Nr. 125 Zweites Blatt.
155. Jahrgang
Erscheint MgNch mli TluSnahm« de» Sonntag».
Die „•kfienet Zcnntltendlätter- werden dem ^Anzeige, viermal wöchenlUch betgelegt. Der «Helstich« Laadwttt- erjchevu monatlich einmal.
Giehener Anzeiger
Montag 29. Mai 1905
RßtartonSbrud and Verlag bet Brühl IdXB UntDedU&lßbruderet <R. Laag«, Gtetzen,
Redaktion. Lxvedttwn a. Druckerei: Schulftr.».
Lei. Nr. 6L Leiegr^Adr. x An-eige» Gietzar»
General-Anzeiger, Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.
Politische Wochenschau.
Das neue Bergcirbeitergesetz steht, was bie inner- holl tischen Angelegenheiten dieser Woche betrifft, obenan. Erfreulicherweise ist es zwischen den Natt'onalliberalen, dem Zentrum und den Freikonservativen zu einer Verständimlng gekommen, die eine Mehrheit für die Annahme des Regrerungs- entwurses geschaffen hat. Diese Annahme, die in der Hauptsache die geheime Wabl für die Arbeiterausschüsse garantiert, darf als ein gerechter Erfolg der Bergarbeiter bezeichnet tverden.
**■ Die Abreise des Kaisers aus Wiesbaden hat sich infolge des Unfalles, den die Kaiserin hatte, um einige Tage verzögert. Jetzt ist der Monarch, nachdem er der Enthüllung des Kaiser- Friedrichs-Denkmals in Ehorlottenbrirg beigewohnt hatte, in die Neichshailvtstadt „ znrückgekebrt. Dort werden die Vorbereitungen für die Vermählung des Kronprinzen getroffen, und W Hanp inrir sse der kommenden Woche wird sich, wenigstens innerhalb Deutschlands, auf diese Berliner Ereignisse richten.
Die Ergebnisse der, Kon f er en z des preußischen Kultusministers mit den Universitätsrektoren sind dank unklarer offiziöser Berichterstattung zwar noch nicht in allen Einzelheiten bekannt,^ soviel ist aber heute schon sicher, daß auf dem eigentlich strittigen Gebiete der Studentenausschüsse das Ki'ltus- winißerium entschieden zurückgewichen ist. Ob sich Herr Studt und Herr Althoff diese peinliche Niederlage dauernd zur Warnung dienen lassen werden, wird die Zukunft erweisen.
Der nationalliberale Parteitag in Dresden hat einiges Gute dargetan. Die große Rede Dassermvnns hat auch in anderen politischen Langern Zustimmung gefunden. Freilich hat es sich auch erwiesen, daß in der Partei noch immer gegensätzliche Strömungen, die nach links und nach rechts neigen, sich erhalten haben. Möchte die Bassermannsche Rede der Pmtei die Richtung angeben! Von wesentlicher Bedeutung war die Beschlußfassung über eine Neuorganisation der Partei, und auch hierzu könnte man wiederum den Wunsch aussprechen, daß die jmrg liberale Bewegung sich größere Geltung verschaffen möchte. Im ganzen hat es befriedigt, daß der als bevorstehend verkündigte Ruck nach rechts denn doch unterblieben ist.
In dieser Woche wird eine andere nationale Sache wichtige Entscheidungen bringen. Der Ausschuß des deutschen Flottenvereins ist in Stuttgart zusainmengetreten. Es hat im Flottenverein gekriselt. Infolge einer kaiserlichen Depesche traten die beiden Generale von Menges und Keim vom Vorsitz im Flotten- vercin zurück. Wie die Zeitschrift „Europa" meldete, soll Admiral Hollmann den Kaiser auf die üblen Wirkungen der Agitation des Flottenvereins aufmerksam gemacht haben, worauf die Ab- sendung des kaiserlichen Telegramms erfolgte. In der Hauptsache handelt es sich darum, ob der Flottenverein eine eigene Flottenpolitik verfolgen darf oder nur den Zweck hat, die Regierungspolitik zu unterstützen. Diese letzte Tendenz vertritt die Brandenburger Provinzgruppe bereits seit Jahren. Dem Hauptausschuß des Flottenvereins in Stuttgart 'ist nun Gelegenheit gri^ten. Wesen und Ziele der Agitation für die nächste Zukunft sestzu setzen. c .
Ein freudiges Ereignis der letzten Tage war der Steg, den nufere Truppen auf dnn südlichen Kriegsschauplatz in Deutsch- Sildweftasrika über den Rauberbauptmann Morenga und seine Bande davongatragen haben. Aussthen mußte das Bekannt- tr erben einer Proklamation erregen, die General v. Trotha gegen die Führer der Hereros erlassen haben soll. Darin wurden auf die Köpfe der feindlichen Häuptlinge Preise ausgesetzt, und die Eingeborenen zur Ermordung ihrer Führer aufgefordert. Sollten sich diese Nachrichten bewahrheiten, so wird man diese Art von Kriegführung nicht gerade mit Freube begrüßen. Im Reichstage ist diese angebliche Proklamation von sozialdemokratischer Seite bereits ausgeschlachtet und mit starken Angriffen zur Sprache gebracht worden. General v. Trotha wurde, wie dw Kolonialdirekwr mitteilte, zur Berichterstattung aufgeforderd Man wird nun abwarten müssen, ob die Meldungen zutreffend smd o^Die^Wirren im Innern Rußlands dauern fort; in Warschau bat sich wieder eine Metzelei abgespielt, bei der viele Personen den Tod fanden, — imb immer noch kommt vom Kriegsschauplätze keine Nachricht, die dem schwer bedrückten russischen Volke zum Tröste gereichen und ihm wenigstens die Aussicht eröffnen könnte, daß der unheilvolle Krieg mit Japan bald em für Rußland glückliche? Ende finden werde. Die Meldung von emem großen russischen Siege nur See hat sich als unmtresfenb eriütrien. Dagegen haben die seit einigen Tagen umlaufenden Gerüchte über eine mangelhafte Gesundheit des Admirals Roschdiestwenskp — es war sogar sein Tod gemeldet worden — nun doch eine Art Bestätigung gefunden. Aus Petersburg kam am Mittwoch d^e Nachricht, daß der Vizeadmiral Birilew zum Kommandierenden der Flotte im Stillen Ozean mit den Rechten des.Kommandierenden einer selbständigen Armee ernannt worden fei. An Birilews bisherige Stelle tritt Vizeadmiral Nikonow Diese Ernennung wäre natürlich nicht möglich gewesen, wenn Roschdestwensky sein Kommando weiterführen würde. Tie Enthebung Noschdiestwens- H selbst ist indessen bis jetzt amtlich noch nicht gemeldet. Er ührt sein Geschwader weiter und wird wohl den Japanern eine Schlacht liefern. Jeder Tag bringt nun Meldung^ über die Fahrt des Geschwad'rs. Von den Batanmseln südlich von For- mosa, wo es am 20. d. M. gesichtet wurde, Ä eS mch in bett offenen Ozeau aestnicrt, sondern in fast nördlicher Richtung tn das OstchinesistK Meer. Mm Freitag wurde die Ank.mft niedrerer rnsstsckier Krieg)- und Transportschifte be! den Saddlc- Iuselu südöMich Shanghai gemeldet. Die Flotte hat also be- reltS die 5'.älst? des Wea-s von Formosa nach den süd-almmschen Kewüssern'znrtickgelegt. Man könnte nach der ?uledt innegehaltenen Fahrtrichtung annchmen, das; sie direkt auf d-c Korea-Ltrasie steuern wird Und da Admiral Togo sich vermutlich dort aushält würden in diesem Fache die nachü-n ^age die Mcleung von' einer aroüen sennm.
Tie Einweihung des Kaiser Friedrich-Denkmals in Eharlottenburg.
Charlottenburg, 27. Mai.
Tie Enthüllung des Kaiser Friedrich-Denkmals vor dem könialichen Schlosse wurde heute vormittag m Gegenwart des Kaisers bei prächtigem Wetter vollzogen. Vereine. Irin, ungen nnb Schulen bildeten mit Fahnen und MusikkorpS Spalier. Reichskanzler Graf Bulow die Mimstcr Thielen Herr v. Rbeinbaveu, v. Einem, Stilbt Schönstedt und von Bethmann-Hollweg, Staatssekretär Frhw v, Nichthofer-der kommandierende General des Gardckorps, Kessel, Oberp s - dent v. Winterfeld, der Oberbürgermepter die Stadtver- ordneten, die Präsidenten beider Häuser des Landtags waren zugegen. Mit dem Kaiser kamen dre Prinzen Ettel otier r.ch, Adalbert und Friedrich Wilhelm. Der Satfer von Ob - büracrmeister Schufterhus begrüßt, sshritt die Front Ehrenlompaguie ab. Hierauf ergriff ^rburgermei ter Schuster h u s das Wort zu einer Ansprache au den Karsech in der er die Freude und den Stolz der Stadt Charlotten burfl und der Bürgerschaft darüber, daß der Kaiser durch sttne Teitua'nne an -- Den" '.und. bek 200 Jahr-
eier der Stadt die höchste Weihe gegeben habe, und die Freude darüber äußerte, daß der jüngste Fall der Kaiserin keine schweren Folgen gehabt Habe. Der Redner gedachte in warmen Worten des Kaisers Friedrich, dessen Siegfrieds- gestalt dauernder als je in der Volksseele lebe, in dessen Brust das Herz dem deutschen Volke geschlagen h-abe. Voll Hoheit, sieghafter Stärke, Edelmut und Liebe sei er ge- chasfen gewesen, Großes zu leisten. Bei seinem Denkmal erneute die Charlottenburger Bürgerschaft das Gelübde der unerschütterlichen Treue zu dem Kaiser und zu dem erlauchten Hohcnzollernhause. Des weiteren gedachte ^Oberbürgermeister Scbusterhus kurz der Geschichte und glücklichen Entwicklung Charlottcnburgs und deren enge Beziehungen zum Herrscherhaufe, dankte dem Kaiser für die machtvolle Förderung der Stadt und bittet sodann den Kaiser, das Zeichen der Enthüllung zu geben. Auf ein Zeichen des Kaisers iel d ie Hülle. Die Glocken läuteten. Die Prinzen Eitel Friedrich und Albert legten einen Kranz am Denkmal nieder. Oberbürgermeister Schufterhus brachte sodann ein Hoch auf den Kaiser aus, in das die Au äsenden begeistert einstimmten. Die Musik spielte die Na. onalhymne. Der Kaiser nahm den Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie ab und besichtigte sodann das Denkmal. Hierauf folgte die Nieher- legung von Kränzen seitens der Stadt Charlottenburg und vieler Korporationen. Die Vereine und die Schulen defilierten geschlossen an dem Denkmal vorbei. Pros. Uphues, der Schöpfer des Denkmals, erhielt den Roten Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife. Oberbürgermeister Schuster- hus und Polizeipräsident Steif en sand erhielten den kgl. Kronenorden 3. Kl.
Heer und A otfe.
— Eine Neuerung bei der Beförderung zum Offizier ist, wie die „Neue mit.-pol. Korr." schreibt, bereits bei den diesmaligen Monatsbeförderungen verwirklicht worden. Eine Anzahl von Fähnrichen — nämlich solche, die vor ihrem Eintritt zum Dienst die Reifeprüfung zur Hochschule bestanden hatten — haben bei der Beförderung zum Offizier ein um mehr als ein Jahr vordatiertes Patent erhalten. Wie die genannte Korrespondenz hört, wird diese Einrichtung allmählich noch erweitert werden, sodaß dann schließlich die als Abiturienten in den Heeresdienst eintretenden jungen Leute das gleiche Dienstalter erhalten wie die früher von der Schule abgegangenen, also bis zu 2 Jahren älteren Offiziere. _____________
Kirche und chute.
Frankfurt a. M , 27. Mai. Am 21. Mai tagte hier der große Ausschuß des Freien Verbandes deutscher evangelischer Synodalen (Wormser). Dabei wurde einstimmig nachfolgende Erklärung zu Protokoll gegeben:
Angesichts der tiefen Erregung, die zur Zeit durch die deutsche evangelische Christenheit geht, hält es der Gesamtausschuß des Freien Verbandes deutscher evang. Svnodalen für seine Pflicht, den Mitgliedern des Verbandes gegenüber solaendes zu erklären:
1. Der Freie Verband Deutscher Evang. Synodalen ist feine Instanz für die Diskwsion oder gar Entscheidung in Lehr- oder Bekenntnissrcigen, hat barum weder das Recht noch den Einlaß, in die gegenwärtig brennenden Streitfragen nach der einen oder anderen Seite hin einzngrelsen.
2. Der Ausschuß hält es dagegen für unsere gemeinsame Pflicht, uns daran zu erinnern, daß auch bei den verschärften Gegensätzen der Anschauungen in der deutschen evangelischen Christenheit ein gewisses Maß unserer Einheit und die Möglichkeit praktischer Zusammenarbeit vorhanden ist.
3. Er bittet deshalb in Konsequenz der Wormser Tagung vom 31. Oktober vorigen Jahres, ungeachtet aller öorhnnbeueu Gegensätze fortzufahreu mit gemeinsamer praktischer Arbeit besonders auf gemeindlichem und spnodalem Gebiet.
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Berlin, 27. Mai. (W. B.) Ein Telegramm aus Wind- huk meldet: Gefallen auf Patrouillenritt bei Ko wes am 17. Mai: Oberleutnant Heinrich Häring, geb. 15. Mai 1871 zu Freiburg, früher Juf.-Regt. 163; Unteroffizier Reinhold Stahn, geb. 22. Nov. 1878 zu Logau, früher Eisenbahnregt. 2; Reiter Wilhelm Bitter, geb. ,16. Dez. 1881 zu Neu-Jaromirz, früher Juf.-Regt. 140; Reiter Wil- Thies, geb. 3. März 1881 zu Celle, früher Luftschifferbat. Im Gefecht bei Kowes am 17. Mai: Unteroffizier Franz Lengowski, geb. 22. August 1878 zu Bialken, früher Kürassierregt. 5; Reiter August Krüger, geb. 29. Nov. 1882 zu Jakobshagen, früher Lehr-Regt. der Feldartillerieschießschule; Reiter Konrad Girod, geb. 8. April 1879 zu Dresden, früher kgl. sächs. 1. Feldart.-Regt. 12; Reiter Mar Hellbig, geb. 11. Juni 1883 zu Vromberg, früher Feldart.-Regt. 53. I m G e f e ch t b e i B i s s e p o r t am 19. Mai: Feldwebel Robert Schnalle, geb. 2. Okt. 1874 zu Leobschütz, früher Feldart.-Regt. CG: Unteroffizier Heinrich Oelze, geb. 8. März 1883 zu Hildesheim, früher Juf.-Regt. GO —Verwundet: Auf dem Patrouillenritt bei Kowes am 17 Mai: Reiter Adolf Bode, geb. 21. März 1883 zu Nordhausen, früher Jnf.-Regt. 49; Reiter Louis Bernhardt, geb. 24. Nov. 1882 zu Waltersdorf, früher Juf.-Regt. 163 Im Gefecht bei Kowes am 17. Mai: Assisten'arzt Joh. Kahle, geb. 27. Juni 1878 zu Neuendorf,*früher Feld- artillerie-Negt. 62; Unteroffizier Franz Iegust, geboren 1878 zu Wittgirren, früher Feldart.-Regt. 52; Gefreiter Friedrich Bröcker, geb. 1. Februar 1885 zu Röbel, früher Feldart-Regt. 24. Im Gefecht bei Visseport am 19. Mai: Sergeant Will). Kn oke, geb.. 27. Juni 1879 zn Diesdorf, früher Pionierbataillon 4; Unteroffizier A bert Hausler, geb 25. Sept. 1880 zu Maibach am Neckar, frül>er 2. württ. szeldart-Regt. 29; Gefreiter Emil Wawries , geb. 31. Juli 1882 zu Krerwöhncn, früher Wanen-Negiment Nr. 8; Reiter Karl Gölicke, geb. 31. Januar 1883 zu Würmlitz, früher Inf-Regt. 32; Reiter Richard Hartwig, geb. 11. <>''fivi,a-’X1882 zu Flieth, früher Pionier-Bataillon 15: Reiter Rudolf Bar en thin, geb. 22. Dez. 1882 zu M anker, früher Inf-Regt 24; Reiter Gustav Wilduer, geb. 11. De,. 1881 w Primkenau, früher Lchr.-Regt. der FeldartBlerieschieß- schule Vermißt: Im Gefecht bei Kowes am 17. Mai: Ilnlcrosfi.'.'er Johann Grundmann, gcb. 15. Nov. 1881 zu. Königsdorf, früher Husaren-Negt. 1.
prr 2 Perbandstaq der Spenglermeister und Installateure des Kroßyer,oqfums Keffcn.
Gießen, 29. Mai.
Seit Samstag tagt hier der Verbandstag der Spengler. Ain Samstag nachmittag von 5 Uhr ab wurden die auswärtigen Gäste am Bahnhof empfangen, und abends 8 Uhr fand im Saale des Cafö Ebel ein VcgrüßungskommcrS statt. Im Namen der Gießener Kollegen begrüßte der Vorsitzende Appel die zahlreich erschienenen Festgäste, während Herr Metzle r - Mannheim namens der Gäste den Gießenern für den schönen Empfang dankte. Der „Liederkranz" trug unter der Leitung des Dirigenten Franz Bauer mehrere Chöre vor, und einige Solovorträae fanden lebhaften Beifall. Gestern vormittag um 11 Uhr begannen die Hauptverhandlungen des Verbandstags im Hotel Einhorn. Als Vertreter der Negierung war Provinzialdirektor Geheimrat Dr. Breidert anwesend; als Vertreter des Gewerbevereins Stadtv. Petri und ferner hatte sich Direktor Bergen vom städt. Gas- und Wasserwerk eingefunden. Spenglermeister Selbst aus Worms leitete die Verhandlungen. Rühl-Darmstadt verlas den Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr. Die Mitgliederzahl des noch jungen Verbands hat zugenommen. Der Verband, der erst am 14. Sept. 1902 in Darmstadt gegründet wurde, umfaßt in den drei Provinzen 18 Bezirksvereine; davon entfallen aus Oberhesseu 7 sLich, Grüuberg, Laubach, Friedberg, Nidda, Alsfeld und Büdingen): Starkenburg 6 und Rheinhessen 5. Der Vertreter für Oberhessen ist Faber-Gießen, für Starkenburg Rockel-Darmstadt, für Rheinhessen Eckert-Mainz. Der Rechner des Verbands, Hörle-Offenbach, erklärte, daß, die Beiträge erhöht werden müßten,- dem schließen sich Benz und Rockel an. Hierauf sprachen Stadtv. Petri-und Direktor Bergen-Gießen und wünschten den Verhandlungen reichen Erfolg zum Wohl des Handwerks. Die Neuwahl des Verbandsausschusses ergab folgende Wahlen: Selbst-Worms, Hörle-Offenbach, Faber-Gießen, Neitmayer, Appel-Gießen, Kaifer-G)rünberg, Fnchs-Lollar, Nohl-^Darm^ stadt, Eckert- und Grünert-Mainz.
Herr Metzger-Mannheim hielt daraus einen hochinteressanten Vortrag über „Das Handwerk in seiner heutigen wirtschaftlichen Bedeutung". Er führte ans, daß gerade dem Berufe der Installateure zahlreiche Feinde drohen. Es sind auf der einen Seite Großkapital, Fabriftvesen und die organisierte Arbeiterschaft, aus der anderen Seite Warenhäuser, Hausierhandel und Gas- und Wasserwerke. Die Gefahren, die dem Hundwrrk drohen, müßten die Handwerksmeister von Stadt und Land dcrzu treiben, sich zusammen^ uischließen, sich zn organisieren. Vor Jahrzehnten war das Spenglerhandwerk noch ein goldenes Handwerk, heute ist, es ausschließlich noch ein Bauhandw^rk. Der Redner wieS dann auf die Organisationen der Arbeiter hin, denen eS dadurch gelungen ist, sich bei Reich und Regienmg Gesetze M schaffen zur Wahrung ihrer Interessen. Auch zunt Schutze des Handwerks müßten solche Gesetze geschaffen werden, und dies würde umso leichter sein, da die Regierung ein wohlwollendes Herz für das Handwerk hege, ivas sich bereits durch die Gründung von Handwerkskammern gezeigt habe. Damit aber das Handwerk eine Macht wird, muß es zur Einigkeit kommen. Die Slufstellung einer Normal-Preisliste für alle Arbeiten hält der Referent für geeignet, um das gegenseitige Unterbieten zu beseitigen. Seine Rede gipfelte "in den Worten: Alle für einen, einer für alle.
Provinzialdirektor Geheimrat Dr. Breidert erklärte, daß er im Auftrag des Großh. Ministeriums den Verhandlungen beiwohne, großes Interesse für die Verhandlungen habe und ihnen den besten Erfolg wünsche.
Herr Kaiser-Grünberg spricht hieranf über die Konkurrenz des Hausierhandels. In manchen Städten würden ganze Wagenladungen in den Wanderlagern verkauft, das Publikum kennt den geringen Wert und die großen gesundheitlichen Schädigungen der Schundware gewöhnlich nicht und kaust sie gern, wodurch das Handwerk sehr geschädigt werde nnd die Volksgesundheit Not leide. Kaiser bringt dann folgende Resolution an die Handwerkskam- in e r n ein:
„Die hessische Handelskammer möge die Initiative ergreifen daß dem Unfug der Wanderlaqer und der umheräeheudeu Hausierer gesteuert werde im Interesse des Handwerkerstandes, zumal auch durch die minderwertige Emaitteware das Volk gesundheitlich geschädigt werde/
Hörne-Ofsenbach tritt für die Annahme ein, ebenso Fuchs-Lollar und Nockel-Darwstadt. Die Resolution wird einstimmig angenommen.
Hörne wendet sich gegen das bestehende Sub- inissionswesen und fordert, daß Arbeiten, deren Gewinn leicht zu berechnen ist nnb bie etwa 3—4000 Mk. in Rechnung stellen, von bei- Submission ausgeschlossen werden. Er wendet sich auch dagegen, daß alle Arbeiten eines Baues nicht selten in eine Hand vergeben werden und betont, daß bie einzige Rettung für bas Hanbwerk bie Genossenschaft und Organisation fei. Ferner fordert er, daß die Meisterprüfung obligatorisch eingeführt wirb, denn die nicht auS- aed'ldeten Elemente schädigten das Ansehen und den guten Ruf deS Handwerks.
9l ppcl-GZießen referierte über «Die Konkurrenz der städtischen Gas- nnb Wasserwerke.^ Manche Stäbte ließen ihre Arbeit selbst ausführen, cinbevc stellten sogar noch Anschlüße für Private her und hielten sich ihre eigenen Arbeiter ynn großen Schaben ber Installateure. 9lppel weist bann ganz besonberS ans bie Verhältnisse in ber Stabt Gießen bei der jetzigen Kanalisation hin. Es entspinnt sich hierauf eine ■ehr lebhafte Debatte, in bie auch Gas- und WasserwerkS- bireftor Bergen, Rockel- Darmstadt, Metzger-Mannheim und Hörne-Ofsenbach eingreifen. Hörne hofft, baß auch in dieser Beziehung bei dem nötigen Entgegenkommen eine gütliche Einigung zn erzielen fei.
Es wirb bann beschlossen, baß bie Mstglu berbeiträqe von 1 Mk. be* bcn organisierten Handwerkern auf 1.50 Mk., bei den Nichtorganisierten auf 2 Mk. pro Jahr erhöht werbe-


