Ausgabe 
30.9.1905 Erstes Blatt
 
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"Pfarrers Otto Orth zu Nieder-Wöllstadt zum Dekan ^Dekanats Rodheim, mit Wirkung vom 1. Oktober an, Bestätigung erteilt. S. K. H. der Großherzog haben 27. September den Hausbeschließer im Kollegiengebäude LandeS-Universität, Verwalter Friedrich Wilhelm Stork

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Aus Stadt und AanS.

Gießen, 30. September.

Personalien. S. K. H. der Großherzog haben am 23. September der durch die DelanatSspnode des Dekanats Rodhcim für den Rest der im Jahre 1908 ab- laufcnden Wahlperiode vollzogenen Wahl des evangelischen

Iischversorgung für Hießen.

Gießen, 30. Sept.

Rach den gestern vormittag zwischen Oberbürgermeister Mecum und den hiesigen Fischhändlern gepflogenen Unter­handlungen beschlossen letztere in einer gestern abend abge- haltencn Besprechung, folgendes Schreiben an dic Stadt- verordneten-Vcrsammlung zu richten:

?lu vcrehrliche Ltadtverordnctcn-Bersamu»lung.

Hier.

Infolge einer seitens der hiesigen Bürgermeisterei anSänrt- licke Fischhändler zu Gießen" ergangenen Einladung behufs Be­sprechung eines zu errichtenden Fischmarktcs sanden sich Freitag vormittag 10 Uhr acht Herren im Zimmer Nr. 12 der Bürger­meisterei ein.

Der Herr Oberbürgermeister erklärt,daß man es auch hier in Gießen- wie in anderen größeren Städten versuchen wolle, in Anbetracht der momentan herrschenden Fleischtcuerung einen Fischmarkt zu errichten, der in folgender Weise geplant sei:

Die Stadt bestellt bei einem Fischhändler in Geestemünde eventuell einen größeren Posten Seefische. Die hiesigen Händler haben ihren Bedarf für die am Freitag nötigen Fische schon Montags der Stadt aufzugeben und die bestellten Quanten Frei­tag früh bei Eintreffen an der Bahn in Enrpfang zu nehmen. Die Bürgermeisterei würde alsdann im Blatte bekannt machen, in welchen Geschäften und zu welchen Preisen die Fische verkauft werden.

Bei den, den hiesigen Geschäftsleuten gestellten Bedingungen mürbe den Fischhändlern ent Bruttoverdienst von 13 Prozent bleiben, (Von welchem Nutzen allerdings die entstehenden Spesen, wie: Personal, Berpackungsinaterial, Eis und sonstige zum Fisch­geschäft nötigen Utensilien und Aufwendungen zu bestreiten wären).

Nach diesen Bedingungen würde z. B. bei einem Berkaus von 100 Pfund billige Isländer Ware denn nur um diese geringe Qualität kann es sich handeln, ein Bruttoverdienst von 2.73 Mark erzielt werden.

Diese Berechnung basiert auf einer außergewöhnlich billigen Einkaussgelegenheit, wonach der betreffende Fisch mit 21 Psg. pro Pfund verkauft werden könnte.

Nach Abzug obenerwähnter Spesen würde somit dem Ver­käufer für seine Mühe nichts übrig bleiben.

Ein weiterer Borschlag des Herrn Oberbürgermeisters ging dahin: Der Verkauf der von der Stadt bezogenen Fische könne auch von hiesigen Fischhändlern zu denselben Bedingungen in einem dazu von der Stadt hergerichteten Lokal vorgenommen werden.

Nach Bekanntgabe der erwähnten Bedingungen stellte der Herr Oberbürgermeister das Ultimatum:Wollen Sie zu diesen Bedingungen den geplanten Fischmarkt übernehmen? Wenn nicht, fo übernimmt chn die ©tabt"> undsteckt alsdann selbstverständ­lich die vorn Lieferanten in Geestemünde bewilligten 13 Prozent Vruttonntzen" (den Ersterer sicher vorher auf den Einkaufs­preis geschlagen) in die Tasche.

Andere größere Städte wie Stuttgart, Solingen, Ulm, Aues- burg, Reutlingen, Eßlingen usw. hätten nach vorliegenden Be­richten gute Erfahrungen mit der neuen Einrichtung gemacht, weshalb solle es hier in Gießen nicht gehen?

setzten freilich unter großer Anstrengung zum Aerger des Organisten die Debatte fort. Als eben der eine nochmals eine Sternerfung zum Lobe des neuen Gespannes seinem Nachbar in die Ohren geschrieen, rmd dieser nun seinen letzten Trumpf zum Nachteile der gehörnten Wiederkäuer gegen seinen Partner ausspielte, verstummte plötzlich der brausende Orgeltvn und nun erscholl durch den in tiefer Sttll» liegenden Kirchenraum ein an die Sttmme des wahren Jäkob" der Jahrmärkte lebhaft er inner nben Ruf: Dar a a Hot awer e i ch eb b Horn!" Tableau.

v. Bad-Nauheim, 29. Sept. Biß zum 28. Sept. 1905 sind 25 749 Kurgäste angekommen, wovon am genannten Tage noch 1294 anwesend waren. 358 349 Bäder wurden bis zum 28. September abgegeben.

Büdingen, 29. Sept. Morgen vormittag 9.25 Uhr wird die letzte Personenpost von Büdingen nach Altenstadt gefahren und mit ihr ein Verkehrsmittel ver­schwinden, das unserer Stadt eine lange Reihe von Jahren als solches treu gedient hat. Doch auch sie mußte, wie so manches Gute aus alter Zeit, den modernen Verkehrsbedürf­nissen weichen und einem neuen Schienenwege Platz machen. Mit ihr sinkt wiederum ein Stück jener alten Postpoesie ins Grab, die dazu bestimmt war, die Tage unserer Väter in den Nimbus der »guten alten Zeit" zu hüllen. (B. A. A.)

sd. Darmstadt, 30. Sept. (Eigener Drahtbericht des Gieß. Anz.) Der fteffticrtretenbc Beamte bes Provinzial- direkt ors, Regierungsrat W'. ck, feit 1898 zweiter Beamter des Kreises Darmstadt, ist l)eute nacht nach längerer Krank­heit gestorben. Das neuerbaute zweite ka tho lis che Gotteshaus, die Elisab e then kir ch e am Schloß­gartenplatz, wurde heute vormittag in Anwesenheit des Bischofs Dr. Kirstein aus Mainz feierlich ein geweiht. Die katholischen Vereine und Korporationen waren voll­zählig vertreten und der katholische Kirchenchor verherr­lichte die Feier durch Gesang.

Wörrstadt, 29. Sept. Im 5. rheinhessischen Landtagswahlbezirk, der gegenwärtig von dem Wein­händler und Landwirt Michel Wolf zu Stadecken (Bauern­bund) vertreten wird, beabsichtigen die liberalen Parteien, Blättermeldungen zufolge, den Bürgermeister Christ von hier als Kandidaten aufzustellen. Christ, der Anhänger der frei­sinnigen Volkspartei ist, vertrat den Bezirk bis zu der Neu­wahl vor sechs Jahren.

Frankfurt a. M., 29. September. In der gestrigen Sitzung des Gewerkschaftskartells teilte der Vorsitzende mit, das auch diesmal der Magistrat die Eingabe des Arbeitersekretariats wegen einer Subvention ab­gelehnt habe. Die Arbeiterschaft locrbe in dieser Hinsicht keine Forderung mehr stellen. Auf Grund einer Anzeige bei der Polizei wurde gestern nachmittag auf einem hiesigen Hofgut bei den Knechten und Mägden eine ärztliche Untersuchung, hauptsächlich der Augen vorgenommen. In der Anzeige war mitgeteilt worden, daß die Leute im Stall bei dem Vieh schlafen müßten, wodurch verschiedene augenkrank geworden seien. Auch die Lagerstätten wurden von der Polizei besichtigt. (Kl. Pr.)

Hanau, 28. Sept. Dre Polizei verhaftete den Handelsmann H. Schweitzer aus Katzenfurt, der hiesigen Einwohnern unter offerier unwahren Angaben Fahr­räder entlockte und diese alsbald in Frankfurt zu Geld machte. Sch. ist schon wegen Betrugs, Fahrraddieb- stahls usw. erheblich bestraft (zuletzt verbüßte er drei Jahre Zuchthaus) und man glaubt, daß auch eine 'Anzahl der in letzter Zeit hier und in den Orten der Umgegend häufig vorgekommcrren Fahrrabbiebstähle auf sein Konto zu setzen ist. (Frkf. Ztg.)

kleine Mitteilungen aus H e sse n und den Nachbarstaaten. Einen Polizeihund hat sich nunmehr auch die D a r nr st ä d t e r P o l i z e i zngelegt, der in einzelnen Fällen schon gute Erfolge erzielt, aber auch schon versagt hat. Große Ausgaben hatte er bis jetzt nicht zu bewältigen.

Gießen, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner mehr als 50jahrigen treu geleisteten Dienste, mit Wirkung vom 16. Oktober, in den Ruhestand versetzt. In den Ruhe­stand versetzt wurde am 21. September der Schullehrer an der katholischen Schule zu Heldenbergen, im Kreise Friedberg, Jakob Wolf auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner Langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. Oktober.

* Ein Jubelgreis. Morgen feiert der Geometer 1. Klaffe Georg Euler, Schiffenberger Weg 67, seinen 10 0. Geburtstag. Wir beglückwünschen den alten Herrn herzlich. Möge der verdämmernde Lebensabend ihm eine Reihe von sorgenlosen und heitersonnigen Tagen ohne Last und Leiden bescheren.

Silberne Hochzeit feiern am 3. Oktober der Schneider Wilhelm Hutmann und Ehefrau, geb. Krug.

** Aus dem Bureau des St a d t t h e a t e r s. /r5)er Kaufmann von Venedig", die Eröffnungs- /vorstellung der diesjährigen Spielzeit, ist von Direktor Stein- .goetter speziell unter Berücksichtigung der hiesigen Bühnen- verhältniffe derartig eingerichtet worden, daß die Zahl der Verwandlungen keine allzu große ist und doch kein wesent- -licher Teil zu Schaden kommt. In Hauptrollen sind be­schäftigt von Damen: Elfriede Bayrhammer, Lily Donecker und Wilhelmine Schellenberg; von Herren: Georg Mendel, Rudolf Goll, HanS Föhse, Adolf Lippert, Max Herrscher. Das gesamte Personal ist außerdem in kleineren Aufgaben beschäftigt oder unterstützt die Vorstellung durch Beteiligung an der Komparserie.

* Der Männerturnverein beabsichtigt, morgen seinen letzten Turngang in diesem Sommerhalbjahr von der Haltestelle Schiffenberg ans um 2.30 Uhr über Watzen­born, Pfahlgraben nach Butzbach vorzunehmen, woselbst mit dem dortigen Turnverein im Gasthauszum Löwen" eine gesellige Zusammenkunft stattfinden soll.

** Der Milchaufschlag bewilligt. Die vereinigten Landwirte von Frankfutt und Umgegend veröffentlichen folgendes:

- In einer am Donnerstag in Frankfurt ftoftgefunbenen Milch­händler-Versammlung, an der sich auch sämtliche großen Händler, mit Ausnahme von Heinrich Kleinböhl, beteiligten, wurde nach fünfstündiger Beratung beschlossen, an dem mit uns am 30. August abgeschlossenen Kompromiß sestzuhalten und am 1. Oktober einen Aufschlag von 2 Psg. pro Liter Vollmilch eintreten zu lassen.

* Regelung des Ausverkaufswesens. Zur Durchführung deS Reichsgesetzes über die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes, insbesondere die Ausverkäufe betr., hat der Darmstädter Detaillistenverein an sämtliche hessische Handelskammern ein Schreiben gerichtet, in welchem gegen die unlauteren, den reellen kaufmännischen Geschäftsbetrieb schädigenden Ausverkäufe angekämpft wird, unb folgende Vorschläge gemacht werden:

1. Konkurs-AuSoer kaufe dürfen diese Bezeichnung nur so lange sichren, als sie bcr. Leitung des Konkursverwalters unter­stehen. Auch die oft benützte, das Publikum besonders anlockende Anpreisung:Aus einer Konkursmasse" soll verboten werden. 2. Total-Ausverkäufe wegen Geschäftsaufgabe dürfen die Dauer eines Jahres nicht überschretten. Das Nachschieben von Maaren ist nicht erlaubt Nach Beendigung dieses Total-Ausverkauis darf der Geschäftsinhaber oder die Firma am gleichen Platze ein neues Geschäft in der gleichen Branche nicht eröffnen. 3. Ä us ° v e r f ä u f c wegen Neubauten oder Umbauten dürfen erst nach erteilter Bauerlaubnis eröffnet werden und die Dauer von 4 Wochen nicht überschreiten. 4. S a i s o n - u n d Inventur- Ausverkäufe dürfen nur zweimal innerhalb eines Jahres stattsinden und sollen jeweils nicht länger wie zwei Wochen dauern. 5. Zur Ausführung dieser Vorschläge ist die Schaffung einer Stelle notwendig, bei der die Anmeldung der Ausverkäufe kostenlos zu erfolgen hat, ebenso die Eintragung in ein Register, in das den dabei interessierten Geschäftsleuten Einsichtnahme gestattet sein muß. Hierfür eignet sich aber nicht die Polizei, sondern es wird eine kaufmännische Behörde, event. die Großh. Handelskammer vor- -geschlagen.

Der Wormser Rosengarten-Ausschuß ver­öffentlicht ein Ausschreiben an deutsche Künstler zur Einsendung von Vorschlägen zur Anlage eines Rosen­gartens in Worms, und zwar unter Verwendung der städtischen Anlagen des sogenannten Wäldchens. Das Aus­schreiben bezweckt die ersten Unterlagen zur späteren Aus­arbeitung eines Gesamtplanes zu erhalten und ist als Jdeen- Einsorderung gedacht. Es handelt sich also vorerst nicht um eine ausgesprochen gärtnerische Aufgabe, sondern vielmehr um die künstlerische Auffassung der dem Ausschreiben zu­grunde liegenden Idee. Dieses Ausschrciben ist somit für alle deutschen Künstler offen, während die spätere Ausführung rein gärtnerischer Natur sein wird. Zur Verfügung für den Rosengarten steht eine Fläche von 14,5 Hektar, also 145000 Quadratmeter.

** Eine Geschichte von zwei Ochsen. In einem Wöllstein benachbarten Orte patte, lautRh. V.", vor kurzem ein Bauersmann sein fettes Ochsenpaar abgesetzt und an dessen Stelle ein neues Paar dieser gehörnten ^erabe nicht int Rufe großer Intelligenz stehenden Zugtiere eingehandelt. Das Dorf, groß und klein, Männlein und Weiblein, nahm das regste Interesse an dieser welterschütternden Begeben­heit und so bildete das Ochtenpaar besonders unter dem starken Geschlecht das Tagesgespräch. Da der Handel an einem C-amstag Nachmittag vor sich gegangen Ivar, und die stark divergierenden Vteinungen an diesem Tage nicht Mehr in Ordnung gebrarfit werden konnten, so fand das hochinteressante Ochsengespräcl) am darauffolgenden Sonn­tage seine lebhafte Fortsetzung. Selbstverständlich wurde tauch die Zeit vor Beginn des sonntäglichen Gottesdienstes mit diesem Gespräch aus-gefüllt und konnten selbst bcr Orgel zarte Töne bcr unterhaltenben Männer frischrasierte Lippen nicht zur Ruhe bringen. Erst nachdem bcr bienff» beflissene Organist bic schreienden Pfeifen bcr 21/2füßigen Quinte und des dreifachen Eornets zu Hilfe genommen und die Töne voll und ganz des Gotteshauses ehrwürdige Raume füllten, wurde die Ochsenunterhaltung eingestellt. Nur zwei Bauern, von der gütigen ötuttcr Natur mit Le» Jojtbet» kräftigen Lungen und dito Stimmbändern bebacht.

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R. V. D a r mft a d t, 29. Sept. Tas Schwurgericht be­schäftigte sich heute abermals mit einer Sttaffache wegen Kör­perverletzung mit tödlichem Ausgang. Der 36Jahre alte verheiratete Landwirt Michael Groh I. zu Urberach bei Langen lebte mit seinem Nachbar Johann Seih, mit dem er ein sogenanntes Doppelhäuschen bewohnte, schon lange in Un­frieden. Am 2. Juli d. I. sollen nun die Kinder des Groh auf dem gemeinschaftlichen Hof die Gänse des Seid hin und hergejagt haben und es kam darüber zwischen Seid Vater und Sohn und dem Angeklagten zu einer wüsten Prügelei. Die beiden Seib gingen mit dicken Knüppeln auf den Groh los, worauf dieser, am Kopfe blutend, eine schwere Hacke ergriff und damit den alten Seib so wuchtig auf den Kopf schlug, daß der Schädel zettrümmert wurde und der Gettoffenc bald eine Leiche war. Der Angeklagte behauptete heute, lediglich in Notwehr ge­handelt zu haben und die Zeugenaussagen bestätigten dies auch. Unter diesen Umständen verneinten die Geschworenen die an sie gerichteten S ch u l d fr a g en und es nrufjtc darauf die Frei- sprechung des Angeklagten erfolgen.

Berlin, 29. Sept. Ein Ehedrama beschäftigte bti Schwurgericht des Landgerichts II. Unter der Anklage der ver­suchten Tötung stand der Schlächtermeister Dickoff in Zoffen vor den Geschworenen. Der Angeklagte ist über zwanzig Jahre ver­heiratet, betreibt seit vielen Jahren in Zossen eine Schlächterei und besaß früher Haus und Hof und eigenes Fuhrwerk. Er ist dann in seinen Verhältnissen etwas zurückgekomnien und schließlich ganz abhängig von seiner Ehefrau geworden. Wie der als Zeuge und Sachverständiger vernommene Canitätsrat Dr. v. Ubisch in Zossen vor Gericht bekundete, ist der Angeklagte wiederholt mit Wunden, die von Schlägen mit dem Feuerhaken oder von Be­gießen mit kochendem Wasser herrühren sollten, zu ihm gekommen und hat ihm erklärt, daß ihm Jein Gust ch e n" dies beigebracht habe. D. hat seine Ehefrau schon lange im Verdacht, daß sie mit einem Arbeiter Lindemann, der in demselben Hause wohnt, ein unerlaubtes Verhältnis unterhalte. Schließlich ist seine Fran ganz von ihm gegangen. Er suchte nun Trost beim Alkohol. Am Morgen des 9. Mai lauschte er, ob er etwa von einem Verkehr seiner Ehefrau mit Lindemann etwas bemerken könne. Da kam seine Frau aus der Wohnung des letzten. Er trat an sie heran und nnd forderte sie auf, doch zu ihm zurückzukehren, erhielt aber eine abweisende, höhnische Antwort. Es entwickelte sich eine erregte Szene, die damit endete, daß die Ehefrau blut­überströmt und mit dem Ausruf:Hilfe! Ich sterbe!" zu Boden ank. Es stellte sich heraus, daß sie von dem Angeklagten einen Messerstich unterhalb des rechten Schulterblattes erhalten, der eine sechs Zentimeter lange und zwei Zentimeter tiefe Wunde verursacht hatte. Der Angeklagte war in höchster Erregung, entfernte sich vom Tatorte und wurde später verhaftet, als er mit seinem Ge- pannc auf der Chaussee fuhr. Die Geschworenen gaben ihren Spruch nur auf Schuldig bet gefährlichen Körperverletzung ab. Tas Urteil des Gerichts lautete auf zwei Jahre Gefängnis.

Breslau, 29. Sept. Das Oberkriegsgericht des 6. Armee­korps verurteilte den Unteroffizier Czaja vorn 6. Traiu- Dataillon wegen Mißhandlung Untergebener zu sechs Monaten Gefängnis und Degradation und den Sergeanten Damsck zu drei Monaten Mittelarrest. Czaja wurde sofort verhaftet.'

Flensburg, 29. Sept. Die Strafkammer ticrurteilte heute den Landtagsabg. Redakteur H. P. Ha ns en und den Redakteur Andersen beide in Apenrade, wegen Belei­digung des Landrats Becherer-Hadersleben und des Amts­vorstehers Valentin-Skrybstorb, den ersteren zu drei Monaten Gefängnis und den letzteren zu 300 Ai a r k Geldbuße. Beiden Beleidigten wurde die Publikationsbefugnis zugesproOm.

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Hieraus wurde bemerkt, daß man Gießen mit ca. 27 (XW Einwohnern doch nicht mit diesen weit größeren Städten v^r, gleichen könne, da Gießen nickt entfernt die Arbeiterzahl auf. zuweiscm hat, wie die erwähnten Städte und die für den biefigei Platz in Betracht kommenden Arbeiter zum überwiegenden Ter! Landlente ans der Umgebung sind, welche bekanntlich wenig odn gar keinen Fisch konsumieren.

Gießen war von jeher keine Stadt, welche viel Fische fon> furniert hat und wird es! auch nie werden, weil die Verhältnisse nicht dazu angetan find. Jeder Versuch seitens der anwesenden hiesigen Händler, dem Herrn Oberbürgermeister die Ueberzeugun^ beizubringen, daß die ganze Einrichtung vollständig unnötig fei da die in Betracht kommenden Kaufleute tatsächlich in der Lage sind, allen Anforderungen bezüglich Quantum, Qualität und Drei» gerecht zu werden, scheiterte an der Haltung des Herrn Ober' bürgermeisters, der sich weder auf Vorschläge, auf Orientierung über den Geestemündener Fischmarkt im allgemeinen, wie über hiesige Verhältnisse oder Richtigstellung einzelner von ihm vor­getragener Behauptungen, einließ, sondern kategorisch erHärtc

Sie haben mir nur zu sagen, ob Sie mit meinen Bedingungen einverstanden sind ober nicht."

Wir, die Unterzeichneten, müssen nun auf den Vertrieb des von der Stadt geplanten Fischbezugs, bcr für uns auch nicht den kleinsten Nutzen abwerfen würbe, verzichten, 1) weil wir Geschäfte nicht bcr Ehre allein halber machen können; 2) weil wir unserer wetten Kundschaft nach wie vor nur mit aUerfeinfter, frischester Ware bienen^wollen unb für die billigen, minbertoertigen Fische wie sie die Stadt beziehen will, keine Verwendung haben.

In Berücksichtigung bcr Tatsache, baß bei dem geplanten Unternehmen Weber bas große Publikum noch die Stadt Gießen einen erheblichen Nutzen haben würde, nnd nur von einer wesent- liehen Schädigung der hiesigen Geschäftsleute die Rede sein könnte, bitten wir die verehrliche Stadtverordnetenversammlung er- gebenft, der geplanten Errichtung eines Fischmarktcs die Ge­nehmigung versagen zu wollen.

Die bereinigten Fischhändler von Gießen.

* Kleine Tages chronik. Aus ' M a u r i a c (Frankr.) Ivird berichtet, daß dort bei einer Feuersbrunst zwei Frauen in den Flammen umgekommen sind. Aus Manila meldet Reuter: Beim Untergange eines Kanonenbootes sind 35 Leute, 11 Amerikaner und 24 Eingeborene, ertrunken Wahrend des letzten Sturmes am Dienstag sind in Sorsegm 15 Eingeborene umgekommen. Der im Hanf auf Plan' tagen angerichtete Schaden wird auf eine halbe Million Dollars geschätzt. Ein Dampfer mit einem Truppentranspott ist,bei Legaspi geftranbet. In der vergangenen Nacht ist die Stadt Mal­mesbury (Kaplanb) durch einen Zyklon in Trümmer ge­legt worden. Eine Anzahl Menschen ist ums Leben gekommen. Wie au§ Newyork berichtet wird, ist dort der Gesellsä-ast Notthem Seeuritas" ein Bündel Wertpapiere gestohlen roor- ben, welche einen börsenmäßigen Wett von über 435 000 Dollar repräsentieren. Aus Lissabon wirb gemelbet: Eine alte auf Blutrache begründete Feindschaft zwischen den Einwohnern der portugiesischen Dörfer Estrioeira und Abrigada führte zu einer förmlichen Schlacht. Die gesamte Einwohueffck-ast Männer, Frau und Kinder, nahmen mit allen denkbaren Waffen an dem erbitterten Kampfe teil. 5 Personen wurden je. tötet und über 50 schwer verwundet. Die Behörden mußten Truppen aus mehreren Garnisonen herbeiholen, um die Ordnung wiederherzustellen. In einem Zimmer des polytechnischen Instituts der Universität Leipzig hat eine Kohlen­oxyd g a sve rg i f tun g ftattgefunben. Ein Patient, der Buchhanblungsgehilse Delling aus Oetsch/ ist erstickt. Ein anderer Patient, der 17 jährige Musiker Witter, wurde zwar bewußtlos aber iwch lebend aufgefunden. Er ist soweit wieder hergestellt, daß er sich außer Lebensgefahr befindet. Wie das Aus­strömen des Gases möglich wurde, ist noch nicht aufgellätt. In Stettin schoß sich der Fabrikant Absen am Rande des Badcteiches eine Kugel durch den Kopf. Der Körper fiel ins Wasser. Während des Selbstmordaktes mußte ein bestellter Drehorgelspieler lustige Weisen spielen., In einem hinterlassenen Briefe setzte er den Drehorgelspieler und die Polizeiverwaltung zu seinen Erben ein. In Esse n (Ruhr) erwürgte eine Arbeitersfrau ihr 2l/,jähr. Kind mit einem Strick unb erhängte sich bann mit demselben Strick. MS ber Mann von bcr Arbeit kam, fand er beibe tot. Körperliche Leiden waren die Ursache zur Tat.