Montag 18. Dezember 1905
155. Jahrgang
W. 297
ßWettce* Blatt
Gießener Anzeiger
Wltzr^sl ttgllch mit Ausnahme de- SonntogS.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Politische Wochenschau
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Redaktion, (Egpebthon u. Truderet: 6d)ulftr.1.
Lei. Nr. ÖL lelegu-ilbt.. Anzeiger iSicfeen.
tti „Oietzeaer FaN>iNendl2tter- werden dem ^Viger viermal wöchentlich beigelegt Der ,ri ||d}< Canöoir” erscheml monatlich einmal.
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(’ntg hat sich angenehm einaeflihrt dadi'rck, daß er sich .1 ü5cr den Gouverneur von Ämnerun, Jesko von Pntt- . ruislicn. Man bat eine so offene Sprache im Reichstag D (riu häufig gehört, insbesondere trenn es sich um einen "litt Beamten handelte. Herr v. Pultk"mer ist durch seinen K f' tcn in bemerkenswerter Weise bloßgestellt worden. Er
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bi^u verbrämt war mit der Mitteilung, der Staatssekretär twS/1rä)5cnnt§ des Jmiem Knnc sich für Diäten wenig begeistern, hnyi| auch dazu bei, das Verhältnis des off'nhmigen Grafen Awetuhcfc-n House etwas gesvannt zu machen. Es ist ?knsichis- und Pfr isc-hc, ob Elras Poiadowslh in allen seinen Ausführungen tNvMittsit Recht hatte, aber was er von der Verflachung unsere? pafliMirn Lebetts, von >er Notwendigkeit der sittlichen Hebung
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KammermustlruVend des Konzertvereius.
Gießen, 18. Dezember.
, Mit tjühnini]:» nicht. Lväiitt: |6<i?Wofitn.
Rotati on-drnd unb Verlag bei ®rfl b I 'Icfwt UnwerstiäiSdruderet. Eft Lange, Gießen.
Wlß " ftrei ab 18.--
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empfindenden Musiker verratend Im -weiten Satze wurde der herrliche Ziriegei wi ^wsick-n ^jge in*s Cello von Herrn Redner und Heaar vorzüglich gebracht, wie überhaupt die Herren mit Herrn Tmutmann das ganze Werk in gutem Zusammenspiel ausführten.
Ter größte unb bodjfLc Genu« war das herrliche E-moll- Tr i o von Beethoven. Die erlöst atmete man auf, die klaren innigen f/ingc des von einem edteu männlichen Ernst und energiscl^r Wille, skr ft erfüllten Werkes an unser Ohr bi -legen, ~cn vollendeter Weife von den twei Kiinstiern dem ndächiig.-n Pichsikur.i gegeben, ernteten sie dafür reichen Beifall.
pruschen den Ins rr,went'lwerken erfreute «ns Frs. Schmidt aus Berlin mit einigem Liedern. Tee Dame besitzt insbesondere in der Hifhe grnz sckxtzre kräftige Töne, in der Tiefe ist die Stimme ettres klanglos. Tie Folge davon ist, daß ihre Darbietungen nicht alle gleichen Eindruck machten. In dem ersten Lied von Grieg gefiel nie besonders der schlichte, seelenvolle Vortrag. wenn auch nicht im erfreu Vers, der scheinbar unter Bcf.ngenhei: etwas ;u leiden hatte. Trematisch b'lebt im Dvr- tr.g fang Irl. Schmidt „Wenn —" von Strauß, wahrend bei den Wölfischen Liedern, von denen ich bü§ letzte „Frühling über's xs br". als die beste Leistung h--rvorh.be, der Vortrag etwas kühl wirkte.
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Im Königreich Sachsen Bam die Dahlrechtsfrage wieder in Fluß. Die 9lnregimg boten die sozialdemokratischen Temoustrationen und die InierpeNntion Goldstein in der Streiten immer. Minister v. Metzsch erklärte die Bereitschaft der Re- gierung, erneut die Initiative in der Frage zu ergreifen. Tie Abhaltung der für den gestrigen Sonntag anberaumten Bersamm- (nngen, in denen über die Dahlrechtsfrage gesprochen ttn-rben sollte, mürbe behördlich untcrfigt. Ten wegen der Straßen- denionstration Sistierten wurde eine Anklage wegen Meuterei und Auftuhr in Aussicht gestellt. In Dresden nahmen am Sams tag sieben übervolle Volksversammlungen eine Resolution an. die Wahlrechlsbewegunq mit aller Kraft weiter zu führen bis zum Ziel. Demonstranten zogen spät abends vor das Rathaus und ließen das Wahlrecht hochkewm. Tie Polizei verhielt sich zurückhaltend. ^Dgl. „Deutsches Reich.")
Ein deutsch-brasilianischer Zwischenfall ist am politischen Horizont entstunden. Die „Nordd. Allg. Ztg." ver> össentlichte einen Bericht des KvMmanbauten des deutschen Kanonenbootes „Panther", dem Folgendes zu entnehmen ist: Ter Matrose Hasummi hatte seinen Urlaub überschritten und war, da er in ZivilNcidem gesehen wurde, der Desertion ver> döchtig. Es wurde angenommen, daß er von einem eiugewander den -Deutschen namens Steinhok» verleitet worden war. Am 26. November hielten Offiziere und UnterniYBterc die^Weisung, die Spur des Deserteurs unauffällig zu verfolgen. Sie haben sich an Land nicht militärisch bewegt und sind meistens getrennt gegangen. Sie haben in zwei Häusern Einlaß begehrt und die Art, in der dies gescheh, hat gegen die übliche Form nicht verstoßen. H^smann selbst ist ohne Mitwirkung von Leuten des Panther später en Bord zurückgekommen. ist unrichtig, daß ein militärisches Kommando an Lend geschickt worden ist. Steiuhoft ist weder arretiert noch irgendwie schlecht behandelt worden. Auch ist er nie an Bord des Panther gewesen. — Nach dieser offiziösen Darstellung scheint also eine formelle Verletzung der brasst. Gebietsteile nicht öorg-fomnicn zu sein, und cs ist demnach auni- nehmen, daß der Zwischenfall ohne weitere Schwierigkeiten in srcundsckoftlickxnn Ein Verne hm en sich erledigen lassen wird.
Der sroinös. Minuteryr.ftid7-.tt Rouvier hat in der verflossenen Woche b'-d französische Gelbbuchüber Marokko veröffentlicht. Es geht oaraus wieder einmal hervor, baß die deutsche Regien ng kousequeut an ihrem R. cksts7tandpuukt vou Anfang an festaehalten hat und baß Teleasss nichts getan hat, um die deutsche ^Regierung in der niarananifdten Frage zu orientieren, be;w. ihrem Standpunkt gerecht zu werden. Frankreich MU auch jetzt nod) an den Vereinbarungen des englisch sranzöiisckvm Vertrages prinzipiell fest, unb hofft auf bet schon Anfang Januar stattssiidenden Kvnserenz in Mgeeiras über die deutsche Politik zu triumphieren. Daher ist es verfrüht zu glauben, daß alle Schwierigkeiten beseitigt sind. Rouvier hielt am Samstag unter stürmiscktem Beifall in der franzäs. Kammer über die äußere Politik eine von unbestreitbar friedlichem Geiste erfüllte, aber gleichseitig feste Rede, die zeigte, d-.iß Frankreich im Bewußtsein seiner vermein tlickien Rechte, ohne icmanben zu bedrohen, entschlossen sei, sich von niemandem ein» schüchtern zu lassen, um absoluter Herrscher seiner Geschicke zu. bleiben, sowie daß es unmöglich sei, noch weiter auf dem Wege der Zugeständnisse sortzuschreiten. Man er- ftihr aus der Rede, daß der Minrstcrwechsel _in England die Beziehungen Frankreichs zu England nicht geändert habe. —Die Erwägungen der maßgebenden deutschen Stellen darüber, ob es notwendig und nützlich sei, die Darstellung des französ. Gelbbuches durch ein deutsches Weißbuch über die Marokko-Angelegenheit zu erwidern und zu ergänzen, mögen im Augenblick noch nicht abgeschlossen fein. Nach dieser Siebe Ronviers wird man aber wohl alsbald einige Phasen des ganzen Handels auch von deutscher Seite aus durch die Veröffentlichung amtlicher Aktenstücke beleuchten. Man wird sich wohl mit der Zusammenstellung unb Ausgabe des Weißbuches nach .Kräften beeilen. Dem SteiebStag können auch in seinen Ferien Mitteilungen und Vorlagen der Regierung zugeheu; unb so braucht mit dem Weißbuch nicht bis zum 9. Januar gewartet zu werden. — In Pariser politisck>en Kreisen behauptet man, daß der Botschafter in Berlin, Äihourd, in allerkürzester Zeit durch seine Sorten in der Marokko-Angelegenheit bei Kaiser Wilhelm unmöglich gemacht habe. Wahrscheinlich werde auch Fürst R a d o l i u durch einen anderen Vertreter Deutschlands ersetzt werden.
Die Flottendemonstration gegen die Türkei führte zu einem Erfolg der internationalen Mächte. Während der Minister des Aeußereu, Tewfik, die Botschaften davon verständigte, daß der Sultan das mazedonische Finanz- r e g U m e iti t sanktioniert habe, richtete aber die Pforte eine neue Note mit neun Einwürfen an die Botschaften. Die Pforte fordert vornehmlich, daß, nackchem sie sich bereit erklärt habe, das mazedonische Tefi'it »u decken, die Erhöhung der Eingangszölle von 8 auf 11 Prc.ent sofort in Kraft treten solle unb daß im Falle einet Uneinigkeit zwischen dem Präsidenten bet Finanzkommifsion, der ein Türke ist, und den Delegierten eine Bernftmg cn den Sultan erfolgt. Um zu einem Ende zu kommen, lmben die Botsci')after diese Vorschläge acceptiert, und der Kommandant der vereinigten Flotte, Wmiral Ripper, hat ben Auftrag zur Auflösung der Flotte erhalten.
In R u ß l a n b bauern die Wirren mit unveränderter Deftigkeit an. Die Militärmeutcreicn in PeterÄ'urg, Moskau unb anderen großen Garnisonen, sowie in Ostfibirien scheinen nicht unterdrückbar zu fein. In Riga wurde eine lettische Republik proklamiert. Der Post- und Telegraphenarbeiterstreik ist noch nicht beendet. Im Januar soll von neuem ein allgemeiner Ausstand ;um Ausbruch gelangen, durch den die Revolutionäre den Sturz deS Regieru nassestems herbeizuft'ihren hoffen.
in Februar in Berlin erscheinen, um Rechensckmst ab',u- iem tt. nb vor allmn zu erklären warum er die l»eschwerveführenden Iti r ge ins Gefängnis geschickt hat. Tas beweist uns, bofi bi- Öo tmialvvrimltung fernerhin nicht die Absicht hat, Zustände ■ irntilH' zu lassen, wie sie etwa in Delgisch-Kongo herrstlxn, unb istf des! ilb erfreulich. Herr v. Puttkamer soll durch seinen ! Wn Sluienthalt in den Tropen Schaden an den Nerven ge- etzIeMdch.h.d.Lü itcnmnin haben, mit anderen Worten etwas an Tropenkaller frmiMlttnbttner,: leiidbm. Wir haben an unseren afrikanischen Kolonien wahrhaftig u luuei - '* ’T>‘T i'Nrng, unb es ist keinesfalls notivcnbig oder wnnsck)ens- X. ’« im bi|6 sim zum Merger auch nocki ein gewisses Maß von Be-
gesellt, das ein Kulturvolk doch fühlen muß, wenn
-*Öi - eines Einzelnen sich über die Gerech-tigkeit stellt. — Die Sa -l'n'^ing deS Reichskanzlers mit der Sozia ldemo-
,nou »ammto, (ft recht heftig ausgefallen. Tcr Reichskanzler hat
a. ii'Bi -1* unumgänglich nötig die sozialdemokratische Partei mit
W WW^lI dei-1 rwärts" identifiziert, er hat mehr als unumgänglich h niit Zitaten aus sozialdemokratischen Schriften operiert, ffSi Bewurf der Vaterlandslosigkeit, der deutlich genug
n JS iciner Rede heraus',uhören war, ist nicht unberechtigt. Es l |l (int unbeftrcitbarc Tatsache, daß sich die äußerste Linke nur 11 rat zum Anwalt des Auslands aufwirst ans dem einzigen , , . i Mir, der Reichsregiernng eins auszuwischen, und wie man
, „ . i - 9'-l-nb Kapital aus diesem Verhalten schlägt, ist nicht un-
fjaufstclle fltIM11 f Im übrigen aber gebt die Darstellung, als ob lebig- v ^Ciittche Sozialdemokratie an dem Mißverhältnis zu
kwM'id die Schuld trüge, doch zu weit, und es tat ber Rede üMAleis Abbruch, baß er zu viel behauptete. Man d>irf HieH dengessen, daß die SoziaÜ>emokratie höchstens das schon lÖt vorhandene Mißtrauen des Auslands schüren konnte: rfthnfr i» sie reicht daran. Daß die Rede des Kanzlers vom Donnerstag auch im Ausland ein angenehmes Emo linden ist zweifellos, ein guter Teil war ja auch zu den F-enstem iischen Reiches hinausgesprochen. _
c Reichstag genehmigte ben d e u t s ch- b u l g a r i > chen elsvertrag unb bas Handelsproviforium m 11 : n b, unb nahm auch die Bahn Lüderitzbucht-Ku-
Es ist eine betrübende Erscheinung in unserem ^Musikleben, . man ber Kammermusik nicht mit dem Interesse entgegenkommt, das sie verdient. So war auch gestern abend noch mancher Stuhl rmbrsetzt- Die Herren Rebner, H e gar unb Trautmann können trotzdem stolz sein auf die Drucker, denn andächtig lazrschten sie ihren Darbietungen unb diese Audi cht war unp-'kiinstelt. nicht bur ( Personenkulttis, sondern nur durch die bekennte l" :rs^erische Leist-'.g des Trios, hervorgerufen.
Wenn nicht alles mit ber Begeisteruna anfgenommen wurde, wie es gegeben wurde, so lag das zum Teil an ber Wahl ber Werke, von denen besonders die Sonate von Lampe für Klavier und Eello cindruckslos verlief. Sie enthalt alles, nur keine Musik. I: ''-rltlvse Phrasen, Wjagen dcr Motive: mancht- mal scheint es, als wenn ber Döner uns etwas^Schönes sagen wollte, es ist c,b<r nur S-cbein. Krine. Ruhe. So gebt es bis zum Schluß, aus den man sich freut. So war der Eindruck, ben das Werk, nach einmaligem Horen auf mich machte. Den beiden -Herren, welche sich b-r und nTbarcn Aufgabe unterzogen, gebührt für die saubere tecknischc Wiedergabe alles Lob.
Weit bede-ttender an musikalischem Gehalt steht bas Trio von Arenskv. Ein Wern voller Leidenschaft, einen ttef-
jpt, die Darsteller sind in die Weihnachtsferien gegai üjrr’t» unsere hessischen SanbtagSboten sich fü. ... »^ckinachtswoch« anschicken, gen Darmstadt zu eilen zur Liniierung des neuen Lanbesvorlaments, von dem das Ml hi- Besreiung von angemaßtem übermächtigem Joche unb die Gesetzmerbung ber Steuer' unb Wahlreform erhofft.
■' *3 am Freitag abend im Reichstag ber 9>orl^.ng siel, bcq tor ber Beifall draußen in der Welt kaum sonderlich groß, brw kst- jetzt ist eigentlich herzlich wenig Positives geschehen. E)» 'ilh Reden gebllten worden, bas ist so ziemlich alle-. T) t I iite Woche, die fast ausnahmslos dem Etat unb den £8 ktn gewidmet war, brachte vier Höhepunkte: zwei Reden b«? ärifen Posadowskv, eine Erklärung b*3 Erbminzen von H4-fn1o'he-Lai'genburg und eine bedeutungsvolle Polemik des ckKi-mzlers gegen die Sotialdemokra tie. Graf Posadowskv heatl:>rr Reick^tag eine kleine Moralpredigt gebatten, und diese spM rur, sehr gering modifizierte Morc>'.predigt lwt den Herr- Wili't nickst besonders angenehm in den Shren geklungen. MI in dvrf sich darüber nicht Wundern, denn die Wahrheit ifl im ber Regel fein gern gesehener Gast Daß hier die Wihrheit
Tie Bezugs- und Rb-atzaenoßenschasten wiesen erheblich höhere Um'ötze ans, doch müsse sich gerade auf diesem Gebiet die Landwirtschaft noch mehr sammeln, weil der Handel ihr immer größere Schwierigkeiten in den Weg lege; die Gründung e-ncS sog. Handelsschuhvereins sei ein Beweis dafür. Dem Verband gehören z. Z. 631 Genossenschaften mit 63 765 Mitgliedern an, darunter 32 Molkereien, die noch mit Schwierigkeiten zu kämpfen hätten, da die m die Städte zu liefernde Frischmilch noch nicht den angemessenen Preis besitze. Winzer- genossenschgften zähle der Verband jetzt 18, die sich gut entwickelten und bessere Beziehungen zum Weinhandel erwarten ließen. Nach dem daraus erteilten Rechenschaftsbericht betrug der Gesamtumsatz der Spar- und Darlehnsgenossenschaften 135 Millionen Mark, die Aktiva und Passiva je 89 Millionen, der Gewinn 570 OOO Mark, die Reserven 2 560 000 Mark, das Vermögen 6 Millionen. Eö sei der Plan gefaßt worden, ein großes Heim in Darmstadt zu errichten, in welchem das gesamte LandwirtschastSwesen, auch die Land- wirtschastSkammer Hessens untergebracht werden kann. Rach dem Bilanzbericht schließt die Verbandsrechnung mit einer Einnahme von 92 936 Mark und einer Ausgabe von 83 779 Mk., sodaß ein Ueberschuß von 9156 Dtk. verbleibt, zusammen mit dem vorjährigen Ueberichuß von 32 000 Mk. 41 235 Mk. Nachdem noch eine vom VerbandS- ai-Sschuß beantragte Abänderung des § 9 des Verbands- ftatutS einstimmig genehmigt, hielt der Generalsekretär des deutschen Landwirtschaftsrats, Dr. Da de-Berlin, einen Vortrag über das Thema: .Welche Maßnahmen sind angezeigt, um eine planmäßige und dauernd wirksame Entschuldung deS ländlichen Grundbesitzes berbeizusühren und in welcher Art kann zu diesem Behuse eine Mitwirkung der ländlichen Genossenschaften stattfinden?* Ter Generalsekretär deS Reichs- Verbundes, GenneS-Darmstadt, sprach dann noch über die Steuerpflicht der landw. Genossenschaften in Hcsten und die damit zusammenhängenden Verpflichtungen, insbesondere die Zeugnispflicht der Genossenschaftsverbände. Tie 93er» ammlung nahm darauf folgende, vom Redner vorgeschlagene Resolution an:
1. Im Großherzogtum Hessen find nur diejenigen eingetragenen Genossenschaften einkommen- und geroerbeftcuerpflutittg, welche regelmäßig auch Nichimitglieder an denjenigen Zwecken teilnehmen lassen, zu deren Erreichung sie gebildet worden sind.
Tie auf ber Grundlage deS DerbandSmusterstatutS errichteten Svar- und Darlebnskasten werden nur infolge einer regelmäßigen Tarlehnsgewährling an Nichtmitglieder ein- kommeu- und gewerbesleuervflichiig. DarlehnSgeivübrungeu jeder Art an Nichtmitglieder, welche nur die Anlegung von Geldbeständen bezwecken und deshalb im Interesse der Mitglieder erfolgen, ziehen eine Steuerpstichl nicht nach sich. Jmgleichen kann aus der unbegrenzten Annahme von Spareinlagen seitens Nichtmitglieder eine Steuerpstichl nicht Hergeleitei werden, weil eme derartige Gesetzesauslegung auf eine Besteuerung der gemeinnützigen Taügkeit der Sparund Darlehnskassen hinauskäme.
Bei der Revision des Gemeindesteuergesetzes ist dahin zu streben, daß die eingetragenen Genossenschaften unter den gleichen Bedmgungeti wie bislang gewerbesteuerfrei bleiben. 2. Da nach der Dienstaniveisung dem GesanNvorstand unb Gesamlaufsichtsrat und insbesondere dem Rechner über alle geschätzticheu Angelegenheiten strengste Verschwiegenheit aitf- erlegt ist, sind die Mitglieder dieser Verwaltungsorgane zu diesbezüglichen Aitskunftserteilungen den Behörden gegenüber weder verpflichtet noch berechtigt Nach den Vorschriften der Zivilprozeßordnung steht ihnen in solchen Fällen das Recht der Zeugnisverwetgerung zn. Nur dem Strafrichter gegenüber muß in Gemäßheit der Vorschriften der Stralprozeßordnung Zeugnis abgelegt werden.
Damit war die Tagesordnung erledigt, und 120 dec Teilnehmer vereinigten sich zu einem gemeinsamen Mittagsmahl im Saalbau, das in animierter Stimmung verlief.
-v viio IN- , . „ .... . . . ,
| Ire böse Wcih?,ack'tsbescheri'ng mar die Aiikimdigung eines
-»ickitr RachtragSetals für Südwestafrika im Betrage von -$OH$.!(ioncn Mark. Daß auch dieser Nachtragsetat nocy mckst h.c fein wirb, ist g*nz sicher anrunchmen. Nach neuesten r P.Wng.m h.tt Morenga am 8. Dezember einen erneuten An- ui f Sandkontein gemacht, bei welchem von uns fünf -Tbenei^rÄiiltr gefallen und vier verwundet worben sind.
N:rihmg unter Rittmeister §>ägcler ^rf^am 8. Dezember llnierem Onh|<i wv Äub Leute des Cornelius nach ouben zurück und Lleqen *"’*?; »«Äte sie: hierbei wurden em Rnter schwer ""b em Reiter Wieget' 1'i.M^rwundet. Bei Gubumns östlich rwn Ammurs l)attt ^nnerndes . cM ! Tezemlier die vierte Batterie em zweites Gefecht gegen 'flrone* !4aninf'’ HE:atten, in welchem der F-eind brei tste, zlvei Gewehre,Zackst S roie^r^C^.IRe^'icr und 25 Stück Großvieh einbüMc: auf deutscher 'verte 9 Kntifr, rin Reiter schwer, ein Cffijier enr Retter leickst v e r-
a^neke^-triT-n : t. In dem bereits gemeldeten otesecktte dieser Batterie «nie . Dezember sollen außer dem Kapitan der Hoacha- 3a| W G ;„ r , Vt: o 11 c n t o 11 e tt Manasfe auch fein ältester Sohn
Sjiarltfit^t "r rein Schwiegersohn Gasap, lottne ber lln tetra Vita
Dsmen”hr- Hektor gefallen seiu.. Gouverneur v. 2lnde^
-erloreo',.. rnhtt^'Ibcte, baß der W i t boi-Großma nn Sebulon sich »k Männern und 102 Weibern und 70 Kmdern tN Gioeon ft habe. 98 seien habe- von den Hottentotten 49 Ge- meist Model! 98, 21 Reittiere uitb 105 Kl.eiuvich 'n worden. TaS Leben wurde dabei nur demenigen „rt, die nickt des Mordes üborwiefen wurden. Wetter- . ! Versprechungen seien den Leuten nickt Semacht-
literal v. Trotha ist am Frettcw in die Heimat zuruck- i:nb bereits in Berlin ein getroffen, wo er, wre eshieß.
Iimi3;.ig vom Kaiser m bcionbcrer 9(ubtnt, üA((tc Ter Kris er reiste icdock) am eimdlafl früh naa, n schweig. Früchte, die sich an diesen unerwarteten knüpften sind efcnfa abenteuerlich als bisher, wie vor- nuN‘^it Sir,' Hiebe (tätigt geblieben. Sehr bemerkenswert sind KiaffeM Braimsckw-igcr Kanerworte von der bi sh er i* ' IT, L .16e V !!'O glücllichen Erhaltung dcS Friedens'.
(11 U llllli I St Beseitisuiig dcr deutsch-englischen u i w o 11 \ d •lyi’ tatst Mit man sich jetzt lebhafter in D^tt'Äand^Derf^cdene ™ ^^^ElÄltmmcrn, to u. a bie von
der Berliner KvitznEnschaft, unterstützt von hen^r
Dtil**1 »rt^1 TPnwirrm des öffentlichen Lebens, nahmen Rcsv-
tvt\ur ^can"nb*Tm eines cnglllch-deutfchen
n ur- natWiberal? Verein in Magdeburg sprach siw -leick-
8.^Ltkl«lst?-.:-apinsten einer Verständiaun- auS und
J-fto»r der Dretzlauer llinversität, Professor ^usmann, einen L^^^tli Ai>l- cm die Raft-rn, um deren Bersvhmmqsztdankn iu MTti- 5 Sto 'tellte, entgegen der
i & v Fürsten Bülow m der RcudStagSfipung vom - g mlschftben in Abrede, daß er irgend etwas gegen dschaft zwisclicn England und ^.eutfdjanb getan habe, hat dieses Dementi Bebel telcgr. vl'-.ich übermittelt.
.. besseren Kreise sagte, daS war sehr vernünftig erc? Eikinlet ütiirafehi l. r-igerTSwert. Man wird Über die R?d-n nicht gerade
Lchulmäd-ki ie-vch v ir T g'-serdnung übergehm können: wir denken, sie
RinöeS u. it? toent n moch reckt 'häufig innerhalb und außerhalb deS Reichs-
tn^ti vitiert werden. — Ter Erbprinz von Hohen lohe- 9 ' - ■*“ " - - - -.....
ir Klemen baust-: gen Sinlritt cieitd _____________Vivlk!!' "ordentliches 1 * in kleinen 6^
6417
083'231
I^bttnds ag der lanbwirLjchasilichrn
Kerio^enschaft'.u.
R. B. Tarmstadt, 17. Dez.
Der Verband der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften hielt gestern im städtischen Saalbau leinen 4 3. Verbandstag ab, der von 171 Genossen- schaftSvertretern, darunter 110 Spar- und Darlehnskassen, 45 Konsumvereinen, 8 Molkereien unb 8 sonstigen Genossenschaften besucht war. AIS Regierungsvertreter waren Ober- regierunglrat Hölzinger, Oberfinanzrat Delp und Ministeriaksekretar Mathias zugegen. Rach kurzer Begrüßung der Versammlung durch Geh. RegierungSrat Haas wurden die bisherigen VerbandSauSschußm'tglieder einstimmig wiedergewählt. In dem vom VerbandSdireklor HaaS gegebenen Jahresbericht wurde konstatiert, daß der Verband mit größter Zufriedenheit auf das Jahr zurückblicken und weiter an seiner inneren Kräftigung arbeiten konnte. ES seien nur noch wenige Gemeinden Heftens nicht in ihm vertreten. Em wichtiger Schritt sei die Vereinigung mit dem Neuwiedei Verband gewesen; der Umsatz sei in verschiedenen Ge- mcinben auf 2 bis 3 Millionen Mark gestiegen, auch •rfreulidie Verstärkung erfahren.
die Reserven halten eine
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