgermeister Arnold, Realschul- direktor Dr. Pitz und Rektor Weiffenbach. Am Donnerstag abend hielt der Zeytralausschuß seine erste Sitzung ab.

* Wirtsch aft auf dem Dünsberg. Auf Ver­anlassung des Dünsbergvereins wird vom 7. Mai ab jeden ersten Sonntag im Monat, am Himmelfahrtstag und am 2. Pfingsttage auf dem Gipfel des Dünsbergs Wirtschafts­betrieb vorhanden fein. Wegen einer Bewirtung auf dem Dünsberg an anderen Tagen haben sich Vereine an Gast­wirt Schlierbach in Bieber zu wenden.

p. Dutenhofen, 28. Avril. In mehreren Orten unserer Bürgermeisterei ist Hühnersperre angeordnet worden. Beschwerden von Landwirten, deren Grundstücke nahe an die Ortschaften reichen, haben zu dieser polizeilichen Bestimmung geführt.

Bad-Nauheim, 28.April. In den letzten Tagen sind viele Kurgäste eingetroffen; ihre Zahl beläuft sich be­reits auf ca. 2000. Viele Villen sind schon besetzt. Wie be­stimmt verlautet, trifft im Sommer König Eduard von England zur Kur ein und nimmt in der Villa Heine­mann, nahe dem Kurhaus, Wohnung. Allenthalben regen sich noch Hunderte von fleißigen Händen. Auf der Terraffe am Kurhaus waren in den letzten Tagen allein über 100 Arbeiter mit Planierungs-, Ausräumungs-, Bild­hauer-, Anstreicherarbeiten u. s. w. beschäftigt. In den ^Iromenaden und Parkanlagen wird Kies und Sand gestreut,

und auf den Fahrwegen für Droschken arbeitet die Dampf­walze. Ein neuer Fahrweg nach dem voriges Jahr eröffneten großen Golfplatz am Frauenwald bei Niedermörlen wird gegenwärtig hergestellt. Die Keller- und Gartenwirtschaft am großen Teich hat eine ganz bedeutende Vergrößerung er­fahren. In dem Hochwald am Johannisberg find an be­sonders geeigneten Platzen mehrere neue Ausflugtempel er­richtet worden.

§ Eschenrod, 28. April. Ein Akt der Roheit, ereignete sich hier in der Nacht auf Osterdienstag. Dec Gastwirt H. hatte Tanzbelustigung. Auf dem Tanzboden geriet ein Bursche mit zwei fremden in Streit; es kam aber nicht zu Tätlichkeiten. Auf dem Heimwege wurden die aus­wärtigen Gäste im Dorfe überfallen. Der eine ergriff die Flucht, während der andere arg mißhandelt und mit dem Messer bearbeitet wurde. Ein durch den Lärm herbeigeeilter Bürger entriß den Unholden den Schwerverletzten und brachte ihn in sein Haus.

Homburg, 28. April. Vom Kaisermanöver ver­lautet, daß der Kaiser am 7. September hier eintrifft. Am 8. September dürfte die große Kaiserparade fein, wahrend Samstag den 9. oder Sonntag den 10. die Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Denkmals im Kurpark stattfinden dürste. Am 9. September soll großes Kaisermahl im Kurhaus und am 10. September Feldgottesdienst im Kurpark stattfinden, jedoch stehen die Daten nicht unumstößlich fest.

Gcrichlslaal.

Frankfurt a. O., 28. April. Das Kriegsgericht bet. 5. Division verurteilte die Artilleristen Heinrich Sims und Karli Scheier wegen fortgesetzten militärischen Aufruhrs sowie wegen fortgesetzter Achtungsverletzung zu je 5 Jahren 6 Monaten Gefängnis. Die Verurteilten hatten in. der Trunkenheit Vorgesetzte auf der Straße angerempelt, beleidigt und bedroht.

Wien, 28. April. In der heutigen Verhandlung des Mvrdprozesses Klein wurde das Zeugenverhör fortgesetzt. Mehrere Zeugen schilderten Klein als einen Willensschwächen guten Menschen. Ein Antrag der Verteidigung, die Verhandlung zu vertagen bis zum persönlichen Erscheinen der vorgeladenen Zeu­gen Bauer imb Rappaporr, des Geldgebers der Firma Klein unb Pietfcb, sowie ferner des Prokuristen, welche ihre Aussagen schrift­lich einscmdten intb augenblicklicy im Auslände, angeblich tn Ber­lin weilen, wurde vom Gerichtshof abgelehnt. Die Ntteiksfallnng erfolgt voraussichtlich morgen nacht.

Landwirtschaft.

Saatenftand im Deutschen Reiche Mitte April» (1 bedeutet sehr gut, 2 gut, 3 nckttel, 4 gering, 5 sehr gering.) Winterweizen 2,4 (gegen 2,4 im April des Vorjahres), Winter­spelz 2,1 (gegen 2,2). Winterroggen 2,4 (gegen 2,4), Klee 2,9 (gegen 2,6), Lirzerne 2,4 (gegen 2,4) BewäfferungÄviesen 2,29| (gegen 2,4), andere Wiesen 2,7 (gegen 2,4). In den amtlichenj Bemersimgen heißt es: Tierische Schädlinge, die im Vorjahr^ sehr zahlreich aufgetteten, sind bis auf kleine Reste von Mäusen und Schnecken im Verschwinden. Wintersaaten sind im allgemeinen gut durch den Winter gefonrmen. Im großen und ganzen be-. friedigt der jetzige Stand der Wintersaaten, wenngleich sie unter dem naßkalten Wetter der letzten Wochen zunr Teil gelitten habens und in der Entwicklung ettoas zurückgeblieben sind. . Klee läßt) meist viel zu wünschen übrig. Der Stand der Wiesen torrbf im allgemeinen nicht ungünstig, in Süddeutschland sogar durchi weg günstig beirrteilt.

Kandel und Verkehr. MolLswirtsHaft.

Berliner Börse vom 28. April 1905.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel unb Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 21/e Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Oeft. Krebst ....209.00 Deutsche Bank . . . 238.30 238.20

Darmstäbter Bank . 141.25 141.76

Bochumer Guß . . . 245.75 245.75

Harpener Bergbau . . 212.60 212.60

Tenbenz: Ziemlich fest. Erz-Kuxe.

F e r n i e. Airgebot, Nachfrage 3400. x

Die alte Eisenwarenfirma I. G. B. Trost in Frank­furt a. M. ist in Konkurs geraten. Schätzungsweise dürften' etwa ZZr/z Prozent in der Masse liegen.

Der neue Witwatersrand in Deutsd)-Ostafrik ImStatist, unstreitig dem lautersten und gediegensten Londoners Fachblatt werden von einem als bedeutender Goldexperte gelten­den Fachmann die von der Zenttalafrikanischen Bergwerks^Gesell- schäft die zur Ausbeutung erworbenen Goldfelder besprochen. DaS Schloifersche Unternehmen wird als ein in jeder Beziehung gfc* diegenes bezeichnet. Die günstigen Voraussetzungen, die ein Ham-, burger Korrespondent derFmancial News" an das Untenrehmew schloß, werden nicht mir in jeder Weise bekräftigt, sondern es; werden auch schwerwiegende Grunde angegeben, baß bei richtiges fachmännischer Erploitierlmg dem Unternehmen eine glänzende' Zukunft bevorsteht. _ .

Der Rheinisch-Westfälische Effektenmarkt. Nach den starken Steigerungen der letzten Tage trat auf dem Kohlen--^ kuxenmarkte bei lebhaften Umsätzen eine Abschwächung eist) Mit Ausnahme von Herkules, Gras Schwerin, Mont Cenis, Dorst­feld und Carolus Magnus konntm die meisten Werte ihren Kurs nicht behaupten. Augusta Vittoria-Kuxe erlebten besonders starken Rückgang nnd wurden bis 9850 gehandelt, nachdem gestern| 10 400 bezahlt wurde. Altendorf wurde zum Preise von 150QI bis 1540 gehandelt, blieben aber zum Schluß zu 1510 Mk. an>- geboten. Gehandelt wurden ferner Dorstfeld, Graf Schwerin, Hein­rich, Herkules, Johaim Deimelsberg, König Ludwig, Mont CeniÄ Siebenplaneten und Tremonia. Der Kalikuxenmarkt lag) ruhig bei geringfügigen limsätzen. Gehandelt wurden .Hercpnia.' Neustaßfurt, Alexandershall, Hohenzollern, Beienrode und Kai-' seroda. Der Erzkuxen markt lag unveräirdert.

Paris, 28. April. Die Börse eröffnete mit wesentlich höheren Kursen, da der gestrige Artikel desM a t i n" bnrch eine offizielle Kundgebung dementiert wurde. Im weiteren Vei» laufe lenkte der Verkehr in ruhige Bahnen ein. Die Kurse blieben# stetig. Schließlich machte sich erneute Nachftage nach Staats^ fonds geltend, wodurch allgemein günstige Sttmmrmg hervor^ gerufen wurde.

Dr. PI. Sehnlze-KiihleyN*. Kervenarit.

Sanatorium Hofhejm im Taunus.

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