Wr. 50
Blatt.
155. Jahrgang
Dienstag A8. Fevruar I»O5
<rf<et«t «Lgltch flufeer SomnagS.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien« Hättet viermal m der Woche beigelegt.
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3»le yeuttge Kummer umfaßt 10 Selten.
Ariede In Kannover.
W. T.-B. verbreitet folgende Nachricht:
Hannover, 27. Febr. Ter Friede an der Technisch e n H o ch s chu l e ist nunmehr geschlossen. T-er Kultusminister hat die Bestra fung der Studenten Heile und Zimmermann in Verweise umgetvandelt und verfügt, daß der Studentenausschuß wieder gebildet werden soll. Gleichzeitig ist die Zusicherung des freien Meinungsaustausches mit anderen Hochschulen in allen studentischen Fragen erfolgt mrd der Erlaß neuer Satzungen für die Studentenausschüsse angekündigt. Tie Studierenden nehmen morgen den Besuch der Vorlesungen wieder auf.
T-er 7 Tage lange hannoversche Studentenftreik ist also M Ende. Am schwarzem Brett der Hochschule war Montag- vornnttag folgende Bekanntmachung zu lesen:
Einer verehrlichen Studentenschaft! Auf Grund des in der heutigen Vertretersitzmrg näher mitzuteilenden Ergebnisses der Verhandlungen der Vertrauensmänner mit dem Vrofessoren-Aus- schuß fordere ich alle Kommilitonen auf, von Tienstag ab alle Vorlesungen wieder zu besuchen. Mit studentischem Gruß! I. A.: Karl Remy.
Tie Friedensbotschaft wird auf Deutschlands hohen Schulen allgemein mit gleicher Freude begrüßt werden. Tas Verdienst an der Beendigung des Konflikts haben Stadtdirektor Tramm sowie der aus Professoren-und den Vertrauensmännern der Hannoverschen Studentenschaft gebildete „Friedensausschuß", Vorsitzender Geheimrat Prof. Launhardt. Vlan darf aber bedauern, daß der Friedens- ausschuß nicht 8 Tage früher ins Leben getreten ist. Einstimmig ist man auch in der Anerkennung der musterhaften Haltung der Studentenschaft während des ganzen von Ende November sich hinziehenden Konflikts.
Tie Studentenschaft der Technischen Hochschule übersandte dem Kultusminister folgendes Telegramm:
Euer Exzellenz gestattet sich der Unterfertiget für die schnelle Erledigung der Angelegenheit Heile und Zimmermann den gehorsamsten Dank der Studentenschaft auszusprcchen. Tie Studentenschaft hofft bei beiderseitigem guten Willen auf die end- giltige Beilegung des Konflikts der Studentenschaft der Technischen Hochschule mit Ausnahme der konfessionellen Verbindungen. Remy.
Ministerialdirektor Dr. Althoff erklärte einem Hannoverschen Preßvertreter folgendes: Tie Regierung habe in ihrer Erklärung das h ö chst e z u g e ft arbeit, sie werde auch nicht ein Tipfelchen mehr zugleven. Tie akademische Freiheit kam bei den ganzen Vorgängen nicht in Frage. Was das Vermögen des Ausschusses betreffe, so habe der Rektor die Kasse an sich genommen, weil es keinen Ausschuß mehr gab. Sobald der Ausschuß gewählt sein werde, stehe die Kasse zur Verfügung. Das Disziplinarverfahren gegen Refmy sei aufgehoben.
Tie Beendigung des Hochschulkonfliktes gibt einem Teil der Presse Anlaß» zu recht maliziösen Bemerkungen über den Rückzug, den die Unterrichts Verwaltung antreten mußte. So schreibt das „Berl. Tagebl": „Der unrühmliche Feldzug gegen die akademische Freiheit hat auf der ganzen Linie den verdienten Ausgang genommen. Tas preuß. Kultusministerium nmß sich selbst desavouieren."
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Aus Berlin wird uns geschrieben:
Obwohl im Hochschulkouflikt die Studentenschaft den Erfolg davongetragen hat, sind die hier und da verbreiteten Meldungen von einer Erschütterung der Stellung des preußischen Kultusministers unzutreffend. Wer Minister Studt im preuß. Abgeordnetenhaus gesehen hat, jetzt bei Beratung des Kultusetats, der wird nichts weniger als den Eindruck der „Amtsmüdigkeit" von ihm empfangen haben. Tie agrarische „Tagesztg." versichert, die politische Richtung, die der Minister in den letzten Tagen mit besonderer Schärfe vertreten, entspreche vollkommen den Anschauungen des Grasen B ü l o w. Das ist nicht un- wahrscheinlich.^ Tenn der Minister vertrat einen Standpunkt, der fast uneingeschränkt den Be ifall des Z cntrums fand. Und diese Partei ist immer noch „Trumpf" im Reiche wie in Preußen.
Rußland In Storm und Drang.
Konstitution?
Tie neuesten Nachrichten über die inner politische Lage Rußlands, von denen die meisten infolge der verschärftem Zensur nur auf Umwegen und unter erschwerenden Umständen ins Ausland gelangen, lassen immerhin erkennen, daß das längst geplante Refornrwerk Fortschritte macht. Tas deutsche offiziöse Telegraphenbureau meldet heute:
Petersburg, 27. Febr. Der Landwirtschaftsminister Jermolow überreichte am 24. Februar dem Kaiser eine auf dessen Befehl ausgearbeitete Denkschrift über die gesamte innere politiscye Lage Rußlands und über die zur Herbeiführung normaler Verhältnisse erforderlichen Maßnahmen. Ter Minister gelangt in dieser Denkschrift zu dem Schluß, daß normale Verhältnisse und eine Beruhigung, der Gemüter nur noch durch die Einführung einer Konstitution und durch die Berufung einer Versammlung von Volksvertretern zu erhoffen sei. Ter Kaiser beriet diese Denkschrift eingehend mit dem Minister und b e a u f 1 r a g t e ihn, ein entsprechendes Reskript an den Minister des Innern, bezw. ein Manifest zu entwerfen. Am 25. Febr. fand bei Jermolow eine vertrauliche Beratung der zuständigen Persönlichkeiten behufs Ausführung der kaiserlichen Willensäußerung statt. v„ r.
Man wird diese offiziöse Meldung vorläufig mit maßvoller Freude aufnehmeu. Zunächst wird abzuwarten sein, wie fiel) der neue Ministier des Innern zu der Denkschrift seines Kollegen von der landwirtschaftlichen Fakultät stellen wird. Jedenfalls ist durch die Vorarbeit des Landwirtschaftsministers das ^russische Konstitutionswerk
erfreulich -gefördert worden, bindende Schlüsse auf die Zukunft läßt sie aber bisher keineswegs zu. Man wird nach wie vor zu beachten haben, daß gerade jetzt nach dem Bombenattentat, dem der mächtigste und tatkräftigste Großfürst zum Opfer siel, die zarische Regierung den Anschein zu vermeiden suchen wird, als sei sie eingeschüchtert.
Tie Zurückberufung des Großfürsten Paul wurde vielfach als Zeichen des Einlenkens in freiere Bahnen angesehen. Großfürst Paul ist persönlich zweifellos ein sympathischer Charakter, man rühmt ihm Wohlwollen, unabhängiges Urteil und moderne Bildung nach, — soll in ihm der kommende Mann der russischen Politik zu sehen sein? Paul ist keine eigentlich politische Persönlichkeit; er hat vielmehr durch seine Heirat gezeigt, daß er seine politischen Vorrechte der Unabhängigkeit seines Privatlebens opferte. Sollte er der intellektuelle Urheber der Denkschrift des Landwirtschaftsministers sein? Manches scheint daraus hinzudeuten.
Ein Vorfall, der erst jetzt bekannt geworden ist, verdient Beachtung. Ms im Dezember v. Je von überall her die Zustimmungserklärungen zum Semstwv-Kongreß sich mehrten, war der Zar bereit, auf die Witteschen Reformvorschläge einzuaehen, was bereits damals ein Einlenken in konstitutionelle Bahnen bedeutet hätte. Sobald Sergius dies erfuhr, reiste er sofort nach Petersburg und erreichte es, daß silch der Zar entschloß, das autokratische Prinzip beizubehalten. Großfürst Sergius hat hierbei unverblümt dem kaiserlichen Neffen mit einer Palastrevolution gedroht, wenn er 'die „geheiligten Traditionen des Selbstherrschertums, auf dem die Größe des Hauses der Romanow beruhe", verlassen sollte.
Dieses Prinzip wird jetzt nicht mehr Lochgehalten? Privatmeldungen aus Warschau bestätigen, daß in der vorigen Woche dort 150 wegen Aufruhrs verhaftete Personen an der Gefängnismauer durch Salvenfeuer niedergeschossen wurden. Und nun schlägt plötzlich die Regierung andere Bahnen ein? Tie Rückkehr des Großfürsten Paul scheint hieran vielleicht doch etwas zu ändern.
Noch aber sind die Großfürsten Wladimir und Alexis einflußreiche Ratgeber des Zaren; noch walten Trepow und Bulygin ihres Amtes. Daß irgend etwas geschehen wird, um die dräuenden Mächte des Umsturzes zu bannen, ist sicher. Was dabei herauskommt, wird hoffentlich nicht als Blendwerk unter die Kategorie der Potemkin- schen Dörfer einzureihen sein. Die russischen Diplomaten haben freilich auf diesem Gebiete schon vielerlei geleistet, so die Friedenskonferenz im Haag mit dem Abrüstungs- antrage, so das kaiserliche Reformmanifest vor Weihnachten und schließlich die Farce mit dem Empfang der Arbeiterdeputation, wo man dem Zaren Leute zuschickte, die überhaupt keine Ahnung von ihrer Mission hatten und deshalb die im Arbeitervolk gärenden Wünsche gar nicht zum Ausdruck bringen konnten. Durch solche Farcen wird nicht nur der Außenwelt Saud in die Augen gestreut, sondern vor allen Dingen auch der Herrscher selbst über den tatsächlichen Stano der Dinge getäuscht. Jetzt fühlt die Negierung, daß auf die ungeheure Erregung, die das Attentat auf Sergius hervorrief, irgend etwas geschehen muß. Und so wird auch etwas geschehen. Wird es wirklich ein enffcheidender Schritt zur Verfassung im modernen Sinne sein? Wenn,ein Parlament berufen werden sollte, wird es, so fürchten ivir, nicht viel anders sein als eine Ständeversammlung nach dem Muster derjenigen, mit der Katharina II. einstens ihr Rußland beglückte und das sich nicht einmal über die jAushebung der Leibeigenschaft einigen konnte.
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Das neueste offiziöse Petersburger Telegramm zeigt bereits, daß allzugroße Hoffnungen unangebracht sind. Immerhin bestätigt es den Fortschritt der ministeriellen Resormberatungen. Es lautet:
Petersburg, 28. Febr. Tas Ministerkomitee beriet am 26. Januar über eine Revision derGesetze gegendie Feinde der sozialen Ordnung. Es sprach feinen Zwsifel darüber aus, sich der revolutionären Elemente zu entledigen durch Anwendung der Sondervorschriften über den verstärkten Schutz von 1881. T-er Gehilfe des Ministers des Innern, Tur- nowo, erklärte, die Bevölkerung werde durch das bisherige Verfahren, Verhaftungen, Haussuchrmgen und administrative Bestrafungen anstatt eines Gerichtsverfahrens erregt. Witte erklärte, die Regierung übersah bisher, daß der Hauptabhilfsweg n i ch t R e p r e s s i o n sondern dieVerhütungderGrund- Ursachen des Nebels sei. Tie Gesetzgebung arbeitete bisher zu langsam und entsprach nicht den sozialen Bedürf- nissen. So sei die Arbeitergesetzgebung verzögert worden durch die Annahme, die russischen Arbeiter seien noch nicht im Entwicklungsstadium. Andere beunruhigende Elemente seien die Studentenschaft wegen der Aushebung der Unterstellung unter die akademischen Gesetze, sowie die Juden wegen ihrer unerträglichen materiellen Lage infolge einschränkender Gesetze. Tas Komitee war der Ansicht, die Staatsorgane könnten staatsschädliche Handlungen verhüten unter der Bedingung, daß die Gese tz e g enau b e g r en z t würden. Ausnahmegesetze seien auf die Gegenden von , Unruhen sowie auf deren Tauer zu beschränken. Tie Kommission befürwortete die Einberufung einer Spezialkonferenz zur Revision derGesetze über die Sicherheit der Staatsordnung Ein vom Kaiser zu ernennender Präsident der Konferenz solle das Recht haben, den Entwurf eines neuen Gesetzes unmittelbar dem Staatsrate vorzulegen, ohne ihn vorher den übrigen Regierungsdepartements zu unterbreiten. Ter Kaiser bestätigte am 23. Februar diesen Beschluß.
Der Mörder des Grotzsürsten Sergius entflohen?
Tie Londoner Central-News verbreitet eine sensationelle Meldung aus Petersburg, wonach es heißt, daß der Mörder deS Großfürsten Sergius aus seinem Gefängmsse entkommen ist. Seine revolutionären Kameraden sollen Dttttel gefunden haben, mit dem Mörder in Verbindung zu treten, sowre ihm die Flucht zu ermöglichen. Es wird behauptet, daß der Mörder in der Uniform 'eines Gefängniswärters einfach aus dem
Gefängnis h i u a u s g c g a n g e n ist, ohne daß die Militär Posten die geringste Ahnung von seiner Identität Ijätten.
Derartiges hat nmn in Rn^l^nd schon öfter erlebt.
Die Judenkrawalle in Feodofia.
Feodosia, 27. Febr. Der Aus stand wurde hier vonr jüdischen Arbeitern begonnen. Als der Direktor der Arbeiter erschien, wurde er von den Arbeitern umsingt, welche gegen die Regierung gerichtete Proklamationen verteilten. Achtzehn Personen sind verhaftet. Tie Menge^zog durch die Straßen und zwang die Arbeiter mehrerer Fabriken, die Arbeit ein- zu stellen. Israelitische Redner riefen dann: „Nieder mit dem Kaiser! Mag es so fein wie im Auslande, dann sind wir gleichgestellt." Tie Menge teilte sich nun und ein Teil zog zum Tenkmal Alexanders III. Später wurden die Arbeiter von der Polizei zerstreut. Von ernstlichen Ruhestörungen kann jedoch nicht gesprochen werden; es kam mir zu unbedeutenden Reibereien. Ms die Christen die Juden schlugen mit den Worten, es gebe in Rußland noch Leute, welche den Kaiser verteidigen werden, wurde e i n I s r a e l i t g e t ö t e t. Bei seinem Begräbnisse kam es wieder zu Reibereien. Ter Polizei ch e f erhielt anonyme Briefe, in denen ihm mit dem Tode gedroht wurde.
Tienstmädchen-AuSstand.
Kiew, 27. Febr. Hier sind die Tienstmädchen in den Ausstand getreten. Sie sammelten sich auf der Hauptstraße. Es wurden Kosaken und eine Kompagnie Soldaten herbeigerufen und darauf^ eine Menge der angesammelten weiblichen Personen zur Polizei gebrackt.
Aus dem Kaukasus.
Petersburg, 27. Febr. Wie die aus dem Kaukasus -hier ein getroffenen Privatmeldungen besagen, haben die schrecklichen Metzeleien einen polftischen Belueggrund. Zunächst fällt die Schuld an den Massenmorden, auf die Regierung, da die Behörden und die Geistlichkeit die Muha- medmier gegen die revolutionären Armenier gehetzt haben. Tie Behörden begünstigen offen die M ö r d e r b a n d e n, die selbst wehrloseF rauen undKinder ab sch lachten und Häuser und Reisende plündern. Alle abschwächenden offiziösen Meldungen über die Kämpfe im Kaukasus snrd tendenziöse Entstellungen, die nickst einmal ein annähernd zutreffendes Bild von den durch die Regierung hervorgerufenen Greueln geben. Tie Nachricht, daß jetzt die Ruhe wieder eingekehrt sein soll., verdient ebenfaNs keinen Glauben.
Baku, 27. Febr. Infolge der jüngsten Vorgänge wurde der Naphthakongreß gestern geschlossen. Vor der Schließung rvurde das Budget bestätigt, das ein Tefizit von 556 000 Rubeln auf- iveist. 1Ö0 000 Rubel wurden zum Besten der Opfer der Unruhen bewilligt. Tie hiesigen Krankenhäuser hatten während der ersten zwei Tage der U.Lnrben 136 Verwundete ausgenommen, von denen 28 gestorben sind.
Cholera.
Dem Standard wird gemeldet, daß in drei Distrikten im Gouvernement Charkow die a s i a t i s ch e C h o l e r a ausgebrochen ist. Umfassende Maßregeln wurden getroffen, um das Vordringen nach Westen im Frühling zu Verbindern.
Das preußische Abgeordnetenhaus
hat am Montag den Titel „Nichtpensionsfähige Zulagen das Lehrerpersonal der Lehrerbildungsanstalten" bewilligt. — Der Antrag des Abg. Frhrn. v. Zedlitz u. Gen., die Zulagen für die Seminardirektoren, Seminarlehrer und Seminarlehrerinnen pcnsionsfähig zu machen, wird der Budgetkommission überwiesen. Der Antrag der Abgeord. Ernst, D. Hackenberg und Kopsch auf Verleihung des Titels und Ranges der Oberlehrer an die dienstältere Hälfte der Seminarlehrer und auf Zulassung derjenigen Volks- schullehrer zum Besuch der Universitäten, die sich .im praktischen Schuldienst bewährt haben, wird abgelehnt. — Beim Titel „Schulaufsicht" bittet Abg. Dr. v. Savigny (Ztr.), die Kreisschulinspektion in erster Linie stets den Geistlichen in Nebenamt zu übertragen. Abg. Wolgast (Hosp, d. fr. Np.) hält es für das richtigste, die Geistlichen aus der Schulaufsicht auszuschließen mit Rücksicht auf die Schule. ES sei anzuerkennen, daß eine große Anzahl Geistlicher in der Schulaufsicht tüchtiges leiste. Abg. Hackenberg (nl.) rechtfertigt das rheinische Konsistorium, welches eine Umfrage an1 die Kreissynoden darüber veranstaltet hat, ob die geistliche Schulinspektion beizubehalten sei. Seine Partei sei der Meinung, daß die Kreisschulinspektionen von eineni Manne inti Hauptamt geführt werden muffen, der im Stande sei, die Lehrer anzuregen, und der das Amt unter Einsetzung seiner ganzen Person zum Wohle der Volksschulen führt. Ministerialdirektor: Dr. Schwarzkopfs erwidert, daß die Anschauung des Oberkirchenrats und der Generalsynode über die geistliche Schulaufsicht doch von derjenigen mancher Kreissynoden erheblich abwcicht. Abg. Geißler (Ztr.) hält daran fest, daß eine große Zahl der katholischen Lehrer, wenn nicht die Mehrzahl, für die Beibehaltung ser geistlichen Schulaufsicht sei. Abg. Wolgast (Hosp. d. fr. Vp.) wendet sich dagegen, daß die Lehrer von Leuten beaufsichtigt werden, die nicht Fachmänner sind. Ministerialdirektor Schwarzkopfs betont, daß der Staat seine Aufsichtsbefugnis je nach dem Bedürfnis Geistlichen im Nebenamt oder Beamten im Hauptamt übertrage.
§■. Iwiirf eines lielsischcn Gesetzes, die Ansialtsvormundschaft betreffend.
— Rrrrr — ein andere? Bild! So könnte man fast sagen, wollte man das rasche Aufeinanderfolgen der Regierungsvorlagen in bildlicher Form darstellen, denn es dürfte kaum eine Zeit gegeben haben, in welcher die hessische Regierung so produktiv gewesen ist, wie in diesem Winter.
Qn dem vorliegenden Entwurf ist Gebrauch gemacht von der in Art. 136 des Einf.-Ges. zum B.-G.-B. enthaltenen Ermächtigung, was bis jetzt deshalb noch nicht geschehen war, weil das in Oberhessen und Starkenburg geltende Vormunds schaftsrecht ziemlich mit den Grundsätzen des B. G.-B. über^


