Ausgabe 
24.11.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 277

General-Anzeiger, AmLz- und Anzeigeblatt für Len Kreis Gießen

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Spamer. Kreisamtmann.

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Inlgi Niederlage bei

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Redaktion, Expedition u. Druckerei: 6c6ulfh.t, LeU Nr. bL Letegr,-Adr.; Ai Zeiger <Lleben.

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und -Schränkt

Erscheint lLgllch mit Ausnahme deS Sonntags.

Die ..Slehener ZamlNenblStter" werden dem Anzetqer viermal wöchentlich beiaelegt. Der «hrsstlch« Laodvttt" erldjctni monatlich einmal.

Kanzlsiberg S, «ö'Muieum ==5

Rotationsdruck und Verlag der Brühllckem / Unwerftlalsdruckerei. 9L Lange, Grebe»,

Schönstedt:

Mein lieber Staatsminister Dr. Schönstedt!

Ich habe Ihrem Ansuchen nm Entlassung aus Ihrein Amte als Instizminister durch Ertan vom heutigen Tage entsprochen. Es ist Mir aber ein Bedürfnis, Ihnen in dem Auaenblicke, ivo Sie nn Begrifs stehen, eine lange und ehrenvolle Tienstlc.i'bahn atnu- schlienen. Mr die ausgezeichneten Dienste, welche Sie in allen 3hnen übertragenen Aemiern Meinen Voriahren, Aiir und dem Paterlande mit auiopsernder Hingebung und norbdbiirfvr Dri.chr.

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haben 19 Gewehre und dreie Tote zurückgelassen: in Ki° botu befinden sich über 900 flüchtige Eingeborene. Leutnant Engelbrecht ist am 11. November von Kilossa zurück- gelehrt. Die Telegraphen leitung ist wieder hergestellt. Von unseren Truppen ist niemand verwundet.

Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 13. Nov. beim Ueberfail eines Wagens bei Deutsche Erde gefallen: Gefreiter Bruno Stoilenwerr und die Reiter Karl Krull und Max Lange. Vermißt unu am 17. Nov. t o t aufgefunden Unteroffizier Alfred Laudon. Verwundet: die Reiter OSkar Wipper/ Hermann Herzog, Bruno Tschorn, Paul Militschkc. Nachträglich wird gemeldet: Am 23. September beim lieber- fall der Station Las gefallen: die Weiter Mlly Hor- nosf, Fritz Rothe. Am 7. Oktober im Gefecht bei Jerusalem gefallen: Gefreiter Otto Gochre und die Reiter Taehne und Hessel, Ansiedler Wilhelm Maber, acb. zu Bork. Seinen Wunden erlegen: Gefreiter Robert Löhr, Reiter Richard Bennewitz schwer verwundet; außerdem: Reiter Michael Hofbauer beim Baden im Oranjefluß e r t r u n T e n. Auf Patrouille bei Kutsikum verwundet: Unteroffizier Her­mann Mötzow und G-freier G'ora

Nmilichr Nuchriüilrii über Vichscuchen.

Die in je einem Gehöft in Münch-Leusel (Kreis S(ieffclb) ausgebrochene Rotlausseuche und Schweinepest in Fttcebendorf ist erloschen. Die über diese Gehöfte ver­hör gte Sperre ist ivieder aufgehoben.

Unter dem Schweinebestand de§ Maurers I. Schneider zu Würge ln (Kreis Marburg) ist Rotlaufseuche ausgebrochen. Tchöstsperre ist verhängt.

Bei einem geschlachteten Schwein des Metzgermeisters Hcimrich Ruppberger in Biedenkopf ist Rotlaufseuche |$W|teinbh)ttern) amtlich festgestellt morden. Das Schwein siamimt ans dem Gehöft des Landwirts Müller in Mols- hainsen. Stallsperre ist angeordnet.

In einem Gehöft zu Dannenrod (Kreis Alsfeld) sind die Backsteinblattern auSgebrochen. Sperre über dieses Gehöft Hst werhängt.

Die in einem Gehöft zu Heimertshausen (Kreis Mseld) auSgebrochene Schweinerotlaufseuche ist erloschen. Du Gehöftsperre ist wieder aufgehoben.

Die in einem Gehöft zu Vockenrod (Kreis Alsfeld) aus gebrochene Schweineseuche ist erloschen. Die Gehöftsperre ist roieber aufgehoben.

Unter der Schafherde des Schäfers Johs. Post zu Ober-Ohmen (Krein Alsfeld) ist die Räude amtlich fest- gksbellt worden. Weide- und Gemarkungssperre ist ver- rigt.

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Berlin, 23. Roo. In Gegenwart des Kaisers,

Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert wurde heute in Technischen Hochschule die 7. ordentl. Hauptversammlung Schiffbautechnischen Gesellschaft durch den Vor­sitzenden, Grobherzog von Oldenburg, eröffnet. Rach Vorträgen des Professors Kuebler-Dresden, des Marine­baumeisters Engel-Berlin und des Schiffsmaschineningenieurs Wagner-Stettin verlies der Kaiser die Versammlung.

'__ Die .Rordd. Allgein. Ztg." veröffentlicht folgendes

Handschreiben des Kaisers an den Minister

Kelianntmachimg.

Seht.: Feldbereinigung in der Gemarkung Hungen; hier die Ausführung von Drainagen.

Auf erhobene Einwendungen hat die Vollzugskommission In Abänderung ihres Beschlusses vom 20. Juni lf. Js. be- flirmmt, daß die durch Ausführung von Drainagen in den Uluiren XIV, XXI, III, XV, XIII, VIR, IX und in den Tenvannenunterm Tannenwäldchen,ber Pfarracker* und .hhterm Mühlberg* nach den früher offen gelegten Projekten ofdbefierten Grundstücke nur um soviel in der Bonität erhöht treuben sollen, als die auf die beteiligte Fläche tatsächlich ?:tnüenbetcn Kosten betragen, und daß durch die Verwertung befi hiernach sich ergebenden Landabzugs die Ausführungs- Wen gedeckt werden sollen.

Einwendungen hiergegen sind bei Meldung des Aus- Flusses bis spätestens zttm 30. l. M. bei dem Unterzeichneten söriftlich einzureichen.

Friedberg, den 17. November 1905.

Der Großh . z: gli. e Feldbereiitig.mgskommissär:

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BckanntmachMg.

8etr.: Rotlaufseuche zu Oppenrod.

Tie Rotlaufseuche unter dem Schweinebestand des Wilhelm Gaub zu Oppenrod ist erloschen und dem- zufolge die Gehöftsperre aufgehoben worden.

Gießen, den 21. November 1905.

Großher'on' r iscim Gießen.

I. V.: Dr. Merck.

Erbauung «nes län Mittwoch'J" Ü'ch öcr9eEeniväti«r':

Ait^och-n.

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.reue geleistet haben, Dleinen roävmften Dank noch besonders au»* ui sprechen. Möge Ihnen durch Gottes Gnade nach einer so arbeit- -ainen und mühevollen Vergangenheit noch ein langer und glück- licher Lebensabend beichicbeu fein! Als Zeichen Meines nnver- änderlichen Wohlwollens und Meiner dankbaren Anerkennung habe Ich Ihnen Meine Vorlraibüste in Viarmor verliehen, welche Ihn« alsbald zugehen wird. Ich verbleibe

Ihr wohlgeneigter Röntg

gez. Wilhelm K

DerReichsanz.* meldet: Dem Direktor derKoloniak- abteilnng Dr. ©tubei wurde auf seinen Antrag Urlaub vom 27. November an bis zur anderweitigen Verwendung im diplomatischen Dienst bewilligt. Gleichzeitig ist Dr. ötubel der Stern zum Noten Adlerorden zweiter Klaffe verliehen worden. Erbprinz Ernst zu Hohenlohe-Langen­burg wurde mit der Vertretung Dr. StübelS, sowie für den Fall der Behinderung deS Reichskanzlers mit dessen Ver­tretung in den Konunandoangelegenheiten der Schutztruppen in dem ostafrikanischen Schutzgebiet beauftragt.

Unter dem Vnrsitz des Oberbürgermeisters Kirschner land heute nachmittag eine vorbereitende Sitzung statt, worin Schritte erörtert wurden, die zu unternehmen sind, um auf interkonfessioneller Basis für die Opfer der russischen Metzeleien neue Mittel zu gewinnen. Ein von Kirschner ,ind James Simon unterzeichneter Aufruf wurde erlaffen, dem sich eine ganze Reihe von Persönlichkeiten der Gelehrten- und Kaufmannsweit anschloffen.

Der Bundesrat hat heute auch in zweiter Lesung die sämtlichen neuen Steuervorlagen genehmigt, darunter auch die Fa h rka rte n ft eu er.

Nach einer Bekanntmachung de§ Reichskanzlers vom 23. dS. sindet die auf den 28. November angesetzte Er-l Öffnung des Reichstages um 12 Uhr mittags uxl Weißen Saale des hiesigen NesidenzschlosseS statt.

Deutsch-Afrikanisches.

Aus Tar-es-Salaarn wird folgendes gemelbet: 2km 21. November unterwarfen sich 260 Aufständische tKä dem Dar-eS-Salaamer Bezirk und lieferten 76 Gewehre tb. Bezirksamtmann Richter meldet, daß bie Besä Huri g km Ssongea mehrere Ausfälle gemacht und den Aufstcm- dischen in glücklichen Gefechten Verluste hergebracht hat, rlin.e selbst Verluste zu erleiden. Der Kommandant des kckäsfcsThetis" meldet aus Tar-es-Salacun: Leutnant b -Stengel ist am 17. November von Wirima zurück- gekchrl. Zwischen Kilembe und Wirima Hut er mehrere nein auf gebaute Ortschaften zerstört und Vor- litt! wcggenommen. Bon dem Gegner sind mehrere tot ynic verwundet, sowie gefangen genommen worden. Bon Limma aus hat er zwei Streifziige unternommen nach jve°i großen Lagern und hat viele Vorräte und Vieh weg- gmwmmcn. Ter Gegner hatte mehrere Tote und Vcr- Irumbete. Marinestabsarzt Tr. Mohr (von <S M. S.Bus- sürÄ") marschierte mit dem Seemann-Detachement nach Ku- lonrbi und wurde vielfach beschossen. Ter Gegner jattie ungefähr 20 Tote und Verwundete. Am 20. November um 7 Uhr 30 Min. vormittags wurde Kibatu von 1000 liöellen auf vier Seiecn angegriffen. Tie Aufständischen

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Ausland.

Christik, nia, 23. Nov. Ter StorthingSpräsident Berned erklärte, er habe vorzuschlagen beabsichtigt, daß die Krönung im 17. M a i 1906 in Lund stattfinde. ES sei anzunehmen, daß das englischeKönigspaar der Krömmg beiwohnen werde. ,

Kopenhagen, 23. Nov. Begleitet von sämtlichen yt* miliengliedern betrat das norwegische Königspaar irrt 11 Uhr 20 Minuten den Borv des Dampfers Dcmebvok, auf dem sofort die neue norwegische Avnigsslagge gehißt wurde» die von den Forts aus mit donnerndem Salut begrüßt wurde. Auf die Zurufe der begeisterten Menge erschien König Haakon mit seiner Gemahlin auf dem oberen Deck und grüßte nach der Menschenmenge, die mit endlosen Hurras antwortete. Do- Panzerschiff Olfert und der Fischerkreuzer Geyser schloffen sich sodann dem Königsscknff als Eskorte an.

London, 23. Nov. Der Zentral-News wird aus Tokio telegraphiert: Nach einem Telegramm aus Korea wurde gestern Abend die japanische Mission vom Pöbel mit Steinen beworfen. Marquis Ito wurde leicht verwundet.

Interesse erregte in politischen Steifen ein entschiedene- Hinweis sowohl in derTimes" als imDaily Telegratck"» daß Balfour eine der nächsten Gelegenheiten ergreifen werde, um sein Entlassungsgesuch in die Hände des König» zu legen. Man glaubt, daß, sollte dieses Verfahren erngefd^agen; werden, die Liberalen aufgefordert würden, ein Kabinett zu bilden. Dos Parlament würde für eine kurze Session zusmnmen- treten und zeitig im neuen Jahr würden die Hauptwahlen statt- finben. Demgegenüber erklären die liberalen Blätter, die Libe* ra len würden, wenn Balfour zurücktreten sollte, die Regier­ung nicht übernehmen, smidecn die Unionisten zwingen, daS Parlament einzubeimfen imb es dann aufzulösen, um so Balfour zu zwingen, dem Lande Rede zu stehen. Dnrch feinen Rücktritt würde Balfour in den Stand gesetzt werden, mit Ehamberkain gemeinsam vorzugehen, um die Liberalen anzugreifen, anstatt seine eigene Politik der letzten Jahre zu verteidigen.

Brüssel, 23. Nov. (Nepräsentantenkammer.) Bei der Erörterung über die Befestigung Antwerpens be­kämpft der Sozialist Vandervelde auch die herabgemiw-^ derten Forderungen der Regierung und erklärt, daß eine Be­setzung Belgiens das Zeichen zu einem europäische«! Kriege sein würde. Die Neutralität Belgiens sei ei» Unterpfand des Friedens, deshalb müsse unter gleicher Be­lastung für alle, eine organisierte Armee gefordert werden unter A b l e hn u n g jeder Erhöhung der Lasten. Die Neutralität Belgiens liege auch im Interesse der Garantiv- mächte, weschalb die Neutralität der betreffenden Verträge das größte Vertrauen verdienten. Eine Annexion, ^nsichtlich deren die Befestigung Antwerpens gefördert werde, sei also nicht zn fürchten. Nicht die Befestigung Antwerpens, sondern die R e o r g w« nisation der Armee sei notwendig. An dem Tage, an dem man an den Einrichtungen Belgiens rühren sollte,, würden alle bereit stehen, dieses Landzuverteidigen.(!)

Haag, 23. Nov. «'Zweite Kammer.) Kolonialminister Fock bringt ein amtliches Telegramm zur K'enntnis, demzufolge Fürst von Boni (Indien) und dessen Gemahlin gefangen und ein S o h n dos Radjabs getötet wurden.

Paris, 23. Nov. DemTemps" 'wird aus Tanger gemeldet: Die Vertreter der deutschen Unternehmer, die demj Sultan Vorschläge für die Ausführung der Hafen baut en in Tanger unterbreitet haben, bestätigen, daß diese Arbeiten utv- verzüalich in Angriff genommen werden. Das Aatt fügt hinzn, daß die Prüfirng der Ansprüche der französischen Konkurrenz­geschäfte, die dis Recht der Priorität für sich geltend machten, gemäß dem Uebereinkommen vom 28. September in Paris statt­gefunden hn. Die Prüfung ergab die Rechtsgiltigkeit der deutschen Konzession.

Die Kammer nahm heute den ersten Teil des Artikels D des Gesetzes über die Arbeiterversicherung an, welcher" das Recht auf die Altersgrenze für Arbeiter und Dienstboten auf das 60. Jahr festsetzt.

S t. Gallen, 22. Nov. Ter Große Rat beschloß eine Revision des Gesetzes über die Todesstrafe. Diese soll auf Verbrecher unter 19 Ja hren nickt mehr Anwendung finden und auch dann nicht, wenn MilderungSgründe Dorliegen.

Ko nstantinopel, 22. Nov. Bei der Rückkehr deS Dort einer bulgarischen Bande gefangen genommenen Englän­ders Wi11s entstand zwischen dem Wali von Monastir und bene CDerenten d e s englischen Konsulats, Doung, ein Kock- f[i!t, weil der Mali, statt Mills dem Konsulate zu übergeben, ckn unter starker Eskorte durch die Stadt führen ließ. Ter Gererrt befreite Wilks mit Gewalt und versetzte zwei Gen- d a r men, die ihn daran hindern wollten, S t o cks chl ä g e. Ten Protest des Mali, welcher persönlich intervenierte, ließ Young > uberücksichtigt. Der Wall beschwerte sich bei dem General Inspektor HUmi-Pascha. Ter Konsulargerent berichtete an hüt

Ausstiche Afuigknten

Tieser Tage witßte dieWiener ANg. Z^g." zu melden, daß KaiserNikolaus an nervösen Anfällen leide. Dem entgegen erfährt jetzt dieDerrmst. Ztg." von maßgebender Leite, daß dieser neueste Versuch, den Zaren als körperlich und geistig gebrochen hinzustellen, in den Tatsachen ebenso­wenig eine Stütze findet, wie frühere itsstreuungen gleichen Inhalts. Kaiser Nikolaus ist nicht nur körperlich durch­aus wohl, sondern er ist auch geistig vollkommen Herr seiner Entschlüsse. Tie Lage ruhiger und llarer vielleicht als sonst irgend jemand in Rußland beurteilend, ist der Zar des festen Willens, die Neformpläne des (Grafen Witte durchznführen. Diese Angaben beruhen, wie das Blatt hinzufügt, ans den Mitteilungen einer Persönlichkeit, die selbst den Zaren jüngst gesprochen hat.

Im Lause der Tebatte in der letzten Sitzung des Sem st wo- undStädtekongresses zu Moskau über die von dem Bureau vorgeschlagene R. iolution erHärte der Präsident des Kongresses, Pctrunkewitsch, mit Bezug auf Gutschkow, der anfänglich au, der Ministerliste gestanden hatte, Witte habe es vorgezogen, die Reformen allein durchzuführen, statt mit Unterstützung Gutsch­kows, der politische Verbrecher mit den Mitgliedern der Schwarzen Bande auf eine Stufe gestellt habe und selbst für Plünderer fremden Eigentums und Mörder unschuldiger Kinder Amnestie verlangt habe. Die Verzichtleistung Wittes auf die Unterstützung Gutschkows überzeuge den Redner, daß Witte Reformen durchführen werde. Deshalb bringe er dem Ministerpräsidenten jetzt volles Vertrauen ent­gegen. Die Resolution wurde in ihrem ersten Teil mit einer erdrückenden Majorität angenommen. Tie Ab st i m m u n g über die Wahlen ergab den Sieg des direkten allgemeinen gleichen Wahlrechts gegen eine kleine Minorität. Tie Autonomie Polens wird mit der Modifikation,ohne die Reichseinheit zu stören", durch­gehen. Tie progressive Parte i hat entschieden die Oberhand. Tie Dauer des Kongresses ist unbestimmbar.

Tie ZeitungRußki Wjedomosti" kündigt an, daß auch die R c g i e r u n g sich entsa-lossen habe, das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht ei u zuführe n. (? Es sei aber noch ungewiß, oo die 'Abgeordneten direkt oder indirekt gewählt werden würden. Und ein Petersburger Korrespondent meldet, daß die Regierung bereit sei, auch in der Frage der nationalen Bolksmiliz nachzugeben. (?) Ter neue Gehilfe des Ministers des Innern, Fürst Urussow, habe erklärt, wenn das Volk eine Nationalmiliz wirklich verlange, habe die Regierung nichts gegen die Errichtung eines solchen Volksheeres einzuwenden.

Ter Gesundheitszustand Wittes soll ernste Beunruhig­ung Hervorrufen. Witte leidet, wle telegraphiert wird, an einer Lähmung des linken Armes und hatte mehrfach Ohnmachtsanfälle von längerer Tauer.

Der gewöhnlich gut informierte Korrespondent des Standard" hält die allgemeine Lage in Rußland nach wie vor für äußerst bedrohlich. Vorläufig sei im europäischen Rußland, abgesehen von Finland, Polen unb den kaukasi­schen Provinzen, in nicht weniger als 2 4 Gouverne­ments die Bevölkerung ui vollem Aufru hr.

Tie Arbeiter der Sementow-Fabrik in Petersburg, die schon vor längerer Zeit den Achtstundentag verlangten, aber nur erreicht hatten, daß dre Werkstätten von der Direktion geschlossen wurden, rückten in großer Zahl an und ver­langten die Oeffnung der Fabrik, da sie arbeiten wollten. Als die Direktoren diesem Verlangen nicht nachkamen, drohten die Arbeiter, bie Gebäude zu demolieren. Daran schrttt Militär ein, wobei 30 Arbeiter getötet oder verwundet wurden.

Wie dieTimes" aus Petersburg meldet, haben die Rekruten in Jekaterinenburg es entschieden abge­lebt, dem Zaren den Treuschwur zu leisten, bevor das Landu nter das Volk verteilt ist.

steiderfioffe altungtz, Artikel u, Slöckc, Korjetü ize unb -Lchleter eUschast In Leide und -Tücher

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Billigste Preise

Zweites Blatt. L58. Jaliraang Freitag 24. November IVOS

Gietzener Anzeiger

Krkanntmachimg.

Die Auslosung der Reihensolge der Haupischöffen in den Sitzungen 1906 soll

Montag, 4. Dezember 1905, nachmittags 4 Nhr, Zimmer Nr. 5 des Amtsgerichts in öffentlicher Sitzung statt- finden.

Gießen, den 20. November 1905.

Grorbi'rrnalbl- NnN-oerickt._______________

Bekanntmachung.

Die Hessische Landes-Hypothekenbank giebt bekannt, datz bis auf weiteres zur Deckung der durch die Aufbringung der Darlehenskapitals der Bank erwachsendclt Kosten bet '/»'% jährlicher Tilgung (Jahresleistung = 4 e/0) die

IilzgungSbeiträge der ersten 51/. Jahre herangezoaen werden, so «daß sich die Rückzahlung deS Kapitals in rund 63^ Jahren oolzieht.

Wird ein höherer Tilgungsbeitrag gewählt, so beginnt öie Kapitalttkgung entsprechend früher und vollzieht sich in kürzerer Zeit.

Im übrigen bleiben die seitherigen Bedingungen in Gleitung.

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