Nr. 24 Zweites Blatt.
155. Jahrgang
Samstag 28. Januar 1905
Erscheint tL-Nch mit Vu-ncchme de» VonnragL.
®te ^Gietzrner KamttienblLtter- werden dem e91nj<etget viermal wöchenlttcb betgelegt Der Ehesftlche Landwirt- erscheint monaUich einmal.
Gießener Anzeiger
RoraNonSdruck und ©erlag der Brühl Ich« UntoetlttätSbrucferet Ä. Lange. Dietzen»
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Tel. Nr. 6L Tetegr^ßldr. r Anzeiger Dietzen»
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Eiehen
einem
Per Krieg.
Russische Offensive in der Mandschurei.
Petersburg, 27. Ian. Die heute veröffentlichten Mel-^ düngen General Kuropatkins an den .Kaiser über den Beginn, der Offensive lauten lrusführlicker wie folgt: 1) 25. Jan. Die Offensive gegen ben Feind M ans der reckten Flanke bet 16 Grad Kälte begannen: 2) 25. Ian. Wir haben Khailatosa und Khaigvutaga, sieben Werst siidwestlick van Sandvas, beseht: 3) 26. Ian. lieber die Verluste beim Angriff auf Klxrilatoia und Kbaigoutaaa lieaen keine genauen Mitteilungen vor. Der erst- genannte Ort wurde genommen, ohne daß Schüsse abgegeben wurden. liniere Trupven Mächten nur von den Mnonetten Gwdraucv. Khaigoutaga wurde tapfer verteidigt und war erst abends nur 10 Uhr cnbgiltig genommen. Unsere Kavallerie verfolgte zwer Traaouerregimenter. die fick eilig in südöstlicher rncktung Siivya* zogen. Auf der linken Flanke unseres Heeres besetzte emo ruflifdK Abteilung nach Zurücktreibung des Feindes den Engpass an der Straße Khouajensen-Exfansan. Eine andere, gegen den rvemd m seine Flanke geschickte Mteilung zwang du' ^alwner bet Hind-i Heck eng zum Rückzüge und erbeutete 200 (stück Vtey.
Petersbu rg, 2/ Aon. (Petersb. Teleguiphew-Ageutm^
Pros. Seidel, den fgt Kronenorden 2. Kl. Prof. Gußfeld, den kgl. Kronenorden <3. Kl. der 80iätrüge Schriftsteller Balduin Möllhausen und Bildhauer Prof. M a n z e l. Den vier ständigen Sekretären der Akademie der Wissenschaften und dem Rektor der technischen Hochschule in Danzig verlieh der Kaiser d"s Recht, bei leierlick-en Gelegenheiten Amtsabzeickru, bestebend aus einer goldenen Medaille an einer silbernen vergoldeten Kette zu tragen.
Endlich hat der Kaiftr aus Vorschlag der Kaiserin der Frau Gräfin Mathilde v. Merveldt geb. Gräfin Wolfs-Metternich, zu Westerwinkel, Kreis Lüdinghausen, der Frau Professor EmmaWittko, geb. Leinweber, zu Kulm, der Fran v. G o ß l e r, geb. Sverber, zu Charlottenburg, und dem Fräulcin Johanne Julie Cora von der Osten, Priorin des adligen Iungfrauen- öfters zu Barth, die 2. Kl. der zweiten Abteilung des Luisen- ordens mit der Jahreszahl 1865 verliehen.
Das Militärwochenlstatt meldet: Graf Kanitz, Generalmaior und Kommandeur der 39. Infanteriebrigade, wurde mit der Führung der 20. Division beauftragt, v. Tresckow, Generalmajor und Inspekteur der Infanterieschulen, wurde zum Kommandeur der 50. Jnfanteriebrigade ernannt, v. Schenck,, Oberst und Kommandeur des Kaiser Alerander O-ardc-Grenadierregiments, wurde zum Inspekteur der Infanteriesckulen ernannt. Die Generaloberärzte Professoren Gafskh-Berlin «Gießener Ehrenbürger I), Löffler- Anklam, Martins- Rostock, Brama n n - Halle und v. Mikulicz-Radeeki -Breslau wurden zu Generalärzten befördert. Prin«z. Adalbert wurde, zum Oberstleutnant befördert. Die Kontreadmirale v. A h l e f e l d, Direktor des technischen Departements des Reichsmarineamts, und Graf Ba^dissin wurden zu überzähligen Vizeadmiralen befördert.
Daß unter den Dekorierten sich kein Parlamentarier befindet, erklärt sich daraus, daß beim „Orbensfest" mehrere Auszeichnungen an Abgeordnete erfolgt sind. Nicht uninteressant ist, daß unter den mit einem Orden Bedachten der „Reichsanz." auch einen Arbeiter aufführt: dem Arbeiter Anton Gcrnat in Hannover wurde die rote Kreuzmedaille 3. Kl ässe zuteil.
Aus allen Teilen des Reiches liegen Meldungen vor über festliche Veranstwtungen zur Feier des Geburtstages des Kaisers, an denen das Militär, die staatlichen Behörden, die Gemeindevertretungen, Schulen und Vereine jeder Art, in. denen alle Schichten der Bevölkerung vertreten sind, sich beteiligten. Ueber die Garnisonen wurden Paraden abgenommen. Kirchliche Feiern fanden allerorten statt, sowie zahlreiche Festbankette der vereinigten Behörden und der Bürgerschaft zur Begehung des Tages. Tie Gefühle der Verehrung für den Kaiser und das taiferlicfye Haus fanden in den gehaltenen Festreden besonderen innigen Ausdruck in dem überall geäußerten Wunsche nach baldiger Genesung des Prinzen Eitel Friedrich.
Petersburg, 27. Jan. Zu Ehren des Oleburtstages des deutschen Kaisers fand, wie alljährlich, in der Petrikirche Festgottesdienst statt, dem die deutsche Kolonie, die deutsche Botschaft, der Minister des Auswärtigen Graf Lamsdorff und andere russische Würdenträger beiwohnten. Um 1 Uhr fand in ZarskojeSelo bei dem Kaiser und der Kaiserin ein Galafrühstück statt. Zu abend hatten Graf und Gräfin Avensleben, die Herren und Damen der Botschaft imb des Konsulats zn einem Festmahl geladen. Von den sonst üblichen öffentlichen festlichen Veranstaltungen hat die deutsche Kolonie mit Rücksicht auf die gegenwärtige Lage abgesehen.
natürlich nach oben abgerundet, gezeichnet. Das Opfer, das damit gebracht wird, ist kein allzuerhebliches. Denn wer sechsmal im Jahre geblutet hat, kann dies auch getrost zum siebentenmale tun; das geht am Ende in!
hin. Die Einzelzeichnung, die auf diese Weise zustande kommt, ist vielleicht nicht eben hoch, aber hundert solcher Zeichnungen stellen doch schon eine gcmtz ansehnliche Summe dar. Daß der angegebene Satz für wirklich wohlhabende oder gar reiche, sowie kindev- l o s e Bürger zu gering ist, liegst auf der Hand. Hiers kann das Doppelte und Vielfache bequem geleistet werden, ist auch bereits in einer erheblichen Anzahl von Fällen
Aie Zeichnungen der LandlSuniv^sttät zum Theater- und Saalöau *)
Gießen, 28. Ian.
Die Sammlung, welche für den Theater- und Saalbau unter den Mitgliedern der Landesuniversität stattgefunden hat, hat jetzt im wesentlichen ihren Abschluß erreicht. Es haben im ganzen 56 Herren gezeichnet, d. h. nahezu alle, die überhaupt um Zeichnungen angegangen worden sind. Tenn selbstverständlich durften nicht etwa sämtliche Mitglieder der Landesuniversität zu Zeichnungen aufgefordert werden, insbesondere Privatdozenten nur ganz ausnahmsweise. Insgesamt wurden 26100 Mk. gezeichnet, durchschnittlich also 466 Mk. Dieses Ergebnis wurde in nicht viel mehr als 14 Tagen erreicht, eine Bedenkzeit wurde kaum jemals erbeten, in der Regel wurden die überreichten oder übersandten Zeichnungsscheine sofort ausgestellt. Die Zeichner sind nur zum geringsten Teil wirklich vermögend, die Mehrzahl von ihnen "ist im. wesentlichen auf das in Gießen nicht eben glänzende Amtseinkommen angewiesen.
Die Landesuniversität hat damit bet Bürgerschaft Gießens ein gutes Beispiel gegeben, von dem man erwarten,, aber auch wohl verlangen kann, daß es Nachfolge finde. Tenn selbstverständlich haben die Gießener Professoren nicht dieselbe Verpflichtung gegenüber Gießen wie die Bürger der Stadt. Das Verhältnis ist bei jenen ein weit loseres als bei diesen. Keiner der 56 Zeichner der Universität ist geborener Gießener, nur 7 von ihnen sind geborene Hessen. Der (Aeßener Professor ist solange in Gießen, bis ihm etwas Besseres geboten wird. Erhäld er einen Ruf zu größerem Wirken und reicherem Einkommen, so zieht er mit einem heiteren und einem nassen Auge, manchmal auch mit zwei heiteren von dannen. Nur ein Bruchteil d erer, die gezeichnet haben, wird bei Vollendung auch nur eines Teilprojektes noch in Gießen weilen.
Ganz anders der Gießener Bürger, der in Gießen seine Vaterstadt liebt, dessen Vorfahren hier vielleicht bereits gelebt haben und dessen Nachkommen hier wieder leben werden, der in Gießen seine Nahrung sucht und findet, und dessen Wohlergehen von dem Blühen und Gedeihen Gießens abhängt. Wenn der Gießener Professor einmal in seine Tasche greift, so sollte es der Gießener Bürger in gleicher Vermögenslage zweimal tun; daß er aber wenigstens nicht hinter dem Gießener Professor zurückbleibt, sich von diesem nicht beschämen läßt, das muß beinahe Ehrensache für ihn sein.
Aber wieviel soll der einzelne zeichnen und w o f ü r? Aus die erste Frage läßt sich «eigentlich nur antworten: na'ch Kräften. Wer manchem wird diese Antwort zn unbestimmt sein. Für ihn mag das Verfahren einer ganzen Reihe von Dozenten der Universität ein Anhalt sein. Sie haben den Bettag von drei Gemeindesteuerzielen,
♦) Liese Zuschrift, die uns aus Professorenkreiseu luaeaanaen ist, übergeben wir der Oesfentlichkeit in der 3uocrfid)t» ttchen Erwarckna, daß wir recht bald in der Lage sein werden, von erheblichen Beiträgen aus der breiten Bürgerschaft Mitteilung zu machen.
geleistet worden.
Aber wofür soll man zeichnen? Auch hier folge man den Spuren der Universität. Die große Mehrzahl der Scheine lautet hier auf das Gesamtprojekt, eventuell das Theater; eine nicht unbeträchtliche Summe ist nur 'ne das Gesamtprojekt gezeichnet worden, einige Zeichner ind gegen das Gesamtprojekt und allein für das Theater usw. So verfahre auch der Gießener Bürger. Wer glaubt, daß nur das Gesamiprojekt Förderung verdiene, der zeichne gettost nur für dieses, wer es für eine Utopie ober womöglich für schädlich hält, der konzentriere seine finanzielle Kraft auf das Theater. Aber er zeichne. Etwas kommt sicher zustande; was zustande kommt, wird, Höhe und Inhalt der Zeichnungen der nächsten Wochent ergeben. Darum keine faulen Ausreden, ^keineDrückebergerei. Geiz ist eine schmutzige Eigenschaft, auch wenn er aus! „Prinzip" geübt wird, und die Anständigkeit eines Menschenj zeigt sich nicht in letzter Linie in seinem Verhältnis zum Gelbe. Darum zeichne man, trenn auch vielleicht nicht mit Lust, so doch ohne äußerliches Murren. Und. man zeichne j d)neil: bis bat qui cito bat. Man lasse die Herren, welche fid) der opfervollen Aufgabe des Ein- sarnmelns unterzogen haben, nicht umhergehen, wie die brüllenden Löwen, sondern man fülle den Zeichnungsschein^ den man erhalten hat, möglichst bald aus und sende ihw. ohne getreten zu sein, irgend einem Mitgliede des Komitees zu.
Handelt es sich doch um ein Unternehmen, das jegliche Förderung verdient. Gelingt es auch nur einen Teil des Planes zur Ausführung zu bringen, sok bedeutet dies für Gieren einen gewaltige n Fort--, schritt. Eine Stadt von 26 000 Einwohnern beispielsweise, mit einem eigenen Stadttheater, das ist etnxid* was man selten finden wird. Dadurch wird mancher, Rentner und mancher zahlungsfähige Pen-' sionär, der seine Blicke nach einem angenehmen Ruhesitze schweifen läßt, nach Gießen gezogen werden. Denn mit» Recht sagt Professor !3ienner in seinem kürzlich er-, schienenen, lesenswerten Aufiatze: Neue Steuerreformen in; Staat und Gemeinde, daß solche Personen nicht in erster' Linie durch günstige Steuerverhältnisse, die wir ja leiderk in Gießen nicht haben, sondern durch die Aussicht auf geistige Anregung und Wwed)selung mancherlei Art, durch ein Theater, gute Musik, eine Universität angezogen werden. Solche Elemente aber sind für jede Kommune eine äußerst schätzenswerte Akquisition. Sie sind! gute Steuerzahler, zahlungskräftige Käufer, kund, da. fie ungemein viel Zeit haben, für gemeinnützige Arbeit jeg^ licher Art, jederzeit verwendbar.
Es ist auch kein Luxusbau, den wir erstreben. Nichts könnte törichter sein, als eine solche Behauptung Zu keiner Zeit war das erhabene Wort wahrer,, als in der unserigen, daß der Mensch nicht allein vonr Brote lebt. Seine leiblichen Bedürfnisse teilt der Mensch mit dem Tiere, nur in feinen geistigen Bedürfnissen ist er wahrhaft Mensch. Und einen Teil dieser geistigen Ber- dürsnisse wollen wir befriedigen. Durch Darbietungen der! ernsten, wie der heiteren dramatischen Kunst durch edlHj Musik wollen wir ihn wenigstens für einige Stunden empor-, heben aus der Dumpfheit und Unschönheit des Alltags, lebens. Auch dafür wird Sorge getragen werden, daß durch Volksvorstellungen und volkstümliche Konzerte auch bem* Unbemittelten Gelegenheit geboten wird, die Misere seineSs Taseins auf einige Zeit zu vergessen.
Der Reiz des Unternehmens liegt aber noch in etwas anderem. Mit Recht bewundern wir die Opferwilligkeit und das Klassenbewußtsein unseres vierten Standes, sowenig wir seine Ziele teilen. Ta^ Bürgertum sollte dahinter nicht zurückstehen, und es sollte seine Opferwilligkeit betätigen, wo es immer dazu GÄ-j legenheit hat. Und somit and) hier. HieRhobLlÄ, hie salta! Und wenn wir den Bau errichtet haben^ ganz aus eigener Kraft, ohne Hilfe von außen, so können wir darauf allesamt stolz sein. Uno die Inschrift, die dann den schönstenSdimuck des Gießenep Stadttheaters bilden wird „Errichtet von den Bür-' gern her ab t" wird ein wertvolles Erbteil für unsers- Nachkommen sein, als die paar hundert Mark, die wir durch unsere Nichtbeteiligung vielleicht erspart haben. Wer dann aber nichts gegeben hat, obgleich er es konnte, „dev stehle weinend sich ans diesem Bund."
Kaisers cheöurtstaa.
Berlin, 27. Ian.
Tie Kaisersgeburtstagsfeier im königlichen Schlosse besann heute morgen 8 Uhr mit Ehoralmusik. Der Kaiser rahm dann die Glückwünsche der Familienmitglieder und der Herren und Damen des Hofes entgegen. Die Kaiserin imd die beiden ältesten Prinzen sind in Potsdam. Sodann erfolgte feierlicher Gottesdienst in der Schloß- kasielle. Oberhofprediger Dr. v. Dryand'er gedachte in seiner Predigt des kranken Prinzen und des heim- febrenben Prinzen Adalbert und hob hervor, baß wir in den Sorgen der Gegenwart, wie des Bergarbeiterstreiks itnb der Wunden, aus benen Nachbarvölker bluten, nicht bes Dankes für bie Gnabe G-ttes vergessen bürfen, vor bem sich der Kaiser zusammen mit der Gemeinde neige. Unmittelbar an den Gottesdienst schloß sich die feierliche Vereidigungb es, großjährig g ewordenen Prinzen August Wilhelm. In bem Schloßgarten schoß die Leibbatterie Salut. EZ folgte eine Defiliercour im Weißen Saale, wobei der Kaiser den Reichskanzler, den Staatssekretär Frhrn. von Nichthosen, die sieben Botschafter und die Präsidien ber Parlamente begrüßte. Gegen 12 Uhr war bie Defilier- coiir beenbet. Heute mittag nahm ber Kaiser bie Glückwünsche des Staatsministeriums entgegen und begab sich dann nach dem Zeughaus zur Parole-Ausgabe. Später begab er sich mit den Prinzen August Wilhelm und Oskar nach Potsdam.
Tort traf ber Kaiser um 3 Uhr 15 Min. ein unb fuhr nach dem Stadtschlosse.
Beim Prinzen Eitel Fritz, ber in Potsdam wohnt, hanbelt es sich dem Anscheine nach um eine plötzliche Entzündung des Lungengewebes. Prinz Eitel Fritz ist am 7. Juli 1883 in Potsdam geboren; er ist 14 Monate jünger als der Kronprinz. Bisher hat sich der Prinz immer der besten Gesundheit erfreut. In seiner Uniform eines Obev- leutnants im 1. Garberegiment z. F., bie er seit seiner Mckkehr aus Bonn angelegt hat, machte ber sympathische Piünz stets ben Eindruck blühender Jugendttaft. Gerade bei besonders kräftigen jungen Leuten pflegt eine sonst leichte Erkrankung viel eher zu KO'Mplikafionen zu führen. T«r gestern (Freitag) abend über das Befinden des Prinzen abgegebene Krankheitsbericht lautet: Ter Verlauf war bei annähernd gleich hohem Fieber insofern normaler, als btr Kräftezustand befriedigend ift Pulsfrequenz um 110, Mmung unter 30. Selbst am Abend hielt sich der Hustenreiz mäßig. Ein weiterer Fortschritt in der Infiltration im linken Olberlappen ist zu verzeichnen. Die rechte Lunge ist bisher frei. Ter Verlaus ber Lungenentzündung ist kein günstiger und bie Situation, gilt für recht ernft Deshalb wirb ber Kaiser, wie es heißt, bie nächste Zeit in Potsbam bleiben.
Prinz EitelFriedrich würbe am heutigen Geburtstage des Kaisers zum Hauptmann im 1. Garderegi- nrent, Prinz Abalbert zum Oberleutnant zur See ernannt.
Ein militärischer Erlaß.
Wir haben gestern in unserem Leitarttkel zu Kaisers Geburtstag bavon gesprochen, baß ber Kaiser stolz auf sein Heer ist. Es war daher anzunehmen, daß er auch heuer an seinem Geburtstage des deutschen Heeres gedenken würde. Er hat gestern folgende Ordre bett, die Vereinfachung des Exerzier- und Schießdienstes erlassen:
Ich will, daß mehr Zeit für bie Förderung ber gefechtmäßigen Ausbildung meiner Infanterie gewonnen wird, und befehle daher die Vereinfachung des Exerzier- imb Schießdienstes nach den in der Anlage enthaltenen allgemeinen Grundsätzen. Ich tue dies mit dem festen 33 er trauen, daß die 0 lthergebrachte Ordnung und (Straffheit bei allen Uebungen und bie Leistungen im Schulschießen hierdurch keine Einbuße erleiden.
Tie hier erwähnten allgemeinen Grundsätze ber Neuerung sind:
Aenderungen zum Exerzierregleme nt: Fortfall des Rückwärtsrichtens: Fortfall der Front- und Kehrtwendung beim Übergang aus dem Marsche zum Feuern; Fortfall der Ueb- mtgen im Karree; Fortfall der Doppelkolonne und V'rein'achung der Sckulbewegnngen im Bataillon; Erweiterung der Kompagnieabstände in der Tiefkolonne; A e n d e r n r. g zur Schieß- Vorschrift: Beschränkung des Schulschießens auf die Entfernung bis 400 Meter: Einschränkung des gefechtsmäßigen Einz-'lschießens zu gunsten des Abteilungsschießens; Abhaltung des Prüftmgs- schießens im Gelände durch; die Regimentskommandeure oder die höheren Vorgesetzten.
Diese Aenderungeu dürsten in allen militärischen Kreisen mit Freuden begrüßt werden. |
Auszeichnungen.
Der „Reichsanz." veröffentlicht eine große Anzahl von Aus- tzeichnungcn, welche der Kaiser aus Anlaß seines Geburtstages verliehen hat. Es erhielten u. a. das Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub Finanzminisler Frhr. v. Rhein- baben, den Iloten Adlerorden 1. Kl. Fürst zu Erbach- Schönberg und der württembergische Kriegsminister von Schnürten, den Roten Adlerorden 2. Kl. Geh. Kommerzienrat Arnold v. Mendelssohn-Bartholdy und der russische Militärattackee Oberst v. Schebecko, den Krouenorden 1. Kl. mit Brillanten. Generalintendant v. Hülsen, den Kronenorden 3. Kl. Fabrikbesitzer Arnold von Siemens. — Dr. v. Mutzenbecher wurde zum Intendantm der kgl. Schauspiele in Wiesbaden ernannt. Dem Gesandten in Bern, v. Bülow, und dem ^'esandtm Grafen v. Vourtalös wurde der Charakter als Wirkt. Geh. Rat mit dem Prädikat Excellenz verliehen. Den Fabrikanten und Kommerzienräten Theodor Schlumberger unb Max Frey in Mülhausen wurde der Charakter als Geh. Kommerzienrat verliehen. — Der Gouverneur von Kiautschvu Kapitän z. S. T r u p p e l wurde zum Kontreadmiral befördert.
Den Schwarzen A d l e r 0 r d e n erhielten Oberstkämmerer Fürst Solms-Baruth und Admiral H 0 l l m a n n , die Kette zum Hohenzollernschen Hausorden Oberhofmarschall Graf Eulenburg, das Oftoßkreuz des Roten Adlerordens Admiral Frhr. von Senden-Bibran .den Roten Adlcrorden 1. Kl. mit Schwertern <im Ringe Gcneraladjutant v. Scholl, den Roten Adlerordcn 1. Kl. mit Eichenlaub und Krone Generaladjutant Graf Hülsen- häseler. Dem Admiral Bendemann, Chef der Marinc- station der Nordsee, ist der erbliche Adel verliehen worden.
Ferner erhielten den Wilhelmsorden Landrat Berthold in Alumenthal, die kgl. Krone zum Roten Adlerorden 3. Kl. mit der Schleife Marinenmler Saltzmann, den Roten Adlerorden Z. Kl. mit der Schleife der Direktor des H0henzollernmuseums


